Die Drei Gladiatoren

Heute treffen sich die Drei Fragezeichen in der Color-Line-Arena in Hamburg. Und mit ihnen rund 12.000 Hörspielfans, die der Life-Performance der Folge „Der seltsame Wecker“ folgen werden. Die Tickets dafür haben wir schon seit ein paar Monaten und langsam steigt die Aufregung. Im Grunde ist es ja nicht unbedingt anders als ein Theaterstück mit sehr, sehr vielen Leuten. Am anstrengendsten wird wohl die An- und Abreise sein, denn in der Arena nebenan spielt der HSV und lässt sich dabei von 57.000 Leuten beobachten.

Ursprünglich wollten wir mit dem Wagen zur Arena fahren, aber weil der Parkraum vermutlich knapp wird und die Straßen verstopft sein werden, lassen wir den Blauen an unserer Standard-U-Bahn-Station an der Horner Rennbahn stehen.

Ich bin sehr gespannt.

 

Damokles

Nach der Zeitumstellung von letzter Nacht sind wir heute Morgen relativ früh aus dem Bett gekullert. Nicht einfach so natürlich, sondern weil unsere Altbauwohnung unter ungeübten Händen und Füßen so einen Krach gemacht hat…

Wie man sieht, bin ich in der letzten Zeit wieder einmal nicht zum Schreiben gekommen. Überhaupt habe ich nicht so richtig viel zustande gebracht seit meiner letzten Aufzeichnung. Das lag sicher nicht zuletzt daran, dass ich im Büro wahnsinnig viel zu tun habe, seit der September zum Oktober wurde. Wenn ich abends in der Altstadt aus dem Büro komme, ist es draußen dunkel und kalt. Eingepackt in Mütze, Schal und Handschuhe radele ich wacker nach Hause und freue mich, wenn es nicht regnet. Zu Hause passiert dann nicht mehr viel, weil ich völlig k.o. bin…

Dennoch waren Engelchen und ich am ersten Oktoberwochenende bei meinen Eltern, um deren Silberhochzeit zu feiern. In meinem letzten Eintrag erzählte ich schon von der Vorbereitung des Geschenkes (zumindest eines Teils davon). Über das Foto haben sich unsere Eltern riesig gefreut. Familienfeiern sind mir eigentlich ein Graus, aber ich hab so wenigstens alle mal wieder gesehen. Und nach dem zweiten Sambuca mit meinen Brüdern fand ich bald alles ganz toll… Nach dem dritten und vierten auch und dann hab ich auch schon nicht mehr zählen können, aber ein paar waren es wohl schon noch… Irgendwann mussten wir meinen jüngsten Bruder dann nach Hause schaffen, was gar nicht so einfach war. Der war vielleicht doon!

Am nächsten Morgen wachte ich gegen neun Uhr im Gästezimmer meiner Eltern neben meinem Engel auf. Ich öffnete vorsichtig meine Augen und dachte: ‚Cool, dreht sich gar nicht…‘. Dann drehte ich mich um und dachte: ‚Scheiße, umdrehen war keine so gute Idee!‘ Ich war dann bald aufgestanden und hinunter in die Küche gewankt, dorthin, wo es Kaffee gab! Meine Schwägerin war auch schon wach und grinste mich ganz seltsam an… Dann zog sie meine Kamera hervor und zeigte mir die Fotos, die am Abend zuvor von mir gemacht worden waren… Oh. Mein. Gott! An ein paar Szenen kann ich mich wirklich nicht mehr erinnern…

Am Wochenende darauf stand die nächste Familienfeier an – obwohl, „Feier“ ist nicht ganz das richtige Wort. Wir haben meinen zweitjüngsten Bruder verabschiedet. Er ist Soldat und ist vor ca. zwölf Stunden nach Afghanistan geflogen. Inzwischen dürfte er längst dort sein. Gerade sind die Sorgen um den einen Bruder abgeflaut, mache ich mir große Sorgen um den zweiten. Und das für die nächsten sechs Monate…

Am Donnerstag stand bei meinem Engel ein Einstellungstest an. Nachdem er sich fast zwei Wochen hochdiszipliniert darauf vorbereitet hatte, wurde es wirklich Zeit, dass er das angesammelte Wissen endlich abladen durfte. Jetzt sind wir gespannt, ob es sich gelohnt hat…

Gestern bekamen wir dann Besuch von Nate. Nachdem wir am letzten Wochenende nach der Verabschiedung meines Bruders bei ihm nächtigen durften, luden wir ihn gestern zum Essen ein. Dass wir ihn dabei gleich zum Reifenwechsel verdonnerten, war eigentlich nicht geplant. Aber sein Beruf als Kfz-Mechaniker prädestiniert ihn geradezu. Als er gestern bei uns eintraf, wurde es allerdings gerade dunkel, und so haben wir die Mechanikerei auf heute verschoben. Und so kam es, dass unsere Wohnung heute Morgen laute Geräusche machte. Der Altbau-Dielenfußboden knarrte bei jedem Schritt unseres Freundes, als er morgens still und leise das Luftbett verließ. Die Türen, die er so leise wie möglich zu öffnen und schließen versuchte, machten es ihm nicht leicht und knarrten und klackten und quietschten geräuschvoll. Und obwohl er sich so viel Mühe gab, uns nicht aufzuwecken, hatte er keine Chance. Ich werde ja sowieso beim kleinsten Geräusch wach und amüsierte mich heimlich über seine verzweifelten Versuche, keinen Lärm zu machen… Gemein, ich weiß, aber ich bin dann ja auch aufgestanden, damit er sich nicht mehr abmühen muss.

Gemeinsam tauschten wir die schicken Sommerräder bei meinem Wagen gegen die schwarzen Winterräder. Der linke Scheinwerfer wurde auch gleich fachmännisch repariert und jetzt ist das blaue Auto wieder einsatzbereit und wintertauglich.

So ein Gastgeberwochenende ist immer ziemlich anstrengend, und nachdem unser Besucher nach Hause aufgebrochen ist, hängen Engelchen und ich ziemlich durch und vermeiden jede unnötige Bewegung. Morgen muss ich wieder arbeiten, während mein Freund noch eine letzte Woche krankgeschrieben ist. Ab erstem November darf er dann wieder arbeiten, mit weniger Stunden und weniger Geld. Bleibt die Hoffnung, dass er bald einen neuen Job hat, damit es wieder aufwärts gehen kann.

Vorbereitungen

Inzwischen ist es wirklich kalt geworden in der Marzipanstadt. Erst am Freitag fuhr ich morgens bei sieben Grad in die Altstadt zur Arbeit. Und da wusste ich: jetzt ist es Zeit für die Winterklamotten! In diesem Moment blicke ich durch die Balkontür auf einen stürmischen und verregneten Sonntagmorgen. Ich bin gerade erst aufgestanden, bin in die Dusche gestiegen und warte jetzt auf einen trockenen Moment, damit ich beim Kiosk gegenüber frische Brötchen kaufen kann. Mit den Brötchen locke ich dann später meinen Engel aus dem Bett – sofern das nicht der ums Haus heulende Wind erledigt…

Meinem Engel geht es gar nicht gut. Seit Wochen ist er krankgeschrieben. Was sich lange angekündigt hatte ist nun passiert, er kann in der Firma nicht mehr arbeiten. Das kommt mir sehr bekannt vor und lässt mich hoffen, dass sich für meinen Schatz wie damals für mich alles zum Guten wenden wird. Derzeit muss er regelmäßig zum Therapeuten, aber der kann ihm nicht wirklich helfen, denn was her muss, ist ein neuer Job…

Um die Familie ging es auch am letzten Wochenende. Wir besuchten meinen großen kleinen Bruder mit seiner Frau und den beiden Kiddies in ihrem neuen Häuschen. Eigentlich war das ja ein geheimes Treffen, aber irgendjemand hat sich (zum Glück) verquatscht und so haben unsere Eltern Wind von unserem Erscheinen bekommen, was natürlich dazu führte, dass sie auch dazukamen. Das war toll, denn ich hatte meine Mum schon so lange nicht gesehen. Sie ahnte vermutlich, dass wir aus einem bestimmten Grund angereist waren, denn schon bald verabschiedeten sich unsere Eltern und ließen uns allein. Na ja, allein trifft es nicht. Denn mit meinem kleinen kleinen Bruder, meiner Schwester, meiner Schwägerin, dem Freund meiner Schwester und den drei Kleinen waren wir immerhin zu zehnt. Wir taten also, wozu wir gekommen waren:

Mein kleiner kleiner Bruder hatte es dann ziemlich eilig, weil er seine Freundin erwartete. Wir erinnern uns an die Aufregung und Besorgnis in der Familie, die dieser Beziehung wegen in den letzten Wochen herrschte. Dies war nun die erste Gelegenheit, mit meinem Bruder direkt über die ganze Geschichte zu reden. Ich war froh, dass er sich darauf einließ (na ja, er hätte ansonsten aus dem fahrenden Wagen springen müssen). Und das Gespräch war wirklich toll! Ich habe den Eindruck, dass er nicht so verbohrt ist, wie ich befürchtet hatte. Er weiß tatsächlich, was er da tut. Er weiß, dass er Fehler macht, fragt sich, warum er sie macht und versucht, daran zu arbeiten. Und was ich jetzt weiß: er ist wirklich bis über beide Ohren verliebt. Ich weiß jetzt, dass er nicht von ihr erpresst wird und dass er überzeugt ist, dass sie ihn genauso liebt wie er sie. Wir haben lange miteinander gesprochen. Ich habe versucht, sowohl die besorgte Familie als auch ihn zu verstehen und vor allem, ihm zu zeigen, warum alle so heftig reagiert haben. Uns wurde beiden so einiges klar, haben gemeinsam herausgefunden, wie sich alles zusammensetzt. Der Druck, der auf ihm lastete, die Attacken gegen die Beziehung, die ihm so wichtig ist und das, was daraus folgte. Ich konnte ihm verständlich machen, warum sich die Familie so große Sorgen gemacht hat und dass sich das mit jeder Reaktion gesteigert hat. Dass so etwas wieder und wieder eskalieren musste, war unausweichlich. Ich glaube, wir beide fühlten uns nach dem Gespräch wirklich gut. Ich konnte endlich mit ihm sprechen und auch mal seine Version anhören, und er hat gemerkt, dass ich ihn nicht verurteile, sondern für ihn da bin. Das einzige Urteil, das ich mir erlaubt habe, sind die Hochzeitspläne. Ich habe ihm erklärt, warum ich nicht gut finde, dass er sich gleich mit 18 Jahren verheiraten will. Die beiden sehen sich nur am Wochenende, leben nicht zusammen und kennen daher die vielen Reibungspunkte voneinander noch gar nicht, die erst zutage treten, wenn man täglich miteinander umgeht und lernen muss, wo man zurücksteckt und wo man sich verwirklicht. Er hat meine Bedenken nicht kommentiert. Ich glaube zwar, dass er sie verstanden hat, dass er aber sein Versprechen seiner Verlobten gegenüber nicht zurückziehen will (und nach dem Hin und Her der letzten Zeit wohl auch nicht mehr kann, ohne endgültig das Gesicht zu verlieren).

So, gerade ist mein Engel aus seinem Wolkenbett gestiegen. Zwischenzeitlich war ich auch drüben beim Kiosk, um Brötchen zu kaufen – aber der hat heute geschlossen! So ein Ärger! Zum Glück haben wir noch Toast…