Er ist da!

Es hat schier eine Ewigkeit gedauert, aber nun ist der erste der zwei bestellten Rechner eingetrudelt! Nachdem in der vergangenen Woche erneut das Lieferdatum verschoben wurde verlor ich die Geduld und griff zum Telefon.

Ich hatte zunächst Katharina aus der Ukraine am Apparat. Ich beschrieb ihr die Situation, erklärte, dass ich bereits seit zwei vollen Monaten auf die Auslieferung meiner Bestellung warte und nun gern wüsste, wo denn genau das Problem liegt. „Ja, also Sie können Bestellung stornieren. Ich storniere.“ Ich konnte sie gerade noch davon abhalten, die Bestellung einfach zu löschen. „Ich kann Sie verbinden mit Kundenservice.“

Gute Idee. Ein paar Minuten später habe ich einen Kundenbetreuer am Telefon. „Guten Tag, was möchten Sie bestellen?“ Ich erkläre dem Mann, dass ich bereits vor zwei Monaten bestellt habe und erkläre auch ihm geduldig die ganze Geschichte. Ich schlage ihm vor, die Konfiguration der beiden Rechner Schritt für Schritt durchzugehen, um das eigentliche Problem zu identifizieren. Gesagt getan. Mein Rechner ist vollständig lieferbar (so viel war ja auch nicht zu konfigurieren). Geht aber nicht, weil er die selbe Auftragsnummer wie der Rechner von meinem Engel hat. Also gehen wir den zweiten Rechner durch und siehe da: Die Grafikkarte ist einfach zu stark und der Rechner kann so nicht fertiggestellt werden. Das ist alles. Ich drücke mein Erstaunen darüber aus, dass DELL es in zwei Monaten nicht fertig gebracht hat, mir das zu sagen. Inzwischen hat sich mein Freund bereits einen anderen Rechner ausgesucht. Ich storniere den gesamten Auftrag und der Kundenbetreuer richtet zwei neue Aufträge ein – mit unterschiedlichen Auftragsnummern.

Das war vor knapp einer Woche und heute wurde mein Rechner angeliefert! Freude! Freude! Aufbauen, anschließen, glücklich sein! Engels Rechner ist für kommenden Dienstag angekündigt. Alles wird gut.

Nate hat heute Geburtstag. Er wird – rechne-rechne – 26. Aber er ist nicht zu Hause. Als ich vor wenigen Tagen anrief, hatte ich seinen Engel am Hörer, denn Nate ist Hals über Kopf mal eben über 7.000 Kilometer weit weggeflogen, nachdem sein Opa gestorben ist. Eine Karte hat er trotzdem bekommen und in drei Wochen kommt er auch schon wieder nach Hause.

So. Ich muss noch ein paar Dinge auf meinem neuen Rechner einrichten, Daten übertragen und tun, was sonst noch so anfällt.

Unter Tieren

      

Die Idee, heute in den Tierpark zu fahren, entstand beim Frühstück. Die Sonne strahlte auf den gläsernen Tisch, der mit allerlei Frühstücks-Leckereien gedeckt war, bevor wir uns auf den Weg machten.

Im Sausetempo über die Autobahn nach Hamburg und Navi sei Dank sicher bis vor den Zoo. Ich steuere den blauen Wagen in das Parkhaus gegenüber und wundere mich, dass ich bei der Einfahrt weder Ticket noch Chip erhalte. Als wir aussteigen, stellen wir fest, dass wir hier einen Parkschein lösen müssen. Günstig zwar, mit einem Euro fuffzig für den ganzen Tag, aber ohne Kleingeld bissl blöd, hatte mir der Automat doch nur zwei Fuffziger ausgespuckt. Ich lasse meinen Wach-Engel also beim Auto zurück und eile zum Tierparkeingang. Dort löse ich zwei Tickets für den Park und zwei für das Tropen-Aquarium. Bumms, sind fünfzig Tacken weg. Damit ich das Parkhaus unterstützen kann muss ich also die Kassiererin um Kleingeld bitten. Lächelnd zerkleinert die den Fuffi und flugs bin ich zurück bei meinem wartenden Engel und löse den Parkschein.

Die Tour durch den Park kennen wir ja schon vom letzten Jahr, deshalb halten wir uns heute nicht allzu lange an den einzelnen Stationen auf. Natürlich halten die Elefanten ihre dicken Köpfe wieder gern in die Kameras, während sich die Kamele zu langweilen scheinen. Wir halten uns ziemlich genau an den Plan, damit uns diesmal nicht wieder der Eisbär durch die Lappen geht. Vorbei am Meerschweinchendorf, den Pelikanen, Pfauen und Rotärschen knurrt uns bald darauf der Magen. Da kommt uns der Imbiss sehr gelegen, und so erleichtern wir ihn um zwei Riesen-Currywürste mit Pommes! Das tut gut!

Die Flamingos lassen wir links liegen, machen kurz Halt bei den Pinguinen, gehen weiter bis zu den Seehunden, treffen auf die Seekühe und dann – sollte eigentlich das Eisbärengehege kommen. Aber da ist nichts… nach dem Planschbecken der Seekuh kommen Bäume, Bäume und Bäume und danach ein Restaurant. Auf der anderen Seite sind schon wieder Flamingos, aber von einem Eisbären keine Spur. Niedergeschlagen gehen wir weiter und folgen den Schildern.

Viel Zeit haben wir nicht mehr, denn der Park schließt in anderthalb Stunden. Also gehen wir zurück zum Haupteingang, sehen uns heute nicht das Affenhaus an (davon haben wir beim letzten Mal auch genug Fotos geschossen) und wundern uns über die entlaufenen Kinder, die Pampashasen über die Wiesen jagen. Am Eingang fragen wir den Ticketwärter, wie lange man denn für das Tropenaquarium braucht.Wenn wir das Aquarium in einer Stunde schaffen wollen, müssen wir jetzt hineingehen, denn bis zum Ende haben wir noch genau eine Stunde übrig. Also tauchen wir ein und sind erstaunt, dass die Reise in einem „Dorf“ beginnt. Hier hängen Kapuzineräffchen oder so an Strommasten-Attrappen und bunte Vögel fliegen um unsere Köpfe. Eine Tierpflegerin passt auf, dass keines der Tiere entwischt, denn das wäre das Ende! Als wir eine hölzerne Schleuse passiert haben gelangen wir zum Terrarium. Hier sitzen Kragen- und andere Echsen im warmen Glühbirnenlicht und glattpanzerige Schildkröten schieben sich aus dem Wasser an Land. Ein Stück weiter betreten wir eine Höhle, in der eklige Spinnen hinter Glasscheiben in ihren Netzen hängen und darauf warten, dass ein Pfleger ihnen Beute zuwirft. Das Nilkrokodil, das im nächsten Themenabschnitt lauert, liegt geduldig auf dem Bauch und lässt sich bestaunen, während über uns Fledermäuse Insekten jagen.

Für das eigentliche Aquarium steigen wir noch eine Etage hinab. Blaues Licht hüllt uns ein und wirft wellige Reflektionen an die Wände. Hier leben zahllose bunte Fische, elegante Quallen, die im Licht tanzen und sich freuen, dass die dunkelgrüne Muräne in einem anderen Aquarium sitzt. Durch ein Bullauge blicken wir in das Haifischbecken. Nemo und seine Freunde ziehen ihre Kreise in einem weiteren Becken und vor dem großen Riffaquarium machen wir eine Pause, um die vielen Eindrücke in Ruhe aufnehmen zu können.

Bevor wir den Ausgang quasi mit dem Schlussgong erreichen, stehen wir vor einem haushohen Aquarium – dem Haifischbecken! Hier ziehen Hammer- und andere Haie und Fische elegant ihre Bahnen, und ganz hinten sieht man das Bullauge, durch das wir vorhin schon gelugt haben.

Abreise

Nach unserer Abreise am Samstagmorgen führte uns das Navigationssystem zuerst zum Ferienhausbüro. Wir gaben den Schlüssel ab und verrieten der netten Angestellten, wieviel Strom wir verbraucht hatten. Nächste Station war unser Supermarkt in Nørre Nebel, wo wir Pfandflaschen abzugeben hatten. Als wir die Flaschen aus dem vollgestopften Kofferraum zerrten, fiel Tg ein Sofakissen auf, das da nicht hingehörte. Irgendwie hat es sich wohl beim Packen eingeschlichen… Dabei ist es nicht mal besonders hübsch!

Mit dem nicht mehr ganz so blinden Passagier setzten wir die Fahrt dennoch fort. Sonne und Wolken lieferten sich einen erbitterten Kampf, der sich noch fortsetzte, als wir längst schon wieder in Flensburg waren. Hier verließen wir zunächst die Autobahn, um uns die Stadt mal ein wenig genauer anzusehen. Nach einem schnellen chinesischen Mittagessen in einem Shoppingcenter liefen wir den ganzen Hafen hinauf und hielten schon aus Tradition wieder einmal überall die Kamera hin.

So verbrachten wir gleich ein paar Stunden in der Fördestadt, bevor wir unser Auto am Yachthafen abholten und wieder auf die Autobahn fuhren. Bis zur Rader Hochbrücke. Hier machten wir noch eine letzte Fotopause und kamen dann mit Einbruch der Dämmerung auch zu Hause an, wo meinen Engel ein Wohnzimmer voller bunter Ballons anlässlich seines 30. Geburtstags erwartete.

In der Ruhe…

An unserem letzten Tag machen wir fast gar nichts. Ein letztes Mal genießen wir die phantastische Ruhe vor dem Ferienhaus, räumen gemächlich die Schränke aus und verstauen unsere Koffer im Auto. Nachmittags schnappen wir uns noch einmal die Kameras und fangen die letzten Eindrücke ein. Auch die Sonne hat zum Abschied nochmal durch die Wolken gewunken. Zu guter Letzt fahren wir nach Nørre Nebel, weil wir außer dem Supermarkt bisher nicht viel von dem kleinen Ort gesehen haben.

Dänemark – nicht Wacken

 

Der verregnete Engelsgeburtstag

Engelchens Geburtstag. Ich wache nicht so früh auf, wie ich es gern wollte, um ihm Frühstück zu machen. Stattdessen weckt mich das Geburtstagskind und hat den Frühstückstisch längst gedeckt. Ich liebe Frühstück und ich liebe meinen Engel. Kann ein Tag schöner beginnen?

Dass es draußen regnet und stürmt, muss ich nicht schon wieder erwähnen, auch nicht, dass in der Nacht viele Liter Wasser das Dach über unserem Schlafzimmer heruntergeflossen sind. Anlässlich des Engelsgeburtstages entschließen wir uns zu einem Besuch im Legoland. Billund ist nur gute 50 Kilometer von unserem Häuschen entfernt, und so trotzen wir Wind und Wetter und machen uns auf die Reise. Dummerweise wird das Wetter umso schlechter, je weiter wir ins Landesinnere vordringen, und als wir das Legoland erreicht haben, sind alle Schleusen offen. Engelchen traut sich aus dem Wagen und sieht nach, ob wir eventuell am Samstag ein Ticket lösen können…

Wir haben die Wahl zwischen Århus (100 km von hier) und Esbjerg (50 km von hier). Wir entscheiden uns für Esbjerg. Wenngleich wir dort in dieser Woche schon von der Stadt nicht sehr angetan waren, möchte ich mir bei H&M eine Hose kaufen. Gesagt getan und flugs erreichen wir die Küstenstadt. Wie schon vor zwei Jahren stellen wir den Wagen in der Borgergade auf einen Parkplatz und marschieren zu Fuß los. Sicherheitshalber habe ich Regenhose und –jacke angezogen. Wir steuern in der Fußgängerzone zunächst verschiedene Elektronik-Geschäfte ab, weil das Geburtstagskind für seine neue PSP einen Memorystick kaufen möchte.

Doch nach dem dritten Laden, bei dem der Stick umgerechnet um die 60 Euro kosten soll, gibt er auf. H&M ist ein Eckladen an einem mittelgroßen Platz. Leider werden hier nur Damen- und Kinderbekleidung verkauft. Wir schlendern noch die ganze Einkaufsstraße hinunter, aber ein weiteres Geschäft dieses Unternehmens ist nirgends zu entdecken. So waren wir beide nicht sehr erfolgreich. Zu allem Überfluss fängt es an, in Strömen zu regnen, als wir den äußersten Punkt unseres Einkaufsausfluges erreicht haben. Dank meiner Bekleidung bleibe ich zwar grundsätzlich trocken, aber es ist empfindlich kalt geworden. Engelchen ist bald ziemlich nass, denn der Schirm kann bei dem starken Wind nicht viel ausrichten. So sind wir heilfroh, als wir wieder im Auto sitzen und die Heizung aufdrehen.

Zurück im Ferienhaus backen wir gemeinsam Tg’s Geburtstagskuchen, während nach und nach die Gratulanten per SMS eintreffen.

 

Hin und wieder zurück

Sturm und Regen halten uns auch heute Morgen die Treue. Aber wie schon gestern hält das unseren Enthusiasmus nicht zurück. Nach einem wie immer guten Frühstück schmieden wir die Ausflugspläne für diesen Mittwoch. Wir nehmen uns heute mal mehr als ein Ziel vor, damit sich die ganze Fahrerei auch lohnt. Zuerst werden wir Skjern besuchen, denn es soll dort eine Holzbrücke geben, die es sich anzusehen lohnt. Wir wissen nicht wo genau sie ist, aber wir werden sie bestimmt finden. Als nächstes wollen wir auf die Halbinsel Tipperne fahren, die sich im Fjord befindet. Sie ist die letzte Station vor unserem Strandziel auf dem schmalen Küstenstreifen vor der Nordsee.

Es ist kurz vor Mittag, als wir ins Auto steigen und den Kieselsteinweg entlang schleichen. Ab und an mogeln sich ein paar Spätsommer-Sonnenstrahlen durch die dicken Wolken. Skjern ist nicht schwer zu finden, mit Navi schon gar nicht, und so sind wir flugs auch schon angekommen. Da es nirgends ein Schild zur Brücke gibt, fahren wir zunächst ins Zentrum, wo wir den Blauen abstellen und die kleine Innenstadt zu Fuß erkunden. Wie an jedem dieser Tage hält mein Freund seine kleine Kamera auf einfach alles und jeden und fängt jeden noch so aufmerksamkeitsfordernden Augenblick ein.

Die Innenstadt von Skjern ist wirklich sehr klein, und so sitzen schon bald wieder im Auto und suchen die Holzbrücke. Und suchen. Und suchen. Dann geben wir auf und machen uns auf den Weg zu unserem zweiten Ziel. Als wir Skjern gerade verlassen haben und am Kreisverkehr die erste Ausfahrt nehmen, fällt mir ein Feldweg auf, auf den eine unübersetzbare Beschilderung weist. Nur das Zeichen für Sehenswürdigkeit (oder bedeutet es Hünengrab?) gibt uns einen kleinen Hinweis darauf, dass hier etwas sein könnte.

Also fahren wir in den Feldweg hinein. Es wird enger und die Wasserlöcher werden tiefer und breiter. Dann müssen wir uns entscheiden: links rum oder rechts rum? Wieder weisen zwei Schilder den Weg, wieder können wir kein dänisch. Wir entscheiden uns für den rechten Weg, denn links sehen wir nichts als Kuhweiden. Rechts sehen wir erst mal gar nichts, weil dichtes Gestrüpp die Sicht verhindert. Wir schicken also den Wagen hindurch, quetschen ihn über eine enge Brücke – oh, Wasser! Kurz dahinter steht ein Angler mit seiner Rute und guckt uns komisch an. Und dort, ganz hinten, ragen Holzstreben aus dem Boden, die eventuell aussehen, als könnten sie zu der vermissten Brücke gehören. Wir nähern uns und die Brücke nimmt weiter Gestalt an.

Als wir davor stehen, stellen wir fest, dass sie nicht mit dem Auto befahrbar ist. Sie ist wirklich aus Holz und vielmehr für Pferde gedacht. Wir kommen an dieser Stelle also nicht weiter, steigen stattdessen aus und schießen ein paar Fotos. Um uns herum stehen Rinder und der Fluss, über den die Brücke führt, ist gar nicht mal so groß. Ansonsten ist hier nur dieser Sandweg, der uns hergeführt hat.

Nach diesem Erlebnis kehren wir Skjern den Rücken und fahren geradewegs nach Tipperne. Die Halbinsel mitten im Fjord ist – Überraschung – auf der Karte von Wasser fast vollständig umgeben. Das ergibt sicher ein paar nette Motive für unsere Kameras. Das Navi schickt uns über diverse Querfeldeinwege bis kurz vor Nymindegab. Hier biegen wir in eine kleine Straße ein, die ein Stück weiter zu einem Kiesweg wird. Was soll’s, das kennen wir ja nun schon…

Wir sind nicht ganz allein, ein dänisches Auto fährt noch hinter uns. Ansonsten verirrt sich keine Seele auf diesen wirklich sehr abgelegenen, kleinen, von Nichts umgebenen Weg. Es dauert eine ganze Weile, in der wir uns über das fehlende Wasser wundern und an Viehweiden vorbeifahren, bis wir an ein Tor kommen.

Es ist geschlossen und der Weg dahinter darf nicht befahren werden. Außer sonntags… Auch unsere Verfolger kommen nun zum Stehen. Eine Dame steigt aus dem Wagen und ich lächle ihr ein fröhliches „Hi“ entgegen. Sie „Hi“-t zurück und liest dann eines der Schilder, die wir nicht entziffern können. Offenbar handelt es sich um ein Natur- oder Vogelschutzgebiet. Schade. Etwas frustriert verlassen wir das Ende dieses unsäglichen Weges und fahren die ganze Strecke wieder in bewohntes Gebiet zurück. Weil wir schon mal da sind, beschließen wir, uns Nymindegab genauer anzusehen. Wir sind bereits mehrere Male hindurch gefahren und haben den Ort nie eines zweiten Blickes gewürdigt…

Der Ort selbst ist nicht der Rede wert. Es gibt einen EDEKA und verschiedene kleine Handwerksbetriebe. Mehr nicht. Aber direkt vor dem Ortsausgang liegt ein See, und vor dem See ein steiler Hang, und auf dem steilen Hang stehen mehrere schöne Häuser, die einen phantastischen Blick bieten. Wir schießen ein paar Aufnahmen, legen uns auf den hölzernen Steg und setzen unsere Fahrt bald darauf fort.

Es zieht uns schon wieder an den Strand, und direkt hinter Nymindegab gibt es einen großen Parkplatz und einen Dünenaufgang. Ich ziehe meine Regenkleidung an und dann stapfen wir durch den sturmgepeitschten Sand, bis wir die Nordsee sehen können. Sandkörner schlagen uns ins Gesicht, aber der Blick entschädigt! Das Meer ist noch aufgewühlter als die Tage zuvor und die Sonne bricht durch die dunklen Wolken. Ein Farbenspiel von hellgelb bis dunkelviolett über einem tosenden Meer, das große Wellen an den Strand schleudert.

Nach diesem Ausflug in die Natur haben wir genug für heute und fahren wieder zurück zum Ferienhaus. Es tut gut, die Füße hochlegen zu können und nicht gegen Wind und Wetter ankämpfen zu müssen oder Feldwege nach Sehenswürdigkeiten abzusuchen. Wir schieben ein Huhn in den Backofen und lassen den Abend ganz ruhig ausklingen, mit Wein, Fernsehen und Blubberbad.

 

Nasse Stiefel

Als ich die Augen öffne, über meinen Freund krabbele und hinter die Jalousie unseres kleinen Schlafzimmers linse, lege ich mich schnell wieder unter die Bettdecke, denn draußen ist es stürmisch und regnerisch. Aber weil es schon halb zehn ist kann ich nicht mehr einschlafen. Die Laken sind verrutscht, das Kissen ist zerknautscht und mein Engel schläft noch tief und fest. Also schwinge ich meinen Hintern aus dem Bett, schließe die Tür hinter mir so leise wie möglich und steige in die Dusche.

Der Wind rüttelt schon wieder an unserem Häuschen, als ich Wasser für Cappuccino aufsetze und den Backofen für frische Brötchen vorheize. Als sich der Duft im ganzen Haus verbreitet, weckt das meinen Engel, und mit kleinen Augen und hellblauen Puschen kommt er angelaufen.

Nach dem gemütlichen Frühstück entschließen wir uns zu einem Ausflug an den Strand. Ja ich weiß, es regnet und stürmt noch immer, aber was soll’s. Sonnenbräune ist uns sowieso fremd. Also packen wir unser Regenzeug ins Auto und machen uns auf den Weg ins 50 km entfernte Blavand. Unterwegs zählen wir die uns entgegen kommenden Peugeots, weil die Strecke nicht so wahnsinnig spannend ist. Das Navigationssystem schickt uns heute über merkwürdige Feldwege und mehr als einmal müssen wir uns über die Anweisungen hinwegsetzen.

Als wir Blavand erreichen ist das Wetter nicht unbedingt besser geworden. Trotzdem ist die Einkaufsstraße voller Touristen, und nur mit Schrittgeschwindigkeit kommen wir hindurch. Einen Kilometer später erreichen wir einen geeigneten Parkplatz, stellen unser Auto ab und zwängen uns in die Gummistiefel. Ich streife mir zusätzlich die Regenklamotten über, und so gewappnet stiefeln wir los.

Als wir auf der Düne stehen, bläst uns ein kräftiger Sturm entgegen und aufgescheuchter Sand peitscht uns in die Gesichter. Dicke, dunkelgraue Wolken haben das Meer vor uns aufgewühlt und spülen schaumige Wellen an den Strand. Dennoch ist der Strand nicht leer. Hier und dort lassen sich wetterfeste Leute den Alltag fortpusten, manch einer lässt gar Drachen steigen. Das kleine Mädchen ganz in Rosa freut’s.

 

Wir schießen Unmengen an Fotos, bis unsere Linsen durch die Gischt des Meeres ganz belegt sind. Viele Motive gibt es hier zwar nicht, aber die Wucht der Natur ist so eindrucksvoll, dass wir wieder draufhalten.

Als wir mutiger werden – und weil wir Gummistiefel tragen – wagen wir uns bis ins Wasser vor, um dem Spektakel noch näher zu sein. Am Horizont erkennen wir zwei große Schiffe und ich frage mich, ob der Besatzung wohl schlecht geworden ist. Die Wellen umspülen unsere Beine – und meinem Freund in die Stiefel. Ab jetzt muss er quietschend durch die Gegend laufen…

 

Der erste Regentag

An unserem dritten Tag hat sich die Sonne verabschiedet – laut Wetterbericht für den Rest unseres Aufenthaltes. Aber das macht nichts, denn das wussten wir vorher und haben uns entsprechend ausgerüstet.

Die Holzplanken der Terrasse glänzen vom Regen, der über Nacht gefallen ist, und es sieht nach weiteren Schauern aus. Das Strand- und Leuchtturm-Programm haben wir gestern schon „erledigt“ und so decken wir heute erst einmal ganz in Ruhe den Frühstückstisch im Esszimmer. Frisches Brot, dänische Marmelade und Frühstückseier. Das Radio übergießt uns mit einem unverständlichen Wortschwall, aus dem wir manchmal Worte heraushören wie „Herning“, „Kopenhagen“ und „Null zu Null“. Während wir schmatzend den Tag beginnen, besuchen uns auf der Terrasse kleine Meisen und Schwalben, die gern ihre Nester unter dem Dachvor-sprung zurückhätten.

Nach dem Frühstück schneiden wir die Preisschilder von unseren neuen Gummistiefeln, beladen das Auto mit unseren Ausflugsplänen und erklären dem Navi, wohin es uns bringen soll. Esbjerg ist das Ziel für den heutigen Montag. Erste Station: der Bahnhof. Als wir vor zwei Jahren dort waren, war die Stadt leer und langweilig, weil Sonntag war.

Sicher steuern wir durch den Stadtverkehr, tanken etwas ungeschickt an einer automatischen Tankstelle und passieren bald darauf den hübschen Bahnhof. Bei der Parkplatzsuche ist uns das Navi nicht gerade behilflich, aber das schaffen wir auch so. Wir stellen den montebello-blauen Wagen in der Englandsgade ab, ehe wir uns ohne Regenzeug zu Fuß auf den Weg machen. Wir entdecken die Fußgängerzone mit Deichmann, zizzi & Co., verlieren bald die Richtung und kramen das Navigationsgerät aus der Tasche. Mithilfe der GPS-Antenne finden wir schnell den richtigen Weg zum Bahnhof und stellen fest, dass wir ziemlich weit in die falsche Richtung gelaufen sind. Das kleine, praktische Gerät führt uns am Hafen vorbei. Es stürmt hier ganz enorm und ich ziehe meinen Cordhut etwas fester über mein aufwändig gestyltes Haar. Nach nur zwei Kilometern entdecken wir den Bahnhof. Wir öffnen die Holztür, halten die Kamera bereit – und finden eine erstaunlich kleine Bahnhofshalle mit einer immerhin schönen Decke. Auch der Bahnsteig ist alles andere als einladend. Ein dänischer Zug wartet geduldig, bis alle Fahrgäste eingestiegen sind und setzt sich dann quietschend in Bewegung

Im Grunde ist Esbjerg heute nicht viel sehenswerter als an bewusstem Sonntag vor zwei Jahren. Dänische Kleinstädte haben nicht mehr Charme, als deutsche, und so fahren wir wieder. In Nørre Nebel machen wir Halt, um ein paar Einkäufe zu erledigen und eine Form für Engelchens Geburtstagskuchen zu kaufen. Kurz darauf entladen wir den Wagen vor dem Ferienhaus gerade rechtzeitig vor dem nächsten Regenguss.

Das war erstaunlich anstrengend. Nachdem die Einkäufe verstaut sind werfen wir uns aufs Bett, um etwas zu entspannen. Draußen rüttelt der Sturm an unserem Häuschen und der Regen fließt geräuschvoll am Dach über uns herunter.

 

Strandprogramm

Es ist noch früh, als wir das warme Bett verlassen, der eine links, der andere rechts. Barfuß schlurfen wir in die Badezimmer, machen uns frisch und sitzen bald darauf in der Sonne vor dem Haus am gedeckten Frühstückstisch. Die gebackenen Croissants machen satt und sind damit die richtige Grundlage für diesen Tag.

Nach dem Frühstück verschließen wir das Haus und brechen zu unserem ersten Ausflug auf. Wir wollen zum Wasser gehen und entdecken einen kleinen, künstlich angelegten See – direkt bei unserem Häuschen. Na ja, nicht so richtig spannend, also gehen wir weiter über die Kieselstein-Wege. Unten an der Straße, wo vor zwei Jahren noch ein altes, verlassenes Bauernhaus stand, liegen jetzt nur noch ein paar ausgediente Dachschindeln.

Wir kennen den Weg zum Strand natürlich vom letzten Mal. Wir erreichen den kleinen Laden, der an den Campingplatz grenzt und nicht weit dahinter das Skavenhus, ein großes, weißes Hotel und Restaurant direkt am Fjord. Wir sehen die Schirme der Kite-Surfer, die den lebhaften Wind einfangen und über das Wasser jagen. Vorbei am Bootshafen zwischen den Dünen stecken unsere Füße kurz darauf im warmen Sand. Ich habe meine Schuhe ausgezogen und spüre die Sandkörner wie ein Peeling auf der Haut. Nur kurz tauche ich sie probehalber in das Nordseewasser. Nur kurz.

Der Strand bei uns ist nicht sehr groß, und so sind wir etwas später mit dem Auto auf dem Weg nach Hvide Sande. Nach wie vor gibt die Sonne ihr bestes und wir sind froh über die Klimaanlage. Zielsicher steuert uns das Navigationssystem am Fjord entlang, bis wir mitten in irgendeinem Ort ankommen und das Gerät behauptet, wir hätten unser Ziel erreicht. Also setzen wir die Fahrt ohne computergesteuerte Hilfe fort und erreichen Hvide Sande. Wir wollen den Fluch brechen, der sich vor zwei Jahren auf unseren Plan, den weißen Leuchtturm zu besteigen, gelegt hat.

Als wir das Hafengebiet erreichen, in dem wir schon vor zwei Jahren den Wagen geparkt hatten, sind wir verwirrt, denn der Leuchtturm ist nicht da. Wir gehen zu Fuß durch tiefen Sand zwischen den Dünen hindurch bis an die Nordsee. Erst, als wir schon fast im Wasser stehen, entdecken wir die Leuchtturmspitze – ein paar Kilometer weiter.

Während Tg noch überlegt, ob er wirklich hinaufsteigen soll, löse ich zwei Tickets für jeweils zehn Kronen (ca. 1,38 Euro). Zuerst steigen wir eine Holztreppe hinauf, die uns überhaupt zum Leuchtturm bringt, denn er steht auf einem Hügel.

Einen Aufzug gibt es dem 102-jährigen Gebäude nicht, also winden wir uns die Millionen Stufen hinauf, weichen Gegenverkehr aus und schauen hin und wieder aus den Fenstern. Man spürt die Höhe, in der man sich befindet, selbst im Innern des Turms. Es ist beunruhigend zu wissen, wie weit es direkt neben uns hinunter geht. Kurz vor dem Ausgang auf die Aussichtsplattform trage ich uns in ein Gästebuch ein. Ich lasse meinen Freund zurück, der auf die grandiose Aussicht lieber verzichtet und steige durch die Luke ins Freie. Das Geländer, das mich vor dem 55 Meter tiefen Sturz bewahren soll, endet in Brusthöhe. Immerhin öffnet das die Sicht, und die ist ziemlich beeindruckend!

Es ist extrem stürmisch dort oben und ich halte mich an meiner Kamera fest, mit der ich die Leuchtturmspitze einmal umrunde, bevor ich zu meinem Engel zurück ins Innere klettere. Es geht ihm schon viel besser, als wir wieder festen Erdboden unter den Füßen haben. Nach einer Fotosession am Fuße des großen, weißen Turmes nehmen wir den nächsten Abstieg in Angriff und klettern auch noch die Holztreppe wieder hinunter. Am Kartenstand kaufen wir noch ein paar Ansichtskarten und dann fahren wir mit schweren Beinen wieder zurück ins Ferienhaus.

Hier werfen wir sofort den Grill an, denn wir haben einen Bärenhunger. Die Sonne scheint noch und wir lauschen der Stille, die nur vom Knistern der glühenden Kohlen gespickt ist. Den Abend gehen wir ganz ruhig an. Essen, Sauna, Fernsehen und dann fallen wir erschöpft ins Bett.

 

XPS one red

Eigentlich wollte ich in diesem Monat gar nichts mehr schreiben.

Eigentlich.

Grund für meine Meinungsänderung ist mein neuer Computer. Unnötig, dekadent und absolut stylisch! Eigentlich wollte sich nur mein Freund einen neuen PC kaufen, weil sein Packard Bell jetzt endgültig den Geist aufgegeben hat. Aber beim Stöbern auf der Dell-Homepage war es dann um mich geschehen! Hochauflösender Monitor, kein Desktop-Gehäuse, nur ein einziges Kabel, alles integriert! Der Monitor ist nicht einfach nur Monitor. Er ist das ganze Gerät! Und noch dazu die rote Edition. Mein „alter“ PC ist noch sehr gut und gibt – zusammen mit meinem „alten“ Monitor, bestimmt noch einen guten Preis.

Bis zur Lieferung kann es jedoch drei Wochen dauern, und weil wir gleich zwei neue Computer bestellt haben, sprengt der Gesamtpreis mein Kreditkartenlimit, so dass der Betrag von meinem Konto abgebucht werden muss. Das verzögert nicht nur den Vorgang, sondern erforderte auch den Verkauf meiner Investmentanteile zu einem denkbar schlechten Kurs. Aber ich konnte nicht widerstehen… Und der Welt-AIDS-Hilfe kommt damit auch gleich eine Spende zu, was ich zugegebenermaßen erst gerade eben festgestellt habe.
Ganz im Kaufrausch war ich gestern bei IKEA. Den Holzfußboden hatte ich ja schon gekauft, mir fehlten aber mangels mathematischer Fähigkeiten noch vier Bodenplatten. Zum Glück wollte ich auch noch eine Holzjalousie für die neue Balkontür kaufen, und so fuhr ich eben einfach nochmal hin. Bei der Gelegenheit – das Geld scheint locker zu sitzen – erwarb ich einen Tisch für den Balkon, der genau wie die Bodenplatten aussieht.