Jahresrückblick

Ein Jahr geht zur Neige, und während ich noch das Bett hüte, um meine Jahresendgrippe zu kurieren, wird es wieder Zeit für meinen ganz persönlichen Jahresrückblick.

2010 begann im Januar und gleichzeitig in Eis und Schnee. Zum letzten Jahreswechsel hatte uns der Winter fest im Griff. Niemand ahnte zu der Zeit, dass das noch für viele Wochen so bleiben sollte, weshalb wir die ersten Sonnenstrahlen nutzten, um auf Fotosafari zu gehen.

In meinem Geburtsmonat Februar suchte mich dann die erste Erkältung heim. Das war bei dem Winter aber auch nicht allzu seltsam. Zum Glück war ich zu meinem Geburtstag wieder fit. Im selben Monat begann für uns die Kinosaison. Mit „Oben“ und „Avatar“ liefen gleich zwei Blockbuster, die wir zum Glück nicht versäumt haben.

Im März ging es nahtlos weiter – mit dem Winter und dem Kinoprogramm. „Alice im Wunderland“ in einer Verfilmung von Tim Burton konnte uns allerdings nicht vom Kinositz reißen. Nur eine Woche später begann das Tauwetter, und bevor es zu spät war, ging ich in Hamburg mit Freunden eislaufen. Das hatte ich schon ein paar Jahre nicht mehr getan und brauchte ein paar Runden, bis ich wieder einigermaßen standfest auf den Schlittschuhen war. Tja und dann wurde es plötzlich Frühling. Das Tauwetter hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und den Schnee fast restlos dahin schmelzen lassen. Wie auf Kommando explodierten im Stadtpark die Krokusblüten und tauchten den monatelang winterweißen Ort in ein wahres Farbenmeer. Ende des Monats wurde das Nesthäkchen von meinen Geschwistern volljährig (inzwischen sind wir alle aus dem Haus und meine Eltern haben sich einen Hund zugelegt). Und dann zog es uns nochmals ins Kino. „Drachenzähmen leicht gemacht“ ist ein blöder Titel für einen richtig tollen Animationsfilm.

Nachdem der Winter das Land also endlich freigegeben hatte, nutzten wir im April die Kamera zu einem Ausflug nach Hamburg. Als HafenCity-Fan war ich auf den Fortschritt der Bauarbeiten gespannt. Zu der Zeit erfuhr ich erstmals davon, dass Hamburg eine neue Straßenbahn erhalten sollte. Leider wurde das Projekt aus Kostengründen inzwischen eingestellt, nachdem Ole von Beust sein Amt als Oberbürgermeister der Hansestadt in diesem Jahr vorzeitig zur Verfügung gestellt hat. Ebenfalls im April erfüllte ich mir den lange gehegten Wunsch einer Modelleisenbahn. Zu Beginn hatten die Kater am Zuschauen wohl mindestens ebenso viel Freude wie ich. Mit der Zeit scheiterte die Expansion aber an mangelnder Zeit und noch viel mangelnderem Platz.

Im Mai gab es eine „Willkommen-zu-Hause“-Party für meinen Bruder. Er war ein halbes Jahr als Soldat in Afghanistan und hat dort wirklich schlimme Dinge miterlebt. In ein paar Tagen fliegt er leider schon zu seinem nächsten halbjährigen Einsatz dorthin. Im Mai nahmen auch die umfangreichen Projektaufgaben in meiner Firma so richtig Fahrt auf, die mich (und alle anderen Kollegen) seit Monaten ziemlich in Schach hielten. Im Kino waren wir natürlich auch, aber „Prince of Persia“ hätten wir uns auch sparen können.

Der Juni stand ganz im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft, die diesmal in Südafrika ausgetragen wurde. Aufgrund der Projektarbeit hatte ich unseren kleinen Beamer und mein Notebook mit in die Firma genommen, damit wir uns während der Arbeit zumindest ein paar der Spiele ansehen konnten.

Unser Projekt erfuhr seinen erfolgreichen Abschluss Mitte Juli. Seinerzeit dachten wir noch, dass es bald darauf wieder ruhiger würde und wir zum Alltag übergehen könnten. Aber dank der Finanzkrise lässt sich gerade der Gesetzgeber immer etwas Neues einfallen, um das zu verhindern. Neue Richtlinien, neue Vorschriften, neue Gesetze, gültig ab sofort, gültig ab 31.12. usw. Der aktuelle Ausnahmezustand wird wohl bis mindestens zur Jahresmitte 2011 anhalten.

Zum Glück gab es da noch den August, in dem ich meine erste Woche Urlaub seit knapp einem Jahr nehmen durfte. Mit dem Urlaub ist es bei mir immer so eine Sache, ich bin dann immer unheimlich verschwenderisch. Dieses Mal musste die Geldbörse einen neuen Fernseher hergeben. Das HD-Gerät zeigt einfach satte Farben und es macht richtig Spaß, unsere Blu-rays darauf anzusehen. Satte Farben gab es wenig später auch auf dem CSD in Hamburg. Zum ersten Mal überhaupt haben mich mein Engel und zwei meiner besten Freunde zu dem Event begleitet. Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück, es war so heiß, dass die meisten Jungs kaum was anhatten… Im August lief der Film „Ich & Orson Welles“ an, den ich damals auf keinen Fall verpassen wollte. Leider hatte ich die Rechnung ohne die hiesigen Kinos gemacht, die den Film gar nicht erst zeigten. Inzwischen habe ich mir den Film heruntergeladen (natürlich legal!) und werde ihn mir wohl in den nächsten Tagen endlich ansehen. Ins Kino kamen wir dann trotzdem noch, um uns „Inception“ anzusehen, einen Film, der einen gewaltig positiven Eindruck bei uns hinterlassen hat.

Im September endete der bis dahin so heiße Sommer abrupt und der wechselhafte Herbst hielt Einzug. Einen der schöneren Tage nutzten wir zu einem Ausflug ins nahegelegene Schwerin. Ich bin zuvor nie dort gewesen, wollte mir aber unbedingt das schöne Schloss, das ich bislang nur von Fotos kannte, einmal in der Wirklichkeit ansehen. Und es ist tatsächlich wunderschön. Im Jahr zuvor hatten wir uns das Plöner Schloss angesehen und waren schon begeistert, Schwerin legt da aber nochmal eine Schippe drauf. In der zweiten Monatshälfte hießen wir gemeinsam mit lieben Freunden den Herbst bei Federweißer und Zwiebelkuchen willkommen (wenn ich daran denke, könnte gern schon wieder Herbst sein…).

Der Oktober war geprägt von Vorfreude auf den gemeinsamen Jahresurlaub und den Vorbereitungen darauf. So mussten die Fürsorge für unsere Kater geregelt, Koffer gepackt und Pläne geschmiedet werden. Der Wagen wurde winterfest gemacht und meinen Augen gönnte ich nach drei Jahren mal wieder frischen Durchblick mit einer neuen Brille.

Der Urlaub an der dänischen Nordsee war dann im November auch sowas von erholsam! Eine Woche Ruhe und Frieden, und die ausgesperrte Welt drehte sich einmal nur um uns. Soviel Glückseligkeit ist anscheinend ungesund, denn bald darauf streckte uns eine Grippe nieder. Wenigstens gemeinsam…
Der Winter ist zurück! Einen Monat später als im Jahr zuvor versank im Dezember das Marzipan-Umland im Schnee. Gesperrte Autobahnen, geschlossene Schulen (= glückliche Lehrer) und zum Teil zwei Meter Schnee binnen zwei Tagen. Nur in der Marzipanstadt selbst war davon zunächst nichts zu merken. Erst mit ein paar Tagen Verspätung fielen dann auch hier die Schneeflocken und hüllten alles in einen weißen Mantel. Vor allem Bahnreisende kamen bei diesem Wintereinbruch voll auf ihre Kosten, so auch mein pendelnder Engel, der auf dem Heimweg in einem kleinen Ort mit dem Zug festsaß. Während ich ihn nach einer guten Stunde mit dem Auto abgeholt hatte, saßen andere Bahnreisende bis zu vier Stunden in der Kälte fest und wurden von Katastrophenschutz, Rettungswagen und Feuerwehren versorgt und in Notunterkünfte gebracht. Auf der Büroweihnachtsfeier war ich zum allerersten Mal im Casino und hatte gleich Glück. Für die erhoffte Million hat es zwar nicht gereicht, aber Spaß hat es gemacht. Jetzt, wo das Jahr in die Schlussakkorde haut, hat mich direkt nach Weihnachten schon wieder eine Grippe erwischt, diesmal so schlimm wie seit vielen Jahren nicht mehr. Entweder werde ich unvorsichtiger oder einfach anfälliger. Zum Glück geht es mir schon wieder so weit gut, dass ich wohl auf den Jahreswechsel werde anstoßen können.

Weg mit dem Speck

Ich finde es Jahr für Jahr erstaunlich. Die Vorfreude auf die Festtage wird so ausgiebig zelebriert. Vier Wochen vor dem Fest beginnt bereits der Countdown in deutschen Wohnzimmern, der Einzelhandel jauchzt und frohlockt, Last Christmas ist zu einem Volkssport darum geworden, wer dem Song am längsten entkommt und selbst das Weihnachtswetter spielt eifrig mit.

Und dann ist plötzlich alles vorbei. Die Musik ist raus, die Deko verschwindet, bei manchem fliegt sogar schon das Bäumchen aus der guten Stube. Zurück bleibt der Winter, der gerade erst in Fahrt kommt und die ersten Silvestervorbereitungen.

Wer den angesammelten Speck der Weihnachtsschlemmertage bis zum Silvestermenü loswerden will, der mache es mir einfach nach: Ein paar Tage schwere Grippe mit schlimmem Husten, garstigem Schnupfen und Schmerzen vom Scheitel bis zur Sohle können den Appetit schon ziemlich zügeln. Ein paar Tage nur Obst und Gemüse, viel schwitzen und inhalieren und schon ist es, als hätte es Weihnachten gar nicht gegeben…


Inzwischen geht es mir teilweise schon besser. Das Fieber hat sich in Wohlgefallen aufgelöst, ich kann mich wieder bewegen und muss nicht mehr nach drei Schritten eine Pause einlegen. Ich erinnere mich nicht, mich in den letzten zehn Jahren so schlecht gefühlt zu haben wie an diesem Montag. Natürlich war das der Tag, an dem ich mich unbedingt zum Arzt schleppen musste. Obwohl ich den Wagen genommen habe, fühlte ich mich am Ende, als hätte ich einen fünftausend-Meter-Lauf hinter mir. Zu verdanken habe ich das wohl der jüngsten Schwester meines Hasen, die mich am ersten Feiertag mit aggressiven Grippe-Viren bombardiert hat. Danke schööön.

Ich wünsche natürlich allen beste Gesundheit (zur Not bleibt der Speck eben, wo er ist) und einen erfreulichen Rutsch ins Jahr 2011!

 

Weiße Weihnacht

In diesem Jahr klappt es wieder hervorragend mit der weißen Weihnacht. Es schneite in den Tagen zuvor, es schneite am Heiligabend und es schneite am ersten Weihnachtsfeiertag. Inzwischen ist auch der zweite Weihnachtstag angebrochen – und es schneit noch immer.

Gestern haben wir die Familie meines Engels besucht, die einhundert Kilometer von hier entfernt wohnt. Unterwegs begegneten uns meterhohe Schneeverwehungen, durch die sich zum Glück bereits hungrige Räumfahrzeuge gebissen hatten. Mein blaues Auto konnte also beruhigt daran vorbeifahren. Der Tag war dann geprägt von Familie und Essen und Familie und Essen und… Zu guter Letzt sind wir in den Billard-Laden aus meiner frühen Jugend gefahren und haben eine ruhige Bowlingkugel geschoben. Das war lustig (und sogar halbwegs erfolgreich), aber ich erwarte heute nach dem Aufstehen einen bösen Muskelkater im Arsch.

Jetzt ist es schon spät und Engelchen und ich verschwinden jetzt im warmen Bett. Frohe Weihnachten!

 

I wanna be a billionaire…

Der gestrige Abend hat gehalten, was er versprochen hat. Die diesjährige Weihnachtsfeier im Kollegenkreis wurde im Nobelviertel der Marzipanstadt ausgetragen. Den Auftakt gestalteten wir kulinarisch in einer Weinwirtschaft, wo wir uns bei argentinischem Steak, Kalbsgoulasch und Entenbraten leckere Weine anreichen ließen. Ziemlich ausgefallen (nichts, wohin ich meine Geldbörse im „normalen Leben“ ausführen würde), aber auf jeden Fall sehr lecker. Zum Dessert gabs crème brûlée – für mich eine Premiere die man durchaus wiederholen kann. So ein dekadentes Essen dauert ja eine ganze Weile, immerhin will jede Geschmacksknospe berücksichtigt und jedes Gesprächsthema ausgiebig behandelt werden.

Schließlich mussten wir uns schon ziemlich beeilen, denn um halb zehn waren wir mit „unserem“ Croupier im Casino gegenüber verabredet. Also sammelten wir unsere Habseligkeiten zusammen und stapften durch den Schnee ein Gebäude weiter. Ich war noch nie zuvor in einem Casino, aber weil eine Grundausstattung mit Jetons in unserem Budget für die Weihnachtsfeier enthalten war, musste ich ja nicht mit meinem eigenen Geld spielen.

Es folgte eine Einführung in amerikanisches Roulette. Roulette als solches ist nichts weiter als eine Wette auf eine Zahl, eine Farbe oder einen Zahlenbereich. Amerikanisches Roulette hat die Besonderheit, dass es mit nur einem Croupier am Tisch gespielt wird. Die Einführung war ziemlich anschaulich und Dank Sekt auch noch ziemlich lustig. Danach fühlten wir uns mehr oder weniger bereit, unsere Jetons einzusetzen. Ich entschied mich, zuerst ein wenig zuzusehen, um ein Gespür zu bekommen. Es dauerte nicht lange, da waren die ersten Mitspieler schon raus. Meine ersten Einsätze waren zum Glück gleich erfolgreich, so dass ich meine ersten beiden eingesetzten Jetons gleich verdreifachen konnte. Also packte ich die Grundausstattung zurück in das Samtsäckchen und spielte nur noch mit dem Gewinn weiter. Ich war auf dem besten Weg, Millionär zu werden! Zwischendurch musste ich herbe Rückschläge verkraften, bei denen ich den Grundstock wieder auspacken und einsetzen musste. Bald hatte ich beide Hände voller Jetons und hatte schon gefährlich viel Spaß am Gewinnen. Und weil man aufhören soll, wenn es am schönsten ist, stieg ich aus, als ich meinen Einsatz verdreifacht hatte. Ich ging zur Kasse und löste auf dem Weg zu meiner ersten Million meine gewonnenen sechzig Euro in Bares ein. Das war doch mal ein erfolgreicher Abend!

Schöne Bescherung

Die Vorweihnachtszeit gehört (neben dem Christopher-Street-Day) zu den buntesten Tagen des Jahres. Wenn der Winter die Welt in einen Schwarz-Weiß-Film verwandelt, sind Straßen und Häuser besonders bunt geschmückt. Überall funkelt und leuchtet der Festtagsschmuck in vielen Farben, mal dezent, mal dekadent.

Gestern Abend funkelte hauptsächlich Blaulicht, als ich meinen Engel und zwei seiner Arbeitskolleginnen am Bahnhof in Bargteheide einsammelte. Während des anhaltenden Schneefalls am gestrigen Tag frotzelte ich noch scherzhaft, ob wohl die Bahn am Abend würde fahren können oder ob sich mein Freund in Hamburg einquartieren müsste. Um halb sieben am Abend hieß es zunächst, der Zug habe zwanzig Minuten Verspätung. Um zehn nach sieben sprach man schon von einer „Verzögerung auf unbestimmte Zeit“. Kurz darauf rief er mich an, weil er zusammen mit rund 300 Fahrgästen frierend in Bargteheide auf dem Bahnsteig stand. Der Zug konnte wegen eines Kurzschlusses auf der Strecke nicht mehr weiterfahren, die bestellten Busse ließen auf sich warten. Also machte ich mich auf den Weg, packte eine Decke ein, tankte vorsichtshalber den Wagen voll und fuhr über die verschneite Autobahn. Nach einer Stunde kam ich in Bargteheide an. Die Zufahrt zum Bahnhof war gesperrt, überall Blaulicht von Polizei, Rettungswagen, Feuerwehr und THW. Die Bahn hatte anscheinend noch einen zweiten Zug auf die Bretter geschickt, so dass eine weitere Zugladung Passagiere gestrandet war. Die Leute liefen durcheinander, auf die Straße, sogar auf die Gleise. Autos versuchten zu wenden, weitere Rettungsfahrzeuge – gefolgt von den ersten Bussen – bahnten sich ihren Weg. Mit dem letzten Rest seines Handyakkus lotste ich meinen Engel zum warmen Auto. Da es in Bargteheide anscheinend keine Bahnhofshalle gibt und die Dönerbude in der Nähe schon überfüllt war, war er nach anderthalb Stunden in der Kälte richtig schön durchgefroren. Die Feuerwehr fuhr in einem provisorischen Shuttleverkehr die gestrandeten Passagiere ins Feuerwehrhaus, das THW verteilte Heißgetränke und Decken, um die frierenden Menschen wieder aufzuwärmen. Um halb zehn, statt um sieben Uhr, war mein Freund dann endlich zu Hause.

Wenn heute auf der Fahrt etwas schiefgeht, kann ich ihn nicht auflesen, denn heute steigt die Weihnachtsfeier mit meinen Kollegen. Wir werden es uns am Abend zunächst kulinarisch gut gehen lassen, um anschließend im Casino Millionäre zu werden. Morgen dann ein weiterer kulinarischer Höhepunkt auf der Weihnachtsfeier mit Freunden und schließlich am Sonntag Weihnachtsbaumschlagen mit der Firma meines Engels. Das Wochenende ist somit gut versorgt mit kulinarischen und anderen Freuden.

Am letzten Wochenende fand schon die erste private Weihnachtsfeier mit drei Freunden bei uns zu Hause statt. Da wurde gekocht, genossen, beschert und gelacht. An solchen Tagen könnte Weihnachten wirklich öfter im Jahr stattfinden.

Allen einen schönen vierten Advent!

 

Zu den Schaufeln!

Dichtes Schneetreiben herrscht heute in der Marzipanstadt. Alles Wichtige habe ich daher am späten Vormittag erledigt, als die Straßen noch einigermaßen passierbar waren. Jetzt wird der Verkehr vor meinem Arbeitszimmer zusehends langsamer, Lastwagen geraten ins Rutschen, Fahrräder beißen sich durch die Schneedecke und die Grenzen zwischen Straße und Gehweg verschmelzen unter dem vielen Weiß. Der Himmel sieht obendrein nicht so aus, als würden ihm die grauen Schneewolken so bald ausgehen.

Zu den Schaufeln!

 

Oh. Schnee.

Während die umliegenden Ortschaften ja bereits vor Tagen im Schnee versunken sind und selbst an der anderen Küste schon längst Schneeschippen angesagt ist, hat jetzt auch die Marzipanstadt etwas abbekommen. Im Tagesverlauf hatten sich die Wolken zusammengerottet, eine dunkelgraue Farbe angenommen und konnten ihre Fracht bald nicht mehr halten.

Es schneit. Zuerst ganz kleine, inzwischen schon dickere Flocken segeln in aller Seelenruhe auf Hausdächer, Straßen, Gehwege. Und die Bäume strecken ihre vielen nackten kalten Zweige aus, um ein paar Schneeflocken zu fangen. Am Abend schlittere ich mit meinem weißen Fahrrad von der Arbeit am Weihnachtsmarkt mit dem bunten Riesenrad vorbei über verschneite Radwege nach Hause. Inzwischen liegen hier gewaltige sieben Zentimeter Schnee. Da ist kaum ein Durchkommen…

Zu Hause angekommen krame ich die Schneeschaufel aus der allerletzten Kellerecke (denn dorthin habe ich sie nach dem letzten Winter verbannt). Eifrig mache ich mich daran, den Gehweg zu befreien. Der Schnee ist noch puderleicht, und so geht das Räumen einfach von der Hand. Noch schnell die Zuwegung zum Haus – und fertig. Da es immer noch schneit, wird das nicht lange vorhalten, spätestens morgen früh ist wieder alles weiß.

Ich mag es, wenn es schneit. Noch jedenfalls. Alles wirkt so still und sauber. Die Vorweihnachtsdeko an den Häusern kommt dann besonders gut zu Geltung und ganz allmählich macht sich auch Vorfreude auf die Festtage breit.

Jetzt aber schnell wieder rein ins Warme. Bei minus vier Grad bekommt man ganz schnell kalte Füße.

 

War was?

Wenn ich morgens verschlafen die Schlummertaste an meinem Wecker drücke, sich die Kater auf ihren blütenförmigen Kissen räkeln und mein Engel schon längst bei der Arbeit ist, gießt sich spärliches Tageslicht langsam wie Milch im Morgenkaffee durch die Holzjalousie in mein Schlafzimmer. Grauer Winter lauert dahinter und reizt mich überhaupt nicht, meine Bettdecke von mir zu schubsen und in die Dusche zu steigen, die sich zur Zeit nicht zwischen heiß und eiskalt entscheiden kann.

Wenn die Dusche erst einmal ihre Wirkung entfaltet und meine Lebensgeister geweckt hat, fühlt sich der junge Morgen schon etwas besser an. Grau ist es draußen aber nach wie vor. Weißgraue Nebelschwaden bedecken die große Wiese hinter dem Haus auf der anderen Straßenseite und verbergen den größten Teil der winterlichen Farblosigkeit.

Wenn ich wenig später vor die Tür trete, eingemummelt in mehrere Kleiderschichten, um dem beißenden Wind und dem gefrorenen Boden zu trotzen, zerre ich mein weißes Fahrrad aus dem Keller und mache mich auf den Weg in die Innenstadt zur Arbeit. Es riecht nach Schnee, aber die Wolken geben noch nichts her. So eine Fahrt, vorbei am Stadtpark, am früheren Pestfriedhof und durch vorweihnachtlich erleuchtete Straßen, dauert in der Regel nicht länger als zehn frostige Minuten.

Im Büro ist es schon mollig warm, es riecht nach Heizung und wie jeden Tag bin ich der Nachzügler. Ich schäle mich aus all den Klamotten, um die warme Raumluft zu begrüßen. Es dauert nicht lange, bis mein Arbeitsplatz eingerichtet ist und ich in einen mehr oder minder organisierten Vormittag starte. In meiner Mittagspause surfe ich durch das Internet und lese die neuesten Nachrichten aus der Gegend. Das Umland scheint im Schnee zu versinken, innerhalb von zwei Tagen sind offenbar anderthalb Meter Schnee gefallen und sorgen für gesperrte Autobahnen, Einsätze des THW und geschlossene Schulen. Ich trete ans Fenster und blicke hinaus auf die Hauptverkehrsstraße unserer Innenstadt: Busse, Autos, Lastwagen, Fußgänger… Aber ich sehe nicht eine einzige Schneeflocke.

Als ich abends mein Fahrrad in den kalten Keller schiebe und die Treppen zur Wohnung hinaufsteige, begegne ich meinem Nachbarn, dem Lehrer, im Treppenhaus. Mit einem diebischen Grinsen bindet er mir auf die Nase, dass er heute und morgen schneefrei hat. Hab ich erwähnt, dass ich bald wieder Urlaub habe?

 

Der Kampf ums Frühstück

Also die Novembergrippe ist soweit auskuriert. Den verbliebenen und ziemlich hartnäckigen Schnupfen schreiben wir einer hintergründigen Erkältung zu, die angesichts der rasant gefallenen Temperaturen aber auch nicht so richtig überraschend ist. Inzwischen ist der erste Schnee des heranrollenden Winters gefallen, hier in der Marzipanstadt allerdings nur in harmlosem Gekrümel, der sich inzwischen nur noch vor dem eisigen Wind hinter dicken nackten Bäumen versteckt.

Gestern Abend waren wir im Kino, um „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ zu sehen, der schon vor etwas über einer Woche angelaufen ist. Überraschenderweise gibt es den Film noch nicht in 3D zu sehen, offiziell, weil die Version bis zum Kinostart nicht in guter Qualität fertiggestellt werden konnte. Ich glaube ja, dass vor dem nächsten Teil noch eine 3D-Version ins Kino kommt. Und wie ich uns kenne, werden wir auf diesen ziemlich offensichtlichen Trick hereinfallen und ihn uns nochmal ansehen, denn der Film hat uns gut gefallen. Er ist tatsächlich nochmals düsterer geworden. Gemessen daran, was ich aus dem Buch noch kenne, hatte ich das Gefühl, dass sich der Film diesmal sehr eng an der Vorlage orientiert. Vermisst haben wir nichts. Die Produzenten haben sich viel Zeit gelassen, die Geschichte zu erzählen. Obwohl der siebte Harry-Potter-Band in zwei Filme aufgeteilt wurde, hatte schon der erste Teil Überlänge, ohne, dass Langeweile aufkam. Der zweite Teil soll dann im Sommer 2011 in die Kinos kommen und wir freuen uns schon darauf.

Heute Morgen Mittag nach dem Aufstehen knurrte mir der Magen, und weil unser Vorratsschrank nichts mehr hergab, beschlossen wir, in der Innenstadt zu frühstücken. Im CaféArt gibt es ein obergeniales Frühstück mit allem Drum und Dran. Leider war es nicht einfach, dorthin zu gelangen, denn die Marzipanstadt ist nicht sehr autofreundlich und hat ein enormes Parkplatzproblem (genaugenommen ist sie auch nicht besonders fußgänger- und schon gar nicht radfahrerfreundlich…). Na jedenfalls waren heute Mittag alle Parkhäuser in der City belegt, die innenstadtnahen Parkplätze natürlich sowieso besetzt und überhaupt die gesamte Verkehrssituation ein einziger Graus. Wir stellten unser Auto schließlich so weit außerhalb ab, dass wir genauso gut von zu Hause aus hätten laufen können. Aber so ein Spaziergang bei minus drei Grad ist ja auch mal ganz erfrischend. Nach einer geschlagenen Stunde kamen wir im CaféArt an und suchten uns einen Tisch in Heizungsnähe, um unser köstliches Frühstück zu genießen. Das klappte auch ganz gut, Kaffee und Kakao dufteten köstlich, die warmen Brötchen und die Unmengen von Aufschnitt, Marmelade und Honig ließen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Bis sich zwei Tische weiter zwei Frauen ihre Zigaretten anzündeten. Es dauerte nicht lange, da war der Kaffeeduft verschwunden, und auch jeder andere Wohlgeruch löste sich in blauen Dunst auf. Vermutlich hatten wir den Hinweis übersehen, dass es sich um ein Raucherlokal handelt. Wir beendeten das Frühstück sodann recht schnell und waren bald froh, wieder an der frischen Luft zu sein. Von einem Hinweis auf ein Raucherlokal jedoch fehlte jede Spur. Schade.

Ich finde, eine Ecke zum Rauchen in einem Restaurant ist
wie eine Ecke zum Pissen in einem Pool.

 

Novembergrippe

Das wird ein kurzer Eintrag. Engel und mich hat es umgehauen und solidarisch haben wir uns verkrochen, um unsere Novembergrippe zu kurieren. Gerade kommen wir von der überfüllten Apotheke und haben uns mit Hustenlöser, Halspastillen und Erkältungsbad ausgerüstet. Leider ist ein Treffen mit Freunden am Wochenende dafür ausgefallen. Aber immerhin haben wir jetzt viel Zeit zum Lesen, zu mehr scheint der graue November im Moment eh nicht zu gebrauchen zu sein.