Ich könnt schon wieder

Hansa Park

Zugegeben: So richtig lange ist mein Urlaub noch nicht her. Aber ehrlich gesagt könnt ich glatt schon wieder! Wie immer schiebe ich die Schuld auf das Wetter, dass ich mich nicht so richtig aufraffen kann, einen neuen Tag zu beginnen. Es ist natürlich entweder zu heiß (nur für’s Protokoll: In den letzten Wochen stieg das Thermometer auf über 30 Grad!) oder es ist grau und regnerisch, so wie heute. Wenigstens dem kleinen Streifen Blumen im Vorgarten gefällt es.

A propos Vorgarten: Ich habe den Countdown eingeläutet für unser eigenes Häuschen. Er zählt zwar von immerhin rund vier Jahren ganz langsam abwärts, aber dann sollte es losgehen – und zwar dringend. Immerhin will das ganze ja bis zur Rente abbezahlt sein. Derweil bin ich – der ganz früher mal Architekt werden wollte – schon fleißig am Entwerfen.  Ob wir’s in vier Jahren wirklich schaffen, weiß ich noch nicht, aber die Vorfreude bis dahin ist auch schon was tolles.

Ein bisschen wie Urlaub war es auch am vergangenen Wochenende. Mit meinem Engel und seinen Arbeitskollegen nebst Anhang und Kindern besuchte ich den Hansa Park an der Ostsee. Mein letzter Besuch dort ist ungefähr dreißig Jahre her und ich erinnere mich nur noch, dass ich damals eine Heidenangst hatte – und mit der Wildwasserbahn gefahren bin. Der Hansa Park ist ja nicht weit weg von hier, und um kurz nach zehn Uhr trafen wir uns alle auf dem Parkplatz. Der Ticketpreis von 25 Euro ist zwar auf den ersten Blick ziemlich happig. Aber wenn man mit dem Betrag über den Rummel geht, kommt man vergleichsweise nicht weit. Für das gemeinsame Mittagessen hatten alle etwas mitgebracht, so dass wir nichts kaufen mussten. Das Wetter war an jenem Sonntag ziemlich durchwachsen, kräftige Regenschauer wechselten sich mit sengender Sonne ab, die mir einen Sonnenbrand auf dem Kopf bescherte, wo der natürliche Bewuchs allmählich seinen Dienst einstellt.

Der Tag im Freizeitpark war ziemlich schön, aber auch so anstrengend, dass ich vier Arbeitstage brauchte, um mich von den Strapazen (und dem Sonnenbrand) zu erholen! Trotzdem: Das machen wir mal wieder!

Heiß-kalte Nacht

Meine Schuhe versinken bis weit über die Knöchel im Schnee, als ich aus dem Taxi steige und wie ein Storch zur Haustür stakse. Ein paar Stunden hat die Nacht noch, bevor sie vom Licht eines neuen Tages abgelöst wird. Ich wanke die Stufen hinauf, krächze meinen Katern liebgemeinte Worte zu und verschwinde müde unter der Dusche…

Acht Stunden zuvor:
Mein Freund steht bereits unter der Dusche, während ich noch nach Motivation suche, mich von der bequemen Couch zu erheben. Der Winter ist zurück und hat tagsüber ganze Arbeit geleistet. Es schneit ununterbrochen und der Winterdienst hat alle Hände voll zu tun. Es ist acht Uhr abends. In einer halben Stunde werden wir abgeholt. Mein Freund hat mich dazu überredet, ihn und seine Arbeitskollegen in einen Club zu begleiten. Die Diskothek auf der anderen Seite der Stadt ist für sein sehr junges Publikum bekannt und wir haben es in all den inzwischen sieben Jahren, die wir hier leben, nicht einmal betreten und meine Lust, mit dieser Tradition zu brechen, ist gering. Dennoch sind wir pünktlich fertig und sitzen bald im Font eines Ford. Für den Club ist es noch zu früh und wir treffen uns alle bei Jasmin. Zu zwölft verteilen wir uns in ihrem Wohnzimmer und schröpfen den zusammengetragenen Vorrat an Bier, Wodka, Sambuca und Caipi – behutsam natürlich, damit der Abend kein vorschnelles Ende nimmt. Mit diesen Getränken und netten Leuten geht die Zeit schnell vorbei und schon machen wir uns auf den Weg in die winterliche Nacht. Wer nichts getrunken hat, gibt den Fahrer, wer übrig bleibt, nimmt ein Taxi.

Erst vor der Diskothek in der Nähe der Autobahn treffen wir uns alle wieder. Ein bisschen nervös bin ich schon, mein letzter Clubbesuch liegt inzwischen einige Jahre zurück. Wir halten uns einfach an die Profis, lächeln brav in die Kamera und sind flugs drin. An den Wänden hängen Gemälde in verzierten goldfarbenen Rahmen und altmodische Leuchter hängen von den Decken. Schon an der Garderobe ist es wühlig und scheinbar unübersichtlich. Kurz darauf betreten wir den ersten Barbereich und machen da weiter, wo wir in Jasmins Wohnzimmer aufgehört haben: bei kalten Getränken. So präpariert wechseln wir wenige Meter weiter auf den ersten Dancefloor. Laser schneiden die Luft in feine Scheiben und die Beats massieren das Trommelfell. Dann passiert etwas Seltsames: Irgendwie gefällts mir. Entgegen der strikten und bei jeder Gelegenheit wiederholten Ankündigung, keinesfalls und unter überhaupt gar keinen Umständen zu tanzen, wippen meine Füße rhythmisch, meine Schultern beginnen sich wie von Geisterhand zu bewegen und bald hat es mich doch voll erwischt. Schon fallen die Hüllen – na ja, mehr als den warmen Pullover ziehe ich hier nicht aus – und dann gibt es auch kein Halten mehr.

Nach gefühlt kurzer Zeit wechseln wir den Floor und ich finde mich in rustikaler Kulisse wieder. Keine Laser mehr. Und die mitreißenden Beats von eben sind überwiegend deutscher Musik der Achtziger und Neunziger (und ich glaube Sechziger und Siebziger) gewichen. Hier ist es voller, großartig bewegen kann man sich nicht. Die Luft ist so mit Zigarettenqualm geflutet, dass mir das Atmen schwer fällt. Da hilft nur eins: Ich kämpfe mich zur Bar durch und versorge mich mit einem kühlen Getränk. Ab einem gewissen Pegel finde ich die Musik erträglich, gestatte meinen Füßen wieder zu wippen (zu mehr ist auch kein Platz) und genieße die Gesellschaft. Als sich unsere Mitfahrgelegenheit irgendwann auf den Heimweg machen möchte, beschließen mein Freund und ich, noch zu bleiben.

Gegen vier Uhr sammeln wir unsere Klamotten an der Garderobe wieder ein und treten hinaus in die kalte Nachtluft. Meine Stimme ist dank Qualm und Sangeskünsten für heute dahin, mehr als ein kakophonisches Krächzen kann ich meiner Kehle nicht mehr entlocken. Es schneit noch immer heftig und es sieht so aus, als hätte es die ganze Zeit über auch nicht aufgehört. Wir schnappen uns ein Taxi und lassen uns durch den vielen Schnee nach Hause kutschieren. Zufrieden, überrascht, stinkend und müde.

Die Zeit drängt

Es ist wieder passiert. Jedes Jahr um diese Zeit nehme ich mir vor, im nächsten alles anders zu machen:

  • rechtzeitig genug Geld einplanen für diverse Weihnachtsmarktbesuche
  • rechtzeitig mit allen Freunden abstimmen, wer wann wen besucht
  • rechtzeitig die Weihnachtsdeko sortieren

Und vor allem:

  • rechtzeitig an Weihnachtsgeschenke denken!

Wie jedes Jahr habe ich diese sinnvollen Vorsätze in den Wind geschossen und stehe vor dem Problem, dass mir die Zeit wegläuft. Diese Woche bleibt also noch, um meine gesamte Familie bei der Schenkerei zu berücksichtigen. Heute geht das nicht, da habe ich einen Termin zum Abendessen. Morgen geht das auch nicht, da bin ich auf dem Weihnachtsmarkt verabredet. Mittwoch vielleicht. Den Termin am Donnerstag habe ich bereits abgesagt und spätestens ab Freitag möchte ich mich in der Stadt nicht mehr aufhalten.

Das jüngst verstrichene Wochenende war – wenngleich in bester Gesellschaft – ziemlich anstrengend. Es startete am Freitagabend mit der Weihnachtsfeier im Kollegenkreis. Lecker essen, anschließend schwarzlicht-Minigolf und später der ein oder andere Umtrunk. Meine beste Freundin aus Hamburg, ihr Freund und ein weiterer Freund kamen dann am Samstag zu Besuch. Wieder lecker essen, diesmal beim städtischen Inder, dann kurz auf den historischen Weihnachtsmarkt und anschließend für den einen oder anderen Umtrunk nach Hause, was natürlich zu drei Übernachtungsgästen führte. Am nächsten Tag dann gemeinsames Frühstück und mit zweien unserer Gäste in die Therme. Ein wenig planschen und dann geradewegs in die Sauna. Entspannung pur.

Davon könnte ich gerade im Dezember viel mehr haben, aber stattdessen: Weihnachtsstress.

Haute couture

Gestern mussten wir unseren Alltagsstress mal wieder kompensieren. Üblicherweise passiert das beim Shoppen, denn das klappt einfach am besten.

Für unsere Shopping-Tour hatten wir uns diesmal etwas besonderes vorgenommen, nicht zuletzt, weil mein Freund in der kommenden Woche Geburtstag hat. Durch die Presse geisterte vor Kurzem, dass die Läden rund um Abercrombie und Hollister in Hamburg die Nase voll hätten. Und die Ohren auch. Warum das so ist, wollten wir uns live ansehen und setzten uns am frühen Samstagnachmittag ins Auto.

An der Zapfsäule bekam ich erstmal einen Schreck. Als ich das letzte Mal tanken musste, war der Spritpreis noch 15 Cent pro Liter günstiger! Das ist aber auch schon ein paar Wochen her. Davon ließen wir uns aber natürlich nicht abhalten und standen eine knappe Stunde später auf dem Rathausmarkt in Hamburg. Von hier aus hatten wir die Wahl, entweder mit Hollister in der Europa Passage oder mit Abercrombie bei der Alten Post zu beginnen. Eigentlich wollten wir ja auch nur mal gucken (und schnuppern). Wir wandten uns rechts herum und wühlten uns durch Menschenmassen in die Europa-Passage. Dass ausgerechnet gestern auch noch das Alstervergnügen stattfand, konnten wir ja nicht ahnen… Lange suchen mussten wir in der riesigen Shopping-Mall dennoch nicht. Hollister befindet sich im ersten Obergeschoss und zeichnet sich auf den ersten Blick besonders dadurch aus, dass zwei Reihen Menschen vor seiner Tür auf Einlass warten. Die Schaufenster bestehen aus Monitoren, auf denen vermutlich die kalifornische Küste mit gut gebauten Surfern zu sehen ist. Den Eingang immerhin konnten wir im Vorbeigehen sehen. Zwei super-altmodische Sessel unter einem Kronleuchter, schummriges Licht, Musik und ein verlockender Duft – ach ja, und ein gutaussehender, freundlich lächelnder Türsteher, der dafür sorgt, dass sich nie zu viele Kunden auf einmal in dem Laden aufhalten und sich gegenseitig auf die Füße treten.

Anstatt uns einzureihen trollten wir uns zunächst wieder und machten uns auf die Suche nach Abercrombie & Fitch. Die grobe Position kannten wir, den Rest sollte unser Pfadfindergeist erledigen. Der scheint bei meinem Freund ausgeprägter zu sein als bei mir, denn er entdeckte den Laden zuerst. Wobei, auch hier sahen wir als erstes die Schlange an Menschen, die geduldig wartete. Außen am Gebäude deutet nicht viel mehr als ein gusseisernes Firmenschild auf das hin, worauf sich all diese Leute hier freuen. Einen leichten Duft konnte wir ebenfalls vernehmen, als wir am Eingangsportal vorbeigingen. Auch hier regelt ein niedlicher Türsteher den Verkehr, während hinter ihm ein halbnacktes Männermodel damit beschäftigt ist, sich mit Fans ablichten zu lassen.

Weil uns auch hier die Schlange zunächst zu lang war, schlenderten wir wieder auf den Rathausmarkt, der ja zum Glück in Reichweite liegt, und stärkten uns mit einer Grillwurst, ehe wir beschlossen, Butter bei die Fische zu geben und Nägel mit Köpfen zu machen. Wir reihten uns vor Abercrombie ein und waren überrascht, wie schnell es doch voran ging. Dann tauchten wir ein in das Halbdunkel des altehrwürdigen Gebäudes, baten das Model nicht um ein Foto und versuchten, uns zu orientieren. Das Interieur ist sehr dunkel, vom Fußboden über die Regalwände bis zur Decke ist alles in schwarz-braun gehalten. In den Regalen leuchten dafür umso farbenfroher T-Shirts, Hoodies, Pullover, Unterwäsche, Mützen und mehr. Man möchte glauben, dass jedes Einlegefach von einem eigenen Spot angestrahlt wird. Alles ist tadellos aufgeräumt und nach Farben und Größen geordnet. Der Laden besteht aus verschiedenen Räumen, die alle in etwa gleich groß sind. Die Musik ist angenehm laut, man kann sich durchaus noch gut verständigen. Und überall trifft man motivierte Verkäufer, die noch dazu richtig gut aussehen (als wäre das Absicht…). Sie sind nicht aufdringlich, aber immer hilfsbereit. Nachdem wir uns einen Überblick verschafft hatten, machten wir uns gezielt auf die Suche. Neue Shirts brauchten wir eigentlich sowieso, und jetzt, wo der Herbst beginnt, kann ja auch eine zusätzliche Jacke nicht schaden. Unterwäsche kann man ja auch nie genug haben. Preislich bewegt man sich bei A&F ja eher auf gefährlichem Terrain, weshalb wir aufpassen mussten, nicht zu herzhaft zuzulangen. Man kann fühlen, dass die Stücke den größten Teil ihres Preises wert sind. Mein Freund und ich sind seit über sechs Jahren zusammen und damals besaß er ein T-Shirt von Abercrombie, das ich noch heute trage.

Mit zwei Tüten, ein wenig benebelt vom Store-Duft und ziemlich gut gelaunt liefen wir zum dritten Mal über den Rathausmarkt, um nun auch Hollister – Abercrombies kleiner Schwester – einen Besuch abzustatten. Es war tatsächlich noch voller geworden in der Europa Passage, als wir uns ans Ende der Warteschlange stellten. Auch hier dauerte es aber nicht lange, bis wir den Laden betreten durften. Er unterscheidet sich doch recht stark von Abercrombie, wie ich nach dem direkten Vergleich feststellte. Er ist tatsächlich etwas heller, die Musik ist anders, der Duft ebenfalls. Der Store ist nicht so groß und auch nicht so aufgeräumt. Hier liegen Kleidungsstücke auch mal auf dem Boden, ein Tisch ist komplett zerwühlt, Damen- und Herrensachen sind nicht strikt getrennt, wie bei A&F – etwas, das ich überhaupt nicht leiden kann. Hier gingen wir nach kurzer Zeit dann auch nur mit einer Tüte wieder heraus.

Beide Läden waren durchaus eine Erfahrung, die wir gern gemacht haben. Warum sich Nachbarläden so aufregen, können wir gut verstehen. Allerdings nicht wegen des Duftes oder der Musik, die draußen wirklich nur ganz schwach wahrnehmbar sind. Vielleicht stören sich die Nachbarn eher an dem Andrang, der vor ihrer Tür leider fehlte…

Für den in einer Woche anstehenden Urlaub (und wohl auch für die Zeit danach) sind wir klamottentechnisch erstmal wieder ausgestattet. Das muss auch so sein, denn am Ende des Tages sah meine Kreditkarte ganz schön abgenutzt aus…