Der Junge, der Träume schenkte

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Luca Di Fulvio
  • Land: USA
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Seiten: 781
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2008 (2011)
  • ISBN: 9783404160617
  • gelesen: 28.05.2012 – 11.09.2012
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 4 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 3 von 5
  • Gesamturteil: 5 von 5

 

Originaltitel: La Gang dei Sogni
Originalverlag: Arnoldo Mondadori Editore s.p.a., Mailand
Aus dem Italienischen von Petra Knoch

 

“Der Junge, der Träume schenkte”, dieses Buch habe ich gleich zweimal geschenkt bekommen. Heute ist Dienstag, der 11. September 2012. Ich sitze in einem malerischen Holzhaus mit Strohdach, unweit der Nordsee in Dänemark. Hier ist es so still, dass man meint, das Gras wachsen zu hören. Es gibt wohl kaum einen besseren Ort, um in eine Geschichte einzutauchen und sich ihr voll und ganz hinzugeben.

Nachdem ich bereits vor fast vier Monaten angefangen habe, dieses Buch zu lesen, habe ich heute die letzte Seite zugeklappt. Anfangs konnte mich die Geschichte nicht so richtig mitreißen, sie handelte von übelster Gewalt und unerfüllbaren Sehnsüchten, und das Buch, das ich so gern mögen wollte, stieß mich ab.

Luca Di Fulvio verwendet sehr viel Zeit darauf, viele Fäden zu mehreren Handlungssträngen zu knüpfen. In der ersten Hälfte des Buches bestehen sie zudem aus zwei Zeitsträngen, die sich einander im Laufe der Geschichte so weit annähern, dass sie sich schließlich (nach mehr als der Hälfte des Buches) zu einem einzigen vereinen.

Über die Geschichte an sich möchte ich nicht viel schreiben. Sie spielt hauptsächlich in New York in einem Zeitraum zwischen 1909 und 1929, in der Gangster und Mafiosi das Geschehen kontrollieren. Cetta ist eine junge Frau, die mit ihrem kleinen Sohn Natale mit einem Schiff aus Italien in die Vereinigten Staaten einwandert. Ihr Sohn wird in Christmas umbenannt und Cetta arbeitet fortan als Hure. Als Einwanderer leben sie in ärmsten Verhältnissen. Die ersten Kapitel beschreiben Cettas Leben und das ihres heranwachsenden Sohnes.

Ruth Isaacson, Tochter einer reichen, jüdischen Familie, wird von einem Bediensteten ihres Vaters vergewaltigt und schlimm zugerichtet. Ihr wird brutal ein Finger abgeschnitten, an dem ein Ring steckt, was sie ein Leben lang zeichnen wird. Christmas findet das Mädchen schwer verletzt und trägt sie eigenhändig in ein Krankenhaus. So macht er die Bekanntschaft von Ruths reicher Familie.

Der junge Christmas will sich einer Straßen-Gang anschließen, um etwas zu erleben. Aber er wird abgewiesen und gründet eine eigene Gang, die Diamond Dogs. Sie besteht nur aus ihm und einem Jungen, der ihn anfleht, mitmachen zu dürfen und arbeitet anstatt mit Pistolen und Messern mit dem Kopf. Nachdem Christmas in einer Limousine vom Chauffeur von Ruths Familie nach Hause ins Ghetto gefahren wird, wehrt er sich nicht gegen die daraufhin entstehenden Gerüchte, ein Vertrauter des Obermafiosi Arnold Rothstein zu sein, was ihm und seiner Gang natürlich gehörigen Respekt verschafft.

Christmas verliebt sich in Ruth, die nach den schrecklichen Erlebnissen natürlich traumatisiert ist. Einzig in Christmas sieht sie einen Freund.

Doch das alles geschieht schon in den ersten Kapiteln des 780 Seiten starken Buches, so dass man sich denken kann, dass noch reichlich Raum für Verwicklungen und Katastrophen besteht. Der Autor führt uns durch das Leben mehrerer Personen, wir verlassen New York kurzzeitig und leben in Los Angeles, wir lernen Freunde und Feinde kennen, von denen manche am Ende der Geschichte noch da sind und andere längst in einem feuchten Grab vermodern. Wir erfahren von Christmas’ Talent, Geschichten zu erzählen und damit Geld und viele Freunde zu verdienen, wir erleben die Prohibition und die Apartheit in Amerika und wir nehmen an Radio-, Film- und Theaterproduktionen teil.

Warum ich für eine so vielfältige und hervorragend erzählte Geschichte vier Monate gebraucht habe? Mir sind die Figuren sehr schnell ans Herz gewachsen, und nach jedem Kapitel befürchtete ich das Schlimmste. Viele dieser Befürchtungen haben sich an der einen oder anderen Stelle im Buch bewahrheitet, andere waren unbegründet. Hauptsache, am Ende ist alles gut…

 

Der Medicus

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Noah Gordon
  • Land: England, Persien
  • Verlag: Goldmann
  • Seiten: 691
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 1986
  • ISBN: 9783442437689
  • gelesen: 01.01.2011 – 30.01.2011
  • Gestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 4 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • ø Lesevergnügen: 4 von 5
  • Gesamtwertung: 5 von 5

 

Originaltitel: The Physician
Originalverlag: Simon & Schuster, New York
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann

 

Robert J. Cole ist neun Jahre alt, als er seine Eltern im London des frühen 11. Jahrhunderts verliert. Er muss bei einem Bader in die Lehre gehen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei lernt er über mehrere Jahre wertvolle medizinische Grundkenntnisse und beschließt, ein echter Medicus zu werden, um auch die richtig schweren Krankheiten behandeln zu können. Rob nimmt für sein ehrgeiziges Ziel eine weite Reise nach Persien auf sich, um an der Akademie des berühmten Arztes Ibn Sina ausgebildet zu werden. Die religiösen Unterschiede machen es dem christlich erzogenen Engländer nicht leicht. Doch es gelingt ihm, sein Leben in Persien einzurichten und Freunde zu finden. Dabei gerät er unabsichtlich in die Ränkespiele eines kriegs- und vergnügungshungrigen Machthabers, der seine eigenen Pläne mit Rob und seinen Freunden hat.

Noah Gordon ist es mit dem Medicus gelungen, eine Geschichte über die wundervolle Reise eines Londoner Jungen zu schreiben. Die Geschichte beginnt schmutzig und ungemütlich, während sie sich schnell der Familie und der Vergangenheit des noch jungen Rob Cole entledigt. Es bleibt weder für den Protagonisten noch für den Leser die Zeit, sich in der Geschichte häuslich einzurichten, denn fortan schickt der Autor beide auf Reisen. Dabei wird insbesondere in den ersten Abschnitten ganz deutlich, dass der Weg ein Teil des Ziels ist. Wir lernen verschiedene Menschen kennen, begegnen Gefahren in fremden Ländern und Verständnis für andere Kulturen. Wir erfahren, wie sich Rob anpassen muss, um sein Ziel zu erreichen, und dabei doch stets versucht, sich selbst treu zu bleiben. Während der langen, zwei Jahre dauernden Reise von England nach Persien bleibt die Geschichte interessant, während am Horizont die Erwartung leuchtet.

Die Zeit in Persien beginnt mit einer Orientierungsphase, in der sich Rob wie auch der Leser mit dem fremden Land und seinen Eigenarten vertraut macht. In einer Kultur, die so anders ist als die eigene, fällt es schwer, gut und böse mit dem gleichen Instinkt zu unterscheiden, wie zu Hause. Das Ziel der Hauptfigur, ein guter Medicus zu werden, beherrscht seinen Aufenthalt und sein Handeln und bildet einen deutlichen roten Faden von Anfang bis Ende. Der Schreibstil ist angenehm unaufgeregt, meistens direkt und unverblümt, so dass sich eine gewisse Intimität zwischen dem Leser und den Figuren entwickelt. Die Art und Weise, wie Rob mit Menschen umgeht, habe ich als sehr angenehm empfunden. Seine Freunde wachsen einem richtig ans Herz und jeder Schicksalsschlag, jeder Erfolg und jede unheilvolle Wendung haben mich tief berührt.

Als wir Persien und seine Bewohner am Ende verlassen und wieder Fuß auf britischen Boden setzen, fehlt mir das Leuchten der Stadt Isfahan und des ganzen Landes. London selbst empfängt Rob und den Leser kühl, regnerisch, schmutzig und grau. Die Ärzte dort lernen nicht voneinander und haben nichts als den eigenen Profit im Sinn. Erneut wird man einem Kulturschock ausgeliefert, diesmal jedoch dem seiner eigenen Kultur.

Der Medicus ist ein sehr empfehlenswertes Buch, vor dessen Umfang man keinesfalls zurückschrecken sollte. Man lernt viel über Kulturen und Religion, ihre Hintergründe, Unterschiede aber auch über ihre Gemeinsamkeiten. Ganz sicher werde ich dieses Buch noch mehrere Male lesen.

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Kapitelzusammenfassung:

:: Abschnitt I – ‘Der Gehilfe des Baders’ (Seiten 15 – 192)

Es ist das Jahr 1021, als der neunjährige Rob in London seine Mutter verliert. Sie lässt ihn mit seinen jüngeren Geschwistern und seinem Vater zurück. Als auch sein Vater stirbt, werden die Geschwister auseinander gerissen und von verschiedenen Leuten aufgenommen. Rob bleibt zunächst allein in seinem Elternhaus zurück, bis ihn ein Bader als Lehrling auf Probe aufnimmt. Gemeinsam reisen sie durch England, führen Kunststücke in allen möglichen kleinen und großen Ortschaften auf und verkaufen des Baders Spezialmedizin. Rob lernt in dieser Zeit zu reisen, zu jonglieren, zu zaubern und Kranke zu heilen. Der Bader ist streng, aber gerecht, und als Rob die Probezeit überstanden hat, gehören die beiden längst zusammen wie Pech und Schwefel. Er wächst während der Reisen bei seinem Mentor auf und wird gegen Ende des ersten Abschnittes zu einem großen, strammen Burschen. Er lernt den Reiz einer guten Prügelei kennen, ebenso den des Alkohols und der Frauen. Der Bader muss ihn schließlich zügeln, ehe Sturm und Drang ihn völlig aus der Bahn werfen. Von seinem Lehrlings- und später Partnergehalt leistet sich Rob ein maßgeschmiedetes Schwert. Als der erste Abschnitt des Buches endet, endet damit gleichzeitig Robs bis dahin wichtigster Lebensabschnitt.

:: Abschnitt II – ‘Die lange Reise’ (Seiten 194 – 286)

Rob belastet die Erkenntnis, dass er mit den medizinischen Kenntnissen eines Baders nicht all jene Krankheiten heilen kann, die ihm begegnen. Und so wird der Wunsch stärker, ein richtiger Medicus zu werden. Er weiß, dass nirgendwo bessere Medici ausgebildet werden, als in Persien. Und so beschließt der junge Mann, eine lange und beschwerliche, aber sehr interessante Reise nach Isfahan anzutreten, eine strahlende Stadt, die im heutigen Iran liegt. Und so lässt er London und sein Heimatland hinter sich.

Auf seinem Weg begegnen ihm viele Menschen. Er macht sich gefährliche Feinde und schließt neue, vielversprechende Freundschaften. Zum Schutz vor Angriffen von Wegelagerern schließt er sich einer großen Karawane an. Er lernt eine hinreißende, rothaarige Europäerin namens Mary kennen, deren Vater ihn mit Abscheu betrachtet, weil sich Rob während der Reise mit Juden einlässt. Die Gruppe jüdischer Mitreisender unterweist ihn in der persischen Sprache und er erlernt ihre Gewohnheiten, denn in Persien werden Christen nicht zum Medicus ausgebildet.

:: Abschnitt III – ‘Isfahan’ (Seiten 289 – 344)

Und so verwandelt sich der christliche Engländer Robert Jeremy Cole in Jesse ben Benjamin, einen bärtigen, etwas unbeholfenen Juden. Anfänglich hat er seinem Glauben gegenüber ein sehr schlechtes Gewissen und er fühlt sich, als würde er Christus verraten. Mit der Zeit gewinnt die Einsicht, dass die Scharade einem guten Zweck dient, die Oberhand und seine Zweifel plagen ihn nicht mehr so sehr.

Nach der beschwerlichen, mehr als zwei Jahre dauernden Reise erreicht Rob Isfahan. Die Stadt erscheint dem jungen Bader strahlend und lebhaft. Mit dem kleinen Vermögen, das er sich mit seinem Beruf angesammelt hat, will er sich ein kleines Haus kaufen und endlich mit seinem Studium der Medizin beginnen. Zunächst muss er dafür mit Ibn Sina sprechen, dem Obersten Arzt der Ärzte. Die Bürokratie macht ihm jedoch schnell einen Strich durch die Rechnung, ihm wird eine Audienz versagt. Doch nach den durchlittenen Strapazen, um nach Isfahan zu kommen, will Jesse ben Benjamin nicht aufgeben. Aber sein Widerstand wird ihm zum Verhängnis, denn ehe er sichs versieht, wird er von Soldaten schlimm zugerichtet und im Gefängnis 24 Stunden lang gefoltert. Schwer verletzt und mittellos, weil man ihm seinen Besitz gestohlen hat, lässt man ihn nach seiner Bestrafung frei. Er erfährt von einer ‘Audienz für Jedermann’ beim Statthalter, dem Schah. Da er nichts mehr zu verlieren hat, beschließt er, sein Anliegen dort vorzutragen, um sein Ziel schließlich doch noch zu erreichen. Dabei gelingt es ihm in eindrucksvoller Weise, den Statthalter mit Demut und Klugheit zu beeindrucken. Und so wird dem gerade noch Gefangenen und Gefolterten eine hohe Ehre, ein eigenes Haus und neues Startkapital zuteil.

:: Abschnitt IV – ‘Der Maristan’ (Seiten 347 – 471)

Rob wird an der Akademie von Isfahan als Student der Medizin aufgenommen. Seine Mitstudenten betrachten den jüdischen Bader aus Europa mit unverhohlener Geringschätzung, und auch bei seinen Dozenten hat er einen schweren Stand. Als seine besondere medizinische Begabung zum Vorschein kommt, wird aus Abneigung allmählich Anerkennung und Bewunderung. Selbst der Oberste Arzt der Ärzte, Ibn Sina, wird auf ihn aufmerksam. Rob lernt, Krankheiten zu behandeln, vor denen er früher kapitulieren musste.
Als in Persien der schwarze Tod ausbricht, entsendet Isfahan ausgewählte Medizinstudenten, um die Kranken zu behandeln und die Pest zu erforschen. Jesse ben Benjamin ist einer der Erwählten, die sich der Herausforderung stellen müssen. Als sie die Pest erreichen, sind von den entsandten Studenten nur noch drei übrig. Außer Rob, dem Läufer Karim und dem Juden Hidrim haben alle anderen unterwegs die Flucht ergriffen.

Nachdem der schwarze Tod zurückgedrängt wurde, kehren die drei nach Isfahan zurück. Sie sind fortan unzertrennliche Freunde. Jesse ben Benjamin wird vom Statthalter eingeladen und mit der Zeit vertraut sich der Schah dem angehenden Mediziner an – gleichzeitig verlangt er von ihm ewige Treue. Karim ist Student im bereits siebten Jahr und steht vor seiner Abschlussprüfung. Da es nicht seine erste ist, versuchen seine Freunde, ihn nach Kräften zu unterstützen, damit diesmal aus dem Studenten endlich ein Medicus wird.

Rob erfährt unterdessen von zwei christlichen Europäern, einem alten Mann und einer jungen rothaarigen Frau, die sich in einem wenige Tagesreisen entfernten Ort aufhalten. Man erzählt ihm, der Mann sei schwer erkrankt, möglicherweise an der Pest. Rob, der immer noch in die schöne Mary verliebt ist, macht sich heimlich auf den Weg. Er findet Mary und ihren Vater, der zwar nicht an der Pest, aber an der Seitenkrankheit stirbt, die heute als Blinddarmentzündung bekannt ist. Er nimmt Mary als seine Frau mit nach Isfahan, wo sie wegen ihrer auffälligen Haarfarbe und der fehlenden Verschleierung allerorts als Europäerin erkannt und von den islamischen Stadtbewohnern gemieden wird.

Zu guter Letzt nehmen wir in diesem Abschnitt an einem Wettlauf teil, der am Ende des Fastenmonats Ramadān veranstaltet wird. Karim, der frischgebackene Medicus, hat ein intensives persönliches Interesse daran, bei diesem 12-stündigen Rennen wenigstens Zweiter zu werden.

:: Abschnitt V – ‘Der Feldscher’ (Seiten 475 – 541)

Bald muss auch Rob feststellen, dass nicht nur seine rothaarige Frau den Unmut des jüdischen Viertels in Isfahan auf sich zieht. Er selbst bemerkt eine zunehmende Zurückhaltung, ja Feindseligkeit, die ihm von vormals freundlichen und entgegenkommenden Menschen entgegen schlägt. Selbst einer seiner besten Freunde, der Jude Hirdim, scheint sich von ihm abzuwenden. Die Heirat mit einer Andersgläubigen nimmt man ihm allgemein sehr übel. Der Verlust seines Freundes macht Rob so sehr zu schaffen, dass er seine jüdische Tarnung gegenüber Hirdim aufgibt. Durch diesen Vertrauensbeweis gelingt es ihm, die verletzte Freundschaft zu heilen, und mehr noch, Hirdims Frau freundet sich mit Mary an.

Nachdem Karim im letzten Abschnitt seine Prüfung zum Medicus abgelegt hat, arbeitet er fast nur noch bei Hofe und hat kaum mehr Gelegenheit, seiner Berufung im Krankenhaus nachzukommen. Er ist der enge Berater und Vertraute des Schahs, der dadurch seinen bisherigen Großwesir vor den Kopf stößt. Jetzt sollen überraschend auch Jesse ben Benjamin und Hirdim ihre Prüfungen ablegen. Ibn Sina will damit einen hochnäsigen Konkurrenten beeindrucken und wird von seinen jungen Prüflingen nicht enttäuscht. Endlich ist Rob am Ziel und darf sich mit seinen knapp fünfundzwanzig Jahren mit dem persischen Titel Hakim schmücken. Mary hofft derweil auf eine baldige Rückkehr in ihre westeuropäische Heimat. Doch es kommt anders. Der trunksüchtige Schah ist in Kriegslaune und verpflichtet Rob, Hirdim und Karim zur Teilnahme an einem großangelegten Feldzug gegen Indien. Der Feldzug verläuft für den Schah so berauschend erfolgreich, dass er nicht einmal ein Wort der Trauer erübrigt, als Hirdim im Gefecht schwer verwundet wird und trotz der händeringenden Anstrengungen seiner beiden Freunde Rob und Karim stirbt.

:: Abschnitt VI – ‘Hakim’ (Seiten 545 – 631)

Rob und Mary erfreuen sich an ihrem ersten Sohn Robert James. Als der nächste Ramadān zuende geht, findet in Isfahan erneut ein Wettrennen statt, an dem Karim jedoch nicht teilnimmt. Gemeinsam mit dem Schah beglückwünscht er den Sieger, der dem furiosen Finale aus dem Vorjahr jedoch nicht gefährlich werden konnte. Der Schah entdeckt die exotische Mary in der Menge der Zuschauer. Als der Schah Jesse ben Benjamin ein neues, großes Haus und viel Geld zum Geschenk machen will, lehnt dieser ab. Er will sich dem Schah nicht noch weiter verpflichten. Der mächtige Statthalter gibt Rob zu verstehen, dass er in einem prächtigen Haus zu einer Feier zu seinen Ehren und in Robs persönlichen Harem eingeladen werden will, und dass seine bisherige Unterkunft diesem Anspruch nicht gerecht wird. Doch Rob lehnt das “Geschenk” weiterhin ab, denn weder hat er Interesse daran, sich zu Gunsten des Schahs einen Harem zuzulegen, noch ist er bereit, dem Schah seine Frau als Spielzeug zu überlassen. Ibn Sina erfährt, dass Rob dem mächtigsten Mann Persiens eine Abfuhr erteilt hat und erkennt, in welcher Gefahr sein Schützling schwebt. Durch eine List bringt er den Medicus dazu, Isfahan für ein paar Tage zu verlassen und überzeugt Mary davon, dass sie ihrem Mann nur das Leben retten kann, wenn sie sich dem Schah hingibt. Unterdessen wird Karim durch Nachforschungen des amtierenden Großwesirs dabei erwischt, wie er mit der zweiten Frau Ibn Sinas Ehebruch begeht. Beide werden zum Tode verurteilt und bereits am nächsten Tag öffentlich hingerichtet. Ibn Sina, der Oberste Arzt aller Ärzte, ist schwer getroffen und zieht sich in Trauer zurück, während die Mullahs schärfer denn je über Isfahan wachen und jeden Verstoß gegen die religiösen Regeln hart bestrafen, was dem bunten Treiben in der Stadt ein jähes Ende setzt. Bei seinem Kampf gegen die Leiden der Menschen setzt sich Rob über eines der wichtigsten religiösen Verbote hinweg: Er seziert heimlich einen Leichnam, um mehr über die Seitenkrankheit zu erfahren, der während seiner medizinischen Laufbahn schon viele seiner Patienten zum Opfer gefallen sind. Er macht erstaunliche Entdeckungen im Inneren des menschlichen Körpers und muss sorgsam aufpassen, nicht erwischt zu werden, denn sonst droht ihm selbst der Tod.

Als der Schah eine neue, gewaltige Streitmacht gegen einen mächtigen Sultan aufstellt, schließt sich ein kranker Ibn Sina dem Heer an, um eine letzte Schlacht zu schlagen, während Mary einen weiteren Sohn zur Welt bringt. Rob erfährt, dass es der Sohn des Schahs ist und Mary macht ihm Vorwürfe, weil sie immer noch in Persien sind, statt nach Europa zurückzukehren.

Nachdem Ibn Sina auf dem Weg in die Schlacht an seiner Krankheit verstirbt und Isfahan dem Sultan in die Hände fällt, fliehen Rob und seine Familie aus der brennenden Stadt, um sich auf den Weg in ihre Heimat zu machen.

:: Abschnitt VII – ‘Die Heimkehrer’ (Seiten 635 – 691)

Die Familie erreicht London im Winter des Jahres 1043. Die Stadt hat sich verändert, seit Rob sie vor Jahren verlassen hatte. Er ist inzwischen 31 Jahre alt und hofft, in seiner Heimatstadt die Heilkunst ausüben und gemeinsam mit den anderen Ärzten verbessern zu können. Mary hingegen hat ein ungutes Gefühl in der kalten, übelriechenden Stadt. Schon bald erscheint ein ansässiger Medicus an der Tür ihrer kleinen Wohnung und gibt Rob zu verstehen, dass es in seiner Straße keinen Platz für einen weiteren Arzt gebe. Rob sieht sich mit Anfeindungen konfrontiert, die der Angst um Einbußen beim Honorar entspringen. Als auf offener Straße ein Jude von zwei Hafenarbeitern grundlos zusammengeschlagen wird, geht Rob dazwischen, was ihm wiederum Feinde einbringt. Zudem wird er von einem Mann erkannt, der in Isfahan als reisender Händler sein Gast gewesen war. Er schickt seine Frau Mary und ihre beiden Söhne nach Schottland voraus, mit dem Ziel ihnen beizeiten zu folgen. Um sein Wissen mit anderen Medizinern zu teilen, nimmt er an einer exklusiven Versammlung teil und referiert über seine Erkenntnisse zur Seitenkrankheit. Da er verschweigen muss, dass er an einer heidnischen Akademie zu einem Medicus ausgebildet wurde, verstrickt er sich in Widersprüche zur Quelle seiner Kenntnisse. Die Zunft der Ärzte verspottet ihn und er muss erkennen, dass es ihnen weniger um die Heilung von Kranken als viel mehr um den Profit geht. Als Rob des Angriffs auf zwei Hafenarbeiter beschuldigt wird, sagt der Reisende, der in Rob den Juden Jesse ben Benjamin erkannt hat, gegen ihn aus. Nur durch einen glücklichen Zufall wird Rob nicht auf der Stelle verurteilt. Er flieht aus London und macht sich auf den Weg nach Schottland, in das Land seiner Frau. Hier heiratet er Mary noch einmal und gemeinsam ziehen sie ihre Kinder auf, von denen einer ein Schäfer und einer ein Mediziner werden sollen.

 

Der Wunschbrunnen

 

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Michael Estevan
  • Land: Deutschland
  • Verlag: Himmelstürmer
  • Seiten: 262
  • Erzählform: Ich-Form
  • erschienen: 2005
  • ISBN: 3934825419
  • gelesen: 29.12.2010 – 30.12.2010

 

  • Gestaltung: 2 von 5
  • Orthographie: 1 von 5
  • Ausdruck: 2 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • persönlicher Bonus: +1
  • Gesamtwertung: 5 von 5

 

Schwule Kitschromane gibt es wohl fast ebenso viele wie nicht-schwule. Je nach persönlichem Geschmack kann man damit ziemlich viel Pech haben. Der Wunschbrunnen gehört zu den ganz wenigen, die mich wirklich unterhalten, zu Tränen gerührt und zum Lachen gebracht haben. Und nachdem ich an Tintentod nun zwei Monate gelesen habe, brauche ich einen Quickie für zwischendurch, bevor das neue Jahr mit Weltliteratur beginnen kann.

Also gut, nachdem ich das Buch nun wohl schon zum vierten oder fünften Mal gelesen habe, muss ich doch sagen, dass es… na ja ziemlich trashig ist. Sowohl die Figuren als auch die Szenen sind so ziemlich alle “too much”. Das Buch hat trotz seines übersichtlichen Umfangs zu viele Schreibfehler und der Ausdruck ist wohl eher auf eine unkritische Zielgruppe um die siebzehn Jahre gemünzt (wenn auch nicht durchgängig, denn welcher Siebzehnjährige benutzt schon den Ausdruck “liederlicher Lump”?).

Das Buch besitze ich schon ein paar Jahre (vermutlich seit 2005, auch wenn es mir länger vorkommt), und während ich damals die offensiven Sex- (na, nennen wirs beim Namen: Porno-) -szenen zu schätzen wusste, empfinde ich sie heute, da ich ein klitzekleinwenig reifer geworden bin, eher als hölzern, zu gewollt und somit als hauptsächlich störend. Ich erwähnte ja schon, dass das Buch mit seinen 262 Seiten nicht sehr umfangreich ist. Aber offen gesagt hat der Autor hier ein wenig gemogelt, denn er wiederholt mehrere Sachverhalte, mehrere Gedankengänge mehrmals. Er formuliert sie ein wenig um, sagt aber im Grunde das Selbe. Beim Lesen dachte ich öfter: ‘Das hast Du gerade schon gesagt’.

Gelungen ist der Anstrich der Locations. Michael Estevan beschreibt sie gerade ausführlich genug, um sich eine gedankliche Skizze machen zu können. Gleichzeitig lässt er aber auch Spielraum, um die Skizze in der eigenen Phantasie mit Leben zu füllen. Das hat bei mir super funktioniert. Die Schulen waren dadurch zum Beispiel jeweils exakte Repliken von Teilen meiner Schule… Ähnlich ist es mit den Figuren, (die natürlich kein Gesicht haben, die meisten Menschen stellen sich die Figuren, über die sie lesen, nämlich recht genau vor, aber in der Regel haben sie kein Gesicht), die er gut beschreibt, also Körperbau, Haarfarbe, Frisur, vielleicht noch die Haltung und den Ausdruck. Nur zu besonderen Anlässen kleidet er sie außerdem auch besonders ein.

Und schließlich – für mich der eigentliche Träger der Geschichte – die Emotion! Ich habe es ja hin und wieder erwähnt, ich steh auf Happy Ends und auf feelgood! Als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, befand ich mich inmitten eines emotionalen Scherbenhaufens (ah, also tatsächlich 2005). Ich war seinerzeit nach fast jeder (!) Seite in Tränen aufgelöst, was mir durch eine sehr schwere Zeit geholfen hat. Diesen überaus emotionsgeladenen Effekt löst das Buch vermutlich deshalb noch heute bei mir aus, wenn auch nicht mehr ganz so schlimm (ich heule nur noch ungefähr alle zehn Seiten…).

‘Der Wunschbrunnen’ gehört somit zu meinen persönlichen Favoriten und läuft eigentlich ein bisschen außer Konkurrenz. Empfehlen kann ich das Buch jedem, der gerade an schmerzhaftem Liebeskummer leidet, denn in dieser Situation sind Schreibfehler oder mangelhafter Ausdruck ziemlich egal und ausgiebiger Sex zwischen zwei frisch verliebten Jungs auch nicht der Untergang. Da das Ende happier nicht sein könnte, besteht sogar die Möglichkeit, neue Hoffnung zu schöpfen (auch das hat bei mir bestens funktioniert). Wer gerade vor dem Coming Out steht, lernt mit diesem Buch eine rosarote, aber überhaupt nicht tuntige Welt mit ein paar dunklen Flecken kennen, lernt aber vor allem eines: Wenn man fällt, muss jemand da sein, der einen auffangen kann…

 

Inhalt:

Es geht um den eben siebzehnjährigen Cedric, einen talentierten Jungen aus wohlhabendem Hause, der mit seinen Eltern von der Großstadt aufs Land in eine eindrucksvolle Villa zieht. Für Cedric ist das eine ziemliche Umstellung. Er muss die Schule wechseln und kann nicht mehr bei seinen Großeltern auf dem Klavier üben. Aber das macht nichts, denn den Flügel bekommt er kurzerhand geschenkt. Die Villa hat genügend Zimmer, aus einem wird dann eben ein kleiner Konzertsaal…

Gleich am ersten Schultag begegnet Cedric im Schulbus einem Wahnsinnstypen: Sandro! Liebe auf den ersten Blick! Und er ist sich ziemlich sicher, dass Sandro ihm zugelächelt hat. Fortan ist die tägliche Busfahrt das Schönste am ganzen Schulalltag. Einmal geht Cedric ihm heimlich nach, um herauszufinden, auf welche Schule sein Traumtyp geht – denn bislang haben sie noch kein Wort miteinander gewechselt. Cedric lebt sich gut ein und punktet in der Schule sogleich mit einem Klavierkonzert im Musikunterricht. Alle sind begeistert, als er daraufhin zu einem Privatkonzert zu sich in die Villa einlädt. Soviel Talent macht in dem kleinen Ort schnell die Runde, und Cedric wird bald zu einem Konzert in die Stadthalle eingeladen. Und wer sitzt dort im Publikum und himmelt ihn an? Richtig: Sandro!

Nach einer der glücklichen Busfahrten fasst sich Cedric ein Herz und gesteht Sandro seine Liebe. Dieser ist ziemlich verdattert und gibt seinem Verehrer einen unsanften Korb. Der hält aber nicht lange an, denn bald schon gibt Sandro dem entzückten Cedric zu verstehen, dass sie ja vielleicht mal was anfangen könnten, so rein sexuell natürlich, und dass im Leben niemand davon erfahren darf, nicht mal, dass sie sich überhaupt kennen. Für Cedric ist das immerhin ein Anfang und er stimmt zu. Also treffen sie sich von nun an meistens im Wald, wo es dann ziemlich zur Sache geht. Daran, wie verschmust Sandro ist, erkennt Cedric bald, dass da doch mehr ist als nur Sex. Sandro streitet das aber nach wie vor strikt ab.

Irgendwann kommen Sandros Freunde ihm auf die Schliche, weil der neugierige Mirko, Sandros bester Freund, ihn beobachtet hat. Er trommelt die Truppe zusammen und gemeinsam erwischen sie die Turteltauben im wahrsten Sinne des Wortes mit heruntergelassenen Hosen im Wald. Ziemlich eindeutig, und für Sandro schlichtweg der Weltuntergang. Ab sofort will er mit Cedric nichts mehr zu tun haben und plötzlich hat er auch noch eine Freundin. Cedrics rosarote Welt bricht zusammen, als er seinen Traumtypen an den Lippen eines blonden Püppchens sieht. Mirko entschuldigt sich daraufhin bei Cedric. Er wollte Sandro nur eins auswischen, weil er seinen besten Freund hintergangen hat. Es nervt ihn total an, dass Sandro jetzt so eine Show abzieht. Gemeinsam schmieden Sandros Freunde, die jetzt auch Cedrics Freunde sind, einen Plan, wie sie die beiden wieder zusammenbringen können…

 

Der Briefmarkensammler

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Håkan Lindquist
  • Land: Schweden
  • Verlag: Bruno Gmünder
  • Seiten: 172
  • Erzählform: Ich-Form
  • erschienen: 2010
  • ISBN: 9783867870634
  • gelesen: 19.11.2010 – 20.11.2010
  • Gestaltung: 3 von 5
  • Orthographie: 0 von 5
  • Ausdruck: 3 von 5
  • Unterhaltung: 2 von 5
  • Struktur: 3 von 5
  • ø Lesevergnügen: 3 von 5
  • Gesamtwertung: 2 von 5

Originaltitel: Om att samla frimärken
Aus dem Schwedischen von Stephan Niederwieser

 

Zu diesem Buch habe ich noch keine Rezension geschrieben.
Auch lesenswert: Paul, mein großer Bruder

 

Der Tod ist ein Postmann mit Hut

 

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Martin von Arndt
  • Land: Österreich
  • Verlag: Klöpfer&Meyer
  • Seiten: 202
  • Erzählform: Ich-Form
  • erschienen: 2009
  • ISBN: 9783940086372
  • gelesen: 20.03.2010 – 27.04.2010

 

  • Einbandgestaltung: 3 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 3 von 5
  • Unterhaltung: 3 von 5
  • Struktur: 3 von 5
  • Lesevergnügen: 2 von 5
  • Gesamtwertung: 3 von 5

 

Zu diesem Buch habe ich noch keine Rezension geschrieben.

 

Der kleine Hobbit

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: J.R.R. Tolkien
  • Land: Mittelerde
  • Verlag: dtv
  • Seiten: 332
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 1937
  • ISBN: 3423202777
  • gelesen: 23.02.2010 – 12.03.2010
  • Einbandgestaltung: 2 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Lesevergnügen: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 5 von 5 

Wer die Geschichten des Herrn der Ringe kennt, erinnert sich noch an Bilbo Beutlin, jenen betagten Hobbit, der auf seiner eigenen Geburtstagsparty mit einem unsichtbarmachenden Ring für Aufsehen sorgt.

Jener Hobbit wird von einem Zauberer und einer Gruppe Zwergen in dem gerade gelesenen Buch zu einem Meisterdieb erklärt und tritt – eher unfreiwillig – mit der illustren Gesellschaft eine lange und gefährliche Reise an, um einen Drachen zu töten und einen geraubten Schatz zu erobern. Dass es dabei nicht bei einem Drachen bleibt, liegt in der Natur der Sache, denn auf der Reise begegnen dem Hobbit und den Zwergen mannigfaltige Gefahren: Orks, Trolle und sogar Schlimmeres! Aber auch Elben und Menschen, Raben und Drosseln und ein pelziger Einsiedler sind Teil dieser wundervollen Geschichte. Dass es sich dabei um die Reise einer Gruppe von Gefährten handelt, die zu einem großen Berg aufbrechen, ist sicher ein bekannter Plot. Tolkien haucht dieser Reise durch viel Liebe zum Detail Leben ein. Wenn die Freunde zum Beispiel durch den gefürchteten Nachtwald laufen, ist die bedrückende Enge und Finsternis deutlich spürbar und der Wunsch nach einem Ausgang überwältigend.

Eine kurzweilige Geschichte über eine lange Reise und der Moral, dass Freundschaft nicht in Gold aufzuwiegen ist.

 

Der Vorleser

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Bernhard Schlink
  • Land: Deutschland
  • Verlag: Diogenes
  • Seiten: 207
  • erschienen: 2007
  • Erzählform: Ich-Form
  • ISBN: 9783257060652
  • gelesen: 30.09.2009 – 08.10.2009

 

  • Einbandgestaltung: 3 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 3 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Lesevergnügen: 3 von 5
  • Gesamtwertung: 3 von 5

 

Zu diesem Buch habe ich noch keine Rezension geschrieben.

 

Der Fliegenfänger

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Originaltitel: The wrong boy
  • Autor: Willy Russell
  • Aus dem Englischen von Sabine Hübner
  • Land: England
  • Verlag: Heyne
  • Seiten: 525
  • Erzählform: Ich-Form
  • erschienen: 2000
  • ISBN: 9783453864283
  • gelesen: 20.09.2009 – 27.09.2009
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 2 von 5
  • Unterhaltung: 3 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • Lesevergnügen: 3 von 5
  • Gesamtwertung: 4 von 5

Raymond Marks lebt allein mit seiner Mutter in dem englischen Vorort ‘Failsworth’ bei Manchester, nachdem diese seinen entrückten Vater vor die Tür gesetzt hat. Als junger Teenager hat Raymond natürlich lauter Flausen im Kopf und “erfindet” an einer abgelegenen Stelle des örtlichen Kanals ein pubertäres Spiel, das er und über ein Dutzend seiner männlichen Klassenkameraden als “Fliegenfangen” bezeichnet. Der eigentlich harmlose Spaß fliegt auf, als es während eines dieser Spiele zu einem Unfall kommt und peinliche Fragen gestellt werden. Der Schuldirektor bauscht den “Vorfall” riesig auf und wirft Raymond kurzerhand von der Schule. Natürlich spricht sich das herum und alle im Dorf meiden ihn, niemand darf mehr mit dem “Sittenstrolch” spielen. Fortan hat Raymond den Ruf weg und wird folglich sofort beschuldigt und von den Bewohnern praktisch verurteilt, als ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft vergewaltigt wird. Seine Mutter ist hoffnungslos überfordert und daher empfänglich für “gut gemeinte” Ratschläge von Verwandten, von Seelenklempnern und Lehrern. Und so bahnt sich Raymond seinen beschwerlichen Weg durch die Pubertät, stets zur falschen Zeit am falschen Ort und immer im Spießrutenlauf mit dem Leben.

Der Roman von Willy Russell ist von besonderer Art. Wenn mich jemand fragt, wie mir die Geschichte gefallen hat, fallen mir Attribute ein wie: ‘interessant’, ‘merkwürdig’, ‘ganz schön anders’, ‘total nervig’ und ‘irgendwie gut’.

Das Buch war ein Cover- und Titel-Kauf. Das Coverbild fand ich vielversprechend, es sah nach einer Jugendgeschichte aus, nach Erwachsenwerden, nicht zu abstrakt. Gutes Motiv. Der Titel ist eingängig, rhythmisch, kurz und machte mich neugierig.

Jedes Kapitel hat eine anständige Länge – also nicht gerade kurz, aber auch nicht viel zu lang. Jedes Kapitel wird aus Sicht des Protagonisten Raymond in Briefform an sein Idol geschickt, den geheimnisvollen Morrissey, seinerzeit Bandleader von “The Smiths”. Diese Erzählform war sehr gewöhnungsbedürftig! Dass Raymond in seinen Briefen sein Idol wieder und wieder mit Namen anspricht (teilweise mehrmals pro Satz), war nervig. Mit der Zeit hat man sich aber an den etwas merkwürdigen Sprachstil der Figur gewöhnt. Dann kamen noch Songs hinzu – und ich gestehe: Ich bin vollkommen unmusikalisch. Wenn in einem Roman plötzlich ein Songtext ganze Kapitel füllt (und ich die Melodie nicht kenne), dann lese ich ein seitenlanges Gedicht. Das passt zwar inhaltlich sehr gut und ist stilistisch sicher förderlich, aber ich fand es einfach nur nervtötend. Wenn das Gedicht / der Songtext dann von einem kleinen Mädchen handelt, das von seinem Vater sexuell missbraucht wird und dieses Gedicht sage und schreibe 26 Seiten lang ist, dann war das für mich ein Grund, das Buch abzubrechen!

Vorübergehend.

Aber irgendwie ging mir die Geschichte nicht aus dem Kopf, und mein Ehrgeiz tat ein Übriges, so dass ich das Buch am nächsten Tag wieder zur Hand nahm. Es war zum Glück das letzte Gedicht Schrägstrich Songtext in dieser Form. Und nachdem ich der Geschichte eine zweite Chance gegeben hatte, wurde sie besser. Mehr noch, ich konnte sie kaum mehr beiseite legen und las abends im Schein meiner Nachttischlampe gegen die Zeit an.

Trotz des großen Fesselungsvermögens nach Wiederaufnahme hat die Bewertung des Unterhaltungswertes durch den großen Nervfaktor stark gelitten. Verwicklungen, himmelschreiende Ungerechtigkeiten, Ohnmacht, Unverständnis, Liebe, Freundschaft, Betrug und tiefe Aufrichtigkeit sind die Träger einer Geschichte, für die man ein gutes Nervenkostüm und Durchhaltevermögen braucht.

 

Der Schatten des Windes

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Originaltitel: La sombra del viento
  • Autor: Carlos Ruiz Zafón
  • Aus dem Spanischen von Peter Schwaar
  • Land: Spanien
  • Verlag: Suhrkamp
  • Originalverlag: Editorial Planeta, Barcelona
  • Seiten: 563
  • Erzählform:
  • erschienen: 2001
  • ISBN: 9783518458000
  • gelesen: 02.09.2009 – 19.09.2009

 

  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 3 von 5
  • Lesevergnügen: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 5 von 5

 

Der junge Barcelonese Daniel wird Mitte des 20. Jahrhunderts von seinem Vater an einen sonderbaren Ort geführt. Der Friedhof der vergessenen Bücher ist eine Bibliothek, die Exemplare längst nicht mehr verlegter, längst vergessener Bücher beheimatet. Dem Reglement folgend darf Daniel von all den Büchern eines behalten, um es vor der Vergessenheit zu beschützen. Der Roman des scheinbar unbedeutenden Autors Julián Carax lässt den Jungen nicht mehr los. Bei der Suche nach weiteren seiner Werke lüftet er nach und nach die Geheimnisse, die sich um den Schriftsteller ranken. Dabei tritt er unabsichtlich auf fremde Füße und alsbald sieht sich Daniel im Fadenkreuz derer, die die Geheimnisse zwischen den Buchdeckeln lieber den Flammen anvertrauen und derer, die sich seiner unaufhaltsamen Neugier bedienen wollen…

‘Der Schatten des Windes’ überrascht mit einer wahren Flut von Themen und Perspektiven. Protagonist Daniel Sempere führt den Leser durch eine Odyssee auf der Suche nach der Wahrheit, die Entdeckung der Liebe, die Flucht vor Konventionen und Macht in den falschen Händen.

Diesem langen Weg Tribut zollend bedient sich Carlos Ruiz Zafón einer ausgefeilten Sprache in teils nicht enden wollenden Sätzen. Ein ums andere Mal musste ich einen solcher Sätze ein zweites Mal lesen, um ihn vollends erfassen zu können. (Dabei sowohl sprachlich als auch grammatisch fehlerfrei zu bleiben ist – wie ich finde – bemerkenswert und zeugt von der Kompetenz des Autors, des Übersetzers (Peter Schwaar) und des Verlages.)

Geschickt spickt Zafón den roten Faden mit Figuren verschiedenster Kuleur, mithilfe derer es gelingt, die vertrackte Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Das ist einerseits sehr hilfreich, deckt es doch das eine oder andere verborgene Detail auf und knüpft nachvollziehbare Verbindungen zwischen den Ereignissen. Auf der anderen Seite ist es der Kontinuität nicht unbedingt zuträglich, zumal es zwischen den Kapiteln durchaus beachtenswerte Zeitunterschiede bei gleichzeitig nicht zu übersehenden Parallelen gibt. Ungefähr nach der Hälfte der Lektüre wünschte ich mir, ich hätte meinem Gedächtnis mit der einen oder anderen Notiz unter die Arme gegriffen…

Mangels solcher Notizen würde ich dieses empfehlenswerte Buch nun, nachdem ich alle Ereignisse mit großer Neugier verfolgt habe und alle Rätsel mit Erfolg aufgedeckt worden sind, am liebsten gleich ein zweites Mal lesen, um die Geschichte zu verdichten.

 

Auch lesenswert: Das Spiel des Engels

 

Der Langstreckenläufer

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Patricia Nell Warren
  • Land: USA
  • Verlag: Bruno Gmünder
  • Seiten: 375
  • Erzählform: Ich-Form
  • erschienen: 1974
  • ISBN: 3861878429
  • gelesen: 2008
  • Einbandgestaltung: 4 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • Lesevergnügen: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 5 von 5

 

Band 1: Der Langstreckenläufer
Band 2: Harlans Endspurt

 

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