Halbe Kraft voraus

Die Sonne ist an diesem Ostersonntagabend längst schlafen gegangen. Das hat sie sich verdient, denn seit Tagen schon verwöhnt sie uns mit bestem Wetter, das für lange Staus auf dem Weg zum Strand sorgt. Ist uns egal, denn wir sind eher Stadt- als Strandmenschen und fahren meistens eher nach Hamburg, wenn das Wetter schön ist.

So geschehen auch am letzten Wochenende, als mein Freund und ich die Autobahn entlangfuhren, die armen Menschen auf der Gegenfahrbahn bedauernd, die in einem kilometerlangen Stau standen. Unser Ziel war die Park- und Gartenanlage „Planten un Blomen“. Im Frühjahr ist es dort ganz besonders schön, wenn die Bäume und Sträucher zartes Grün ausbilden und die roten, weißen und gelben Frühlingsblumen um die Gunst der Sonne buhlen, während Menschen jeder Kuleur und jeden Alters gleichermaßen in die Schönheit der Natur eintauchen.

Nachdem ich mir eine Woche zuvor von der Schönheit meiner inneren Natur ein Ultraschallbild machen konnte, durfte ich am Mittwoch erneut beim Kardiologen vorsprechen. Für den Tag stand nicht nur ein Belastungs-EKG sondern auch die Abschlussbesprechung meiner intensiven Herzuntersuchung auf dem Programm.

Mit dem Belastungstest ging es los. Schon wieder durfte ich meinen Oberkörper entblößen, damit er mit zahlreichen Dioden geschmückt werden konnte. Dann nahm ich auf dem schwarzen Sattel eines Fahrrades Platz. So richtig fahren kann man damit ja nicht, aber es hat einen Bordcomputer und Steckplätze für die Dioden, die an mir klebten. Nachdem die Sprechstundenhilfe das Gerät auf meine Maße eingestellt hatte, durfte ich losradeln. Ich kenne das ja schon aus dem Fitnessstudio, aber anders als beim Sport darf ich hier nur gemächlich strampeln. Hmm. So richtig belastend ist das nicht, bei 45 Watt. Ein paar Minuten, dann wird der Widerstand etwas größer, aber eine Herausforderung ist das nicht gerade. Halbe Kraft, sozusagen. Der zweite Durchgang wird sogar noch ein wenig leichter, da darf ich nur noch 32 Watt auf die Uhr radeln. Und währenddessen misst das Gerät ständig meinen Blutdruck und meinen Puls und keine Ahnung was sonst noch. Zu guter Letzt darf ich langsam ausradeln, also quasi ohne Widerstand. Es ist schwer, soooo langsam zu fahren, dass da nur noch 20 Watt auf der Uhr stehen. Dann war ich fertig, bin nicht mal ins Schwitzen geraten. Die Dioden wurden wieder abgenippelt und ich konnte mich wieder anziehen.

Um es kurz zu machen: Das Abschlussgespräch mit dem Arzt war recht erbaulich. Mit meinem Herzen war er sehr zufrieden, alles ist da, wo es sein soll. In Ruhe und unter Belastung arbeitet es wie ein Uhrwerk, die Töne sind harmonisch und die Anatomie ist ansprechend. Herzlichen Glückwunsch, von hier kommt der Schwindel nicht.

Das musste gefeiert werden – wie gut, dass wir uns für Freitag und Samstag beste Freunde eingeladen hatten. Zum Angrillen musste ich vormittags noch los und Tankstellen nach Grillkohle und einem Grill abklappern. Die Kohle habe ich bekommen, aber für den Grill musste ich dann doch den Keller freiräumen und habe das gute Stück tatsächlich finden können. Und so verbrachten wir einen Abend unter Freunden bei Essen und „Band Hero“ (ich habe eine ungekannte Leidenschaft fürs Schlagzeug entdeckt und musste einsehen, dass mein Freund recht hatte: Ich kann überhaupt nicht singen…).

So ein Schwindel

Abseits aller politischer, wirtschaftlicher oder sonstiger April-Schwindeleien hat mich mal wieder ein ganz handfester Schwindel erwischt: Der Drehschwindel. Bereits zum dritten Mal innerhalb von sechs Wochen wachte ich in der vergangenen Donnerstagnacht gegen zwei Uhr auf, weil sich die Welt um mich herum zu schnell drehte. Ich wagte es kaum, mich in der Dunkelheit zu bewegen, aus Angst, ich könnte polternd aus dem Bett fallen. Wie „üblich“ hielt das Gefühl über den Morgen hinaus den ganzen Tag an. Anders als sonst aber verschwand das Gefühl diesmal aber nicht am nächsten Tag.

Am Freitag machte ich mich also brav und fast freiwillig auf zum Arzt. Ich wurde von Frau Doktor sowieso untersucht, die mal hier und mal dort drückte, meinen Kopf nach links und rechts drehte, mein Herz und meinen Blutdruck prüfte und letztlich nichts wirklich genaues feststellen konnte. Ich verließ die Arztpraxis nach einer guten halben Stunde mit einer Überweisung zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der mein Gleichgewichtsorgan prüfen soll, und einer Überweisung zum Kardiologen, bei dem ich ein Langzeit- und ein Belastungs-EKG machen darf und ein Echokardiogramm erstellt wird. Das ist im Moment ein wenig wie im Trüben fischen, in der Hoffnung (und Sorge), dass die Ärzte irgendwas feststellen, was man dann behandeln kann. Hauptsache, die Schwindelanfälle hören auf, davon kann einem nämlich auf Dauer so richtig schlecht werden…

Die Reise ins Ich

An meinen letzten Eintrag anknüpfend kann ich heute berichten, dass mir die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin in der Marzipan-Innenstadt gesunde Ohren und ein unempfindliches Gleichgewicht bescheinigt hat. Die Tests und Untersuchungen dauerten zwei Stunden, in denen ich gelagert, durchgepustet und angepiepst wurde. „Alles in Ordnung,“ sagte die Ärztin zu mir, „das ist doch eine gute Nachricht.“ Natürlich hat sie recht, und trotzdem wäre es mir lieber gewesen, sie hätte etwas gefunden, irgendeine Kleinigkeit, die man schnell und einfach beheben könnte. Stattdessen sind meine Schwindelanfälle immer noch ungeklärt.

Am Donnerstag und Freitag durfte ich daher wie geplant beim Kardiologen vorsprechen, der mein Herz auf mögliche Schäden (wie zum Beispiel verformte Herzklappen) untersuchte. Am Donnerstag bekam ich nach einer kurzen Grunduntersuchung ein mobiles EKG-Gerät, dessen fünf Elektroden mir an den Oberkörper geklebt wurden. Fünf Kabel wurden an mir befestigt, die in das Messgerät führten, das mir mit einem schmalen Gurt umgehängt wurde. So verkabelt und verklebt sollte ich nun bis Freitagmittag bleiben. Die Nacht war dementsprechend unruhig, weil die Apparatur ständig im Weg war. Als ich das nächste Mal aufwachte, hatte ich einen mörderischen Krampf in der rechten Wade, der mehrere Minuten anhielt und meinen Puls vor Schmerzen ziemlich in die Höhe trieb. Diesen Wadenkrampf spüre ich immer noch. Ich habe dann versucht, mich nicht ganz so verkrampft hinzulegen und bin wieder eingeschlafen.

Der Freitag zeichnete sich durch einen kurzen Arbeitstag aus, denn schon am Mittag war ich wieder beim Kardiologen. Endlich sollten die blöden Kabel wieder abgenommen werden. Die gesammelten Daten werden in den nächsten Tagen ausgewertet. Gleich darauf sah ich beeindruckende Live-Bilder vom Inneren meines eigenen Herzens. Mit einem Ultraschallgerät untersuchte der Doc jeden Quadratmillimeter meiner Pumpe, und ich konnte alles mit ansehen. Die Prozedur war unheimlich anstrengend, weil man dafür auf der Seite liegen und den Oberkörper verdrehen muss und sich nicht bewegen darf, während der Arzt über einen gebeugt mit dem Ultraschallkopf auf der Brust herumfährt. Zwischendurch musste ich die Luft anhalten, weil ich mich gar nicht mehr bewegen durfte. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, wird die Luft schon ganz schön knapp und ich war anschließend ordentlich am japsen. Als das Echokardiogramm nach einer Viertelstunde (die sich wie eine halbe Stunde angefühlt hat) beendet war, war der Arzt mit dem Ergebnis zufrieden. Alles in Ordnung, keine Löcher, keine Verformungen, alles läuft rund.

Jetzt darf ich am nächsten Mittwoch wieder erscheinen, um mein Herz unter Belastung zu testen und das Ergebnis des Langzeit-EKG zu besprechen.

Ich habe ja 2005 schonmal ein EKG gemacht, das war aber viel, viel oberflächlicher. Am Mittwoch weiß ich dann also, ob mit meinem Herzen wirklich alles in Ordnung ist. Dann muss ich vermutlich weiter nach der Ursache für den Schwindel suchen. Die HNO-Ärztin fragte vor wenigen Tagen: „Ist schonmal eine Aufnahme von Ihrem Kopf gemacht worden…?“