Zeitraffer

Bis auf einen Konzert-Artikel habe ich hier scheinbar lange nichts Brauchbares zustande gebracht. Allerdings wirklich nur scheinbar, denn im Hintergrund habe ich zwei komplette Maus-Akkus verbraucht. So ein Blogumzug kann ziemlich aufwändig sein, was nicht zuletzt an den Bildern liegt, die sich im Laufe der Jahre so angesammelt haben. Und auch die Technik hat mich, der ich davon kaum etwas verstehe, zuweilen etwas aufgehalten und erforderte den einen oder anderen Hilferuf. Inzwischen entspricht alles so weit wie möglich meinen Vorstellungen und ich habe eine Menge dazugelernt.

Weil die letzten Wochen aber durchaus nicht ganz ereignislos waren, will ich quasi im Zeitraffer davon erzählen, während ich nebenbei eine Tüte Erdnüsse knabbere.

SKYFALL

Wie unheimlich viele andere Menschen auch haben wir inzwischen den neuesten Bond im Kino gesehen. „Skyfall“ heißt er und legte vorab die Erwartungen ganz schön hoch. Obwohl uns der letzte Teil nicht so gut gefallen hat, ließen wir uns von der Euphorie anstecken und versuchten, Tickets für das erste Wochenende zu ergattern. Allerdings waren wir dafür so spät dran, dass weder in Hamburg noch in Lübeck oder Bad Schwartau Plätze frei waren. Halb so wild, wir holten das dann unter der Woche nach. Im Filmtheater am Rande der Marzipan-Innenstadt erklommen wir die steile Wendeltreppe in den am höchsten gelegenen Saal und machten es uns in der letzten Reihe roter Kuschelbänke gemütlich. Vor uns saß ein lustig-alkoholisiertes Pärchen, das sich köstlich und lautstark über alles mögliche amüsierte, nur nicht über den laufenden Film und sehr zu Lasten aller anderen. Das sind die Momente, in denen ich mich auf unser eigenes rotes Sofa im heimischen Wohnzimmer wünsche…

Den Film konnte uns das allerdings nicht vermiesen. Mir persönlich gefiel er besser als jeder andere Bond, den ich kenne.

FAMLIENBESUCH

Ich hatte übrigens Urlaub in dieser gerade auslaufenden Woche. Nur ich, ganz allein. Weil Engelchen ja noch mitten in der Probezeit steckt, musste ich auf seine Gesellschaft leider verzichten. Allerdings mangelte es mir nicht an Aktivitäten. Nach einem faulen Montag stand am Dienstag ein Werkstatttermin auf dem Programm, für den ich ziemlich früh aus den Federn musste. Ich fuhr meinen Freund zur Arbeit und machte mich kurz darauf auf den hundert Kilometer langen Weg in die Stadt mit den Hochhäusern, wo meine Winterreifen lagerten. Dort übergab ich mein blaues Auto meinem Ex-Freund, dem Mechaniker, und bekam dafür seinen weißen Sport-Flitzer. Damit flitzte ich zu meiner Schwester, meiner Nichte und meiner Mum (die meinen vor Wochen angekündigten Besuch doch glatt vergessen hat!). Meine kleine Nichte wird im kommenden Monat sechs Jahre alt und freut sich schon auf ihre Einschulung im nächsten Jahr (zu der sie mich dann auch gleich eingeladen hat).

Am Abend, als ich längst wieder zu Hause angekommen war, packte ich meine Sporttasche und meinen Badminton-Schläger und machte mich auf den Weg zur Sporthalle, um mich so richtig auszupowern.

MINI-AUFTRAG

Weil ich in dieser Woche so viel Zeit hatte, nahm ich einen kleinen Besorgungs-Auftrag von meinem Freund entgegen. Apple hat ja kürzlich sein iPad-Mini vorgestellt und jetzt ratet mal, wer ganz wild drauf war? Ich fuhr also mit dem frisch winterbereiften blauen Peugeot über die Autobahn nach Hamburg (weil in unserer Stadt wieder nichts zu holen war). Am vergangenen Samstag, auf dem Weg zum Konzert, hatten wir es im Apple-Store schon einmal versucht, aber selbst dort war das Gerät ausverkauft.

Nach einer guten Stunde stieg ich am falschen Ausgang aus der S-Bahnstation ans graue Tageslicht und stand direkt vor der Alster, während der Apple-Store hinter mir auf der anderen Straßenseite leuchtete. Ich nutzte die unerwartete Perspektive für ein Handy-Foto. Wie ungünstig für die Optik, dass sich ein Teil des Gebäudes hinter der Bahn-Station versteckt.

Im Store wurde ich von James angesprochen, einem Verkäufer in blauem Shirt. Er nahm meine Wünsche entgegen und überbrückte die Wartezeit mit nettem Smalltalk. Er kommt ursprünglich aus Seattle, lebt mittlerweile in Berlin und macht im Hamburger Apple-Store gerade ein Praktikum. Bald darauf hielt ich das Mini in Händen, zahlte mit meinem guten Namen und stieg die Stufen zur S-Bahn wieder hinunter. Auftrag ausgeführt.

Mittlerweile ist selbst das Wochenende schon wieder um. Der Sonntag hat seine graue Schale gegen einen dunkelblauen Mantel getauscht. Meinem Siebentagebart muss ich gleich mit der Klinge und einem Hemd mit dem Bügeleisen zuleibe rücken. Auch mein letzter Urlaub für dieses Jahr ist Geschichte. Aber das macht nichts. Die bevorstehenden Feiertage liegen so gut, dass da insgesamt glatt nochmal zwei Wochen bei rausspringen.

Fremdgänger

Am 12. September stellte Apple sein neues Flaggschiff vor: Das iPhone 5. Wie viele andere Menschen auch habe ich lange gespannt gewartet und mich gewundert, dass das Unternehmen in diesem Jahr alle anderen namhaften Anbieter an sich hat vorbeiziehen lassen. Steckte Kalkül dahinter? Oder ist Apple nach Steve Jobs Tod wie gelähmt?

Um das herauszufinden und um uns eines besseren belehren zu lassen haben wir am Tag nach der Veröffentlichung unser Ferienhaus vorübergehend hinter uns gelassen und sind dorthin gereist, wo es Zugang zu einem WLAN gibt: Esbjerg. Jeder einen Burger mümmelnd lud ich die sogenannte Keynote auf mein iPad herunter, also die vollständige Aufzeichnung der Apple-Veranstaltung. Das dauerte eine Weile, denn der öffentliche Internet-Zugang im dänischen Esbjerg war nicht unbedingt der schnellste…

Die Keynotes sehe ich mir immer gern an, sie sind gut gemacht und können mich immer wieder begeistern.

Doch diesmal nicht. Das neue iPhone hat mich ziemlich enttäuscht, was zum Einen an der langen, Erwartungen schürenden Wartezeit und zum Anderen an Konkurrenzprodukten lag, die einfach mittlerweile das iPhone überholt haben. Apple hat natürlich wieder eine Menge Innovationen in sein neues Produkt gepackt. Sie haben die Technik noch kleiner gemacht, die Verarbeitung der Geräte sei so präzise wie bei einer Schweizer Uhr. Aber was sich äußerlich getan hat, hat meine Erwartungen bei Weitem nicht erfüllt. Sie haben das Gerät einfach etwas länger gemacht, so dass eine weitere Vierer-Reihe Apps auf das Display passt. Die Sprachsteuerung ist nicht neu, und während ich gehofft hatte, dass sich Siri jetzt durch einen Sprachbefehl angesprochen fühlt (wie andere Unternehmen das bereits anbieten), muss man hier nach wie vor auf dem Display einen Button drücken, um es zu aktivieren. Die Karten-App ist jetzt ein Navigationssystem, da waren andere Anbieter aber auch schneller. Und als Gimmick kann man jetzt ganz einfach Panorama-Fotos erstellen. Ui, toll…

Ich hatte mir ein breiteres (nicht längeres) Display gewünscht, um das Tippen auf der kleinen Tastatur zu erleichtern. Eine sprach-aktivierende Spracherkennung, damit ich das iPhone beim Autofahren einfach verwenden kann (oder es einfach rufen kann, wenn ich es mal wieder verlegt habe). Ganz ehrlich, ein Panorama-Foto-Tool ist für mich keine Innovation, die ich von Apple gewöhnt bin.

Und so kam es, dass ich mir gestern ein Fremdprodukt bestellt habe. Und habe ich deshalb ein schlechtes Gewissen? Ein bisschen schon. Aber um das iPhone zu kaufen, reicht es nicht mehr, dass es von Apple ist.

In zwei Jahren sprechen wir uns wieder.

 

Mai, ist das schön!

Er hat uns ja ziemlich warten lassen, aber inzwischen ist er voll durchgestartet. Zuerst war er schüchtern und unterkühlt, aber dann feurig und schweißtreibend! Vielleicht hat er sich dabei etwas zu sehr verausgabt, denn jetzt gerade braucht er anscheinend eine Pause. Der Frühling, natürlich. Mein Balkon steht in frischem Grün, das sich in rasend schnellem Tempo aus der Erde pult – gestern habe ich die erste eigens angebaute Erdbeere dieses Jahres gegessen (mehr als die eine war noch nicht reif).

Ich bin ja eher der nordische Typ. Wenn meine blasse Haut die Sonne sieht, fängt sie zwar nicht gerade zu glitzern an (was vorübergehend ziemlich cool wäre). Dennoch treibt es mich quasi von Schatten zu Schatten, wenn ich mich mal nicht im Schutze der Dunkelheit aufhalte. Die vielen Sonnenbrände meiner Kindheit sind mir und meiner Haut noch gut in Erinnerung, obwohl das inzwischen ja schon ein paar Tage her ist. Und so kommt es, dass ich trotz und vor allem wegen des feurigen Temperaments des Monats Mai meistens lieber daheim geblieben bin und mich wirklich nur hin und wieder und dann auch nur ganz kurz auf den Balkon in die pralle Sonne gesetzt habe. In der übrigen Zeit habe ich zum Beispiel an einem neuen Intranet-Design meiner Firma gearbeitet. Übermorgen, also am Freitag, stelle ich meinen Entwurf erstmals einem der verantwortlichen Kollegen vor. Was ursprünglich als reine Übung daherkam, ist mir mit jeder neuen Seite, jeder Grafik, jeder Idee (und jedem Programmabsturz) ein Stückchen ans Herz gewachsen und ich hoffe natürlich, dass mein Entwurf ankommt. Rein von der Idee her kann da nichts schiefgehen, denn das bisherige Intranet ist – naja, praktisch nicht vorhanden. Bleibt nur die Frage, ob sich das neue technisch auch problemlos einbinden lässt, weil wir da von einem zentralen Rechenzentrum abhängen, das erstens weit, weit weg ist und zweitens so ein eigenes Intranet theoretisch auch hosten muss. Und das klärt sich übermorgen.

Ja, und dann steht uns auch schon der Juni bevor. Da werden wir als erstes Men in Black III im Kino ansehen. Außerdem Jamies Geburtstag feiern, schwimmen und saunieren, meine beste Freundin wiedersehen und mühsam auf den Sommerurlaub hinarbeiten, auf den wir dann noch einen weiteren Monat warten müssen. Also jede Menge Pläne und mit Glück ein paar Gelegenheiten für Fotos, die in meinem Blog schon wieder zu kurz kommen…