Der Blick zurück

Seitdem ich blogge, gibt es Jahr für Jahr am Silvestertag meinen ganz persönlichen Jahresrückblick. Diese inzwischen siebenjährige Tradition soll auch 2012 nicht zu kurz kommen:

Der Januar begann mit dem festen Vorsatz, dass dieses Jahr alles besser wird als im letzten. Die besten Vorsätze sind ohnehin diejenigen, die sich quasi von selbst erfüllen, und so sollte es 2012 nicht allzu schwer haben, beliebter als das letzte, katastrophale Jahr zu werden. Mir selbst nahm ich vor, aktiver zu werden, mehr Sport zu treiben und wieder mehr von dem, was um mich herum geschieht, mit der Kamera einzufangen. Mit dem Sport fing ich dann auch gleich an. Ich kündigte meine Alibi-Fitness-Club-Mitgliedschaft und griff zum Badminton-Schläger.

Im Februar war ich ziemlich aktiv. Jede Woche schwimmen und Badminton, abends ausgehen mit Freunden und die Wochenenden mit meinen Geburtstagspartys verplant zog mich der Monat in einem Rutsch mit sich.

Wenn ich mir meine Blog-Aufzeichnungen so ansehe, wird das im März ähnlich abgelaufen sein, denn bis auf einen Besuch von meiner Familie habe ich nichts Nennenswertes niedergeschrieben.

Ganz anders im April. Der Frühling hielt Einzug und vertrieb das graue Einerlei des letzten halben Jahres. Neue Nachbarn richteten sich unter uns häuslich ein und stellten sich als überaus umgänglich heraus.

Im Mai statteten wir dem Kino in unserer Stadt mal wieder einen Besuch ab, bevor der Frühling dann so richtig Gas gab und Lust auf mehr Aktivitäten im Freien machte.

Oleeeeeeeeoleeeoleeeoleeeeeee – es war wieder Fußballsommer in Deutschland! Wenn unsere Elf auch nicht den Titel heimtrug, so war der Juni dennoch geprägt von ausgelassen sportlicher Stimmung. Nur Public Viewing muss ich nicht nochmal haben. Durchaus öfter kann ich mir dafür Spider-Man ansehen, der uns – neu verfilmt mit Sahneschnitte Andrew Garfield – auch in diesem Monat ins Kino lockte.

Der Juli hatte eine besonders schöne Überraschung parat: Meine damalige Schulfreundin Mary besuchte uns. Sie wohnt inzwischen seit einiger Zeit am Bodensee, was dazu führt, dass wir uns nur alle paar Jahre mal sehen. Gemeinsam mit Becky und John zogen mein Freund und ich mit Mary durch die Hamburger HafenCity und genossen den sonnigen Sommer.

Von Aktivitäten hatte ich im August anscheinend genug, mir war komplett die Energie ausgegangen. Arbeiten, Couch, Bett, arbeiten, Couch, Bett, … Von dort aus kann man immerhin fernsehen, wodurch ich eine echte Perle entdeckte.

Der Monat Pause tat mir gut, und so konnte ich im September wieder durchstarten. Shoppen war angesagt, aber nicht irgendwo, sondern in zwei ungeheuer stylischen Läden. Da wurde der Klamotten-Kauf zum Erlebnis! Leider auch für die Geldbörse…

Zur weiteren Erholung trug der langersehnte Jahresurlaub bei, den wir in aller Stille in unserem Lieblings-Ferienhaus in Dänemark verbrachten. Nicht lange danach, wieder zurück in der Heimat, legte ich mein iPhone ab und ersetzte es durch ein Samsung-Handy – genau wie mein Freund, der übrigens im September einen neuen Job in unserer Stadt bekommen hat.

Die Wochenenden im Oktober waren schon wieder ziemlich verplant. Zum Beispiel mit einem Erntedank-Fest auf dem Lande oder einem City-Lauf in der Marzipanstadt, bei dem wir aber nur Zuschauer waren. Die meisten Abende verbrachte ich jedoch an meinem heimischen PC und verpasste meinem Blog eine komplette Frischzellenkur.

Das beschäftigte mich bis in den November hinein, in dem ich den letzten Feinschliff vornahm und die Website dann der Allgemeinheit vorstellte. Ein Konzertbesuch war dann mal wieder etwas ganz anderes und kam meinem alten Vorsatz zu mehr Aktivität sehr entgegen. Noch mehr Kultur gab’s dann im Kino, wo sich James Bond die Ehre gab. Mir hat’s richtig gut gefallen und später habe ich „Skyfall“ noch einmal angesehen. Ende des Monats schmückte sich unsere Stadt wieder mit Lichterglanz und Buden für süße Leckereien und geistreiche Getränke.

Der Weihnachtsmarkt bestimmte im Dezember tatsächlich einen Großteil meiner Freizeit. Angespornt von aufkommendem Winter mit viel Schnee und klirrender Kälte tat der eine oder andere Glühwein wirklich gut. Dazu kamen Weihnachtsfeiern im beruflichen und im privaten Kreis, die das Jahresende in heitere Stimmung versetzten. Der versprochene Weltuntergang blieb dann zum Glück aus, und so bin ich froh, allen Lesern meines Blogs einen guten Rusch ins neue Jahr wünschen zu können. Wir sehen uns auf der anderen Seite.

IKEA ist Schuld!

Die Marzipanstadt bekommt einen eigenen IKEA. Das ist eigentlich nicht neu, die Pläne gibt es schon seit Jahren und haben sich schlussendlich gegen den massiven Widerstand durchgesetzt, der für diese Stadt symptomatisch ist. Aus Platzgründen siedelt sich das blau-gelbe Möbelhaus inklusive eines Skandinaviencenters natürlich nicht auf der historischen Altstadtinsel sondern eher rändlich an. Sehr zum Missfallen der innerstädtischen Kaufleute, die IKEA bereits die Vorschussschuld an sinkenden Käuferzahlen und infolge dessen Umsatzrückgängen geben. Das ist auch der Hauptgrund, aus dem die Planungen so lange blockiert wurden.

Mein Freund und ich sind heute Abend einer spontanen Eingebung gefolgt und haben unsere schöne Altstadt aufgesucht. Den Weihnachtsmarkt, der erst nach morgen abgebaut und für ein Jahr in der Weihnachtskiste verstaut wird, kann ich zwar nicht mehr sehen, aber daran kommt man derzeit eben nicht vorbei. Auf der Suche nach Plüschpuschen (ja, wirklich) steuerten wir zunächst ‚Wicky‘ an. Der Laden ist bekannt für allerlei Krimskrams, den zwar eigentlich niemand braucht (zum Beispiel lila-blinkende Heiligenscheine, Pimmelnudeln oder nippelige Tittenbecher), bei dem man aber trotzdem immer irgendwas findet. Immer. Nur nicht die richtigen Plüschpuschen. Na egal. Wir zogen weiter. Einige Geschäfte auf dem Weg sind verwaist, die dunklen Schaufenster mit Aufklebern und ausgelutschten Kaugummis dekoriert. Karstadt hingegen ist noch immer über und unter mit miooonen Lichtern geschmückt und hält erbittert am Weihnachtsgeschäft fest! Plüschpuschen suchten wir hier allerdings nicht mehr. Stattdessen sind wir – völlig unbeabsichtigt – in der DVD-Abteilung gelandet um uns die erste Staffel von „Misfits“ zu kaufen. Allerdings ist die Serienabteilung bei Karstadt ein schlechter Witz, weshalb wir gleich darauf weiterzogen zum ‚Pressezentrum‘. Die haben eigentlich alles. Eigentlich. „Misfits“ war jedoch weder zu finden noch bekannt, erst nach einiger Recherche bot man uns an, die DVD zu bestellen. Bestellen können wir sie allerdings selbst, und das sogar günstiger und hochauflösend. Ein wenig gefrustet angesichts all dieser Konsum-Enttäuschungen machten wir uns auf den Rückweg, untersuchten ‚Deichmann‘ auf Plüschpuschen, die uns zwischenzeitlich wieder eingefallen waren, und kamen mit einem Paar Winterstiefeln wieder heraus… Dann noch kurz zu ‚Esprit‘ – warum auch immer. Die Herrenabteilung, die anfangs das erste Obergeschoss belegte, ist inzwischen so weit zusammengeschrumpft, dass sie kaum noch der Rede wert ist. Als wir direkt nebenan ’s.Oliver‘ einen Besuch abstatten wollten, wurden wir schon am Eingang begrüßt mit „Wir schließen in zwei Minuten!“. Wir machten also auf dem Absatz kehrt, liefen an drei Kiffern vorbei, die sich am Ende eines Durchgangs einen Joint drehten, trabten eine mit Glassplittern übersäte Betontreppe hinunter und steuerten den Bezahlautomaten am Parkhaus an. Dieser unverschämte Kasten verlangte sodann vier Euro Parkgebühr von uns, die wir zähneknirschend in seinen Schlitz fallen ließen. Immerhin günstiger als Busfahren, das hätte uns beide insgesamt knapp zehn Euro gekostet.

Geschäfte, denen es am richtigen Sortiment und an Kunden mangelt, Geschäfte, die schon längst nicht mehr da sind und Verkäufer, die ihre Kunden nicht mit „Kommen Sie, rein, da haben Sie aber Glück gehabt!“ begrüßen sondern mit „Wir schließen gleich!“. IKEA sollte sich schämen, sobald es gebaut und eröffnet ist. Nicht zuletzt für seine kostenlosen Parkplätze.

I’m a survivor

So, hätten wir diesen Weltuntergang also auch überlebt. Mitbekommen habe ich ihn nicht, muss also mitten in der Nacht passiert sein. Na egal, der nächste kommt bestimmt. Auf jeden Fall bin ich einer von Milliarden von Überlebenden, was ziemlich cool ist!

Auch cool ist, dass wir den kürzesten Tag des Jahres hinter uns haben! Yeahh!! Ich hol die Badesachen aus dem Schrank, Sommer ich komme!!

Leider, leider hat der Winter da ein Wörtchen mitzureden und überzog die Marzipanstadt heute wieder mit Schnee. Das nenn‘ ich ein Statement! Vermutlich lässt er sich also nicht allzu bald vertreiben und die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten steigt. Als gestern Nate und Joshi zu Besuch kamen, angereist aus der hundert Kilometer entfernten Stadt mit den Hochhäusern, war davon noch nichts zu sehen – wenngleich mir auf dem Weihnachtsmarkt verdammt schnell die Zehen gefroren sind.

Jetzt gerade brüte ich noch über einem einigermaßen einzigartigen Spruch für eine Geburtstagskarte. Heute Abend feiern nämlich Scully und Mulder, unsere beiden nächsten Nachbarn, ihren Geburtstag und praktischerweise sind wir eingeladen…

Die Zeit drängt

Es ist wieder passiert. Jedes Jahr um diese Zeit nehme ich mir vor, im nächsten alles anders zu machen:

  • rechtzeitig genug Geld einplanen für diverse Weihnachtsmarktbesuche
  • rechtzeitig mit allen Freunden abstimmen, wer wann wen besucht
  • rechtzeitig die Weihnachtsdeko sortieren

Und vor allem:

  • rechtzeitig an Weihnachtsgeschenke denken!

Wie jedes Jahr habe ich diese sinnvollen Vorsätze in den Wind geschossen und stehe vor dem Problem, dass mir die Zeit wegläuft. Diese Woche bleibt also noch, um meine gesamte Familie bei der Schenkerei zu berücksichtigen. Heute geht das nicht, da habe ich einen Termin zum Abendessen. Morgen geht das auch nicht, da bin ich auf dem Weihnachtsmarkt verabredet. Mittwoch vielleicht. Den Termin am Donnerstag habe ich bereits abgesagt und spätestens ab Freitag möchte ich mich in der Stadt nicht mehr aufhalten.

Das jüngst verstrichene Wochenende war – wenngleich in bester Gesellschaft – ziemlich anstrengend. Es startete am Freitagabend mit der Weihnachtsfeier im Kollegenkreis. Lecker essen, anschließend schwarzlicht-Minigolf und später der ein oder andere Umtrunk. Meine beste Freundin aus Hamburg, ihr Freund und ein weiterer Freund kamen dann am Samstag zu Besuch. Wieder lecker essen, diesmal beim städtischen Inder, dann kurz auf den historischen Weihnachtsmarkt und anschließend für den einen oder anderen Umtrunk nach Hause, was natürlich zu drei Übernachtungsgästen führte. Am nächsten Tag dann gemeinsames Frühstück und mit zweien unserer Gäste in die Therme. Ein wenig planschen und dann geradewegs in die Sauna. Entspannung pur.

Davon könnte ich gerade im Dezember viel mehr haben, aber stattdessen: Weihnachtsstress.

Freud und Leid der Winterzeit

Es war gestern Nachmittag, als handtellergroße Schneeflocken vom Himmel schwebten, ganz langsam, aber sehr zahlreich. Im Nu hatten sie alle Dächer der Marzipanstadt in Beschlag genommen. Auf der Straße blieben Menschen stehen und blickten in den Himmel hinauf, bestaunten die Wolken, die sich so ungewohnt spendabel zeigten.

Die weiße Pracht hatte die Stadt schnell im Griff und nur allmählich bemerkten die Bewohner, dass ihnen das, was gerade noch von oben kam, unlängst den Heimweg erschwerte. Das historische Kopfsteinpflaster mutierte zu glitschigen Hindernissen und die Radwege verschwanden unter einer widerspenstigen Schneedecke. Wie in jedem Jahr gelang es der städtischen Administration nicht, dem plötzlichen Winter ausreichend Personal entgegenzustellen, um die Verkehrswege rechtzeitig von der weißen Pracht zu befreien. Und so war es tatsächlich eine halsbrecherische Entscheidung, heute Morgen wider besseren Wissens das Fahrrad zu benutzen. Auf die Busse kann man sich ja leider nicht verlassen, das musste ich gestern zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen erfahren, als ich mit einer Horde Berufstätiger eine halbe Stunde lang klappernd an der Haltestelle stand, ohne, dass auch nur ein einziger Bus vorbeigekommen wäre.

Jetzt steht mein Drahtesel in der Firma, denn nach dem heutigen Bummel auf dem maritimen Weihnachtsmarkt hab ich mich doch lieber von meinem Freund auf vier Rädern abholen lassen. Inzwischen habe ich mich fast jeden Tag ins bunte Treiben gestürzt und kann bald Rostbratwurst, Burgunderbrötchen, Crêpes und Muzen nicht mehr sehen. Nur schöne Fotos sind mir bisher nicht gelungen. Da muss ich wohl nochmal hin…

Wenn im Advent…

… ein Lichtlein brennt,

alle Welt zum Punschstand rennt,

dann wird ordentlich geschlemmt,

und ungehemmt der Krug gestemmt.

Zum Wohl, prosit, auf dich und mich!

Pfunde zählen zählt heut nich‘.

Leise…

…rieselt der Schnee.

Pünktlich am ersten Dezember und wie immer heimlich, still und leise, fällt Schnee auf die Marzipanstadt. Eine puderfeine Schicht bedeckt die nachtschlafenden Dächer, die Gehwege und die Straße vor meinem Haus.

 

Saison

Die Weihnachtssaison hat begonnen, auch in der Marzipanstadt. Seit Montag leuchten bunte Sterne, Kerzenbögen und Ketten voll funkelnder Vorfreude in den Fenstern meiner Nachbarschaft. Von der Innenstadt weht der Duft  frischer Muzen und gebrannter Mandeln herüber: Es ist wieder Weihnachtsmarkt. Während am einen Ende der City ein hell erleuchtetes Riesenrad seine Runden dreht, noch weit über die historischen Mauern hinaus sichtbar, ist der Rathausplatz wieder ein einziger Markt voller Buden und Stände. Mit diesem Ziel schlendere ich durch die Fußgängerzone. Links und rechts von mir bieten Händler ihre Waren feil. Vorbei am „Bullenstall“ biege ich bald rechts unter dem historischen Rathaus hindurch auf den großen Platz, geselle mich zu den vielen Menschen, die sich bereits die vielen Köstlichkeiten schmecken lassen. Hier tummeln sich Glühwein, Burgunderbrötchen, Crêpes und Bratwurst, französisch, skandinavisch und bayerisch!  Ich umrunde den ganzen Markt, streife durch jede seiner Gassen, bleibe mal hier und mal dort stehen, begrüße Bekannte, stecke meine Nase in einen Punschbecher und stille meinen Hunger an Grillständen. Über mir funkelt ein festliches Lichtermeer. Direkt hinter dem Markt, jenseits der Rathauszinnen, ragt Sankt Marien in den Nachthimmel. Zu Füßen der größten Backsteinbasilika Europas steigt würziger Rauch aus Feuerkörben und vermischt sich mit dem Duft gerösteter Maronen, Met und Punsch. Auch hier labe ich mich an verschiedenen kulinarischen Waren. Bald schon wanke ich zufrieden durch die geschmückten Altstadtstraßen zurück nach Hause, schalte meine eigene Weihnachtsbeleuchtung ein und warte auf den ersten Schnee.

Zeitraffer

Bis auf einen Konzert-Artikel habe ich hier scheinbar lange nichts Brauchbares zustande gebracht. Allerdings wirklich nur scheinbar, denn im Hintergrund habe ich zwei komplette Maus-Akkus verbraucht. So ein Blogumzug kann ziemlich aufwändig sein, was nicht zuletzt an den Bildern liegt, die sich im Laufe der Jahre so angesammelt haben. Und auch die Technik hat mich, der ich davon kaum etwas verstehe, zuweilen etwas aufgehalten und erforderte den einen oder anderen Hilferuf. Inzwischen entspricht alles so weit wie möglich meinen Vorstellungen und ich habe eine Menge dazugelernt.

Weil die letzten Wochen aber durchaus nicht ganz ereignislos waren, will ich quasi im Zeitraffer davon erzählen, während ich nebenbei eine Tüte Erdnüsse knabbere.

SKYFALL

Wie unheimlich viele andere Menschen auch haben wir inzwischen den neuesten Bond im Kino gesehen. „Skyfall“ heißt er und legte vorab die Erwartungen ganz schön hoch. Obwohl uns der letzte Teil nicht so gut gefallen hat, ließen wir uns von der Euphorie anstecken und versuchten, Tickets für das erste Wochenende zu ergattern. Allerdings waren wir dafür so spät dran, dass weder in Hamburg noch in Lübeck oder Bad Schwartau Plätze frei waren. Halb so wild, wir holten das dann unter der Woche nach. Im Filmtheater am Rande der Marzipan-Innenstadt erklommen wir die steile Wendeltreppe in den am höchsten gelegenen Saal und machten es uns in der letzten Reihe roter Kuschelbänke gemütlich. Vor uns saß ein lustig-alkoholisiertes Pärchen, das sich köstlich und lautstark über alles mögliche amüsierte, nur nicht über den laufenden Film und sehr zu Lasten aller anderen. Das sind die Momente, in denen ich mich auf unser eigenes rotes Sofa im heimischen Wohnzimmer wünsche…

Den Film konnte uns das allerdings nicht vermiesen. Mir persönlich gefiel er besser als jeder andere Bond, den ich kenne.

FAMLIENBESUCH

Ich hatte übrigens Urlaub in dieser gerade auslaufenden Woche. Nur ich, ganz allein. Weil Engelchen ja noch mitten in der Probezeit steckt, musste ich auf seine Gesellschaft leider verzichten. Allerdings mangelte es mir nicht an Aktivitäten. Nach einem faulen Montag stand am Dienstag ein Werkstatttermin auf dem Programm, für den ich ziemlich früh aus den Federn musste. Ich fuhr meinen Freund zur Arbeit und machte mich kurz darauf auf den hundert Kilometer langen Weg in die Stadt mit den Hochhäusern, wo meine Winterreifen lagerten. Dort übergab ich mein blaues Auto meinem Ex-Freund, dem Mechaniker, und bekam dafür seinen weißen Sport-Flitzer. Damit flitzte ich zu meiner Schwester, meiner Nichte und meiner Mum (die meinen vor Wochen angekündigten Besuch doch glatt vergessen hat!). Meine kleine Nichte wird im kommenden Monat sechs Jahre alt und freut sich schon auf ihre Einschulung im nächsten Jahr (zu der sie mich dann auch gleich eingeladen hat).

Am Abend, als ich längst wieder zu Hause angekommen war, packte ich meine Sporttasche und meinen Badminton-Schläger und machte mich auf den Weg zur Sporthalle, um mich so richtig auszupowern.

MINI-AUFTRAG

Weil ich in dieser Woche so viel Zeit hatte, nahm ich einen kleinen Besorgungs-Auftrag von meinem Freund entgegen. Apple hat ja kürzlich sein iPad-Mini vorgestellt und jetzt ratet mal, wer ganz wild drauf war? Ich fuhr also mit dem frisch winterbereiften blauen Peugeot über die Autobahn nach Hamburg (weil in unserer Stadt wieder nichts zu holen war). Am vergangenen Samstag, auf dem Weg zum Konzert, hatten wir es im Apple-Store schon einmal versucht, aber selbst dort war das Gerät ausverkauft.

Nach einer guten Stunde stieg ich am falschen Ausgang aus der S-Bahnstation ans graue Tageslicht und stand direkt vor der Alster, während der Apple-Store hinter mir auf der anderen Straßenseite leuchtete. Ich nutzte die unerwartete Perspektive für ein Handy-Foto. Wie ungünstig für die Optik, dass sich ein Teil des Gebäudes hinter der Bahn-Station versteckt.

Im Store wurde ich von James angesprochen, einem Verkäufer in blauem Shirt. Er nahm meine Wünsche entgegen und überbrückte die Wartezeit mit nettem Smalltalk. Er kommt ursprünglich aus Seattle, lebt mittlerweile in Berlin und macht im Hamburger Apple-Store gerade ein Praktikum. Bald darauf hielt ich das Mini in Händen, zahlte mit meinem guten Namen und stieg die Stufen zur S-Bahn wieder hinunter. Auftrag ausgeführt.

Mittlerweile ist selbst das Wochenende schon wieder um. Der Sonntag hat seine graue Schale gegen einen dunkelblauen Mantel getauscht. Meinem Siebentagebart muss ich gleich mit der Klinge und einem Hemd mit dem Bügeleisen zuleibe rücken. Auch mein letzter Urlaub für dieses Jahr ist Geschichte. Aber das macht nichts. Die bevorstehenden Feiertage liegen so gut, dass da insgesamt glatt nochmal zwei Wochen bei rausspringen.

KEANE-Konzert

Die Tickets hatten wir uns bereits im Juli gesichert, gestern war es dann endlich so weit: KEANE gaben ein Konzert im Hamburger Docks. Als Konzert-Noob fand ich das alles schon im Vorwege ganz schön aufregend. Ich war bislang noch nie im Docks, das mitten auf der Reeperbahn liegt, hatte aber gehört, dass es nicht allzu groß sein soll. Dass das stimmt, davon konnte ich mich gestern Abend live überzeugen…

Am späten Nachmittag warfen mein Freund und ich uns in Schale, die gleichzeitig einigermaßen nach etwas aussehen und funktionell sein musste. Da darf nicht viel dran sein, so dass man bei steigenden Temperaturen schnell mal etwas ausziehen kann, ohne sich gleich wieder bis zur Garderobe durchkämpfen zu müssen. Taschen und sonstiger Klimbim sind im Gedränge vor der Bühne auch unpraktisch. Nach ein paar Mal an- und ausziehen waren wir schließlich zufrieden und verabschiedeten uns von den Katern, die sich sicher darauf freuten, wieder ihre Ruhe zu haben.

Der Weg über die Autobahn nach Hamburg war so unbeschwert, wie lange nicht mehr. Sämtliche Baustellen, die den Verkehr über viele Monate gehemmt hatten, sind verschwunden. Manche Schilder scheinen dort allerdings vergessen worden zu sein, denn warum sonst sollte man auf einer nagelneuen dreispurigen Autobahn nicht schneller als achtzig fahren dürfen? Sei’s drum, wir kamen unbehelligt in der großen Hansestadt an, parkten den blauen Wagen und stiegen in die S-Bahn um, die uns flugs zum Jungfernstieg brachte. Ganz kurz nur wollte mein Freund nämlich in den Apple-Store springen um sich – und auch das nur vielleicht – das iPad-mini zu kaufen. Wir stiegen also die gläsernen Stufen hinauf und sprachen eine muntere Verkäuferin in blauem Shirt an. Sie schickte uns freudestrahlend ins Erdgeschoss zurück und schürte die Hoffnung meines Freundes, dass noch Geräte verfügbar seien. Zurück im Erdgeschoss gelang es nur mit Verzögerung, einen nicht ganz so sympathischen Store-Angestellten zu erwischen. Als der uns mitteilte, dass alle Minis für heute ausverkauft wären, sank er in der Gunst meines Freundes noch ein gutes Stückchen weiter…

Nur kurze Zeit später verließen wir die nächste S-Bahn an der Reeperbahn. Hamburgs sündige Meile erstrahlte angesichts fortschreitender Uhrzeit bereits in diversen Rottönen, während die Trottoirs von unzähligen Menschen auf der Suche nach multiplen Möglichkeiten des abendlichen Entertainments bevölkert waren. Das Docks liegt nur wenige Schritte von der Davidwache und Schmidt’s Theater entfernt und ist im Vergleich mit diesen beiden Etablissements äußerlich eher unscheinbar. Brav reihten wir uns in die Warteschlange ein, die uns zum Glück nicht allzu lange aufhielt. Am Eingang wurden wir scheinbar gründlich abgetastet und sogleich hineingelassen. Da die meisten nach links zu den Örtlichkeiten und der Garderobe abbogen, nutzten wir die Gunst der Stunde, die Location zu unserer Rechten direkt zu betreten, um Stehplätze so weit vorne wie möglich zu ergattern. Als wir in den Saal traten, wurde uns klar, dass „ganz vorne“ sich nicht wesentlich von „ganz hinten“ unterschied. Das Konzert versprach also, eher familiär zu werden. Ganz vorn befand sich natürlich die Bühne, auf der in blauem Licht schon allerlei Instrumentarien standen. Auf der linken Seite fand sich eine hübsche kleine Bar. Die Decke zierte ein farbenfrohes Oberlicht, durch das am spätherbstlichen Abend natürlich kein Licht mehr fiel. Hinter uns, über dem Aus- bzw. Eingang konnten wir die Galerie ausmachen, auf der schon ein paar Konzertbesucher Stellung bezogen hatten, um dem Geschehen von oben beizuwohnen.

Nach einer Stunde, in der Zeit war, den Einlass, die Garderobe und alles Weitere zu regeln, trat die Vorband auf, deren Namen „Zulu Winter“ wir erst viel später erfuhren. Ich fand sie gar nicht schlecht, wenngleich die Sound-Qualität ziemlich übel war. Der Lead-Sänger war mir allerdings ziemlich unsympathisch und wedelte die meiste Zeit affektiert mit seinen Händen herum, sein Bandkollege am zweiten Mikro war da schon eher was für’s Auge (beim Konzert geht es ja schließlich nicht nur um die Ohren). Zulu Winter heizten so in etwa eine halbe Stunde lang ein und legten an die darauffolgende Vorbereitung für KEANE eifrig selbst Hand an. Als alles für die Band aus England vorbereitet war,  konnte die Show also endlich richtig losgehen. Die Temperatur war inzwischen um einige Grad nach oben geklettert.

Zulu Winter – die Vorgruppe

Frontmann Tom Chaplin eröffnete die Show kraftvoll, mit sicherer Stimme und in gleißendem Bühnenlicht. Da wir recht weit vorn standen, befanden wir uns quasi mitten zwischen den Hardcore-Fans, von denen einige anscheinend aus England angereist waren, um ihren Idolen so nah zu sein. Entsprechend euphorisch war die Stimmung. Da ich – wie ich ein wenig beschämt gestehen muss – die Songtexte nicht kannte, blieb den Umstehenden ein lautstarker Gesang meinerseits erspart (was man von meinem Freund nicht behaupten kann). Obwohl ich mich bei KEANE überhaupt nicht auskenne, kamen mir immerhin eine ganze Reihe von Stücken schließlich doch sehr bekannt vor, immerhin gibt es die Band seit 1997. Es dauerte ein wenig, bis mich die Stimmung ergreifen und mitreißen konnte. Einige Leute waren doch sehr seltsam, überaus egoistisch und nicht selten mit ausgefahrenen Ellenbogen unterwegs, um sich noch weiter vorzuwühlen. Eine handvoll Jugendlicher ging dabei besonders rabiat vor, was dazu führte, dass sie während des zweiten Songs von den Sicherheitskräften beherzt herausgezogen und vor die Tür gesetzt wurden. Danach wurde das Gerangel ein wenig entspannter und das Konzert letztlich zu einem echten Vergnügen. Dass selbst die Band Spaß hatte, war den Jungs deutlich anzusehen und am Ende gaben sie unter anhaltendem Applaus drei oder vier Zugaben.

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Mit rauschenden Ohren, glücklich, erschöpft und ziemlich hungrig reihten wir uns wieder einmal in eine lange Schlange ein, um unsere Garderobenmarke gegen zwei Jacken einzutauschen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in einer Burger-Bar ließen wir uns von der S-Bahn wieder zu unserem Auto fahren, das in strömendem Regen in einer Seitenstraße auf uns wartete.