Jahresrückblick

Ein Jahr geht zur Neige, und während ich noch das Bett hüte, um meine Jahresendgrippe zu kurieren, wird es wieder Zeit für meinen ganz persönlichen Jahresrückblick.

2010 begann im Januar und gleichzeitig in Eis und Schnee. Zum letzten Jahreswechsel hatte uns der Winter fest im Griff. Niemand ahnte zu der Zeit, dass das noch für viele Wochen so bleiben sollte, weshalb wir die ersten Sonnenstrahlen nutzten, um auf Fotosafari zu gehen.

In meinem Geburtsmonat Februar suchte mich dann die erste Erkältung heim. Das war bei dem Winter aber auch nicht allzu seltsam. Zum Glück war ich zu meinem Geburtstag wieder fit. Im selben Monat begann für uns die Kinosaison. Mit „Oben“ und „Avatar“ liefen gleich zwei Blockbuster, die wir zum Glück nicht versäumt haben.

Im März ging es nahtlos weiter – mit dem Winter und dem Kinoprogramm. „Alice im Wunderland“ in einer Verfilmung von Tim Burton konnte uns allerdings nicht vom Kinositz reißen. Nur eine Woche später begann das Tauwetter, und bevor es zu spät war, ging ich in Hamburg mit Freunden eislaufen. Das hatte ich schon ein paar Jahre nicht mehr getan und brauchte ein paar Runden, bis ich wieder einigermaßen standfest auf den Schlittschuhen war. Tja und dann wurde es plötzlich Frühling. Das Tauwetter hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und den Schnee fast restlos dahin schmelzen lassen. Wie auf Kommando explodierten im Stadtpark die Krokusblüten und tauchten den monatelang winterweißen Ort in ein wahres Farbenmeer. Ende des Monats wurde das Nesthäkchen von meinen Geschwistern volljährig (inzwischen sind wir alle aus dem Haus und meine Eltern haben sich einen Hund zugelegt). Und dann zog es uns nochmals ins Kino. „Drachenzähmen leicht gemacht“ ist ein blöder Titel für einen richtig tollen Animationsfilm.

Nachdem der Winter das Land also endlich freigegeben hatte, nutzten wir im April die Kamera zu einem Ausflug nach Hamburg. Als HafenCity-Fan war ich auf den Fortschritt der Bauarbeiten gespannt. Zu der Zeit erfuhr ich erstmals davon, dass Hamburg eine neue Straßenbahn erhalten sollte. Leider wurde das Projekt aus Kostengründen inzwischen eingestellt, nachdem Ole von Beust sein Amt als Oberbürgermeister der Hansestadt in diesem Jahr vorzeitig zur Verfügung gestellt hat. Ebenfalls im April erfüllte ich mir den lange gehegten Wunsch einer Modelleisenbahn. Zu Beginn hatten die Kater am Zuschauen wohl mindestens ebenso viel Freude wie ich. Mit der Zeit scheiterte die Expansion aber an mangelnder Zeit und noch viel mangelnderem Platz.

Im Mai gab es eine „Willkommen-zu-Hause“-Party für meinen Bruder. Er war ein halbes Jahr als Soldat in Afghanistan und hat dort wirklich schlimme Dinge miterlebt. In ein paar Tagen fliegt er leider schon zu seinem nächsten halbjährigen Einsatz dorthin. Im Mai nahmen auch die umfangreichen Projektaufgaben in meiner Firma so richtig Fahrt auf, die mich (und alle anderen Kollegen) seit Monaten ziemlich in Schach hielten. Im Kino waren wir natürlich auch, aber „Prince of Persia“ hätten wir uns auch sparen können.

Der Juni stand ganz im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft, die diesmal in Südafrika ausgetragen wurde. Aufgrund der Projektarbeit hatte ich unseren kleinen Beamer und mein Notebook mit in die Firma genommen, damit wir uns während der Arbeit zumindest ein paar der Spiele ansehen konnten.

Unser Projekt erfuhr seinen erfolgreichen Abschluss Mitte Juli. Seinerzeit dachten wir noch, dass es bald darauf wieder ruhiger würde und wir zum Alltag übergehen könnten. Aber dank der Finanzkrise lässt sich gerade der Gesetzgeber immer etwas Neues einfallen, um das zu verhindern. Neue Richtlinien, neue Vorschriften, neue Gesetze, gültig ab sofort, gültig ab 31.12. usw. Der aktuelle Ausnahmezustand wird wohl bis mindestens zur Jahresmitte 2011 anhalten.

Zum Glück gab es da noch den August, in dem ich meine erste Woche Urlaub seit knapp einem Jahr nehmen durfte. Mit dem Urlaub ist es bei mir immer so eine Sache, ich bin dann immer unheimlich verschwenderisch. Dieses Mal musste die Geldbörse einen neuen Fernseher hergeben. Das HD-Gerät zeigt einfach satte Farben und es macht richtig Spaß, unsere Blu-rays darauf anzusehen. Satte Farben gab es wenig später auch auf dem CSD in Hamburg. Zum ersten Mal überhaupt haben mich mein Engel und zwei meiner besten Freunde zu dem Event begleitet. Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück, es war so heiß, dass die meisten Jungs kaum was anhatten… Im August lief der Film „Ich & Orson Welles“ an, den ich damals auf keinen Fall verpassen wollte. Leider hatte ich die Rechnung ohne die hiesigen Kinos gemacht, die den Film gar nicht erst zeigten. Inzwischen habe ich mir den Film heruntergeladen (natürlich legal!) und werde ihn mir wohl in den nächsten Tagen endlich ansehen. Ins Kino kamen wir dann trotzdem noch, um uns „Inception“ anzusehen, einen Film, der einen gewaltig positiven Eindruck bei uns hinterlassen hat.

Im September endete der bis dahin so heiße Sommer abrupt und der wechselhafte Herbst hielt Einzug. Einen der schöneren Tage nutzten wir zu einem Ausflug ins nahegelegene Schwerin. Ich bin zuvor nie dort gewesen, wollte mir aber unbedingt das schöne Schloss, das ich bislang nur von Fotos kannte, einmal in der Wirklichkeit ansehen. Und es ist tatsächlich wunderschön. Im Jahr zuvor hatten wir uns das Plöner Schloss angesehen und waren schon begeistert, Schwerin legt da aber nochmal eine Schippe drauf. In der zweiten Monatshälfte hießen wir gemeinsam mit lieben Freunden den Herbst bei Federweißer und Zwiebelkuchen willkommen (wenn ich daran denke, könnte gern schon wieder Herbst sein…).

Der Oktober war geprägt von Vorfreude auf den gemeinsamen Jahresurlaub und den Vorbereitungen darauf. So mussten die Fürsorge für unsere Kater geregelt, Koffer gepackt und Pläne geschmiedet werden. Der Wagen wurde winterfest gemacht und meinen Augen gönnte ich nach drei Jahren mal wieder frischen Durchblick mit einer neuen Brille.

Der Urlaub an der dänischen Nordsee war dann im November auch sowas von erholsam! Eine Woche Ruhe und Frieden, und die ausgesperrte Welt drehte sich einmal nur um uns. Soviel Glückseligkeit ist anscheinend ungesund, denn bald darauf streckte uns eine Grippe nieder. Wenigstens gemeinsam…
Der Winter ist zurück! Einen Monat später als im Jahr zuvor versank im Dezember das Marzipan-Umland im Schnee. Gesperrte Autobahnen, geschlossene Schulen (= glückliche Lehrer) und zum Teil zwei Meter Schnee binnen zwei Tagen. Nur in der Marzipanstadt selbst war davon zunächst nichts zu merken. Erst mit ein paar Tagen Verspätung fielen dann auch hier die Schneeflocken und hüllten alles in einen weißen Mantel. Vor allem Bahnreisende kamen bei diesem Wintereinbruch voll auf ihre Kosten, so auch mein pendelnder Engel, der auf dem Heimweg in einem kleinen Ort mit dem Zug festsaß. Während ich ihn nach einer guten Stunde mit dem Auto abgeholt hatte, saßen andere Bahnreisende bis zu vier Stunden in der Kälte fest und wurden von Katastrophenschutz, Rettungswagen und Feuerwehren versorgt und in Notunterkünfte gebracht. Auf der Büroweihnachtsfeier war ich zum allerersten Mal im Casino und hatte gleich Glück. Für die erhoffte Million hat es zwar nicht gereicht, aber Spaß hat es gemacht. Jetzt, wo das Jahr in die Schlussakkorde haut, hat mich direkt nach Weihnachten schon wieder eine Grippe erwischt, diesmal so schlimm wie seit vielen Jahren nicht mehr. Entweder werde ich unvorsichtiger oder einfach anfälliger. Zum Glück geht es mir schon wieder so weit gut, dass ich wohl auf den Jahreswechsel werde anstoßen können.

Weg mit dem Speck

Ich finde es Jahr für Jahr erstaunlich. Die Vorfreude auf die Festtage wird so ausgiebig zelebriert. Vier Wochen vor dem Fest beginnt bereits der Countdown in deutschen Wohnzimmern, der Einzelhandel jauchzt und frohlockt, Last Christmas ist zu einem Volkssport darum geworden, wer dem Song am längsten entkommt und selbst das Weihnachtswetter spielt eifrig mit.

Und dann ist plötzlich alles vorbei. Die Musik ist raus, die Deko verschwindet, bei manchem fliegt sogar schon das Bäumchen aus der guten Stube. Zurück bleibt der Winter, der gerade erst in Fahrt kommt und die ersten Silvestervorbereitungen.

Wer den angesammelten Speck der Weihnachtsschlemmertage bis zum Silvestermenü loswerden will, der mache es mir einfach nach: Ein paar Tage schwere Grippe mit schlimmem Husten, garstigem Schnupfen und Schmerzen vom Scheitel bis zur Sohle können den Appetit schon ziemlich zügeln. Ein paar Tage nur Obst und Gemüse, viel schwitzen und inhalieren und schon ist es, als hätte es Weihnachten gar nicht gegeben…


Inzwischen geht es mir teilweise schon besser. Das Fieber hat sich in Wohlgefallen aufgelöst, ich kann mich wieder bewegen und muss nicht mehr nach drei Schritten eine Pause einlegen. Ich erinnere mich nicht, mich in den letzten zehn Jahren so schlecht gefühlt zu haben wie an diesem Montag. Natürlich war das der Tag, an dem ich mich unbedingt zum Arzt schleppen musste. Obwohl ich den Wagen genommen habe, fühlte ich mich am Ende, als hätte ich einen fünftausend-Meter-Lauf hinter mir. Zu verdanken habe ich das wohl der jüngsten Schwester meines Hasen, die mich am ersten Feiertag mit aggressiven Grippe-Viren bombardiert hat. Danke schööön.

Ich wünsche natürlich allen beste Gesundheit (zur Not bleibt der Speck eben, wo er ist) und einen erfreulichen Rutsch ins Jahr 2011!

 

Weiße Weihnacht

In diesem Jahr klappt es wieder hervorragend mit der weißen Weihnacht. Es schneite in den Tagen zuvor, es schneite am Heiligabend und es schneite am ersten Weihnachtsfeiertag. Inzwischen ist auch der zweite Weihnachtstag angebrochen – und es schneit noch immer.

Gestern haben wir die Familie meines Engels besucht, die einhundert Kilometer von hier entfernt wohnt. Unterwegs begegneten uns meterhohe Schneeverwehungen, durch die sich zum Glück bereits hungrige Räumfahrzeuge gebissen hatten. Mein blaues Auto konnte also beruhigt daran vorbeifahren. Der Tag war dann geprägt von Familie und Essen und Familie und Essen und… Zu guter Letzt sind wir in den Billard-Laden aus meiner frühen Jugend gefahren und haben eine ruhige Bowlingkugel geschoben. Das war lustig (und sogar halbwegs erfolgreich), aber ich erwarte heute nach dem Aufstehen einen bösen Muskelkater im Arsch.

Jetzt ist es schon spät und Engelchen und ich verschwinden jetzt im warmen Bett. Frohe Weihnachten!

 

I wanna be am billionaire…

Der gestrige Abend hat gehalten, was er versprochen hat. Die diesjährige Weihnachtsfeier im Kollegenkreis wurde im Nobelviertel der Marzipanstadt ausgetragen. Den Auftakt gestalteten wir kulinarisch in einer Weinwirtschaft, wo wir uns bei argentinischem Steak, Kalbsgoulasch und Entenbraten leckere Weine anreichen ließen. Ziemlich ausgefallen (nichts, wohin ich meine Geldbörse im “normalen Leben” ausführen würde), aber auf jeden Fall sehr lecker. Zum Dessert gabs crème brûlée – für mich eine Premiere die man durchaus wiederholen kann. So ein dekadentes Essen dauert ja eine ganze Weile, immerhin will jede Geschmacksknospe berücksichtigt und jedes Gesprächsthema ausgiebig behandelt werden.

Schließlich mussten wir uns schon ziemlich beeilen, denn um halb zehn waren wir mit “unserem” Croupier im Casino gegenüber verabredet. Also sammelten wir unsere Habseligkeiten zusammen und stapften durch den Schnee ein Gebäude weiter. Ich war noch nie zuvor in einem Casino, aber weil eine Grundausstattung mit Jetons in unserem Budget für die Weihnachtsfeier enthalten war, musste ich ja nicht mit meinem eigenen Geld spielen.

Es folgte eine Einführung in amerikanisches Roulette. Roulette als solches ist nichts weiter als eine Wette auf eine Zahl, eine Farbe oder einen Zahlenbereich. Amerikanisches Roulette hat die Besonderheit, dass es mit nur einem Croupier am Tisch gespielt wird. Die Einführung war ziemlich anschaulich und Dank Sekt auch noch ziemlich lustig. Danach fühlten wir uns mehr oder weniger bereit, unsere Jetons einzusetzen. Ich entschied mich, zuerst ein wenig zuzusehen, um ein Gespür zu bekommen. Es dauerte nicht lange, da waren die ersten Mitspieler schon raus. Meine ersten Einsätze waren zum Glück gleich erfolgreich, so dass ich meine ersten beiden eingesetzten Jetons gleich verdreifachen konnte. Also packte ich die Grundausstattung zurück in das Samtsäckchen und spielte nur noch mit dem Gewinn weiter. Ich war auf dem besten Weg, Millionär zu werden! Zwischendurch musste ich herbe Rückschläge verkraften, bei denen ich den Grundstock wieder auspacken und einsetzen musste. Bald hatte ich beide Hände voller Jetons und hatte schon gefährlich viel Spaß am Gewinnen. Und weil man aufhören soll, wenn es am schönsten ist, stieg ich aus, als ich meinen Einsatz verdreifacht hatte. Ich ging zur Kasse und löste auf dem Weg zu meiner ersten Million meine gewonnenen sechzig Euro in Bares ein. Das war doch mal ein erfolgreicher Abend!

Schöne Bescherung

Die Vorweihnachtszeit gehört (neben dem Christopher-Street-Day) zu den buntesten Tagen des Jahres. Wenn der Winter die Welt in einen Schwarz-Weiß-Film verwandelt, sind Straßen und Häuser besonders bunt geschmückt. Überall funkelt und leuchtet der Festtagsschmuck in vielen Farben, mal dezent, mal dekadent.

Gestern Abend funkelte hauptsächlich Blaulicht, als ich meinen Engel und zwei seiner Arbeitskolleginnen am Bahnhof in Bargteheide einsammelte. Während des anhaltenden Schneefalls am gestrigen Tag frotzelte ich noch scherzhaft, ob wohl die Bahn am Abend würde fahren können oder ob sich mein Freund in Hamburg einquartieren müsste. Um halb sieben am Abend hieß es zunächst, der Zug habe zwanzig Minuten Verspätung. Um zehn nach sieben sprach man schon von einer “Verzögerung auf unbestimmte Zeit”. Kurz darauf rief er mich an, weil er zusammen mit rund 300 Fahrgästen frierend in Bargteheide auf dem Bahnsteig stand. Der Zug konnte wegen eines Kurzschlusses auf der Strecke nicht mehr weiterfahren, die bestellten Busse ließen auf sich warten. Also machte ich mich auf den Weg, packte eine Decke ein, tankte vorsichtshalber den Wagen voll und fuhr über die verschneite Autobahn. Nach einer Stunde kam ich in Bargteheide an. Die Zufahrt zum Bahnhof war gesperrt, überall Blaulicht von Polizei, Rettungswagen, Feuerwehr und THW. Die Bahn hatte anscheinend noch einen zweiten Zug auf die Bretter geschickt, so dass eine weitere Zugladung Passagiere gestrandet war. Die Leute liefen durcheinander, auf die Straße, sogar auf die Gleise. Autos versuchten zu wenden, weitere Rettungsfahrzeuge – gefolgt von den ersten Bussen – bahnten sich ihren Weg. Mit dem letzten Rest seines Handyakkus lotste ich meinen Engel zum warmen Auto. Da es in Bargteheide anscheinend keine Bahnhofshalle gibt und die Dönerbude in der Nähe schon überfüllt war, war er nach anderthalb Stunden in der Kälte richtig schön durchgefroren. Die Feuerwehr fuhr in einem provisorischen Shuttleverkehr die gestrandeten Passagiere ins Feuerwehrhaus, das THW verteilte Heißgetränke und Decken, um die frierenden Menschen wieder aufzuwärmen. Um halb zehn, statt um sieben Uhr, war mein Freund dann endlich zu Hause.

Wenn heute auf der Fahrt etwas schiefgeht, kann ich ihn nicht auflesen, denn heute steigt die Weihnachtsfeier mit meinen Kollegen. Wir werden es uns am Abend zunächst kulinarisch gut gehen lassen, um anschließend im Casino Millionäre zu werden. Morgen dann ein weiterer kulinarischer Höhepunkt auf der Weihnachtsfeier mit Freunden und schließlich am Sonntag Weihnachtsbaumschlagen mit der Firma meines Engels. Das Wochenende ist somit gut versorgt mit kulinarischen und anderen Freuden.

Am letzten Wochenende fand schon die erste private Weihnachtsfeier mit drei Freunden bei uns zu Hause statt. Da wurde gekocht, genossen, beschert und gelacht. An solchen Tagen könnte Weihnachten wirklich öfter im Jahr stattfinden.

Allen einen schönen vierten Advent!

 

Zu den Schaufeln!

Dichtes Schneetreiben herrscht heute in der Marzipanstadt. Alles Wichtige habe ich daher am späten Vormittag erledigt, als die Straßen noch einigermaßen passierbar waren. Jetzt wird der Verkehr vor meinem Arbeitszimmer zusehends langsamer, Lastwagen geraten ins Rutschen, Fahrräder beißen sich durch die Schneedecke und die Grenzen zwischen Straße und Gehweg verschmelzen unter dem vielen Weiß. Der Himmel sieht obendrein nicht so aus, als würden ihm die grauen Schneewolken so bald ausgehen.

Zu den Schaufeln!

 

Oh. Schnee.

Während die umliegenden Ortschaften ja bereits vor Tagen im Schnee versunken sind und selbst an der anderen Küste schon längst Schneeschippen angesagt ist, hat jetzt auch die Marzipanstadt etwas abbekommen. Im Tagesverlauf hatten sich die Wolken zusammengerottet, eine dunkelgraue Farbe angenommen und konnten ihre Fracht bald nicht mehr halten.

Es schneit. Zuerst ganz kleine, inzwischen schon dickere Flocken segeln in aller Seelenruhe auf Hausdächer, Straßen, Gehwege. Und die Bäume strecken ihre vielen nackten kalten Zweige aus, um ein paar Schneeflocken zu fangen. Am Abend schlittere ich mit meinem weißen Fahrrad von der Arbeit am Weihnachtsmarkt mit dem bunten Riesenrad vorbei über verschneite Radwege nach Hause. Inzwischen liegen hier gewaltige sieben Zentimeter Schnee. Da ist kaum ein Durchkommen…

Zu Hause angekommen krame ich die Schneeschaufel aus der allerletzten Kellerecke (denn dorthin habe ich sie nach dem letzten Winter verbannt). Eifrig mache ich mich daran, den Gehweg zu befreien. Der Schnee ist noch puderleicht, und so geht das Räumen einfach von der Hand. Noch schnell die Zuwegung zum Haus – und fertig. Da es immer noch schneit, wird das nicht lange vorhalten, spätestens morgen früh ist wieder alles weiß.

Ich mag es, wenn es schneit. Noch jedenfalls. Alles wirkt so still und sauber. Die Vorweihnachtsdeko an den Häusern kommt dann besonders gut zu Geltung und ganz allmählich macht sich auch Vorfreude auf die Festtage breit.

Jetzt aber schnell wieder rein ins Warme. Bei minus vier Grad bekommt man ganz schnell kalte Füße.

 

War was?

Wenn ich morgens verschlafen die Schlummertaste an meinem Wecker drücke, sich die Kater auf ihren blütenförmigen Kissen räkeln und mein Engel schon längst bei der Arbeit ist, gießt sich spärliches Tageslicht langsam wie Milch im Morgenkaffee durch die Holzjalousie in mein Schlafzimmer. Grauer Winter lauert dahinter und reizt mich überhaupt nicht, meine Bettdecke von mir zu schubsen und in die Dusche zu steigen, die sich zur Zeit nicht zwischen heiß und eiskalt entscheiden kann.

Wenn die Dusche erst einmal ihre Wirkung entfaltet und meine Lebensgeister geweckt hat, fühlt sich der junge Morgen schon etwas besser an. Grau ist es draußen aber nach wie vor. Weißgraue Nebelschwaden bedecken die große Wiese hinter dem Haus auf der anderen Straßenseite und verbergen den größten Teil der winterlichen Farblosigkeit.

Wenn ich wenig später vor die Tür trete, eingemummelt in mehrere Kleiderschichten, um dem beißenden Wind und dem gefrorenen Boden zu trotzen, zerre ich mein weißes Fahrrad aus dem Keller und mache mich auf den Weg in die Innenstadt zur Arbeit. Es riecht nach Schnee, aber die Wolken geben noch nichts her. So eine Fahrt, vorbei am Stadtpark, am früheren Pestfriedhof und durch vorweihnachtlich erleuchtete Straßen, dauert in der Regel nicht länger als zehn frostige Minuten.

Im Büro ist es schon mollig warm, es riecht nach Heizung und wie jeden Tag bin ich der Nachzügler. Ich schäle mich aus all den Klamotten, um die warme Raumluft zu begrüßen. Es dauert nicht lange, bis mein Arbeitsplatz eingerichtet ist und ich in einen mehr oder minder organisierten Vormittag starte. In meiner Mittagspause surfe ich durch das Internet und lese die neuesten Nachrichten aus der Gegend. Das Umland scheint im Schnee zu versinken, innerhalb von zwei Tagen sind offenbar anderthalb Meter Schnee gefallen und sorgen für gesperrte Autobahnen, Einsätze des THW und geschlossene Schulen. Ich trete ans Fenster und blicke hinaus auf die Hauptverkehrsstraße unserer Innenstadt: Busse, Autos, Lastwagen, Fußgänger… Aber ich sehe nicht eine einzige Schneeflocke.

Als ich abends mein Fahrrad in den kalten Keller schiebe und die Treppen zur Wohnung hinaufsteige, begegne ich meinem Nachbarn, dem Lehrer, im Treppenhaus. Mit einem diebischen Grinsen bindet er mir auf die Nase, dass er heute und morgen schneefrei hat. Hab ich erwähnt, dass ich bald wieder Urlaub habe?

 

Der Kampf ums Frühstück

Also die Novembergrippe ist soweit auskuriert. Den verbliebenen und ziemlich hartnäckigen Schnupfen schreiben wir einer hintergründigen Erkältung zu, die angesichts der rasant gefallenen Temperaturen aber auch nicht so richtig überraschend ist. Inzwischen ist der erste Schnee des heranrollenden Winters gefallen, hier in der Marzipanstadt allerdings nur in harmlosem Gekrümel, der sich inzwischen nur noch vor dem eisigen Wind hinter dicken nackten Bäumen versteckt.

Gestern Abend waren wir im Kino, um “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes” zu sehen, der schon vor etwas über einer Woche angelaufen ist. Überraschenderweise gibt es den Film noch nicht in 3D zu sehen, offiziell, weil die Version bis zum Kinostart nicht in guter Qualität fertiggestellt werden konnte. Ich glaube ja, dass vor dem nächsten Teil noch eine 3D-Version ins Kino kommt. Und wie ich uns kenne, werden wir auf diesen ziemlich offensichtlichen Trick hereinfallen und ihn uns nochmal ansehen, denn der Film hat uns gut gefallen. Er ist tatsächlich nochmals düsterer geworden. Gemessen daran, was ich aus dem Buch noch kenne, hatte ich das Gefühl, dass sich der Film diesmal sehr eng an der Vorlage orientiert. Vermisst haben wir nichts. Die Produzenten haben sich viel Zeit gelassen, die Geschichte zu erzählen. Obwohl der siebte Harry-Potter-Band in zwei Filme aufgeteilt wurde, hatte schon der erste Teil Überlänge, ohne, dass Langeweile aufkam. Der zweite Teil soll dann im Sommer 2011 in die Kinos kommen und wir freuen uns schon darauf.

Heute Morgen Mittag nach dem Aufstehen knurrte mir der Magen, und weil unser Vorratsschrank nichts mehr hergab, beschlossen wir, in der Innenstadt zu frühstücken. Im CaféArt gibt es ein obergeniales Frühstück mit allem Drum und Dran. Leider war es nicht einfach, dorthin zu gelangen, denn die Marzipanstadt ist nicht sehr autofreundlich und hat ein enormes Parkplatzproblem (genaugenommen ist sie auch nicht besonders fußgänger- und schon gar nicht radfahrerfreundlich…). Na jedenfalls waren heute Mittag alle Parkhäuser in der City belegt, die innenstadtnahen Parkplätze natürlich sowieso besetzt und überhaupt die gesamte Verkehrssituation ein einziger Graus. Wir stellten unser Auto schließlich so weit außerhalb ab, dass wir genauso gut von zu Hause aus hätten laufen können. Aber so ein Spaziergang bei minus drei Grad ist ja auch mal ganz erfrischend. Nach einer geschlagenen Stunde kamen wir im CaféArt an und suchten uns einen Tisch in Heizungsnähe, um unser köstliches Frühstück zu genießen. Das klappte auch ganz gut, Kaffee und Kakao dufteten köstlich, die warmen Brötchen und die Unmengen von Aufschnitt, Marmelade und Honig ließen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Bis sich zwei Tische weiter zwei Frauen ihre Zigaretten anzündeten. Es dauerte nicht lange, da war der Kaffeeduft verschwunden, und auch jeder andere Wohlgeruch löste sich in blauen Dunst auf. Vermutlich hatten wir den Hinweis übersehen, dass es sich um ein Raucherlokal handelt. Wir beendeten das Frühstück sodann recht schnell und waren bald froh, wieder an der frischen Luft zu sein. Von einem Hinweis auf ein Raucherlokal jedoch fehlte jede Spur. Schade.

Ich finde, eine Ecke zum Rauchen in einem Restaurant ist
wie eine Ecke zum Pissen in einem Pool.

 

Novembergrippe

Das wird ein kurzer Eintrag. Engel und mich hat es umgehauen und solidarisch haben wir uns verkrochen, um unsere Novembergrippe zu kurieren. Gerade kommen wir von der überfüllten Apotheke und haben uns mit Hustenlöser, Halspastillen und Erkältungsbad ausgerüstet. Leider ist ein Treffen mit Freunden am Wochenende dafür ausgefallen. Aber immerhin haben wir jetzt viel Zeit zum Lesen, zu mehr scheint der graue November im Moment eh nicht zu gebrauchen zu sein.

 

Bei den Wikingern

Oh Mann, so eine Urlaubswoche geht ja rasend schnell vorbei… Die vergangene Woche haben wir in einem romantischen, reetgedeckten Ferienhaus an der dänischen Nordsee verbracht. Aufgrund des großen Projektes in meiner Firma konnte ich meinen Jahresurlaub erst so spät nehmen, und so ist der Sommerurlaub zu einem Spätherbst-Urlaub mutiert. Trotzdem haben wir es uns nicht nehmen lassen, uns am Meer einzuquartieren. Und Dank Kamin, Sauna und Whirlpool war uns das nasskalte Wetter sogar fast willkommen.

Wir haben viel Zeit im Haus verbracht. Die Stille war genau, was ich gebraucht habe nach einem hektischen Jahr. Wenn man den Atem anhielt, hörte man nicht das allerkleinste Geräusch. Fast ein wenig beunruhigend, wo wir es doch gewöhnt sind, dass überall immer irgendwelche Geräusche zu hören sind, die wir größtenteils nur noch unterbewusst wahrnehmen. Unser Haus bestand im Inneren fast nur aus Küche, was einer der Hauptgründe war, aus dem wir uns dafür entschieden haben. Wenn wir nicht gerade kochten, aßen oder Spaziergänge machten, spielten wir “Carcassonne”, ein Brettspiel, das wir uns bei unserem üblichen Zwischenstopp in Flensburg gekauft haben.

Die Siedlung um uns herum war nahezu menschenleer, lediglich zwei Häuser in der Gegend waren noch bewohnt. So machte es gar nichts, dass die Buchenhecke, die das Haus als Sichtschutz umrahmte, im Laufe der Woche die meisten ihrer goldgelben Blätter dem Herbst überlassen musste.

An einem der Tage haben wir unseren Drachen ausgepackt und sind an den Strand gefahren. Es war ein ausnahmsweise sonniger Tag mit viel Wind. Da wir in der Marzipanstadt sonst nie Drachen steigen lassen, haben wir uns einen billigen für zehn Euro zugelegt. Der Strand hinter einer ausgedehnten Dünenlandschaft war gut besucht. Ein Sturm war unter der Sonne aufgezogen und peitschte das Meer mit viel Kraft und Getöse auf den Strand. Ich hätte gern ein Foto vom Drachen geschossen, wie er am Himmel steht, nur gehalten von zwei Schnüren. Aber der Sturm hat ihn nach circa einer Minute fachmännisch in seine Bestandteile zerlegt, die daraufhin in Form von großen und kleinen Stangen vom Himmel fielen und rings um uns herum im Sand stecken blieben. Kurz darauf konnten wir auch den flatternden Rest nicht länger oben halten und legten eine ziemliche Bruchlandung hin. Erwähnte ich, dass das Meer aufgewühlt war?

Ebenso schnell, wie der Drache vom Himmel gefallen war, schien die Urlaubswoche zuende zu gehen. Flugs mussten wir die Koffer wieder packen, unser Hab und Gut zusammensammeln und den Heimweg antreten. Es ist immer ein komisches Gefühl zu wissen, dass nur wenige Stunden nach unserer Abreise irgendwelche fremden Leute in “unserem” Haus wohnen werden. Da hilft nur eines: Wir müssen wieder hin. Vielleicht im April?

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Es gibt viel zu tun

Dieser Blog hat ein wenig Staub angesetzt, seit ich ihm zuletzt – wenn auch mit hitziger Feder – einen Eintrag hinzugefügt habe. Die vergangenen Wochen verhielten sich auch ziemlich ruhig. Meine Arbeitszeiten haben sich wieder auf über zehn Stunden pro Tag ausgedehnt und zu Hause fiel ich meistens erschöpft auf die Couch. Hinzu kommt die alles verschluckende Dunkelheit, die in jedem Jahr früher hereinzubrechen scheint. Der Oktober indes kommt nass und kalt daher, zuletzt mit Sturm und sogar vereinzelten Schneeschauern (hab ich gehört). Dabei kommt es mir so vor, als hätten wir den langen Winter gerade erst hinter uns.

An diesem Wochenende haben Engelchen und ich auch gleich viel zu tun. Da wir am kommenden Samstag unseren gemeinsamen Jahresurlaub antreten, bleibt nicht mehr viel Zeit, um die Wohnung herzurichten, eine Packliste zu schreiben, die Unterbringung der Kater in die Wege zu leiten und das Auto reiseklar zu machen. Am morgigen Sonntag bekommt es seine Winterpuschen. Dazu besuchen wir unseren Freund Nate in der Stadt mit den Hochhäusern. Am Montag wird das ESP repariert, das passiert dann allerdings in der Fachwerkstatt. Und dann ist er wieder fit. Heute noch besuchen wir zwei Freunde auf der anderen Seite der Marzipanstadt. Wir bauen den Reisekratzbaum für unsere beiden Racker auf, den wir gestern gekauft und ins Auto gestopft haben. Der Abend wird sich dann – so ist es geplant – mit Spiel und Spaß weiterentwickeln.

Ach ja: In der nächsten Woche, knapp vor unserer Reise, bekomme ich noch eine neue Brille. An einem der verregneten letzten Nachmittage habe ich einen Sehtest gemacht. Der Optiker hat festgestellt, was ich schon länger bemerkt hatte: Meine Sehkraft hat in den letzten zwei Jahren deutlich nachgelassen. Nach den vielen Monaten, die ich am Bildschirm verbracht habe, ist das aber auch kein Wunder. Und so habe ich mir also gleich eine neue Brille ausgesucht, die hoffentlich bis zum kommenden Freitag da ist.

Hey, gerade bekomme ich eine SMS von meiner Packstation. “How to train your dragon” ist angekommen – mein Film des Jahres! Auf Deutsch heißt der Film “Drachenzähmen leicht gemacht”, aber alle gucken immer komisch, wenn ich von dem Film mit diesem Titel erzähle… Egal. Ich werde jetzt schnell unter die Dusche springen, meinen Engel aus dem Bett kitzeln und dann geht das betriebsame Wochenende los…

Deutschland 21?

Mein Blog ist kein politischer und soll möglichst auch keiner werden. Was sich in Stuttgart zurzeit zuträgt, finde ich allerdings überaus beunruhigend. Die Diskussion um ein Bahnhofsprojekt in einer Stadt, die rund 700 Kilometer entfernt ist, berührt mich eigentlich nicht besonders. Von einem neuen Bahnhof, der Baden-Württemberg voran bringen soll, habe ich in Schleswig-Holstein nicht mehr und nicht weniger als die meisten in Deutschland. Aber wie der Wille vieler tatsächlich davon betroffener Menschen mit Füßen getreten, mit Tränengas bespritzt, mit Wasserkanonen beschossen und von der Polizei niedergeknüppelt wird, ist ein unhaltbarer Zustand. Und dass die Mächtigen unseres Staates im Namen des Volkes rohe Gewalt für angemessen und erforderlich halten, um Widerstand zu brechen und ihren Willen durchzusetzen, ist erbärmlich und aus meiner Sicht kriminell. Sich damit zu beruhigen, dass die Bürger durch “Aufklärung” über das umstrittene Projekt bis zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg in einem halben Jahr “überzeugt” werden können, ist nun blanker Hohn. Welche Art von Aufklärung soll das sein, die den Bürgern in Stuttgart das Projekt Stuttgart 21 näher bringen könnte? Aufklärung kann es höchstens für den Rest der Republik geben, denen ein Bahnhof in Stuttgart reichlich egal sein kann, die sich aber fragen müssen, was ihre eigene Meinung noch Wert ist, wenn sie eines Tages gebraucht wird. Und so demontiert sich eine weitere deutsche Partei im Namen des Volkes.

 

Federweißer und Zwiebelkuchen

Der Sommer scheint vorüber. Fast jeden Tag dieser Woche ist es dem Wetter gelungen, mich zu veräppeln. Ich blickte morgens aus dem Fenster, bewunderte den blauen Sommerhimmel mit unschuldigen weißen Schäfchenwolken, trat fünf Minuten später unten aus der Tür und stand im Regen – ohne Regenklamotten. Oder es regnete, als ich aus dem Fenster sah und ich zwängte mich in meine Regenkleidung, die unterwegs von der Sonne in eine Sauna verwandelt wurde…

Da der Herbst somit eingeläutet zu sein scheint, hat auch die Traubenernte begonnen. Zeit also für eine schöne Tradition, die in diesem Jahr von uns zum ersten Mal begangen wird: Frischer Federweißer und selbstgebackener Zwiebelkuchen. Zu diesem Anlass hatten wir zwei Freunde eingeladen. Den Federweißen aus dem Rheinland habe ich unter der Woche schon gekauft. Am Freitag besorgte ich alles Nötige für einen frischen Zwiebelkuchen und machte mich am frühen Abend ans Werk. Zuerst einen Hefeteig, der mir so gut gelungen ist wie selten (gutes Rezept!). Dann machte ich mich über ein Pfund Zwiebeln her, das ich heulend in kleine Würfel zerlegte und anschließend in der Pfanne dünstete. Als ich das ziemlich kleine Häufchen Zwiebeln in der Pfanne liegen sah, vermischt mit etwas Mehl, zog ich mir eine Jacke über und fuhr erneut zum Supermarkt, um einen fertigen Zwiebelkuchen als Reserve zu kaufen…

Um kurz nach acht trafen unsere Freunde ein. Der Kuchen war bereits im Ofen und verbreitete im Haus einen köstlichen Duft von gebratenen Zwiebeln und Speck. Der Federweiße, mit dem wir kurz darauf anstießen, war unglaublich fruchtig und prickelnd. Und obwohl auf der Flasche ein Alkoholgehalt von elf Volumenprozent angegeben ist, schmeckte das Getränk wie Traubenschorle. Lecker – aber tückisch! Und dann schrillte der Küchenwecker und nur eine Dreiviertelstunde später war der Zwiebelkuchen verputzt. Er ist mir zum Glück gut gelungen und die kleine Zwiebelmenge hat sich Dank Sahne und Eiern zu einer anständigen Menge vergrößert, so dass alle satt geworden sind, ohne den Fertigkuchen aus dem Kühlschrank holen zu müssen.

Zwiebelkuchen – eine Tradition beginnt

 

 

 

Märchenhaft

Schwerin ist von der Marzipanstadt nicht weit entfernt. Eine Autostunde, um einigermaßen genau zu sein. Plakate wiesen mich schon seit Wochen auf eine Veranstaltung unter dem Motto “Gartenromantik” hin, die quasi den Abschluss des Schweriner Gartensommers bildet. Obwohl ich ein großer Gartenfan bin und soooooooo gern selbst einen eigenen hätte, haben wir die großartige Blütenpracht des Schweriner Sommers leider versäumt.

Es ist der Geburtstag meines Engels, den wir nicht eingepfercht in unserer Wohnung verbringen wollen. Nach dem Frühstück entschließen wir uns daher, Schwerin unseren ersten Besuch überhaupt abzustatten, um einen romantisch-botanischen Tag zu zweit zu verbringen. Unterwegs begegnen uns herausgeputzte Dörfer, deren Bewohner bekleidete Strohpuppen an die neue Straße gestellt haben. Ein Stück weiter grinst uns ein großes Strohschwein zu. Offenbar ist hier etwas im Busch, das entfernt an ein Erntedankfest erinnert, wenngleich es dafür eigentlich noch zu früh ist. Das ganze Dorf scheint auf den Beinen zu sein.

Nach einer Stunde erreichen wir Schwerin. Ich bin noch nie dort gewesen. Zunächst sieht es aus, wie jede andere Stadt auch: Eine große Straße liefert den Fernverkehr an, gesäumt von mal mehr und mal weniger uralten Häusern, dazwischen Autos ohne Ende und Verkehrsschilder, die einem die Sicht nehmen. Aber dann entdecke ich eine Straßenbahn, die aus einer der Seitenstraßen um die Ecke biegt, und sofort steigt die Stadt auf meiner Interessantheits-Skala mächtig an. Straßenbahnen faszinieren mich ungemein. Nicht technisch gesehen, natürlich, aber aus unerklärlich nostalgischen Gründen. Sie verbinden funktionale, moderne Städte mit der “guten alten Zeit”, die ich zwar nicht miterlebt habe, die aber in meiner Phantasie stets etwas Strahlendes, etwas Goldenes verströmt. Dieser Eindruck wurde durch das helle Sonnenlicht verstärkt, dass die Stadt und seine historische Architektur mit etwas Märchenhaftem übergoss.

Die Straßenbahn, die auf Rasen zu fahren scheint, führt uns direkt zum Schloss, das mit seinen verspielten Türmchen und Zinnen am Schweriner See aufragt. Dort liegt das Ziel unseres heutigen Ausflugs, und so manövrieren wir unser blaues Auto auf einen der zahlreichen Parkplätze und machen uns auf die Socken. Je näher wir dem Schloss kommen, desto mehr erinnert es an ein Märchenschloss und fast erwarten wir einen Drachen, tief unten im Verließ, der einen sagenumwobenen Schatz bewacht oder königliche Reiter, die an uns vorbei über die Brücke preschen.

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Aber die Reiter sind Fahrradtaxen und das Schloss beherbergt keine Königsfamilie sondern den mecklenburgischen Landtag. Und so beginnen wir zunächst mit einer Runde um das Schloss, um die vielen Winkel und Spielereien zu betrachten und die kleinen Gärten zu bewundern, die liebevoll gestaltet und auf mehreren Ebenen in das Schlossgelände arrangiert worden sind. Da das Schloss selbst auf einer Insel liegt, ist das Areal trotz seiner Größe doch irgendwann begrenzt, und als wir uns den eigentlichen Schlossgarten ansehen wollen, stellen wir enttäuscht fest, dass das Gelände zugunsten einer Veranstaltung eintrittspflichtig abgesperrt ist. Da sich hinter der Absperrung mittelalterliche Aufführungen verbergen, die heute nicht unser Interesse finden, drehen wir einfach noch eine Runde um das Schloss, essen ein Eis und beobachten eine Braut, die die historische Kulisse für das Hochzeitsfoto ausgewählt hat.

Als die Sonne sich allmählich in die Hände dicker Wolken begibt, die hinter dem Schloss aufgezogen sind, machen wir uns langsam auf den Rückweg, bewundern noch einmal die Straßenbahn und sind bald wieder zurück in der Marzipanstadt. An unseren runden Füßen können wir spüren, dass wir tagsüber doch ein ganzes Stück gelaufen sind und sinken – flankiert von zwei schnurrenden Katern – erschöpft auf die rote Couch.

Phönixgrün

Normalerweise schreibe ich lieber nichts, als einen Eintrag über das Wetter, wenn nichts interessanteres passiert ist. Aber diesmal hat das Wetter einen sehr angenehmen Effekt…

Wir alle erinnern uns trotz des aktuellen Aprilwetters noch an die ausdauernde Hitze, ja sogar Dürreperiode, die nicht nur unser Land über Wochen in einen Glutofen verwandelt hatte. Kilometerlange Staus auf den Autobahnen zum Strand, überhitzte Bahnreisende und Waldbrände, die russische Atomkraftwerke bedrohen. Nach einiger Zeit haben wir aufgehört, den Rasen hinter dem Haus zu wässern, weil wir nicht mehr gegen die sengende Sonne ankamen. In der Folge verwandelte sich das Gras und bald darauf selbst das widerspenstigste Unkraut überall in verdörrte braune Strunken. Tagsüber ließen wir alle Rollos und Jalousien geschlossen, damit sich unser Heim nicht so aufheizt. Selbst die beiden Kater vermieden zu der Zeit jede unnötige Bewegung.

Aber irgendwann schoben sich rettende dunkle Wolken vor die Sonne und nach ein paar Tagen Anlaufzeit begannen sie damit, die verbrannte Erde mit Regen zu begießen. Zuerst nur wenig, aber dann mehr und mehr. Unsere Straße verwandelte sich in einen reißenden Strom, der Dank funktionierender Kanalisation schnell abfließen konnte. Und nur eine, vielleicht anderthalb Wochen später, als ich wie jeden Morgen auf dem Arbeitsweg am Stadtpark vorüberradelte, konnte ich es sehen: Dort, wo zuvor die Sonne das Gras verbrannt hatte, sprossen überall frische Grashalme aus dem gewässerten Boden. Das Gras bedeckte auf einmal wieder den ganzen Parkboden wie ein leuchtender, grüner Teppich. Frühling – mitten im Sommer!

Cineastische Naherholung

Ich war mal wieder im Kino. Gestern Nachmittag, nach einem stressigen, wenn auch kurzen Arbeitstag, schwang ich mich hinter das Steuer meines blauen Autos und fuhr nach Hamburg. Die Stadt ist quasi so etwas wie mein Wahl-Naherholungs-Ort, und weil ich mich ständig erholen muss, bin ich dort ständig zu Gast.

Die Autobahn war erstaunlich frei, nicht einmal die drei langen Baustellen sorgten für nennenswerte Behinderungen (jedenfalls nicht in meiner Richtung). Und so kam ich etwas früher als verabredet bei meinen Freunden in Ohlsdorf an. Nur wenig später kam auch mein Freund dazu, der ganz in der Nähe arbeitet. Bis zum Filmstart hatten wir noch so viel Zeit, dass wir einen frischen Pizzaboden mit allerlei Köstlichkeiten belegen, backen und auch noch verspeisen konnten. Na gut, zuletzt mussten wir uns schon ein wenig sputen und so eilten wir schnellen Schrittes zur U-Bahn-Station und lösten ein Gruppenticket.

Das Kino war gut besucht, und erst die Snackstände! Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis ich meine überteuerten aber obligatorischen M&Ms in Händen hielt. So präpariert suchten wir uns den hübschesten Ticket-Reißer und gleich darauf unsere Plätze. Wir hatten bereits zehn Minuten der Werbung versäumt und schoben uns im Halb- bis Ganzdunkel durch unsere Sitzreihe, um unsere Plätze ganz in der Mitte einzunehmen.

Der Film hat mich ziemlich überrascht. Ich hatte zuvor von diversen Leuten gehört, der Film sei der Hammer. Er wurde sogar so hoch gelobt, dass ich mir Sorgen um meine Objektivität machte und versuchte, meine Erwartungen herunter zu schrauben (was natürlich nicht wirklich funktioniert). Viele haben den Film bereits zwei oder drei Mal gesehen, und das werde ich wohl auch tun (zumindest ein zweites Mal). Der Film hat mir trotz meiner hohen Erwartungen und trotz DiCaprio (ich mag ihn nicht besonders) sehr gut gefallen. Man muss die ganze Zeit sehr aufpassen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Um die vielen, vielen Details und verwobenen Handlungen nachvollziehen und verstehen zu können, bietet sich tatsächlich ein weiterer Besuch an. Der Film hat Überlänge und eine Pause mittendrin. (Ich bin übrigens dafür, dass nach einer Pause die letzten zweidrei Minuten des Films wiederholt werden, damit man sich an das erinnert, was zuletzt passiert ist.)

Das Ende hat mir besonders gut gefallen und hat hier und dort Szenenapplaus bekommen. Wer während des Films aufgepasst hat, erwartet in der letzten Szene die Auflösung einer zentralen Frage…… Sehr empfehlenswerter Film mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Lewitt (Latter Days), Ellen Page (Juno), Cillian Murphy (Batman Begins) und Michael Caine.

 

Filmstars

Durch einen australischen Blogstar wurde ich heute auf einen Film aufmerksam, der hierzulande wohl am 26. August starten soll: Ich & Orson Welles. Es handelt sich einmal mehr um eine klassische Geschichte über ebenso klassische Theater-Liebe. Aber gerade diese klassischen Themen begeisterten mich in diesem Jahr im Kino am meisten.

Der Film spielt in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Christian McKay spielt den aufstrebenden Theater-Mogul Orson Welles, der das schauspielerische Talent des jungen Richard (gespielt von Zac Efron) entdeckt. Tja, ehrlich gesagt wollte ich mir die Geschichte nicht vorwegnehmen und habe deshalb keine Ahnung, worum genau es geht. Aber für einen ersten Eindruck reicht ja der Trailer. Den Film werde ich mir auf jeden Fall ansehen.

 

Von Bienen und Blumen

Anlässlich des Christopher-Street-Days in Hamburg hat sich das maulige Wetter der vergangenen Tage besonnen und seine strahlendste Seite gezeigt. Schon beim Aufwachen am frühen Morgen zeichnete sich ein herrlicher Tag ab. Um kurz vor neun Uhr strampelte ich die warme Bettdecke von mir, hüpfte aus dem Bett in die Dusche und versuchte, meinem Dreitagebart eine salonfähige Form zu geben.

Um kurz nach zehn Uhr waren mein Engel und ich schon auf der Autobahn in die benachbarte Hansestadt. Um elf Uhr waren wir mit Will und Rike verabredet und pünktlich um 12 Uhr erreichten wir das hintere Ende der Parade. Die laute Musik war schon an der U-Bahn-Station zu hören gewesen. An den Paradetrucks vorbei drängten wir uns bis an die Spitze des noch stehenden Zuges, um auch alles sehen zu können. Es war ein bunter Reigen aus Drachen, Torten, Fußballern, Polizisten, Pferden (keine echten, natürlich), Bienen und vielem mehr.

Wie in jedem Jahr startete die Parade in der Langen Reihe im Stadtteil Sankt Georg. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich die Massen in Bewegung setzten. Wir ließen fast alle Wagen passieren, ehe Engelchen und ich uns einreihten und den langen Marsch begannen. Es war schon fast ein Uhr, als wir den Hauptbahnhof links liegen ließen und es verging nochmal eine halbe Stunde, bis wir den Steindamm beschritten und zu einer Pause in der schattigen Mönckebergstraße angelangt waren. Bis hierher gab es einiges zu sehen, nicht nur Bienchen und Blümchen… Die Pause geriet zuweilen etwas lang, insbesondere, als ein paar Teeniemädchen untereinander einen Kreisch-Wettbewerb veranstalteten. Ehrlich, wer da noch nicht schwul war…

Gegen 16 Uhr erreichten wir den Jungfernstieg, wo wir auch wieder mit Will und Rike zusammentrafen. Respekt übrigens für all die Jungs und Männer in High-Heels! Mir taten in meinen flachen Turnschuhen schon nach der halben Strecke die Füße weh!

Leider blieb uns nicht mehr viel Zeit, weil ich in der Marzipanstadt noch etwas zu erledigen hatte. Das Straßenfest mussten wir also sausen lassen. Und so verließen wir Hamburg wieder über die Autobahn mit jeder Menge Fotos im Gepäck.

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