Hard Rock City

Der heutige Sommertag könnte vielleicht fast der letzte gewesen sein, wenn man manchen Meteorologen Glauben schenken mag. Aus diesem Grund ließ ich mich heute früh widerstandslos von Sonnenstrahlen aus dem Bett kitzeln. Nicht lange nach Cappuccino und Marmeladenbrot brachen mein Freund und ich auf, um der HafenCity in Hamburg einen Sommerbesuch abzustatten. Wenigstens alle paar Monate sind wir dort zu Gast, um die mehr oder weniger voranschreitenden Fortschritte der Elbphilharmonie, der U-Bahnlinie 4 und dem Bauland hinter dem Überseequartier zu begutachten. So richtig schnell geht das – zumindest für mein laienhaftes Auge – nicht mehr voran. Nachdem der vordere Teil ja bereits fertiggestellt ist und die jungen Bäume für das erste Grün sorgen, passiert weiter hinten erstmal nicht sehr viel.

Nachdem wir eine ganze Weile durch experimentelle Architektur gelaufen sind, machten wir uns allmählich auf den Rückweg. Dabei statteten wir dem brandneuen Hard Rock Café an den Landungsbrücken noch einen kurzen Besuch ab. Da wir ja mit dem Auto unterwegs waren, besuchten wir allerdings lediglich den Shop, um unsere T-Shirt-Sammlung zu ergänzen. Inzwischen haben wir eines aus Kopenhagen, aus Berlin, Amsterdam und jetzt aus Hamburg. Das ist doch schon eine kleine Sammlung.

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Der paddelige Donnerstag

Die ganze letzte Woche war ziemlich nass, womit sie sich in die Regenzeit einreiht, zu der dieser Sommer verkommen ist. Meine wichtigste Investition bestand damit auch in einem neuen Regenoutfit, das mich vor dem Regen schützen und gleichzeitig atmungsaktiv sein sollte, damit ich sowohl außen als auch innen trocken bleibe. Am vergangenen Donnerstag hat sich diese Investition auch gleich gelohnt, denn mit den Kolleginnen und Kollegen aus meinem Büro wagte ich mich trotz des Wetters auf den Fluss, der die Halbinsel umzingelt, auf der die Marzipanstadt vor Hunderten von Jahren gegründet wurde.

Am Nachmittag trafen wir uns also mit einem regionalen Kanuverleiher, der uns eine Kurzeinweisung ins Schippern und Paddeln gab. Zur Sicherheit durften wir alle knallorangene Schwimmwesten überziehen, bevor wir die beiden Boote zu Wasser ließen und die etwas wackelige Angelegenheit bestiegen. Auf Kommando stießen wir die Paddel auf Backbord und Steuerbord ins Wasser und setzten uns und das Kanu in Bewegung. Nach wenigen hundert Metern fing das ganze an, in Arbeit auszuarten und ganz schön anstrengend zu werden. Unser Bootsführer war offensichtlich ein kluger Mann und legte regelmäßige Pausen ein, die er nutzte, um uns mit Details zur Umgebung und seiner Geschichte zu füttern. Ich bin für solche Stadtgeschichten immer zu haben und sog die Informationen gierig auf, um sie meinen eigenen Kenntnissen über die Marzipanstadt hinzuzufügen. Nach und nach paddelten wir interessante Ecken an und hatten einen ungewohnten Blick auf die Ufer unserer Stadt, betrachteten die bekannten Brücken von ihrer Unterseite und lieferten uns ein Wettrennen mit ein paar Enten. Der Regen war die meiste Zeit gnädig, wenngleich er uns, die wir bestens für diesen Sommer ausgerüstet waren, ohnehin nichts anhaben konnten. Auf der Hälfte unserer Rundreise verließen wir die Kanus, um der Stadt ein paar Hinterhof-Geheimnisse zu entlocken. Immer noch mit Schwimmwesten bewehrt stiefelten wir durch enge Gänge, die uns hinter die Außenfassaden der uralten Häuser brachten. Die berühmten Ganghäuser, von denen immer noch einhundert existieren, verbergen eine Mikroidylle inmitten des Innenstadttrubels, die mich als mittlerweile Einheimischen kurzzeitig wie einen Touristen fühlen ließ.

Am Ende unserer achteinhalb Kilometer langen Tour wussten meine Arme, was sie in den letzten zwei Stunden geleistet hatten. Gemeinsam hievten wir die Boote wieder aus dem Wasser, verabschiedeten unseren Bootsführer und konnte es kaum erwarten, uns an den reservierten Tisch beim Italiener zu setzen, wo wir zwei weitere Stunden mit Schlemmen und Plaudern verbrachten, während draußen der Himmel seine Schleusen öffnete, als hätte er all das Wasser zurückhalten müssen, bis wir sicher um Trockenen angelangt waren.

Trau Dich. Zeig Dich. Out ist in.

Sonnenstrahlen spielten mit den Schatten der Holzjalousie an der Schlafzimmerwand und weckten mich am Samstagmorgen. Sonnenstrahlen waren ein gutes Zeichen für den heutigen CSD in Hamburg. Bei der unsicheren Wetterlage waren wir uns bis gestern nicht sicher, ob wir uns in das bunte Treiben stürzen würden oder nicht. Mit ein wenig Starthilfe von meinem Engel ließ ich mich noch ziemlich verpennt von frischem Toast aus den Federn locken, der aus dem Nebenraum bis ins Schlafzimmer duftete. Ein kurzer Anruf bei unseren Freunden in Hamburg bestätigte uns, dass auch dort die Sonne alles fest im Griff hatte. Um elf Uhr machten wir uns also in meinem blauen Wagen auf den Weg über die Autobahn, wo wir dann gleich eine halbe Stunde im Stau standen.

Wie immer begann die bunte Parade in der Langen Reihe im Hamburger Stadtteil Sankt Georg. Der Zug bewegte sich bereits, als wir eintrafen und die Sonne hatte das Zepter zwischenzeitlich an dicke Wolken abgegeben, die sich auch gleich mächtig ins Zeug legten, um uns die Parade zu verregnen. Wir packten also unsere bunten Knirpse aus und betrachteten die vielen bunt geschmückten Lastwagen, die an uns vorüberfuhren. Wegen des Regens waren viele der Jungs, die ganz obenauf mitfuhren, dummerweise ganz schön angezogen. Als alle Wagen vorbei waren, drängelte sich die Sonne wieder durch die Wolken, also drängelten wir mit und reihten uns ein, die nassen Knirpse tief in die Tasche abgeschoben.

Hunderttausend Menschen waren auf der Straße und folgten der Musik. Die Botschaft dieses CSD unter dem Motto „Trau Dich. Zeig Dich. Out ist in.“ war deutlich zu sehen: Du bist nicht allein.

Nach der Parade trafen wir uns mit meiner besten Freundin auf Kaffee und Eis, das tat nach dem Fußmarsch richtig gut. Danach fuhren wir auch bald wieder über die Autobahn in den nächsten Stau und dann nach Hause. Sonne und Regen waren sich ausnahmsweise einig und malten einträchtig einen doppelten Regenbogen an den Himmel.