Das blaue Band

Der heutige Donnerstag hat mich mit blendendem Wetter überrascht. Blöd, dass ich erst nicht aus den Federn kam… So wie heute stelle ich mir den Frühling vor. Eine laue Brise, Sonnenschein und warme Temperaturen. Und wozu animiert mich das? Zum Frühjahrsputz. Zum Sport. Zu Dingen, auf die ich sonst keine Lust habe.

Soeben komme ich vom Badminton. Zu meinem Glück sind die Osterferien vorbei, denn weil die Sporthalle, in der wir spielen, zu einer Schule gehört, war sie in den letzten zwei Wochen geschlossen. So eine lange Pause bekommt mir nicht gut, ich war nicht so richtig fit heute und befürchte für morgen einen fiesen Muskelkater.

Morgen geht’s mit meinem Auto zur Inspektion in die Stadt mit den Hochhäusern, in deren Nähe ich früher gewohnt habe. Warum ich dafür so weit fahre? Mein Ex-Freund Nate ist Peugeot-Mechaniker und wird sich gut um mein Auto kümmern. Mit dem Werkstatt-Pendant hier in der Marzipanstadt bin ich nicht so richtig zufrieden. Die Winterreifen werden auch gleich eingelagert und die Klima-Anlage desinfiziert. Und dann ist mein blauer Wagen wieder fit für den Sommer.

 

Lenz

Heute ist ein richtig fauler Urlaubstag. Bis jetzt habe ich das Haus noch nicht einmal verlassen – und es ist schon mittelspäter Nachmittag! Ich werde demnächst zumindest mal die zwei Stockwerke hinunterlaufen und einen Blick in den Briefkasten werfen.

Heute Vormittag hat mich Nate angerufen. Am Freitag geht mein Wagen zu ihm in die Inspektion und wir haben noch ein paar Details abgesprochen. Nach dem Preis hätte ich dann aber lieber nicht gefragt… *schluck* Um mich davon abzulenken werde ich dann währenddessen meine Schwester und meine kleine Nichte besuchen, die ganz in der Nähe wohnen.

Vorgestern haben wir übrigens unsere neuen Nachbarn bei einem Gläschen Rotwein kennen gelernt. Zum Glück sind die beiden supernett. Erwähnte ich schon, dass wir jetzt die Ältesten im Hause sind? Die „Neuen“ sind gute zehn Jahre jünger als wir… Sobald das Wetter es zulässt, werden wir wohl mal den Grill wecken. Die Terrasse habe ich gestern schon freigeschnitten, nachdem die Kirschlorbeer-Hecke fast vier Jahre lang ausufernd wuchern durfte. Da ist ne Menge von abgekommen. Aber wo lass‘ ich den Kram jetzt bloß…?!

A propos, ich hatte ja auf einen schnelleren Frühling gehofft, aber irgendwie lässt der sich mächtig viel Zeit in diesem Jahr. Und wenn ich mir meine Wetter-App so ansehe, dann wird das in den kommenden Tagen nicht anders werden: Regen und bestenfalls kühle Temperaturen, umrahmt von knuddeligen Schmuddelwolken. Bäh!

Das kann ja fast nur besser werden!

Wechselhaft

Ich hatte mir den Wecker auf kurz vor neun Uhr gestellt, damit ich meinen ersten Urlaubstag nicht verschlafe. Es ist ganz still im Haus, selbst die beiden Kuschelkater liegen noch schlummernd verteilt auf dem größten Teil meiner Bettdecke. Das Bett links von mir ist verwaist, Engelchens Urlaub ist vorüber. Jetzt darf ich.

Es ist halb neun, als ich meine Füße aus dem Bett schwinge und auf den roten Teppich vor meinem Bett stelle und erst einer und dann ein zweiter Kater hinterherspringen. In Begleitung schlendere ich in unser winziges Bad.

Nicht mal eine halbe Stunde später stecke ich die Speicherkarte in meine Kamera. Entgegen den Vorhersagen überrascht mich ein blauer Himmel, der nur spärlich von kleinen weißen Wölkchen dekoriert ist. Flugs schiebe ich mein neues Fahrrad aus dem Keller und mache mich auf den Weg in die Innenstadt. Trotz Sonnenschein ist es mächtig kalt und ich bin froh, meine schwarze Wollmütze und die schwarzen Handschuhe zu tragen.

Ich überquere die Trave von Norden her und bleibe am Burgtor stehen. Die Morgensonne steht günstig für ein paar Aufnahmen.

Weiter radele ich durch holprige Altstadt-Gassen bis zum Bäcker. Wo ich sonst nur drei Brötchen kaufe und wieder verschwinde, genehmige ich mir heute ein anständiges Frühstück. Von meinem Fensterplatz aus habe ich einen guten Blick auf die belebte Straße, beobachte Lieferwagen, die die Geschäfte mit neuen Waren versorgen, Menschen, die gerade zur Arbeit gehen und Mütter, die bunte Kinderwagen spazieren fahren.

So gestärkt mache ich mich auf den Weg in die Buchhandlung. Nachdem ich den zweiten Band der „Tribute von Panem“ gestern Abend ausgelesen habe, brenne ich darauf zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht.

Die meiste Zeit des restlichen Tages habe ich im Garten verbracht, mit einem Abstecher zum Baumarkt. Inzwischen ist das Wetter aber so unstet geworden, dass sich Sonne, Regen und sogar Schnee abwechseln. Deshalb habe ich mich inzwischen nach drinnen verzogen und werde gleich in mein neues Buch abtauchen.

Aprilfrische

So ein paar freie Tage sind schon was Besonderes. Während Engelchen jetzt eine ganze Woche Urlaub hat, muss ich noch die letzten vier Tage nach Ostern arbeiten. Dann wechseln wir uns ab – etwas blöd gelaufen in diesem Jahr mit unseren Urlauben.

Der April macht derweil seinem Namen alle Ehre, zumindest, was das Aprilwetter betrifft. Gestern hatten wir abwechselnd strahlend blauen Frühlingshimmel und Schneestürme mit dicken weißen Flocken. An den Zweigen der Bäume vor unserem Haus und im ganzen Stadtpark in der Nähe bilden sich bereits tausende kleiner Knospen, die frisches und sattes Grün für Frühling und Sommer versprechen. Die farbenprächtige Krokuswiese ist ja längst wieder verblüht, nur die weißen und gelben Narzissen stehen noch in voller Blüte.

Am Donnerstagabend waren wir zu einem chinesischen Abendessen von Ann & Yogi eingeladen, unseren Ex-Nachbarn und frischgebackenen Haus-Eigentümern. Erwartungsgemäß sehen wir uns seit ihrem Auszug tatsächlich häufiger als während der Jahre, in denen sie direkt unter uns wohnten. Aber das ist sicher kein Grund zur Beschwerde.

Am Freitag waren mein Freund und ich zu Bettys Geburtstag eingeladen. Nach Ente am Vorabend gab es am Freitag frisch Gegrilltes. Wenn die Frühlingsferien erst einmal rum sind, gehe ich mit Betty wieder Badminton spielen. Dann werde ich die Schlemmerpfunde bestimmt ganz schnell wieder los.

Am gestrigen Samstag mussten wir dann tatsächlich wieder selbst für uns kochen. Tagsüber sind unsere neuen Nachbarn unter uns eingezogen. Dem ersten Eindruck nach scheinen sie sehr nett zu sein. Zumindest sind sie etwas jünger als wir – was uns inzwischen zu den ältesten Bewohnern dieses Hauses macht… Demnächst lernen wir sie sicher noch genauer kennen. Abends trafen wir Emma im Fünününü zum Billard. Oh Mann, da waren drei am Werk, die sowas von überhaupt nicht (mehr) Billard spielen können! Nach drei Runden haben wir’s dann auch sein lassen. Aber egal, es geht ja eher um’s Quatschen als um den „Sport“.

Für heute steht nur noch Kino auf dem Programm. Nachdem ich den ersten Band der Tribute von Panem vorgestern zuende gelesen hatte, bin ich auf den Film schon sehr gespannt. Mir hat das Buch so gut gefallen, dass ich gestern mit dem zweiten Band begonnen habe…