Buntes

Das Wetter hat sich seit meinem letzten Eintrag nicht verbessert. Der Nähe zur Sonne geschuldet bleiben die Temperaturen zwar jetzt oberhalb der Nulllinie, aber es regnet fast jeden Tag. Vom Frühling, der am 20. März auf dem Kalender stand, ist nicht viel zu sehen. Die vielen Krokusblüten im Stadtpark öffnen ihre Blüten nicht, weil sich bei dieser Witterung sowieso niemand die Zeit nimmt, sie zu betrachten. So wundert es mich auch nicht, dass es mir in der letzten Zeit an Kreativität und Elan mangelt.

Meine Fitnessstudiobesuche mache ich nach wie vor regelmäßig mal zwei- und mal dreimal pro Woche. Der nächste steht heute Nachmittag an. Im Moment muss ich allerdings allein gehen, weil Mt. sich in Texas von der Sonne verwöhnen lässt. In den letzten Wochen hatte er einiges hinter sich gebracht, indem er seinen Freunden gegenüber ein großes Geheimnis gelüftet hat.

Nach diesem aufregenden Ereignis lud Mt. zu einem perfekten Dinner in seine neue Behausung. C., B., M., mein Engel und ich waren zu einem leckeren Drei-Gänge-Menü eingeladen. Schon als M., B. und ich ankamen, duftete es herrlich und in der Küche blubberte und brutzelte es fleißig vor sich hin. Nach dem Essen spielten wir mehrere Runden UNO – aber da war ich schon nicht mehr schnell genug…

Am Nachmittag des gestrigen Samstages besuchte uns D. mit seinem Freund J. Nachdem ich es tags zuvor geschafft hatte, ihn anzurufen, ehe er mich anrufen konnte, hatten wir uns gleich verabredet. Und weil die beiden diesmal mit einem Besuch in der Marzipanstadt an der Reihe waren, blieb meinem Engel und mir nichts weiter zu tun, als die Wohnung auf Vordermann zu bringen – und das stand wie jeden Samstag sowieso auf der Tagesordnung. Weil in der Innenstadt mal wieder „die Rechten“ aufmarschierten und „die Linken“ dagegen demonstrierten, lotste ich die beiden gleich weit außen herum, und weil ich Ds Orientierungssinn unterschätzt hatte, war ich ein bisschen überrascht, dass sie dann trotzdem fast pünktlich um 15 Uhr auf die Klingel drückten. Gemeinsam kauften wir die benötigten Zutaten für das Abendessen ein. Wir hatten im Vorwege schon ein Wokgericht mit Erdnusssauce aus einem Kochbuch hervorgeblättert.

Wenn wir die beiden das nächste Mal sehen, gehen wir zusammen ins Kino – und darauf feue ich mich schon seit Jahren!

 

Schietwetter

Urlaub ist etwas Feines. Das Portemonnaie öffnet sich zwar nur widerwillig, aber bisher haben wir schon ein bisschen was erlebt. Am Sonntag zum Beispiel haben wir schon wieder eine Record-Release-Party der Drei Fragezeichen besucht – diesmal in Hamburg. Verabredet mit C., U. und ihren Freunden trafen wir uns vor dem Bunker auf dem Heiligen-Geist-Feld. In der Location von „Übel & Gefährlich“ waren mein Engel und ich schon vor Monaten, als wir eine Krimi-Lesung besucht hatten.

Diesmal empfing uns wieder Oliver R., der uns die 129. Drei-???-Episode vorstellte. Im Anschluss gab es erneut ein Fan-Hörspiel mit Freiwilligen aus dem Publikum. Das war wieder sehr interessant und sogar noch besser, als beim letzten Mal (auch, wenn der Morton-Sprecher diesmal nicht dabei war).

Oliver Rohrbeck alias Justus Jonas, 2009

Am Montag fuhren mein Freund und ich gleich nochmal nach Hamburg. Weil es allerdings ziemlich stark regnete, schafften wir nicht alles, was wir uns vorgenommen hatten. Nachdem wir unseren blauen Wagen an der Horner Rennbahn gegen eine flotte U-Bahn eingetauscht hatten, fuhren wir zur Feldstraße. Im Schatten des Bunkers liefen wir google sei Dank zwei Straßen hinauf, um im Kartenhaus zwei Tickets umzutauschen, die für den 31. Juni ausgestellt waren. Der Umtausch lief problemlos. Die sturzbachartigen Regenfälle, die unterdessen draußen eingesetzt hatten, erinnerten uns daran, dass wir auch für ein weiteres Krimi-Hörspiel noch Tix kaufen wollten. Als das erledigt war, hatte sich das Wetter ein bisschen beruhigt, so dass wir uns wieder vor die Tür trauen konnten. Nächste Station: Starbucks in der Europa-Passage!

Nach einem wohltuenden White Caffè Mocha für mich und einem Frappuccino Strawberries and cream für meinen Engel machten wir uns auf den Weg in die Speicherstadt. Zwar wollten wir uns zwischendurch noch das Steigenberger Hotel ansehen, das Schauplatz einer Fernsehserie ist, aber dafür war das Wetter einfach zu ungemütlich. Dick eingemummelt in meine Regenjacke stapften wir von der Station Baumwall über eine der Brücken auf die andere Seite. Als wir im Miniaturwunderland ankamen, lief das Wasser in Strömen an unserer Kleidung herunter. Ekelhaftes Wetter! Wir freuen uns auf den Sommer!

Das Miniaturwunderland ist seit meinem letzten Besuch ziemlich erweitert worden. Den Rundgang begannen wir in der „Schweiz“. Eisenbahnen, kleine Städte, tausende kleiner Figuren und viele blinkende Autos, Busse und Lastwagen säumen die Alpenlandschaft. Als wir eintreffen, ist gerade Nacht und eine Bergbahn fährt vom Gipfel hinab ins Tal. Im „Tageslicht“ sind die vielen liebevollen Details erkennbar, die schon tausende von Arbeitsstunden gekostet haben. Wir betrachten Hamburgs Miniatur mit der Köhlbrandbrücke, dem Michel, dem Hauptbahnhof und natürlich vielen, vielen Zügen und U-Bahnen und machen einen kurzen Abstecher in die „USA“. Zu guter Letzt betreten wir das verschneite „Skandinavien“. Wir blicken in eisige Iglus, finnische Saunen und ein Ice-Hotel. Nach anderthalb Stunden sind wir auch schon durch.

Viele Eindrücke sind auf uns und die Kameras niedergeprasselt, und etwas erschöpft pelle ich mich wieder in meine Regenjacke. Durch Wind und Regen arbeiten wir uns zur U-Bahn-Station zurück. Und weil’s so schön war, statten wir dem Starbucks am Rathaus noch einen letzten Besuch ab, ehe wir uns auf den Weg zurück zum Auto machen.

 

Disinnovation

Früher einmal wollte ich Architekt werden (zuerst Briefträger, aber dann Architekt!). Aber weil meine Mathenoten alles andere als ansehnlich waren und mein Stiefvater mir eröffnete, dass ich dazu eine Weile auf dem Bau würde arbeiten müssen, ließ ich die Pläne fallen und ging stattdessen zur Bank.

Das Interesse an Architektur ist geblieben und hat sich irgendwann auf Städtebau erweitert. Jahrelang nicht beachtet kam diese Obsession mit dem Neubau der HafenCity in Hamburg wieder zum Vorschein. Überwältigt von Größe und Innovation erwachte das Interesse erneut. Aufregende Architektur, kunstvoll und bedeutsam, schon als Baustelle Anziehungspunkt für viele, viele Menschen. Seither verfolge ich gespannt die Entwicklung in dem Super-Stadtteil, der in erstaunlicher Geschwindigkeit entsteht.

Ende Februar erfuhr ich, dass das brachliegende Hafengebiet in Lübeck, das als nördliche Wallhalbinsel bekannt ist, neugestaltet werden soll. Europaweit wurde ein Wettbewerb veranstaltet, bei dem Architekten Vorschläge einreichen konnten. Einen dieser Vorschläge konnte ich mir auf der Website des Investors ansehen und war begeistert! Das Design der Gebäude, die Anordnung und ganz besonders ein MediaCenter an der Spitze hatten das Potenzial, Lübeck für den städtebaulichen Wettbewerb seit der Errichtung des Holstentors wieder hoffähig zu machen. Am 04. März fand abends in den MediaDocks auf der Wallhalbinsel eine Veranstaltung statt, die sich „Öffentlichkeitsbeteiligung“ nannte. Hier sollte der finale Entwurf vorgestellt und die Stimmen der Lübecker Bürger gehört werden.

Ich fuhr mit meinem weißen Rad in die Stadt – allein, weil mein Freund keine Lust hatte. Nach einem Cappuccino in meiner Lieblings-Kaffee-Bar machte ich mich auf den Weg zu den MediaDocks in der Willy-Brandt-Allee. Ab 18 Uhr konnte ich mir die Entwürfe vorab ansehen, ehe es eine halbe Stunde später losgehen sollte. Von den Innovationen des Entwurfes im Internet war nichts übrig geblieben. An die Stelle der interessanten Formen waren Quader getreten, anstelle des gläsernen MediaCenters, von dem aus man einen Rundumblick hätte haben sollen, präsentierte man uns ein Terrassengebäude, das man besteigen kann, um von oben einen schönen Blick zu haben. Die Schuppen, die jetzt noch die nördliche Wallhalbinsel besetzen, sollen ersetzt werden durch Blockgebäude, denen jegliche Kreativität und Innovation fehlt. Das vorgestellte Konzept hatte weder Hand noch Fuß. Das Gebäude an der Nordspitze, das als Magnetpunkt für die Öffentlichkeit wirken soll, war ein großes Thema. Der Eingangsbereich zur Wallhalbinsel hingegen wurde ausgeklammert. Der Vergleich mit der HafenCity rief Entrüstung beim Veranstalter hervor: „Ein Schickimicki-Stadtteil soll das hier nicht werden!“

Alles in allem eine eher enttäuschende Veranstaltung. Wer erwartete, Fortschritt und Design vorzufinden (so wie ich), wurde bitter enttäuscht. Der Masterplan steht, jetzt liegt es an weiteren Investoren, wann und ob und wie das umgesetzt wird. Ich hoffe, man besinnt sich eines Besseren und macht Platz für einen völlig neuen Entwurf.