Saison

Die Weihnachtssaison hat begonnen, auch in der Marzipanstadt. Seit Montag leuchten bunte Sterne, Kerzenbögen und Ketten voll funkelnder Vorfreude in den Fenstern meiner Nachbarschaft. Von der Innenstadt weht der Duft  frischer Muzen und gebrannter Mandeln herüber: Es ist wieder Weihnachtsmarkt. Während am einen Ende der City ein hell erleuchtetes Riesenrad seine Runden dreht, noch weit über die historischen Mauern hinaus sichtbar, ist der Rathausplatz wieder ein einziger Markt voller Buden und Stände. Mit diesem Ziel schlendere ich durch die Fußgängerzone. Links und rechts von mir bieten Händler ihre Waren feil. Vorbei am „Bullenstall“ biege ich bald rechts unter dem historischen Rathaus hindurch auf den großen Platz, geselle mich zu den vielen Menschen, die sich bereits die vielen Köstlichkeiten schmecken lassen. Hier tummeln sich Glühwein, Burgunderbrötchen, Crêpes und Bratwurst, französisch, skandinavisch und bayerisch!  Ich umrunde den ganzen Markt, streife durch jede seiner Gassen, bleibe mal hier und mal dort stehen, begrüße Bekannte, stecke meine Nase in einen Punschbecher und stille meinen Hunger an Grillständen. Über mir funkelt ein festliches Lichtermeer. Direkt hinter dem Markt, jenseits der Rathauszinnen, ragt Sankt Marien in den Nachthimmel. Zu Füßen der größten Backsteinbasilika Europas steigt würziger Rauch aus Feuerkörben und vermischt sich mit dem Duft gerösteter Maronen, Met und Punsch. Auch hier labe ich mich an verschiedenen kulinarischen Waren. Bald schon wanke ich zufrieden durch die geschmückten Altstadtstraßen zurück nach Hause, schalte meine eigene Weihnachtsbeleuchtung ein und warte auf den ersten Schnee.

Zeitraffer

Bis auf einen Konzert-Artikel habe ich hier scheinbar lange nichts Brauchbares zustande gebracht. Allerdings wirklich nur scheinbar, denn im Hintergrund habe ich zwei komplette Maus-Akkus verbraucht. So ein Blogumzug kann ziemlich aufwändig sein, was nicht zuletzt an den Bildern liegt, die sich im Laufe der Jahre so angesammelt haben. Und auch die Technik hat mich, der ich davon kaum etwas verstehe, zuweilen etwas aufgehalten und erforderte den einen oder anderen Hilferuf. Inzwischen entspricht alles so weit wie möglich meinen Vorstellungen und ich habe eine Menge dazugelernt.

Weil die letzten Wochen aber durchaus nicht ganz ereignislos waren, will ich quasi im Zeitraffer davon erzählen, während ich nebenbei eine Tüte Erdnüsse knabbere.

SKYFALL

Wie unheimlich viele andere Menschen auch haben wir inzwischen den neuesten Bond im Kino gesehen. „Skyfall“ heißt er und legte vorab die Erwartungen ganz schön hoch. Obwohl uns der letzte Teil nicht so gut gefallen hat, ließen wir uns von der Euphorie anstecken und versuchten, Tickets für das erste Wochenende zu ergattern. Allerdings waren wir dafür so spät dran, dass weder in Hamburg noch in Lübeck oder Bad Schwartau Plätze frei waren. Halb so wild, wir holten das dann unter der Woche nach. Im Filmtheater am Rande der Marzipan-Innenstadt erklommen wir die steile Wendeltreppe in den am höchsten gelegenen Saal und machten es uns in der letzten Reihe roter Kuschelbänke gemütlich. Vor uns saß ein lustig-alkoholisiertes Pärchen, das sich köstlich und lautstark über alles mögliche amüsierte, nur nicht über den laufenden Film und sehr zu Lasten aller anderen. Das sind die Momente, in denen ich mich auf unser eigenes rotes Sofa im heimischen Wohnzimmer wünsche…

Den Film konnte uns das allerdings nicht vermiesen. Mir persönlich gefiel er besser als jeder andere Bond, den ich kenne.

FAMLIENBESUCH

Ich hatte übrigens Urlaub in dieser gerade auslaufenden Woche. Nur ich, ganz allein. Weil Engelchen ja noch mitten in der Probezeit steckt, musste ich auf seine Gesellschaft leider verzichten. Allerdings mangelte es mir nicht an Aktivitäten. Nach einem faulen Montag stand am Dienstag ein Werkstatttermin auf dem Programm, für den ich ziemlich früh aus den Federn musste. Ich fuhr meinen Freund zur Arbeit und machte mich kurz darauf auf den hundert Kilometer langen Weg in die Stadt mit den Hochhäusern, wo meine Winterreifen lagerten. Dort übergab ich mein blaues Auto meinem Ex-Freund, dem Mechaniker, und bekam dafür seinen weißen Sport-Flitzer. Damit flitzte ich zu meiner Schwester, meiner Nichte und meiner Mum (die meinen vor Wochen angekündigten Besuch doch glatt vergessen hat!). Meine kleine Nichte wird im kommenden Monat sechs Jahre alt und freut sich schon auf ihre Einschulung im nächsten Jahr (zu der sie mich dann auch gleich eingeladen hat).

Am Abend, als ich längst wieder zu Hause angekommen war, packte ich meine Sporttasche und meinen Badminton-Schläger und machte mich auf den Weg zur Sporthalle, um mich so richtig auszupowern.

MINI-AUFTRAG

Weil ich in dieser Woche so viel Zeit hatte, nahm ich einen kleinen Besorgungs-Auftrag von meinem Freund entgegen. Apple hat ja kürzlich sein iPad-Mini vorgestellt und jetzt ratet mal, wer ganz wild drauf war? Ich fuhr also mit dem frisch winterbereiften blauen Peugeot über die Autobahn nach Hamburg (weil in unserer Stadt wieder nichts zu holen war). Am vergangenen Samstag, auf dem Weg zum Konzert, hatten wir es im Apple-Store schon einmal versucht, aber selbst dort war das Gerät ausverkauft.

Nach einer guten Stunde stieg ich am falschen Ausgang aus der S-Bahnstation ans graue Tageslicht und stand direkt vor der Alster, während der Apple-Store hinter mir auf der anderen Straßenseite leuchtete. Ich nutzte die unerwartete Perspektive für ein Handy-Foto. Wie ungünstig für die Optik, dass sich ein Teil des Gebäudes hinter der Bahn-Station versteckt.

Im Store wurde ich von James angesprochen, einem Verkäufer in blauem Shirt. Er nahm meine Wünsche entgegen und überbrückte die Wartezeit mit nettem Smalltalk. Er kommt ursprünglich aus Seattle, lebt mittlerweile in Berlin und macht im Hamburger Apple-Store gerade ein Praktikum. Bald darauf hielt ich das Mini in Händen, zahlte mit meinem guten Namen und stieg die Stufen zur S-Bahn wieder hinunter. Auftrag ausgeführt.

Mittlerweile ist selbst das Wochenende schon wieder um. Der Sonntag hat seine graue Schale gegen einen dunkelblauen Mantel getauscht. Meinem Siebentagebart muss ich gleich mit der Klinge und einem Hemd mit dem Bügeleisen zuleibe rücken. Auch mein letzter Urlaub für dieses Jahr ist Geschichte. Aber das macht nichts. Die bevorstehenden Feiertage liegen so gut, dass da insgesamt glatt nochmal zwei Wochen bei rausspringen.

KEANE-Konzert

Die Tickets hatten wir uns bereits im Juli gesichert, gestern war es dann endlich so weit: KEANE gaben ein Konzert im Hamburger Docks. Als Konzert-Noob fand ich das alles schon im Vorwege ganz schön aufregend. Ich war bislang noch nie im Docks, das mitten auf der Reeperbahn liegt, hatte aber gehört, dass es nicht allzu groß sein soll. Dass das stimmt, davon konnte ich mich gestern Abend live überzeugen…

Am späten Nachmittag warfen mein Freund und ich uns in Schale, die gleichzeitig einigermaßen nach etwas aussehen und funktionell sein musste. Da darf nicht viel dran sein, so dass man bei steigenden Temperaturen schnell mal etwas ausziehen kann, ohne sich gleich wieder bis zur Garderobe durchkämpfen zu müssen. Taschen und sonstiger Klimbim sind im Gedränge vor der Bühne auch unpraktisch. Nach ein paar Mal an- und ausziehen waren wir schließlich zufrieden und verabschiedeten uns von den Katern, die sich sicher darauf freuten, wieder ihre Ruhe zu haben.

Der Weg über die Autobahn nach Hamburg war so unbeschwert, wie lange nicht mehr. Sämtliche Baustellen, die den Verkehr über viele Monate gehemmt hatten, sind verschwunden. Manche Schilder scheinen dort allerdings vergessen worden zu sein, denn warum sonst sollte man auf einer nagelneuen dreispurigen Autobahn nicht schneller als achtzig fahren dürfen? Sei’s drum, wir kamen unbehelligt in der großen Hansestadt an, parkten den blauen Wagen und stiegen in die S-Bahn um, die uns flugs zum Jungfernstieg brachte. Ganz kurz nur wollte mein Freund nämlich in den Apple-Store springen um sich – und auch das nur vielleicht – das iPad-mini zu kaufen. Wir stiegen also die gläsernen Stufen hinauf und sprachen eine muntere Verkäuferin in blauem Shirt an. Sie schickte uns freudestrahlend ins Erdgeschoss zurück und schürte die Hoffnung meines Freundes, dass noch Geräte verfügbar seien. Zurück im Erdgeschoss gelang es nur mit Verzögerung, einen nicht ganz so sympathischen Store-Angestellten zu erwischen. Als der uns mitteilte, dass alle Minis für heute ausverkauft wären, sank er in der Gunst meines Freundes noch ein gutes Stückchen weiter…

Nur kurze Zeit später verließen wir die nächste S-Bahn an der Reeperbahn. Hamburgs sündige Meile erstrahlte angesichts fortschreitender Uhrzeit bereits in diversen Rottönen, während die Trottoirs von unzähligen Menschen auf der Suche nach multiplen Möglichkeiten des abendlichen Entertainments bevölkert waren. Das Docks liegt nur wenige Schritte von der Davidwache und Schmidt’s Theater entfernt und ist im Vergleich mit diesen beiden Etablissements äußerlich eher unscheinbar. Brav reihten wir uns in die Warteschlange ein, die uns zum Glück nicht allzu lange aufhielt. Am Eingang wurden wir scheinbar gründlich abgetastet und sogleich hineingelassen. Da die meisten nach links zu den Örtlichkeiten und der Garderobe abbogen, nutzten wir die Gunst der Stunde, die Location zu unserer Rechten direkt zu betreten, um Stehplätze so weit vorne wie möglich zu ergattern. Als wir in den Saal traten, wurde uns klar, dass „ganz vorne“ sich nicht wesentlich von „ganz hinten“ unterschied. Das Konzert versprach also, eher familiär zu werden. Ganz vorn befand sich natürlich die Bühne, auf der in blauem Licht schon allerlei Instrumentarien standen. Auf der linken Seite fand sich eine hübsche kleine Bar. Die Decke zierte ein farbenfrohes Oberlicht, durch das am spätherbstlichen Abend natürlich kein Licht mehr fiel. Hinter uns, über dem Aus- bzw. Eingang konnten wir die Galerie ausmachen, auf der schon ein paar Konzertbesucher Stellung bezogen hatten, um dem Geschehen von oben beizuwohnen.

Nach einer Stunde, in der Zeit war, den Einlass, die Garderobe und alles Weitere zu regeln, trat die Vorband auf, deren Namen „Zulu Winter“ wir erst viel später erfuhren. Ich fand sie gar nicht schlecht, wenngleich die Sound-Qualität ziemlich übel war. Der Lead-Sänger war mir allerdings ziemlich unsympathisch und wedelte die meiste Zeit affektiert mit seinen Händen herum, sein Bandkollege am zweiten Mikro war da schon eher was für’s Auge (beim Konzert geht es ja schließlich nicht nur um die Ohren). Zulu Winter heizten so in etwa eine halbe Stunde lang ein und legten an die darauffolgende Vorbereitung für KEANE eifrig selbst Hand an. Als alles für die Band aus England vorbereitet war,  konnte die Show also endlich richtig losgehen. Die Temperatur war inzwischen um einige Grad nach oben geklettert.

Zulu Winter – die Vorgruppe

Frontmann Tom Chaplin eröffnete die Show kraftvoll, mit sicherer Stimme und in gleißendem Bühnenlicht. Da wir recht weit vorn standen, befanden wir uns quasi mitten zwischen den Hardcore-Fans, von denen einige anscheinend aus England angereist waren, um ihren Idolen so nah zu sein. Entsprechend euphorisch war die Stimmung. Da ich – wie ich ein wenig beschämt gestehen muss – die Songtexte nicht kannte, blieb den Umstehenden ein lautstarker Gesang meinerseits erspart (was man von meinem Freund nicht behaupten kann). Obwohl ich mich bei KEANE überhaupt nicht auskenne, kamen mir immerhin eine ganze Reihe von Stücken schließlich doch sehr bekannt vor, immerhin gibt es die Band seit 1997. Es dauerte ein wenig, bis mich die Stimmung ergreifen und mitreißen konnte. Einige Leute waren doch sehr seltsam, überaus egoistisch und nicht selten mit ausgefahrenen Ellenbogen unterwegs, um sich noch weiter vorzuwühlen. Eine handvoll Jugendlicher ging dabei besonders rabiat vor, was dazu führte, dass sie während des zweiten Songs von den Sicherheitskräften beherzt herausgezogen und vor die Tür gesetzt wurden. Danach wurde das Gerangel ein wenig entspannter und das Konzert letztlich zu einem echten Vergnügen. Dass selbst die Band Spaß hatte, war den Jungs deutlich anzusehen und am Ende gaben sie unter anhaltendem Applaus drei oder vier Zugaben.

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Mit rauschenden Ohren, glücklich, erschöpft und ziemlich hungrig reihten wir uns wieder einmal in eine lange Schlange ein, um unsere Garderobenmarke gegen zwei Jacken einzutauschen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in einer Burger-Bar ließen wir uns von der S-Bahn wieder zu unserem Auto fahren, das in strömendem Regen in einer Seitenstraße auf uns wartete.

Ein Blog zieht um

So. Vorbei ist das Baustellenleben! Mein Blog hat ein neues Zuhause, und auch wenn noch nicht alle Kisten ausgepackt sind, nicht alle Links angemalt wurden und es hier und da noch nach frischer Farbe riecht…:

 

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