Hin und weg

Der heutige Freitag ist noch kühl und neblig. Die gelben Blätter wärmen jetzt eher die Gehwege als die Bäume, von denen sie tanzend zu Boden fallen. Bei einem Windstoß rieseln sie gleich zu hunderten aus luftiger Höhe langsam abwärts. So steht mancher Baum bereits vollkommen nackt da, während andere sich nur schwer von ihrem Laub trennen mögen. Von unseren Fenstern aus können wir das weiße Haus auf der anderen Straßenseite schon wieder sehen. Herbst ist eigentlich ganz schön.

Gestern habe ich mein Auto winterfest gemacht. Das Licht musste wieder mal repariert werden und die Sommer- wurden gegen die Winterräder getauscht, damit wir morgen Vormittag sicher in unser Urlaubsdomizil an der dänischen Nordsee fahren können. Wir haben uns ein Häuschen gemietet, mit Kamin und Whirlpool und Sauna und großer Küche… Eine Woche abschalten, mitten im Nichts. Das Haus kennen wir schon vom letzten Jahr. Wir waren so hin und weg, dass wir froh waren, es diesmal wieder buchen zu können. Ich habe heute einen freien Tag und werde ihn füllen müssen mit Dingen wie Wohnung putzen, Kater betüteln, Einkaufsliste schreiben, Koffer packen, Winterräder nachziehen lassen und so weiter. Heute Abend bringen wir die beiden Kleinen dann zu Freunden am anderen Ende der Marzipanstadt. Das ist für die Kater auch wie Urlaub, denn im Gegensatz zu dem Dielenfußboden in unserer Bude gibt es dort Teppiche, soweit das Katerauge reicht!

So, jetzt wird schnell gefrühstückt und dann geht’s frisch ans Werk!

Ich sehe schlafende Menschen…

Wenn ich mich morgens auf den Weg ins Büro mache, kommt meistens mein weißes Fahrrad zum Einsatz. Mein Arbeitsweg ist nur etwas über einen Kilometer lang, da lohnt es sich wirklich nicht, mein blaues Auto zu wecken.

Neulich musste ich mein Fahrrad in die Werkstatt bringen, weil es sich an den Marzipan-Radwegen den Vorderreifen aufgerissen hatte. Bei der Gelegenheit konnte ich ihm gleich eine Winter-fit-Kur gönnen und überließ es den zarten Mechanikerhänden bis zum nächsten Tag.

Am nachfolgenden Morgen stieg ich um kurz vor neun Uhr in den Bus, um mich von ihm in die Innenstadt chauffieren zu lassen. Ich hatte noch ein Sechstel meiner Mehrfahrtenkarte übrig, entwertete sie pflichtbewusst und schritt den Gelenkbus in den hinteren Teil ab, wo ich mich auf einen der blauen Sitze setzte. Schräg vor mir auf der anderen Seite saß ein älterer Mann. Er hatte schlafend seinen Kopf gegen die Scheibe gelehnt. Dahinter saß ein blonder Siebzehn- oder Achtzehnjähriger mit weißen Ohrhörern und geschlossenen Augen zusammengesunken in seinem Sitz. Ein Stück weiter hinten ein Mädel, das gleich zwei Sitze beanspruchte, um sich auf dem Weg zur Schule noch ein wenig auszuschlafen. Nur die Rentnerin, die zwei Sitze vor mir saß, wirkte munter und ausgeschlafen und schien sich auf den angebrochenen Tag zu freuen.

Wie kommt es, dass an einem so fortgeschrittenen Morgen so viele schlafende Menschen im Stadtbus sitzen?

Am Abend holte ich mein weißes Fahrrad wieder ab, das den ganzen Tag tapfer auf mich gewartet hatte. Mit funktionierendem Licht, frischen Bremsen und einem prallen Vorderreifen wirkte es munter und ausgeschlafen für den viel zu früh ausgebrochenen Herbst…

Helferlein

Seit „Fukushima“ vor einem halben Jahr zu einem Synonym für „Atomkatastrophe“ wurde, so wie Tschernobyl 25 Jahre zuvor, ist im Energiesektor in Deutschland richtig Bewegung. Das endgültige Aus für die Atomkraft hierzulande ist beschlossen, erneuerbare Energien sind im Aufwind. Das ist auch gut so, und damit einher geht ein Umdenken bei den Energieverbrauchern – wenn auch nicht mehr ganz so rasant wie noch vor wenigen Monaten.

Kürzlich sind gerade die nächsten Glühbirnen aus dem Handel verschwunden. Nach den 100- und den 75-Watt-Birnen im Jahr 2009 bzw. 2010 mussten in diesem Monat auch die 60er in Rente gehen. Im nächsten Jahr wird dann der Schlussstrich unter die über 130 Jahre alte Glühbirnen-Technologie gezogen, die den Großteil ihrer beanspruchten Energie in Wärme, statt in Licht umwandelte.

Seither sind Energiesparlampen hoch im Kurs. Die meisten von ihnen sind sogenannte Kompakt-Leuchtstoff-Lampen. Die klassische Leuchtstoff-Röhre kennt wohl jeder, die Lampe, die nach dem Einschalten zwei-drei Anläufe braucht, bis sie mit einem Pling endlich leuchtet. Klassische Energiesparlampen sind im Grunde nichts anderes, nur dass die Röhre dünner und zusammengefaltet ist, damit sie in eine handelsübliche Leuchte passt und zumindest Ähnlichkeit mit der heißgeliebten Glühbirne hat.

Somit ist doch eigentlich alles gut. Wenn da nicht die Schadstoffe wären, weswegen sich diese Energiesparlampen eben doch nicht so richtig grün mit der Umwelt sind und dem Verbraucher bei der Entsorgung zur Last fallen. Die Alternative dazu sind derzeit LED-Lampen (LED steht übrigens für „licht-emittierende Diode“ oder auf englisch „light-emitting diode“). Natürlich sind auch die nicht ganz unumstritten und stecken für mein Empfinden noch in den Kinderschuhen. Sie werden nicht heiß und nutzen den Strom daher nahezu vollständig für ihren eigentlichen Zweck, das Licht. Dadurch verbrauchen sie extrem wenig Strom, nämlich nur ein Fünftel einer Glühlampe. Und sie halten über viele Jahre, einige zum Beispiel 25 Jahre. Eigentlich super. Wenn da nicht der Preis wäre… Neulich im Baumarkt kaufte ich eine LED-Lampe für eine klassische E27-Fassung. Eine einzige Wattgröße war erhältlich: 1,6 Watt.

LED „Parathom CL P 15“ von OSRAM
E27, Warm White, 1,6 W

Lacarian – völlig ahnungslos, wie man 1,6-LED-Watt in glühbirnisch übersetzt – greift zu und löhnt 15 Euro. Zu Hause schraubt er sie in die Leuchte über dem Esstisch, drückt auf den Lichtschalter und… ist enttäuscht. Zum Vergleich tauscht er sie gegen eine 20-Watt-Kompaktleuchtstofflampe aus – und die Sonne geht auf!

Hinterher ist man immer schlauer, mit 1,6-LED-Watt kommt man im Glühbirnenbereich auf gerade mal 8-10 Watt. Schade, dass diese Info im Baumarkt nicht zu bekommen war…

Die blaue Orchidee

Ich mag Baumärkte! Sie duften nach Holz, regen die Phantasie an, man kann einfach einen Blumentopf kaufen oder ein ganzes Haus bauen.

Mein Freund und ich waren eigentlich wegen etwas anderem im Baumarkt, nämlich einer LED-Lampe, die wir in die neue Leuchte über unserem neuen Esstisch schrauben wollten. LED ist die sparsamste Beleuchtungsmöglichkeit, ohne spürbare Wärmeentwicklung und ohne giftige Leuchtstoffe. Dummerweise hatten wir keine Ahnung, wie viel Watt so eine Lampe haben muss, damit sie genügend Licht abgibt. Die Auswahl im Baumarkt war überraschend einseitig, es gab tatsächlich nur eine einzige Größe: 1,6 Watt. Wir konnten die Lampe testen, in einer kleinen weißen Box. Hm. Machte eigentlich einen ganz guten Eindruck. Wir überlegten noch ein wenig, bevor wir die 15 Euro teure Lampe einpackten.

Gleich um die Ecke ist die Deko- und Pflanzenabteilung. Als kreativer Kopf mit mehr oder weniger grünem Daumen gehört sie zu meinen Lieblingsecken in jedem Baumarkt. Hier hat längst der Herbst Einzug gehalten. Überall stehen Keramikkürbisse, umrankt von künstlichen Ahornblättern und orange-roten Fensterbildern, als plötzlich ein paar Meter weiter eine blaue Orchidee meine Aufmerksamkeit erregt. Ich stelle den schwarzen Metall-Raben mit der kleinen Harke wieder ins Regal und bestaune die Farbenpracht dieses sonderbaren Gewächses. Ich suche das schönste Exemplar heraus und denke mir, dass neun Euro für eine so schöne Pflanze sicher nicht zu viel verlangt sind. Ich suche noch einen schlichten Übertopf aus und dann schlendern wir langsam durch den breiten Mittelgang zu den Kassen, vorbei an Teppichen und Tapeten, an Pinsel und Farben, Badewannen und Bohrmaschinen. Als wir nach einer Weile an der Reihe waren, strahlte die Kassiererin uns an und bewunderte die Schönheit unserer ausgesuchten Orchidee. Die Kundin neben uns, eine ältere Dame, schüttelte den Kopf und meinte, ihr sei die Orchidee zu künstlich. Ich lächelte höflich und dachte: „Was soll das denn heißen?! Die Pflanze ist echt!“ Dann nahm ich die gut gebaute, strahlend blaue Orchidee aus dem Übertopf, um das Preisschild scannen zu lassen und stutzte… Wieso steht denn da 24,99 Euro auf dem Preisschild?? Ich fragte die immer noch strahlende Kassiererin, ob da nicht vielleicht ein falsches Preisschild auf den Blumentopf geraten sei, denn das große Schild an dem Tisch, von dem ich die Pflanze genommen hatte, pries die Orchideen für neun Euro an. Lächelnd erklärte sie mir, dass die 8,99 Euro für die kleineren Orchideen gelten, die ebenfalls auf dem Tisch stehen. Unschlüssig betrachtete ich das Gewächs, entschied mich letztlich aber doch dazu, sie mitzunehmen, immerhin ist sie wirklich ziemlich üppig und noch dazu so wunderschön blau – wann sieht man schon mal so schön blaue Orchideen?!

Zu Hause angekommen erhielt das kostbare Stück einen ausgewählten Platz auf einer Fensterbank im Arbeitszimmer, wo wir uns die meiste Zeit aufhalten. Ich studierte die knappe Pflegeanleitung und recherchierte dann auch noch im Internet, um ihr die bestmögliche Pflege zuteil werden zu lassen. Ich fand es anfangs etwas seltsam, dass es hier nirgends blaue Orchideen gab. Scheint also eine wirklich seltene Art zu sein.

Die blaue Orchidee

Wenige Tage später, Engelchen und ich saßen an unseren Rechnern, sprang unser weißer Kater auf das Fensterbrett, um sich die Orchidee mal aus der Nähe anzusehen. Die Blüten interessierten ihn dabei nicht so richtig, er steckte seine Nase lieber in den Blumentopf. Als er sie wieder herausnahm, war die Nase blau. Wie geht das? Ich versuchte, den vermeintlichen Blütenstaub von der Katernase zu wischen, aber das ging nicht. Also schaute ich mir den Inhalt des Blumentopfes einmal näher an und entdeckte blauen Farbstoff, der die oberen Wurzeln bedeckte. Diese edle, königsblaue Orchidee ist eine Fälschung! Die Kundin im Baumarkt hatte recht! Ich fühlte mich betrogen und außerdem töricht. Da die arme Pflanze mit den eigentlich schneeweißen Blüten nichts dafür kann, blieb sie auf dem Ehrenplatz stehen. Der Baumarkt hingegen hat seinen Reiz für mich erst einmal verloren.

Welche Erfahrungen ich derweil mit meiner ersten LED-Lampe machte, erzähle ich in einem neuen Post.

Deutsche Un-Rechtsprechung

Es ist schockierend, wie Verbrecher in Deutschland für ihre Taten auch noch belohnt werden – und das im angeblichen Namen des Volkes. So geschehen jüngst in einer ehelichen Auseinandersetzung vor einer Familienrichterin. Er ist Soldat, riskiert in Afghanistan sein Leben, das viele Geld geht auf das gemeinsame Konto. Sie, keine Schulausbildung, kein Job, Mutter, damit sie nicht arbeiten muss. Als er zurückkehrt, im Gepäck große Pläne mit dem Geld, ist davon nichts mehr übrig. Und die Frau macht sich samt Kindern ebenfalls aus dem Staub. An der Angel schon den nächsten finanzstarken Burschen.

Der Soldat meldet sich für einen weiteren Einsatz im Kriegsgebiet – er braucht Geld. Nach fast einem Dreivierteljahr kehrt er zurück nach Deutschland, wo ihn die Familienrichterin dazu verdonnert, Frau und Kindern Unterhalt von mehr als zehntausend Euro nachzuzahlen, für die gemeinsamen Schulden allein aufzukommen und monatlich sechshundert Euro von seinem Gehalt abzugeben. Die Frau lacht sich ins Fäustchen – sie ist mit allem durchgekommen, der Soldat ruiniert, steht vor der Privatinsolvenz. Die Träume sind dahin, die Zukunft besteht aus Zahlungen an eine Betrügerin.

Solche Geschichten hört man immer wieder, schon seit vielen Jahren. Ist hier nicht mal eine Änderung des Systems fällig? Bei solchen Familienstreitigkeiten sollte es immer einen Richter und eine Richterin geben, denn die Frau kann noch so kaputt sein, das Geld noch so offensichtlich verschleudert (bzw. auf ihre Hartz-IV-Eltern und -Geschwister aufgeteilt) haben, die Kinder vernachlässigen und was sonst noch an (offensichtlichem) Unrecht auf sich laden, bei einer Richterin hat der Mann in der Regel keine Chance. Ist Gleichbehandlung nicht ein Grundrecht?

Ich bin erschüttert.

Einen hab ich noch: Sagt der gegnerische Anwalt zum Soldaten: „Sie haben sich doch im letzten halben Jahr (in Afghanistan) ein lauschiges Leben gemacht.“ – Da fehlen mir die Worte.

Der Geburtstagsausflug

Heute hat mein Liebster Geburtstag, und einem Herzenswunsch folgend haben wir heute einen Ausflug gemacht. Ziel war ein See hoch im Norden, quasi direkt unter der dänischen Grenze. In diesem See liegt ein weißes Schloss, das wiederum ein Museum beherbergt.

Von der Marzipanstadt aus sind es nicht ganz zwei Stunden Fahrzeit, die wir gegen Mittag antraten. Flugs ließen wir Autobahnen und Landstraßen hinter uns und stellten mein montebelloblaues Auto auf dem Schlossparkplatz ab. Wir überquerten das Gewässer über eine schmale steinerne Brücke, betraten den Innenhof der ehemaligen Stallungen und lösten unsere Tickets im schlosseigenen Shop. Im Schloss selbst darf man leider nicht fotografieren, dabei hätte sich die eine oder andere Ausstellung des früheren Lebens in diesen mittelalterlichen Gemäuern gut in meinem Blog gemacht.

Auf drei Etagen lernt der Besucher den deutsch-dänischen Adel kennen und bekommt einen kleinen Eindruck von dessen Leben. Von Waffenkammern, Speisesälen, Kinderzimmern bis hin zum Gefängnis nebst Folterkammer war hier einiges zu sehen. Um den Dielenfußboden in der großzügigen zweiten Etage zu schonen, bekommt jeder Besucher ein paar Filz-Überschuhe, mit denen man über den glatten Boden gleitet, neugierige Blicke in jeden Raum werfend, zu denen man Zutritt hat.

Knapp zwei Stunden haben wir uns im Schloss aufgehalten – länger als ursprünglich gedacht. Das war aber auch gut so, denn immerhin hatten wir auch noch knapp zwei Stunden Rückfahrt vor uns…

Würde ich nicht mit einer nervigen Husten-Schnupfen-Erkältung die Strapazen des Tages ausbrüten, würde ich meinen Engel jetzt zum Essen ausführen, aber das muss leider noch ein-zwei Tage warten.

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Hard Rock City

Der heutige Sommertag könnte vielleicht fast der letzte gewesen sein, wenn man manchen Meteorologen Glauben schenken mag. Aus diesem Grund ließ ich mich heute früh widerstandslos von Sonnenstrahlen aus dem Bett kitzeln. Nicht lange nach Cappuccino und Marmeladenbrot brachen mein Freund und ich auf, um der HafenCity in Hamburg einen Sommerbesuch abzustatten. Wenigstens alle paar Monate sind wir dort zu Gast, um die mehr oder weniger voranschreitenden Fortschritte der Elbphilharmonie, der U-Bahnlinie 4 und dem Bauland hinter dem Überseequartier zu begutachten. So richtig schnell geht das – zumindest für mein laienhaftes Auge – nicht mehr voran. Nachdem der vordere Teil ja bereits fertiggestellt ist und die jungen Bäume für das erste Grün sorgen, passiert weiter hinten erstmal nicht sehr viel.

Nachdem wir eine ganze Weile durch experimentelle Architektur gelaufen sind, machten wir uns allmählich auf den Rückweg. Dabei statteten wir dem brandneuen Hard Rock Café an den Landungsbrücken noch einen kurzen Besuch ab. Da wir ja mit dem Auto unterwegs waren, besuchten wir allerdings lediglich den Shop, um unsere T-Shirt-Sammlung zu ergänzen. Inzwischen haben wir eines aus Kopenhagen, aus Berlin, Amsterdam und jetzt aus Hamburg. Das ist doch schon eine kleine Sammlung.

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Der paddelige Donnerstag

Die ganze letzte Woche war ziemlich nass, womit sie sich in die Regenzeit einreiht, zu der dieser Sommer verkommen ist. Meine wichtigste Investition bestand damit auch in einem neuen Regenoutfit, das mich vor dem Regen schützen und gleichzeitig atmungsaktiv sein sollte, damit ich sowohl außen als auch innen trocken bleibe. Am vergangenen Donnerstag hat sich diese Investition auch gleich gelohnt, denn mit den Kolleginnen und Kollegen aus meinem Büro wagte ich mich trotz des Wetters auf den Fluss, der die Halbinsel umzingelt, auf der die Marzipanstadt vor Hunderten von Jahren gegründet wurde.

Am Nachmittag trafen wir uns also mit einem regionalen Kanuverleiher, der uns eine Kurzeinweisung ins Schippern und Paddeln gab. Zur Sicherheit durften wir alle knallorangene Schwimmwesten überziehen, bevor wir die beiden Boote zu Wasser ließen und die etwas wackelige Angelegenheit bestiegen. Auf Kommando stießen wir die Paddel auf Backbord und Steuerbord ins Wasser und setzten uns und das Kanu in Bewegung. Nach wenigen hundert Metern fing das ganze an, in Arbeit auszuarten und ganz schön anstrengend zu werden. Unser Bootsführer war offensichtlich ein kluger Mann und legte regelmäßige Pausen ein, die er nutzte, um uns mit Details zur Umgebung und seiner Geschichte zu füttern. Ich bin für solche Stadtgeschichten immer zu haben und sog die Informationen gierig auf, um sie meinen eigenen Kenntnissen über die Marzipanstadt hinzuzufügen. Nach und nach paddelten wir interessante Ecken an und hatten einen ungewohnten Blick auf die Ufer unserer Stadt, betrachteten die bekannten Brücken von ihrer Unterseite und lieferten uns ein Wettrennen mit ein paar Enten. Der Regen war die meiste Zeit gnädig, wenngleich er uns, die wir bestens für diesen Sommer ausgerüstet waren, ohnehin nichts anhaben konnten. Auf der Hälfte unserer Rundreise verließen wir die Kanus, um der Stadt ein paar Hinterhof-Geheimnisse zu entlocken. Immer noch mit Schwimmwesten bewehrt stiefelten wir durch enge Gänge, die uns hinter die Außenfassaden der uralten Häuser brachten. Die berühmten Ganghäuser, von denen immer noch einhundert existieren, verbergen eine Mikroidylle inmitten des Innenstadttrubels, die mich als mittlerweile Einheimischen kurzzeitig wie einen Touristen fühlen ließ.

Am Ende unserer achteinhalb Kilometer langen Tour wussten meine Arme, was sie in den letzten zwei Stunden geleistet hatten. Gemeinsam hievten wir die Boote wieder aus dem Wasser, verabschiedeten unseren Bootsführer und konnte es kaum erwarten, uns an den reservierten Tisch beim Italiener zu setzen, wo wir zwei weitere Stunden mit Schlemmen und Plaudern verbrachten, während draußen der Himmel seine Schleusen öffnete, als hätte er all das Wasser zurückhalten müssen, bis wir sicher um Trockenen angelangt waren.

Trau Dich. Zeig Dich. Out ist in.

Sonnenstrahlen spielten mit den Schatten der Holzjalousie an der Schlafzimmerwand und weckten mich am Samstagmorgen. Sonnenstrahlen waren ein gutes Zeichen für den heutigen CSD in Hamburg. Bei der unsicheren Wetterlage waren wir uns bis gestern nicht sicher, ob wir uns in das bunte Treiben stürzen würden oder nicht. Mit ein wenig Starthilfe von meinem Engel ließ ich mich noch ziemlich verpennt von frischem Toast aus den Federn locken, der aus dem Nebenraum bis ins Schlafzimmer duftete. Ein kurzer Anruf bei unseren Freunden in Hamburg bestätigte uns, dass auch dort die Sonne alles fest im Griff hatte. Um elf Uhr machten wir uns also in meinem blauen Wagen auf den Weg über die Autobahn, wo wir dann gleich eine halbe Stunde im Stau standen.

Wie immer begann die bunte Parade in der Langen Reihe im Hamburger Stadtteil Sankt Georg. Der Zug bewegte sich bereits, als wir eintrafen und die Sonne hatte das Zepter zwischenzeitlich an dicke Wolken abgegeben, die sich auch gleich mächtig ins Zeug legten, um uns die Parade zu verregnen. Wir packten also unsere bunten Knirpse aus und betrachteten die vielen bunt geschmückten Lastwagen, die an uns vorüberfuhren. Wegen des Regens waren viele der Jungs, die ganz obenauf mitfuhren, dummerweise ganz schön angezogen. Als alle Wagen vorbei waren, drängelte sich die Sonne wieder durch die Wolken, also drängelten wir mit und reihten uns ein, die nassen Knirpse tief in die Tasche abgeschoben.

Hunderttausend Menschen waren auf der Straße und folgten der Musik. Die Botschaft dieses CSD unter dem Motto „Trau Dich. Zeig Dich. Out ist in.“ war deutlich zu sehen: Du bist nicht allein.

Nach der Parade trafen wir uns mit meiner besten Freundin auf Kaffee und Eis, das tat nach dem Fußmarsch richtig gut. Danach fuhren wir auch bald wieder über die Autobahn in den nächsten Stau und dann nach Hause. Sonne und Regen waren sich ausnahmsweise einig und malten einträchtig einen doppelten Regenbogen an den Himmel.

Potters End

Lang hatten wirs geplant, heute endlich war es so weit: Wir haben den letzten Potter-Film im Kino gesehen! Zweimal. Erst gestern haben wir uns die erste Hälfte des letzten Teils zu Hause angesehen, um die Erinnerungen aufzufrischen und uns schonmal in die richtige Stimmung zu versetzen. Ganz schön düster!

Mit der heutigen Nachmittagsvorstellung in der benachbarten Marmeladenstadt begannen wir das letzte Abenteuer des inzwischen nicht mehr ganz so jungen Zauberlehrlings in drei Dimensionen. So richtig gut besucht war das Kino nicht, auch wenn die Schlangen am Snackstand unglaublich lang waren. Der Film lief am Nachmittag ohne Pause und am Ende war ich ganz schön beeindruckt. 3D hat sich allerdings überhaupt nicht gelohnt (das war wieder mal so ein „Aquarium-3D“, bei dem sich der Effekt nach hinten ausdehnt, wie in einem Aquarium). Weil auch der letzte Teil unglaublich düster ist, kamen die 3D-Effekte nicht so richtig rüber. Wenngleich ich das Buch bereits vor einigen Jahren gelesen habe und ich sowas immer sehr schnell vergesse, habe ich vieles wiedererkannt. Markante Szenen („Nicht meine Tochter, du Schlampe!!“ – Molly Weasley zu Bellatrix LeStrange) sind mir dann doch im sonst so löchrigen Gedächtnis geblieben.

Wir waren gerade erst zu Hause, als wir uns im Handumdrehen darauf einigten, den Film am Abend gleich nochmal anzusehen, diesmal in den gewohnten zwei Dimensionen und nicht in der Marmeladen- sondern daheim in der Marzipanstadt. Geplant, getan! Schon saßen wir wieder im Kinositz, ausgerüstet mit Cola und Brezeln. Auch nach dem zweiten Mal (diesmal inklusive Pause) hat mir der Film außerordentlich gut gefallen.

Übrigens: Das erste Mal erwähnte ich den Zauberlehrling in einem meiner frühesten Blogposts vor über sechs Jahren…