Der Blick zurück

Seitdem ich blogge, gibt es Jahr für Jahr am Silvestertag meinen ganz persönlichen Jahresrückblick. Diese inzwischen siebenjährige Tradition soll auch 2012 nicht zu kurz kommen:

Der Januar begann mit dem festen Vorsatz, dass dieses Jahr alles besser wird als im letzten. Die besten Vorsätze sind ohnehin diejenigen, die sich quasi von selbst erfüllen, und so sollte es 2012 nicht allzu schwer haben, beliebter als das letzte, katastrophale Jahr zu werden. Mir selbst nahm ich vor, aktiver zu werden, mehr Sport zu treiben und wieder mehr von dem, was um mich herum geschieht, mit der Kamera einzufangen. Mit dem Sport fing ich dann auch gleich an. Ich kündigte meine Alibi-Fitness-Club-Mitgliedschaft und griff zum Badminton-Schläger.

Im Februar war ich ziemlich aktiv. Jede Woche schwimmen und Badminton, abends ausgehen mit Freunden und die Wochenenden mit meinen Geburtstagspartys verplant zog mich der Monat in einem Rutsch mit sich.

Wenn ich mir meine Blog-Aufzeichnungen so ansehe, wird das im März ähnlich abgelaufen sein, denn bis auf einen Besuch von meiner Familie habe ich nichts Nennenswertes niedergeschrieben.

Ganz anders im April. Der Frühling hielt Einzug und vertrieb das graue Einerlei des letzten halben Jahres. Neue Nachbarn richteten sich unter uns häuslich ein und stellten sich als überaus umgänglich heraus.

Im Mai statteten wir dem Kino in unserer Stadt mal wieder einen Besuch ab, bevor der Frühling dann so richtig Gas gab und Lust auf mehr Aktivitäten im Freien machte.

Oleeeeeeeeoleeeoleeeoleeeeeee – es war wieder Fußballsommer in Deutschland! Wenn unsere Elf auch nicht den Titel heimtrug, so war der Juni dennoch geprägt von ausgelassen sportlicher Stimmung. Nur Public Viewing muss ich nicht nochmal haben. Durchaus öfter kann ich mir dafür Spider-Man ansehen, der uns – neu verfilmt mit Sahneschnitte Andrew Garfield – auch in diesem Monat ins Kino lockte.

Der Juli hatte eine besonders schöne Überraschung parat: Meine damalige Schulfreundin Mary besuchte uns. Sie wohnt inzwischen seit einiger Zeit am Bodensee, was dazu führt, dass wir uns nur alle paar Jahre mal sehen. Gemeinsam mit Becky und John zogen mein Freund und ich mit Mary durch die Hamburger HafenCity und genossen den sonnigen Sommer.

Von Aktivitäten hatte ich im August anscheinend genug, mir war komplett die Energie ausgegangen. Arbeiten, Couch, Bett, arbeiten, Couch, Bett, … Von dort aus kann man immerhin fernsehen, wodurch ich eine echte Perle entdeckte.

Der Monat Pause tat mir gut, und so konnte ich im September wieder durchstarten. Shoppen war angesagt, aber nicht irgendwo, sondern in zwei ungeheuer stylischen Läden. Da wurde der Klamotten-Kauf zum Erlebnis! Leider auch für die Geldbörse…

Zur weiteren Erholung trug der langersehnte Jahresurlaub bei, den wir in aller Stille in unserem Lieblings-Ferienhaus in Dänemark verbrachten. Nicht lange danach, wieder zurück in der Heimat, legte ich mein iPhone ab und ersetzte es durch ein Samsung-Handy – genau wie mein Freund, der übrigens im September einen neuen Job in unserer Stadt bekommen hat.

Die Wochenenden im Oktober waren schon wieder ziemlich verplant. Zum Beispiel mit einem Erntedank-Fest auf dem Lande oder einem City-Lauf in der Marzipanstadt, bei dem wir aber nur Zuschauer waren. Die meisten Abende verbrachte ich jedoch an meinem heimischen PC und verpasste meinem Blog eine komplette Frischzellenkur.

Das beschäftigte mich bis in den November hinein, in dem ich den letzten Feinschliff vornahm und die Website dann der Allgemeinheit vorstellte. Ein Konzertbesuch war dann mal wieder etwas ganz anderes und kam meinem alten Vorsatz zu mehr Aktivität sehr entgegen. Noch mehr Kultur gab’s dann im Kino, wo sich James Bond die Ehre gab. Mir hat’s richtig gut gefallen und später habe ich „Skyfall“ noch einmal angesehen. Ende des Monats schmückte sich unsere Stadt wieder mit Lichterglanz und Buden für süße Leckereien und geistreiche Getränke.

Der Weihnachtsmarkt bestimmte im Dezember tatsächlich einen Großteil meiner Freizeit. Angespornt von aufkommendem Winter mit viel Schnee und klirrender Kälte tat der eine oder andere Glühwein wirklich gut. Dazu kamen Weihnachtsfeiern im beruflichen und im privaten Kreis, die das Jahresende in heitere Stimmung versetzten. Der versprochene Weltuntergang blieb dann zum Glück aus, und so bin ich froh, allen Lesern meines Blogs einen guten Rusch ins neue Jahr wünschen zu können. Wir sehen uns auf der anderen Seite.

IKEA ist Schuld!

Die Marzipanstadt bekommt einen eigenen IKEA. Das ist eigentlich nicht neu, die Pläne gibt es schon seit Jahren und haben sich schlussendlich gegen den massiven Widerstand durchgesetzt, der für diese Stadt symptomatisch ist. Aus Platzgründen siedelt sich das blau-gelbe Möbelhaus inklusive eines Skandinaviencenters natürlich nicht auf der historischen Altstadtinsel sondern eher rändlich an. Sehr zum Missfallen der innerstädtischen Kaufleute, die IKEA bereits die Vorschussschuld an sinkenden Käuferzahlen und infolge dessen Umsatzrückgängen geben. Das ist auch der Hauptgrund, aus dem die Planungen so lange blockiert wurden.

Mein Freund und ich sind heute Abend einer spontanen Eingebung gefolgt und haben unsere schöne Altstadt aufgesucht. Den Weihnachtsmarkt, der erst nach morgen abgebaut und für ein Jahr in der Weihnachtskiste verstaut wird, kann ich zwar nicht mehr sehen, aber daran kommt man derzeit eben nicht vorbei. Auf der Suche nach Plüschpuschen (ja, wirklich) steuerten wir zunächst ‚Wicky‘ an. Der Laden ist bekannt für allerlei Krimskrams, den zwar eigentlich niemand braucht (zum Beispiel lila-blinkende Heiligenscheine, Pimmelnudeln oder nippelige Tittenbecher), bei dem man aber trotzdem immer irgendwas findet. Immer. Nur nicht die richtigen Plüschpuschen. Na egal. Wir zogen weiter. Einige Geschäfte auf dem Weg sind verwaist, die dunklen Schaufenster mit Aufklebern und ausgelutschten Kaugummis dekoriert. Karstadt hingegen ist noch immer über und unter mit miooonen Lichtern geschmückt und hält erbittert am Weihnachtsgeschäft fest! Plüschpuschen suchten wir hier allerdings nicht mehr. Stattdessen sind wir – völlig unbeabsichtigt – in der DVD-Abteilung gelandet um uns die erste Staffel von „Misfits“ zu kaufen. Allerdings ist die Serienabteilung bei Karstadt ein schlechter Witz, weshalb wir gleich darauf weiterzogen zum ‚Pressezentrum‘. Die haben eigentlich alles. Eigentlich. „Misfits“ war jedoch weder zu finden noch bekannt, erst nach einiger Recherche bot man uns an, die DVD zu bestellen. Bestellen können wir sie allerdings selbst, und das sogar günstiger und hochauflösend. Ein wenig gefrustet angesichts all dieser Konsum-Enttäuschungen machten wir uns auf den Rückweg, untersuchten ‚Deichmann‘ auf Plüschpuschen, die uns zwischenzeitlich wieder eingefallen waren, und kamen mit einem Paar Winterstiefeln wieder heraus… Dann noch kurz zu ‚Esprit‘ – warum auch immer. Die Herrenabteilung, die anfangs das erste Obergeschoss belegte, ist inzwischen so weit zusammengeschrumpft, dass sie kaum noch der Rede wert ist. Als wir direkt nebenan ’s.Oliver‘ einen Besuch abstatten wollten, wurden wir schon am Eingang begrüßt mit „Wir schließen in zwei Minuten!“. Wir machten also auf dem Absatz kehrt, liefen an drei Kiffern vorbei, die sich am Ende eines Durchgangs einen Joint drehten, trabten eine mit Glassplittern übersäte Betontreppe hinunter und steuerten den Bezahlautomaten am Parkhaus an. Dieser unverschämte Kasten verlangte sodann vier Euro Parkgebühr von uns, die wir zähneknirschend in seinen Schlitz fallen ließen. Immerhin günstiger als Busfahren, das hätte uns beide insgesamt knapp zehn Euro gekostet.

Geschäfte, denen es am richtigen Sortiment und an Kunden mangelt, Geschäfte, die schon längst nicht mehr da sind und Verkäufer, die ihre Kunden nicht mit „Kommen Sie, rein, da haben Sie aber Glück gehabt!“ begrüßen sondern mit „Wir schließen gleich!“. IKEA sollte sich schämen, sobald es gebaut und eröffnet ist. Nicht zuletzt für seine kostenlosen Parkplätze.

I’m a survivor

So, hätten wir diesen Weltuntergang also auch überlebt. Mitbekommen habe ich ihn nicht, muss also mitten in der Nacht passiert sein. Na egal, der nächste kommt bestimmt. Auf jeden Fall bin ich einer von Milliarden von Überlebenden, was ziemlich cool ist!

Auch cool ist, dass wir den kürzesten Tag des Jahres hinter uns haben! Yeahh!! Ich hol die Badesachen aus dem Schrank, Sommer ich komme!!

Leider, leider hat der Winter da ein Wörtchen mitzureden und überzog die Marzipanstadt heute wieder mit Schnee. Das nenn‘ ich ein Statement! Vermutlich lässt er sich also nicht allzu bald vertreiben und die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten steigt. Als gestern Nate und Joshi zu Besuch kamen, angereist aus der hundert Kilometer entfernten Stadt mit den Hochhäusern, war davon noch nichts zu sehen – wenngleich mir auf dem Weihnachtsmarkt verdammt schnell die Zehen gefroren sind.

Jetzt gerade brüte ich noch über einem einigermaßen einzigartigen Spruch für eine Geburtstagskarte. Heute Abend feiern nämlich Scully und Mulder, unsere beiden nächsten Nachbarn, ihren Geburtstag und praktischerweise sind wir eingeladen…

Die Zeit drängt

Es ist wieder passiert. Jedes Jahr um diese Zeit nehme ich mir vor, im nächsten alles anders zu machen:

  • rechtzeitig genug Geld einplanen für diverse Weihnachtsmarktbesuche
  • rechtzeitig mit allen Freunden abstimmen, wer wann wen besucht
  • rechtzeitig die Weihnachtsdeko sortieren

Und vor allem:

  • rechtzeitig an Weihnachtsgeschenke denken!

Wie jedes Jahr habe ich diese sinnvollen Vorsätze in den Wind geschossen und stehe vor dem Problem, dass mir die Zeit wegläuft. Diese Woche bleibt also noch, um meine gesamte Familie bei der Schenkerei zu berücksichtigen. Heute geht das nicht, da habe ich einen Termin zum Abendessen. Morgen geht das auch nicht, da bin ich auf dem Weihnachtsmarkt verabredet. Mittwoch vielleicht. Den Termin am Donnerstag habe ich bereits abgesagt und spätestens ab Freitag möchte ich mich in der Stadt nicht mehr aufhalten.

Das jüngst verstrichene Wochenende war – wenngleich in bester Gesellschaft – ziemlich anstrengend. Es startete am Freitagabend mit der Weihnachtsfeier im Kollegenkreis. Lecker essen, anschließend schwarzlicht-Minigolf und später der ein oder andere Umtrunk. Meine beste Freundin aus Hamburg, ihr Freund und ein weiterer Freund kamen dann am Samstag zu Besuch. Wieder lecker essen, diesmal beim städtischen Inder, dann kurz auf den historischen Weihnachtsmarkt und anschließend für den einen oder anderen Umtrunk nach Hause, was natürlich zu drei Übernachtungsgästen führte. Am nächsten Tag dann gemeinsames Frühstück und mit zweien unserer Gäste in die Therme. Ein wenig planschen und dann geradewegs in die Sauna. Entspannung pur.

Davon könnte ich gerade im Dezember viel mehr haben, aber stattdessen: Weihnachtsstress.

Freud und Leid der Winterzeit

Es war gestern Nachmittag, als handtellergroße Schneeflocken vom Himmel schwebten, ganz langsam, aber sehr zahlreich. Im Nu hatten sie alle Dächer der Marzipanstadt in Beschlag genommen. Auf der Straße blieben Menschen stehen und blickten in den Himmel hinauf, bestaunten die Wolken, die sich so ungewohnt spendabel zeigten.

Die weiße Pracht hatte die Stadt schnell im Griff und nur allmählich bemerkten die Bewohner, dass ihnen das, was gerade noch von oben kam, unlängst den Heimweg erschwerte. Das historische Kopfsteinpflaster mutierte zu glitschigen Hindernissen und die Radwege verschwanden unter einer widerspenstigen Schneedecke. Wie in jedem Jahr gelang es der städtischen Administration nicht, dem plötzlichen Winter ausreichend Personal entgegenzustellen, um die Verkehrswege rechtzeitig von der weißen Pracht zu befreien. Und so war es tatsächlich eine halsbrecherische Entscheidung, heute Morgen wider besseren Wissens das Fahrrad zu benutzen. Auf die Busse kann man sich ja leider nicht verlassen, das musste ich gestern zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen erfahren, als ich mit einer Horde Berufstätiger eine halbe Stunde lang klappernd an der Haltestelle stand, ohne, dass auch nur ein einziger Bus vorbeigekommen wäre.

Jetzt steht mein Drahtesel in der Firma, denn nach dem heutigen Bummel auf dem maritimen Weihnachtsmarkt hab ich mich doch lieber von meinem Freund auf vier Rädern abholen lassen. Inzwischen habe ich mich fast jeden Tag ins bunte Treiben gestürzt und kann bald Rostbratwurst, Burgunderbrötchen, Crêpes und Muzen nicht mehr sehen. Nur schöne Fotos sind mir bisher nicht gelungen. Da muss ich wohl nochmal hin…

Wenn im Advent…

… ein Lichtlein brennt,

alle Welt zum Punschstand rennt,

dann wird ordentlich geschlemmt,

und ungehemmt der Krug gestemmt.

Zum Wohl, prosit, auf dich und mich!

Pfunde zählen zählt heut nich‘.

Leise…

…rieselt der Schnee.

Pünktlich am ersten Dezember und wie immer heimlich, still und leise, fällt Schnee auf die Marzipanstadt. Eine puderfeine Schicht bedeckt die nachtschlafenden Dächer, die Gehwege und die Straße vor meinem Haus.