Damokles

Nach der Zeitumstellung von letzter Nacht sind wir heute Morgen relativ früh aus dem Bett gekullert. Nicht einfach so natürlich, sondern weil unsere Altbauwohnung unter ungeübten Händen und Füßen so einen Krach gemacht hat…

Wie man sieht, bin ich in der letzten Zeit wieder einmal nicht zum Schreiben gekommen. Überhaupt habe ich nicht so richtig viel zustande gebracht seit meiner letzten Aufzeichnung. Das lag sicher nicht zuletzt daran, dass ich im Büro wahnsinnig viel zu tun habe, seit der September zum Oktober wurde. Wenn ich abends in der Altstadt aus dem Büro komme, ist es draußen dunkel und kalt. Eingepackt in Mütze, Schal und Handschuhe radele ich wacker nach Hause und freue mich, wenn es nicht regnet. Zu Hause passiert dann nicht mehr viel, weil ich völlig k.o. bin…

Dennoch waren Engelchen und ich am ersten Oktoberwochenende bei meinen Eltern, um deren Silberhochzeit zu feiern. In meinem letzten Eintrag erzählte ich schon von der Vorbereitung des Geschenkes (zumindest eines Teils davon). Über das Foto haben sich unsere Eltern riesig gefreut. Familienfeiern sind mir eigentlich ein Graus, aber ich hab so wenigstens alle mal wieder gesehen. Und nach dem zweiten Sambuca mit meinen Brüdern fand ich bald alles ganz toll… Nach dem dritten und vierten auch und dann hab ich auch schon nicht mehr zählen können, aber ein paar waren es wohl schon noch… Irgendwann mussten wir meinen jüngsten Bruder dann nach Hause schaffen, was gar nicht so einfach war. Der war vielleicht doon!

Am nächsten Morgen wachte ich gegen neun Uhr im Gästezimmer meiner Eltern neben meinem Engel auf. Ich öffnete vorsichtig meine Augen und dachte: ‚Cool, dreht sich gar nicht…‘. Dann drehte ich mich um und dachte: ‚Scheiße, umdrehen war keine so gute Idee!‘ Ich war dann bald aufgestanden und hinunter in die Küche gewankt, dorthin, wo es Kaffee gab! Meine Schwägerin war auch schon wach und grinste mich ganz seltsam an… Dann zog sie meine Kamera hervor und zeigte mir die Fotos, die am Abend zuvor von mir gemacht worden waren… Oh. Mein. Gott! An ein paar Szenen kann ich mich wirklich nicht mehr erinnern…

Am Wochenende darauf stand die nächste Familienfeier an – obwohl, „Feier“ ist nicht ganz das richtige Wort. Wir haben meinen zweitjüngsten Bruder verabschiedet. Er ist Soldat und ist vor ca. zwölf Stunden nach Afghanistan geflogen. Inzwischen dürfte er längst dort sein. Gerade sind die Sorgen um den einen Bruder abgeflaut, mache ich mir große Sorgen um den zweiten. Und das für die nächsten sechs Monate…

Am Donnerstag stand bei meinem Engel ein Einstellungstest an. Nachdem er sich fast zwei Wochen hochdiszipliniert darauf vorbereitet hatte, wurde es wirklich Zeit, dass er das angesammelte Wissen endlich abladen durfte. Jetzt sind wir gespannt, ob es sich gelohnt hat…

Gestern bekamen wir dann Besuch von Nate. Nachdem wir am letzten Wochenende nach der Verabschiedung meines Bruders bei ihm nächtigen durften, luden wir ihn gestern zum Essen ein. Dass wir ihn dabei gleich zum Reifenwechsel verdonnerten, war eigentlich nicht geplant. Aber sein Beruf als Kfz-Mechaniker prädestiniert ihn geradezu. Als er gestern bei uns eintraf, wurde es allerdings gerade dunkel, und so haben wir die Mechanikerei auf heute verschoben. Und so kam es, dass unsere Wohnung heute Morgen laute Geräusche machte. Der Altbau-Dielenfußboden knarrte bei jedem Schritt unseres Freundes, als er morgens still und leise das Luftbett verließ. Die Türen, die er so leise wie möglich zu öffnen und schließen versuchte, machten es ihm nicht leicht und knarrten und klackten und quietschten geräuschvoll. Und obwohl er sich so viel Mühe gab, uns nicht aufzuwecken, hatte er keine Chance. Ich werde ja sowieso beim kleinsten Geräusch wach und amüsierte mich heimlich über seine verzweifelten Versuche, keinen Lärm zu machen… Gemein, ich weiß, aber ich bin dann ja auch aufgestanden, damit er sich nicht mehr abmühen muss.

Gemeinsam tauschten wir die schicken Sommerräder bei meinem Wagen gegen die schwarzen Winterräder. Der linke Scheinwerfer wurde auch gleich fachmännisch repariert und jetzt ist das blaue Auto wieder einsatzbereit und wintertauglich.

So ein Gastgeberwochenende ist immer ziemlich anstrengend, und nachdem unser Besucher nach Hause aufgebrochen ist, hängen Engelchen und ich ziemlich durch und vermeiden jede unnötige Bewegung. Morgen muss ich wieder arbeiten, während mein Freund noch eine letzte Woche krankgeschrieben ist. Ab erstem November darf er dann wieder arbeiten, mit weniger Stunden und weniger Geld. Bleibt die Hoffnung, dass er bald einen neuen Job hat, damit es wieder aufwärts gehen kann.

Vorbereitungen

Inzwischen ist es wirklich kalt geworden in der Marzipanstadt. Erst am Freitag fuhr ich morgens bei sieben Grad in die Altstadt zur Arbeit. Und da wusste ich: jetzt ist es Zeit für die Winterklamotten! In diesem Moment blicke ich durch die Balkontür auf einen stürmischen und verregneten Sonntagmorgen. Ich bin gerade erst aufgestanden, bin in die Dusche gestiegen und warte jetzt auf einen trockenen Moment, damit ich beim Kiosk gegenüber frische Brötchen kaufen kann. Mit den Brötchen locke ich dann später meinen Engel aus dem Bett – sofern das nicht der ums Haus heulende Wind erledigt…

Meinem Engel geht es gar nicht gut. Seit Wochen ist er krankgeschrieben. Was sich lange angekündigt hatte ist nun passiert, er kann in der Firma nicht mehr arbeiten. Das kommt mir sehr bekannt vor und lässt mich hoffen, dass sich für meinen Schatz wie damals für mich alles zum Guten wenden wird. Derzeit muss er regelmäßig zum Therapeuten, aber der kann ihm nicht wirklich helfen, denn was her muss, ist ein neuer Job…

Um die Familie ging es auch am letzten Wochenende. Wir besuchten meinen großen kleinen Bruder mit seiner Frau und den beiden Kiddies in ihrem neuen Häuschen. Eigentlich war das ja ein geheimes Treffen, aber irgendjemand hat sich (zum Glück) verquatscht und so haben unsere Eltern Wind von unserem Erscheinen bekommen, was natürlich dazu führte, dass sie auch dazukamen. Das war toll, denn ich hatte meine Mum schon so lange nicht gesehen. Sie ahnte vermutlich, dass wir aus einem bestimmten Grund angereist waren, denn schon bald verabschiedeten sich unsere Eltern und ließen uns allein. Na ja, allein trifft es nicht. Denn mit meinem kleinen kleinen Bruder, meiner Schwester, meiner Schwägerin, dem Freund meiner Schwester und den drei Kleinen waren wir immerhin zu zehnt. Wir taten also, wozu wir gekommen waren:

Mein kleiner kleiner Bruder hatte es dann ziemlich eilig, weil er seine Freundin erwartete. Wir erinnern uns an die Aufregung und Besorgnis in der Familie, die dieser Beziehung wegen in den letzten Wochen herrschte. Dies war nun die erste Gelegenheit, mit meinem Bruder direkt über die ganze Geschichte zu reden. Ich war froh, dass er sich darauf einließ (na ja, er hätte ansonsten aus dem fahrenden Wagen springen müssen). Und das Gespräch war wirklich toll! Ich habe den Eindruck, dass er nicht so verbohrt ist, wie ich befürchtet hatte. Er weiß tatsächlich, was er da tut. Er weiß, dass er Fehler macht, fragt sich, warum er sie macht und versucht, daran zu arbeiten. Und was ich jetzt weiß: er ist wirklich bis über beide Ohren verliebt. Ich weiß jetzt, dass er nicht von ihr erpresst wird und dass er überzeugt ist, dass sie ihn genauso liebt wie er sie. Wir haben lange miteinander gesprochen. Ich habe versucht, sowohl die besorgte Familie als auch ihn zu verstehen und vor allem, ihm zu zeigen, warum alle so heftig reagiert haben. Uns wurde beiden so einiges klar, haben gemeinsam herausgefunden, wie sich alles zusammensetzt. Der Druck, der auf ihm lastete, die Attacken gegen die Beziehung, die ihm so wichtig ist und das, was daraus folgte. Ich konnte ihm verständlich machen, warum sich die Familie so große Sorgen gemacht hat und dass sich das mit jeder Reaktion gesteigert hat. Dass so etwas wieder und wieder eskalieren musste, war unausweichlich. Ich glaube, wir beide fühlten uns nach dem Gespräch wirklich gut. Ich konnte endlich mit ihm sprechen und auch mal seine Version anhören, und er hat gemerkt, dass ich ihn nicht verurteile, sondern für ihn da bin. Das einzige Urteil, das ich mir erlaubt habe, sind die Hochzeitspläne. Ich habe ihm erklärt, warum ich nicht gut finde, dass er sich gleich mit 18 Jahren verheiraten will. Die beiden sehen sich nur am Wochenende, leben nicht zusammen und kennen daher die vielen Reibungspunkte voneinander noch gar nicht, die erst zutage treten, wenn man täglich miteinander umgeht und lernen muss, wo man zurücksteckt und wo man sich verwirklicht. Er hat meine Bedenken nicht kommentiert. Ich glaube zwar, dass er sie verstanden hat, dass er aber sein Versprechen seiner Verlobten gegenüber nicht zurückziehen will (und nach dem Hin und Her der letzten Zeit wohl auch nicht mehr kann, ohne endgültig das Gesicht zu verlieren).

So, gerade ist mein Engel aus seinem Wolkenbett gestiegen. Zwischenzeitlich war ich auch drüben beim Kiosk, um Brötchen zu kaufen – aber der hat heute geschlossen! So ein Ärger! Zum Glück haben wir noch Toast…

 

Sommerschluss

Als ich heute früh meinen Drahtesel aus dem Keller zog und mich auf den Weg ins Büro machte, bemerkte ich, wie kalt es inzwischen geworden war. Schon an der ersten Kreuzung, an deren Ampel ich fast jeden Morgen warten muss, dachte ich: Jetzt ist es bald Zeit für Handschuhe!

Nur einen knappen Kilometer weiter, auf der anderen Seite der von alten Buchen gesäumten Straße, wühlte ein Angestellter der Marzipanstadt mit einem windigen Laubsauger die gefallenen Blätter auf und blies sie zu großen grün-gelben Haufen zusammen, während aus dem hellblauen Frühherbsthimmel weiteres frisch gefärbtes Laub zu Boden fiel.

Mit meiner Lektüre komme ich indes gut voran. ‚Der Schatten des Windes‚ liest sich zwar nicht so leichtfüßig wie beispielsweise ‚Twilight‘ oder ‚Tintenblut‚, die Geschichte weiß trotzdem zu fesseln (gestern war es sogar ein bisschen gruselig…) und der Stil ist der beste, den ich in diesem Jahr gelesen habe. Für den Leseherbst danach ist auch schon gesorgt, gerade gestern sind zwei neue Bücher für mich eingetroffen…

Ja, sie wollen!

Eine Arbeitskollegin meines Engels beschloss vor einigen Monaten, ihren langjährigen Freund zu ehelichen. Wie viele andere Menschen auch, entschieden sich die beiden für das einprägsame Datum 09.09.09. Und dieser Tag begann am Morgen des letzten Mittwochs…

Nach dem jüngsten Ende unseres letzten Urlaubs wagte ich die Ungeheuerlichkeit, meinen Chef um einen bis anderthalb freie Tage zu bitten, um die Folgen des Ja-Wortes gebührend feiern zu können. So ungeheuerlich fand Chef diese Bitte dann aber gar nicht und so konnten Engelchen und ich am Mittwoch getrost ausschlafen. Das erste Eheversprechen gab sich das Brautpaar dann ungefähr zu der Zeit, zu der mein Freund und ich das Frühstück genossen. Die standesamtliche Zeremonie war der Familie vorbehalten.

Erst zur kirchlichen Trauung warfen wir uns in Schale, sammelten M. ein und machten uns auf den Weg. Weit hatten wirs ja nicht, nach nur zwanzig Minuten mischten wir uns unter die feierliche und mir nahezu vollständig fremde Hochzeitsgesellschaft, die zu einem Großteil aus Familie und zu einem weiteren Großteil aus gemeinsamen Arbeitskollegen meines Freundes sowie des Brautpaares bestand.

Nur sehr wenig später erfolgte der feierliche Einzug der Braut in die Kirche. Das kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen, war hier aber nicht minder bewegend! Sowohl der Bräutigam als auch die Braut waren nach wie vor mit einer Heirat vollends einverstanden und besiegelten ihr Versprechen für lebenslanges Glück zur Freude der anwesenden Gesellschaft mit einem züchtigen Kuss.

Nach der Trauung in der Kirche führte dann ein ansehnlicher Autokorso hupend und vergnügt zum Festsaal – ja, schön wärs gewesen, aber stattdessen ergab sich ein (im Nachhinein ganz erheiterndes) Durcheinander. Und das begann so:
Nachdem ich für meine Kamera im Supermarkt gegenüber der Kirche eiligst neuen Strom besorgt hatte, löste sich die Hochzeitsgesellschaft auf dem Platz langsam auf und verteilte sich auf die wartenden Autos. Auch M., Engelchen und ich liefen zu unserem Wagen auf der anderen Straßenseite. Wir erreichten die übrigen Fahrzeuge just, als sich das Gefolge hinter dem Brautauto langsam in Bewegung setzte.

Etwas irritiert waren wir dann schon, als der Wagen mit dem frischgebackenen Ehepaar links anhielt. Wir folgten dennoch brav der Kolonne vor uns, immerhin wussten die im Gegensatz zu uns, wo es langgehen sollte… Zu dumm, dass wir dann von einer roten Ampel getrennt wurden und ich plötzlich das Leitfahrzeug fuhr… Verwirrt und in Schweiß ausbrechend fuhr ich den frischgewaschenen blauen Wagen an der nächsten Bushaltestelle rechts ran, um die nachfolgenden Fahrzeuge zwecks Wegweisung vorbeiziehen zu lassen. Aber niemand fuhr vorbei, denn auch von denen hatte niemand einen Schimmer, und so stand der halbe Korso hinter uns auf der Haltestelle. Engelchen hüpfte eiligst aus dem Wagen zum Kofferraum, wo wir unter allgemeiner Zustimmung der hinter uns aufgereihten Windschutzscheiben das Navigationsgerät um Rat fragten. Zielsicher konnten wir nun unsere Fahrt kurz darauf fortsetzen und lenkten die Kolonne auf die Autobahn. Als uns das Navi auf eine mautpflichtige Strecke führen wollte, setzten wir uns ortskundig darüber hinweg und folgten der Autobahn – ohne die nachfolgenden Fahrzeuge, die scheinbar geradewegs in die Mautfalle fuhren… Wiederum verwirrt stellten wir nur kurz darauf fest, dass das Ziel unserer Reise vor der Mautstation gelegen hätte und der scheinbar bessere Weg über die Autobahn entpuppte sich als Umweg. Damit nicht genug saßen wir alsbald nach Verlassen der Schnellstraße hinter einem Müllauto fest und nachdem wir dieses endlich überholen konnten hielt uns auch noch eine Schleicherin auf. Doch welch Überraschung, als wir uns auf der Zielgeraden wie selbstverständlich und auf die Sekunde genau hinter dem verbliebenden kleinen Autokorso einreihten, das dem Brautwagen gefolgt war. Hupend und schon ein wenig erleichtert fuhren wir die Auffahrt hinauf, an deren Ende wir den Wagen parkten und uns wieder in die Hochzeitsgesellschaft eingliederten.

Die Feier an sich war dann von klassischer Natur. Nach der „Bescherung“ und einem unheimlich umfangreichen und köstlichen Buffet folgten Tanz und Spiele, der eine oder andere Schnäppes, Gespräche und Gelächter. Weil mich am nächsten Tag die Pflicht rief, blieben mein Freund, M. und ich bis Mitternacht, als nochmal lautstark gepoltert wurde. Die Rückfahrt blieb dann auch ohne Zwischenfälle, und müde und ein wenig heiser fielen wir ins Bett…

 

Skaven Strand

Da bin ich wieder. Eigentlich sind wir schon am Montagabend aus dem Urlaub zurückgekehrt, aber erst jetzt bin ich soweit erholt, dass ich ein paar Zeilen zu Papier bringen kann. Dass Urlaubsreisen auch immer so anstrengend sein müssen…

Der erste Teil der Reise ging wahnsinnig schnell. Angefangen mit der Ab- und Anreise. Das Wetter versprach Großartiges, die Sonne schien vom blankblauen Himmel und die Temperaturen hingen schon seit Tagen über der 20-Grad-Marke fest. Es war Vormittag, als wir das Auto beluden, in der Waschanlage verwöhnten und uns um elf Uhr endlich auf den Weg machten.

Natürlich führte uns der Hunger zunächst nach Flensburg, so wie bei jeder unserer Dänemark-Auto-Touren. Bei dem dortigen Burger-König begegnete ich meinem Lieblings-Verkäufer aus der Stadtbäckerei – ebenfalls auf dem Weg in den dänischen Urlaub.

Viel schneller als gedacht erreichten wir die Ferienhausvermietung und nahmen den Schlüssel entgegen. Das geht immer so erstaunlich einfach. Reingehen, Schlüssel abholen, rausgehen, weiterfahren. Den Weg zur Feriensiedlung kannten wir ja inzwischen auswendig und waren auch flugs da.

Schnell hatten wir uns für eines der drei Schlafzimmer entschieden und begannen sofort mit dem Einräumen des Kleiderschrankes. Erst dann fühle ich mich immer wie zu Hause. Auch hier war das Wetter hervorragend und wir ignorierten die Wolken, die langsam am Horizont Stellung bezogen…

Am Morgen des Sonntages genossen wir ein entspanntes Frühstück inmitten der Ferienstille. Mein Freund setzte versehentlich die Brötchentüte in Brand und die Sonne war auch schon aufgestanden. Trotzig stand sie am Himmel und reizte mich dazu, mich fast nackt auf die Terrasse zu legen. Fast, denn noch hatten wir Nachbarn. Fünf Personen wohnten im Haus nebenan. Woher sie kamen konnten wir nicht herausfinden, denn sie unterhielten sich in drei verschiedenen Sprachen. Den einzigen Kontakt konnten wir zu dem quirligen Jack-Russell-Terrier herstellen, der seinen Fußball oft quer durch unseren Garten trieb, während ich der Sommersonne ein wenig Bräune abzuringen versuchte.

Vergebens, denn am Dienstag gewannen die drohenden Wolken die Oberhand und verschluckten die Sonne. Jeden Morgen beim Aufwachen hoffte ich auf scharfe Schatten, die die Sträucher von außen auf das Schlafzimmerrollo warfen, aber die Wolken machten Licht und Schatten diffus. Zudem zog ein kühler Wind auf und zwang mich, wieder Kleidung zu tragen. Bei der Gelegenheit besuchten wir Blåvand, an dessen Strand ich mich meiner Klamotten aber beim ersten Sonnenstrahl wieder entledigte. Das Wasser war nach ein paar Schrecksekunden herrlich warm und so wateten wir durch die Nordsee bis zum Leuchtturm. Zu blöd, dass ich die Schuhe im Auto gelassen hatte, denn der Weg zum Turm war steinig…

Der Auftsieg bis hinauf auf die Plattform war etwas einfacher als vor einem Jahr in Hvide Sande, und weil die Plattform nicht von einem Gitter sondern einer Mauer gesäumt war, kam auch mein Freund mit hinaus um sich das blaue Meer von oben anzusehen, die bizarren Dünen und den aufgeheizten Strand. Hier und dort ließen halbnackte Männer bunte Drachen steigen und verzierten damit den wieder friedlichen Sommerhimmel.

Der Tag am Strand tat richtig gut. Der feine warme Sand zwischen den Zehen, der vom klaren Nordseewasser fortgespült wurde und natürlich die Sonne, die sich alle Mühe gab. Mit jedem Schritt hielten wir den Blick fest auf dem Boden, um zwischen all den Steinen, die das Meer so liegenlässt, vielleicht einen Brocken Bernstein zu finden. Hier und da sammelten wir einen der nassen, glänzenden Steine auf. Sie waren mal bläulich, mal durchsichtig weiß, mal tiefrot oder bernsteinfarben. Jeden einzelnen versenkten wir tief in unseren Hosentaschen, um ihn später genauer untersuchen zu können.

Zurück im Ferienhaus waren die Steine längst getrocknet und hatten jeglichen Glanz und jeden Reiz verloren, als wären sie nur für das Meer so wunderschön. Wir verbannten sie aus unseren Hosen und deponierten sie neben dem Kamin im Wohnzimmer.

Als wir abends die Grillkohle zum Glühen brachten, frischte der Wind allmählich wieder auf. Nach mehreren Versuchen (es war längst dunkel in Skaven Strand) gelang es mir, den Kamin anzufeuern und das Ferienhaus wurde warm. Ziemlich warm. Unerträglich warm! Das rot- und gelbglühende Brennholz knackte und knisterte und die Hitze zwang uns, alles auszuziehen. Wie schrecklich…

Die letzten Sonnenstrahlen unseres Aufenthaltes im Feriengebiet besahen wir uns vom Strand, der fast vor unserer Haustür lag. Vorbei am kleinen Bootshafen, über die Düne und die großen Steine passierten wir mehrere Kite-Surfer, die den Wind für einen ausgiebigen Wellenritt nutzten. Als nach etwa einem Kilometer die Sonne endgültig aufgab und ich mir in einem eiskalten Quellbach die Füße gekühlt hatte, setzten wir zum Rückmarsch an. Dabei entdeckten wir eine alte Ferienhaussiedlung, die so schäbig wirkte, dass wir wieder einmal froh waren, uns für die altbekannte Siedlung entschieden zu haben.

Ein wenig wehmütig packten wir abends unser Gepäck wieder ins Auto und verließen am folgenden Tag bei strömendem Regen das Feriengebiet, um uns auf den Weg in die königliche Hauptstadt zu machen, dem zweiten Teil unserer Reise.

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Kopenhagen

Der zweite Teil unseres Urlaubs begann nur rund drei Stunden nach Verlassen des Ferienhauses.

Zum ersten Mal drangen wir mit dem blauen Auto in die Tiefen der Metropole vor. Wohlbehalten erreichten wir unser Hotel und parkten den Wagen auf dem Hinterhof. Unser Zimmer lag wie beim letzten Besuch des Hotels im Haupthaus, diesmal aber nicht unter dem Dach sondern im vierten Stock. Das Zimmer war klein, aber wieder wunderschön.

Nach dem obligatorischen Schrank-Einräumen hielt es uns nicht lange auf dem Zimmer. Wir schnappten unsere Kameras und machten uns auf Entdeckungsreise durch eine Stadt, die wir eigentlich schon recht gut kennen. Zielstrebig steuerten wir die Sehenswürdigkeiten an, die wir uns bisher nur im Winter oder sogar noch gar nicht angesehen hatten.

Zum Beispiel das Schloss Christiansborg, gleich neben dem schwarzen Diamanten, der die königliche Bibliothek beherbergt. Natürlich sind wir auch durch die Strøget gelaufen, aber nur zweimal oder so…

Dies war ein weiterer interessanter Aufenthalt in der dänischen Hauptstadt. Leider war es auch hier recht kühl (tagsüber nur 17 Grad). Wir sind wieder wahnsinnig viel rumgelaufen, und am Ende freute ich mich sogar schon wieder auf zuhause. Fünf Stunden dauerte die Fahrt zurück in die Marzipanstadt.

Anderthalb Tage waren nötig, um uns von den Anstrengungen zu erholen.

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Vorfreude

Es ist Dienstag, der 18. August 2009. Zumindest noch für die kommende halbe Stunde. Ich habe mich gerade ins Bett gelegt und im Schein meiner weißen schwedischen Nachttischlampe mein Notebook in den Schoß gelegt. Mir gegenüber schnarcht ein schwarz-brauner Kater auf der mittleren Etage seines gigantischen Kratzbaumes, während sein weißer Bruder meinem Freund Gesellschaft leistet, der im Raum nebenan am Computer sitzt.

Obwohl es draußen dunkel und die Uhrzeit fortgeschritten ist, zeigt das Thermometer über zwanzig Grad an. Viel zu warm für mich, dabei habe ich mittlerweile alles bis auf das Allermindeste ausgezogen! Aber genau so habe ich es ja gewollt, denn inzwischen ist mein dreiwöchiger Urlaub gestartet. Aktuell befinden wir uns quasi in der Vorphase, wenn man das so nennen möchte, also in jenem Zeitraum vor unserer Urlaubsreise. Anders als sonst haben wir eine ganze Woche, um alle Vorbereitungen in Ruhe genießen zu können und die Vorfreude zu steigern. Bisher gestaltet sich dieses Vorspiel überaus verschwenderisch, denn neue Shirts, Shorts, Bücher und chinesisches Essen forderten meinen Geldbeutel in den ersten zwei Tagen schon massiv heraus. Wenn das bis zum Bettenwechsel am Samstag so weitergeht, bleibt für die Urlaubsreise nichts übrig…

Eine kurze Urlaubsreise hatten wir auch schon am vergangenen Wochenende. B. hatte U., W., meinen Hasen und mich zu sich nach Hause eingeladen. Er wohnt ungefähr 100 Kilometer von uns entfernt im ersten Stock seines Elternhauses. Flashbackartig erkannte ich seine Wohnung von früher wieder, als ich anlässlich einer Silvesterparty bei ihm war. Das ist inzwischen einige Jahre her… Aber nicht nur die Wohnung ist überarbeitet worden, auch B. hat sich ziemlich verändert, obwohl wir ihn erst vor wenigen Monaten gesehen hatten… Seine stets so drahtige Gestalt ist einer muskulösen Figur gewichen, bei der ich ganz neidisch wurde und die mich motiviert, mein Fitnesstraining nun endlich wieder aufzunehmen. Nach einem entspannten Nachmittag, der viel zu schnell in den Sonntagabend überging, fuhren wir U. und W. nach Hamburg, damit sie nicht erst auf die Bahn warten mussten. Ein wirklicher Umweg war das für uns schließlich nicht.

Jetzt schlägt es gleich Mitternacht, mein Engel macht Anstalten, zu mir ins Bett zu krabbeln und ich widme mich meiner neuen Lektüre, nachdem ich das letzte Buch entnervt abgebrochen habe. Das hat bisher kein Buch geschafft, weil ich für gewöhnlich meinem Anspruch nach Vollständigkeit nachgebe und bis zum Ende durchhalte. „Das einzige, was zählt“ hat diesen Anspruch jedoch nicht verdient und so vertiefe ich mich ab heute in „Tintenblut“ von Cornelia Funke. Da kann so viel nicht schiefgehen…

 

Gute Miene

Wenn man in der Stadt, in der man lebt, zum CSD geht und niemandem begegnet, den man kennt, ist das dann ein Zeichen dafür, dass man dort nicht zuhause ist?

Es mag an den Dimensionen liegen, die den Christopher-Street-Day in Lübeck so anders erscheinen lassen als beispielsweise den in Hamburg. In der Marzipanstadt bin ich heute zum ersten Mal in der bunten Parade mitgelaufen. Um 13 Uhr setzte mich mein Engel auf seinem Arbeitsweg an der Musik- und Kongresshalle ab, wo der Umzug nur wenige Minuten später seinen Anfang nahm. Gerade fuhren zu YMCA die letzten beiden Parade-LKW vom Parkplatz, flankiert von Ordnungspersonal, Schaulustigen und ein paar Leuten, die an der Parade durch die Innenstadt teilnahmen. Ehrlich gesagt, war ich ein wenig irritiert, denn nur zwei Fahrzeuge weiter vorn konnte ich schon die Spitze des Zuges ausmachen. Wo blieben denn all die anderen mit bunten Ballons und Transparenten behangenen Trucks? Und wo war die gigantische Menschenansammlung, wo blieben die vielen Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen? Obwohl vollständig angekleidet kam ich mir ziemlich nackig vor mit soviel Platz nach links und rechts, beäugt von Leuten, die am Straßenrand standen. Ich äugte zurück in der Hoffnung, ein bekanntes Gesicht zu erspähen, um den ganzen Weg nicht allein würde zurücklegen müssen. Von dem Truck vor mir sprudelten Bässe aus den Boxen und zurückhaltend wippte der eine oder andere mal mit dem Arm im Takt.

Wir zogen von der MuK aus die Willy-Brandt-Allee hinunter, umkreisten den Lindenteller und paradierten dann an unserem etwas schiefen Wahrzeichen vorbei durch die Holstenstraße. Allmählich füllten sich die Lücken in unseren Reihen und ich lief einen Truck weiter nach vorn, dessen Passagiere gerade zu Viva Colonia tanzten. Als sich vor mir die ersten Pärchen an die Hand nahmen und sich küssten, wurde mir wieder einmal bewusst, dass CSD ohne Freund irgendwie unlustig ist. Meistens muss mein Freund samstags arbeiten, und in der CSD-Saison ganz bestimmt. Am letzten Wochenende hatte ich mich spontan entschieden, doch nicht allein zum CSD nach Hamburg zu fahren. Ich hätte es doch tun sollen, denn U. und W. suchten mich dort per SMS, während ich allein zu Hause am Rechner saß.

Unsere Parade war inzwischen so voluminös, wie man sich einen CSD eben vorstellt und ich musste nun aufpassen, wo ich hintrat, während ich die Umgebung durch das Display meiner Kamera betrachtete. Leider hat man es nicht geschafft, die Paradestrecke im Vorwege für den Verkehr zu sperren, so dass uns ständig Autos und Busse entgegenkamen, aus denen alte Frauen kopfschüttelnd die vielen Leute betrachteten, die es gewagt hatten, auf die Straße zu gehen. Auch hing nicht eine einzige Regenbogenflagge aus den Fenstern, Pride-Souvenir-Händler, die Trillerpfeifen, Anstecker oder kleine Flaggen feilboten, fehlten ganz.

Als der Trek dann die Obertrave erreichte – das Ziel der Parade – setzte ich mich ab. Obwohl es vormittags noch bewölkt gewesen war, hatte sich die Sonne längst vollständig durchgesetzt und ich fühlte mich bedröhnt und gebraten.

Spaß hat es mir nicht unbedingt gemacht. Ich hatte erwartet, das eine oder andere bekannte Gesicht aus meiner Firma zu treffen (bei rund 600 Mitarbeitern bin ich ja sicher nicht der einzige Schwule…) – aber obwohl die Parade lächerlich kurz war, erkannte ich niemanden. Wie konnte ich auch annehmen, dass Lübeck eine schwule Kultur hat…?

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Illumination

Neulich verabredete ich mich mit meinem Engel in der Innenstadt zu einem Kaffee. Ich war mit meinem weißen Bike gerade von der Arbeit gekommen und hatte es an einen Fahrradständer um die Ecke angeschlossen. Das Wetter war prächtig, und weil ich noch etwas Zeit übrig hatte, lief ich eine der Altstadtgassen entlang auf dem Weg zur St.-Aegidien-Kirche – einem von Lübecks sieben Kirchtürmen. Alle anderen sechs Türme hatte ich bereits aus der Nähe gesehen, nur St.-Aegidien liegt ein Stück abseits. Sie ist nicht sehr groß (jedenfalls nicht im Vergleich mit den anderen Kirchen). Trotzdem war es mir irgendwie wichtig, auch die siebte Kirche einmal aus der Nähe gesehen zu haben. Nicht aus spirituellen Gründen natürlich. Einfach der Vollständigkeit halber.

Im Café hatte ich fast freie Platzwahl, denn bei dem sommerlichen Wetter bildet sich eher eine Schlange vor dem Eisladen. Und weil ich immer noch ein wenig Zeit übrig hatte, vergrub ich meine Gedanken bis zum Eintreffen meines Freundes in meinem Roman. ‚Harlans Endspurt‘ ist die Fortsetzung von meinem Lieblingsroman ‚Der Langstreckenläufer‘. Das Kapitel, das ich an diesem Nachmittag im Café aufschlug, war über die Maßen spannend und ich beeilte mich mit dem Lesen, damit ich so viel wie möglich aufsaugen konnte, bis mein Freund eintraf. Ich hatte gerade drei Viertel geschafft, als ich ihn durch die Fensterfront ins Café kommen sah. Müde sah er aus. Das lag zum Einen sicher an der schwülen Wärme, die die Marzipanstadt seit Tagen im Griff hat. Zum Anderen – und das war sicher das Ausschlaggebende – lag es an seiner Arbeit, die ihn dieser Tage wieder besonders zu schaffen macht…

Nach einer knappen Stunde verließen wir das Café wieder. Engelchen machte sich auf den Weg zum Parkhaus, in dem er zuvor den blauen Wagen geparkt hatte, und ich lief zu meinem weißen Bike zurück. Gerade einmal rund anderthalb Stunden habe ich es allein gelassen, und schon war es kaputt. Der Dynamo hing auf der rechten Seite herunter, die Halterung war zerbrochen. Entschlossen griff ich nach dem schwarzen Gerät und riss es mit einem Ruck ganz vom Rahmen, verknotete die streunenden Kabelenden und fuhr ein wenig grimmig nach Hause.

Heute ist Donnerstag und nicht einmal eine Woche später hat mein Rad eine neue Beleuchtungsanlage. Ich habe einen Nabendynamo einbauen lassen, den kann man nicht so einfach abbrechen. Inklusive Einbau und neuer Lampen hat mich der Spaß über hundert Euro gekostet. Das ist in diesem Monat eigentlich ganz schlecht, denn unser großer Sommerurlaub steht vor der Tür…

Nächste Woche müssen wir noch arbeiten, und dann haben wir es geschafft. Drei Wochen lang sieht mich meine Firma dann nicht wieder, während wir in der ersten Woche zu Hause die Füße hochlegen, in der zweiten Woche ins Ferienhaus an der dänischen Nordsee fahren und gleich im Anschluss nach Kopenhagen reisen, wo wir noch einmal drei Tage verbringen werden. Die Kater bleiben währenddessen bei M. und B.

Bis dahin heißt es: unbedingt gesund bleiben. Im Moment grassiert die „Schweinegrippe“, und die wollen wir uns im Moment auf keinen Fall aufhalsen! In meiner Firma wurden schon Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Antiseptika für alle und Notfallpläne, falls die Krankheit bei uns ausbrechen sollte und Abteilungen durch Quarantänemaßnahmen lahmgelegt werden. Tg’s Arbeitgeber sieht das alles ein bisschen lockerer und verteilt pro Tag ein Desinfektionstuch an die Mitarbeiter.

Jetzt haben wir eine neue Nachbarin. Während es zunächst hieß, hier würde eine alleinerziehende Frau mit drei zehn- bis elfjährigen Kindern einziehen, ist es tatsächlich eine alleinerziehende Frau mit zwei Kindern, von denen das eine dreieinhalb und das andere sieben Jahre alt ist. Allesamt aber sehr nett, wenn auch ziemlich lebhaft.

Inzwischen ist Tg von einem Umzug schon nicht mehr so überzeugt, ist ja auch alles eine Kostenfrage. Trotzdem gucken wir uns morgen eine Wohnung in der Gloxinstraße an, sind aber relativ fest entschlossen, sie nicht zu nehmen. Na, mal sehen…

 

Spannendes

Tempus fugit – auch im Juli. Der Sommermonat ist vorüber und hat dabei keine sehr gute Arbeit geleistet. Heute ist es regnerisch, bewölkt und windig. Genau so war es den ganzen Juli über. Aber das ist schon in Ordnung, solange sich das Wetter bis zu unserem Urlaub entspannt. Nur noch zwei Wochen arbeiten, dann ist es soweit!

Was ist außer Scheißwetter noch so passiert im Juli? Mein Bruder hat sich anscheinend kurzzeitig dazu durchgerungen, der Knechtschaft seiner Beziehung ein Ende zu setzen. Geklappt hat es leider nicht, denn irgendwie hat ihn seine „Freundin“ wieder – ja, was eigentlich? Um den Finger gewickelt? Erpresst? Bedroht? Keine Ahnung. Er hat jedenfalls den Schwanz eingezogen und ist wieder zu ihr gekrochen. Sagt meine Schwester. Immerhin scheint er sich unseren Eltern gegenüber wieder besser zu benehmen, das bringt hoffentlich ein wenig Entspannung in die Familie.

Ach ja, wir haben übrigens längst „Harry Potter und der Halbblutprinz“ im Kino gesehen! Das hab ich fast vergessen zu erwähnen. Mit meinem Engel war ich am Premierentag im Kino (nachdem er zunächst versehentlich in Leipzig reserviert hatte). Der Kinosaal war nicht unbedingt sehr groß, aber der Film hat auch so Riesenspaß gemacht. Und er war proppevoll – also der Saal und der Film! Aus dem nächsten Band will Warner Bros. ja zwei Teile machen. Ich finde, das hätten sie mit diesem locker genauso machen können. Eigentlich würde ich den Film gern nochmal im Kino sehen, aber vermutlich warten wir doch wieder auf die BluRay.

Wenn übermorgen der August erst einmal begonnen hat, wird es mit der Ruhe im Haus wohl vorüber sein, denn nachdem der Professer das Weite gesucht hat, zieht am Samstag eine alleinerziehende Frau mit drei Kindern in die Erdgeschosswohnung. Prophylaktisch habe ich mich schonmal von dem Garten draußen verabschiedet und liebäugele wieder einmal mit einer neuen Wohnung. Nachdem mich der Vermieter vorgestern wieder einmal dreist gefragt hat, wann ich denn mal wieder den Rasen mähen würde, ist das Maß schon wieder über alle Maßen voll. Er scheint mich wohl für eine Art Haus-Azubi zu halten…!

Weil ich mich von dem Garten hinter dem Haus schon verabschiedet habe, war ich von der Idee, mit M. zusammen einen Kleingarten zu mieten, schlichtweg begeistert. Am letzten Sonntagnachmittag fuhren Engelchen und ich daher zu ihr und B. Mein Freund war nicht wirklich begeistert (gelinde gesagt), weil er Kleingärten für das Höchstmaß an Spießigkeit hält, das man in Deutschland finden kann. Natürlich hat er nicht ganz Unrecht, die größte Gruppe von Kleingärtnern scheint auch heute noch aus neugierigen bierbäuchigen Rentnern zu bestehen, die die Höhe der Nachbars-Hecke mit dem Bandmaß kontrollieren und mit neunmalklugen „Tipps“ nicht hinterm Berg halten. In einen Kleingarten will ich aber keinen Liegestuhl stellen und mich den ganzen Tag in der Sonne braten, sondern Gemüse anbauen. Unsere Tomatenpflanzen in unserem kleinen Beet sind riesig geworden, der Kürbis auf dem Balkon muss regelmäßig eingefangen werden und auch die Erdbeerpflanzen brauchen dringend mehr Platz.
Zu viert fuhren wir also am Sonntag zu einer Kleingartenanlage in der Ziegelstraße (Schatzi sagte vorher was von der Friedenstraße). Dort sollte M. einen Kleingarten mit allem drum und dran geschenkt bekommen.

Als wir ankamen, empfing uns ein Wildgarten, unförmig und mit einer Bretterbude, die nur noch von gutem Willen zusammengehalten wurde. Bäume, mehr tot als lebendig, glotzten aus dem krautigen Boden. Hier war ein Loch gebuddelt und mit Unkraut aufgefüllt worden, dort war Erde aufgeschüttet und ebenfalls mit Unkraut überwuchert. Tatsächlich saßen gegenüber zwei Rentner, die misstrauisch herüberäugten und genau verfolgten, was da gespielt wurde. Tg’s Blick sprach Bände, aber das war gar nicht nötig. Nachdem der Kleingarten quasi am Arsch der Welt für mich war, hätte das Grundstück wirklich etwas hermachen müssen, um mich trotzdem zu begeistern. So aber wären Monate kontinuierlich harter Arbeit nötig gewesen, um den Boden überhaupt urbar zu machen. Problematisch daran: ich wäre gar nicht erst dorthin gekommen, denn mit dem Fahrrad ist es zu weit weg und den Wagen braucht Tg für die Arbeit. Für mich stand also fest, dass dieser geschenkte Gaul wertlos war. Zum Glück sahen B. und M. das ebenso.

Ach, einen hab ich noch: am vergangenen Wochenende war ich mit den Kollegen aus meinem Büro golfen – na ja – swingolfen.
Der Golfball ist weich und die Schläger sind größer – damit man auch mal trifft. Als wir den Golfplatz erreichten (ich hatte Nina und Maria abgeholt) goss es wie aus Eimern! Erst um punkt zehn Uhr, als es losgehen sollte, verzogen sich die Wolken und ließen den ganzen Tag lang nichts mehr herausregnen. Das Golfen an sich war verdammt anstrengend. Nach der Hälfte der 18 Löcher hätten wir gut und gern Schluss machen können. Aber natürlich hielten wir durch (der eine mehr, der andere weniger). Spaß hat es allemal gemacht, und abends fiel ich förmlich aus allen Wolken, als Tg sagte: „Du bist ja total verbrannt…!“ Weil das Wetter erst so schlecht war, hatte ich mit allem gerechnet, aber nicht mit einem schlimmen Sonnenbrand!

Der ist zum Glück inzwischen fast verschwunden. Für den Juli soll es das gewesen sein. Am ersten August besuchen wir Tg’s Familie, weil seine Mum heute Geburtstag hat. Außerdem ‚entkommen‘ wir so dem ersten Einzugstag der neuen Nachbarin und ihrer drei Kinder. Das wird noch spannend…

Swingolf…

… swingen und golfen.