Film: STURMLAND

© Salzgeber & Co. Medien GmbH - Diese DVD ist im Handel erhältlich.
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Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Regie: Ádám Császi
  • Musik: Csaba Kalotás
  • Spieldauer: 1:42:45
  • Darsteller:
    András Sütõ
    Ádám Varga
    Sebastian Urzendowsky
  • erschienen: 2013
  • Sprachen: Deutsch / Ungarisch
  • Untertitel: Deutsch
  • FSK: 16
  • Gestaltung: 4 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • Darsteller: 3 von 5
  • Story: 5 von 5
  • Emotion: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 4,5 von 5

 

Hier geht’s zum Trailer.

Worum gehts?
(Nachfolgender Abschnitt enthält wesentliche Handlungselemente des Films!)

Szabi ist Fußballer, wie sein Vater. Er spielt in einem deutschen Verein, aber besonders gut ist er nicht. Kein Wunder, sein Trainer ist ein ziemliches Arschloch. Szabi wird schikaniert, die Mannschaft regelmäßig runtergeputzt. Gefrustet fängt Szabi mit seinem einzigen Freund Bernard eine Schlägerei an, weil der ihn in der Dusche angeglotzt hat. Er geht schließlich zurück in sein Heimatland Ungarn, verkriecht sich in einem zerfallenen Haus nahe seinem Geburtsort.

Das Dach muss erneuert werden, es regnet bereits durch. Szabi lernt Áron kennen. Die zwei freunden sich an. Sie trinken ungarischen Schnaps, fahren mit dem Moped durch die Gegend und werkeln gemeinsam an dem altem Haus. In einer betrunkenen Nacht lässt Áron zu, dass Szabi ihn berührt. Es scheint ihm zu gefallen.

Aber er ist hin und her gerissen. Er erzählt seiner Mutter, Szabi habe ihn begrapscht und er hätte es zugelassen. Szabi wird daraufhin verprügelt und Áron steht bei den Jungs unter Beobachtung. Sie bemerken, dass er immer noch für Szabi arbeitet und glauben, er lasse sich für Sex bezahlen. Sie zeigen ihm deutlich, was sie davon halten.

In seiner Verzweiflung ruft Szabi seinen damaligen Freund Bernard in Deutschland an. Bald darauf kreuzt er auf. Szabi und Áron sind inzwischen zu einer Art heimlichem Paar geworden. Mit Bernard verbringt Szabi jetzt viel Zeit, zeigt ihm die Gegend und sein Haus. Er entschuldigt sich für die Schlägerei in der Dusche, aber Bernard ist ihm nicht böse. Szabi stürzt sich in die nächste Liebesgeschichte.

Wie man dem DVD-Cover schon entnehmen kann, kann sich Szabi nicht für einen der beiden Männer entscheiden und hätte am liebsten beide. Genug Liebe für beide hat er allemal, aber ob das gut geht? Was halten die Dorfbewohner davon? Welche Vorstellungen hatte Bernard, als er nur für Szabi nach Ungarn kam?

Und wie war’s?

Überraschend! Stellenweise überraschend freizügig und mit einem unerwarteten Ende.

STURMLAND ist ein recht erdiger Film – kein Hochglanz, keine Unbeschwertheit. Er beginnt in Deutschland auf einem Fußballplatz. Die deutschen Untertitel kommen also zunächst nicht zum Einsatz. Schade. Die Schauspieler nuscheln leider ziemlich, wie das in deutschen Filmen oft vorkommt. Ob die Trainingsschikanen realistisch sind oder nicht, kann ich nicht beurteilen, da ich nie ein Fußballtraining absolviert habe. Aber letztlich ist das auch egal, wir wechseln nämlich schon bald nach Ungarn.

Den Charme des Hauses, in das sich Szabi einnistet, finden wir erst später, wenn es einigermaßen wieder hergestellt ist. Dem Kameramann gelingt es jedoch, auch aus schäbigen Szenerien das Beste herauszuholen. Ruhende Bilder, manchmal mit ungewöhnlicher Perspektive, zeigen eine ungeschliffene Gegend im Sonnenschein, aber auch bei Sturm, Regen und Gewitter. Musik wird punktuell zur Untermalung eingesetzt und ist eher unauffällig. Die Stimmung entwickelt mit fortschreitender Handlung einen wachsend bedrohenden Ton, immer unterbrochen von Nähe und Zärtlichkeit.

Das Ende hat mich dann wirklich überrascht. Meinetwegen hätte der Reigen noch eine Weile so weitergehen können.

Und zum Schluss wieder ein paar Worte zur Bewertung:
Das Coverbild zeigt eine entscheidende Szene aus dem Film, die hintergründig gut gewählt ist. Das Menü verwendet das gleiche Bild. Auf Musik wird leider verzichtet. Insgesamt hat mir die Gestaltung gut gefallen.
Unterhaltsam war der Film auf jeden Fall. Die Geschwindigkeit war angenehm, brachte den Film gut voran, ließ dem Zuschauer aber auch Zeit, sich in der einen oder anderen Szene niederzulassen.
Die Struktur hat mir zwischenzeitlich leider gefehlt. Szabi spricht beispielsweise jemandem mitten in der Nacht auf deutsch aufs Band. Ich bekam leider nicht mit, wem. Erst, als Bernard später auftaucht, ergab das Sinn für mich. Kein wesentlicher Mangel und nur ein Pünktchen Abzug.
Die Darsteller waren OK. Die ungarischen gefielen mir besser als die deutschen. Das liegt vielleicht daran, dass ich die Deutschen verstehen konnte und deshalb mitbekam, dass Betonung und Rhythmus der Sprache mehr schlecht als recht rüberkamen. Vollständig überzeugt haben mich die Darsteller insgesamt aber nicht. Daher zwei Punkte Abzug in der Wertung.
Die Story ist unverbraucht und hält Überraschungen bereit. Sie erschien mir nicht an den Haaren herbeigezogen, was wieder beweist: Das Leben schreibt die „besten“ Geschichten (es handelte sich angabegemäß um eine wahre Begebenheit). Volle Punktzahl.
STURMLAND geizt nicht mit Emotionen. Wut. Trauer. Verzweiflung. Hingabe. Liebe. Erotik. Bedrohung. Erleichterung. Da ist wirklich alles dabei.

STURMLAND ist ein empfehlenswerter Film ab 16 Jahren, der den Zuschauer noch überraschen kann.

 

5 Antworten auf „Film: STURMLAND“

  1. leider habe ich die szene mit dem messer am ende des films, der mich echt beeindruckt hat, nicht ganz kapiert: hat aron nun szabi zum schluss getötet oder szabi sich selbst?

    1. Soweit ich mich erinnere, hat er Szabi erstochen. War er innerlich zerrissen und hat sich am Ende für einen entschieden? Wollte er sichergehen, dass Szabi niemals aufhört, ihn zu lieben? Oder hat er einfach all seiner Wut und Unsicherheit Ausdruck dadurch verliehen, Szabi und somit scheinbar seine Probleme zu beseitigen? Wir wissen es nicht.

  2. hallo lacarian, danke dir für diese ausführliche antwort, die für mich nun eine art leitfaden ist weiterzudenken, warum das ende dieses films so stattgefunden hat. ein deprimierendes ende, das mich heute noch beschäftigt. der film hat mich in jeder hinsicht aufgwühlt; er ist für mich eigentlich noch nicht zu ende…ich frage mich, wie aron nach szabis tod dann weitergelebt hat oder wie diese liebe ohne szabi’s tod verlaufen wäre…der film lädt sehr zum nachdenken ein…für mich denke ich, er ist noch nicht zu ende 😉 ich bin kunstmaler, kein drehbuchautor, aber in meiner fantasie „male“ ich mir schon einen 2. teil, eine fortsetzung, aus 😉

    1. Das wäre schön. Leider passiert es nach meiner Erfahrung recht oft, dass der Vorhang fällt und die Geschichte dahinter weitergeht. Sich das auszumalen ist zwar ganz schön, aber eine Fortsetzung würde mir manchmal auch besser gefallen.

  3. ja, du hast recht…interessant wäre es zu wissen, wie es nach szabi’s tod mit aron weitergehen würde in diesem konfliktfeld…wie er das leben, seine sexualität usw. meistern würde…lg, michael 🙂

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