Film: WEEKEND

 

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Regie: Andrew Haigh
  • Musik:
  • Spieldauer: 1:33:07
  • Darsteller:
    Tom Cullen
    Chris New
    Jonathan Race
    Laura Freeman
  • erschienen: 2011
  • Sprachen: Englisch
  • Untertitel: Deutsch
  • FSK: 16
  • Gestaltung: 4 von 5
  • Unterhaltung: 2 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • Darsteller: 5 von 5
  • Story: 5 von 5
  • Emotion: 4 von 5
  • Gesamtwertung: 4,0 von 5

 

Was für ein erstaunlicher Film. Fast 90 der 94 Filmminuten lang war ich überzeugt, den Film nicht zu mögen. Die Optik in dem englischen Vorort ist grau und trist. Die Wohnung im 14. Stock des Plattenbau-Hochhauses ist klein, Einrichtung und Mobiliar sind alt und hässlich.

Russell und Glen lernen sich in einer Gay-Bar kennen. Was eine schnelle Nummer auf dem Klo hätte werden können, wird eine gemeinsame Nacht. Aus der gemeinsamen Nacht wird ein Morgen mit Kaffee im Bett und aus dem Morgen wird ein ganzes Wochenende. Die beiden Männer sind so verschieden, dass sie unendlichen Gesprächsstoff haben, ohne sich jemals einig werden zu müssen. Glen ist offensiv und rebellisch, Russell ist angepasst, schwach, er versucht, einfach irgendwie durchzukommen. An diesem einen Wochenende teilen sie Körper und Geist, diskutieren stundenlang, rauchen, trinken, nehmen Drogen und haben unromantischen Sex.

Das Ambiente ist die ganze Zeit hindurch eher schäbig. Das liegt hauptsächlich an den Schauplätzen und an den vollen Aschenbechern. Hochglanz sucht man hier vergebens. Die meiste Zeit sehen wir den beiden Hauptdarstellern dabei zu, wie sie sich unterhalten. Mal wild gestikulierend, mal halb im Delirium. Mal vor sich hin nuschelnd und mal schreiend. Streckenweise war das langweilig, denn was habe ich als Zuschauer von ihren Gesprächen auf dem hässlichen Sofa oder am winzigen Küchentisch?

Aber wenn man die Zeit damit verbringt, sich über die scheinbare Langeweile zu ärgern, verpasst man, was eigentlich passiert: Russell und Glen verlieben sich. Auf völlig unromantische Art und Weise und ohne, dass einer von beiden das vorgehabt hätte, sogar ohne, dass sie es gleich bemerken.

Erst am Wendepunkt der Geschichte wird klar, dass sie längst nicht mehr ohne den anderen sein wollen. Und erst in den allerletzten Minuten dringt der Film dann auch zu mir durch und berührt mich tief im Innern. Um diesen Punkt zu treffen, war all die Vorbereitung wichtig, die ich für Langeweile gehalten habe.

Wie gesagt darf man hier keinen Hochglanz erwarten. Wer des Englischen mächtig ist, kann sich den Film auch ohne deutsche Untertitel ansehen. Wenn die britischen Darsteller nicht gerade zu sehr nuscheln, kann man das meiste recht gut verstehen. Die Dialoge wirken übrigens nicht gescripted. Die beiden Darsteller scheinen zu quatschen, wie es ihnen gerade in den Sinn kommt. Das wirkt sehr authentisch, ich hatte das Gefühl, die Szenen seien nicht gespielt.

Dieser Film, von dem ich dachte, ich würde ihn nicht mögen, ist überraschend eine besondere Empfehlung.

 

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