Der Blick zurück

Seitdem ich blogge, gibt es Jahr für Jahr am Silvestertag meinen ganz persönlichen Jahresrückblick. Diese inzwischen siebenjährige Tradition soll auch 2012 nicht zu kurz kommen:

Der Januar begann mit dem festen Vorsatz, dass dieses Jahr alles besser wird als im letzten. Die besten Vorsätze sind ohnehin diejenigen, die sich quasi von selbst erfüllen, und so sollte es 2012 nicht allzu schwer haben, beliebter als das letzte, katastrophale Jahr zu werden. Mir selbst nahm ich vor, aktiver zu werden, mehr Sport zu treiben und wieder mehr von dem, was um mich herum geschieht, mit der Kamera einzufangen. Mit dem Sport fing ich dann auch gleich an. Ich kündigte meine Alibi-Fitness-Club-Mitgliedschaft und griff zum Badminton-Schläger.

Im Februar war ich ziemlich aktiv. Jede Woche schwimmen und Badminton, abends ausgehen mit Freunden und die Wochenenden mit meinen Geburtstagspartys verplant zog mich der Monat in einem Rutsch mit sich.

Wenn ich mir meine Blog-Aufzeichnungen so ansehe, wird das im März ähnlich abgelaufen sein, denn bis auf einen Besuch von meiner Familie habe ich nichts Nennenswertes niedergeschrieben.

Ganz anders im April. Der Frühling hielt Einzug und vertrieb das graue Einerlei des letzten halben Jahres. Neue Nachbarn richteten sich unter uns häuslich ein und stellten sich als überaus umgänglich heraus.

Im Mai statteten wir dem Kino in unserer Stadt mal wieder einen Besuch ab, bevor der Frühling dann so richtig Gas gab und Lust auf mehr Aktivitäten im Freien machte.

Oleeeeeeeeoleeeoleeeoleeeeeee – es war wieder Fußballsommer in Deutschland! Wenn unsere Elf auch nicht den Titel heimtrug, so war der Juni dennoch geprägt von ausgelassen sportlicher Stimmung. Nur Public Viewing muss ich nicht nochmal haben. Durchaus öfter kann ich mir dafür Spider-Man ansehen, der uns – neu verfilmt mit Sahneschnitte Andrew Garfield – auch in diesem Monat ins Kino lockte.

Der Juli hatte eine besonders schöne Überraschung parat: Meine damalige Schulfreundin Mary besuchte uns. Sie wohnt inzwischen seit einiger Zeit am Bodensee, was dazu führt, dass wir uns nur alle paar Jahre mal sehen. Gemeinsam mit Becky und John zogen mein Freund und ich mit Mary durch die Hamburger HafenCity und genossen den sonnigen Sommer.

Von Aktivitäten hatte ich im August anscheinend genug, mir war komplett die Energie ausgegangen. Arbeiten, Couch, Bett, arbeiten, Couch, Bett, … Von dort aus kann man immerhin fernsehen, wodurch ich eine echte Perle entdeckte.

Der Monat Pause tat mir gut, und so konnte ich im September wieder durchstarten. Shoppen war angesagt, aber nicht irgendwo, sondern in zwei ungeheuer stylischen Läden. Da wurde der Klamotten-Kauf zum Erlebnis! Leider auch für die Geldbörse…

Zur weiteren Erholung trug der langersehnte Jahresurlaub bei, den wir in aller Stille in unserem Lieblings-Ferienhaus in Dänemark verbrachten. Nicht lange danach, wieder zurück in der Heimat, legte ich mein iPhone ab und ersetzte es durch ein Samsung-Handy – genau wie mein Freund, der übrigens im September einen neuen Job in unserer Stadt bekommen hat.

Die Wochenenden im Oktober waren schon wieder ziemlich verplant. Zum Beispiel mit einem Erntedank-Fest auf dem Lande oder einem City-Lauf in der Marzipanstadt, bei dem wir aber nur Zuschauer waren. Die meisten Abende verbrachte ich jedoch an meinem heimischen PC und verpasste meinem Blog eine komplette Frischzellenkur.

Das beschäftigte mich bis in den November hinein, in dem ich den letzten Feinschliff vornahm und die Website dann der Allgemeinheit vorstellte. Ein Konzertbesuch war dann mal wieder etwas ganz anderes und kam meinem alten Vorsatz zu mehr Aktivität sehr entgegen. Noch mehr Kultur gab’s dann im Kino, wo sich James Bond die Ehre gab. Mir hat’s richtig gut gefallen und später habe ich “Skyfall” noch einmal angesehen. Ende des Monats schmückte sich unsere Stadt wieder mit Lichterglanz und Buden für süße Leckereien und geistreiche Getränke.

Der Weihnachtsmarkt bestimmte im Dezember tatsächlich einen Großteil meiner Freizeit. Angespornt von aufkommendem Winter mit viel Schnee und klirrender Kälte tat der eine oder andere Glühwein wirklich gut. Dazu kamen Weihnachtsfeiern im beruflichen und im privaten Kreis, die das Jahresende in heitere Stimmung versetzten. Der versprochene Weltuntergang blieb dann zum Glück aus, und so bin ich froh, allen Lesern meines Blogs einen guten Rusch ins neue Jahr wünschen zu können. Wir sehen uns auf der anderen Seite.

IKEA ist Schuld!

Die Marzipanstadt bekommt einen eigenen IKEA. Das ist eigentlich nicht neu, die Pläne gibt es schon seit Jahren und haben sich schlussendlich gegen den massiven Widerstand durchgesetzt, der für diese Stadt symptomatisch ist. Aus Platzgründen siedelt sich das blau-gelbe Möbelhaus inklusive eines Skandinaviencenters natürlich nicht auf der historischen Altstadtinsel sondern eher rändlich an. Sehr zum Missfallen der innerstädtischen Kaufleute, die IKEA bereits die Vorschussschuld an sinkenden Käuferzahlen und infolge dessen Umsatzrückgängen geben. Das ist auch der Hauptgrund, aus dem die Planungen so lange blockiert wurden.

Mein Freund und ich sind heute Abend einer spontanen Eingebung gefolgt und haben unsere schöne Altstadt aufgesucht. Den Weihnachtsmarkt, der erst nach morgen abgebaut und für ein Jahr in der Weihnachtskiste verstaut wird, kann ich zwar nicht mehr sehen, aber daran kommt man derzeit eben nicht vorbei. Auf der Suche nach Plüschpuschen (ja, wirklich) steuerten wir zunächst ‘Wicky’ an. Der Laden ist bekannt für allerlei Krimskrams, den zwar eigentlich niemand braucht (zum Beispiel lila-blinkende Heiligenscheine, Pimmelnudeln oder nippelige Tittenbecher), bei dem man aber trotzdem immer irgendwas findet. Immer. Nur nicht die richtigen Plüschpuschen. Na egal. Wir zogen weiter. Einige Geschäfte auf dem Weg sind verwaist, die dunklen Schaufenster mit Aufklebern und ausgelutschten Kaugummis dekoriert. Karstadt hingegen ist noch immer über und unter mit miooonen Lichtern geschmückt und hält erbittert am Weihnachtsgeschäft fest! Plüschpuschen suchten wir hier allerdings nicht mehr. Stattdessen sind wir – völlig unbeabsichtigt – in der DVD-Abteilung gelandet um uns die erste Staffel von “Misfits” zu kaufen. Allerdings ist die Serienabteilung bei Karstadt ein schlechter Witz, weshalb wir gleich darauf weiterzogen zum ‘Pressezentrum’. Die haben eigentlich alles. Eigentlich. “Misfits” war jedoch weder zu finden noch bekannt, erst nach einiger Recherche bot man uns an, die DVD zu bestellen. Bestellen können wir sie allerdings selbst, und das sogar günstiger und hochauflösend. Ein wenig gefrustet angesichts all dieser Konsum-Enttäuschungen machten wir uns auf den Rückweg, untersuchten ‘Deichmann’ auf Plüschpuschen, die uns zwischenzeitlich wieder eingefallen waren, und kamen mit einem Paar Winterstiefeln wieder heraus… Dann noch kurz zu ‘Esprit’ – warum auch immer. Die Herrenabteilung, die anfangs das erste Obergeschoss belegte, ist inzwischen so weit zusammengeschrumpft, dass sie kaum noch der Rede wert ist. Als wir direkt nebenan ‘s.Oliver’ einen Besuch abstatten wollten, wurden wir schon am Eingang begrüßt mit “Wir schließen in zwei Minuten!”. Wir machten also auf dem Absatz kehrt, liefen an drei Kiffern vorbei, die sich am Ende eines Durchgangs einen Joint drehten, trabten eine mit Glassplittern übersäte Betontreppe hinunter und steuerten den Bezahlautomaten am Parkhaus an. Dieser unverschämte Kasten verlangte sodann vier Euro Parkgebühr von uns, die wir zähneknirschend in seinen Schlitz fallen ließen. Immerhin günstiger als Busfahren, das hätte uns beide insgesamt knapp zehn Euro gekostet.

Geschäfte, denen es am richtigen Sortiment und an Kunden mangelt, Geschäfte, die schon längst nicht mehr da sind und Verkäufer, die ihre Kunden nicht mit “Kommen Sie, rein, da haben Sie aber Glück gehabt!” begrüßen sondern mit “Wir schließen gleich!”. IKEA sollte sich schämen, sobald es gebaut und eröffnet ist. Nicht zuletzt für seine kostenlosen Parkplätze.

I’m a survivor

So, hätten wir diesen Weltuntergang also auch überlebt. Mitbekommen habe ich ihn nicht, muss also mitten in der Nacht passiert sein. Na egal, der nächste kommt bestimmt. Auf jeden Fall bin ich einer von Milliarden von Überlebenden, was ziemlich cool ist!

Auch cool ist, dass wir den kürzesten Tag des Jahres hinter uns haben! Yeahh!! Ich hol die Badesachen aus dem Schrank, Sommer ich komme!!

Leider, leider hat der Winter da ein Wörtchen mitzureden und überzog die Marzipanstadt heute wieder mit Schnee. Das nenn’ ich ein Statement! Vermutlich lässt er sich also nicht allzu bald vertreiben und die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten steigt. Als gestern Nate und Joshi zu Besuch kamen, angereist aus der hundert Kilometer entfernten Stadt mit den Hochhäusern, war davon noch nichts zu sehen – wenngleich mir auf dem Weihnachtsmarkt verdammt schnell die Zehen gefroren sind.

Jetzt gerade brüte ich noch über einem einigermaßen einzigartigen Spruch für eine Geburtstagskarte. Heute Abend feiern nämlich Scully und Mulder, unsere beiden nächsten Nachbarn, ihren Geburtstag und praktischerweise sind wir eingeladen…

Die Zeit drängt

Es ist wieder passiert. Jedes Jahr um diese Zeit nehme ich mir vor, im nächsten alles anders zu machen:

  • rechtzeitig genug Geld einplanen für diverse Weihnachtsmarktbesuche
  • rechtzeitig mit allen Freunden abstimmen, wer wann wen besucht
  • rechtzeitig die Weihnachtsdeko sortieren

Und vor allem:

  • rechtzeitig an Weihnachtsgeschenke denken!

Wie jedes Jahr habe ich diese sinnvollen Vorsätze in den Wind geschossen und stehe vor dem Problem, dass mir die Zeit wegläuft. Diese Woche bleibt also noch, um meine gesamte Familie bei der Schenkerei zu berücksichtigen. Heute geht das nicht, da habe ich einen Termin zum Abendessen. Morgen geht das auch nicht, da bin ich auf dem Weihnachtsmarkt verabredet. Mittwoch vielleicht. Den Termin am Donnerstag habe ich bereits abgesagt und spätestens ab Freitag möchte ich mich in der Stadt nicht mehr aufhalten.

Das jüngst verstrichene Wochenende war – wenngleich in bester Gesellschaft – ziemlich anstrengend. Es startete am Freitagabend mit der Weihnachtsfeier im Kollegenkreis. Lecker essen, anschließend schwarzlicht-Minigolf und später der ein oder andere Umtrunk. Meine beste Freundin aus Hamburg, ihr Freund und ein weiterer Freund kamen dann am Samstag zu Besuch. Wieder lecker essen, diesmal beim städtischen Inder, dann kurz auf den historischen Weihnachtsmarkt und anschließend für den einen oder anderen Umtrunk nach Hause, was natürlich zu drei Übernachtungsgästen führte. Am nächsten Tag dann gemeinsames Frühstück und mit zweien unserer Gäste in die Therme. Ein wenig planschen und dann geradewegs in die Sauna. Entspannung pur.

Davon könnte ich gerade im Dezember viel mehr haben, aber stattdessen: Weihnachtsstress.

Freud und Leid der Winterzeit

Es war gestern Nachmittag, als handtellergroße Schneeflocken vom Himmel schwebten, ganz langsam, aber sehr zahlreich. Im Nu hatten sie alle Dächer der Marzipanstadt in Beschlag genommen. Auf der Straße blieben Menschen stehen und blickten in den Himmel hinauf, bestaunten die Wolken, die sich so ungewohnt spendabel zeigten.

Die weiße Pracht hatte die Stadt schnell im Griff und nur allmählich bemerkten die Bewohner, dass ihnen das, was gerade noch von oben kam, unlängst den Heimweg erschwerte. Das historische Kopfsteinpflaster mutierte zu glitschigen Hindernissen und die Radwege verschwanden unter einer widerspenstigen Schneedecke. Wie in jedem Jahr gelang es der städtischen Administration nicht, dem plötzlichen Winter ausreichend Personal entgegenzustellen, um die Verkehrswege rechtzeitig von der weißen Pracht zu befreien. Und so war es tatsächlich eine halsbrecherische Entscheidung, heute Morgen wider besseren Wissens das Fahrrad zu benutzen. Auf die Busse kann man sich ja leider nicht verlassen, das musste ich gestern zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen erfahren, als ich mit einer Horde Berufstätiger eine halbe Stunde lang klappernd an der Haltestelle stand, ohne, dass auch nur ein einziger Bus vorbeigekommen wäre.

Jetzt steht mein Drahtesel in der Firma, denn nach dem heutigen Bummel auf dem maritimen Weihnachtsmarkt hab ich mich doch lieber von meinem Freund auf vier Rädern abholen lassen. Inzwischen habe ich mich fast jeden Tag ins bunte Treiben gestürzt und kann bald Rostbratwurst, Burgunderbrötchen, Crêpes und Muzen nicht mehr sehen. Nur schöne Fotos sind mir bisher nicht gelungen. Da muss ich wohl nochmal hin…

Leise…

…rieselt der Schnee.

Pünktlich am ersten Dezember und wie immer heimlich, still und leise, fällt Schnee auf die Marzipanstadt. Eine puderfeine Schicht bedeckt die nachtschlafenden Dächer, die Gehwege und die Straße vor meinem Haus.

 

Saison

Die Weihnachtssaison hat begonnen, auch in der Marzipanstadt. Seit Montag leuchten bunte Sterne, Kerzenbögen und Ketten voll funkelnder Vorfreude in den Fenstern meiner Nachbarschaft. Von der Innenstadt weht der Duft  frischer Muzen und gebrannter Mandeln herüber: Es ist wieder Weihnachtsmarkt. Während am einen Ende der City ein hell erleuchtetes Riesenrad seine Runden dreht, noch weit über die historischen Mauern hinaus sichtbar, ist der Rathausplatz wieder ein einziger Markt voller Buden und Stände. Mit diesem Ziel schlendere ich durch die Fußgängerzone. Links und rechts von mir bieten Händler ihre Waren feil. Vorbei am “Bullenstall” biege ich bald rechts unter dem historischen Rathaus hindurch auf den großen Platz, geselle mich zu den vielen Menschen, die sich bereits die vielen Köstlichkeiten schmecken lassen. Hier tummeln sich Glühwein, Burgunderbrötchen, Crêpes und Bratwurst, französisch, skandinavisch und bayerisch!  Ich umrunde den ganzen Markt, streife durch jede seiner Gassen, bleibe mal hier und mal dort stehen, begrüße Bekannte, stecke meine Nase in einen Punschbecher und stille meinen Hunger an Grillständen. Über mir funkelt ein festliches Lichtermeer. Direkt hinter dem Markt, jenseits der Rathauszinnen, ragt Sankt Marien in den Nachthimmel. Zu Füßen der größten Backsteinbasilika Europas steigt würziger Rauch aus Feuerkörben und vermischt sich mit dem Duft gerösteter Maronen, Met und Punsch. Auch hier labe ich mich an verschiedenen kulinarischen Waren. Bald schon wanke ich zufrieden durch die geschmückten Altstadtstraßen zurück nach Hause, schalte meine eigene Weihnachtsbeleuchtung ein und warte auf den ersten Schnee.

Zeitraffer

Bis auf einen Konzert-Artikel habe ich hier scheinbar lange nichts Brauchbares zustande gebracht. Allerdings wirklich nur scheinbar, denn im Hintergrund habe ich zwei komplette Maus-Akkus verbraucht. So ein Blogumzug kann ziemlich aufwändig sein, was nicht zuletzt an den Bildern liegt, die sich im Laufe der Jahre so angesammelt haben. Und auch die Technik hat mich, der ich davon kaum etwas verstehe, zuweilen etwas aufgehalten und erforderte den einen oder anderen Hilferuf. Inzwischen entspricht alles so weit wie möglich meinen Vorstellungen und ich habe eine Menge dazugelernt.

Weil die letzten Wochen aber durchaus nicht ganz ereignislos waren, will ich quasi im Zeitraffer davon erzählen, während ich nebenbei eine Tüte Erdnüsse knabbere.

SKYFALL

Wie unheimlich viele andere Menschen auch haben wir inzwischen den neuesten Bond im Kino gesehen. “Skyfall” heißt er und legte vorab die Erwartungen ganz schön hoch. Obwohl uns der letzte Teil nicht so gut gefallen hat, ließen wir uns von der Euphorie anstecken und versuchten, Tickets für das erste Wochenende zu ergattern. Allerdings waren wir dafür so spät dran, dass weder in Hamburg noch in Lübeck oder Bad Schwartau Plätze frei waren. Halb so wild, wir holten das dann unter der Woche nach. Im Filmtheater am Rande der Marzipan-Innenstadt erklommen wir die steile Wendeltreppe in den am höchsten gelegenen Saal und machten es uns in der letzten Reihe roter Kuschelbänke gemütlich. Vor uns saß ein lustig-alkoholisiertes Pärchen, das sich köstlich und lautstark über alles mögliche amüsierte, nur nicht über den laufenden Film und sehr zu Lasten aller anderen. Das sind die Momente, in denen ich mich auf unser eigenes rotes Sofa im heimischen Wohnzimmer wünsche…

Den Film konnte uns das allerdings nicht vermiesen. Mir persönlich gefiel er besser als jeder andere Bond, den ich kenne.

FAMLIENBESUCH

Ich hatte übrigens Urlaub in dieser gerade auslaufenden Woche. Nur ich, ganz allein. Weil Engelchen ja noch mitten in der Probezeit steckt, musste ich auf seine Gesellschaft leider verzichten. Allerdings mangelte es mir nicht an Aktivitäten. Nach einem faulen Montag stand am Dienstag ein Werkstatttermin auf dem Programm, für den ich ziemlich früh aus den Federn musste. Ich fuhr meinen Freund zur Arbeit und machte mich kurz darauf auf den hundert Kilometer langen Weg in die Stadt mit den Hochhäusern, wo meine Winterreifen lagerten. Dort übergab ich mein blaues Auto meinem Ex-Freund, dem Mechaniker, und bekam dafür seinen weißen Sport-Flitzer. Damit flitzte ich zu meiner Schwester, meiner Nichte und meiner Mum (die meinen vor Wochen angekündigten Besuch doch glatt vergessen hat!). Meine kleine Nichte wird im kommenden Monat sechs Jahre alt und freut sich schon auf ihre Einschulung im nächsten Jahr (zu der sie mich dann auch gleich eingeladen hat).

Am Abend, als ich längst wieder zu Hause angekommen war, packte ich meine Sporttasche und meinen Badminton-Schläger und machte mich auf den Weg zur Sporthalle, um mich so richtig auszupowern.

MINI-AUFTRAG

Weil ich in dieser Woche so viel Zeit hatte, nahm ich einen kleinen Besorgungs-Auftrag von meinem Freund entgegen. Apple hat ja kürzlich sein iPad-Mini vorgestellt und jetzt ratet mal, wer ganz wild drauf war? Ich fuhr also mit dem frisch winterbereiften blauen Peugeot über die Autobahn nach Hamburg (weil in unserer Stadt wieder nichts zu holen war). Am vergangenen Samstag, auf dem Weg zum Konzert, hatten wir es im Apple-Store schon einmal versucht, aber selbst dort war das Gerät ausverkauft.

Nach einer guten Stunde stieg ich am falschen Ausgang aus der S-Bahnstation ans graue Tageslicht und stand direkt vor der Alster, während der Apple-Store hinter mir auf der anderen Straßenseite leuchtete. Ich nutzte die unerwartete Perspektive für ein Handy-Foto. Wie ungünstig für die Optik, dass sich ein Teil des Gebäudes hinter der Bahn-Station versteckt.

Im Store wurde ich von James angesprochen, einem Verkäufer in blauem Shirt. Er nahm meine Wünsche entgegen und überbrückte die Wartezeit mit nettem Smalltalk. Er kommt ursprünglich aus Seattle, lebt mittlerweile in Berlin und macht im Hamburger Apple-Store gerade ein Praktikum. Bald darauf hielt ich das Mini in Händen, zahlte mit meinem guten Namen und stieg die Stufen zur S-Bahn wieder hinunter. Auftrag ausgeführt.

Mittlerweile ist selbst das Wochenende schon wieder um. Der Sonntag hat seine graue Schale gegen einen dunkelblauen Mantel getauscht. Meinem Siebentagebart muss ich gleich mit der Klinge und einem Hemd mit dem Bügeleisen zuleibe rücken. Auch mein letzter Urlaub für dieses Jahr ist Geschichte. Aber das macht nichts. Die bevorstehenden Feiertage liegen so gut, dass da insgesamt glatt nochmal zwei Wochen bei rausspringen.

KEANE-Konzert

Die Tickets hatten wir uns bereits im Juli gesichert, gestern war es dann endlich so weit: KEANE gaben ein Konzert im Hamburger Docks. Als Konzert-Noob fand ich das alles schon im Vorwege ganz schön aufregend. Ich war bislang noch nie im Docks, das mitten auf der Reeperbahn liegt, hatte aber gehört, dass es nicht allzu groß sein soll. Dass das stimmt, davon konnte ich mich gestern Abend live überzeugen…

Am späten Nachmittag warfen mein Freund und ich uns in Schale, die gleichzeitig einigermaßen nach etwas aussehen und funktionell sein musste. Da darf nicht viel dran sein, so dass man bei steigenden Temperaturen schnell mal etwas ausziehen kann, ohne sich gleich wieder bis zur Garderobe durchkämpfen zu müssen. Taschen und sonstiger Klimbim sind im Gedränge vor der Bühne auch unpraktisch. Nach ein paar Mal an- und ausziehen waren wir schließlich zufrieden und verabschiedeten uns von den Katern, die sich sicher darauf freuten, wieder ihre Ruhe zu haben.

Der Weg über die Autobahn nach Hamburg war so unbeschwert, wie lange nicht mehr. Sämtliche Baustellen, die den Verkehr über viele Monate gehemmt hatten, sind verschwunden. Manche Schilder scheinen dort allerdings vergessen worden zu sein, denn warum sonst sollte man auf einer nagelneuen dreispurigen Autobahn nicht schneller als achtzig fahren dürfen? Sei’s drum, wir kamen unbehelligt in der großen Hansestadt an, parkten den blauen Wagen und stiegen in die S-Bahn um, die uns flugs zum Jungfernstieg brachte. Ganz kurz nur wollte mein Freund nämlich in den Apple-Store springen um sich – und auch das nur vielleicht – das iPad-mini zu kaufen. Wir stiegen also die gläsernen Stufen hinauf und sprachen eine muntere Verkäuferin in blauem Shirt an. Sie schickte uns freudestrahlend ins Erdgeschoss zurück und schürte die Hoffnung meines Freundes, dass noch Geräte verfügbar seien. Zurück im Erdgeschoss gelang es nur mit Verzögerung, einen nicht ganz so sympathischen Store-Angestellten zu erwischen. Als der uns mitteilte, dass alle Minis für heute ausverkauft wären, sank er in der Gunst meines Freundes noch ein gutes Stückchen weiter…

Nur kurze Zeit später verließen wir die nächste S-Bahn an der Reeperbahn. Hamburgs sündige Meile erstrahlte angesichts fortschreitender Uhrzeit bereits in diversen Rottönen, während die Trottoirs von unzähligen Menschen auf der Suche nach multiplen Möglichkeiten des abendlichen Entertainments bevölkert waren. Das Docks liegt nur wenige Schritte von der Davidwache und Schmidt’s Theater entfernt und ist im Vergleich mit diesen beiden Etablissements äußerlich eher unscheinbar. Brav reihten wir uns in die Warteschlange ein, die uns zum Glück nicht allzu lange aufhielt. Am Eingang wurden wir scheinbar gründlich abgetastet und sogleich hineingelassen. Da die meisten nach links zu den Örtlichkeiten und der Garderobe abbogen, nutzten wir die Gunst der Stunde, die Location zu unserer Rechten direkt zu betreten, um Stehplätze so weit vorne wie möglich zu ergattern. Als wir in den Saal traten, wurde uns klar, dass “ganz vorne” sich nicht wesentlich von “ganz hinten” unterschied. Das Konzert versprach also, eher familiär zu werden. Ganz vorn befand sich natürlich die Bühne, auf der in blauem Licht schon allerlei Instrumentarien standen. Auf der linken Seite fand sich eine hübsche kleine Bar. Die Decke zierte ein farbenfrohes Oberlicht, durch das am spätherbstlichen Abend natürlich kein Licht mehr fiel. Hinter uns, über dem Aus- bzw. Eingang konnten wir die Galerie ausmachen, auf der schon ein paar Konzertbesucher Stellung bezogen hatten, um dem Geschehen von oben beizuwohnen.

Nach einer Stunde, in der Zeit war, den Einlass, die Garderobe und alles Weitere zu regeln, trat die Vorband auf, deren Namen “Zulu Winter” wir erst viel später erfuhren. Ich fand sie gar nicht schlecht, wenngleich die Sound-Qualität ziemlich übel war. Der Lead-Sänger war mir allerdings ziemlich unsympathisch und wedelte die meiste Zeit affektiert mit seinen Händen herum, sein Bandkollege am zweiten Mikro war da schon eher was für’s Auge (beim Konzert geht es ja schließlich nicht nur um die Ohren). Zulu Winter heizten so in etwa eine halbe Stunde lang ein und legten an die darauffolgende Vorbereitung für KEANE eifrig selbst Hand an. Als alles für die Band aus England vorbereitet war,  konnte die Show also endlich richtig losgehen. Die Temperatur war inzwischen um einige Grad nach oben geklettert.

Zulu Winter – die Vorgruppe

Frontmann Tom Chaplin eröffnete die Show kraftvoll, mit sicherer Stimme und in gleißendem Bühnenlicht. Da wir recht weit vorn standen, befanden wir uns quasi mitten zwischen den Hardcore-Fans, von denen einige anscheinend aus England angereist waren, um ihren Idolen so nah zu sein. Entsprechend euphorisch war die Stimmung. Da ich – wie ich ein wenig beschämt gestehen muss – die Songtexte nicht kannte, blieb den Umstehenden ein lautstarker Gesang meinerseits erspart (was man von meinem Freund nicht behaupten kann). Obwohl ich mich bei KEANE überhaupt nicht auskenne, kamen mir immerhin eine ganze Reihe von Stücken schließlich doch sehr bekannt vor, immerhin gibt es die Band seit 1997. Es dauerte ein wenig, bis mich die Stimmung ergreifen und mitreißen konnte. Einige Leute waren doch sehr seltsam, überaus egoistisch und nicht selten mit ausgefahrenen Ellenbogen unterwegs, um sich noch weiter vorzuwühlen. Eine handvoll Jugendlicher ging dabei besonders rabiat vor, was dazu führte, dass sie während des zweiten Songs von den Sicherheitskräften beherzt herausgezogen und vor die Tür gesetzt wurden. Danach wurde das Gerangel ein wenig entspannter und das Konzert letztlich zu einem echten Vergnügen. Dass selbst die Band Spaß hatte, war den Jungs deutlich anzusehen und am Ende gaben sie unter anhaltendem Applaus drei oder vier Zugaben.

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Mit rauschenden Ohren, glücklich, erschöpft und ziemlich hungrig reihten wir uns wieder einmal in eine lange Schlange ein, um unsere Garderobenmarke gegen zwei Jacken einzutauschen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in einer Burger-Bar ließen wir uns von der S-Bahn wieder zu unserem Auto fahren, das in strömendem Regen in einer Seitenstraße auf uns wartete.

Wenn Engel laufen

Sonntagmorgen bedeutet bei mir meistens entspanntes Aufwachen, den Tag in Ruhe beginnen, irgendwann frühstücken – daheim oder auswärts und den lieben langen Tag einfach nichts tun bis zum Umfallen.

Heute wurde ich zwar nicht von Kölner Volksmusik geweckt, wie gestern. Einen Weckruf gab es dennoch, und der Sonntagvormittag im Bett fiel aus. In unserer schönen Marzipanstadt fand ein City-Lauf statt, an dem wir zwar nicht selbst teilnehmen wollten, uns aber aufrafften, zumindest anfeuernd zuzusehen. Da sich mein Engel demnächst selbst joggend martern möchte, war das eine gute Gelegenheit zu einer Vorschau. Das Wetter kam uns dabei sehr zugute und der junge Oktober zeigte sich von seiner goldenen Seite.

Die Innenstadt war für die Läufer für den Autoverkehr weitgehend abgesperrt worden, wodurch der Spaziergang zum Rathausmarkt entsprechend entspannt war. Wir trafen einige von Engelchens neuen Arbeitskolleginnen plus Anhang und stellten uns bald an der Strecke auf. Lang mussten wir nicht warten, als schon die ersten Läufer – noch mit einem Lächeln im Gesicht – an uns vorüberzogen.

Nachdem alle Läufer das Ziel erreicht hatten, machten wir uns langsam wieder auf den Weg zurück. Beim Bäcker noch eine heiße Schokolade getankt und dann durch die herbstlichen Straßen wieder nach Hause. Nicht zu früh, denn schon konnte sich das herrliche Wetter nicht mehr halten und fing an zu regnen.

Mein Freund hat heute für sich beschlossen, tatsächlich mit dem Laufen zu beginnen. Ich hab das vor Jahren ja auch mal gemacht und festgestellt, dass ich einfach kein Läufer bin. Beim ersten Mal werde ich ihn dennoch begleiten – wer weiß, vielleicht macht es mir mit ihm ja Spaß…

Landflucht

Ich bin ja in einer etwas größeren Kleinstadt an der Elbe aufgewachsen, bevor meine Familie die Stadt verließ und auf’s Land zog. Sobald ich die Füße unter meinen eigenen Tisch stellte, kehrte ich dem traditionellen Dorfleben den Rücken. Spröde Traditionen, nur eine einzige geduldete Religion – und natürlich war ich der einzige Schwule.

Familienbesuche sind immer ein Stück weit Rückkehr ins Dorf, wenn auch nur für kurze Zeit. Kein Problem, es sei denn…

Am Samstag wurde mein süßer Schlaf rüde unterbrochen von kölnischen Volksliedern. Ja wirklich. Sie waren Teil einer Radiosendung über Köln, die mich mitten aus ich weiß nicht was holte. Ich hörte bereits die Dusche rauschen, mein Freund war also schon aufgestanden und ich vergrub mich unter meinem Kopfkissen, um den Tag noch ein paar Minuten hinzuhalten.

Nur ungefähr eine Stunde später waren wir schon unterwegs in Engelchens Heimatdorf. Der letzte Besuch ist tatsächlich schon einige Zeit her. Wir mussten uns beeilen, denn der Festumzug zum Erntedankfest sollte pünktlich um halb zwölf beginnen, und mangels Fertigstellung der Ost-West-Autobahn sind wir dorthin in der Regel fast zwei Stunden unterwegs – wenn wir gut durchkommen.

Kamen wir am Samstag natürlich nicht. Schuld war das Outlet-Dorf an der Autobahn, die uns immerhin ein Stückchen mitnimmt. Die Abfahrt zum Outlet war ziemlich begehrt und die beiden sowieso immervollen Fahrspuren komplett verstopft. Nach der Autobahn dann rüde Rentner, die eine Autokaravane hinter ihrem silbergrauen Golf herziehen und die man wegen der tausend Kurven durch die Wälder und Dörfer nicht überholen kann (was manche aber nicht davon abhält, es dennoch zu versuchen).

Wir kamen gerade noch rechtzeitig an, um dem großen Festumzug aus über zwanzig Traktoren beizuwohnen. Die alten und neuen Landmaschinen waren bunt geschmückt mit Maiskolben, Blumen, Getreide und Kürbissen und wurden von Spielmannszügen, Pferden, von Feuerwehren und Polizei begleitet.

So weit, so gut. Als alle Wagen an uns vorüber paradiert waren, bewegten sich die Dorfbewohner in aufkommendem Regen zum Sportplatz, wo zuerst der Bürgermeister eine schnulzig-traditionelle Rede von seinen Zetteln ablas, die wichtigsten Vertreter der Ortspolitik begrüßte, die Landwirte nicht wirklich erwähnte und im Anschluss auch noch an die Dorfpastorin übergab, die – man möchte brechen – eine monotone und selbstverständlich christliche Andacht abhielt, um Gott für die Nahrungsmittelproduktion zu danken, dann noch alle aufforderte, das Vater-Unser zu beten, gemeinsam das erste Lied von den verteilten Handzetteln zu singen und am Ende auch noch Gottes pauschalen Segen entgegenzunehmen. Danke sehr!

Der Rest des Tages gestaltete sich weniger traditionell und dafür zum Glück sehr viel familiärer. Engelchens jüngste Schwester ist volljährig geworden und folgt damit ihren vier Geschwistern im Abstand weniger Jahre. Zu diesem Anlass waren alle Geschwister vereint, es gab einen Geburtstagskuchen, auf dem der Platz für die Kerzen allmählich enger wird…

 

Alles nach Plan

Draußen sieht es schon wie schwarze Nacht aus. Aber hinter den Fenstern der Häuser gegenüber leuchten noch Kerzen, Stehlampen und Fernseher. Es ist Freitagabend, und während sich die einen wohl durch die Stadt treiben lassen liegen andere unter der Wolldecke gemütlich auf der Couch, links den Liebsten, rechts ein Glas Wein, während sich draußen ein zwölf Grad kalter Herbst in die Baumkronen einnistet, um die Blätter rot und gelb zu bemalen.

Ich hab jetzt Wochenende, während mein Freund in seinem neuen Job morgen arbeiten muss. Immerhin arbeitet er jetzt seit zwei Wochen wieder in der Marzipanstadt und muss nicht mehr jeden Tag zweimal zwei Stunden pendeln. Manchmal ist es auch von Vorteil, seinen Job zu verlieren. Wie ich mich kenne, werde ich morgen erst einmal ausschlafen und dann ausgiebig frühstücken, bevor ich mich an den Samstags-Groß-Putz machen muss. Morgen Abend haben wir zwei Freunde zu uns zum Essen eingeladen, sozusagen als Dankeschön, dass sie während unseres Urlaubs unsere beiden Kater beherbergt haben.

Das Menü an sich ist zum Glück nicht so aufwändig, dass ich dafür den ganzen Tag würde in der Küche stehen müssen – was in unserer winzigen Küche auch kein Vergnügen wäre. Da wünsch ich mir doch manchmal den großzügigen Platz unseres Ferienhauses…

Seit Jahren schon wandern meine Beiträge aus meinem Blog zusätzlich in jeweils ein Fotobuch pro Jahr. Es ist schön, meine Erlebnisse auch in der Hand halten und durch die Seiten blättern zu können. Weil das Jahr an diesem Wochenende bereits das dritte Viertel komplettiert, wird es Zeit, sich Gedanken um die diesjährige Gestaltung zu machen. Deshalb habe ich im Laufe der Woche bereits angefangen, das Layout festzulegen, Fotos auszuwählen und die ersten Texte anzuordnen. Ich freue mich jetzt schon darauf, es fertigzustellen und die Produktion zu beauftragen – was naturgemäß frühestens im Januar des nächsten Jahres stattfinden kann. 2012 wird dann das sechste Jahr, das ich schon in ein Buch gebannt habe.

 

Fremdgänger

Am 12. September stellte Apple sein neues Flaggschiff vor: Das iPhone 5. Wie viele andere Menschen auch habe ich lange gespannt gewartet und mich gewundert, dass das Unternehmen in diesem Jahr alle anderen namhaften Anbieter an sich hat vorbeiziehen lassen. Steckte Kalkül dahinter? Oder ist Apple nach Steve Jobs Tod wie gelähmt?

Um das herauszufinden und um uns eines besseren belehren zu lassen haben wir am Tag nach der Veröffentlichung unser Ferienhaus vorübergehend hinter uns gelassen und sind dorthin gereist, wo es Zugang zu einem WLAN gibt: Esbjerg. Jeder einen Burger mümmelnd lud ich die sogenannte Keynote auf mein iPad herunter, also die vollständige Aufzeichnung der Apple-Veranstaltung. Das dauerte eine Weile, denn der öffentliche Internet-Zugang im dänischen Esbjerg war nicht unbedingt der schnellste…

Die Keynotes sehe ich mir immer gern an, sie sind gut gemacht und können mich immer wieder begeistern.

Doch diesmal nicht. Das neue iPhone hat mich ziemlich enttäuscht, was zum Einen an der langen, Erwartungen schürenden Wartezeit und zum Anderen an Konkurrenzprodukten lag, die einfach mittlerweile das iPhone überholt haben. Apple hat natürlich wieder eine Menge Innovationen in sein neues Produkt gepackt. Sie haben die Technik noch kleiner gemacht, die Verarbeitung der Geräte sei so präzise wie bei einer Schweizer Uhr. Aber was sich äußerlich getan hat, hat meine Erwartungen bei Weitem nicht erfüllt. Sie haben das Gerät einfach etwas länger gemacht, so dass eine weitere Vierer-Reihe Apps auf das Display passt. Die Sprachsteuerung ist nicht neu, und während ich gehofft hatte, dass sich Siri jetzt durch einen Sprachbefehl angesprochen fühlt (wie andere Unternehmen das bereits anbieten), muss man hier nach wie vor auf dem Display einen Button drücken, um es zu aktivieren. Die Karten-App ist jetzt ein Navigationssystem, da waren andere Anbieter aber auch schneller. Und als Gimmick kann man jetzt ganz einfach Panorama-Fotos erstellen. Ui, toll…

Ich hatte mir ein breiteres (nicht längeres) Display gewünscht, um das Tippen auf der kleinen Tastatur zu erleichtern. Eine sprach-aktivierende Spracherkennung, damit ich das iPhone beim Autofahren einfach verwenden kann (oder es einfach rufen kann, wenn ich es mal wieder verlegt habe). Ganz ehrlich, ein Panorama-Foto-Tool ist für mich keine Innovation, die ich von Apple gewöhnt bin.

Und so kam es, dass ich mir gestern ein Fremdprodukt bestellt habe. Und habe ich deshalb ein schlechtes Gewissen? Ein bisschen schon. Aber um das iPhone zu kaufen, reicht es nicht mehr, dass es von Apple ist.

In zwei Jahren sprechen wir uns wieder.

 

Stopp

Als ich heute Morgen von meinem Freund geweckt wurde, tat mir noch immer jeder Knochen weh, den ich habe. Schuld ist mein entflammter Ehrgeiz, der mich am Donnerstagabend beim Badminton antrieb. Drei Stunden nonstop war vielleicht doch ein bisschen doll…

Aber das macht nichts, ich habe immerhin eine ganze Woche Zeit, mich davon zu erholen, denn wir haben Urlaub!

Halten wir kurz inne und erinnern uns an den Katzenjammer vom Vorjahr, als wir unseren Urlaub abbrechen mussten…

Das genügt. Wir sind frohen Mutes, dass das in diesem Jahr nicht wieder vorkommt und wir bis zum Schluss unser reetgedecktes Ferienhaus bewohnen dürfen.

Mit dem Plan, diesmal viel früher loszufahren, um nicht erst am Abend anzukommen, sind wir am heutigen Samstag gegen halb zwölf abgefahren. Wir mussten zur A7, um dann immer Richtung Norden bis nach Flensburg zu fahren, wo unser Zwischenstopp geplant ist. Wir fuhren also quer durch die Marzipanstadt, rauf auf die A20 – und quasi sofort in den ersten Stau, der uns eine knappe Stunde gekostet hat! Danach lief es zum Glück flüssig, jedenfalls bis hinter Schleswig, wo wir eine weitere Stunde unfreiwillig einem Stau opfern mussten…

Unseren Aufenthalt in Flensburg reduzierten wir dann auch auf ein Minimum, nur kurz einen Happen essen und dann die letzten frischen Lebensmittel einkaufen.

Zwei Stunden später hatte die Ferienhausvermietung ihr Büro natürlich längst geschlossen, was allerdings kein Grund ist, das Wochenende im Auto zu verbringen. Schlüssel und Unterlagen kann man sich vertrauensvoll aus einer Box nehmen, die am Gebäude hängt.

 

Inzwischen ist es fast 21 Uhr. Die Sonne ist bereits untergegangen und mein Freund holt gerade frische Pizza aus dem Ofen. Der erste Tag war schon ganz schön anstrengend und Dank aller Hindernisse sind wir keineswegs früher als sonst in unser Domizil eingezogen…

 

Haute couture

Gestern mussten wir unseren Alltagsstress mal wieder kompensieren. Üblicherweise passiert das beim Shoppen, denn das klappt einfach am besten.

Für unsere Shopping-Tour hatten wir uns diesmal etwas besonderes vorgenommen, nicht zuletzt, weil mein Freund in der kommenden Woche Geburtstag hat. Durch die Presse geisterte vor Kurzem, dass die Läden rund um Abercrombie und Hollister in Hamburg die Nase voll hätten. Und die Ohren auch. Warum das so ist, wollten wir uns live ansehen und setzten uns am frühen Samstagnachmittag ins Auto.

An der Zapfsäule bekam ich erstmal einen Schreck. Als ich das letzte Mal tanken musste, war der Spritpreis noch 15 Cent pro Liter günstiger! Das ist aber auch schon ein paar Wochen her. Davon ließen wir uns aber natürlich nicht abhalten und standen eine knappe Stunde später auf dem Rathausmarkt in Hamburg. Von hier aus hatten wir die Wahl, entweder mit Hollister in der Europa Passage oder mit Abercrombie bei der Alten Post zu beginnen. Eigentlich wollten wir ja auch nur mal gucken (und schnuppern). Wir wandten uns rechts herum und wühlten uns durch Menschenmassen in die Europa-Passage. Dass ausgerechnet gestern auch noch das Alstervergnügen stattfand, konnten wir ja nicht ahnen… Lange suchen mussten wir in der riesigen Shopping-Mall dennoch nicht. Hollister befindet sich im ersten Obergeschoss und zeichnet sich auf den ersten Blick besonders dadurch aus, dass zwei Reihen Menschen vor seiner Tür auf Einlass warten. Die Schaufenster bestehen aus Monitoren, auf denen vermutlich die kalifornische Küste mit gut gebauten Surfern zu sehen ist. Den Eingang immerhin konnten wir im Vorbeigehen sehen. Zwei super-altmodische Sessel unter einem Kronleuchter, schummriges Licht, Musik und ein verlockender Duft – ach ja, und ein gutaussehender, freundlich lächelnder Türsteher, der dafür sorgt, dass sich nie zu viele Kunden auf einmal in dem Laden aufhalten und sich gegenseitig auf die Füße treten.

Anstatt uns einzureihen trollten wir uns zunächst wieder und machten uns auf die Suche nach Abercrombie & Fitch. Die grobe Position kannten wir, den Rest sollte unser Pfadfindergeist erledigen. Der scheint bei meinem Freund ausgeprägter zu sein als bei mir, denn er entdeckte den Laden zuerst. Wobei, auch hier sahen wir als erstes die Schlange an Menschen, die geduldig wartete. Außen am Gebäude deutet nicht viel mehr als ein gusseisernes Firmenschild auf das hin, worauf sich all diese Leute hier freuen. Einen leichten Duft konnte wir ebenfalls vernehmen, als wir am Eingangsportal vorbeigingen. Auch hier regelt ein niedlicher Türsteher den Verkehr, während hinter ihm ein halbnacktes Männermodel damit beschäftigt ist, sich mit Fans ablichten zu lassen.

Weil uns auch hier die Schlange zunächst zu lang war, schlenderten wir wieder auf den Rathausmarkt, der ja zum Glück in Reichweite liegt, und stärkten uns mit einer Grillwurst, ehe wir beschlossen, Butter bei die Fische zu geben und Nägel mit Köpfen zu machen. Wir reihten uns vor Abercrombie ein und waren überrascht, wie schnell es doch voran ging. Dann tauchten wir ein in das Halbdunkel des altehrwürdigen Gebäudes, baten das Model nicht um ein Foto und versuchten, uns zu orientieren. Das Interieur ist sehr dunkel, vom Fußboden über die Regalwände bis zur Decke ist alles in schwarz-braun gehalten. In den Regalen leuchten dafür umso farbenfroher T-Shirts, Hoodies, Pullover, Unterwäsche, Mützen und mehr. Man möchte glauben, dass jedes Einlegefach von einem eigenen Spot angestrahlt wird. Alles ist tadellos aufgeräumt und nach Farben und Größen geordnet. Der Laden besteht aus verschiedenen Räumen, die alle in etwa gleich groß sind. Die Musik ist angenehm laut, man kann sich durchaus noch gut verständigen. Und überall trifft man motivierte Verkäufer, die noch dazu richtig gut aussehen (als wäre das Absicht…). Sie sind nicht aufdringlich, aber immer hilfsbereit. Nachdem wir uns einen Überblick verschafft hatten, machten wir uns gezielt auf die Suche. Neue Shirts brauchten wir eigentlich sowieso, und jetzt, wo der Herbst beginnt, kann ja auch eine zusätzliche Jacke nicht schaden. Unterwäsche kann man ja auch nie genug haben. Preislich bewegt man sich bei A&F ja eher auf gefährlichem Terrain, weshalb wir aufpassen mussten, nicht zu herzhaft zuzulangen. Man kann fühlen, dass die Stücke den größten Teil ihres Preises wert sind. Mein Freund und ich sind seit über sechs Jahren zusammen und damals besaß er ein T-Shirt von Abercrombie, das ich noch heute trage.

Mit zwei Tüten, ein wenig benebelt vom Store-Duft und ziemlich gut gelaunt liefen wir zum dritten Mal über den Rathausmarkt, um nun auch Hollister – Abercrombies kleiner Schwester – einen Besuch abzustatten. Es war tatsächlich noch voller geworden in der Europa Passage, als wir uns ans Ende der Warteschlange stellten. Auch hier dauerte es aber nicht lange, bis wir den Laden betreten durften. Er unterscheidet sich doch recht stark von Abercrombie, wie ich nach dem direkten Vergleich feststellte. Er ist tatsächlich etwas heller, die Musik ist anders, der Duft ebenfalls. Der Store ist nicht so groß und auch nicht so aufgeräumt. Hier liegen Kleidungsstücke auch mal auf dem Boden, ein Tisch ist komplett zerwühlt, Damen- und Herrensachen sind nicht strikt getrennt, wie bei A&F – etwas, das ich überhaupt nicht leiden kann. Hier gingen wir nach kurzer Zeit dann auch nur mit einer Tüte wieder heraus.

Beide Läden waren durchaus eine Erfahrung, die wir gern gemacht haben. Warum sich Nachbarläden so aufregen, können wir gut verstehen. Allerdings nicht wegen des Duftes oder der Musik, die draußen wirklich nur ganz schwach wahrnehmbar sind. Vielleicht stören sich die Nachbarn eher an dem Andrang, der vor ihrer Tür leider fehlte…

Für den in einer Woche anstehenden Urlaub (und wohl auch für die Zeit danach) sind wir klamottentechnisch erstmal wieder ausgestattet. Das muss auch so sein, denn am Ende des Tages sah meine Kreditkarte ganz schön abgenutzt aus…

Nordish by nature

Hört Ihr das? Wenn Ihr ganz still seid? … Vermutlich nicht, denn hier ist es unschlagbar ruhig. Wenn man den Atem anhält, ist es fast ein bisschen unheimlich. Heute ist schon Montag. Gestern haben wir den lieben langen Tag einfach nichts gemacht. Na ja, bis auf Einkaufen (das kann man hier auch sonntags). Ansonsten haben wir uns jeder in ein Buch verkrochen und alles um uns herum vergessen. Ich lese ja nach wie vor (seit Monaten) “Der Junge, der Träume schenkte”. Gestern bin ich endlich mal ein bisschen vorangekommen. Ich möchte die Geschichte so gern mögen, aber irgendwie werden wir noch nicht so richtig warm miteinander. Aber das kann ja noch kommen, ich hab es grad erst zur Hälfte gelesen.

Abends hab ich uns dann in der geräumigen Küche ein leckeres Putenragout zubereitet. Wahnsinn, wie viel Spaß das Kochen wieder macht, wenn man richtig Platz hat (und einen Geschirrspüler!). Zum Essen haben wir uns ganz ohne Etikette auf das Sofa gelümmelt und den “Tatort” aus Kiel angesehen. Der war ziemlich unheimlich, und weil es ja schon relativ früh dunkel wird, war das mit der Stille dann vorübergehend doch nicht mehr so toll…

Den Whirlpool haben wir heute nicht hochgefahren, nachdem wir am Tag davor für fast zehn Euro Öl verbraucht haben, um das Ding über viele Stunden aufzuheizen. Für eine knappe Stunde baden lohnt sich das wirklich nicht.

Wie immer sind die restlichen Tage rasend schnell verflogen. Aufregendes ist nichts passiert (zum Glück!). Das Wetter war uns nicht so richtig grün, aber wenngleich wir ein bisschen darauf gehofft hatten, haben wir nicht wirklich damit gerechnet. Und so blieb es die Woche über zumeist stürmisch, regnerisch und mit vorübergehend elf Grad ganz schön kalt. Das ist der Grund, weshalb wir uns jedes Jahr für dieses schöne Haus entscheiden, denn darin lässt sich noch so nordisches Wetter einfach gut aushalten.

 

Am Ende ist alles gut

Heute Morgen hatte ich einen Traum. Ich erinnere mich nur noch an die letzten Minuten, in denen ich meinen Schreibtisch aufräumte, meine halbfertigen Arbeiten in den Schrank sperrte und nach einem langen Arbeitstag endlich Feierabend hatte. Direkt nach diesem süßen Gedanken klingelte mein Wecker.

Hab ich erwähnt, dass ich Urlaub hatte? Und dass ich seit zwei Wochen bereits wieder arbeite? Es ist in der Zwischenzeit ein bisschen was passiert, von dem ich aber gar nicht alles aufschreiben möchte. Träume werden auf die lange Bank geschoben, die Familie wird wichtiger. Ach, das klingt dramatisch, ist es aber nicht. Die letzten Wochen kosteten einfach viel Energie, auch bei der Arbeit. Da bin ich abends froh, wenn ich von der Couch direkt ins Bett plumpsen und den Tag zurücklassen kann.

Den Christopher-Street-Day in Hamburg haben wir mangels jeglicher Energie sausen lassen und waren heilfroh über einen außerplanmäßig komplett freien Samstag, an dem wir uns um nichts und niemanden kümmern mussten. Das Telefon wurde mundtot gemacht, die Jalousien blieben unten – einen Tag ohne alles, bitte!

Wer bei mir regelmäßig liest, der hat in den letzten Wochen wieder einmal festgestellt, dass es meinem Blog an Regelmäßigkeit mangelt. Das ist grundsätzlich ja kein Problem, ich hab eben nicht jeden Tag etwas zu erzählen. Die jüngste Durststrecke geht allerdings auf Apples Kosten. Wie das? Mit meinem Tablet-PC kann ich mittlerweile so ziemlich alles abdecken, was an täglichem Web-Surfing so anfällt. Von Finanzen über E-Mails bis hin zu Nachrichten aus aller Welt, den neuesten YouTube-Clips und dem Lesen meiner Blogstars kann ich alles vom Büro oder der heimischen Couch aus erledigen, ohne dafür mein Computermonster im Arbeitszimmer hochfahren zu müssen.

Nur bloggen, das geht einfach einfacher auf dem großen Rechner – jedenfalls, wenn es ein bisschen nach was aussehen soll. Und weil der in letzter Zeit selten eingeschaltet wird, bleibt auch die Blog-Küche von Zeit zu Zeit kalt.

So. Von allem ein bisschen heute. Ich werd’ mich schon bald wieder mit meinem dicken Buch ins Bettchen verziehen, links und rechts einen Kater und mich tierisch darüber freuen, dass morgen Freitag ist.

Ach, einen Filmtipp wollt ich ja noch loswerden. Vor zwei Tagen sahen Engelchen und ich uns “Best Exotic Marigold Hotel” an. Ich war zugegeben ein wenig skeptisch, das Cover gefiel mir nicht und der Titel ist nicht sehr einprägsam. Ich hab mich dennoch überreden lassen und bin im Nachhinein froh drum, denn der Film gehört zu den wirklich besten, die ich in letzter Zeit gesehen habe! Nur ganz kurz, worum es geht:
Sieben in die Jahre gekommene Briten reisen unabhängig voneinander, einander unbekannt und aus den unterschiedlichsten Gründen nach Indien und checken im “Best Exotic Marigold Hotel” ein. Sie sind ziemlich erschüttert, weil das Hotel in natura so gar nicht wie im Hochglanzprospekt aussieht. Erst allmählich und mithilfe des umwerfenden Charmes des jungen (und zum Schreien komischen) Hotelmanagers Sonny gelingt es den Damen und Herren, die Schönheit und die Geheimnisse des Hotels und ihres eigenen Lebens zu entdecken. Ein anrührender, witziger und liebevoller Feelgood-Film, den ich reinen Herzens empfehlen kann.