Rückblende

Puh, geschafft! So eine Woche kann anstrengend sein! Zum Glück lag Ostern in diesem Jahr auf einem Montag…! An meinem ersten Arbeitstag nach meinem zweiwöchigen Urlaub (gefühlter Urlaub zwei Stunden) fand ich ein fast leeres Großraumbüro vor. Fast alle Kollegen taten es mir gleich und legten zu Hause die Füße hoch. Nur Marina war noch da. Ehrlich gesagt, ich konnte noch nie konzentrierter arbeiten! Es war himmlisch ruhig. Dadurch habe ich ziemlich viel geschafft. Seit Dienstag erkennt mich auch die nette Bäckereifachverkäuferin wieder und weiß jetzt, dass ich immer zwei Laugenbrötchen bestelle. 🙂

So viel zum travaillösen Geplänkel der Woche. Am Karfreitag waren Herzchen und ich zu Besuch bei meiner family. Wenige Tage zuvor ist mein Stiefonkel Digger plötzlich gestorben, deswegen war die Stimmung etwas angeschlagen. Dennoch war es superschön, meine Mum und den Rest der Rasselbande wieder zu sehen. Nach dem Kaffeedilemma bei ihrem letzten Besuch bei uns haben sie mir zum Geburtstag eine Kaffeemaschine geschenkt… Besonders lang sind wir diesmal nicht geblieben, was aber nicht unbedingt an uns lag. Sehr traurig über den Tod seines Bruders wollte mein Stiefvater irgendwann seine Ruhe haben, und so haben wir meine Schwester nach Hause gefahren und sind dann selbst in die Marzipanstadt zurück gekehrt.

Drei Tage später, am Ostermontag, fanden wir uns zum zweiten Oster-Familien-Besuch bei Torges Eltern ein. Dieser Besuch dauerte wesentlich länger, obwohl am nächsten Tag die Arbeit wieder losging. Auf der Fahrt kamen uns immer wieder Autos mit Schnee auf dem Dach entgegen, obwohl weit und breit keine Schneeflocke zu sehen war. Doch je näher wir dem Ziel kamen, desto winterlicher wurde es. Als wir in der Küche von Schatzis Eltern saßen und Kuchen mampften, fielen dicke weiße Flocken aus grauen Wolken und der Heimweg fiel mit wesentlich weniger Stundenkilometern sehr viel langsamer aus als sonst.

Insgesamt hatten wir ein entspanntes Osterwochenende. Was ist sonst noch passiert? Ach ja, eine neue Brille habe ich mir ausgesucht! Ich hatte ja schon festgestellt, dass meine Sehstärke stark nachgelassen hat und so bin ich am Dienstagabend nach Feierabend zum Optiker gegangen. Um drei Viertel Dioptrin hat sich meine Sehkraft verschlechtert! Wusst ichs doch! Bei der Gelegenheit habe ich mir gleich ein neues Gestell ausgesucht – mal was ganz anderes. Am 4. April kann ich die Brille voraussichtlich abholen! *freu*

Jo. Das war’s erst mal. Muss mich jetzt wieder um meinen Engel kümmern, der fiebert so’n bissl vor sich hin seit Tagen und braucht jetzt meine Krankenpfleger-Talente. 🙂

 

Spiegelbilder

Die erste von zwei Wochen Urlaub ist schon rum – viel erlebt habe ich noch nicht. Das liegt nicht nur daran, dass mein Engel noch arbeiten musste, sondern auch am miesen Wetter. Die dicken fetten grauen Wolken sah ich mir zumeist lieber vom Bett aus an, einen Fuß nach draußen zu setzen kam mir schon gar nicht in den Sinn.

Heute Morgen sah es dann endlich ein wenig anders aus: Sonnenschein und Vogelgezwitscher weckten meinen Freund und mich aus dem tiefen Schlaf. Die beiden Kater, die vor Stunden schon aufgestanden waren, schnarchten inzwischen schon wieder in ihren Bettchen.

Gegen Mittag quälten wir uns über die Autobahn nach Hamburg. IKEA ist bei uns ein beliebtes Ausflugsziel, und heute wollten wir neue Bambusrollos für die beiden Wohnzimmerfenster kaufen. Schon auf Höhe der Anschlussstelle Billstedt ging nix mehr. Trotz dreier Spuren höchstens Schneckentempo. Aber was soll’s, wir haben ja Urlaub und jede Urlaubsreise – und sei es auch nur ins Möbelgeschäft – muss wohl im Stau beginnen.

Weil wir zum Frühstücken nicht mehr gekommen waren visierten wir als erstes das IKEA-Restaurant an. Ich wagte mich heute mal an etwas ganz exotisches: einen Grillteller! Schatzi, etwas weniger wagemutig, hielt sich traditionell an die schwedischen Hackbällchen. Der Laden war ziemlich voll, es scheint heute viele Mütter mit ihren – nicht mehr ganz so kleinen – Söhnen zum Möbelkauf gezogen zu haben… So mancher Stammhalter konnte einem wirklich leidtun. Die eigentliche Möbelausstellung sieht nicht großartig anders aus als bei unserem letzten Besuch, und so waren wir schnell durch. In der Warenabteilung schoben wir uns mit einem Einkaufswagen bis zu den Gardinen und Rollos voran. Erster Gang – nix. Weiße Gardinen, Holzjalousien, Leinwände. Nächster Gang: rosa Kissen – häh?! Als wir alle Gänge der Abteilung abgesucht hatten kamen wir zu dem ernüchternden Schluss: es gibt keine dunkelbraunen Bambusrollos bei IKEA in Hamburg-Moorfleet.

Natürlich gingen wir trotzdem um 67 Euro leichter aus dem Laden. Irgendwas findet sich ja immer… Zurück in der Marzipanstadt, nach diversen Schneeregen-Schauern auf der Autobahn, besorgen wir zunächst einen Gutschein für B. Er hatte am letzten Mittwoch Geburtstag und am Samstag haben wir gefeiert. Eine Wunschlaterne wie zu Silvester gab es diesmal zwar nicht, dafür aber zwei leckere Gerichte aus dem Wok.

Dass ausgerechnet heute Eva Herrmann wieder einen geistigen Furz losgelassen hat passt thematisch zu einem Online-Artikel eines bislang namhaften deutschen Magazins. Hier schreibt das Blatt über die letzte DSDS-Episode vom Samstag. Der Vorschlag, die Show in „Deutschland sucht den Supermigranten“ umzutiteln ist nur der Beginn einer Tirade auf dem Rücken der Teilnehmer, die in diesem Jahr vielfältige kulturelle Hintergründe haben. Dass der Afrodeutsche hier 500 Prozent bringen wollte wird vom Autor ebenso spitz hervorgehoben wie der Umstand, dass er nun zurück ins wahre Leben muss, als „Gabelstapler oder Dachdecker“. Von der eigentlichen Aussage mal abgesehen: seit wann ist Gabelstapler ein Beruf?! Auch Thomas Godoj kommt nicht zu kurz und wird vom Magazin als arbeitsloser Deutschpole exponiert. Diese und etliche weitere Tiraden auf die nicht deutschstämmigen Kandidaten haben mich verärgert. Immerhin heißt die Show nicht „Deutschland sucht den deutschen Superstar“.

Nachdem also die erste freie Woche einigermaßen ereignisfrei verstrichen ist, bin ich gespannt auf den zweiten Teil…

 

Das zerbrochene Fenster

Wer Fan von viel Filmblut ist, schnulzige Musical-Lovesongs liebt, Johnny Depp nicht widerstehen kann und die düsteren und meist farblosen Filme von Tim Burton mag, für den ist „Sweeney Todd“ sicher ein unterhaltsamer Film. Zu dem Schluss kam ich gestern Abend, als ich mit meinem Engel aus dem städtischen Kino kam. Ich hingegen hätte mir die zehn Euro sparen sollen. Auf dem Weg zurück zu meinem kleinen, neongelben Auto zählte ich auf, was mir alles nicht gefallen hat. Am Wagen angekommen blickte ich durch das hintere rechte Fenster in den Innenraum – blöd, dass keine Fensterscheibe mehr drin war! „Scheiße!“ rief ich, als ich die eingeschlagene Scheibe begutachtete. Glassplitter bedeckten die Rückbank im Schein der Straßenlaterne wie Diamanten und die leere Pappschachtel, die vorher noch unter dem Beifahrersitz gelegen hatte, lag immer noch leer auf dem Sitz. Was nun? Notruf wär vielleicht etwas übertrieben. Die Telefonnummer der Polizeiwache hatte ich nicht, also fuhren wir direkt dorthin. Die Reste der zertrümmerten Scheibe rieselten bei jeder Unebenheit der Fahrbahn geräuschvoll herunter in den rückwärtigen Innenraum und kalter Wind zog herein. Zum Glück war es trocken!

Eine freundliche Polizei-Obermeisterin nahm meine Anzeige entgegen. Sie sagte, es wäre schon der vierte Auto-Einbruch in dieser Nacht. Da ich mich von so etwas in der Regel nicht aus der Ruhe bringen lasse, war ich – zumindest äußerlich – ganz entspannt. Immerhin bin ich versichert. Die Polizistin sah sich den Schaden an und konfiszierte die Pappschachtel zur Untersuchung auf Fingerabdrücke. Es dauerte dann eine Weile, bis die Formulare ausgefüllt waren. Ich durfte mein Autogramm drunter setzen und dann konnten wir nach Hause. Ich entfernte die Reste der zersplitterten Scheibe, damit sie nicht auf die Straße fielen. Zu Hause klebten wir das Fenster dann mit Pappe und Folie ab, um den Innenraum gegen Regen und Tiere zu schützen.

Heute früh war Engelchen mit dem Patienten in der Werkstatt und mittlerweile ist der Wagen wieder heil. Der Schaden beträgt 150 Tacken – wie schön, das ist genau der Betrag meiner Selbstbeteiligung. Ich darf also alles komplett selber zahlen! Danke sehr! Und nur, weil ein paar hirnlose Schwachmaten eine leere Pappschachtel stehlen wollten! Ich könnte jemandem die Finger brechen, denn von der Lauferei abgesehen kann ich im Moment auf 150 Euro nicht verzichten.

Ein nicht sehr gelungener Abend. Da bleib ich doch heute einfach zu Hause.

 

one week

:: Eine Woche, zwei Absagen und die Wunschliste

Mit verstrubbeltem Haar und verpennten Augen mampfe ich grad mein Marmeladen-Toast und warte auf die Post. Von den beiden Katern abgesehen bin ich heute allein zu Haus. Draußen holt Sturmtief „Emma“ nochmal tief Luft und hier drinnen müssten die Spuren der Arbeitswoche beseitigt werden. Aber sachte, sage ich mir. Eins nach dem andern.

Während ich heute darauf warte, dass die Post uns eine DVD vorbeibringt, gab der Briefkasten in dieser Woche nicht gerade gute Neuigkeiten her. Ich habe mich bei zwei Firmen beworben, und beide haben mir in dieser Woche einen Korb gegeben. Gleichzeitig habe ich mich in meiner jetzigen Firma um eine ganz neue Stelle beworben. Eine unserer Abteilungen gerät ziemlich ins Schwimmen, und weil das die Ergebnisse mittlerweile stark beeinträchtigt erfährt die Geschäftsleitung über kurz oder lang davon. Und so habe ich einfach eine Bewerbung hochgegeben und vorgeschlagen, mich dort als Trainee aufzunehmen, mich auszubilden und dabei auf meine Unterstützung zurückzugreifen. Parallel habe ich den Abteilungsleiter gefragt, was er davon hält – und er ist dafür.

Gestern habe ich dann noch meinen jetzigen Chef ins Boot geholt, dem die Unzulänglichkeiten der anderen Abteilung ziemlich auf den Sack gehen. Ich erzählte ihm, was ich vorhabe. Da ich weiß, was er von meiner Arbeit hält, bin ich sicher, dass auch er an ein paar Fäden ziehen wird. So rechne ich mir vorsichtig ein paar Chancen aus, dass dieses eigentlich eher hoffnungslose Unterfangen Früchte tragen kann.

Am Donnerstag machte ich schon mittags Feierabend. Die Sonne schien vom blauen Himmel, die Luft war klar und in der Marzipanstadt herrschte reges Treiben. Mit meinem Bike radelte ich nach Hause. Durch das alte Stadttor, um den Kreisverkehr und unter den Bäumen einer langen Straße entlang, die dringend einen neuen Radweg braucht. Zu Hause stieg ich aus meinem Anzug, machte mich kurz frisch und schlüpfte in bequemere Klamotten. Dann schwang ich mich erneut auf mein Rad und machte mich auf den Weg zum Arbeitsamt. Als gewohnter Bus- und Autofahrer empfand ich den Weg als ziemlich weit. Mal ging es bergan und mal bergab. Über große, mehrspurige Brücken, an tausend Ampeln an verkehrsreichen Kreuzungen vorbei verschwand der blaue Himmel allmählich unter dicken grauen Wolken. Kaum war die Sonne nicht mehr zu sehen wurde es kälter und ich war mir sicher, gleich würde ich nass werden. Ich stieg noch etwas kräftiger in die Pedale. Beim Arbeitsamt würde ich mich ja ausruhen könne, während ich warte.

Außer Atem kam ich beim Amtsgebäude an, schloss mein Rad am Ständer fest und ging hinein. „Empfang“ stand auf dem Schild mit Pfeil und so bog ich rechts ab und stellte mich ans Ende der kurzen Warteschlange. Zwei Minuten später war ich auch schon dran und eine nette, kräftige Frau nahm freundlich meine Personalien auf. Sie erklärte mir, dass man mich morgen anrufen würde und ich dann diesen Fragebogen ausgefüllt bereithalten solle. Ich war etwas verwirrt, denn als ich mich telefonisch erkundigte, was ich tun müsse, um mich arbeitssuchend zu melden, hatte ich die Wahl. Ich könnte es entweder telefonisch machen oder persönlich. Ich hasse telefonieren und spreche viel lieber direkt mit den Leuten – erst recht, wenn ich nicht weiß, womit ich es zu tun habe. Die nette Empfangsdame erklärte mir, dass ich sowieso hätte herkommen müssen, weil sie meinen Personalausweis bräuchte, aber der Rest passiere erst einmal telefonisch.

Fünf Minuten später saß ich schon wieder auf dem Rad. Ausruhen war nicht drin. Zu Hause stieg ich dann erstmal unter die Dusche…

Am Freitag rief mich dann morgens eine Dame vom Arbeitsamts-Callcenter in der Firma an und brav beantwortete ich ihr alle Fragen. Jetzt habe ich einen Termin bei meinem Sachbearbeiter Mitte März.

Ich hoffe natürlich, dass alles noch gut ausgeht und ich in meiner Firma bleiben kann. Eine gesicherte Zukunft hätte für mich einen gewissen Charme…