Verbotene Jugend

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Neal Drinnan
  • Land: England
  • Verlag: Bruno Gmünder
  • Seiten: 270
  • Erzählform: Ich-Form
  • erschienen: 1998
  • ISBN: 9783867872522
  • gelesen: 22.04.2012 – 28.05.2012
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 3 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 3 von 5
  • Gesamturteil: 4 von 5

Originaltitel: Glove puppet
Aus dem Englischen von Marc Staudacher

 

Dieser auf den ersten Blick unscheinbare Roman von Neill Drinnan hat mich überrascht. Was sich hinter dem verführerischen Cover verbirgt, habe ich keinesfalls erwartet…

Johnny ist erst sechs Jahre alt, als seine Mutter auf einem englischen Bahnhof an einer Überdosis krepiert. Einen Vater hat er nicht, hatte er nie. Ein Mann nimmt den verlorenen Waisenjungen mit sich, noch ehe die Polizei eintrifft. Er bittet Johnny, sein Vater sein zu dürfen und verspricht ihm ein besseres Leben. Johnny akzeptiert und macht keinen Ärger, auch nicht, als der Mann ihn mit nach Australien nimmt. In Englang wird Johnny niemand vermissen, deshalb lässt sich der in ärmsten Verhältnissen aufgewachsene Junge ohne Zögern darauf ein. Sein neuer Vater heißt Shamash und Johnny selbst bekommt den Namen Vaslav. In Australien verbreitet Shamash die Geschichte, Vaslav wäre mit seiner Mutter – Shamashs Ex – in einen Autounfall verwickelt gewesen, bei dem sie umgekommen sei. Er habe seinen Sohn daher zu sich genommen, um sich fortan um ihn zu kümmern. Johnny alias Vaslav spielt das Spiel mit. Er mochte Shamash vom ersten Moment an, als dieser ihn unter seinem Mantel vor den neugierigen Blicken am Bahnhof beschützte. Shamash selbst ist schwul und sehr wohlhabend. Er verwandelt den rohen Johnny mit einer Engelsgeduld und väterlicher Hingabe zu einem Heranwachsenden, der in kultureller und moralischer Hinsicht seinem Vorbild in nichts nachsteht. Vaslav begleitet ihn auf nahezu jede seiner Geschäftsreisen nach Europa und bald lernt er den verschwenderischen Umgang mit Geld, Drogen und Sex kennen. Er lernt, dass er von besonderer Schönheit ist und weiß diesen Umstand zu seinem Vergnügen einzusetzen. Dass er dabei noch nicht volljährig ist, macht ihm selbst nichts aus, bis er eines Tages die Liebe seines Lebens in den Knast bringt und sein eigenes Leben ruiniert…

Zugegeben, ich habe ich mich an diesem Buch ziemlich lange aufgehalten. Das lag aber nicht etwa daran, dass es mir nicht gefallen hätte, im Gegenteil. Der Grund ist vielmehr, dass die Geschichte längst nicht so popcorn ist, wie ich sie erwartet hatte. Sie ist bedrückend und für das eigentlich kleine Format bis an den Rand gefüllt. Die Lebensgeschichte von Johnny/Vaslav wird nachvollziehbar dokumentiert, jedes Stadium seines jungen Lebens, jede Veränderung wird beleuchtet. Was entsteht, ist ein Dokument über eine Jugend, die berauschend und gleichzeitig bedroht ist, ein Dokument über sexuellen Missbrauch, wobei es dem Leser überlassen wird, ob es wirklich ein solcher ist. Unter dem Gesetz ganz sicher, unter der Moral ebenfalls. Aber im Zusammenhang der Geschichte geht die Moral flöten und das Gesetz ist ein immerzu drohendes Übel. Verharmlost die Geschichte also sexuellen Missbrauch von Minderjährigen? Das kann man tatsächlich so sehen, würde damit dem Ausgang der Geschichte aber nicht ganz gerecht werden. Der Autor lässt es offen, ob das seelische Ungleichgewicht des jungen Mannes Vaslav von seiner verkorksten Kindheit mit seiner drogenabhängigen Mutter herrührt, die unzählige zahlende Männer in ihr Bett gelockt hat, oder etwa von ihrem Tod, als der Junge gerade erst sechs war. Oder von der plötzlichen Ausreise von England nach Australien. Vielleicht der neue, exzentrische aber wohlhabende und liebevolle Vater, der Männer kaum mehr verschmäht, als Johnnys Mutter. Vielleicht die frühe sexuelle Reife, die Drogen – oder aber war es das enge körperliche Verhältnis zu Shamash, das zu einer Liebesbeziehung wird, noch bevor Vaslav volljährig ist?

Bei der Materie ist es nicht verwunderlich, dass die Geschichte kein gutes Ende nimmt. Bis dahin schwankt sie zwischen Orientierungslosigkeit, Rausch, Vergnügen und Gefühlen, die entdeckt, ausgelebt und betäubt werden. Eine unterhaltsame Mischung, die zum Urteilen und Nachdenken anregt.

Das Coverbild ist gut gewählt. Mich hat es zum Lesen verführt, aber am Ende weiß man: Engel haben keine roten Locken.

 

Wintermond

Bisher keine Genehmigung zur Coverabbildung.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: M(arisa) Hart
  • Land: Deutschland
  • Verlag: Himmelstürmer
  • Seiten: 549
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2011
  • ISBN: 9783863610005
  • gelesen: 14.06.2011 – 17.06.2011
  • Einbandgestaltung: 4 von 5
  • Orthographie: 1 von 5
  • Ausdruck: 3 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Lesevergnügen: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 4 von 5

Band 1: Wintermond
Band 2: Sommermond

 

Ben Richter ist Student der Architektur. Er beginnt ein Praktikum bei dem bekannten Architekten Johannes Tannenberger in Hamburg. Für die Dauer des Praktikums wohnt er in dessen Villa. Tannenberger hat einen Sohn, Alex, der in Bens Alter ist. Die beiden haben einen glücklosen Start, weil Alex den Neuankömmling anfangs für jemand anderen hält. Mit dem Architekten kommt der Student hingegen bestens klar, was sein Verhältnis zu Alex nur umso stärker belastet, denn die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Jo und Alex ist miserabel. Alex hat hohe Spielschulden, als sich sein Vater unerwartet weigert, weiter für den kostspieligen Lebensstil seines nichtsnutzigen Sohnes aufzukommen. Stattdessen ist Jo von Bens Ehrgeiz begeistert und scheint in ihm einen Ersatzsohn gefunden zu haben. Alex, der seine Spielschulden nicht begleichen kann, gerät extrem unter Druck und lässt seinen Frust bei jeder Gelegenheit an Ben aus. Als er erfährt, dass der Praktikant schwul ist, nährt das seine Abneigung gegen den neuen Liebling seines Vaters. Ben hingegen versucht, zu ergründen, warum Alex ihn so extrem feindselig behandelt.

Alex unbezahlte Spielschulden werden dringlicher. Er wird von seinen dubiosen Gläubigern bedroht und gerät aus Verzweiflung tiefer und tiefer in eine ausweglose Situation. Es gelingt Ben, in kurzen Momenten zu ihm durchzudringen und bekommt Bruchstücke von dessen Situation mit. Gleichzeitig fühlt er sich von Alex angezogen, trotz und auch wegen dessen Schikanen, die Ben bald als Maske enttarnt. Alex fühlt sich in Bens Gegenwart unwohl, genießt es aber auch, ihn zu trietzen und eine gewisse Macht über den Studenten auszuüben. Als seine Gläubiger ihm das Wichtigste in seinem Leben nehmen, ist Alex verzweifelt. Ben ist für ihn da und zum ersten Mal nähern sich die beiden Männer einander an. Alex Verwirrung und sein Hass auf den schwulen Ben werden dadurch noch größer. Letztlich erkennt Alex jedoch, dass Ben sein einziger Halt ist. Zögerlich bemerkt er, wie sich sein Leben auf den Kopf stellt und er sich in den Studenten verliebt. Dabei bürdet er sich eine enorme Verantwortung auf, die er angesichts seiner erdrückenden Probleme nicht zu schultern weiß…

549 Seiten sind ein ungewöhnlich umfangreiches Ausmaß für einen Himmelstürmer- Roman. Wie üblich bin ich mit gemischten Erwartungen an das Buch herangegangen. Ich lese die Bücher dieses Verlages besonders gern, weil ich die schwulen Liebesgeschichten so mag, das herrliche Kribbeln im Bauch, wenn sich die Figuren einander annähern und sich verlieben, außerdem die prickelnde Erotik, die sich vollkommen unverblümt entfalten darf. Auf der anderen Seite stehen regelmäßig der seichte Stil, die vielen Schreibfehler und Unmengen an Klischees. Die Schreibfehler gibt auch dieses vorliegende Buch in großer Zahl her, ebenso den seichten Stil. Klischees gibt es auch, allerdings kaum aus der schwulen Schublade, sondern eher aus diversen Kriminal- oder Mafia-Romanen.Nachdem ich den Stil nach ungefähr fünfzig Seiten angenommen hatte, konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Tatsächlich musste ich unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht. Die Autorin versteht es, der Handlung das richtige Tempo zu verleihen und die richtigen Kicks an der richtigen Stelle zu setzen. So nimmt die Story nach und nach soviel Fahrt auf, dass ich streckenweise mitgefiebert und regelrecht gezittert habe. Dabei sind auch noch so unglaublich viele Emotionen im Spiel, dass man kaum weiß, wie einem geschieht. Lediglich der Anfang und das Ende sind überhaupt nicht gelungen. Am Anfang ergeht sich die Geschichte in langweiligen Details, die nicht so recht von der Stelle kommen, am Ende hingegen hört die Geschichte auf und lässt den Leser, der bis dahin in jeden Gedanken der handelnden Personen eingeweiht worden war, plötzlich mit vielen Fragen direkt im Showdown unbefriedigt zurück. “Fortsetzung folgt…” steht unter dem letzten Satz. So ein Blödsinn! Ich wüsste doch so gern, wie die Geschichte ausgeht. Gibt es tatsächlich eine Fortsetzung? Und wenn ja, wie lange muss ich auf die Auflösung warten? Das nervt ziemlich und kostet das Buch damit einen Extra-Punkt.

Ansonsten ist die Punkteverteilung recht einfach. Das Buch hat mich sehr stark berührt, damit hätte es die volle Punktzahl verdient. Die Struktur ist fast zu gut, der Leser geht auf keinen Fall unterwegs verloren, weil die wichtigsten Stationen (für meinen Geschmack schon zu) oft wiederholt werden. Die Autorin ergeht sich zuweilen zu sehr in Details, die wohl mehr Atmosphäre schaffen sollen, viele Sätze dadurch aber unheimlich in die Länge ziehen. Manche Recherche-Ergebnisse hätten zudem etwas besser verpackt werden können, um sie weniger offensichtlich als solche niederzuschreiben. Abzüge gibt es für die vielen Schreibfehler, den seichten Stil und für die unfertige Geschichte. Einen persönlichen Bonuspunkt gibt es hingegen für die Art, wie mich die Geschichte berührt und unterhalten hat. Das Buch kommt somit auf vier von fünf möglichen Punkten.

Die Fortsetzung erscheint laut Verlag unter dem Titel “Sommermond” im Juli 2011, und ich freue mich schon darauf.
24. Juli 2011: Vor drei Tagen sollte “Sommermond” erscheinen. Aber es noch tut sich nichts…
24. August 2011: Ich habe das Buch jetzt direkt beim Verlag bestellt, dort ist es vor einigen Tagen endlich erschienen. Morgen soll es in meinem Briefkasten sein, ich bin schon gespannt…
Oh nein, jetzt ist auch meine Vorbestellung bei Amazon bearbeitet worden. Dann habe ich morgen zwei davon… *lol* Erst kommt keins und jetzt…

 

Wie durch ein Wunder

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Ben Sherwood
  • Land: USA
  • Verlag: Heyne
  • Seiten: 319
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2004
  • ISBN: 9783453503854
  • gelesen: 22.11.2010 – 04.12.2010
  • Gestaltung: 4 von 5
  • Orthographie: 4 von 5
  • Ausdruck: 3 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • ø Lesevergnügen: 4 von 5
  • Gesamtwertung: 4 von 5

Originaltitel: The death and life of Charlie St. Cloud
Originalverlag: Bantam Dell
Aus dem Amerikanischen von Birgit Moosmüller

 

Eigentlich dachte ich, ich lese “Wie durch ein Wunder” als Lektüre für Zwischendurch, weil mich “Tintentod” noch nicht so richtig gefesselt hatte. Natürlich habe ich als bekennender Efron-Fan das Buch wegen des Covers gekauft und auch weil mich der Klappentext nicht komplett abgeschreckt hat.

Für einen Lückenfüller ist die Geschichte zu umfangreich. Nicht besonders anspruchsvoll zwar, aber auch zu schade, um es einfach so wegzulesen. Wenn mich ein Buch fesselt, dann passe ich meine Lesegeschwindigkeit den Dialogen und der Stimmung an. Beides hat in diesem Fall ein gemächliches Tempo. Ben Sherwood legt Wert auf die Location und seine Eigenarten. Die Geschichte von Charlie St. Cloud spielt in einem Fischerort in den USA, und dort meistens auf dem Friedhof. Charlie ist Friedhofsgärtner, seit er seinen zwölfjährigen Bruder Sam nach einem schrecklichen Autounfall vor fünfzehn Jahren beerdigen musste. Während beide Brüder damals im Sterben lagen, versprachen sie sich gegenseitig, einander nie im Stich zu lassen. Doch nur Charlie hat den Unfall überlebt und widmet seitdem jeden Tag seines Lebens dem Versprechen, das er seinem Bruder gegeben hat. Dieses Versprechen zwischen Leben und Tod ist der Grund, weshalb Charlie den Geist seines jüngeren Bruders sehen und mit ihm sprechen kann. Anfangs hat man ihm Medikamente gegen seine Wahnvorstellungen gegeben und ihn erst in Ruhe gelassen, als er behauptete, die Visionen hätten aufgehört. Als Friedhofsgärtner hat er über die Jahre viele Beerdigungen miterlebt und viele Geister verstorbener Seelen getroffen. Aber nur sein Bruder ist in der sogenannten Zwischenwelt geblieben, denn auch er hält sein Versprechen. Gemeinsam spielen die beiden jeden Abend Baseball auf dem Friedhof. Sam fragt seinen Bruder über Mädchen aus, denn da er ja immer zwölf Jahre alt bleibt, ist er auf die Erfahrungen seines Bruders sehr neugierig.

Doch dann lernt Charlie die toughe Tess kennen, die eine Weltumsegelung plant und eines Tages auf dem Friedhof am Grab ihres Vaters steht. Sie ist ziemlich lädiert, weil sie bei einer Testfahrt mit ihrem Boot “Querencia” in einen schlimmen Sturm geraten ist. Auch Tess fühlt sich in Gegenwart des jungen Friedhofsgärtners Charlie wohl und die beiden verlieben sich ineinander. Tags darauf ist der Fischerort in Aufruhr, weil Wrackteile der “Querencia” angespült wurden und Tess vermisst wird…

Das Buch kümmert sich rührend um die Funktion der Tränendrüsen. Schon der Unfall der beiden Brüder am Anfang ging mir ziemlich ans Herz. Im weiteren Verlauf lernen wir Charlies Gefühlswelt kennen, die er sorgfältig hinter einem Schutzschild verbirgt. Nur Tess gelingt es, in seine Welt einzudringen und sein Versprechen ins Wanken zu bringen. Der Aufbau ist im Großen und Ganzen nachvollziehbar, für meinen Geschmack sind die meisten Kapitel mit teilweise nur drei Seiten zu kurz. Der Stil ist sehr einfach und leider auch sehr vorhersehbar. Der Autor gibt sich keine Mühe, Andeutungen zu verpacken, im Gegenteil, er winkt ständig mit Zaunpfählen, so dass man nur noch nachlesen muss, was man eigentlich schon weiß. Da hätte ich mir mehr Spielraum gewünscht.

Das Buch bekommt vier von fünf Punkten, weil es mich trotz der Vorhersehbarkeit berührt und unterhalten hat.

 

Wie im Film

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Hanna Julian
  • Land: Deutschland
  • Verlag: dead soft
  • Seiten: 147
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2010
  • ISBN: 9783934442597
  • gelesen: 17.11.2010 – 19.11.2010
  • Gestaltung: 4 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 3 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • ø Lesevergnügen: 4 von 5
  • Gesamtwertung: 4 von 5

Einen unerwarteten Eindruck hat dieses Buch auf mir hinterlassen. Erwartet habe ich eine leichte Liebesgeschichte, ein wenig Hoffnung auf feelgood. Mehr eigentlich nicht. Feelgood gibt das Buch jede Menge her. Es geht um die beiden Kölner Daniel und Eric, die sich vor einem Pornocasting kennen lernen und sich vom Fleck weg mehr als sympatisch sind. Zum Glück ist der Plot mit dem Pornocasting nur der Anstoß und auch ganz schnell wieder aus dem Rennen, ohne, dass selbiges überhaupt stattgefunden hat. Daniel ist selbstsicher, dunkelhaarig, natürlich megaattraktiv und arbeitet als Aushilfe in einer Gärtnerei. Er hofft auf eine Festanstellung, um seine finanzielle Situation aufzubessern. Eric ist schüchtern, sieht aus wie ein blonder Engel und trägt ein belastendes Geheimnis mit sich herum. Auf 147 Seiten erzählt die Autorin, wie die Zuneigung der beiden geradezu kaskadenförmig explodiert und mit jeder Buchseite eine neue Stufe zu erreichen scheint. Alles zuckersüß und klebrig, geschmückt mit einer Unmenge an Frühlingsgefühlen und ungefähr der gleichen Menge Sex. Überhaupt vergehen kaum zwei Seiten, auf denen die beiden nicht gerade übereinander herfallen, mal wild, mal ganz zart, was übrigens auch sehr, sehr detailreich dargestellt wird!
Die richtige Beziehung der beiden, abseits von Wolke sieben und rosaroter Brille, beginnt eigentlich erst ganz am Ende des Buches, das ich dann mit einem bedauernden Seufzer zuklappen musste. Irgendwie hätte ich schon gern erfahren, wie sich die beiden genauer kennen lernen, ob das mit Daniels Job wirklich klappt und wie sie mit Erics schwieriger Vergangenheit und Daniels schwieriger Familie umgehen. Das Ende war mir sodann auch zu knapp und es fühlte sich an, als würde der Vorhang fallen, während dahinter die Geschichte noch weitergeht.

 

Wintereis

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Peter van Gestel
  • Land: Niederlande
  • Verlag: Gulliver
  • Seiten: 334
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2001
  • ISBN: 9783407741639
  • gelesen: 19.01.2010 – 31.01.2010
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • Lesevergnügen: 4 von 5
  • Gesamtwertung: 4 von 5

Originaltitel: Winterijs
Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler
Originalverlag: Uitgeverij De Fontein, Baarn

 

Amsterdam im Winter 1947. Nachkriegszeit, das ist die Zeit zwischen dem Kriegsende und dem Wiederaufbau. ‘Wintereis’ ist eine Geschichte voll diffuser Personen mit diffusen Gedanken in einer fragilen Welt, die sich erst noch definieren muss. Drei dieser Personen sind die ungleichen Kinder Thomas, Piet und Bet. Sie haben den Krieg überlebt, und weil sie noch so jung sind, verschwimmen die Erinnerungen daran in nebligen Fetzen, sich überlagernden Bildern und tausend Fragen. Peter van Gestel beschreibt die Empfindungen der Protagonisten auf eine zurückhaltende Weise sehr intensiv. Vieles bleibt unausgesprochen, zwischen den Zeilen untergetaucht, und schimmert unter Masken aus Tapferkeit, anhaltendem Durchhaltewillen und einer gewissen Orientierungslosigkeit hervor.

‘Wintereis’ lässt auch mich nach dem Lesen ein wenig orientierungslos zurück. Die eigentlich tief traurige Geschichte erhält einen schemenhaften Anstrich aus den Erzählungen von Verlust und Aufbruch. Ein durchaus lesenswertes Buch für kalte, graue Wintertage.

 

Wolfsrudel

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Floortje Zwigtman
  • Land: Rumänien
  • Verlag: Gerstenberg
  • Seiten: 511
  • erschienen: 2003
  • Erzählform: Ich-Form
  • ISBN: 9783806751187
  • gelesen: 30.12.2009 – 18.01.2010
  • Einbandgestaltung: 3 von 5
  • Orthographie: 4 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 3 von 5
  • Struktur: 3 von 5
  • Lesevergnügen: 3 von 5
  • Gesamtwertung: 3 von 5

In ‘Wolfsrudel’ erzählt der alte Ion die Geschichte seines Lebens. Eine Geschichte von drei rumänischen Jungen im 19. Jahrhundert, die ihr Dorf und die beschwerliche Feldarbeit hinter sich lassen, um Räuber zu werden. Sie schließen sich dem ‘Wolfsrudel’ an, einer berüchtigten Bande. Als die Bande ein uraltes Grab plündert, kommt es zum Streit um die gehobenen Schätze und aus einer Bande werden zwei verfeindete Lager. Beide Lager erhalten unerwartete Hilfe, das eine von einem Schafhirten und das andere von einem griesgrämigen Einsiedler. Die beiden spinnen im Hintergrund ein subtiles Netz, in welches sich die jugendlichen Räuber allzu gern verfangen. Und nur zwei von ihnen haben den Verdacht, dass mit dem Einsiedler und dem Hirten irgendetwas nicht stimmt…

Die Geschichte, die der alte Ion erzählt, beginnt wohlgeordnet und hat den verführerischen Klang einer Legende. Die Figuren machen sich auf die Reise in ein neues Leben, das so gar nicht ist, wie sie es sich vorgestellt hatten. Nach und nach werden Bruchstücke aus einer anderen Zeit eingeflochten, jener Zeit, aus der das geplünderte Grab stammt. Wie es aussieht, ist der Geplünderte mit der Schändung seiner Ruhestätte und dem Diebstahl seiner Kostbarkeiten nicht so recht einverstanden…

Das Buch verliert sich von Zeit zu Zeit in blutigem Schlachtengetümmel und in heroischen Feldzügen verfeindeter Mächte (klassisch: Christentum gegen Islam). In diesen Kriegszeiten verließ mich die Begeisterung für die Geschichte, die auch anschließend nur schwer wieder in geordneten Bahnen verläuft. Die meiste Zeit spielt sie sich auf einer Insel ab, in deren umgebendem Gewässer gefährliche Schlingpflanzen lauern, damit die Figuren nicht ohne Boot aus ihrer bedrohlichen Lage entkommen können. Das engt nicht nur deren Lebensraum sondern auch die Handlung etwas ein.