HafenCity

Es ist schon hell vor den großen roten Vorhängen, als ich die Augen öffne. Ein Blick auf die Armbanduhr neben mir sagt, dass es erst halb sieben ist. Ich habe die Uhr noch gar nicht ganz weggelegt, da schlafe ich auch schon wieder.

Das Frühstück tut gut! Es muss etwa elf Uhr sein, als U. Brötchen und Cappuccino auf den Tisch stellt. Es ist schon jetzt unheimlich warm draußen. Nach dem Frühstück reiben wir uns gründlich mit Sonnenmilch ein und dann laufen wir los. Heute wollen wir uns die Hafencity ansehen. U. und W. waren schon dort und kannten sich daher bestens aus. Mit der S-Bahn ging’s bis zur Station Baumwall und von dort aus trugen uns die Füße über den flimmernden Asphalt. Nicht einmal am Wasser war es kühler. Zuallererst schauten wir uns die Baustelle der Elbphilharmonie an. Eindrucksvoll ist schon der Kaispeicher, der zu diesem Zwecke entkernt wurde. Obenauf werden noch viele Etagen mehr gebaut und das Ganze dann mit Glas verkleidet. Aber bis dahin fließt noch einiges an Wasser die Elbe hinab.

Hamburg | Elbphilharmonie (im Bau)

Die ganze Hafencity ist derzeit eine Baustelle. Überall entstehen neue Gebäude, neue Straßen und Plätze. Zwei große Terrassen sind schon fertig und auf der einen lassen wir uns bald nieder. Magellan-Terrasse ist der klangvolle Name eines vollständig durchdesignten Platzes mit geschwungenen Grünflächen, Sitz- und Liegemöglichkeiten und einen tollen Blick zur Elbphilharmonie. Aber das Allerbeste an diesem Platz ist – zumindest heute – der Eiswagen, der dort an der Straße steht.

Hamburg | HafenCity

Schleckend lassen wir uns im Schatten nieder, beobachten einen Modelfotografen, der ein paar in leichte Sommermode gehüllte Damen ablichtet und eins, zwei, drei schwule Pärchen, die händchenhaltend das fabelhafte Design bestaunen.

Wir verglühen fast, als wir an der Haltestelle auf den Bus warten, der uns wenigstens ein paar Stationen mitnehmen soll. Unser nächstes Ziel nämlich ist die Nikolaikirche. Es dauert sieben Minuten, bis der Bus um die Ecke biegt. Die Fahrt dauert nur wenige Minuten, aber wir sind dankbar für jeden Meter, den wir nicht in der Mittagshitze laufen müssen. Inzwischen ist das Thermometer auf dreißig Grad geklettert.

Die Nikolaikirche ragt eindrucksvoll und düster vor uns in den blauen Himmel. U., W. und ich beschließen mit dem Panorama-Aufzug die 75 Meter auf die Aussichtsplattform zu fahren, während mein Freund lieber von unten nach oben guckt. Ein bisschen schwummrig wird uns schon, als wir rasend schnell nach oben gehoben werden, höher und immer höher. Als sich die Fahrstuhltüren öffnen und grelles Sonnenlicht hereinfällt setzen wir vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Und dann haben wir einen atemberaubenden Blick über die Hansestadt! Wir sehen den Michel, das Rathaus, die Alster, den Hafen und die Speicherstadt mit der Baustelle, die einmal die Elbphilharmonie und die Hafencity werden soll. Einfach wunderschön!

Hamburg | HafenCity

Letzte Station unseres Aufenthaltes ist das Beany Bee’s. U’s Lieblingscafé in allen Rosaschattierungen ist ein wenig versteckt, aber der „Chai Latte Frappuccino“ ist eine leckere Abkühlung, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Nicht lange danach sitzen Engelchen und ich im klimatisierten Auto, verfahren uns und sind dann trotzdem bald auf dem richtigen Weg nach Hause, wo unsere Kater schon sehnsüchtig auf uns warten…

 

Kirschblüten

Die eigentliche Kirschblüte ist längst vorbei. Warum die Japaner in Hamburg dennoch erst Ende Mai das alljährliche Kirschblütenfest veranstalten, weiß ich nicht. Ist mir aber auch egal, denn schön ist es allemal!

Vorgestern klingelte zu Hause das Telefon und U. war dran. Große Wiederhörensfreude beiderseits und gleich eine Verabredung für das Wochenende. Da wir vor zwei Jahren schon einmal das Kirschblütenfest in Hamburg besucht haben, einigten wir uns auf eine Wiederholung in diesem Jahr – diesmal allerdings mit unseren Männern an der Hand.

Freitagabend. Mir tun die Finger der rechten Hand weh, denn gestern war ich mit meinem Büro beim Bowling. Dafür, dass ich das noch nie gemacht habe (die Wii zählt nicht), habe ich mich ganz gut geschlagen. Der heutige Feierabend kommt dank des Freitages früher als sonst, ist aber mindestens genau so heiß! Als ich mein Bike zu Hause in den Keller schließe, bin ich schon durchnässt. Engelchen kommt knapp drei Stunden nach mir von der Arbeit und ist ebenfalls klatschnass, denn er stand ewig im Stau und hat sich nicht getraut, die Klimaanlage einzuschalten. Die Lungenschmerzen sind eben noch nicht ganz weg. Und so beladen wir kurz darauf den neuen Wagen und machen uns auf die Reise nach Hamburg. Vorsichtig halte ich die Temperatur auf erträglichem Niveau, ohne uns gleich zu erkälten.

Obwohl der letzte Besuch bei den beiden schon Monate her ist, finden wir den Weg auf Anhieb. Wie immer bekommen wir einen Parkplatz direkt vor dem Haus (das hätte ich zu Hause auch gern…) und schon liegen wir uns in den Armen! U. hat an alles gedacht und so ist das Abendessen schon so gut wie fertig, als wir uns im Wohnzimmer auf die weiße Couch setzen. Wir sind alle so hungrig, dass es ganz still ist, während wir die Tortellini in uns hineinschaufeln!

Bald darauf müssen wir uns auch schon beeilen, denn um halb elf beginnt das große Alsterfeuerwerk. Wir laufen zur Bahnstation und müssen sieben Minuten warten. Dann geht’s los, aber die Zeit wird knapp. Als wir in der Uhlandstraße den Zug wieder verlassen und der Menschenmenge hinterherlaufen hören wir es schon krachen und hinter der nächsten Ecke sehen wir schon das Feuerwerk. Wir sind zu spät. Es macht jetzt keinen Sinn mehr, weiterzugehen, denn an der Alster ist alles voll. So bleiben wir an der Straße stehen und freuen uns, dass wir eine gute Sicht auf den brennenden Himmel haben.

Als der Schlussakkord am Himmel explodiert setzt sich die riesengroße Menschenmenge in Bewegung, die gerade noch auf den Wiesen am Wasser „aahh“ und „oohh“ gerufen hat. Tausende Leute stehen jetzt an den Ampeln – und wir auf der anderen Seite. Als es grün wird laufen wir mutig gegen den Strom, fassen uns bei den Händen, um nicht auseinandergerissen zu werden und erreichen bald das Alsterufer. Die Wiesen sind immer noch voll. Hier und da glimmt noch ein wenig Kohle im Grill, dort wird eine Liegedecke von kleinen Fackeln erleuchtet und vor uns auf der Alster fahren die kleinen Boote mit den Lampions langsam wieder auf die Ufer zu. Der Himmel ist sternenklar und auf der anderen Seite leuchtet der Jungfernstieg. Dorthin wollen wir jetzt. Wir laufen die Promenade entlang. Links von uns ist eine ganze Etage bunt erleuchtet und Menschen in Abendgarderobe und Cocktails genießen die Sommernacht.

Bis zum Jungfernstieg waren wir eine ganze Weile unterwegs. Bei immer noch 22 Grad gehen wir rüber zum Rathaus. Hier läuft gerade ein Film auf der großen Freiluft-Leinwand. Wir schnappen uns ein Crêpe und setzen uns an den Fleet gegenüber den Alsterarcaden und gönnen unseren Füßen etwas Ruhe, ehe wir bald wieder mit der Bahn zurück fahren. Wir haben unser Reisebett dabei und bald schon schlummern Engelchen und ich im Wohnzimmer…

Das Kirschblütenfest…

 

Montebello

Er ist da! Unerwarteterweise lief beim Abholen des neuen Wagens alles wie am Schnürchen. Aber ich fange mal vorn an:

Als mein Handy gegen halb acht Alarm schlägt denken meine Augen nicht im Traum daran, sich zu öffnen. Meine rechte Hand sucht patschend nach dem Krachmacher und sorgt für Ruhe – zumindest für fünf Minuten. Engelchen und ich müssen heute nahezu zeitgleich das Haus verlassen, der eine mit dem Fahrrad (das bin dann ich) und der andere mit dem neongelben Kleinwagen.

Auf die Arbeit kann ich mich nicht so richtig konzentrieren, macht aber auch nichts, Chef ist nicht da. So blicke ich alle paar Augenblicke auf die Uhr und mache um 15 Uhr vorzeitig Feierabend. Ich fische das Rad aus der Tiefgarage und radele zur Firma meines Liebsten, schließe es am Ständer fest und tausche mit Engelchen die Schlüssel. Er bekommt das Rad und ich den Wagen. Zehn Minuten später habe ich ihn ein letztes Mal durch die Waschstraße gefahren und schon bin ich auf dem Weg nach Itzehoe. Es ist wieder sehr warm und ich freue mich darauf, die Rückfahrt klimatisiert antreten zu können. Nach knapp zwei Stunden passiert der kleine Gelbe das Ortsschild meiner früheren Kreisstadt, als plötzlich aus einer Seitenstraße rechts ein Fahrzeug losfährt. Ich trete auf die Bremse und auch der Querschläger kommt abrupt zum Stehen. Glück gehabt, kleiner Gelber. Vorletzte Fahrt und fast ein Crash. Und so gelange ich doch noch wohlbehalten zu Nate. Auf dem Hof zwischen den Betonsilos lasse ich den Fiat noch ein letztes Mal posieren und einen Kaffee später hält mich nichts mehr und ich will endlich den neuen Wagen abholen.

Auf der Autobahn gebe ich dem Wagen ein letztes Mal die Sporen und flugs sind wir in Schenefeld und noch flugser bei Peugeot. Ich fahre den Gelben auf einen der Parkplätze und schließe ihn zum letzten Mal ab. Bei so vielen letzten Malen wird einem ganz weich ums Herz…

Da geht er hin…

Meine Verkäuferin ist heute nicht in Top-Form. Eine stressige Woche scheint hinter ihr zu liegen und so ist es gut, dass Nate als Fachmann dabei ist. Nach dem notwendigen Papierkram und der Zusicherung, dass die Winterräder im September kommen (wie praktisch) gehen wir zu meinem neuen Auto. Blau und glänzend (und staubig) steht es in der Ausstellungshalle und wirkt ganz schön groß. Sie manövriert ihn noch ins Freie und dann gehört er ganz mir! Ich bekomme noch eine SOS-Tasche (früher hieß das „Verbandkasten“) und einen Strauß Blumen und dann sind wir auch schon unterwegs.

So klein und schlank wie der Fiat ist der Peugeot 207 nicht, und so gerate ich doch leicht ins Schwitzen, als mir auf einer Landstraße ein LKW entgegenkommt. Passt das? Passt das? Hat gepasst! Puh! Nicht lange danach beginne ich schon, mich an das neue Fahrgefühl zu gewöhnen und bald darauf sind wir schon wieder bei Nates Wohnung am Hafen angekommen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, mir alles erklären zu lassen, vom Einstellen der Spiegel, über den Bordcomputer bis hin zum Motor. Ganz schön schön so ein Auto! Zu guter Letzt gibt es noch einen Kaffee auf der weißen Couch und dann wird es Zeit für die Rückfahrt. Draußen ist es merklich kühler geworden, und so lohnt es sich gar nicht, die Klimaanlage einzuschalten.

Die Fahrt verlief ruhig und ohne Zwischenfälle, wenn auch ziemlich langsam hinter einem Wohnmobil her. Ich hab mich noch nicht getraut zu überholen, und so fuhr ich brav hinterher. Als ich dann endlich zu Hause ankomme ist die Sonne schon untergegangen.

Der Parkplatz bei OBI ist riesig und zu später Stunde ein geeigneter Platz für ein ungefährliches Fahrtraining fernab des Straßenverkehrs. Hier setzt sich mein Engel ans Steuer, vertrödelt noch eine ganze Weile mit der Musikanlage und kommt dann doch nicht drumherum uns von der Stelle zu bewegen. Bei so vielen Funktionen drehen wir ein paar Runden, bis alles sitzt und dann geht es auf die Straße, durch die Stadt und dann zu Burger King. Ich lasse den Wagen während des Essens nicht aus den Augen und wünsche mir eine Garage, damit er zu Hause nicht so zugänglich ist. Es ist fast Mitternacht, als ich einen geeigneten Parkplatz finde, der mit den ungewohnten Dimensionen des neuen Autos zurechtkommt. Vor unserem Haus ist natürlich nichts mehr frei und so stelle ich ihn schweren Herzens ein Stück weiter die Straße runter vor dem Chinarestaurant ab. Und wieder denke ich an eine Garage…

Computer says no!

Es war Dienstag, als ich mich in der Mittagssonne auf mein Bike schwang und von der Firma aus zur Zulassungsstelle fuhr. Auf meine telefonischen Rufe hatte niemand geantwortet und so fuhr ich auf blauen Dunst einfach hin. Zunächst kurvte ich einmal um den ganzen Meesenring, bis ich die Zulassungsstelle endlich gefunden hatte. Mein Fahrrad schloss ich an einem dicken Metallständer an und betrat das Gebäude durch eine hässliche türkis-graue Metalltür und gelangte in einen gigantischen Wartesaal, der größer als unsere Wohnung ist. Ich zog eine Nummer und setzte mich auf einen Stuhl. Nur eine Frau wartete noch mit mir, ansonsten war der Saal verlassen. Fünf Minuten später war ich auch schon an der Reihe. Ich stieß eine weitere hässliche Metalltür auf und lief geradewegs zu Sachbearbeiter Nummer acht. Ich verriet ihm meinen Namen und dass ich mein neues Auto anmelden wollte.

„Wenn Sie was abmelden wollen brauche ich das Kennzeichen.“

Ich blickte ihn fragend an:

„Ja, aber ich möchte es ja ANmelden…“.
„Ist denn das Fahrzeug aktuell noch zugelassen?“
„Ja sicher – achsoooo… ja also die Kennzeichen hat der Händler dann bestimmt mitgeschickt…“
„Wie lautet denn das Kennzeichen, damit ich in der Datenbank nachsehen kann, ob es hier angekommen ist?“
„Ja, also das weiß ich nun wirklich nicht.“
„Kein Kennzeichen. Keine Ummeldung.“

Die Frau mit dem polnischem Akzent am anderen Ende meines Handys wirkt ein wenig ratlos, als ich sie nach dem Kennzeichen meines neuen Autos frage. Sie verbindet mich weiter an eine Frau ohne Akzent, die mir aber genauso wenig helfen kann. Sie verbindet mich weiter und dann habe ich Nadine am Hörer – Gott sei Dank, jemand der Ahnung hat! Und so dauert es wohl weniger als eine Minute, bis sie mir sagt, unter welcher Nummer mein Wagen bisher zugelassen ist. Sachbearbeiter Nummer acht tippt das Kennzeichen in den Computer und sagt:

„Nein, ist noch nicht hier.“

Verärgert und verstört radele ich rüber zum Stadtteilbüro, denn dort werden die Unterlagen zuerst aufschlagen. Auch hier komme ich gleich dran, aber hier sind die Unterlagen auch nicht. Sachbearbeiter Nummer vier sichert mir jedoch zu, dass die Unterlagen gleich an die Zulassungsstelle weitergeleitet werden, wenn sie hier ankommen. Bis Donnerstag sollte das auf jeden Fall klappen.

Heute ist Donnerstag. Ich habe einen Urlaubstag genommen. Um halb elf rief ich bei der Zulassungsstelle an. Die Dame war sehr freundlich, tippte das Kennzeichen in den Computer ein und sagte:

„Nein, das ist noch nicht hier.“

Ich erkläre ihr, dass das Autohaus das an das Stadtteilbüro schickt.

„Oh!“ sagt sie, „dann kann das noch dauern. Vom Stadtteilbüro aus geht das erst an die zentrale Postverteilungsstelle und von dort aus wird das dann uns zusortiert. Das kann jetzt bis zu ’ner Woche dauern…“

Ich gebe ihr zu verstehen, dass das eine Katastrophe ist und sie sagt, ich solle in einer halben Stunde noch einmal anrufen, dann wäre auch die Post durch.

Um mich abzulenken putze ich den FIAT von innen so gründlich, dass er jetzt als Neuwagen durchgehen würde! 40 Minuten nach dem letzten Telefonat rufe ich erneut die nette Dame von der Zulassungsstelle an. Wieder tippt sie, wieder sagt der Computer nein. Sie sagt, sie guckt schnell die Post durch – aha! da ist ein großer Umschlag vom Stadtteilbüro…… Moisling. Meine Unterlagen jedoch sind nicht dabei. Ich bedanke mich artig und lege auf. Was nun? Ich wollte das Auto morgen abholen… Ich steige in den Wagen und fahre zum Stadtteilbüro. Ich habe eine Stinkwut auf Sachbearbeiter Nummer vier! Wieder komme ich schnell an die Reihe und der Sachbearbeiter Nummer vier von heute ist ein Azubi. Als ich ihm klarmache, dass die Unterlagen genau hierherkommen, weil das Autohaus das so auf den Briefumschlag geschrieben hat, geht er nachsehen. Fehlanzeige. Keine Unterlagen.

Ich bin einer Ohnmacht nahe, laufe rüber zur Zulassungsstelle, betrete den Wartesaal und ziehe die Nummer E77. Der Wartesaal ist voll und ich habe elf Leute vor mir. Ich setze mich hin und nach zehn Minuten habe ich immer noch zehn Leute vor mir. So geht es weiter im Zehn-Minuten-Takt.

Ich gehe einkaufen. Blumenerde. Abendessen. Lustiges Taschenbuch. Ich trage die Einkäufe zum Auto, das noch bei der Post steht, wo ich es vor anderthalb Stunden abgestellt habe. Ich drehe die Parkscheibe nach und laufe mit dem lustigen Taschenbuch unter dem Arm wieder zur Zulassungsstelle. Hier hat sich einiges getan, denn nur noch drei Leute sind vor mir dran! Ich warte weitere 15 Minuten und dann kommt mein Gong. Schweren Schrittes gehe ich durch die Metalltür zu Sachbearbeiter Nummer neun. Ich schleime mich ein, indem ich sage:

   „Mann, Sie haben ja irre viel zu tun heute!“

Es hat geklappt, er geht natürlich darauf ein und bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, dass nur zwei von 14 möglichen Sachbearbeitern da sind… Ich erzähle ihm, dass ich mein Auto ummelden möchte und das Autohaus die Dokumente hergeschickt hat. Und dann tippt er das Kennzeichen in seinen Computer, guckt auf den Kalender an der Wand hinter mir und sagt:

„Jo, sind heute gekommen.“

Ich möchte schreien, aufspringen, tanzen und jubeln!

„Oh. Schön.“ sage ich.

Er läuft los und holt einen Umschlag mit den Fahrzeugpapieren, packt den Brief und den Schein und die Überführungspapiere sowie einen kleinen Brief von Duitsmann auf den Tisch. Er tippt etwas in seinen Computer und sagt:

   „Und die alten Kennzeichen haben Sie dabei?“

In Gefahrensituationen können Menschen ja sehr schnell denken. Die Sinne schärfen sich, alles wird ganz klar und deutlich und die Reaktionen werden schneller. Mein Blick fliegt auf die Fahrzeugpapiere und auf den Duitsmann-Brief.

„Die sind hier im Tresor.“

antworte ich und tippe mit dem Zeigefinger auf die handgeschriebene Notiz.
Nachdem Sachbearbeiter Nummer neun ein paar Mal hin- und hergelaufen ist konnte er den Tresor öffnen und hatte die Kennzeichen in einem weiteren Umschlag dabei. Mir fiel nochmals ein Stein vom Herzen. Er fragt, ob ich einen Kennzeichen-Wunsch habe und ich schlage meine Mappe auf, in der das via Internet reservierte Kennzeichen notiert ist. Kein Problem, Kennzeichen eingegeben.

„Gut, dann zahlen Sie an der Kasse bitte 42 Euro 30.“

Ich habe nur 20 Euro dabei…

„Kann ich auch mit Karte zahlen?“
„Nein, das geht leider nicht.“

Der Geldautomat ist nicht weit weg, nur einmal um die Ecke. Auf dem Weg ordere ich gleich die neuen Kennzeichen im Laden nebenan und bin flugs wieder zurück. Nur noch alles unterschreiben, an der Kasse bezahlen und endlich, endlich ist mein Auto auf mich zugelassen!
Als ich das Gebäude verlasse strahle ich heller als die Sonne am blauen Himmel und schwebe zurück nach Hause. Morgen will ich den Wagen denn abholen – wenn nicht noch irgendwas passiert…

 

Aus gelb mach blau

Die Pfingsttage am vergangenen Wochenende waren mindestens so sonnenverwöhnt wie die ganzen vorherigen Wochen. Den Sonntag – der gleichzeitig auch Muttertag war – widmeten wir traditionsbewusst unseren Müttern. Die Temperaturen waren schon am Vormittag in bester Stimmung und umspielten die Zwanzig-Grad-Marke, während links und rechts von meinem neongelben Auto riesige Rapsfelder in voller Blüte vorüberzogen und süßer Honigduft durch die Lüftungsschlitze in unsere Nasen spülte.

Wir brauchten weniger als zwei Stunden, bis wir Itzehoe erreichten. Ein Blumenstrauß musste her. Kein Problem, es ist ja Muttertag und es gab früher einen Blumenladen am Berliner Platz. Leider gibt es den heute nicht mehr… Also liefen wir ein Stück weiter durch die Sonne in die Breite Straße. Der Blumenladen neben dem Spielwarengeschäft war jedoch geschlossen… Etwas frustriert liefen wir in die Feldschmiede, es muss doch irgendwo ein Blumengeschäft geben, das am Muttertag geöffnet hat…

Die blaue Neonreklame ist selbst bei Tageslicht von weitem gut zu erkennen. Mit dem gelben Auto fuhren wir auf den Parkplatz der Tankstelle in Nordoe. Wenigstens hier gab es ein paar frische Blumensträuße – nicht unbedingt stilvoll, aber der letzte Ausweg. Und Mutti hat sich trotzdem gefreut, wenn auch mehr über unseren Besuch als über die Blumen. Den Nachmittag verbrachten wir in trauter Familieneintracht mit Lauchsuppe und Kuchen. Die kleine Angelina wird größer und größer, inzwischen kann sie laufen und schon ein paar Worte sprechen, sie kann eine bunte Sandmühle bedienen, Kuchen backen und Blumen pflücken. Mark und Marlen waren nicht da, weil mein Bruder arbeiten musste. Dafür waren Anika und Dennis da. Die viele Sonne hat seine Haut wieder unverschämt braun getönt!

Ähnlich wie bei Lasse. Schatzis Familie besuchten wir gleich im Anschluss noch am selben Abend. Wir trafen eine ganze Horde kleiner Welpen, die eingezäunt auf der Wiese spielten und das Pony Mule, das ganz brav hinter einer Schnur stand und frisches Wasser verlangte. Der Braten, der gestern schon zubereitet wurde, lag nun leider in der Gefriertruhe. Schade eigentlich…

Erst spät machten wir uns wieder auf den Heimweg. In Schenefeld legten wir einen neonblauen Tankstopp ein und hatten dann den spontanen Einfall, uns unser Traumauto bei Peugeot gleich hinter der Tanke anzusehen. Der Hof war beleuchtet und die Luft noch lau, also stiegen wir aus dem Wagen und suchten einen 207. Schnell hatten wir einen gefunden. Schwarz wie die Nacht und trotzdem bezahlbar. Schon ziemlich cool, das Auto mal aus der Nähe zu sehen. Aber weil es schon spät und zudem dunkel war, setzten wir unsere Fahrt bald fort und kamen nach Mitternacht zu Hause an.

Der Pfingstmontag – wieder Sonne satt – lockte uns raus ins Grüne – oder besser ins Gelbe! Der Raps stand immer noch in voller Blüte und ich hatte die Kamera eingepackt. Mit dem gelben Auto fuhren wir Richtung Bad Segeberg. Leider gab es an der Bundesstraße keinen geeigneten Parkplatz, von dem aus man ein gelb-grün-blaues Foto schießen konnte. Also kehrten wir bald um und fuhren in die andere Richtung nach Travemünde. Auch hier tauchte der Raps die ganze Umgebung in ein gelbes Blütenmeer und hier fanden wir dann auch das passende Motiv.

Travemünde lernte ich dann auch endlich mal von seiner wohlhabenden Seite kennen. Während ich bislang bis zum Fähranleger und wieder zurück zum Parkplatz gekommen war, spazierten Engelchen und ich die Promenade entlang bis zum Strand. Unterwegs begegneten wir der Nils Holgersson, die in jenem Moment an der Mole vorbeischipperte und den Hafen anlief. Das Rauschen des Wassers an den Steinen im Wasser, die Möwen und die viele Leute, die das Wetter an der See genossen ebenso wie die Segelboote draußen bildeten einen wirklich schönen Rahmen für einen Pfingstausflug.

Inzwischen ist fast eine Woche vergangen und am heutigen Samstag sind die Rapsfelder schon weniger gelb. Liegt es daran, dass es heute seit Wochen das erste Mal regnet? Oder daran, dass wir gerade auf dem Weg zu unserem neuen Traumauto sind?

Etwas früher als geplant klingeln wir an Nates Haustür. Er hat die Probefahrten eingefädelt und soll uns begleiten. Aber Nate ist nicht da. Ich rufe ihn also an und zehn Minuten später fährt er mit einem blauen Peugeot 207 vor. So nah ist der Wagen ganz schön groß. Wir steigen also um und ich steuere den Wagen zwischen den großen Betonsilos wieder auf die Straße und bald schon haben wir Itzehoe verlassen und fahren auf der Autobahn in Richtung Schenefeld. Dort wartet der zweite Wagen auf seine Probefahrt. Es ist das Exemplar, das wir vergangene Woche schon des nachts begutachtet hatten.

Das glänzende Schwarz wirkt edel und voll Vorfreude steigen wir ein. Wieder geht es auf die Autobahn, doch irgendwas ist anders. Das Sitzgefühl, die Sicht und vor allem der Geräuschpegel sind nicht so angenehm wie in dem ersten Wagen. Nachdem wir ein paar Runden durch Itzehoe gedreht haben bringen wir den schwarzen Wagen wieder nach Schenefeld zurück und entscheiden uns für den blauen.

Nachdem wir mein gelbes kleines Auto ebenfalls nach Schenefeld geholt haben wird er fachmännisch begutachtet. Unsere Verkäuferin ist wirklich sympathisch und weniger als eine Stunde später bin ich stolzer Besitzer eines blauen Autos! Jetzt kann ich den kommenden Freitag kaum erwarten, wenn ich das Auto abholen kann! Eine Alarmanlage bekommt er noch, damit das gute Stück nicht verloren geht und dann machen wir aus dem Neongelb des Seicento das Montebello-Blau des 207Urban Move!

I like my bike

Seit über einer Woche werden wir mit traumhaft schönem Wetter verwöhnt. Nur Sonne von morgens bis abends, keine Wolke, kein Regen und Temperaturen knapp über 20 Grad. Der Mai hat es in sich! Da ist es kein Wunder, dass ich jeden Tag mit dem Bike zur Arbeit fahre. Und weil das Rad, das ich vor zwei Jahren hier gekauft habe, viel zu groß für mich ist (den Schriftzug XL habe ich beim Kauf irgendwie übersehen…) habe ich mir nun ein neues geleistet. Am Freitag habe ich mittags eine Probefahrt gemacht und das Mountain Bike glatt gekauft. Weil es erst fertiggemacht werden musste, wollte ich es am Dienstag abholen, weil Montag Pfingsten ist.

Heute früh hab ich meinen Engel dann zum Frühstück in die City eingeladen. Bei Sonnenschein auf der Café-Terrasse zu frühstücken ist wirklich der beste Start in den Tag, den man sich vorstellen kann! Na gut, mit Meerblick wär‘s noch geiler und wenn die Terrasse dann noch uns gehören würde… In drei Jahren möchte ich was Eigenes bauen oder kaufen. Bin mal gespannt, ob wir das hinbekommen. Vorstellungen haben wir schon. Ein Holzhaus soll es sein. Heinzi kennt ja jemanden, der die Dinger vertreibt. Beim Aufbau kann ich helfen.

Muss nur noch das nötige Kleingeld und ein passendes Grundstück her. In drei Jahren wollen wir zumindest ein bisschen Geld angespart haben. Ich hoffe wir schaffen 30.000 Euro…
Wenn wir allerdings die Raten für das neue Auto einbeziehen, das wir uns noch kaufen wollen, dann könnte es knapp werden und wir sollten vielleicht den Planungshorizont auf vier oder fünf Jahre strecken.

Da ich ja nun einen unbefristeten und gut bezahlten Job habe ist ein neuer Wagen fällig. Während wir bislang unausweichlich einen Citroen C3 haben wollten sind wir nun bei Peugeot gelandet. Der 207 hat es uns angetan. Nate hat uns auf die Idee gebracht und will uns Unterlagen zuschicken. Im Internet haben wir schon mal gestöbert und einen schicken 207 gefunden. Den würden wir sofort nehmen. Aber wir warten mal, ob Nate etwas Vergleichbares hat.

Mit dem neuen Wagen wollen wir möglichst schon in den Sommerurlaub fahren. Wir mieten – wie schon vor zwei Jahren – ein Ferienhaus an der dänischen Nordseeküste. Die Siedlung ist die selbe wie beim letzten Mal, nur eine andere Straße. Und die beiden Tiger wollen wir mitnehmen – das heißt, ich würde gern. Mein Freund ist noch nicht ganz überzeugt wegen der langen Fahrt und der offenen Türen im Haus. Aber weil Emma selbst Katzen bekommt kann sie unsere beiden nicht mehr nehmen. Außerdem könnten wir um eine Woche verlängern, wenn wir sie mitnehmen. Vorher müssen sie zum Tierarzt wegen der Impfungen und eines Datenchips.

Morgen fahren wir muttertagsbedingt erst zu meiner und danach zu Schatzis family. Levke hat allerdings mit dem Termin irgendetwas durcheinander gebracht, denn gerade rief mich Gerda an und fragte, wann wir denn da wären, der Braten stünde schon auf dem Tisch… ups.

Noch zweieinhalb Stunden, dann hole ich Engelchen von der Arbeit ab. Natürlich konnte ich nicht mehr bis Dienstag warten und habe noch während des Frühstücks den Fahrrad-Händler angerufen, um zu fragen, ob ich es doch schon am Nachmittag abholen könnte. Jetzt steht es im Keller, während das XL-Fahrrad in der Stadt angekettet ist und darauf wartet, dass mein Engel sich seiner annimmt. Freue mich schon darauf, mit meinem Freund zu radeln.
Gibt’s sonst noch was? Becky meldet sich nicht. Ich habe ihr vor einer Woche eine Karte geschickt, weil wir uns so lange nicht gesprochen haben, aber bisher: keine Reaktion. Vielleicht rufe ich sie gleich mal an…

Vollbracht

Heute steht uns ein warmer, sonniger Tag bevor. Auf dem Dach des Nachbarhauses flimmert die Luft und durch den nächtlichen Regen scheint das Grün ringsherum förmlich zu explodieren. Es ist endlich Frühling!

Meinem Engel geht es besser. Wenn auch noch nicht alles wieder wie früher ist, so sieht er zumindest wieder fröhlich aus und langsam, ganz langsam, kehren seine Kräfte zurück. Ab Montag versucht er wieder zu arbeiten. Gestern Morgen bekam ich eine SMS von meinem Schatz: ‚Hallo Maus, dein Paket aus China ist angekommen :-)‘. Es ist soweit, meine im März ersteigerten Raumschiffmodelle sind da! Gerade noch rechtzeitig, denn heute wollte ich bei PayPal einen „Konflikt“ melden, um die Frist des Käuferschutzes einzuhalten. Inzwischen stehen die Schiffe wohl geordnet in meiner Vitrine im Esszimmer. Zwischenzeitlich sind auch alle Voyager-Staffeln eingetroffen. Die erste Star-Trek-Serie, die ich komplett habe.

Circa zwei Stunden nach der SMS von meinem Freund erhielt ich einen Anruf aus meiner Personalabteilung. Frau K. teilte mir mit, dass man sich für die Stelle, auf die ich mich beworben hatte, für jemand anderen entschieden hätte. Allerdings würde ich mich viel mehr freuen über das, was sie mir als nächstes sagen würde: ich wurde entfristet! Und ich bleibe im Kreditsekretariat! Noch ist allerdings alles top secret, weil noch nicht jeder der Bewerber informiert wurde. Pech, dass ich im Großraumbüro sitze: alle Kollegen um mich herum haben mir die gute Nachricht angesehen…

Abends habe ich meiner Mum eine SMS geschickt und sie rief mich an um zu gratulieren. Damit wird ihr Wunsch, dass Torge und ich wieder zurückkommen, zwar nicht erfüllt, aber sie freut sich trotzdem für mich. Gestern Abend haben wir noch unsere Gartenmöbel lasiert, damit wir sie auch mal draußen stehen lassen können. Ziemliche Sauerei, blöderweise kamen wir nicht auf die Idee, Schutz-Handschuhe anzuziehen. Auch die Steinplatten auf der „Terrasse“ haben wir eingesaut. Na ja, egal.

Seit vorgestern sind mein Engel und ich zwei Jahre ein Paar. Eigentlich wollte ich ihm den Arbeitsvertrag als Überraschung präsentieren, aber die Zusage erhielt ich ja erst gestern und den Vertrag gibt’s erst später. Eigentlich hätte ich nächste Woche Urlaub, aber weil ich jetzt das ganze Jahr Arbeit habe, verteile ich den lieber so, dass Engel und ich gemeinsam urlauben können. Vielleicht im Ferienhaus im September?