Zeit

Es ist wieder Zeit für den ganz persönlichen Jahresrückblick in 1.001 Wörtern. Während ich die „2008“ langsam von der Tafel wische und mich an das Schreiben der „2009“ gewöhne, denke ich darüber nach, was das ablaufende Jahr für mich bedeutet hat.

Das Jahr begann mit viel Brimborium im Kreis unserer Freunde auf der anderen Seite der Stadt. Essen, Spiele, Feuerwerk und Wunschlaternen waren der Start in ein abwechslungsreiches und anstrengendes Jahr. Die Arbeitslosigkeit rückte näher und näher, während ich im Januar verzweifelt versuchte, eine neue Stelle zu finden. Die abgesandten Bewerbungen blieben fruchtlos, und obwohl mich die Arbeit in meiner neuen Abteilung zunehmend frustrierte, gab ich die Hoffnung nicht auf, doch noch in meiner Firma bleiben zu können. Erfreulicher war Bentes Geburtstagsparty, zu der mein Engel und ich eingeladen waren. Der Abend in Wacken war zunächst fröhlich, und nachdem wir das Angebot zum Übernachten angenommen hatten auch noch feucht. Die Abwechslung vom Alltag tat sehr gut!

Auch im Jahr 2008 lag mein Geburtstag mitten im Februar. Gemeinsam mit U., W. und natürlich meinem Engel feierte ich wieder einmal das Älterwerden. Neun Tage später wurden unsere beiden Kater kastriert. Sie bekamen nicht sehr viel davon, denn die Narkose verflog nur langsam, bei Neelix hielt sie sich so hartnäckig, dass er erst in der Nacht wieder richtig geradeaus laufen konnte. Weniger als eine Woche darauf fuhr ich mit meinem neongelben Kleinwagen nach Hamburg zur schwulen Messe. Ich musste mit der U-Bahn durch die ganze Stadt fahren, bis ich bei den Messehallen in Schnelsen ankam. Die Messe war interessant, viele Stände mit vielfältigen Themen und netten Leuten, aber zentraler hätte sie schon sein können, zumal sie nicht so groß war, dass man sich stundenlang hätte aufhalten können. Ende des Monats wurde ich beim Arbeitsamt vorstellig, weil ich mich arbeitssuchend melden musste.

Im März setzten sich die Absagen auf meine Bewerbungen weiter fort. Das Arbeitsamt bot mir laufend Stellen als Verkäufer an, und bis zuletzt gelang es mir nicht, ihnen klarzumachen, dass ich gerade nicht mehr als Verkäufer arbeiten konnte. Mein gelbes Auto wurde im selben Monat Opfer eines gemeinen Anschlags! Nach einem Kinobesuch fanden wir den Wagen mit eingeschlagener Seitenscheibe wieder. Wir fuhren mit ihm zur Polizei und klebten die Öffnung dann mit Pappe ab, ehe mein Engel ihn am nächsten Tag in die Werkstatt fuhr. Ende des Monats rissen die schlechten Nachrichten nicht ab, denn mein Freund musste das Bett hüten.

Seine Krankheit und eine wahre eine Ärzte-Odyssee zogen sich noch den ganzen April hindurch. Die Genesung hatte oberste Priorität, und so blieb nicht viel Raum für etwas anderes.

Im Mai war das Gröbste überstanden. Meinem Engel ging es langsam besser, so dass wir uns darauf konzentrieren konnten, ihn wieder aufzupäppeln. Währenddessen erhielt ich von meiner Firma einen unbefristeten Arbeitsvertrag! Ich kündigte beim Arbeitsamt und blieb fortan an Sachbearbeiter im Kreditsekretariat. Sofort begannen große Pläne, wie ich das nun sichere Gehalt am sinnvollsten ausgeben könnte, damit es nicht schlecht würde… Bald darauf stand ein neues Fahrrad im Keller und wir schmiedeten Urlaubspläne. Auch ein neues Auto musste her, denn der Neongelbe würde es nicht mehr lang machen.

Der Sommer hielt Einzug und schenkte uns viele schöne Tage, an denen die Farben strahlten. Wir zogen mit der Kamera los, um das leuchtende Gelb der blühenden Rapsfelder einzufangen. Am Monatsende machten wir uns auf den Weg nach Hamburg, wo das diesjährige Kirschblütenfest wieder mit einem gigantischen Feuerwerk aufwartete. Wir blieben über Nacht bei U. und W. und machten tags darauf in brütender Hitze einen Ausflug in die Hafencity, die momentan als Großbaustelle daherkommt. Schon im Mai war zu erkennen, dass der Stadtteil eines Tages einer der schönsten der Hansestadt werden wird.

Fußball gehört nicht gerade zu unseren Lieblingsthemen, aber im Juni begann die Europameisterschaft. Weil uns die Stimmung bei der WM vor zwei Jahren so beeindruckt hatte, ließen wir uns die Spiele der Nationalmannschaft auch in diesem Jahr nicht entgehen. Mitte des Monats fiel – begleitet von schweren Stürmen – nach wochenlanger Trockenheit der erste Regen und am Ende unterlag die deutsche Mannschaft den Spaniern im Finale mit 0:1.

Nach zwei Kinobesuchen endete im Juli Ls Schulzeit und in unserem Esszimmer wurde eine Balkontür eingebaut. Während F. und C. sich das Ja-Wort zu geben versprachen, wurden A. und J. stolze Eltern des kleinen F. Wir hingegen werden weniger stolze Besitzer eines Wespennestes, was für Krach mit dem Vermieter sorgt, weil er sich weigert, das Nest zu entfernen. Ende Juli bestellen wir uns neue Computer.

Der August verlief gemächlicher. Nachdem ich wie in den vergangenen Jahres den sonnigen CSD verpasst habe, ziehen wieder kräftige Stürme über das Land. Als der Regen vorüber ist, besuchen uns U. und W., mit denen wir einen herrlichen Tag in der Stadt verbringen.

Über Engelchens 30. Geburtstag im September verhelfe ich ihm zur Flucht vor archaischen Besenritualen, und so finden wir uns im dänischen Ferienhaus an der Nordsee wieder. Der Urlaub in aller Stille ist zwar verregnet, aber unglaublich ruhig und entspannend. Nach unserer Rückkehr ziehen wir Weihnachten vor und schenken einander eine Playstation. Als das Wetter wieder besser wird, nutzen wir die Gelegenheit zu einem Zoobesuch.

Anfang Oktober treffen nach einem heillosen Durcheinander bei der Bestellfirma endlich die im August bestellten Computer ein. D. hatte Geburtstag, aber auch er war über die Zeit im Ausland, wenngleich Indien ein Stückchen weiter weg ist als Dänemark…

Noch immer vom Troparium inspiriert kaufen wir uns im November ein kleines Aquarium. Mitte des Monats plagen mich Schmerzen im Oberkiefer, die es fertigbringen, dass ich nach vielen Jahren einen Zahnarzt aufsuche. Ich erlebe eine nahezu schmerzlose Wurzelbehandlung und bin binnen vier Wochen fünfmal in der Praxis.

Den Dezember prägte die allgegenwärtige Weihnachtsstimmung in der Marzipanstadt. Gegen Ende der ersten Monatshälfte finden die Weihnachtsfeiern statt und den Weihnachtsmarkt besuchen wir gleich mehrmals. Es ist trocken und kalt, das muss man nutzen! Die Feiertage verbringen wir bei unseren Familien, und während mein Freund die letzten Urlaubstage des Jahres genießt, muss ich zwischen den Tagen arbeiten, bis wir Silvester mit U., W. und B. bei uns zuhause feierten.

 

Der Weihnachtsmarkt

Der berühmte Weihnachtsmarkt in der Marzipanstadt lockt meine Abteilung und mich am Dienstag in die Kälte. Es ist bereits stockfinster, als wir das Büro verlassen und die Fußgängerzone hinaufmarschieren. Hinter uns, gegenüber der alten Seefahrerkirche, dreht das Riesenrad seine Runden, das in jedem Jahr zur Weihnachtszeit dort steht. Aus den Äthern dröhnen weihnachtliche Schnulzen schwuler Popsänger und die Leute hetzen entweder eilig in das nächste Kaufhaus oder lächeln glückselig – die haben dann den Glühweinrundgang schon hinter sich. Den Chef im Schlepptau biegen wir rechts in den Rathaus-Innenhof ein. Der viereckige Platz wird in diesen Wochen von zahlreichen Buden bevölkert, an denen allerlei Köstlichkeiten für das leibliche Wohl sorgen – kaum einer verschwendet hier einen Gedanken an das drohende leibliche Unwohl des nächsten Tages…

Den ersten Halt machen wir beim Finnen. Aus der Schankbude, die von einem Elch auf dem Dach bewacht wird, wehen köstliche Wolken geistreicher Getränke zu uns herüber. Die erste Runde übernimmt Karen. Finnischer Weihnachtspunsch schmeckt köstlich, und dank der Nussstückchen im Gestränk, hat man gleich was zu knabbern… Obendrein wird mir schöööön warm! Wir halten uns eine ganze Weile vor dieser Bude auf, ehe wir uns darauf einigen weiterzuziehen und erst vor dem Holzmichel-Stand wieder anhalten. Die rustikale Almhüttenmusi dämpfen wir mit Lumumba und Feuerzangenbowle, und schon wieder wird mir schööön warm!

Ich habe meinen Becher noch gar nicht leer, da stupst mich wer von hinten an. Und da sind sie alle: Marte, Sebi, Thies und die ganze Clique. Shakehands, Bussibussi, wie geht’s denn so und bis später. Auch mein Engel hält sich ganz in der Nähe auf, seinerseits mit Freunden unterwegs.

Nach der heißen Tasse ist für mich auch erst einmal Schluss mit Schuss, obwohl meine Eisfüße längst wieder etwas Wärmendes verlangen. Gegen 21 Uhr klappen die Budenbetreiber müde die Schänken und Stände zu, die Lichter gehen langsam aus und schnell ergattere ich mir noch eine große Bratwurst! Absolut köstlich! Gerade, als ich den letzten Bissen herunterschlucke, vibriert mein Engel in meiner Hosentasche: „Bist Du noch hier?“ steht in der SMS. Ich drücke auf den grünen Knopf an meinem Handy und rufe ihn an, als plötzlich eine Frau rangeht. Wieso springt seine Mailbox an, wo er doch gerade geschrieben hat?? Ich tippe eine SMS zurück: „Bin im Mittelgang. Hol mich.“

Zwanzig Minuten später sind nicht nur meine Füße eiskalt. Von meinem Engel keine Spur. Zum inzwischen sechsten Mal rufe ich ihn an, und wieder geht nur die Mailbox ran. Ich werde ungeduldig, und nachdem ich mich vom kleinen Rest unserer Gruppe verabschiedet habe, umrunde ich den Markt, gehe jeden Gang ab und versuche verzweifelt, meinen Engel ans Telefon zu bekommen. Nichts. Kein Engel auf dem Markt, kein Engel am Telefon. Ich schreibe ihm, dass ich ihn nicht finden kann und nun mit dem Bus nach Hause fahre. Ich bin verärgert – das wärmt wenigstens ein bisschen. Wütend stapfe ich die Fußgängerzone hinunter und werfe einen Blick auf den Busfahrplan. Der nächste Bus in meine Richtung fährt in zwanzig Minuten, und so entschließe ich mich, zu laufen. In zwanzig Minuten bin ich auch zu Fuß zu Hause! Auf dem Weg nach Hause mischt sich Sorge in meinen Ärger. Es wird doch nichts passiert sein? Vielleicht ist der Akku leer? Wieso hat er dann nicht angerufen, statt eine SMS zu schreiben. Inzwischen muss ich dringend nach Hause… Auf halber Strecke höre ich einen Bus hinter mir. Ich beschleunige den Laufschritt und eile zur nächstgelegenen Haltestelle. Aber als ich mich umdrehe, ist da kein Bus. Nichtmal ein Auto… Verwirrt gehe ich weiter.

Mein Handy vibriert, als ich schon fast vor der Haustür stehe. „Ich bin’s, ich gehe jetzt zum Auto, bist Du noch hier?“ Ich bin fassungslos und stammele, dass ich inzwischen fast zu Hause bin. „Zu Fuß??“, fragt mein Weihnachtsengel. Gereizt erkläre ich ihm, dass mein Fahrrad in der Firmengarage steht, die jetzt abgeschlossen ist und ich nicht zwanzig Minuten in der Kälte auf den nächsten Bus warten wollte. Doch trotz kalter Füße und drückender Blase kann ich ihm nicht böse sein, als er mir erzählt, sein Handynetz wäre zusammengebrochen, so dass er mich nicht mehr erreichen konnte.

Eine Viertelstunde später sitzen wir beide beisammen, wärmen einander und erzählen uns Geschichten vom Weihnachtsmarkt. Beim nächsten Mal, da sind wir uns einig, gehen wir zusammen!

 

Aliens im Central Park

Es regnet, als ich am Donnerstagabend auf meinem Bike aus der Tiefgarage fahre. Statt wie sonst links das Kopfsteinpflaster herunterzurattern fahre ich heute rechts herum. Die Firma meines Freundes liegt ungefähr so weit weg wie unser Zuhause. Aber weil wir heute ins Kino wollen, radele ich bei Regen und Dunkelheit auf die andere Seite der Marzipanstadt. Bevor wir uns auf den Weg in die Marmeladenstadt machen, die vor ein paar Wochen ein ganz neues Kino bekommen hat, verköstigen wir uns beim Burger-König um die Ecke. Dann geht’s los. Mein Freund, Herr K und ich in unserem montebelloblauen Auto. Die erste Ampel lasse ich prompt rot liegen, als mein Freund sagt: „Ähm, Du hast Rot!“

Wir sind dennoch heil angekommen. Den Wagen stellen wir ins Parkhaus und sind flugs im Kino. Jeder von uns Dreien kauft sich zum Ticket eine kleine Tüte Popcorn, bevor wir uns vor Saal 4 setzen und auf Einlass warten. Auf den Flachbildfernsehern an den Wänden laufen die gleichen Trailer wie schon vor Kurzem, als wir hier James Bond gesehen haben.

Um viertel vor acht soll der Film beginnen. Es ist viertel vor acht und inmitten all der anderen Zuschauer (zwanzig oder so) stehen wir immer noch vor der geschlossenen Saaltür. So etwas wie Einlass gibt es hier nicht. Also gehen wir einfach so hinein. Wir teilen uns die Plätze sieben, acht und neun in der achten Reihe, als uns plötzlich zwei beleibte Herren unsere Plätze streitig machen wollen. Auf ihren Tickets, sagen sie, sind die Plätze sieben und acht in der achten Reihe vermerkt. Von weiter links ruft jemand: „Auf’s Datum achten!“ Und tatsächlich haben die Neuankömmlinge Tickets für übermorgen gekauft… „Das passiert hier öfter…“ ruft der Typ von weiter links. Da der Saal alles andere als ausgebucht ist, setzen sich die beiden Herren kurzerhand neben uns auf die freien Plätze.

„Der Tag, an dem die Erde stillstand“ ist ein Remake des Klassikers von 1951. Es geht um Aliens, die gekommen sind, um die Erde zu retten – und zwar vor den Menschen. Im Original sind es die Atomwaffen, mit denen die Menschen den Planeten bedrohen. Es gibt in unserer Galaxie nur eine handvoll Planeten, auf denen komplexes Leben möglich ist, und die Aliens schützen diese Planeten. Leider müssen die Menschen sterben.

Helen Benson, in der Neuverfilmung hervorragend gespielt von Jennifer Connelly, will den Repräsentanten der Aliens (gespielt von Keeanu Reeves) beweisen, dass sich die Menschen im Angesicht ihres Unterganges ändern können.Nachdem der Film zuende war, habe ich mein Kinoticket zerrissen. Trotz der guten Schauspielerinnen konnte mich dieser Film kein bisschen überzeugen. Die Spezialeffekte waren nicht durchgängig gut, die Geschichte zu kurz und dadurch unglaubwürdig und unheimlich vorhersehbar. Hinzu kam erneut die miserable Bildqualität des neuen Kinos und nicht zuletzt auch noch das schlechte Popcorn, an dem man sich die Zähne ausgebissen hat.

Alles in allem war das Beste an diesem Kinoabend der Burger vorweg…

 

Zahnarzt 1.5

Nach einem weiteren, anderthalbstündigen Zahnarztbesuch kam ich heute Abend relativ spät nach Hause. Das war mein vierter – nein fünfter – Zahnarztbesuch innerhalb von vier Wochen. Heute hat der Doc mit den blauen Augen die Wurzelkanäle zugeschüttet und den Zahn mit Kunststoff gefüllt. Inzwischen gehe ich fast gern zum Zahnarzt…

Während des Mittagessens bei der Stadtbäckerei saß ich neben einem sonderbaren Paar. Mein Grünfutter mümmelnd kann ich nicht verhindern, mehrere Gesprächsfetzen vom Nebentisch aufzuschnappen. Die arme Frau, die mir irgendwie depressiv vorkam, versuchte ihrem Mann zu erzählen, dass sie in der Firma auf der Abschussliste steht. Die arme Marita musste schon gehen, und sie sei ja auch so unbeliebt. Ihr Mann war voll konzentriert auf was immer er gegessen hat und schien ungeheuer fröhlich. Nachdem die Frau ihre Sorgen das dritte Mal wiederholt hatte, schien sie zu ihm durchdringen. Er war entrüstet! Und aß dann weiter. Sie versuchte es weiter: „Man sagt ja auch, die Feinde sitzen meistens in den eigenen Reihen. Die Feinde, sitzen in den eigenen Reihen! Hoffentlich erbt Inge meinen Schreibtisch, der ist doch so schön! Da wäre er gut aufgehoben!“

Während sie vor sich und ihren essenden Mann hintrauert, ist Wulfric am Boden zerstört. Wie jeden Mittag lese ich „die Tore der Welt“, und Gwenda erhält endlich ihre Chance, ihren Geliebten zu „trösten“. Zur Zeit kann ich gar nicht aufhören, in dem Buch zu lesen. Gerade jetzt, wo ich mir fast ein Dutzend neuer Bücher zugelegt habe, hänge ich mich an dem Wälzer auf. Es macht aber auch zu viel Spaß und ist – wie schon „die Säulen der Erde“ – hervorragend geschrieben.

Morgen findet unsere Abteilungsweihnachtsfeier statt. Wir werden gemeinsam kochen. Das wird bestimmt ganz lustig. Für den Schrotklapp habe ich eine alte, bunte Glasschüssel im Schrank entdeckt, die wir nie nie nie aufstellen würden. Ich glaube, sie war schonmal ein Schrottklappgeschenk…

Heute habe ich entdeckt, dass ich meinem Tagebuch Seitenzahlen zufügen kann. Das freut mich, denn das habe ich vor ein paar Wochen vorgeschlagen. Offenbar haben die Programmierer das umgesetzt.

Gestern waren wir wieder einmal bei IKEA. Eigentlich wollten wir nur ein Regal für das Schlafzimmer kaufen. Preis: 20 Euro. Letztlich haben wir 102 Euro ausgegeben, weil noch ein Bücherregal, ein Kissen und Kerzen dabei sein mussten. Irgendwas macht IKEA richtig… Zusammengebaut haben wir noch nichts, für das Schlafzimmerregal muss ich erst in den Baumarkt und Winkel kaufen und das Bücherregal macht beim Zusammenbau Lärm, das ist abends schlecht…

So, im Aquarium ist das Licht für heute erloschen und mein Engel ist auf dem Heimweg. So richtig Spannendes habe ich auch nicht zu erzählen, also: abschalten!

 

American Dressing

So wie an jedem Arbeitstag setze ich mich auch am Donnerstag in die Bäckerei gegenüber, um einen Salat und meine Lektüre zu genießen. Draußen ist es kalt und wirklich sehr ungemütlich, was die Überfüllung in der Bäckerei an jedem Tag dieser Woche erklärt. Während ich in der Schlange stehe und meinen Auftritt erwarte, blicke ich mich nervös nach einem freien Platz um, um nicht wie gestern im Büro essen zu müssen. Es riecht typisch für diese Jahreszeit nach Zimt und Gebäck und Kaffee, und die Bäckereifachverkäuferinnen und der Azubi tragen kleine Weihnachtsmützen-Anstecker. Überall brennen Kerzen, und Weihnachtsgebäck wartet in kleine Tüten abgefüllt auf leuchtende Kinderaugen.

Aus der gläsernen Auslage greife ich nach einem Chefsalat, während vor mir eine fröhliche Frau mit fremdem Akzent bedient wird. „Zum Hieressen?“ fragt mich der Azubi. „Und welches Dressing möchten Sie dazu?“ Und wie an jedem Tag antworte ich: „American Dressing, bitte.“ Ich bemerke nicht, dass mich die fröhliche Frau anieht, während der Azubi nach hinten läuft, um das Dressing zu holen…

Von den knapp 1.300 Seiten der Tore der Welt habe ich mittlerweile 357 gelesen. Merthin wurde von seinem Lehrmeister Elfric vor die Tür gesetzt, nachdem er dessen Tochter nicht heiraten wollte. Nach dem tragischen Einsturz der hölzernen Brücke hat sich Merthin als Baumeister hervorgetan und leidet nun darunter, dass Elfric ihm das Leben schwer macht. Gerade, als er seiner geliebten Caris vorschlägt, mit ihm zusammen in ein eigenes Häuschen zu ziehen, sagt die fröhliche Frau von vorhin etwas zu mir. In dem Stimmengewirr der überfüllten Bäckerei bemerke ich nicht gleich, dass sie mit mir spricht – noch dazu auf amerikanisch. Nach einer Schrecksekunde interpoliere ich aus dem Gesagten, dass sie meinen Akzent bemerkt hätte. Sie strahlt mich an und fragt: „How long have you been here?“ Ich bin völlig verwirrt und frage mich kurz, wann und wo ich einen Akzent hätte haben können, als ich ihr auch schon erkläre, dass ich hier geboren wäre… Sie sagt, an der Theke hätte es sich angehört, als hätte ich einen amerikanischen Akzent und wünscht mir dann fröhlich einen schönen Tag. Als ich sie nicht mehr sehen kann, fällt mir das Dressing ein, das ich bestellt hatte und muss plötzlich lachen, angesichts dieser abstrusen Situation. Leise wiederhole ich die Worte „American Dressing“ und lausche meiner Aussprache…

Caris fühlt sich von Merthin vor den Kopf gestoßen.Wie kann er es wagen, von ihr zu verlangen, mit ihm in ein eigenes Haus zu ziehen? Das bedeutet für sie, sich ihm unterwerfen zu müssen. Caris ist eine stolze Frau. Und sie ist fröhlich.

 

Ankunft

An diesem Wochenende war es soweit: Bei uns in der Marzipanstadt fiel Schnee aus dicken, grauen Wolken und verwandelte die Dächer der umliegenden Häuser in fluffig-weiße Wattedecken. Nicht nur mein Freund und ich freuten uns über die weiße Überraschung zum ersten Adventswochenende, auch die Kater versuchten begeistert, die Schneeflocken zu fangen, die an unseren Fenstern vorbeirieselten.

Nachdem ich meinen Engel vormittags über die verschneiten Straßen zur Arbeit gefahren hatte, machte ich noch ein wenig klar Schiff in unserer Behausung. Etwas gründlicher als an anderen Samstagen bereitete ich die Ankunft sehr lieber Freunde vor, die wir schon wieder eine Ewigkeit nicht gesehen haben. Nachdem die Einkaufsliste um ein paar Kleinigkeiten ergänzt war, schwang ich meinen Hintern in den blauen Wagen und fuhr zum Supermarkt. Für mein Hühnercurry aus dem Wok brauchte ich ein paar Zutaten, die sonst nicht in unserer Küche zu finden sind. Ich brauchte eine ganze Stunde, um Ingwer, Kreuzkümmel und Co. zu finden. Getränke, Knabberkram und alles, was wir für ein gutes Frühstück brauchen, wanderte in den Einkaufswagen. Anscheinend war der Inhalt für das Laufband an der Kasse ein bisschen zu schwer, denn als ich alles ausgepackt hatte, versagte die Transporteigenschaft des schwarzen Gummis. Der junge Kassierer versuchte, sich die Verzweiflung nicht anmerken zu lassen, als er im Büro anrief, um einen Kollegen um technische Unterstützung zu ersuchen. Irgendwann lief es dann wieder wie geschmiert, bis er zu dem frischen Bund Petersilie ankam… Er blätterte hektisch in seinem aufklappbaren Preisverzeichnis und rang sich dann dazu durch, mich zu fragen, wie man das Gemüse nennt… Bald war aber alles geschafft. Nur noch die Zitrone und die Pflaumenmarmelade. Für die Zitrone nahm er wieder das Preisverzeichnis zu Hilfe. Als er das dritte Mal wieder von vorn zu blättern begann, bot ich ihm an, die Zitrone einfach an der Info zu bezahlen.

Es war kurz nach vier Uhr, als alle drei Freunde zeitgleich einliefen. Die Kater flüchteten in das Schlafzimmer, während ich Ben, der noch nie hier war, durch unsere kleine Wohnung führte. Mehr Zeit als für eine heiße Schokolade blieb nicht, denn um 17 Uhr musste ich meinen Engel von der Arbeit abholen. Also lud ich unsere Gäste in den Dunkelblauen und nahm sie einfach mit auf die andere Seite unserer Stadt. Es hatte inzwischen aufgehört zu schneien, war aber kalt und ungemütlich nass draußen.

Abgesehen vom gelungenen Essen gestaltete sich der Abend eher durchwachsen. Von der Woche gebeutelt hingen wir irgendwie in den Seilen. Die Playstation sorgte für Kurzweil – zumindest am Anfang. Aber irgendwie haben wir uns alle so lange nicht gesehen, dass wir zu wenig gemeinsamen Gesprächsstoff haben. Das passiert leider immer wieder und macht mich ziemlich traurig, weil ich mich immer so auf das Wiedersehen freue. Gegen halb zwei wurden die Betten gebaut, und während ich noch eine gute Stunde in meinem aktuellen Roman stöberte („Ein Traum vom Leben“) wurde es still um mich herum. Meine beste Freundin und ihr Freund hatten das große Luftbett im Wohnzimmer bekommen, während Ben auf der Liege im Arbeitszimmer ruhte. Die Kater konnten sich nicht recht erklären, wieso heute Nacht alles anders war und schlurften irgendwann desillusioniert in ihre kleinen Bettchen.

Nach dem Frühstück am späten Vormittag dauerte es nicht mehr allzu lange, bis sich unsere Gäste auf die Heimwege machten und mein Engel und ich wieder unter uns waren. Merkwürdig war die Stimmung gewesen und ich hatte das Gefühl, alle wären froh, dass es vorbei war. Irgendwie traurig. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal besser…

 

Die Wurzelbehandlung

Als ich gestern um 13 Uhr auf einem Korbstuhl im Wartezimmer saß, mir gegenüber nur ein Opa, der in einem Segelmagazin blätterte, wünschte ich mir nichts sehnlicher, als einfach wieder heraus zu marschieren. Die Sprechstundenhilfe am Empfang erschien mir wie das gesamte Gebäude. Irgendwie… herrschaftlich. Ich musste einen neugieren doppelseitigen Fragebogen ausfüllen. Und dann saß ich dort. Drei Viertelstunden lang. Zwischenzeitlich kam die Sprechstundenhilfe, um mir zu sagen, dass es nun bald losginge. In der ersten Wartehälfte nickte ich nur und dachte mir: ‚Ich hab’s nicht eilig…‘. In der zweiten Hälfte nickte ich nur und dachte: ‚Bringen wir’s endlich hinter uns!‘.

Das Design von Zahnarztstühlen hat sich in den vergangenen elf Jahren nicht wesentlich verändert, glaubte ich, als ich Platz nahm. „Der Doktor kommt dann gleich.“ Ja ja. Meine Knie schlotterten, mein Herz wummerte wie wild. Durch die Riffelglastür konnte ich Schemen in weißen Kitteln vorbeiflitzen sehen, draußen vor dem Fenster standen Hecken und Büsche, die mich an einer Flucht hindern wollten. Das hässliche Gebäude gegenüber war verwaist. Dumpf drang kreischender Bohrlärm aus den umliegenden Behandlungsräumen zu mir. Dabei sind es nicht die zahnarzttypischen Geräusche, die mich in Panik versetzen. Ich versuchte, meinen Blick nicht auf das metallische Besteck zu richten, dass auf einem blauen Tuch neben dem Behandlungsstuhl lag. Je länger ich auf den Doktor wartete, desto nervöser wurde ich. Spitze Gegenstände, dazu gedacht, in mich hineinzustechen und Nervenenden anzupieksen, in meinen Zähnen herumzustochern und an mir herumzuschneiden lagen vor mir. Als ich den Kopf drehte, konnte ich eine Spritze ausmachen.

Und dann ging es los. Eine Gestalt bewegte sich flink auf meine Riffelglastür zu, öffnete sie nach Innen und sah mich voller Mitgefühl an – mit strahlend blauen Augen und einem sehr netten Lächeln. Ich bekam den hübschen Arzt. Ich durfte ihm erklären, was mir fehlt und hoffte dabei, dass ich einigermaßen schlüssig darlegen konnte, wo genau es auf welche Weise wehtat. Er besah sich das Malheur mit Spiegel und anderem Instrument und zog dann eines seiner spitzen, sehr gefährlich aussehenden Werkzeuge. Ich starrte an seinem jetzt verhüllten Gesicht vorbei an die schmucklose, weiße Decke, während er an meinem Zahn kratzte…

Resultat der ersten Untersuchung war, dass für elf Jahre Zahnarztfreiheit meine Zähne ziemlich gut in Schuss sind. Lediglich zwei Plomben (die stammen noch aus meiner frühen Kindheit) seien abgenutzt und müssten ersetzt werden. Und das Zahnfleisch… Mit einer regelmäßigen, professionellen Zahnreinigung beim Arzt wäre das nicht passiert. Da muss was gemacht werden. Mit der Behandlung begann er sofort. Wieder griff er nach dem spitzen Gerät und kratzte. Als ich nicht mal zusammenzuckte fragte er, ob das wirklich der schmerzende Bereich wäre. Ich hatte so eine Frage erwartet, denn im Lokalisieren von Schmerzen war ich nie gut. Und so musste ich die Frage verneinen. Seine behandschuhten Finger ertasteten den grob beschriebenen Bereich und fanden zielstrebig den Ort des Geschehens. „Ja! Geuau ua!“ quäkte ich. Es lag nicht am Zahnfleisch. Hier war anscheinend die Zahnwurzel betroffen. So ein Mist! Ich wurde in den Röntgenraum geführt, durfte auf ein abstrakt aussehendes Gerät beißen (dass mich an ein sehr, sehr frühes Kindheitserlebnis erinnerte) und dann war ich allein. Die Tür ging zu, es machte „Klack“, die Tür ging auf ich durfte wieder auf dem Zahnarztstuhl Platz nehmen. Dann dauerte es wieder eine Weile, bis mein Arzt zurückkam. In der Zwischenzeit brachte die Helferin das entwickelte Röntgenbild herein und klemmte es an eine kleine beleuchtete Tafel, so dass ich meine Zähne sehen konnte. Mehr aber auch nicht.

„Mhmm…“, sagte der Arzt, als er irgendwann wieder neben mir saß. „Also hier haben wir eine relativ große Entzündung, sehen Sie?“ Er zeigte dabei auf die Wurzelspitze eines meiner durchsichtigen Zähne. Ich nickte, obwohl ich nicht mehr sah als vorher. Dann überlegte er, wie er die Entzündung am Ende der Wurzel am besten ans Freie setzen konnte und bohrte und raspelte kurzerhand meinen Zahn auf…

Zu blöd, dass das nicht ausreichte, denn kurz darauf zückte er ein Skalpell. Ein kleiner Schnitt und schon sah er zufriedener aus. Ich versuchte an schöne Dinge zu denken und kniff mir gleichzeitig schmerzhaft in den rechten Unterarm, um eventuelle Schmerzen durch scharfe Geräte zu überdecken. Tatsächlich aber war die Behandlung von Anfang bis Ende so gut wie schmerzfrei. Sogar die vier Betäubungsspritzen. Als ich wieder ging, hatte ich eine weggeraspelte Zahnfüllung weniger und einen antibiotischen Streifen im Zahnfleisch mehr.

Das war also mein erster Zahnarztbesuch nach elf Jahren. Ich war höllisch nervös und habe die ganze Behandlung hindurch gezittert. Am Ende war ich froh, dass alles so glimpflich verlaufen ist.

Am Samstag, sagte mir der Arzt, muss dann der Streifen gewechselt werden. Und nächste Woche sehen wir uns wieder…

 

Verbandwechsel

Schon weniger nervös als gestern, aber immer noch zitternd, fuhr ich mit meinem Freund am Samstagmittag in den Hochschulstadtteil der Marzipanstadt. Die Praxis gehört zu meinem Zahnarzt und hat heute Notdienst. Und weil der „Verband“ gewechselt werden muss, sitze ich um kurz vor zwölf Uhr auf einem Korbstuhl im Wartezimmer. Das Gebäude ist nagelneu und sehr modern, wie der gesamte, aufstrebende Stadtteil.

Wir haben uns Bücher mitgenommen. Nachdem ich gestern Abend „Paul, mein großer Bruder“ unter Tränen zuende gelesen hatte, habe ich ein neues Buch begonnen. „Die Mitte der Welt“ ist mehr als doppelt so dick, allerdings kommt die Geschichte auch nur schleppend in Gang. Schön geschrieben, toller Ausdruck, roter Faden, aber alles drumherum besteht aus Rückblenden. Ich hatte gerade ein Drittel des Romans hinter mich gebracht, als ich aufgerufen wurde.

In Behandlungsraum drei nahm ich auf dem Stuhl Platz und bestaunte die Aussicht auf die Altstadt, deren sieben Kirchtürme die Silhouette am trüben Horizont bildeten. Heute war die Wartezeit deutlich kleiner als gestern. Schon bald kam eine sehr junge Ärztin mit einer Helferin herein und ließ sich von mir erzählen, was bisher passiert ist. Ich klagte ihr mein Leid 😉 und schon machte sie sich daran, die Wunde näher zu betrachten. Eine Betäubung gab es diesmal nicht. Sie schnappte sich ein Werkzeug, setzte an und sagte: „So, dass kann jetzt ein wenig zwicken.“ Sie hatte recht, es zwickte und wieder kniff ich mir in den rechten Unterarm. Dann wurde die Wunde gespült. „Das kann jetzt etwas brennen.“ Wieder richtig! Zu guter Letzt musste ein neuer Streifen mit Antibiotikum in die Wunde eingesetzt werden. „Das kann jetzt wieder etwas wehtun.“ Während die Ärztin versuchte, den kleinen Streifen einzupflanzen, saugte die Helferin die anfallende Flüssigkeit ab. Plötzlich sahen sich die beiden Frauen an und lachten. „Du bist eine Streifendiebin!“ Ein neuer Streifen wurde vorbereitet und nun gelang es der Ärztin, ihn einzusetzen. Kurz darauf war ich fertig, hatte ein neues Wattekügelchen im Zahn und einen neuen Verband im Zahnfleisch.

Der nächste Besuch folgt dann am Montag bei meinem Zahnarzt…

 

Der Dentist

Mir graut vor dem Gedanken, was in einer guten Stunde passieren wird. Als es zuletzt passierte, war ich 20 und hatte meinen Wehrdienst gerade absolviert…

Heute früh erwachte ich, und draußen war es dunkel. Nur ganz wenige Autos waren auf der Straße zu hören. Von Berufsverkehr an diesem Freitagmorgen noch keine Spur. Ich erwachte vor Schmerzen. Es war fünf Uhr. Die Entzündung im Kiefer, die vor zwei Tagen begonnen hatte, war nicht von selbst wieder verschwunden. Die Apothekerin, die ich gestern Abend um ein Mittelchen ersuchte, sagte es ganz deutlich: „Gehen Sie auf jeden Fall zum Zahnarzt. Am besten noch vor dem Wochenende…“. Schmerztabletten gab sie mir dennoch mit. Außerdem ein Kühlpad. Abends nahm ich zwei von den Tabletten und legte das blaue Pad ins Eisfach. Als ich schlafen ging, gelang es mir, den gedämpften Schmerz zu ignorieren.

Um fünf Uhr lag ich wach im Bett. Neben mir hörte ich nur das leise Atmen meines schlafenden Freundes. Der Schmerz im Oberkiefer pochte. Ich schlug die warme Bettdecke beiseite, entdeckte den weißen Kater in seinem Bettchen und schlüpfte in meine hellblauen Hausschuhe. Ich musste dringend pinkeln und ging ins Bad. Als ich mein Gesicht im Spiegel betrachtete, bildete ich mir ein, es sei geschwollen. Ich spülte mir den Mund aus und schluckte eine weitere Schmerztablette.

Das Kühlpad aus dem Eisfach wickelte ich in ein Handtuch und nahm es mit ins Bett. Mein Engel hat von meinem Ausflug nichts mitbekommen, und auch die Kater sahen es nicht ein, sich für einen nächtlichen Rundgang aus dem Bett zu bequemen. Ich suche nach einer angenehmen Liegeposition, die sich mit dem blauen Kühlpad vereinbaren lässt und falle eher schlecht als recht bald wieder in einen leichten Schlaf.

Als ich knapp vier Stunden später erneut die Augen öffne, den gewohnten Verkehrslärm von der Straße höre und die Schmerzen immer noch da sind, wird mir klar, dass der Zeitpunkt gekommen ist. Ungefähr elf Jahre hatte ich Angst vor dem Tag, an dem ich gezwungen wäre, zum Zahnarzt zu gehen. Das ist eine ganz schön lange Zeit. Unvernünftig natürlich. Aber ich habe mich immer schon vor Schmerzen gedrückt, die man vermeiden konnte. Meine Zähne taten ihr Übriges. Es gab nie Probleme in der Zeit. Eine Entzündung dauerte nie länger als einen Tag, und eigentliche Zahnschmerzen sind mir fremd.

Ich googlete nach Zahnärzten in der näheren Umgebung. Es war leicht, gleich der erste Versuch offenbarte eine schicke Praxis, keine fünf Autominuten entfernt. Ich las mir die reichlichen Informationen durch, riskierte einen Blick auf die Ärzte und wählte die Nummer. Eine Frau meldete sich am anderen Ende.

Jetzt ist es zwölf Uhr. In einer Stunde geht es los. Was auch immer… Ich zittere, habe kalte Hände und das Mitgefühl meines Engels…

 

Inspiration

Als ich heute früh meinen Blog öffnete, musste ich mir die Frage gefallen lassen, wieso ich seit einem Monat nichts geschrieben habe. Man könnte meinen, mein neuer Rechner wäre derart uninspirierend oder zum Schreiben schlichtweg ungeeignet. Tatsächlich aber war ich im Oktober einfach nur faul, habe meine Energie in den Job gesteckt (und frage mich jetzt: wieso??) und mit einbrechender Dunkelheit Race-Shuttles durch die PS3 gejagt. Die Zeitumstellung sorgte überdies dafür, dass ich abends früher umgefallen bin und das nasskalte Oktoberwetter machte den Fahrradfreuden den Garaus. Ich habe immerhin den Erkältungsviren meines Engels erfolgreich widerstanden *hust* obwohl ich am vorvergangenen Wochenende einer Freundin beim Umzug geholfen habe und dabei in der Frühmorgenkälte möbelschleppend schwitzte. Mein Chef hat derweil erneut für Unmut gesorgt, weil seine Führungsqualitäten wieder einmal irgendwo verschütt gegangen sind.

Und was nun? Urlaub! Ja, genau! Obwohl ich gerade erst über die Ferienhaus-Woche mit anschließendem Zoobesuch getextet habe, darf ich schon wieder einen zweiwöchigen Urlaub genießen. Man erinnere sich an die erste Jahreshälfte, in der Lacarian noch um seinen Job bangte damit keinen Urlaub für die zweite Jahreshälfte eintragen durfte. Dann durfte er den Job behalten und musste den plötzlich übriggebliebenen Resturlaub irgendwie auf das Jahr verteilen. Mit dem Verteilen hab ich’s nicht so und so liegen die freien Wochen so nah beieinander. Was soll’s.

Und nun? Wir haben Urlaub und keinen Plan, was wir mit der freien Zeit anfangen sollen… Just in diesem Moment säße mein Engel noch bei der Arbeit, wäre nicht am späten Vormittag die Gewerkschaft in das Großraumbüro gestürmt. Seitdem steht er nun draußen in der lausigen Kälte und darf nicht mehr arbeiten. Der Arme!Eigentlich wollten wir „spontan“ für zwei-drei Tage nach Kopenhagen fahren (weil wir schließlich schon so lang nicht mehr dort waren). Aber seit mein Engel die Hotelpreise gecheckt hat und feststellen musste, dass sie sich seit unserem letzten Aufenthalt nahezu verdoppelt haben, haben wir das Thema gemieden…

Gerade ist es sehr ruhig in unserer kleinen Altbauwohnung in der Marzipanstadt. Die beiden Kater schlafen irgendwo, draußen finden mal keine Bauarbeiten statt und das Aquarium hinter mir plätschert leise vor sich hin. Ich hatte ja früher schon ein Aquarium, in meiner Wohnung nahe der Stadt mit den Hochhäusern. Aber vor meinem großen Umzug habe ich sie meinem Bruder geschenkt. Am letzten Wochenende wollten wir einen Wasserfilter für den Trinkbrunnen der Kater kaufen, als ich an einem Musteraquarium vorbeilief. „Komplettpreis: 39,99“. Ich konnte einfach nicht widerstehen und warf meine Geizphase vorübergehend über Bord. Als wir den Laden verließen, war ich hundert Euro leichter… Der Filter für die Kater kostete 6,99 Euro. Natürlich blieb es nicht bei den ersten hundert Euro für das Becken, den Kies und die Deko. Irgendwo muss das Schmuckstück ja draufstehen. Also mussten wir leider, leider noch zu IKEA nach Hamburg. Zwei Stunden später und weitere hundert Euro blasser schleppten wir ein 4×4-Expedit in den zweiten Stock. Der Aufbau dauerte eine halbe Stunde, ebenso lang die Diskussion, wo genau wir das Aquarium aufstellen… Ich konnte mich durchsetzen, und jetzt steht es im Flur, wo es jeder sehen kann.

Heute Vormittag, nachdem ich meinen Engel zur „Arbeit“ gefahren hatte, kaufte ich die ersten beiden Fische. Sie sollen den Grund reinigen und das Ökosystem für die Bewohner vorbereiten, die in circa drei Wochen einziehen sollen.