Diese Galerie enthält 12 Fotos.
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So. Vorbei ist das Baustellenleben! Mein Blog hat ein neues Zuhause, und auch wenn noch nicht alle Kisten ausgepackt sind, nicht alle Links angemalt wurden und es hier und da noch nach frischer Farbe riecht…:
Sonntagmorgen bedeutet bei mir meistens entspanntes Aufwachen, den Tag in Ruhe beginnen, irgendwann frühstücken – daheim oder auswärts und den lieben langen Tag einfach nichts tun bis zum Umfallen.
Heute wurde ich zwar nicht von Kölner Volksmusik geweckt, wie gestern. Einen Weckruf gab es dennoch, und der Sonntagvormittag im Bett fiel aus. In unserer schönen Marzipanstadt fand ein City-Lauf statt, an dem wir zwar nicht selbst teilnehmen wollten, uns aber aufrafften, zumindest anfeuernd zuzusehen. Da sich mein Engel demnächst selbst joggend martern möchte, war das eine gute Gelegenheit zu einer Vorschau. Das Wetter kam uns dabei sehr zugute und der junge Oktober zeigte sich von seiner goldenen Seite.
Die Innenstadt war für die Läufer für den Autoverkehr weitgehend abgesperrt worden, wodurch der Spaziergang zum Rathausmarkt entsprechend entspannt war. Wir trafen einige von Engelchens neuen Arbeitskolleginnen plus Anhang und stellten uns bald an der Strecke auf. Lang mussten wir nicht warten, als schon die ersten Läufer – noch mit einem Lächeln im Gesicht – an uns vorüberzogen.
Nachdem alle Läufer das Ziel erreicht hatten, machten wir uns langsam wieder auf den Weg zurück. Beim Bäcker noch eine heiße Schokolade getankt und dann durch die herbstlichen Straßen wieder nach Hause. Nicht zu früh, denn schon konnte sich das herrliche Wetter nicht mehr halten und fing an zu regnen.
Mein Freund hat heute für sich beschlossen, tatsächlich mit dem Laufen zu beginnen. Ich hab das vor Jahren ja auch mal gemacht und festgestellt, dass ich einfach kein Läufer bin. Beim ersten Mal werde ich ihn dennoch begleiten – wer weiß, vielleicht macht es mir mit ihm ja Spaß…
Ich bin ja in einer etwas größeren Kleinstadt an der Elbe aufgewachsen, bevor meine Familie die Stadt verließ und auf’s Land zog. Sobald ich die Füße unter meinen eigenen Tisch stellte, kehrte ich dem traditionellen Dorfleben den Rücken. Spröde Traditionen, nur eine einzige geduldete Religion – und natürlich war ich der einzige Schwule.
Familienbesuche sind immer ein Stück weit Rückkehr ins Dorf, wenn auch nur für kurze Zeit. Kein Problem, es sei denn…
Am Samstag wurde mein süßer Schlaf rüde unterbrochen von kölnischen Volksliedern. Ja wirklich. Sie waren Teil einer Radiosendung über Köln, die mich mitten aus ich weiß nicht was holte. Ich hörte bereits die Dusche rauschen, mein Freund war also schon aufgestanden und ich vergrub mich unter meinem Kopfkissen, um den Tag noch ein paar Minuten hinzuhalten.
Nur ungefähr eine Stunde später waren wir schon unterwegs in Engelchens Heimatdorf. Der letzte Besuch ist tatsächlich schon einige Zeit her. Wir mussten uns beeilen, denn der Festumzug zum Erntedankfest sollte pünktlich um halb zwölf beginnen, und mangels Fertigstellung der Ost-West-Autobahn sind wir dorthin in der Regel fast zwei Stunden unterwegs – wenn wir gut durchkommen.
Kamen wir am Samstag natürlich nicht. Schuld war das Outlet-Dorf an der Autobahn, die uns immerhin ein Stückchen mitnimmt. Die Abfahrt zum Outlet war ziemlich begehrt und die beiden sowieso immervollen Fahrspuren komplett verstopft. Nach der Autobahn dann rüde Rentner, die eine Autokaravane hinter ihrem silbergrauen Golf herziehen und die man wegen der tausend Kurven durch die Wälder und Dörfer nicht überholen kann (was manche aber nicht davon abhält, es dennoch zu versuchen).
Wir kamen gerade noch rechtzeitig an, um dem großen Festumzug aus über zwanzig Traktoren beizuwohnen. Die alten und neuen Landmaschinen waren bunt geschmückt mit Maiskolben, Blumen, Getreide und Kürbissen und wurden von Spielmannszügen, Pferden, von Feuerwehren und Polizei begleitet.
So weit, so gut. Als alle Wagen an uns vorüber paradiert waren, bewegten sich die Dorfbewohner in aufkommendem Regen zum Sportplatz, wo zuerst der Bürgermeister eine schnulzig-traditionelle Rede von seinen Zetteln ablas, die wichtigsten Vertreter der Ortspolitik begrüßte, die Landwirte nicht wirklich erwähnte und im Anschluss auch noch an die Dorfpastorin übergab, die – man möchte brechen – eine monotone und selbstverständlich christliche Andacht abhielt, um Gott für die Nahrungsmittelproduktion zu danken, dann noch alle aufforderte, das Vater-Unser zu beten, gemeinsam das erste Lied von den verteilten Handzetteln zu singen und am Ende auch noch Gottes pauschalen Segen entgegenzunehmen. Danke sehr!
Der Rest des Tages gestaltete sich weniger traditionell und dafür zum Glück sehr viel familiärer. Engelchens jüngste Schwester ist volljährig geworden und folgt damit ihren vier Geschwistern im Abstand weniger Jahre. Zu diesem Anlass waren alle Geschwister vereint, es gab einen Geburtstagskuchen, auf dem der Platz für die Kerzen allmählich enger wird…
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Chance Marquis wechselt mal wieder die Schule. Er ist schwul und damit eigentlich ziemlich zufrieden. Aber er will nicht sein wie alle anderen. Seinen ersten Schultag tritt er deshalb in Zylinder, Frack und Fliege an. Ihm ist klar, dass er sofort auffallen wird und ihm ist auch klar, dass er sich damit sicher nicht nur Freunde macht. Wie jede Schule, die ein Football-Team aufweisen kann, besitzt auch diese den homophoben und ganz sicher unterbelichteten Mannschaftskapitän, der dem neuen Schwulen das Leben zur Hölle machen will. Ach ja, begleitet wird er immer von zwei noch unterbelichteteren Team-Kameraden. So weit zu den gängigen Klischees.
Chance gegenüber wohnt Levi. Gutaussehend und durchtrainiert ist er das Ticket zu Chances Kopfkino! Blöd, dass er im Footballteam spielt und sich dem Kapitän unterordnen muss. Zum Glück sind da noch Hank und Twyla, die zumindest sowas wie Chances Freunde sind. Hank ist wie eine jüngere Ausgabe von Mr. Bean und Twyla die unnahbare Rebellin, für die normale Menschen uninteressant sind. Die drei hecken einen Plan aus, wie sie sich an dem Football-Macho rächen können…
Popcorn-Kino, Klischee und eine gute Portion Kitsch – aber mir hat’s gefallen! Der Film nimmt sich wirklich nicht sehr ernst und auch, wenn der Hauptdarsteller nicht immer brilliert, habe ich mich köstlich amüsiert. Die Musik ist hintergründig und prägt sich mangels rotem Faden nicht ein, was ein wenig schade ist, aber sei’s drum. Ich fand es spannend, wie sich der Umgang zwischen Chance und Levi entwickelte. Der Film ist für Zuschauer ab sechs Jahren freigegeben und spielt sich daher ausschließlich oberhalb der Gürtellinie ab – na ja, fast jedenfalls.
Diesem Film sollte man eine Chance geben, weil er liebenswert, lustig, ein bisschen romantisch und verrückt ist.
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Der junge Brite Eddie hat’s nicht leicht zu Hause. Seine Mutter ist eine Möchtegern-Schauspielerin und liebt ihren Sohn abgöttisch. Sein Vater hingegen lehnt seinen weibischen Sohn ab. Nach einem heftigen Streit mit seinem Vater beschließt Eddie, mit seinem besten Freund Michael abzuhauen. Der ist grad dem Jugendknast entwischt, in den ihn seine Mutter gesteckt hat, nachdem er in einer Schwulensauna erwischt worden ist.
Zusammen kriechen die beiden Jungs in einer Bar namens “The Fruit Machine” unter. Besitzer(in) ist die wuchtige und liebenswerte Annabelle, gespielt von Robbie Coltrane. Michael macht sich dank einer strippenden Tanzeinlage zum Star des Abends. Nach heiteren Stunden sind die beiden Ausreißer die letzten Gäste und werden von Annabelle aufgefordert, zu gehen.
Die scheinbar zunehmende Homosexualität in der Stadt ist jemand bestimmtem ein Dorn im Auge. Er beauftragt einen skrupellosen Killer, um die Schlüsselfiguren aus dem Weg zu räumen. Durch einen unglücklichen Zufall werden Eddie und Michael Zeugen eines Mordes und geraten damit selbst auf die Liste. Seither sind sie nicht mehr nur vor Eddies Vater und der Polizei auf der Flucht.
Eddies Künstlerseele wird von Gesang mitten in eine Party der High Society gelockt. Während er sich mit dem alternden Sänger Vincent anfreundet, gerät Michael dank seiner langen Finger in Schwierigkeiten. Er wird von der Gastgeberin Eve erwischt, die ihn nur laufen lässt, weil er ihr besondere Dienste anbietet. Vincent erfährt von der Situation der beiden Jungs und lädt Eddie ein, ihn nach Brighton zu begleiten, wo Werbespots aufgezeichnet werden sollen. Eddie willigt ein und schon am nächsten Tag sitzen die beiden Flüchtigen in einer Luxus-Limousine. In Brighton wird schnell klar, woraus der besondere Deal zwischen Vincents Geschäftspartnerin Eve und Michael besteht…
Eddie besucht derweil ein Delphinarium, das Wonderland, das er aus seiner Kindheit kennt. Vor der Eingangstür wird er von Hazel, einer Tierschützerin angehalten. Sie drückt ihm einen Flyer in die Hand und weist ihn auf die Tierquälerei im Delphinarium hin. Eddie sieht sich die Show an, kann sich aber nicht an ihr erfreuen.
Michael gerät in einen schlimmen Streit mit Vincent. Er holt Eddie vom Delphinarium ab und sagt ihm, dass sie nicht zurück können. Als Eddie später seine Sachen bei Vincent abholen will, findet er den Sänger brutal zusammengeschlagen vor. Michael bestreitet, etwas damit zu tun zu haben, aber Eddie glaubt ihm nicht und zieht sich zurück. Er steigt nachts ins Delphinarium ein und geht mit den Delphinen schwimmen. Als er nach einer ganzen Weile aus dem Becken steigt und sich anzieht, steht er plötzlich dem Auftragskiller gegenüber, den er schon ganz vergessen hatte…
Ein feel-good-Movie ist “The Fruit Machine” nicht gerade. Der Film stammt aus den späten Achtzigern und ist damit vordergründig geprägt von Sozialkritik, militantem Umweltschutz und Stereotypen.
Schon von Beginn an hat Hans Zimmer das Zepter hörbar in der Hand und stimmte mich damit schonmal wohlgesonnen. Die Geschichte an sich ist für heutige Verhältnisse ziemlich platt. Das macht aber nichts, denn die Schauspieler geben ihr bestes. Eddie ist ein naiver Junge mit phantastischen Träumen, der vor den Machenschaften seines besten Freundes die Augen verschließt. Michael hingegen ist kühl und berechnend. Er spielt Eddie den Unschuldigen vor, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Robbie Coltrane als Annabelle ist lustig anzusehen, vor allem, wenn man ihn noch als Wildhüter vom Schloss Hogwarts kennt, eine Rolle, in die er natürlich erst Jahre später geschlüpft ist.
Der Aufbau der Geschichte ist logisch und fortlaufend. Es entsteht ein Spannungsbogen mit kleinen Überraschungselementen, die Beziehung zwischen den beiden Freunden Eddie und Michael entwickelt sich im Laufe des Films. Da ihr Leben von vornherein unter keinem guten Stern steht, ist es zwar sehr schade aber letztlich nicht verwunderlich, dass es kein gutes Ende nimmt, und so wische ich mir eine leise Träne aus dem Augenwinkel, als der Abspann läuft.
Insgesamt ist “The Fruit Machine” ein guter Film, der schon in die Jahre gekommen ist. Die deutsche Synchronisation ist OK (die englische Originalfassung ist wirklich sehr, sehr britisch…).
Draußen sieht es schon wie schwarze Nacht aus. Aber hinter den Fenstern der Häuser gegenüber leuchten noch Kerzen, Stehlampen und Fernseher. Es ist Freitagabend, und während sich die einen wohl durch die Stadt treiben lassen liegen andere unter der Wolldecke gemütlich auf der Couch, links den Liebsten, rechts ein Glas Wein, während sich draußen ein zwölf Grad kalter Herbst in die Baumkronen einnistet, um die Blätter rot und gelb zu bemalen.
Ich hab jetzt Wochenende, während mein Freund in seinem neuen Job morgen arbeiten muss. Immerhin arbeitet er jetzt seit zwei Wochen wieder in der Marzipanstadt und muss nicht mehr jeden Tag zweimal zwei Stunden pendeln. Manchmal ist es auch von Vorteil, seinen Job zu verlieren. Wie ich mich kenne, werde ich morgen erst einmal ausschlafen und dann ausgiebig frühstücken, bevor ich mich an den Samstags-Groß-Putz machen muss. Morgen Abend haben wir zwei Freunde zu uns zum Essen eingeladen, sozusagen als Dankeschön, dass sie während unseres Urlaubs unsere beiden Kater beherbergt haben.
Das Menü an sich ist zum Glück nicht so aufwändig, dass ich dafür den ganzen Tag würde in der Küche stehen müssen – was in unserer winzigen Küche auch kein Vergnügen wäre. Da wünsch ich mir doch manchmal den großzügigen Platz unseres Ferienhauses…
Seit Jahren schon wandern meine Beiträge aus meinem Blog zusätzlich in jeweils ein Fotobuch pro Jahr. Es ist schön, meine Erlebnisse auch in der Hand halten und durch die Seiten blättern zu können. Weil das Jahr an diesem Wochenende bereits das dritte Viertel komplettiert, wird es Zeit, sich Gedanken um die diesjährige Gestaltung zu machen. Deshalb habe ich im Laufe der Woche bereits angefangen, das Layout festzulegen, Fotos auszuwählen und die ersten Texte anzuordnen. Ich freue mich jetzt schon darauf, es fertigzustellen und die Produktion zu beauftragen – was naturgemäß frühestens im Januar des nächsten Jahres stattfinden kann. 2012 wird dann das sechste Jahr, das ich schon in ein Buch gebannt habe.
Am 12. September stellte Apple sein neues Flaggschiff vor: Das iPhone 5. Wie viele andere Menschen auch habe ich lange gespannt gewartet und mich gewundert, dass das Unternehmen in diesem Jahr alle anderen namhaften Anbieter an sich hat vorbeiziehen lassen. Steckte Kalkül dahinter? Oder ist Apple nach Steve Jobs Tod wie gelähmt?
Um das herauszufinden und um uns eines besseren belehren zu lassen haben wir am Tag nach der Veröffentlichung unser Ferienhaus vorübergehend hinter uns gelassen und sind dorthin gereist, wo es Zugang zu einem WLAN gibt: Esbjerg. Jeder einen Burger mümmelnd lud ich die sogenannte Keynote auf mein iPad herunter, also die vollständige Aufzeichnung der Apple-Veranstaltung. Das dauerte eine Weile, denn der öffentliche Internet-Zugang im dänischen Esbjerg war nicht unbedingt der schnellste…
Die Keynotes sehe ich mir immer gern an, sie sind gut gemacht und können mich immer wieder begeistern.
Doch diesmal nicht. Das neue iPhone hat mich ziemlich enttäuscht, was zum Einen an der langen, Erwartungen schürenden Wartezeit und zum Anderen an Konkurrenzprodukten lag, die einfach mittlerweile das iPhone überholt haben. Apple hat natürlich wieder eine Menge Innovationen in sein neues Produkt gepackt. Sie haben die Technik noch kleiner gemacht, die Verarbeitung der Geräte sei so präzise wie bei einer Schweizer Uhr. Aber was sich äußerlich getan hat, hat meine Erwartungen bei Weitem nicht erfüllt. Sie haben das Gerät einfach etwas länger gemacht, so dass eine weitere Vierer-Reihe Apps auf das Display passt. Die Sprachsteuerung ist nicht neu, und während ich gehofft hatte, dass sich Siri jetzt durch einen Sprachbefehl angesprochen fühlt (wie andere Unternehmen das bereits anbieten), muss man hier nach wie vor auf dem Display einen Button drücken, um es zu aktivieren. Die Karten-App ist jetzt ein Navigationssystem, da waren andere Anbieter aber auch schneller. Und als Gimmick kann man jetzt ganz einfach Panorama-Fotos erstellen. Ui, toll…
Ich hatte mir ein breiteres (nicht längeres) Display gewünscht, um das Tippen auf der kleinen Tastatur zu erleichtern. Eine sprach-aktivierende Spracherkennung, damit ich das iPhone beim Autofahren einfach verwenden kann (oder es einfach rufen kann, wenn ich es mal wieder verlegt habe). Ganz ehrlich, ein Panorama-Foto-Tool ist für mich keine Innovation, die ich von Apple gewöhnt bin.
Und so kam es, dass ich mir gestern ein Fremdprodukt bestellt habe. Und habe ich deshalb ein schlechtes Gewissen? Ein bisschen schon. Aber um das iPhone zu kaufen, reicht es nicht mehr, dass es von Apple ist.
In zwei Jahren sprechen wir uns wieder.
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Mit ‘Daniel und Ismael’ habe ich das zweite Buch von Jana Walther in Händen. Jedenfalls im übertragenden Sinne, denn es handelt sich um ein eBook.
Das vorliegende Buch ist mit seinen 94 eBook-Seiten noch kürzer als ’Benjamins Gärten’, und weil sich die Seiten auch noch auf drei Geschichten verteilen, handelt es sich eher um eine Kurzgeschichten-Sammlung.
Nur die erste davon dreht sich tatsächlich um Daniel und seinen Schwarm Ismael, was der Gestaltung sodann gleich zwei Minuspunkte einbringt. In diesem ersten Drittel des Buches flieht Daniel entnervt von einer Familienfeier und trifft auf Ismael. Sie kommen ins Gepräch, lernen einander ein wenig kennen. Ismael erklärt, dass er wie seine Familie einer strengen religiösen Gemeinschaft angehört. Daniel erklärt ihm, dass er schwul ist. Das hat doch Potenzial für eine interessante Geschichte, die mich auch noch persönlich interessiert, denn es klingt nach der Geschichte meiner ersten Liebe. Da es sich um eine Kurzgeschichte handelt, geht alles ziemlich schnell. Daniel fühlt sich zu Ismael hingezogen, Ismael weist ihn jedoch ab, weil gleichgeschlechtliche Beziehungen von Gott nicht vorgesehen seien und gegen die Natur verstößen. Daniel ist geknickt, aber er respektiert Ismaels Wunsch. Doch so ganz kann sich Ismael der Anziehungskraft seines Freundes nicht entziehen…
Hm. Ein Leckerbissen. Ein ganz kleiner. Ein Teaser. Emotional, ein bisschen erotisch, spannend. Der macht definitiv Lust auf mehr. Für diesen Teil gibt es die volle Punktzahl.
Die zweite Kurzgeschichte hat mit diesen beiden Jungs gar nichts mehr zu tun. Um zwei Jungs geht es dennoch, nämlich Chorknabe – den Namen erfahren wir nicht, und Ryan, den geheimnisvollen Typen, der in dem kleinen Dorf, in dem sie leben, im Gothic-Style rumläuft. Alle meinen zu wissen, dass Ryan schwul ist, auch “die Rechten”, die “die Schwuchtel” gern mal vermöbeln. Der Erzähler freundet sich mit Ryan an, wobei, eigentlich steigen die beiden bloß in die Kiste. Einer von beiden will mehr, und Ryan behauptet von sich, dass er es nicht ist. Tja, und dann erfährt der Erzähler eines Tages, dass Ryan von den Rechten erschlagen worden ist. Aus und vorbei.
Diese Geschichte hat mir keinen Spaß gemacht. Das Ende ist ja auch nicht wirklich lustig, was an sich ja nicht so schlimm ist. Aber die Stimmung, die auf den wenigen Seiten ja nicht mehr als oberflächlich sein kann, entwickelt sich nicht. Geschichten über Rechte lese ich ohnehin nicht gern. Für die Grundidee, den Chorknaben und den Gothic-Typen zusammenzubringen, kann ich mich durchaus erwärmen. Realismus ist ja keine Voraussetzung für eine gute Geschichte. Aber das braune Beiwerk und der Mord, bevor sich die Geschichte entwickeln kann, begeistern mich nicht. Deshalb nur zwei Punkte für diesen Teil.
Im letzten Drittel des Buches lernen wir Julian und seine beste Freundin Jen kennen. Die beiden hängen am Ende ihrer Schulzeit in ihrem Dorf fest und träumen von der Zukunft. Julian ist schwul, und wenn Jen einen Typen aufreißt, kommt Julian dazu und hofft, dass der andere schon so heiß ist, dass er sich darauf einlässt. Einen dieser potenziellen Dreier bekommen wir mit, aber der Typ nimmt “rechtzeitig” reißaus… Dann lernen sie den gutaussehenden Rob kennen, der mit beiden flirtet. Von Julian lässt er sich gern vernaschen und die beiden landen (ohne Jen) im Bett. Aber Rob bleibt nicht lange und am Ende des Sommers fährt er zurück nach Berlin. Er hat Julian versprochen, im nächsten Jahr wiederzukommen. Natürlich ist Julian, der sich über beide Ohren in Rob verliebt hat, nicht besonders glücklich mit dieser Trennung auf Zeit. Und so beschließen er und Jen, ihm schonmal eine Wohnung in Berlin auszusuchen, damit Julian schneller wieder mit Rob zusammenkommt. Das war’s.
Die Geschichte um zwei beste Freunde, die sich beide für denselben Mann interessieren, hat Potenzial (wenngleich das nicht sonderlich neu ist). Am Rande hat sie mich an ‘Benjamins Gärten’ erinnert. Insgesamt hat diese Konzept-Idee, als die ich das mal bezeichne, aber nicht genügend Emotion entwickelt, um meine Phantasie so weit anzuregen, dass ich mir den weiteren Fortgang ausmale. Die Geschichte bekommt von mir drei Punkte.
Alles in allem bin ich enttäuscht. Zum Einen habe ich mir nach ‘Benjamins Gärten’ einen vollwertigen Roman in “anständiger” Länge gewünscht. Das Zeug dazu hat die Autorin, das hat sie ja bereits bewiesen. Stattdessen wird mir dreimal nichts richtiges verkauft (wenn auch mit 2,49 € nicht unbedingt überteuert). Wirklich nachhaltig ist das nicht und “dank” des Titels habe ich etwas anderes erwartet.
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Originaltitel: La Gang dei Sogni
Originalverlag: Arnoldo Mondadori Editore s.p.a., Mailand
Aus dem Italienischen von Petra Knoch
“Der Junge, der Träume schenkte”, dieses Buch habe ich gleich zweimal geschenkt bekommen. Heute ist Dienstag, der 11. September 2012. Ich sitze in einem malerischen Holzhaus mit Strohdach, unweit der Nordsee in Dänemark. Hier ist es so still, dass man meint, das Gras wachsen zu hören. Es gibt wohl kaum einen besseren Ort, um in eine Geschichte einzutauchen und sich ihr voll und ganz hinzugeben.
Nachdem ich bereits vor fast vier Monaten angefangen habe, dieses Buch zu lesen, habe ich heute die letzte Seite zugeklappt. Anfangs konnte mich die Geschichte nicht so richtig mitreißen, sie handelte von übelster Gewalt und unerfüllbaren Sehnsüchten, und das Buch, das ich so gern mögen wollte, stieß mich ab.
Luca Di Fulvio verwendet sehr viel Zeit darauf, viele Fäden zu mehreren Handlungssträngen zu knüpfen. In der ersten Hälfte des Buches bestehen sie zudem aus zwei Zeitsträngen, die sich einander im Laufe der Geschichte so weit annähern, dass sie sich schließlich (nach mehr als der Hälfte des Buches) zu einem einzigen vereinen.
Über die Geschichte an sich möchte ich nicht viel schreiben. Sie spielt hauptsächlich in New York in einem Zeitraum zwischen 1909 und 1929, in der Gangster und Mafiosi das Geschehen kontrollieren. Cetta ist eine junge Frau, die mit ihrem kleinen Sohn Natale mit einem Schiff aus Italien in die Vereinigten Staaten einwandert. Ihr Sohn wird in Christmas umbenannt und Cetta arbeitet fortan als Hure. Als Einwanderer leben sie in ärmsten Verhältnissen. Die ersten Kapitel beschreiben Cettas Leben und das ihres heranwachsenden Sohnes.
Ruth Isaacson, Tochter einer reichen, jüdischen Familie, wird von einem Bediensteten ihres Vaters vergewaltigt und schlimm zugerichtet. Ihr wird brutal ein Finger abgeschnitten, an dem ein Ring steckt, was sie ein Leben lang zeichnen wird. Christmas findet das Mädchen schwer verletzt und trägt sie eigenhändig in ein Krankenhaus. So macht er die Bekanntschaft von Ruths reicher Familie.
Der junge Christmas will sich einer Straßen-Gang anschließen, um etwas zu erleben. Aber er wird abgewiesen und gründet eine eigene Gang, die Diamond Dogs. Sie besteht nur aus ihm und einem Jungen, der ihn anfleht, mitmachen zu dürfen und arbeitet anstatt mit Pistolen und Messern mit dem Kopf. Nachdem Christmas in einer Limousine vom Chauffeur von Ruths Familie nach Hause ins Ghetto gefahren wird, wehrt er sich nicht gegen die daraufhin entstehenden Gerüchte, ein Vertrauter des Obermafiosi Arnold Rothstein zu sein, was ihm und seiner Gang natürlich gehörigen Respekt verschafft.
Christmas verliebt sich in Ruth, die nach den schrecklichen Erlebnissen natürlich traumatisiert ist. Einzig in Christmas sieht sie einen Freund.
Doch das alles geschieht schon in den ersten Kapiteln des 780 Seiten starken Buches, so dass man sich denken kann, dass noch reichlich Raum für Verwicklungen und Katastrophen besteht. Der Autor führt uns durch das Leben mehrerer Personen, wir verlassen New York kurzzeitig und leben in Los Angeles, wir lernen Freunde und Feinde kennen, von denen manche am Ende der Geschichte noch da sind und andere längst in einem feuchten Grab vermodern. Wir erfahren von Christmas’ Talent, Geschichten zu erzählen und damit Geld und viele Freunde zu verdienen, wir erleben die Prohibition und die Apartheit in Amerika und wir nehmen an Radio-, Film- und Theaterproduktionen teil.
Warum ich für eine so vielfältige und hervorragend erzählte Geschichte vier Monate gebraucht habe? Mir sind die Figuren sehr schnell ans Herz gewachsen, und nach jedem Kapitel befürchtete ich das Schlimmste. Viele dieser Befürchtungen haben sich an der einen oder anderen Stelle im Buch bewahrheitet, andere waren unbegründet. Hauptsache, am Ende ist alles gut…
Als ich heute Morgen von meinem Freund geweckt wurde, tat mir noch immer jeder Knochen weh, den ich habe. Schuld ist mein entflammter Ehrgeiz, der mich am Donnerstagabend beim Badminton antrieb. Drei Stunden nonstop war vielleicht doch ein bisschen doll…
Aber das macht nichts, ich habe immerhin eine ganze Woche Zeit, mich davon zu erholen, denn wir haben Urlaub!
Halten wir kurz inne und erinnern uns an den Katzenjammer vom Vorjahr, als wir unseren Urlaub abbrechen mussten…
Das genügt. Wir sind frohen Mutes, dass das in diesem Jahr nicht wieder vorkommt und wir bis zum Schluss unser reetgedecktes Ferienhaus bewohnen dürfen.
Mit dem Plan, diesmal viel früher loszufahren, um nicht erst am Abend anzukommen, sind wir am heutigen Samstag gegen halb zwölf abgefahren. Wir mussten zur A7, um dann immer Richtung Norden bis nach Flensburg zu fahren, wo unser Zwischenstopp geplant ist. Wir fuhren also quer durch die Marzipanstadt, rauf auf die A20 – und quasi sofort in den ersten Stau, der uns eine knappe Stunde gekostet hat! Danach lief es zum Glück flüssig, jedenfalls bis hinter Schleswig, wo wir eine weitere Stunde unfreiwillig einem Stau opfern mussten…
Unseren Aufenthalt in Flensburg reduzierten wir dann auch auf ein Minimum, nur kurz einen Happen essen und dann die letzten frischen Lebensmittel einkaufen.
Zwei Stunden später hatte die Ferienhausvermietung ihr Büro natürlich längst geschlossen, was allerdings kein Grund ist, das Wochenende im Auto zu verbringen. Schlüssel und Unterlagen kann man sich vertrauensvoll aus einer Box nehmen, die am Gebäude hängt.
Inzwischen ist es fast 21 Uhr. Die Sonne ist bereits untergegangen und mein Freund holt gerade frische Pizza aus dem Ofen. Der erste Tag war schon ganz schön anstrengend und Dank aller Hindernisse sind wir keineswegs früher als sonst in unser Domizil eingezogen…
Gestern mussten wir unseren Alltagsstress mal wieder kompensieren. Üblicherweise passiert das beim Shoppen, denn das klappt einfach am besten.
Für unsere Shopping-Tour hatten wir uns diesmal etwas besonderes vorgenommen, nicht zuletzt, weil mein Freund in der kommenden Woche Geburtstag hat. Durch die Presse geisterte vor Kurzem, dass die Läden rund um Abercrombie und Hollister in Hamburg die Nase voll hätten. Und die Ohren auch. Warum das so ist, wollten wir uns live ansehen und setzten uns am frühen Samstagnachmittag ins Auto.
An der Zapfsäule bekam ich erstmal einen Schreck. Als ich das letzte Mal tanken musste, war der Spritpreis noch 15 Cent pro Liter günstiger! Das ist aber auch schon ein paar Wochen her. Davon ließen wir uns aber natürlich nicht abhalten und standen eine knappe Stunde später auf dem Rathausmarkt in Hamburg. Von hier aus hatten wir die Wahl, entweder mit Hollister in der Europa Passage oder mit Abercrombie bei der Alten Post zu beginnen. Eigentlich wollten wir ja auch nur mal gucken (und schnuppern). Wir wandten uns rechts herum und wühlten uns durch Menschenmassen in die Europa-Passage. Dass ausgerechnet gestern auch noch das Alstervergnügen stattfand, konnten wir ja nicht ahnen… Lange suchen mussten wir in der riesigen Shopping-Mall dennoch nicht. Hollister befindet sich im ersten Obergeschoss und zeichnet sich auf den ersten Blick besonders dadurch aus, dass zwei Reihen Menschen vor seiner Tür auf Einlass warten. Die Schaufenster bestehen aus Monitoren, auf denen vermutlich die kalifornische Küste mit gut gebauten Surfern zu sehen ist. Den Eingang immerhin konnten wir im Vorbeigehen sehen. Zwei super-altmodische Sessel unter einem Kronleuchter, schummriges Licht, Musik und ein verlockender Duft – ach ja, und ein gutaussehender, freundlich lächelnder Türsteher, der dafür sorgt, dass sich nie zu viele Kunden auf einmal in dem Laden aufhalten und sich gegenseitig auf die Füße treten.
Anstatt uns einzureihen trollten wir uns zunächst wieder und machten uns auf die Suche nach Abercrombie & Fitch. Die grobe Position kannten wir, den Rest sollte unser Pfadfindergeist erledigen. Der scheint bei meinem Freund ausgeprägter zu sein als bei mir, denn er entdeckte den Laden zuerst. Wobei, auch hier sahen wir als erstes die Schlange an Menschen, die geduldig wartete. Außen am Gebäude deutet nicht viel mehr als ein gusseisernes Firmenschild auf das hin, worauf sich all diese Leute hier freuen. Einen leichten Duft konnte wir ebenfalls vernehmen, als wir am Eingangsportal vorbeigingen. Auch hier regelt ein niedlicher Türsteher den Verkehr, während hinter ihm ein halbnacktes Männermodel damit beschäftigt ist, sich mit Fans ablichten zu lassen.
Weil uns auch hier die Schlange zunächst zu lang war, schlenderten wir wieder auf den Rathausmarkt, der ja zum Glück in Reichweite liegt, und stärkten uns mit einer Grillwurst, ehe wir beschlossen, Butter bei die Fische zu geben und Nägel mit Köpfen zu machen. Wir reihten uns vor Abercrombie ein und waren überrascht, wie schnell es doch voran ging. Dann tauchten wir ein in das Halbdunkel des altehrwürdigen Gebäudes, baten das Model nicht um ein Foto und versuchten, uns zu orientieren. Das Interieur ist sehr dunkel, vom Fußboden über die Regalwände bis zur Decke ist alles in schwarz-braun gehalten. In den Regalen leuchten dafür umso farbenfroher T-Shirts, Hoodies, Pullover, Unterwäsche, Mützen und mehr. Man möchte glauben, dass jedes Einlegefach von einem eigenen Spot angestrahlt wird. Alles ist tadellos aufgeräumt und nach Farben und Größen geordnet. Der Laden besteht aus verschiedenen Räumen, die alle in etwa gleich groß sind. Die Musik ist angenehm laut, man kann sich durchaus noch gut verständigen. Und überall trifft man motivierte Verkäufer, die noch dazu richtig gut aussehen (als wäre das Absicht…). Sie sind nicht aufdringlich, aber immer hilfsbereit. Nachdem wir uns einen Überblick verschafft hatten, machten wir uns gezielt auf die Suche. Neue Shirts brauchten wir eigentlich sowieso, und jetzt, wo der Herbst beginnt, kann ja auch eine zusätzliche Jacke nicht schaden. Unterwäsche kann man ja auch nie genug haben. Preislich bewegt man sich bei A&F ja eher auf gefährlichem Terrain, weshalb wir aufpassen mussten, nicht zu herzhaft zuzulangen. Man kann fühlen, dass die Stücke den größten Teil ihres Preises wert sind. Mein Freund und ich sind seit über sechs Jahren zusammen und damals besaß er ein T-Shirt von Abercrombie, das ich noch heute trage.
Mit zwei Tüten, ein wenig benebelt vom Store-Duft und ziemlich gut gelaunt liefen wir zum dritten Mal über den Rathausmarkt, um nun auch Hollister – Abercrombies kleiner Schwester – einen Besuch abzustatten. Es war tatsächlich noch voller geworden in der Europa Passage, als wir uns ans Ende der Warteschlange stellten. Auch hier dauerte es aber nicht lange, bis wir den Laden betreten durften. Er unterscheidet sich doch recht stark von Abercrombie, wie ich nach dem direkten Vergleich feststellte. Er ist tatsächlich etwas heller, die Musik ist anders, der Duft ebenfalls. Der Store ist nicht so groß und auch nicht so aufgeräumt. Hier liegen Kleidungsstücke auch mal auf dem Boden, ein Tisch ist komplett zerwühlt, Damen- und Herrensachen sind nicht strikt getrennt, wie bei A&F – etwas, das ich überhaupt nicht leiden kann. Hier gingen wir nach kurzer Zeit dann auch nur mit einer Tüte wieder heraus.
Beide Läden waren durchaus eine Erfahrung, die wir gern gemacht haben. Warum sich Nachbarläden so aufregen, können wir gut verstehen. Allerdings nicht wegen des Duftes oder der Musik, die draußen wirklich nur ganz schwach wahrnehmbar sind. Vielleicht stören sich die Nachbarn eher an dem Andrang, der vor ihrer Tür leider fehlte…
Für den in einer Woche anstehenden Urlaub (und wohl auch für die Zeit danach) sind wir klamottentechnisch erstmal wieder ausgestattet. Das muss auch so sein, denn am Ende des Tages sah meine Kreditkarte ganz schön abgenutzt aus…
Na toll! Mitten im höchsten Hochsommer, Temperaturen jenseits der 30 Grad bei Sonnenschein von früh bis spät – liegt Lacarian krank im Bett.
Klimaanlagen sind so böse!
Wobei… Es ist jetzt kurz nach halb elf und langsam wird es hier unter dem Dach ganz schön warm…
Hört Ihr das? Wenn Ihr ganz still seid? … Vermutlich nicht, denn hier ist es unschlagbar ruhig. Wenn man den Atem anhält, ist es fast ein bisschen unheimlich. Heute ist schon Montag. Gestern haben wir den lieben langen Tag einfach nichts gemacht. Na ja, bis auf Einkaufen (das kann man hier auch sonntags). Ansonsten haben wir uns jeder in ein Buch verkrochen und alles um uns herum vergessen. Ich lese ja nach wie vor (seit Monaten) “Der Junge, der Träume schenkte”. Gestern bin ich endlich mal ein bisschen vorangekommen. Ich möchte die Geschichte so gern mögen, aber irgendwie werden wir noch nicht so richtig warm miteinander. Aber das kann ja noch kommen, ich hab es grad erst zur Hälfte gelesen.
Abends hab ich uns dann in der geräumigen Küche ein leckeres Putenragout zubereitet. Wahnsinn, wie viel Spaß das Kochen wieder macht, wenn man richtig Platz hat (und einen Geschirrspüler!). Zum Essen haben wir uns ganz ohne Etikette auf das Sofa gelümmelt und den “Tatort” aus Kiel angesehen. Der war ziemlich unheimlich, und weil es ja schon relativ früh dunkel wird, war das mit der Stille dann vorübergehend doch nicht mehr so toll…
Den Whirlpool haben wir heute nicht hochgefahren, nachdem wir am Tag davor für fast zehn Euro Öl verbraucht haben, um das Ding über viele Stunden aufzuheizen. Für eine knappe Stunde baden lohnt sich das wirklich nicht.
Wie immer sind die restlichen Tage rasend schnell verflogen. Aufregendes ist nichts passiert (zum Glück!). Das Wetter war uns nicht so richtig grün, aber wenngleich wir ein bisschen darauf gehofft hatten, haben wir nicht wirklich damit gerechnet. Und so blieb es die Woche über zumeist stürmisch, regnerisch und mit vorübergehend elf Grad ganz schön kalt. Das ist der Grund, weshalb wir uns jedes Jahr für dieses schöne Haus entscheiden, denn darin lässt sich noch so nordisches Wetter einfach gut aushalten.
Heute Morgen hatte ich einen Traum. Ich erinnere mich nur noch an die letzten Minuten, in denen ich meinen Schreibtisch aufräumte, meine halbfertigen Arbeiten in den Schrank sperrte und nach einem langen Arbeitstag endlich Feierabend hatte. Direkt nach diesem süßen Gedanken klingelte mein Wecker.
Hab ich erwähnt, dass ich Urlaub hatte? Und dass ich seit zwei Wochen bereits wieder arbeite? Es ist in der Zwischenzeit ein bisschen was passiert, von dem ich aber gar nicht alles aufschreiben möchte. Träume werden auf die lange Bank geschoben, die Familie wird wichtiger. Ach, das klingt dramatisch, ist es aber nicht. Die letzten Wochen kosteten einfach viel Energie, auch bei der Arbeit. Da bin ich abends froh, wenn ich von der Couch direkt ins Bett plumpsen und den Tag zurücklassen kann.
Den Christopher-Street-Day in Hamburg haben wir mangels jeglicher Energie sausen lassen und waren heilfroh über einen außerplanmäßig komplett freien Samstag, an dem wir uns um nichts und niemanden kümmern mussten. Das Telefon wurde mundtot gemacht, die Jalousien blieben unten – einen Tag ohne alles, bitte!
Wer bei mir regelmäßig liest, der hat in den letzten Wochen wieder einmal festgestellt, dass es meinem Blog an Regelmäßigkeit mangelt. Das ist grundsätzlich ja kein Problem, ich hab eben nicht jeden Tag etwas zu erzählen. Die jüngste Durststrecke geht allerdings auf Apples Kosten. Wie das? Mit meinem Tablet-PC kann ich mittlerweile so ziemlich alles abdecken, was an täglichem Web-Surfing so anfällt. Von Finanzen über E-Mails bis hin zu Nachrichten aus aller Welt, den neuesten YouTube-Clips und dem Lesen meiner Blogstars kann ich alles vom Büro oder der heimischen Couch aus erledigen, ohne dafür mein Computermonster im Arbeitszimmer hochfahren zu müssen.
Nur bloggen, das geht einfach einfacher auf dem großen Rechner – jedenfalls, wenn es ein bisschen nach was aussehen soll. Und weil der in letzter Zeit selten eingeschaltet wird, bleibt auch die Blog-Küche von Zeit zu Zeit kalt.
So. Von allem ein bisschen heute. Ich werd’ mich schon bald wieder mit meinem dicken Buch ins Bettchen verziehen, links und rechts einen Kater und mich tierisch darüber freuen, dass morgen Freitag ist.
Ach, einen Filmtipp wollt ich ja noch loswerden. Vor zwei Tagen sahen Engelchen und ich uns “Best Exotic Marigold Hotel” an. Ich war zugegeben ein wenig skeptisch, das Cover gefiel mir nicht und der Titel ist nicht sehr einprägsam. Ich hab mich dennoch überreden lassen und bin im Nachhinein froh drum, denn der Film gehört zu den wirklich besten, die ich in letzter Zeit gesehen habe! Nur ganz kurz, worum es geht:
Sieben in die Jahre gekommene Briten reisen unabhängig voneinander, einander unbekannt und aus den unterschiedlichsten Gründen nach Indien und checken im “Best Exotic Marigold Hotel” ein. Sie sind ziemlich erschüttert, weil das Hotel in natura so gar nicht wie im Hochglanzprospekt aussieht. Erst allmählich und mithilfe des umwerfenden Charmes des jungen (und zum Schreien komischen) Hotelmanagers Sonny gelingt es den Damen und Herren, die Schönheit und die Geheimnisse des Hotels und ihres eigenen Lebens zu entdecken. Ein anrührender, witziger und liebevoller Feelgood-Film, den ich reinen Herzens empfehlen kann.
Am gestrigen Sonntag unternahmen Engelchen und ich eine kleine Reise nach Hamburg. Anlass war der Besuch einer Schulfreundin von mir, die vor einigen Jahren an den Bodensee gezogen ist. Und so trafen sich vier Schulfreunde und mein Engel in der Hansestadt, um den Nachmittag miteinander zu verbringen. Nicht in der guten Stube, natürlich, und so zogen wir los mit etwas ähnlichem wie einem Plan.
Wir starteten in der Deichstraße. Die historische Gasse mit ihren exklusiven Häusern und Lokalitäten richtet ihren Blick genau auf die werdende Elbphilharmonie, die später noch unser Ziel sein sollte. Zunächst lechzten wir aber nach original französischen Crêpes, weshalb wir kurzentschlossen in ein Restaurant einkehrten. Weit kamen wir nicht, denn der Inhaber, ein Bretone, fing uns fünf frühzeitig ab um uns – auf französisch – zu erklären, dass das Lokal voll sei und wir unser Glück später noch einmal versuchen sollten. Etwas enttäuscht trollten wir uns, um dann eben nebenan in einer belgischen Waffelerie unseren Zuckerbedarf zu stillen. Der sehr kleine Laden war schon voll, wenn drei Leute nebeneinander am Tresen standen und so eine Waffel benötigte rund zehn Minuten Zubereitungszeit – aber sie war dafür auch unheimlich lecker.
Nach diesem kulinarischen Kurzurlaub zog es uns weiter in die HafenCity. Inzwischen waren wir schon eine zeitlang nicht mehr hier gewesen und deshalb neugierig auf die Fortschritte. Die Philharmonie, die wir ja schon von Ferne aus der Deichstraße hatten betrachten können, hat sich augenscheinlich nicht weiterentwickelt. Immerhin scheint die Stadt Hamburg als Bauherr die Baufirma davon “überzeugt” zu haben, dass die Dachkonstruktion halten wird, sodass der Bau nun nach einiger Verzögerung fortgesetzt wird.
Der Spaziergang durch die HafenCity, vorbei an kleinen Booten und nicht so kleinen Yachten, führte uns zu einem noch etwas größeren Schiff. Die Queen Mary 2 hatte sich mal wieder zu einem Besuch in ihrer Lieblingsstadt entschieden und ankerte hinter dem Marco Polo Tower unter den staunenden Augen tausender Menschen. Dank des sonnigen Wetters war dieser Stadtteil also sehr gut besucht. Ein schlauer Mann hatte eine kleine Empore errichtet, auf der er zahlungswillige Touristen vor der QM2 ablichtete. Die Idee machte sich anscheinend bezahlt, denn die Schlange anstehender Leute war beachtlich. Am Abend sollte das Kreuzfahrtschiff die Anker lichten, begleitet von einem großen Feuerwerk. Engelchen und ich nahmen das in unser Vielleicht-Abendprogramm auf, ehe wir zu fünft aufbrachen, um dem Rest unseres imaginären Planes zu folgen.
Das nächste Ziel war die Parkanlage Planten un Blomen, die vor einigen Jahrzehnten anlässlich einer Gartenausstellung entstanden war. Unsere Idee, dort Minigolf zu spielen, war leider nicht sehr originell, die Bahnen waren ziemlich voll und die voraussichtliche Dauer wäre unserem nächsten und mit Abstand wichtigsten Programmpunkt in die Quere gekommen: Essen beim Chinesen! Also ließen wir das Sportprogramm fallen und fläzten uns dafür auf die mitgebrachte Picknickdecke ans Wasser mitten im Grünen. Ein Stückchen weiter tobten sich Inline-Skater und Skateboarder auf der Bahn aus, auf der wir vor wenigen Monaten noch eislaufen waren.
Als wir fast eine Stunde später das winzige China-Restaurant betraten, hatten wir ziemlich runde Füße, so dass Engelchen und ich das Abendprogramm einhellig über Bord warfen. Bald nach dem Essen verabschiedeten wir uns von unseren Freunden und machten uns allmählich auf den Weg zurück in die heimatliche Hansestadt.
Den längsten Tag des Jahres haben wir bereits wieder hinter uns. Auf unserer alljährlichen Reise um die Sonne haben wir den nahen Scheitelpunkt passiert und bewegen uns auf unserer elliptischen Bahn nun wieder von ihr fort.
Das ist natürlich kein Grund, die Heizung wieder hochzufahren und Mütze, Schal und Handschuhe heraus zu kramen. Im Gegenteil, der Sommer kommt ja gerade erst in Fahrt. Dass dieser bisher mehr grün als sonnig war, genieße ich sehr. Ich bin kein Pollenallergiker (zum Glück), aber ich mag es, wenn Bäume, Büsche, Blumen und sogar das Gras in sattem Grün stehen. Gegen einen “echten” Sommertag, so wie heute, habe ich natürlich nichts einzuwenden und selbstverständlich darf in meinem Urlaub in zwei Wochen auch sehr gern die Sonne scheinen. Meine nordeuropäische Haut kommt aber auch gut ohne aus.
Bei mir war ansonsten nicht wirklich viel los in den letzten Wochen. Die Arbeit bindet Zeit und zum Teil viel Kraft. Zweimal die Woche wirke ich dem Stress mit Sport entgegen, was mir wirklich gut tut.
Oh, und wir waren kürzlich wieder im Kino. Wir haben uns in Hamburg die Vorpremiere des neuen Spiderman angesehen. Während mir der Film ausgesprochen gut gefallen hat (bester Film seit langer Zeit), finde ich es bedauerlich, dass immer mehr Filme ausschließlich in der 3D-Version erscheinen. Nicht nur, dass der Effekt in den meisten Fällen überflüssig ist oder dass ein Kinobesuch dann gleich teurer ist, nicht nur, dass Brillenträger wie ich das Nachsehen haben oder meine beste Freundin, die auf einem Auge fast nichts sieht, gar nichts damit anfangen kann. Ich finde es frech, hier in eine Nische gedrängt zu werden, die ohne diesen “Trick” nicht ausreichend angenommen wurde. Natürlich will ich auf Kinobesuche nicht verzichten, und deshalb funktioniert diese Ausbeute auch noch.
“So sehen Sieger aus” – diesen Ausdruck liebenswerten Optimismus konnte man gestern auf zahlreichen Shirts lesen, wenn man durch die Marzipanstadt lief. Die Niederländer sollten sich mit den Deutschen auf dem Rasen messen. Nachdem die Oranjes zuvor überraschend an den Dänen gescheitert waren, musste gestern ein Sieg her, um nicht den frühzeitigen Heimweg antreten zu müssen. Das Spektakel zum Anlass nehmend verabredete ich mich mit einer Freundin. Zuerst gingen wir schlemmen bei unserem Lieblings-Chinarestaurant. Es war auch höchste Eisenbahn, die neuesten Neuigkeiten auszutauschen (beim gemeinsamen Badminton kommt kam ja kaum zum Quatschen).
Gut gesättigt wurden wir von meinem Engel abgeholt und liefen zu dritt die Engelsgrube hinunter zur Trave, um uns in einem der Hafenschuppen einen Sitzplatz beim Public Viewing zu ergattern. Der Schuppen (der größer ist, als seine Bezeichnung vermuten lässt), war schon ziemlich voll, obwohl bis zum besagten Spiel noch über eine Stunde Zeit war. Die provisorische Tribüne war schon komplett besetzt, so dass wir uns auf den Steinboden setzen mussten, der immerhin mit einer Art Teppich ausgelegt war. Es war schon richtig laut, überall wurde gebrüllt, Vuvuzeelas rüsselten durch die aufgeheizte Dunkelheit und konkurrierten mit einigen Presslufttröten. Nach einer Stunde hatte ich bereits sämtliche Sitz-, Knie- und Hockpositionen ausprobiert, aber keine Variante gefunden, die in der Enge nicht nach fünf Minuten extrem unbequem wurde. Aber was soll’s, wir wollen mal nicht meckern.
Dann wurde das Spiel endlich angepfiffen und die ersten zehn Sekunden liefen. Dann fror das Bild ein und verschwand. Entrüstete Pfiffe, wütende Schreie, die ersten erhoben sich von ihren Plätzen, bereit, den Veranstalter zu lynchen, der glücklicherweise weitere zehn bis zwanzig Sekunden später die Bildverbindung wieder herstellte. Das war knapp und die Menge beruhigte sich langsam wieder. Liedgesang erfüllte den Schuppen kurz darauf, der wohl anfeuernd wirken sollte, auf mich allerdings eher eine bedrohliche Wirkung hatte. Nichts gegen Musik, aber Sieg-Rufe, bei denen der eine oder andere rechte Arm einen verdächtigen Winkel nach oben annimmt, fand ich alles andere als witzig. Dann plötzlich Jubelschreie – aber ein Tor war nicht der Grund, nein, Niederländer Robben blutete aus einer Platzwunde am Kopf…
Nach einer weitgehend unentspannten ersten Halbzeit ergatterten wir Sitzplätze auf der Tribüne. Gut für unsere geschundenen Knochen, schlecht für mich, denn ich hatte den Platz ganz links, direkt neben den Stehplätzen, die sich nach und nach wieder füllten. Die Leute auf den Stehplätzen waren noch betrunkener und unruhiger als die auf den Steinplätzen, so dass die zweite Halbzeit nicht entspannter ablief als die erste.
Dass unsere Mannschaft einen Sieg gegen die Holländer einfuhr, war immerhin ein Trost. Ich war einfach nur froh, dem Moloch entfliehen zu können. Das war dann aber auch wieder nicht so einfach. Die siegestaumelnden Fans ergossen sich aus dem Schuppen auf die vierspurige Straße, den Verkehr ignorierend, durch lautes Gehupe in ihrem Jubel bestätigt. Flugs traf die Polizei ein und sperrte kurzerhand den Straßenzug für den Verkehr, um dem Ausbruch der Freude den notwendigen Platz zu gewähren. Als dann Böller durch die Menge flogen, suchten wir drei endgültig das Weite.
Insgesamt ein stressiger Abend, bei dem man neben dem Fußballspiel ständig wachsam sein musste, was gerade um einen herum passierte. Die Menge war gar zu aufgeheizt, Alkohol und Testosteron im Überfluss, das ganze gepaart mit einer aggressiven Gruppendynamik, die immer kurz vor dem Ausbruch stand und zum Teil bedrohliche Züge annahm. Für mich also keinesfalls wiederholungswürdig. EM sehr gern, aber das mach ich lieber zu hause.
Wenn das jetzt gar zu spießig oder humorlos rüberkam, hab ich noch zwei:
Welches Tier schießt keine Tore? Robben!
Was macht der Niederländer, wenn er die EM gewonnen hat? Er macht die PlayStation aus und geht zu Bett!
Er hat uns ja ziemlich warten lassen, aber inzwischen ist er voll durchgestartet. Zuerst war er schüchtern und unterkühlt, aber dann feurig und schweißtreibend! Vielleicht hat er sich dabei etwas zu sehr verausgabt, denn jetzt gerade braucht er anscheinend eine Pause. Der Frühling, natürlich. Mein Balkon steht in frischem Grün, das sich in rasend schnellem Tempo aus der Erde pult – gestern habe ich die erste eigens angebaute Erdbeere dieses Jahres gegessen (mehr als die eine war noch nicht reif).
Ich bin ja eher der nordische Typ. Wenn meine blasse Haut die Sonne sieht, fängt sie zwar nicht gerade zu glitzern an (was vorübergehend ziemlich cool wäre). Dennoch treibt es mich quasi von Schatten zu Schatten, wenn ich mich mal nicht im Schutze der Dunkelheit aufhalte. Die vielen Sonnenbrände meiner Kindheit sind mir und meiner Haut noch gut in Erinnerung, obwohl das inzwischen ja schon ein paar Tage her ist. Und so kommt es, dass ich trotz und vor allem wegen des feurigen Temperaments des Monats Mai meistens lieber daheim geblieben bin und mich wirklich nur hin und wieder und dann auch nur ganz kurz auf den Balkon in die pralle Sonne gesetzt habe. In der übrigen Zeit habe ich zum Beispiel an einem neuen Intranet-Design meiner Firma gearbeitet. Übermorgen, also am Freitag, stelle ich meinen Entwurf erstmals einem der verantwortlichen Kollegen vor. Was ursprünglich als reine Übung daherkam, ist mir mit jeder neuen Seite, jeder Grafik, jeder Idee (und jedem Programmabsturz) ein Stückchen ans Herz gewachsen und ich hoffe natürlich, dass mein Entwurf ankommt. Rein von der Idee her kann da nichts schiefgehen, denn das bisherige Intranet ist – naja, praktisch nicht vorhanden. Bleibt nur die Frage, ob sich das neue technisch auch problemlos einbinden lässt, weil wir da von einem zentralen Rechenzentrum abhängen, das erstens weit, weit weg ist und zweitens so ein eigenes Intranet theoretisch auch hosten muss. Und das klärt sich übermorgen.
Ja, und dann steht uns auch schon der Juni bevor. Da werden wir als erstes Men in Black III im Kino ansehen. Außerdem Jamies Geburtstag feiern, schwimmen und saunieren, meine beste Freundin wiedersehen und mühsam auf den Sommerurlaub hinarbeiten, auf den wir dann noch einen weiteren Monat warten müssen. Also jede Menge Pläne und mit Glück ein paar Gelegenheiten für Fotos, die in meinem Blog schon wieder zu kurz kommen…
Gut zu wissen: |
Meine Punkteverteilung: |
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Originaltitel: Glove puppet
Aus dem Englischen von Marc Staudacher
Dieser auf den ersten Blick unscheinbare Roman von Neill Drinnan hat mich überrascht. Was sich hinter dem verführerischen Cover verbirgt, habe ich keinesfalls erwartet…
Johnny ist erst sechs Jahre alt, als seine Mutter auf einem englischen Bahnhof an einer Überdosis krepiert. Einen Vater hat er nicht, hatte er nie. Ein Mann nimmt den verlorenen Waisenjungen mit sich, noch ehe die Polizei eintrifft. Er bittet Johnny, sein Vater sein zu dürfen und verspricht ihm ein besseres Leben. Johnny akzeptiert und macht keinen Ärger, auch nicht, als der Mann ihn mit nach Australien nimmt. In Englang wird Johnny niemand vermissen, deshalb lässt sich der in ärmsten Verhältnissen aufgewachsene Junge ohne Zögern darauf ein. Sein neuer Vater heißt Shamash und Johnny selbst bekommt den Namen Vaslav. In Australien verbreitet Shamash die Geschichte, Vaslav wäre mit seiner Mutter – Shamashs Ex – in einen Autounfall verwickelt gewesen, bei dem sie umgekommen sei. Er habe seinen Sohn daher zu sich genommen, um sich fortan um ihn zu kümmern. Johnny alias Vaslav spielt das Spiel mit. Er mochte Shamash vom ersten Moment an, als dieser ihn unter seinem Mantel vor den neugierigen Blicken am Bahnhof beschützte. Shamash selbst ist schwul und sehr wohlhabend. Er verwandelt den rohen Johnny mit einer Engelsgeduld und väterlicher Hingabe zu einem Heranwachsenden, der in kultureller und moralischer Hinsicht seinem Vorbild in nichts nachsteht. Vaslav begleitet ihn auf nahezu jede seiner Geschäftsreisen nach Europa und bald lernt er den verschwenderischen Umgang mit Geld, Drogen und Sex kennen. Er lernt, dass er von besonderer Schönheit ist und weiß diesen Umstand zu seinem Vergnügen einzusetzen. Dass er dabei noch nicht volljährig ist, macht ihm selbst nichts aus, bis er eines Tages die Liebe seines Lebens in den Knast bringt und sein eigenes Leben ruiniert…
Zugegeben, ich habe ich mich an diesem Buch ziemlich lange aufgehalten. Das lag aber nicht etwa daran, dass es mir nicht gefallen hätte, im Gegenteil. Der Grund ist vielmehr, dass die Geschichte längst nicht so popcorn ist, wie ich sie erwartet hatte. Sie ist bedrückend und für das eigentlich kleine Format bis an den Rand gefüllt. Die Lebensgeschichte von Johnny/Vaslav wird nachvollziehbar dokumentiert, jedes Stadium seines jungen Lebens, jede Veränderung wird beleuchtet. Was entsteht, ist ein Dokument über eine Jugend, die berauschend und gleichzeitig bedroht ist, ein Dokument über sexuellen Missbrauch, wobei es dem Leser überlassen wird, ob es wirklich ein solcher ist. Unter dem Gesetz ganz sicher, unter der Moral ebenfalls. Aber im Zusammenhang der Geschichte geht die Moral flöten und das Gesetz ist ein immerzu drohendes Übel. Verharmlost die Geschichte also sexuellen Missbrauch von Minderjährigen? Das kann man tatsächlich so sehen, würde damit dem Ausgang der Geschichte aber nicht ganz gerecht werden. Der Autor lässt es offen, ob das seelische Ungleichgewicht des jungen Mannes Vaslav von seiner verkorksten Kindheit mit seiner drogenabhängigen Mutter herrührt, die unzählige zahlende Männer in ihr Bett gelockt hat, oder etwa von ihrem Tod, als der Junge gerade erst sechs war. Oder von der plötzlichen Ausreise von England nach Australien. Vielleicht der neue, exzentrische aber wohlhabende und liebevolle Vater, der Männer kaum mehr verschmäht, als Johnnys Mutter. Vielleicht die frühe sexuelle Reife, die Drogen – oder aber war es das enge körperliche Verhältnis zu Shamash, das zu einer Liebesbeziehung wird, noch bevor Vaslav volljährig ist?
Bei der Materie ist es nicht verwunderlich, dass die Geschichte kein gutes Ende nimmt. Bis dahin schwankt sie zwischen Orientierungslosigkeit, Rausch, Vergnügen und Gefühlen, die entdeckt, ausgelebt und betäubt werden. Eine unterhaltsame Mischung, die zum Urteilen und Nachdenken anregt.
Das Coverbild ist gut gewählt. Mich hat es zum Lesen verführt, aber am Ende weiß man: Engel haben keine roten Locken.