Ansichtssachen

Der gestrige Samstag hatte es in sich. Zunächst fuhren wir am frühen Nachmittag über die Autobahn nach Hamburg, um John und Becky einzusammeln. Ursprünglich wollte ich unbedingt ins Museum für Hamburgische Geschichte. Wie wir leider feststellen mussten, schließt das Museum täglich schon um 17 Uhr – außer sonntags, was ich ziemlich blöd finde. Weil wir keine Lust hatten, durch die Ausstellungen zu rennen, entschieden wir uns kurzerhand für die Alternative: Eine Fotoausstellung in den Deichtorhallen. Das Haus der Photographie war zuletzt 2011 mein Ziel gewesen, wo ich mir Interpretationen von Traummännern ansehen durfte. Leider darf man in der Ausstellung selbst keine Fotos schießen. Nachdem wir mit der U-Bahn angereist waren und das letzte Stück durch eisige Kälte liefen, löste Becky unsere Tickets für nach wie vor 9 Euro pro Person. Da die bisherige Ausstellung der Fotografien von Albert Watson verlängert und sich gleichzeitig seit gestern die Räumlichkeiten mit einer weiteren Ausstellung teilt, vermischen sich die Eindrücke, zumal es keine wirkliche optische Trennung gab. Während Watson Aufnahmen von Prominenten aus Musik und Film inszenierte, stellen sieben weitere Fotografen ihre Werke in der Reihe “Gute Aussichten – junge deutsche Fotografie” aus, die mal abstrakt, mal nachdenklich, erschütternd und anmutig daherkamen.

Als wir die Ausstellung nach einer guten Stunde wieder verließen, war die Dämmerung bereits über die Stadt hereingebrochen und verhüllte alles mit einem intensiven Blauschleier. Wir hatten noch ein weiteres Ziel an diesem Nachmittag, bevor wir uns auf die Jagd nach etwas Essbarem machen wollten: Die U4! Die U-Bahn-Linie 4 führt direkt in die HafenCity und ist erst vor kurzem eröffnet worden. Dabei interessierten mich zwei Dinge ganz besonders: Die beiden neuen Haltestellen und die neuen Züge. Letzteres blieb uns leider verwehrt, weil der neue DT5 außer zu Testzwecken noch nicht im öffentlichen Schienennetz unterwegs ist. So fuhren wir also vom Hauptbahnhof aus im DT4 zunächst zur Haltestelle “Überseequartier” und waren – aufgrund verwirrender Auskünfte – gespannt, ob der Zug noch eine Station weiter fahren würde. Diesmal hatten wir Glück, die U-Bahn setzte sich in Bewegung und fuhr wenig später in die wohl designstärkste Haltestelle ein, die Hamburg derzeit zu bieten hat: “HafenCity Universität”. Alle Fahrgäste verließen hier den Zug, weil die Strecke noch nicht weitergeht. Am auffälligsten in dieser Station sind die Lichtcontainer, die an der Decke hängen und wechselnde Farben an die Wände werfen. Die Wände selbst bestehen aus waagerechten Rechtecken in Bronzeoptik, was der Station ein edles Aussehen gibt, wie ich finde. Wenn man die Treppen hinaufsteigt, gelangt man links und rechts zu Aussichtsplattformen, deren Glasfronten einen Einblick in die gesamte Haltestelle gewähren.

Wir stiegen weitere Stufen hinauf, um zu sehen, wo genau wir uns eigentlich befanden. Es hatte zwischenzeitlich zu schneien begonnen und war überdies auch noch vollständig dunkel geworden. Das machte aber gar nichts, denn als wir an der Oberfläche ankamen, waren wir von Baustellen umgeben. Auf der größten davon steht ein Gerippe aus mehreren Stockwerken, aus dem noch in diesem Jahr die Universität werden soll.

Weil es hier oben so schrecklich ungemütlich war, tauchten wir wieder unter, um den nächsten Zug zurück zu nehmen. An der Station “Überseequartier” verließen wir die U4 erneut, um uns auch diesen Neubau anzusehen. Mit der letzten kann diese hier nicht mithalten. Sie ist hauptsächlich in Blautönen gehalten und wird künftig besonders für Besucher des Cruise-Centers interessant sein. Der Weg an die Oberfläche war hier ziemlich weit, drei Stockwerke mussten wir überwinden, um uns auch hier den Schnee um die Nase pusten zu lassen. Wie schon an der Uni waren wir auch hier von Baustellen umzingelt, die im Dunkeln gespenstisch verlassen dalagen. Weiter vorn konnten wir deutlich den Marco-Polo-Tower und ein Stück weiter rechts das Sumatra-Haus ausmachen. Das Überseequartier, dem die Haltestelle ihren Namen verdankt, ist auf dieser Höhe noch nicht fertiggestellt.

Allmählich knurrte uns vieren doch deutlich der Magen. Mit dem Zug machten wir uns auf den Weg zurück, um bei “Jim Block” in der Fuhlsbütteler Straße Burger zu essen. Beim kleinen Bruder des Steak-Riesen “Block House” bin ich zuvor nie gewesen, war vom Ambiente aber ziemlich angetan, mit dem es sich – wenngleich ebenfalls ein Schnellrestaurant – von den üblichen Burger-Ketten abhob. So gesättigt an Eindrücken und mit einigermaßen vollen Mägen endete bald darauf unser Besuch in Hamburg. Durch dichtes Schneegestöber krochen wir über die Autobahn zurück in die Marzipanstadt und freuten uns auf einen entspannten Sonntag.

IKEA ist Schuld!

Die Marzipanstadt bekommt einen eigenen IKEA. Das ist eigentlich nicht neu, die Pläne gibt es schon seit Jahren und haben sich schlussendlich gegen den massiven Widerstand durchgesetzt, der für diese Stadt symptomatisch ist. Aus Platzgründen siedelt sich das blau-gelbe Möbelhaus inklusive eines Skandinaviencenters natürlich nicht auf der historischen Altstadtinsel sondern eher rändlich an. Sehr zum Missfallen der innerstädtischen Kaufleute, die IKEA bereits die Vorschussschuld an sinkenden Käuferzahlen und infolge dessen Umsatzrückgängen geben. Das ist auch der Hauptgrund, aus dem die Planungen so lange blockiert wurden.

Mein Freund und ich sind heute Abend einer spontanen Eingebung gefolgt und haben unsere schöne Altstadt aufgesucht. Den Weihnachtsmarkt, der erst nach morgen abgebaut und für ein Jahr in der Weihnachtskiste verstaut wird, kann ich zwar nicht mehr sehen, aber daran kommt man derzeit eben nicht vorbei. Auf der Suche nach Plüschpuschen (ja, wirklich) steuerten wir zunächst ‘Wicky’ an. Der Laden ist bekannt für allerlei Krimskrams, den zwar eigentlich niemand braucht (zum Beispiel lila-blinkende Heiligenscheine, Pimmelnudeln oder nippelige Tittenbecher), bei dem man aber trotzdem immer irgendwas findet. Immer. Nur nicht die richtigen Plüschpuschen. Na egal. Wir zogen weiter. Einige Geschäfte auf dem Weg sind verwaist, die dunklen Schaufenster mit Aufklebern und ausgelutschten Kaugummis dekoriert. Karstadt hingegen ist noch immer über und unter mit miooonen Lichtern geschmückt und hält erbittert am Weihnachtsgeschäft fest! Plüschpuschen suchten wir hier allerdings nicht mehr. Stattdessen sind wir – völlig unbeabsichtigt – in der DVD-Abteilung gelandet um uns die erste Staffel von “Misfits” zu kaufen. Allerdings ist die Serienabteilung bei Karstadt ein schlechter Witz, weshalb wir gleich darauf weiterzogen zum ‘Pressezentrum’. Die haben eigentlich alles. Eigentlich. “Misfits” war jedoch weder zu finden noch bekannt, erst nach einiger Recherche bot man uns an, die DVD zu bestellen. Bestellen können wir sie allerdings selbst, und das sogar günstiger und hochauflösend. Ein wenig gefrustet angesichts all dieser Konsum-Enttäuschungen machten wir uns auf den Rückweg, untersuchten ‘Deichmann’ auf Plüschpuschen, die uns zwischenzeitlich wieder eingefallen waren, und kamen mit einem Paar Winterstiefeln wieder heraus… Dann noch kurz zu ‘Esprit’ – warum auch immer. Die Herrenabteilung, die anfangs das erste Obergeschoss belegte, ist inzwischen so weit zusammengeschrumpft, dass sie kaum noch der Rede wert ist. Als wir direkt nebenan ‘s.Oliver’ einen Besuch abstatten wollten, wurden wir schon am Eingang begrüßt mit “Wir schließen in zwei Minuten!”. Wir machten also auf dem Absatz kehrt, liefen an drei Kiffern vorbei, die sich am Ende eines Durchgangs einen Joint drehten, trabten eine mit Glassplittern übersäte Betontreppe hinunter und steuerten den Bezahlautomaten am Parkhaus an. Dieser unverschämte Kasten verlangte sodann vier Euro Parkgebühr von uns, die wir zähneknirschend in seinen Schlitz fallen ließen. Immerhin günstiger als Busfahren, das hätte uns beide insgesamt knapp zehn Euro gekostet.

Geschäfte, denen es am richtigen Sortiment und an Kunden mangelt, Geschäfte, die schon längst nicht mehr da sind und Verkäufer, die ihre Kunden nicht mit “Kommen Sie, rein, da haben Sie aber Glück gehabt!” begrüßen sondern mit “Wir schließen gleich!”. IKEA sollte sich schämen, sobald es gebaut und eröffnet ist. Nicht zuletzt für seine kostenlosen Parkplätze.

Freud und Leid der Winterzeit

Es war gestern Nachmittag, als handtellergroße Schneeflocken vom Himmel schwebten, ganz langsam, aber sehr zahlreich. Im Nu hatten sie alle Dächer der Marzipanstadt in Beschlag genommen. Auf der Straße blieben Menschen stehen und blickten in den Himmel hinauf, bestaunten die Wolken, die sich so ungewohnt spendabel zeigten.

Die weiße Pracht hatte die Stadt schnell im Griff und nur allmählich bemerkten die Bewohner, dass ihnen das, was gerade noch von oben kam, unlängst den Heimweg erschwerte. Das historische Kopfsteinpflaster mutierte zu glitschigen Hindernissen und die Radwege verschwanden unter einer widerspenstigen Schneedecke. Wie in jedem Jahr gelang es der städtischen Administration nicht, dem plötzlichen Winter ausreichend Personal entgegenzustellen, um die Verkehrswege rechtzeitig von der weißen Pracht zu befreien. Und so war es tatsächlich eine halsbrecherische Entscheidung, heute Morgen wider besseren Wissens das Fahrrad zu benutzen. Auf die Busse kann man sich ja leider nicht verlassen, das musste ich gestern zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen erfahren, als ich mit einer Horde Berufstätiger eine halbe Stunde lang klappernd an der Haltestelle stand, ohne, dass auch nur ein einziger Bus vorbeigekommen wäre.

Jetzt steht mein Drahtesel in der Firma, denn nach dem heutigen Bummel auf dem maritimen Weihnachtsmarkt hab ich mich doch lieber von meinem Freund auf vier Rädern abholen lassen. Inzwischen habe ich mich fast jeden Tag ins bunte Treiben gestürzt und kann bald Rostbratwurst, Burgunderbrötchen, Crêpes und Muzen nicht mehr sehen. Nur schöne Fotos sind mir bisher nicht gelungen. Da muss ich wohl nochmal hin…

Saison

Die Weihnachtssaison hat begonnen, auch in der Marzipanstadt. Seit Montag leuchten bunte Sterne, Kerzenbögen und Ketten voll funkelnder Vorfreude in den Fenstern meiner Nachbarschaft. Von der Innenstadt weht der Duft  frischer Muzen und gebrannter Mandeln herüber: Es ist wieder Weihnachtsmarkt. Während am einen Ende der City ein hell erleuchtetes Riesenrad seine Runden dreht, noch weit über die historischen Mauern hinaus sichtbar, ist der Rathausplatz wieder ein einziger Markt voller Buden und Stände. Mit diesem Ziel schlendere ich durch die Fußgängerzone. Links und rechts von mir bieten Händler ihre Waren feil. Vorbei am “Bullenstall” biege ich bald rechts unter dem historischen Rathaus hindurch auf den großen Platz, geselle mich zu den vielen Menschen, die sich bereits die vielen Köstlichkeiten schmecken lassen. Hier tummeln sich Glühwein, Burgunderbrötchen, Crêpes und Bratwurst, französisch, skandinavisch und bayerisch!  Ich umrunde den ganzen Markt, streife durch jede seiner Gassen, bleibe mal hier und mal dort stehen, begrüße Bekannte, stecke meine Nase in einen Punschbecher und stille meinen Hunger an Grillständen. Über mir funkelt ein festliches Lichtermeer. Direkt hinter dem Markt, jenseits der Rathauszinnen, ragt Sankt Marien in den Nachthimmel. Zu Füßen der größten Backsteinbasilika Europas steigt würziger Rauch aus Feuerkörben und vermischt sich mit dem Duft gerösteter Maronen, Met und Punsch. Auch hier labe ich mich an verschiedenen kulinarischen Waren. Bald schon wanke ich zufrieden durch die geschmückten Altstadtstraßen zurück nach Hause, schalte meine eigene Weihnachtsbeleuchtung ein und warte auf den ersten Schnee.

Seltener Besuch

Am gestrigen Sonntag unternahmen Engelchen und ich eine kleine Reise nach Hamburg. Anlass war der Besuch einer Schulfreundin von mir, die vor einigen Jahren an den Bodensee gezogen ist. Und so trafen sich vier Schulfreunde und mein Engel in der Hansestadt, um den Nachmittag miteinander zu verbringen. Nicht in der guten Stube, natürlich, und so zogen wir los mit etwas ähnlichem wie einem Plan.

Wir starteten in der Deichstraße. Die historische Gasse mit ihren exklusiven Häusern und Lokalitäten richtet ihren Blick genau auf die werdende Elbphilharmonie, die später noch unser Ziel sein sollte. Zunächst lechzten wir aber nach original französischen Crêpes, weshalb wir kurzentschlossen in ein Restaurant einkehrten. Weit kamen wir nicht, denn der Inhaber, ein Bretone, fing uns fünf frühzeitig ab um uns – auf französisch – zu erklären, dass das Lokal voll sei und wir unser Glück später noch einmal versuchen sollten. Etwas enttäuscht trollten wir uns, um dann eben nebenan in einer belgischen Waffelerie unseren Zuckerbedarf zu stillen. Der sehr kleine Laden war schon voll, wenn drei Leute nebeneinander am Tresen standen und so eine Waffel benötigte rund zehn Minuten Zubereitungszeit – aber sie war dafür auch unheimlich lecker.

Nach diesem kulinarischen Kurzurlaub zog es uns weiter in die HafenCity. Inzwischen waren wir schon eine zeitlang nicht mehr hier gewesen und deshalb neugierig auf die Fortschritte. Die Philharmonie, die wir ja schon von Ferne aus der Deichstraße hatten betrachten können, hat sich augenscheinlich nicht weiterentwickelt. Immerhin scheint die Stadt Hamburg als Bauherr die Baufirma davon “überzeugt” zu haben, dass die Dachkonstruktion halten wird, sodass der Bau nun nach einiger Verzögerung fortgesetzt wird.

Der Spaziergang durch die HafenCity, vorbei an kleinen Booten und nicht so kleinen Yachten, führte uns zu einem noch etwas größeren Schiff. Die Queen Mary 2 hatte sich mal wieder zu einem Besuch in ihrer Lieblingsstadt entschieden und ankerte hinter dem Marco Polo Tower unter den staunenden Augen tausender Menschen. Dank des sonnigen Wetters war dieser Stadtteil also sehr gut besucht. Ein schlauer Mann hatte eine kleine Empore errichtet, auf der er zahlungswillige Touristen vor der QM2 ablichtete. Die Idee machte sich anscheinend bezahlt, denn die Schlange anstehender Leute war beachtlich. Am Abend sollte das Kreuzfahrtschiff die Anker lichten, begleitet von einem großen Feuerwerk. Engelchen und ich nahmen das in unser Vielleicht-Abendprogramm auf, ehe wir zu fünft aufbrachen, um dem Rest unseres imaginären Planes zu folgen.

Das nächste Ziel war die Parkanlage Planten un Blomen, die vor einigen Jahrzehnten anlässlich einer Gartenausstellung entstanden war. Unsere Idee, dort Minigolf zu spielen, war leider nicht sehr originell, die Bahnen waren ziemlich voll und die voraussichtliche Dauer wäre unserem nächsten und mit Abstand wichtigsten Programmpunkt in die Quere gekommen: Essen beim Chinesen! Also ließen wir das Sportprogramm fallen und fläzten uns dafür auf die mitgebrachte Picknickdecke ans Wasser mitten im Grünen. Ein Stückchen weiter tobten sich Inline-Skater und Skateboarder auf der Bahn aus, auf der wir vor wenigen Monaten noch eislaufen waren.

Als wir fast eine Stunde später das winzige China-Restaurant betraten, hatten wir ziemlich runde Füße, so dass Engelchen und ich das Abendprogramm einhellig über Bord warfen. Bald nach dem Essen verabschiedeten wir uns von unseren Freunden und machten uns allmählich auf den Weg zurück in die heimatliche Hansestadt.

Wechselhaft

Ich hatte mir den Wecker auf kurz vor neun Uhr gestellt, damit ich meinen ersten Urlaubstag nicht verschlafe. Es ist ganz still im Haus, selbst die beiden Kuschelkater liegen noch schlummernd verteilt auf dem größten Teil meiner Bettdecke. Das Bett links von mir ist verwaist, Engelchens Urlaub ist vorüber. Jetzt darf ich.

Es ist halb neun, als ich meine Füße aus dem Bett schwinge und auf den roten Teppich vor meinem Bett stelle und erst einer und dann ein zweiter Kater hinterherspringen. In Begleitung schlendere ich in unser winziges Bad.

Nicht mal eine halbe Stunde später stecke ich die Speicherkarte in meine Kamera. Entgegen den Vorhersagen überrascht mich ein blauer Himmel, der nur spärlich von kleinen weißen Wölkchen dekoriert ist. Flugs schiebe ich mein neues Fahrrad aus dem Keller und mache mich auf den Weg in die Innenstadt. Trotz Sonnenschein ist es mächtig kalt und ich bin froh, meine schwarze Wollmütze und die schwarzen Handschuhe zu tragen.

Ich überquere die Trave von Norden her und bleibe am Burgtor stehen. Die Morgensonne steht günstig für ein paar Aufnahmen.

Weiter radele ich durch holprige Altstadt-Gassen bis zum Bäcker. Wo ich sonst nur drei Brötchen kaufe und wieder verschwinde, genehmige ich mir heute ein anständiges Frühstück. Von meinem Fensterplatz aus habe ich einen guten Blick auf die belebte Straße, beobachte Lieferwagen, die die Geschäfte mit neuen Waren versorgen, Menschen, die gerade zur Arbeit gehen und Mütter, die bunte Kinderwagen spazieren fahren.

So gestärkt mache ich mich auf den Weg in die Buchhandlung. Nachdem ich den zweiten Band der “Tribute von Panem” gestern Abend ausgelesen habe, brenne ich darauf zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht.

Die meiste Zeit des restlichen Tages habe ich im Garten verbracht, mit einem Abstecher zum Baumarkt. Inzwischen ist das Wetter aber so unstet geworden, dass sich Sonne, Regen und sogar Schnee abwechseln. Deshalb habe ich mich inzwischen nach drinnen verzogen und werde gleich in mein neues Buch abtauchen.

Entjungfert

Nach dem verkorksten letzten wird dieses sicher ein Jahr der Höhepunkte. Das habe ich schon in der Neujahrsnacht beschlossen, als ich mit Freunden aus der Marzipan- und der Marmeladenstadt auf den fetten Schlussstrich unter der 2011 anstieß. Mehr Aktivität steht auf meinem persönlichen Jahresplan, mehr Ausgleich zur Arbeit, mehr Zeit für mich und meine Kamera – beide haben im letzten Jahr ziemlich viel Staub angesetzt.

Das eine oder andere hat in den ersten beiden Januarwochen noch nicht so ganz funktioniert. Saisonbedingt fällt im Januar zum Beispiel immer unheimlich viel Arbeit an, weil neben dem neuen Jahr auch noch ein frisches Halbjahr und ein neues Vierteljahr beginnt, haufenweise Stichtage also, die jede Menge Arbeit mitbringen. Und so war ich in den letzten Tagen selten vor halb acht zu Hause. Dass die Tage schon wieder länger werden, bekommt man da gar nicht so richtig mit.

Was die Aktivitäten angeht, daran arbeite ich noch. Ich war erst einmal im Fitnessstudio, ansonsten konnte ich mich dank der vielen Arbeit erfolgreich drücken, ohne mein Gewissen allzu schlimm zu belasten. Ab kommendem Dienstag greife ich dann aber zusätzlich zum Schläger. Meine Freundin Betti schlug vor, alle zwei Wochen mit ihr Badminton zu spielen, was meinem guten Vorsatz sehr entgegenkommt. Ich freu mich drauf und war heute schonmal im Internet neue Sportklamotten shoppen.

Der gestrige Samstag hob sich von den vorangegangenen 13 Tagen durch massig Sonnenschein am blauen Winterhimmel ab. Na ja, “Winter” haben wir schon anders erlebt, von Schnee fehlt nach wie vor jede Spur. Aber immerhin ist es jetzt schön kalt und der lästige Regen hat eine Pause eingelegt. Ich packte also nach dem Aufstehen meine gute Laune, meine Kamera und meinen Freund ein, um meiner Lieblingsstadt einen Besuch abzustatten. Nach einem Zwischenstopp beim Bäcker fliegen wir über die Autobahn nach Hamburg.

Wie so oft führt uns der Weg in die HafenCity. Diesmal lassen wir allerdings Elbphilharmonie und Marco-Polo-Terrassen rechts liegen, denn das kennen wir nun schon. Stattdessen wagen wir uns weiter voran ins Überseequartier. Ich muss gestehen, dass das an mir völlig vorübergegangen ist. Bis zum Sumatra-Haus sind wir bisher gekommen, ahnungslos, dass die HafenCity dahinter bereits weitergeht! Zwischen zwei markanten Gebäuden betreten wir den Überseeboulevard, an dessen Ende die Elbe liegt. Wir sehen Reste der anscheinend pompösen Weihnachtsdekoration. Vorbei an Häusern, deren Namen an Kaffee und Tee erinnern, erreichen wir die uns bislang unbekannte Seite des Sumatra-Hauses. Es ist aus meiner Sicht einer der Vorzüge der HafenCity-Architektur, dass jedes Gebäude von jeder Seite anders aussieht und trotzdem unverwechselbar ist.

Sumatrahaus – Hamburg HafenCity

Überseeboulevard (himmelwärts)

Überseeboulevard (nordwärts)

Überseeboulevard (südwärts)

Zwischen all der modernen Baukunst steht das alte Hafenamt, das mit seiner historischen Architektur einen angenehmen Kontrapunkt bildet. Zur Zeit ist es von Plakaten umhüllt und entzog sich damit meiner Kamera. Während die Nordhälfte des Überseequartiers bereits fertiggestellt und belebt ist, ist der südliche Abschnitt noch komplett im Bau. Am Ende wird er westwärts durch das Kreuzfahrtterminal und ostseitig durch das Wissenschaftscenter flankiert werden, neben Marco-Polo-Tower und Elbphilharmonie weitere Eyecatcher direkt am Wasser.

Nach diesem inspirierenden Ausflug haben wir uns einen Kaffee verdient und besuchen unseren Lieblings-Starbucks am spröden Rödingsmarkt. Hier gönnen wir unseren Füßen und unseren Augen eine Atempause, außerdem können wir uns so ein wenig aufwärmen.

Ein letztes Ziel haben wir noch, ehe wir wieder in die heimatliche Hansestadt zurückkehren. Als ich das letzte Mal vor dem Apple-Store am Jungfernstieg stand, war er noch komplett verhüllt und im Bau. Inzwischen ist er eröffnet und am gestrigen Abend stand ich staunend vor dem gläsernen Laden mit dem großen, leuchtenden Apfel. Als ich den Laden betrat, fühlte ich mich wie ein kleines Kind, das ein Spielzeugparadies betritt. Das erste Mal in einem der legendären Apple-Stores ist schon etwas besonderes. Überall hochmotivierte Verkäufer in blauen Pullis, haufenweise Menschen und überall Glas. Selbst die zentrale Treppe, die das erste mit dem zweiten Ladengeschoss verbindet, ist komplett aus Glas. Ach ja, und Apple-Produkte natürlich. Erstaunlich unauffällig befanden sich gefühlt viel weniger Produkte als Menschen in diesem Geschäft. Ich schnappte mir als erstes ein rotes Ledercover für mein iPad 2. Mein bisheriges ist aus Kunststoff und hellblau, auch schön, aber eben nicht rot. Und nicht aus Leder. Nun gut, die 69 Euro haben mich bisher brav davon abgehalten, es zu kaufen, aber dies ist der Apple-Store!

Apple-Store am Jungfernstieg

Ich habe das lederne iPad-Cover letztlich wieder zurückgelegt, kurz nachdem die Vernunft die Oberhand über die Begierde zurückgewann. Und so gingen wir aus dem Laden, seufzend, ohne etwas gekauft zu haben. Aber egal, wir können ja jederzeit wiederkommen…