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JITTERS – SCHMETTERLINGE IM BAUCH
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Worum gehts?
In ‘Jitters’ lernen wir Gabriel kennen, einen 16-jährigen Isländer, der England bereist. Während des dreiwöchigen Aufenthalts teilt er sich ein Zimmer mit Markus. Die beiden unterschiedlichen Jungs lernen einander kennen. Markus ist lebensfroh und versucht, den stillen Gabriel mitzureißen. Gemeinsam tauchen sie schließlich in das Nachtleben ein, wo es zu einem romantischen Moment und zu einem Kuss kommt.
Wieder zurück in Island gerät Gabriel in Streit mit seiner kontrollsüchtigen Mutter, die umso weniger von ihrem Sohn erfährt, je mehr sie sich in sein Leben zu drängen versucht. Gabriels beste Freundin ist Stella. Sie lebt bei ihrer Großmutter, die ebenfalls einen Hang zu übermäßiger Kontrolle hat und das depressive Mädchen in den Wahnsinn treibt. Wir treffen außerdem Greta, ein strebsames Mädchen, das ihren Vater kennen lernen möchte und Gabriels besten Freund, der nichts als Mädchen und Partys im Kopf hat.
Mitten im größten Chaos, als die Gefühle in Trümmern liegen und die Welt aus den Angeln gerät, lässt Gabriel seinem Leben freien Lauf, bekennt sich zu Markus und bietet seiner Mutter und allen anderen die Stirn.
Wie wars?
Da ich weder einen Trailer gesehen noch mir die Inhaltsangabe durchgelesen hatte, bin ich ohne Erwartungen an diesen Film herangegangen. Die Coverabbildung gibt ja auch nicht besonders viel her. Der Film beginnt in England und ich war froh, dass der Film in englischer Sprache gedreht wurde. Nur wenige Minuten später erfuhr ich, dass Gabriel nur auf einer Reise ist. Mit Markus spricht er auch gleich isländisch und ich bin auf die deutschen Untertitel angewiesen. Dank des unaufgeregten Tempos ist das aber kein Problem. ‘Jitters’ ist schön gefilmt. In Rejkjavik, wo wir uns nach England aufhalten, gibt es für meinen Geschmack nicht viel zu sehen. Meistens halten wir uns in Wohnungen auf, oder begleiten Stella zur Arbeit in einen kleinen Shop. Als Zuschauer fühlte ich mich die ganze Zeit mitten drin. Die Emotionen und Stimmungen werden nicht nur durch die Musik und die Geschichte oder durch die tollen Schauspieler transportiert, sondern auch durch die geschickt eingesetzte Optik.
Die Story als solche empfinde ich eher als durchschnittlich, keinesfalls schlecht, aber eben auch nicht wirklich neu: Zwei Jungs verlieben sich, haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die Eltern der Figuren sind schwierig, es gibt die totale Katastrophe und am Ende kriegen sie sich oder sie kriegen sich nicht. Dass die meisten Katastrophen gar nichts mit der Beziehung von Gabriel und Markus zu tun haben, schiebt die Story wieder ein bisschen aus dem Mittelfeld. Unterhalten hat sie mich allemal. Sie ist sehr ernst, kein bisschen klamaukig, mit viel Emotionen, die mich auch schon mal zu Tränen gerührt hat. Aber auch unterschwellig erotisch und prickelnd, spannend und mit einer Vielfalt an Figuren.
‘Jitters’ ist ein toller Film, von dessen unscheinbarem Cover man sich nicht täuschen lassen sollte.
IKEA ist Schuld!
Die Marzipanstadt bekommt einen eigenen IKEA. Das ist eigentlich nicht neu, die Pläne gibt es schon seit Jahren und haben sich schlussendlich gegen den massiven Widerstand durchgesetzt, der für diese Stadt symptomatisch ist. Aus Platzgründen siedelt sich das blau-gelbe Möbelhaus inklusive eines Skandinaviencenters natürlich nicht auf der historischen Altstadtinsel sondern eher rändlich an. Sehr zum Missfallen der innerstädtischen Kaufleute, die IKEA bereits die Vorschussschuld an sinkenden Käuferzahlen und infolge dessen Umsatzrückgängen geben. Das ist auch der Hauptgrund, aus dem die Planungen so lange blockiert wurden.
Mein Freund und ich sind heute Abend einer spontanen Eingebung gefolgt und haben unsere schöne Altstadt aufgesucht. Den Weihnachtsmarkt, der erst nach morgen abgebaut und für ein Jahr in der Weihnachtskiste verstaut wird, kann ich zwar nicht mehr sehen, aber daran kommt man derzeit eben nicht vorbei. Auf der Suche nach Plüschpuschen (ja, wirklich) steuerten wir zunächst ‘Wicky’ an. Der Laden ist bekannt für allerlei Krimskrams, den zwar eigentlich niemand braucht (zum Beispiel lila-blinkende Heiligenscheine, Pimmelnudeln oder nippelige Tittenbecher), bei dem man aber trotzdem immer irgendwas findet. Immer. Nur nicht die richtigen Plüschpuschen. Na egal. Wir zogen weiter. Einige Geschäfte auf dem Weg sind verwaist, die dunklen Schaufenster mit Aufklebern und ausgelutschten Kaugummis dekoriert. Karstadt hingegen ist noch immer über und unter mit miooonen Lichtern geschmückt und hält erbittert am Weihnachtsgeschäft fest! Plüschpuschen suchten wir hier allerdings nicht mehr. Stattdessen sind wir – völlig unbeabsichtigt – in der DVD-Abteilung gelandet um uns die erste Staffel von “Misfits” zu kaufen. Allerdings ist die Serienabteilung bei Karstadt ein schlechter Witz, weshalb wir gleich darauf weiterzogen zum ‘Pressezentrum’. Die haben eigentlich alles. Eigentlich. “Misfits” war jedoch weder zu finden noch bekannt, erst nach einiger Recherche bot man uns an, die DVD zu bestellen. Bestellen können wir sie allerdings selbst, und das sogar günstiger und hochauflösend. Ein wenig gefrustet angesichts all dieser Konsum-Enttäuschungen machten wir uns auf den Rückweg, untersuchten ‘Deichmann’ auf Plüschpuschen, die uns zwischenzeitlich wieder eingefallen waren, und kamen mit einem Paar Winterstiefeln wieder heraus… Dann noch kurz zu ‘Esprit’ – warum auch immer. Die Herrenabteilung, die anfangs das erste Obergeschoss belegte, ist inzwischen so weit zusammengeschrumpft, dass sie kaum noch der Rede wert ist. Als wir direkt nebenan ‘s.Oliver’ einen Besuch abstatten wollten, wurden wir schon am Eingang begrüßt mit “Wir schließen in zwei Minuten!”. Wir machten also auf dem Absatz kehrt, liefen an drei Kiffern vorbei, die sich am Ende eines Durchgangs einen Joint drehten, trabten eine mit Glassplittern übersäte Betontreppe hinunter und steuerten den Bezahlautomaten am Parkhaus an. Dieser unverschämte Kasten verlangte sodann vier Euro Parkgebühr von uns, die wir zähneknirschend in seinen Schlitz fallen ließen. Immerhin günstiger als Busfahren, das hätte uns beide insgesamt knapp zehn Euro gekostet.
Geschäfte, denen es am richtigen Sortiment und an Kunden mangelt, Geschäfte, die schon längst nicht mehr da sind und Verkäufer, die ihre Kunden nicht mit “Kommen Sie, rein, da haben Sie aber Glück gehabt!” begrüßen sondern mit “Wir schließen gleich!”. IKEA sollte sich schämen, sobald es gebaut und eröffnet ist. Nicht zuletzt für seine kostenlosen Parkplätze.
Trau Dich. Zeig Dich. Out ist in.
Sonnenstrahlen spielten mit den Schatten der Holzjalousie an der Schlafzimmerwand und weckten mich am Samstagmorgen. Sonnenstrahlen waren ein gutes Zeichen für den heutigen CSD in Hamburg. Bei der unsicheren Wetterlage waren wir uns bis gestern nicht sicher, ob wir uns in das bunte Treiben stürzen würden oder nicht. Mit ein wenig Starthilfe von meinem Engel ließ ich mich noch ziemlich verpennt von frischem Toast aus den Federn locken, der aus dem Nebenraum bis ins Schlafzimmer duftete. Ein kurzer Anruf bei unseren Freunden in Hamburg bestätigte uns, dass auch dort die Sonne alles fest im Griff hatte. Um elf Uhr machten wir uns also in meinem blauen Wagen auf den Weg über die Autobahn, wo wir dann gleich eine halbe Stunde im Stau standen.
Wie immer begann die bunte Parade in der Langen Reihe im Hamburger Stadtteil Sankt Georg. Der Zug bewegte sich bereits, als wir eintrafen und die Sonne hatte das Zepter zwischenzeitlich an dicke Wolken abgegeben, die sich auch gleich mächtig ins Zeug legten, um uns die Parade zu verregnen. Wir packten also unsere bunten Knirpse aus und betrachteten die vielen bunt geschmückten Lastwagen, die an uns vorüberfuhren. Wegen des Regens waren viele der Jungs, die ganz obenauf mitfuhren, dummerweise ganz schön angezogen. Als alle Wagen vorbei waren, drängelte sich die Sonne wieder durch die Wolken, also drängelten wir mit und reihten uns ein, die nassen Knirpse tief in die Tasche abgeschoben.
Hunderttausend Menschen waren auf der Straße und folgten der Musik. Die Botschaft dieses CSD unter dem Motto “Trau Dich. Zeig Dich. Out ist in.” war deutlich zu sehen: Du bist nicht allein.
Nach der Parade trafen wir uns mit meiner besten Freundin auf Kaffee und Eis, das tat nach dem Fußmarsch richtig gut. Danach fuhren wir auch bald wieder über die Autobahn in den nächsten Stau und dann nach Hause. Sonne und Regen waren sich ausnahmsweise einig und malten einträchtig einen doppelten Regenbogen an den Himmel.
Hamburg | CSD | 2010
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