Film: Westerland

© Salzgeber & Co. Medien GmbH Diese DVD ist im Handel erhältlich.
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Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Regie: Tim Staffel
  • Musik: Alexandra Holtsch
  • Spieldauer: 1:29:33
  • Darsteller:
    Wolfram Schorlemmer
    Burak Yigit
    Tamer Arslan
    Jule Böwe
    Maxim Mehmet
    Muri Seven
    Ronja Asmussen
    Janina Suhl
  • erschienen: 2013
  • Sprachen: deutsch
    (englische und französische Untertitel)
  • FSK: 16
  • Gestaltung: 4 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • Darsteller: 4 von 5
  • Story: 4 von 5
  • Emotion: 4 von 5
  • Gesamtwertung: 4,0 von 5

 

Nachfolgender Text enthält wesentliche Handlungselemente des Films!

Worum geht’s?

Westerland ist eine Stadt auf Deutschlands nördlichster Nordseeinsel Sylt. Hier spielt der gleichnamige Spielfilm von Tim Staffel, in dem sich Cem und Jesús begegnen. Jesús ist ein Streuner, ohne Halt, ohne Wurzeln, ohne Background, mehr schlecht als recht durch das Leben schlitternd findet ihn Cem wie einen Jungvogel, der aus dem Nest gefallen ist. Er lässt ihn bei sich übernachten, erst einmal, dann immer mal wieder, dann dauerhaft. Jesús ist ein Kiffer und ein Gelegenheitsdieb, aber trotzdem schließt Cem den Mann in sein großes Herz. Das Verhältnis der beiden bleibt undefiniert. Freunde? Verliebte? Kindermädchen? Cems Familie und seine Freunde lehnen Jesús ab, den Kiffer und Schnorrer, den Parasiten und Dieb. Während Jesús die Welt mit naiven Kinderaugen zu sehen scheint, versucht Cem, das Leben seines Freundes aufzuräumen, ihn in der Spur zu halten und zu verhindern, dass er sich umbringt, durch Drogen, Bulimie oder sonstwas. Jesús wird schnell von Cem abhängig, offensichtlich hat er sich verliebt und lebt bereits in einer Vorstellung von einem gemeinsamen Leben. Doch während sich dieser Wandel vollzieht, während Jesús sich Cems Regeln unterwirft, wendet sich dieser plötzlich ab, hält dem Druck seiner Freunde nicht mehr Stand, verliert den Blick für Jesús.

Und wie war’s?

Über diesen Film habe ich tatsächlich im Vorwege mal etwas gelesen. Die meisten Stimmen waren durchaus positiv, aber es war auch eine dabei, die den Schauspielern jegliches Talent abgesprochen hat. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich bin grundsätzlich sehr kritisch, was die schauspielerische Leistung betrifft (nicht, dass ich das besser könnte). Wolfram Schorlemmer und Burak Yigit haben hier jedoch wirklich gute Arbeit geleistet. Klare Artikulation, Mimik und Gestik passend, nicht künstlich wirkend, die Texte nicht abgespult sondern glaubhaft gespielt. Die Naivität von Jesús kaufe ich ihm ebenso ab wie ich Cem die unsichere Beschützerrolle glaube. Die Bilder von der winterlichen Insel Sylt sind von Fabian Spuck meistens wunderschön gefilmt. Dazu wird der Film sparsam durch malerische Musik ergänzt. Technisch betrachtet – wenn auch kein Meisterwerk – eine sehr gute Arbeit. Die Geschichte hat mich unterhalten. Vor allem die Spannung, wie sich die Beziehung zwischen Cem und Jesús entwickelt, hat den Film für mich interessant gemacht. Dass da mehr draus werden könnte, war schnell klar, sie wohnen zusammen, sie schlafen im selben Bett, haben eigentlich keine Berührungsängste. Aber darüber hinaus geht es dann leider nicht. Es springt nicht mal ein winziger romantischer Kuss heraus, obwohl es an Gelegenheiten und Situationen nicht mangelte. Die plötzliche Wendung ganz kurz vor Schluss fand ich sehr schade. Da wird viel Mühe darauf verwendet, einen Spannungsbogen aufzubauen, und dann wird er binnen weniger Minuten aufgelöst und der Film beendet. Die Hauptdarsteller haben sich immer weiter angenähert, ich war mir sicher, dass sie einander nie verlieren wollten. Und dann stoßen sie von jetzt auf gleich alles um, der eine zu feige, der andere zu stolz – und trotzdem nichts, was man meiner Meinung nach nicht einfach hätte retten können.

Dennoch ein sehr empfehlenswerter Film, qualitativ nicht zu bemängeln, mit einer unausgelutschten Story und guten Darstellern.

(Die FSK16-Einordnung hat übrigens nichts mit freizügiger Sexualität zu tun, sondern wohl vielmehr mit dem offensiven Umgang mit Drogen.)

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