Expectations

Kalter Wind drückt sich unter meinen Schal, als ich gestern Nachmittag heimwärts über die Brücke hinter dem Burgtor radele. Beharrlich umkreisen die Temperaturen die Null-Grad-Marke. Es regnet nicht. Es schneit nicht. Aber es friert auch nicht richtig. Es ist einer dieser unauffälligen Winter, in denen die Farben ausgewaschen sind und man nur dann nach draußen geht, wenn es wirklich notwendig ist. Ansonsten lockt die Heizung in der guten Stube und das Licht von Kerzen und Glühlampen.

Die Arbeit in der vergangenen Woche war wieder etwas entspannter. Der Jahresabschlussstress ist von meinem Schreibtisch verschwunden, ein monatelanges Projekt in die nächste Phase eingetreten und so hatte ich Zeit, meinen Wust zu sortieren und mir einen frischen Überblick zu verschaffen. So lässt es sich wieder ruhig arbeiten. Vorerst…

Nachdem Betti mich bei unserem kürzlichen Restaurantbesuch ganz heiß gemacht hat, habe ich mir zwischenzeitlich einen neuen Roman zugelegt. „Bis(s) zum Morgengrauen“ ist die Vorlage zu dem Film „Twilight“, den ich mir mit ihr am 6. Februar im Kino zum zweiten Mal ansehen werde. Von den 500 Seiten habe ich noch 200 vor mir und freue mich, dass es Teil zwei und drei bereits zu kaufen gibt. Und weil am Valentinstag Band vier erscheint, muss ich auch auf die Fortsetzung nicht warten. Die Filmumsetzung hat sich – finde ich – sehr genau an die Romanvorlage gehalten. Die Bilder, die das Buch in meine Gedanken spiegelt, kommen mir sehr vertraut vor. Nicht selten erkenne ich sogar ganze Dialoge wieder.

Am 3. Februar (also kommenden Dienstag) gehe ich mit Mt zum ersten Mal ins Fitnessstudio. Ich schiebe dieses Vorhaben wirklich schon viele Jahre vor mir her. An meinem alten Wohnort gab es ein tolles neues Fitnessstudio. Aber es war mir immer zu teuer und so nutzte ich mit Freunden nicht mehr als die Indoor-Volleyballfelder mit dem kalten Sand.

Aber jetzt geht es los. Ich habe mir ein Sportdress zugelegt und uns für ein Probetraining angemeldet. Ein bisschen aufgeregt bin ich auch schon.

Aufregend wird auch unser morgiger Besuch der Drei ??? Release-Party in Kiel. Während ich zugegebenermaßen keinen Schimmer von den Drei ??? habe, fährt mein Engel voll darauf ab. Zuerst werden wir Carmen in ihrer neuen Behausung besuchen und dann mit ihr zusammen in die Trauma fahren. Ich bin gespannt und werde berichten.

Brot und Spiele

Es ist Samstag und lange habe ich keinen Tag mehr erlebt (oder besser nicht erlebt), an dem sich die vergangene Woche derart in Erschöpfung niederschlägt wie heute. Während ich jetzt am frühen Abend mit kleinen Augen vor dem Monitor sitze, lasse ich die letzten Tage nochmal vorbeiziehen.

Ich habe es aus irgendwelchen Gründen beibehalten, morgens eine Stunde früher zur Arbeit zu fahren, weil es meinem Rhythmus eher entspricht, um sieben statt um acht Uhr aus dem Bett zu kullern. Leichter fällt es mir natürlich, wenn auch mein Engel so früh aufstehen muss, als wenn ich allein auf Zehenspitzen im Dunkeln zum Bad schleichen muss, dabei über kleine Kater stolpere und mir an jeder Ecke den großen Zeh stoße…
Hinzu kommt, dass ich noch immer so viel Arbeit auf dem Tisch habe, dass ich nicht selten erst um sieben oder halb acht abends nach Hause radele. Essen, schlafen und wieder arbeiten. Blöd, wenn man dann zufällig erfährt, dass man nach zehn Arbeitsstunden nicht mehr bezahlt wird…

Damit das Privatleben dennoch nicht zu kurz kommt, habe ich mir für die Woche drei After-Work-Termine eingetragen. Angefangen bei meinem inzwischen schon obligatorischen Zahnarztbesuch am Montag. Diesmal stand nur eine professionelle Zahnreinigung auf dem Programm. Ich stellte mir darunter vor, dass die Zähne abgestrahlt werden und hinterher glatt und blendend weiß sind. Ich hatte ja keine Ahnung… Die sympathische Zahnarzthelferin Eve übernahm die Behandlung und erklärte genau, wie die Zahnreinigung ablaufen würde. Jetzt wird’s unangenehm, wer das nicht lesen möchte, hüpft einfach einen Absatz weiter. Eve erklärte mir, dass der Zahnstein, der sich über viele Jahre festgesetzt und so richtig schön verhärtet hat, mit einem Ultraschallhammer zertrümmert werden muss. „Das kann ein bisschen … unangenehm werden,“ meinte sie. Da der Zahnstein meist nur an den vorderen Zähnen im Unterkiefer so richtig fies fest wird, sah sie gute Chancen, die anderen Zähne mit einem weniger unangenehmen Werkzeug befreien zu können. Und dann legte sie los. Gegen das typische Bohrergeräusch bin ich fast immun, gegen die Impulse, die der Ultraschallhammer durch meine Zähne jagte, hingegen nicht. Es müssen wohl die ultraschnellen Vibrationen gewesen sein, die sich wie Stromschläge im Zahn anfühlten. Zahn für Zahn hielt ich tapfer durch und betete stumm zur weißen Zimmerdecke, dass es bald vorbei wäre. Glücklicherweise konnte sie fast alle anderen Zähne mit einem einfachen, wenn auch spitzen Werkzeug behandeln. Auch nicht angenehm, aber um einiges besser als der „Hammer“… Dann zeigte sie mir die Gesteinsbröckchen, die sie mir von den Zähnen geschlagen hatte und ich konnte sehen, dass aus Mineralien echte Steine gewachsen waren. Beim Ausspülen musste ich erkennen, dass die erste Zahnreinigung eine verdammt blutige Sache ist. Jetzt ist es längst überstanden und bis zu meinem nächsten Zahnarztbesuch dauert es ein bisschen. Es folgt „nur“ noch eine Zahnfleischbehandlung, die leider sowohl aufwendig als auch teuer wird.

Das war der Montag. Am Dienstag gönnte ich mir nach der Arbeit eine Pause, ehe ich am Mittwoch gar nicht erst nach Hause fuhr, sondern aus dem Büro direkt mit meiner Freundin Betti essen ging. Wir waren uns kürzlich im Kino nach fast einem Jahr wieder über den Weg gelaufen und hatten uns verabredet. Während wir für gewöhnlich chinesisch essen gingen, wollte ich diesmal den Inder in der Stadt ausprobieren. Betti war einverstanden. Nachdem ich Mt noch den Kellerschlüssel zu unserer Waschmaschine gegeben hatte, stapften wir beide los. Weit hatte ich es nicht, denn das indische Restaurant mit dem Namen „Bollywood“ lag nur ein paar Häuser von meinem Büro entfernt. Nur an der Jacobikirche vorbei und über den Platz, auf dem beim Rummel immer das Riesenrad steht. Schon waren wir da.

Das Restaurant war von innen so rustikal wie die Leuchtreklame draußen. Als einzige Gäste betraten wir das Etablissement und hatten freie Platzwahl. Die Tische waren mit Plastik bedeckt, damit die Decke darunter nicht schmutzig wurde. Der einzige Kellner war sehr freundlich und nachdem wir die Jacken abgelegt hatten, studierten Betti und ich die Karte. Es war einfacher, als wir gedacht hatten – so einfach, dass wir beide exakt das Gleiche bestellten: Chicken Madras. Nach einer Vorspeise, bei der mir Betti ihre vergangenen Monate erzählte, wurde der Hauptgang serviert. Er war… also die Soße… Angerichtet war das Gericht in einem reich verzierten Messingbehälter, unter dem ein Teelicht flackerte. Der dazu gereichte Basmatireis muss in Brühe gekocht worden sein und die Soße… dadurch, dass das Fleisch in einer recht groben Soße lag, sah es recht unappetitlich aus. Aber wir hatten Hunger und waren bereit, etwas Neues zu versuchen. Es war lecker, für unsere westlichen Zungen nicht zu scharf und die Menge genau richtig. Satt, um etliche Informationen reicher und zufrieden gingen wir auf einen Cocktail ins Bolero um die Ecke.

Es war ungefähr 23 Uhr, als ich zu Hause ankam. Selbst mein Engel war schon von der Arbeit zurück.

Am nächsten Abend stand Möbeln bei Mt auf dem Programm. Seine frisch bezogene Wohnung wird nach und nach mit weiterem Mobiliar gefüllt, das von fleißigen Handwerkern zusammengebastelt werden muss. Zuerst gab es etwas zu Essen. Nudeln mit Hackfleischsoße war genau richtig und bildete eine geeignete Grundlage. Während ich eine Lampe über der Badewanne anbrachte (ich bin irgendwie zum Elektriker avanciert) schraubten Engelchen und M. an einem Sofa, während Mt. im Raum nebenan Bekanntschaft mit dem Regal Billy machte. Die nächste Lampe wollte in der Küche angebracht werden. Ich bohrte zwei Löcher neben das Stromkabel in der Decke und schraubte den dreifachen Strahler an. Schneller als im Bad erstrahlte die Küche in neuem Licht. Die Zeit nahm ihren Lauf und so nahmen wir uns vor, nach dem zweiten Billy-Regal Feierabend zu machen. Zum Glück fiel Mt zum Schluss noch die Waschmaschine ein, die ich schon verdrängt hatte. In der Küche stand sie und wartete darauf, angeschlossen und ausprobiert zu werden. Also hievten wir sie an die richtige Stelle, ich verlegte die Schläuche unter der Spüle und schon lief das erste Spülprogramm. Während der Wasserzulauf dicht schien, tropfte es aus dem Ablaufschlauch heraus. Ich zupfte ihn also wieder ab und setzte die Dichtungen neu ein. Beim zweiten Spüldurchgang klappte es. Alles dicht.

Ebenfalls am Donnerstag erfuhren wir, dass Engelchens kleine Schwester mit starken Bauchschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Leider wohnt sie bei Itzehoe, und die Klinik dort machte ihrem Ruf wieder alle Ehre. Die Ärzte waren ratlos, stellten abwechselnd mal die eine und mal die andere Theorie auf, versuchten mal dieses und mal jenes. Wir versprachen, sie am Sonntag zu besuchen, dem einzigen Tag, an dem Engelchen und ich gemeinsam frei haben. Vorhin schrieb er mir eine SMS, dass sie heute entlassen wurde. Ich wette, die Ärzte wissen immer noch nicht, was ihr fehlt.

Am gestrigen Freitag wollten wir beide nur noch die Füße hochlegen. Wieder hatte ich fast zehn Stunden gearbeitet. Abends liefen wir nur noch zu Fuß zu ALDI, um etwas Essbares zu ergattern. Heraus kamen wir mit einem Brotbackautomaten und einer Backmischung für Vollkornbrot… In der letzten Woche hatten wir das erste Mal Brot selbst gebacken und waren so begeistert, dass wir das jetzt öfter tun wollen. Also warfen wir das Gerät noch am Abend an und hatten um Mitternacht frisches Brot, das wir heute Mittag wegfrühstückten.

Wir waren erst gegen halb zwölf aus dem Bett gekullert, gerädert, erschlagen und total fertig. Nur zwei Stunden blieben uns, ehe Engelchen wieder zur Arbeit musste und mich allein zu Hause zurückließ. Seitdem vegetiere ich den Tag lang vor mich hin, habe mich sogar am Nachmittag wieder ins Bett gelegt, nur um anschließend überhaupt nicht mehr zu gebrauchen zu sein. Zwischendurch ist in der Packstation eine Lieferung für mich angekommen. Ich wäre heute sogar hingefahren, nur um mal rauszukommen, aber Tg hat meine Zugangskarte. Gleich hat er Feierabend und holt die Sendung für mich ab. Ich hoffe nur, dass ich morgen fit bin, wenn wir nach Vaale fahren… Familienbesuche finde ich immer anstrengend.

 

Working title

Die erste Monatshälfte ist gerade rum. Die ersten beiden Wochen verbrachte ich viele Tage mit dem Meldewesen. Ich erschien morgens in aller Frühe im Büro und war erst abends recht spät wieder zu Hause. Die Arbeit ist im Moment spannend wie inhaltsreich, und trotzdem bin ich abends froh, wenn ich mich im Dunkeln auf mein weißes Bike schwinge und heimwärts radele. In der vergangenen Woche war mein Terminkalender schon ziemlich voll – so voll, dass ich abends kaum mehr zum Lesen der „Märchen von Beedle dem Barden“ komme, die mir mein Freund zu Weihnachten geschenkt hat…

Montagabend stand der nächste Zahnarztbesuch auf dem Programm. Nachdem in der Woche zuvor der Doc mit den blauen Augen schon eine Füllung in der oberen Zahnreihe erneuert hatte, waren diesmal zwei Reparaturen an Zähnen im Unterkiefer fällig.

Am Dienstag war ich bei Mt zum Möbel Aufbauen verabredet. Er hat seine erste eigene Wohnung in der Marzipanstadt bezogen und nach und nach trudeln gerade die ersten Möbel ein. Bevor wir uns daran machten, ein Highboard für die Unterhaltung zusammen zu zimmern, musste Licht her. Zu diesem Zwecke brachte ich vier Lampen an die Decken dunkler Räumlichkeiten und sorgte für Erleuchtung. Das Möbelstück im Anschluss verhielt sich zunächst störrisch, konnte unseren geschickten Handwerkerhänden dann aber nicht entkommen. Stattdessen hielt es uns bis weit in die Nacht auf. Spaß hat es trotzdem gemacht und am Ende war es sogar fast fertig, wenn sich nicht die blöde Tür geweigert hätte, sich schließen zu lassen. Ratlos saß ich vor dem Möbel, schraubte mal hier und mal dort, bis ich aufgab und der Tür den Sieg überlassen musste.

Erst am nächsten Tag gelang es Mt, durch einfaches Austauschen zweier Türen, das Highboard zu bezwingen. Am Mittwochabend traf sich unsere Abteilung im Bolero, einer Cocktailbar gleich gegenüber unserer Firma. Bei aller Gemütlichkeit, gutem Essen und fruchtigen Mixgetränken war ich vom Vorabend so müde, dass ich nicht sehr lange durchhielt und mich bald verabschiedete. Das war auch gut so, denn schon am Donnerstag folgte die nächste Verabredung. Während mein Engel unermüdlich schuftete, holte mich Mt fürs Kino ab. Tg hatte an ‚Twilight‘ kein Interesse, und so fuhren wir allein.

An den Snackständen warteten lange Schlangen, und so verzichteten wir auf Knabberkram und beschlossen, nach der Werbung den Eisverkäufer zu bemühen. Auf dem Weg zu meinem Platz tippte mich plötzlich jemand an. Ich drehte mich um und blickte in das strahlende Gesicht von Bettina. Es war so schön, sie wiederzusehen, dass wir uns gleich für irgendwann nächste Woche zum Essen verabredeten.

Über den Film wusste ich fast nichts, bis auf den Hauptdarsteller, den ich schon aus Harry Potter IV kannte, und dass es um Vampire gehen sollte. Mir gefiel der Film so gut, dass ich kaum erwarten kann, ihn auf DVD oder Blu-Ray zu kaufen. Mir gefiel die einfache Geschichte, die stimmungsvollen Bilder, der schöne Soundtrack und die bis zum Ende geführten Handlungsstränge. Außerdem fand ich die Hauptdarsteller klasse. Die erotische Spannung im Wechselspiel mit der Anspannung angesichts tödlicher Gefahr war deutlich spürbar. Und so fand ich den Film, der – so hieß es – eher für weibliche Zuschauer konzipiert war, außergewöhnlich erfrischend.

Jetzt ist Samstag, und während ich zum Klang von ‚Claire De Lune‘ von Debussy diese Zeilen schreibe, wartet schon der Abwasch auf mich, damit wir heute Abend guten Gewissens mit Freunden bowlen können.

 

Neues Jahr, neues Glück

Das erste Wochenende im neuen Jahr kommt trübe daher. Der versprochene Schnee ist ausgeblieben und kalter Regen tropft stattdessen aus den dunkelgrauen Wolken. Das rhythmische Platschen auf der nassen Straße ist beruhigend. Ermüdend. Einschläfernd.

Ich bin allein. Bis auf die gelegentliche Gesellschaft zweier Kater, die sich für ein bisschen Futter mächtig ins Zeug legen, hänge ich in der dunklen Stille meinen Gedanken nach und kann mich auf nichts Bestimmtes konzentrieren. Ein Bus fährt am Haus vorbei und zerteilt Wasserpfützen in schreiende Hälften, die dann beleidigt vom Radweg zurück auf die Straße fließen. Auf der anderen Seite der Stadt sitzt mein Freund im Büro und wartet auf seinen Feierabend.

Morgen, wenn ich meinen Arbeitstag hinter mich gebracht habe, statte ich meinem Zahnarzt einen Besuch ab. Nachdem die Wurzelbehandlung im Dezember erfolgreich abgeschlossen werden konnte, folgen nun einige kleinere Reparaturen, bis wieder alles im Reinen ist.