Finale!

Bis ins Finale hat es gereicht, doch dann war Schluss für die deutsche Mannschaft. Vize-Europameister nach einem enttäuschenden 0:1 gegen überragende Spanier – immerhin. Auf dem Foto rechts der glückliche und verdiente Sieger Iker Casillas, Torhüter und Kapitän der Rot-Gelben. Spaß hat die Meisterschaft allemal gemacht! Jetzt ist für Tg und mich erst einmal zwei Jahre Fußball-Pause, und dann geht es mit Elan in die nächste Weltmeisterschaft!

Engelchen hat jetzt Urlaub – ganz ohne mich, denn gerade jetzt beginnt auf der Arbeit die Meldeperiode für Groß- und Millionenkredite, für die ich bald zuständig bin. Unser nächster gemeinsamer Urlaub im September führt uns dann ins Ferienhaus nach Dänemark.

 

Mal was Neues

Diese Woche war wirklich anstrengend – wenn auch erst ab Mittwoch. In der Firma ist unsere Abteilung umgezogen. Am Mittwoch – also einen Tag vor dem Umzug – kamen die Damen auf die Idee, doch nochmal alle Schränke auszumisten. Was sich da in den letzten zwanzig Jahren so angesammelt hat… Die Aufräumaktion hat den ganzen Tag gedauert. Am Donnerstag war ich dann um acht Uhr im Büro, hatte Schlips und Kragen gleich weggelassen und war bereit zum Schleppen. Der Weg, den wir nehmen mussten, war ziemlich weit. Das alte Büro lag im ersten Stock auf der Seite zur Breiten Straße. Von dort aus mussten wir mit dem Aufzug in das untere Parkdeck, von dort aus dem Gebäude raus zum anderen Gebäudeteil, dort in einen muffigen Miniaufzug, in den nur der Rollcontainer und zwei schlanke Menschen passen und dann in den dritten Stock. Das geht aber nur mit speziellen Schlüsseln. Im dritten Stock angekommen dann den Flur runter und die Aktenordner in die vorgesehenen Schränke sortieren. Und dann wieder zurück. Ich habe nicht mitgezählt, aber zwanzig Mal bin ich die Strecke sicher hin und hergelaufen. Gedauert hat der Umzug bis in den Nachmittag. Immerhin 24 Schrankfüllungen an Aktenordnern habe ich bewegt. Heute konnten wir immerhin schon wieder ganz normal arbeiten.

Als ich von der Arbeit nach Hause geradelt kam, lief ich unserem Vermieter über den Weg. Er hatte gerade Nachbar Anders im Schlepptau, der sich bei der Gelegenheit erkundigte, wie wir denn den gestrigen Viertelfinalsieg der deutschen Fußballnationalmannschaft fanden und ob wir es denn über den Beamer gesehen hätten. Ich glaube, zum Halbfinale sollten wir ihn mal einladen…

Weshalb lief er nun hinter dem Vermieter her? Ach ja, die Balkontüren sind da! Eine bekommen Schatzi und ich ab, und zehn Minuten später stand sie auch schon im Esszimmer. Eingebaut allerdings wird sie erst in vier Wochen oder so…

Viel Zeit zum Plauschen und so hatten Engelchen und ich auch nicht, als er um halb sechs von der Arbeit nach Hause kam. Schon mussten wir uns fertig machen, denn um kurz nach sechs waren wir mit B., M. und M. verabredet. Abendessen im Pfannkuchenhaus in der Wahmsstraße. Ich war noch nie in einem Pfannkuchenhaus und bin über die Auswahl von – natürlich – Pfannkuchen über Currywurst-Pommes bis hin zum Riesenschnitzel erstaunt. Aber natürlich nehmen wir alle Pfannkuchen  Meiner ist klein geschnitten und heißt Kaiserschmarrn, M. entscheidet sich nach laaaaangem Hin und Her für mexikanische Füllung, ebenso macht es Herr K., nur schneller. B. nimmt einen mit Banane und Schokolade und mein Freund bestellt Pfannkuchen mit Serranoschinken und Käse. Hm. Der Laden war recht rustikal. Der Inhaber auch. Und acht Euro fuffzig für einen Pfannkuchen war dann doch ein bisschen happig, zumal ich nicht wirklich satt geworden bin. Also hatte das ganze eher Entertainment-Wert und eine gute Gelegenheit, Freunde wieder zu treffen.

Frustshoppen

Um neun Uhr heute früh schlug ich die Augen auf. Neben mir schlief ein weißer Kater auf seinem Kratzbaum und auf der anderen Bettseite schlummerte mein Freund. Er muss heute eine Spätschicht überstehen, deshalb wecke ich ihn nicht, als ich die Bettdecke zurückwerfe und mit nackten Füßen über den Dielenfußboden patsche. Wie erwartet folgen mir die Kater und ich schließe die Tür hinter ihnen, damit sie Tg schlafen lassen. Nach einem gepflegten Badaufenthalt setze ich mich an den Rechner und setze viele kleine Seitenzahlen in mein Tagebuch…

Es ist langweilig, so ganz allein, also krabbele ich unter Tg’s Bettdecke und kuschele mich an ihn. Vielleicht kuschelt er ja zurück…?

Den Rest des Tages bin ich deprimiert, also starte ich zum Frustshopping, nachdem ich ihn zur Arbeit gefahren habe. Auf zu IKEA! Ich habe den Balkon vermessen und möchte nun endlich den Holzfußboden kaufen. Erster Stopp: Tankstelle. Ich tanke den Wagen voll (als ich endlich den Tankdeckel gefunden und den Wagen auf die richtige Seite gestellt habe…). Dann montiere ich die Deutschland-Flaggen ab (ja, wir haben sie noch, obwohl die deutsche Mannschaft gegen Kroatien verloren hat!), damit sie auf der Autobahn nicht geschrottet werden und dann geht es los.

Mir ist der Wagen auf der Autobahn nach wie vor nicht spritzig genug. Und die Lenkung ist mir immer noch zu empfindlich, ich fahre Schlangenlinien. In der Stadt ist alles OK, das macht riesigen Spaß, aber auf dem Highway nicht.

Nichtsdestotrotz komme ich in Moorfleet an, parke ungeschickt (ich kann mit dem Auto nicht vorwärts einparken) und schon stehe ich auf der Rolltreppe nach oben. Die Ausstellung wird gerade umgebaut. Was noch steht, kenne ich schon von unserem letzten Besuch. Auf dem Weg zu den Bodenplatten durchlaufe ich brav alle Ausstellungen. In der Küchenabteilung fällt mir ein, dass ich einen Küchenstuhl kaufen wollte. Ich finde auch, was ich suche, notiere mir die Regalnummer und zwänge mich weiter durch die vollen Gänge. Bevor ich die Kassen erreiche suche ich angestrengt nach den Bodenplatten. Beim letzten Mal standen sie genau hier… Als ich schon zu verzweifeln beginne sehe ich einen großen Stapel weiter vorn. Eine Frau ist eifrig am Einpacken, sie hat schon einen beachtlichen Stapel auf dem Einkaufswagen.

Ich stehe vor dem Holzberg und rechne angestrengt. Dann rechne ich nochmal, weil ich es nicht glauben will. Aber es ändert nichts am Ergebnis. Für unseren kleinen Balkon kosten die Bodenplatten – und es sind nicht mal die richtigen – 112 Euro! Ich hätte für die benötigten 4,5 m² bis zu 80 Euro ausgegeben, aber das ist mir dann doch zu viel.

Niedergeschlagen suche ich das Warenregal, in dem unser neuer Küchenstuhl auf mich wartet, klemme ihn mir unter den Arm und stelle mich an eine der Kassen. Auch hier ist es wieder ganz schön voll. Hinter mir steht eine Familie mit nervigen Kindern, an der anderen Kasse steht ein Typ mit Iro und Freundin und vor ihnen stehen zwei Omas, die irgendwie überfordert sind. Durch die Lautsprecher werden die Eltern vom kleinen Carlo gebeten, ihn aus dem Smaland abzuholen und am Haupteingang wird schon zum zweiten Mal ein Ersthelfer benötigt.

Ich verstaue den neuen Küchenstuhl und ein passendes Sitzpolster im Auto und dann stehe ich schon wieder auf der Rolltreppe nach oben. Abendessen bei IKEA: Köttbullar und ein Glas Erdbeeren mit Sahne. Das sättigt. Gleich nach dem Essen muss ich dann erneut durch die ganze untere Etage, um das Gebäude zu verlassen und zehn Minuten später dröhnt „Tanz der Vampire“ aus den Autolautsprechern auf der Autobahn. Im Rückspiegel nähert sich ein Peugeot 207 in Montebello-Blau, während Alfred seine Sarah besingt und Graf von Krolock mir eine Gänsehaut zaubert. Dann überholt mich der Peugeot und am Steuer sitzt der Iro von der anderen Kasse mit seiner komischen Freundin, die wie ein Typ aussieht. Später treffe ich die beiden wieder, als ich sie mit 170 Stundenkilometern überhole. Langsam muss der Wagen ja mal richtig ausgefahren werden.

Wieder zu Hause mache ich drei Dinge gleichzeitig: Ich höre weiterhin Tanz der Vampire, baue den Küchenstuhl zusammen und schaue die letzte Viertelstunde des Fußballspiels Schweden gegen Spanien. Ein kurzer Blick auf meinen Tippzettel aus der Firma sagt mir, dass der Spielstand von 1:1 noch nicht ausreicht, denn nach meiner Vorhersage muss Spanien noch genau ein Tor mehr schießen. Aber dann ist die Zeit um und nur drei Nachspielminuten sind noch übrig. Und so, wie wir es bei einigen Spielen dieser Meisterschaft schon gesehen haben, fällt das entscheidende Tor in der allerletzten Minute! Ein Glück für mich, Spanien gewinnt 2:1!

 

Stürmisch

Heute biegen sich die Äste der großen Bäume vor unserem Haus im Wind. Zwar scheint noch immer die Sonne, aber Wolken ziehen auf und spätestens morgen soll es regnen. Der letzte angekündigte Regen dauerte ganze zwanzig Minuten…

Ich bin heute nicht zur Arbeit gefahren. Als ich morgens die Augen aufschlug drehte sich das Schlafzimmer um mich herum wie ein Karussell. Ich schloss die Augen wieder, aber es wurde nicht besser. Es drehte sich immer schneller und bald wurde mir übel. Ich atmete ruhig ein und aus und nach einiger Zeit wurde es ein wenig besser. Schweiß bedeckte die Haut meines fast nackten Körpers. Mein Freund schlief noch. Vorsichtig drehte ich mich auf die Seite. Es war halb sieben und schon nahm der Raum um mich herum wieder Fahrt auf. Ich stand auf, musste mich festhalten und wankte ins Bad. Der Atem ging schwer und kurz darauf hing ich über der Schüssel…

Ich hasse es, dem Chef eine Mail zu schreiben, weil ich nicht zur Arbeit kommen kann. Aber was sein muss… Begeistert war er bestimmt nicht, aber ich kann ja schlecht das Büro vollreihern.

Engelchen ist inzwischen bei der Arbeit. Wir mailen hin und her. Das Schwindelgefühl hat sich gelegt und ich habe es gewagt, Hühnersuppe zu löffeln. Tg will kündigen. Er sagt, die Arbeit mache ihn krank. Gleichzeitig sieht er keine Alternative – oder will er sie nicht sehen? Für seinen alten Beruf hält er sich für zu alt (er ist 29). Er müsste wieder neu lernen, weil die Lehre schon ein paar Jahre her ist. Er glaubt nicht, dass er eine Chance hat. Vielleicht sollte er eine Therapie machen. So eine, die mir geholfen hat, mich zu verändern. Ich bin heute wieder froh und glücklich, aber wenn mein Engel nicht glücklich ist, hilft mir das auch nicht.

 

Meisterlich

Es ist wieder Europameisterschaft. Wie bei jeder Meisterschaft erwacht alle zwei Jahre die Fußballlust in Deutschland. Schon seit Tagen wehen wieder unsere Nationalfarben von den Autos, von Balkonen und aus Fenstern. Gestern haben auch wir unseren Peugeot geschmückt, um uns den polnischen, türkischen und portugiesischen Flaggen in unserer Straße anzuschließen.

Heute findet das erste Spiel der deutschen Mannschaft statt. Weil es erst um 20:45 Uhr beginnt schauen Tg und ich allein. Eigentlich wollten Ul. und Wl. uns besuchen, aber Ul. muss morgen um halb sechs aus den Federn.

Draußen schneit es schon seit Tagen. Dicke Flocken treiben in der Sommerhitze an unseren Fenstern vorbei und manch eine verirrt sich gar in unsere Wohnung. Zum Glück sind wir nicht allergisch, denn bei den Schneeflocken handelt es sich natürlich um Pollen von den Bäumen. Die fliegen so zahlreich durch die Landschaft, dass es wirklich wie Schneefall aussieht. Nur der blaue Himmel und der seit Wochen anhaltende Sonnenschein beweisen, dass es sich nicht um gefrorenes Wasser handelt.

Der Sommer nimmt in diesem Jahr scheinbar kein Ende – und das, obwohl er noch nicht einmal offiziell begonnen hat. Wir haben jetzt seit fast anderthalb Monaten Sonne pur bei teilweise über dreißig Grad. Und es ist wohlgemerkt immer noch Frühling. Gestern hat unser Vermieter eine Nachricht geschrieben, dass wir Mieter doch bitte die Blumen gießen sollen, weil sonst alles vertrocknet. Ich war ganz schön sauer, weil ich alle zwei Tage den Rasen sprenge und die Blumen gieße und am Mittwoch sogar den Rasen gemäht habe! Frechheit. Und die Balkontür ist immer noch nicht hier.

Mein Engel schläft noch im Bett nebenan und die Kater liegen schon wieder auf dem kühlenden Fußboden. Ich hab jetzt Lust auf Frühstück, frischen Kaffee und so. Eigentlich wollten meine Eltern an diesem Wochenende herkommen, aber es hat sich niemand gemeldet und wenn nicht gleich überraschend das Handy klingelt, dann bleibt das auch so. Dabei wollten sie uns schon vor zwei Wochen besuchen…