Der Onkel

Ich bin schon wieder Onkel geworden. Am 31. August kam Julie zur Welt. Ihre 3.490 Gramm bei 49 cm hat sie bis heute natürlich nicht halten können, sie hat ganz schön zugenommen…

Nur essen, schlafen und pupsen – Baby müsste man sein!

An diesem Samstag besucht uns Julie mit ihren Eltern. Der stolze Papa ist mein Bruder und die glückliche Ma ist seit Februar seine Frau. Sie war ganz schön froh, als Julie endlich den kuschligen Unterschlupf verlassen hat und zum ersten Mal das Licht des Kreißsaals erblickte. So eine Schwangerschaft muss ätzend anstrengend sein – aber da kenn ich nix von.

Zusammen mit Schatzi, Julie, Ma und Pa haben wir die Marzipanstadt erkundet. Als erstes natürlich zu unserem Wahrzeichen, ist ja klar, schließlich hat Julie das noch nie gesehen… Selbstverständlich war auch die Kamera dabei, damit das Familienalbum gefüllt wird. Zu dumm, dass mir die Möwe ins Bild geflogen ist…

Blödes Federvieh!

Weiter ging’s durch die Innenstadt, die Fußgängerzone mit Zwischenstopp zu einem Eis, vorbei am Wasser und dann langsam wieder zurück. Julie hat dabei alles verpasst, weil sie die meiste Zeit geschlafen hat… Ganz schön anstrengend, so ein Baby bei Laune zu halten…

Endlich zufrieden…

 

Berlin, Berlin – Teil 2

Wir haben das Hotel in der Nacht unbeschadet erreicht. Nachdem jeder von uns den Humpen geleert hatte wankten wir zufrieden zur U-Bahn und fuhren zum Anhalter-Bahnhof zurück, der nahe beim Hotel liegt.

Das Frühstück am heutigen Morgen in der Lobby ist sehr ausgewogen. Auf gesunde Ernährung legt man hier großen Wert, wenngleich manche der auf Proteine und Eiweiß ausgelegten Nahrungsmittel doch eher gewöhnungsbedürftig sind. Aber es gibt auch normale Brötchen (oder heißt es hier Semmeln?) und Müsli und Saft und Kaffee und…

Weil wir uns ja von der Stadt an sich nicht viel verprochen hatten, wird unser Zug schon heute Nachmittag um viertel nach drei wieder zurück nach Hause fahren. Bedauernswert, denn wie wir ja gestern feststellten, gibt es hier einiges zu sehen! Wir checken daher kurz nach dem Frühstück aus, schnappen uns unser handliches Gepäck und machen uns auf die Socken. Sonne lacht uns von blauem Himmel entgegen, als wir das Hotel verlassen. Nur eine Querstraße weiter weist ein Schild zum „Checkpoint Charly“. Neugierig, wie wir sind, beschließen wir, uns das mal anzusehen. Wir kommen allerdings nicht bis dorthin, denn Schatzi bleibt an einer Ausstellung hängen, die uns in den ehemaligen Keller des Gestapo-Hauptgebäudes führt. Das Gebäude ist längst weg, aber die Überreste des noch teilweise gekachelten Kellers sind noch da. Sie dienen als Ausstellung über den Terror der Nazi-Zeit. Es dauert etwa eine Stunde, bis ich Schatzi überzeugen kann, dass dieses – wenn auch nicht unwichtige – Thema gerade nicht zu unserem Amüsierwochenende passt…

Wir passieren die Wilhemstraße, das Finanzministerium und das Bundesratsgebäude und gehen geradewegs auf den Potsdamer Platz zu, auf dem sich der Bahntower heute von seiner glänzendsten Seite zeigt.

Nach einem erneuten krafttankenden Aufenthalt bei Starbucks und zahlreichen Photos später setzen wir unseren Weg fort. Wir wollen uns das Regierungsviertel noch einmal bei Sonnenschein ansehen. Unterwegs treffen auf das Mahnmal, das an die ermordeten Juden unter Hitler erinnern soll, ehe wir das Brandenburger Tor und den Reichstag erreichen.

Vorbei am gläsernen Grundgesetz an der Spree direkt beim Reichstag stehen heute keine wichtig-schwarzen Autos im Regierungsviertel herum. Kein Polizeiaufgebot, keine Menschentrauben, nur eine Warteschlange auf dem Weg zur Glaskuppel auf dem Reichstagsgebäude. Die Gegend wirkt heute bei Sonnenlicht und blauem Himmel malerisch. Es ist Sonntag, und bis auf die Touristen ist hier alles ruhig. Auf der Wiese vor dem Reichstag liegen Menschen in der Sonne, als sich Schatzi vor eine der großen Säulen des Gebäudes setzt, um sich auszuruhen. Ich muss enorm weit zurückgehen, um das ganze Gebäude mit der Kamera einfangen zu können. Wer genau hinsieht, kann Schatzi an einer der Säulen sitzen sehen…

Vorbei am Kanzlerinnenamt machen wir uns langsam wieder auf den Weg zum Hauptbahnhof, der an diesem Sonntagnachmittag gläsern in der Landschaft liegt und seine Fahrgäste nach Hause bringt…

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Berlin, Berlin – Teil 1

Der Taxifahrer fuhr wie bestellt morgens um viertel nach sieben vor. Es schellt an der Wohungstür, als wir gerade bequeme Schuhe anziehen und etwas angespannt einen letzten Blick auf unser Gepäck und die Reisedokumente werfen. Katerchen verabschieden, Tür abschließen und drei Treppen nach unten laufen. Das Minicar steht auf der anderen Straßenseite – Bahnhofsrichtung. Wir werfen unser handliches Gepäck und ein unerwidertes „Guten Morgen“ ins Fahrzeug und brausen davon. Mit 80 km/h durch die am Samstagmorgen unbelebten Marzipanstraßen ohne einen noch so geringen Wortwechsel mit dem Fahrer.
Die Bahnhofshalle ist endlich wieder eröffnet und die ewige Baustelle damit fast beendet. Mitten in der Halle prangt in riesigen Lettern Werbung für Marzipan. Nach einem kurzen Frühstück beim Bäcker gehen wir zu unserem Bahnsteig hinunter und reisen im RegionalExpress nach Hamburg.

 

:: Die Bahn kommt…

… auch heute zu spät. In Hamburg angekommen haben wir einen eigentlich kurzen Aufenthalt, ehe unser ICE nach Berlin eintrudeln soll. Doch kurz nach unserem Eintreffen ertönt die Durchsage: „Wegen eines Maschinenschadens am Triebfahrzeug verspätet sich der ICE sowieso um etwa 20 Minuten“.
Schatzi nutzt die Wartezeit für eine Zigarettenpause und sucht die Raucherzone am Ende des Bahnsteigs. Als er sich brav in die neongelbe Markierung stellt und ich zu diesem Anlass feixend die Kamera auspacke trifft mich fast der Schlag: ich hab die Speicherkarte zu Hause im Rechner stecken lassen! Katastrophe!
Schatzi raucht unbehelligt und feixend weiter, während ich – blass wie eine Wand – danebenstehe und mich immer wieder frage, wie das hatte passieren können! Ich muss mir wohl oder übel in Berlin eine neue Karte kaufen…

 

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:: Berlin-Hauptbahnhof

Nach einer entspannten und schnellen Fahrt im ICE kommen wir scheinbar kurz darauf in Berlin an. Der Zug fährt in den modernen Hauptbahnhof ein und drei oder vier Stockwerke höher erreichen wir die Erdoberfläche. Die Orientierung ist gar nicht so einfach, denn der Bahnhof ist einfach nur riesig.
Anders als wir es von unseren Kopenhagen-Aufenthalten gewohnt sind, bekommen wir hier keine kleinen kostenlosen Stadtpläne und müssen uns daher mit einem Kartenausschnitt begnügen, der zumindest die Gegend zeigt, die an diesem Wochenende für uns maßgeblich ist. Es ist grau-trüb, als wir den Glasbahnhof verlassen, anscheinend hat es vor unserer Ankunft geregnet. Wir loten die ungefähre grobe Richtung aus und stiefeln drauflos. Sofort fallen uns die schicken Ampelmännchen auf und etwas weiter vorn erkennen wir das Kanzleramt. Als ich am zweiten Ampelmännchen nicht weiterweiß beschließen wir, einfach durch das Regierungsviertel zu laufen. Inzwischen nieselt es etwas. Wir laufen an der Spree entlang, auf der spärlich besuchte Touristen-Boote schippern. Wir sind überrascht, wie schön es hier ist. Meine letzten Erinnerungen an die Hauptstadt waren eher schmutzig und hässlich, aber hier – na klar im Touristenzentrum – ist alles sauber und aufgeräumt und die Anlagen sind schön hergerichtet. Wir laufen am Kanzleramt vorbei und steuern den Reichstag an, als ein netter Schupo uns auffordert, die andere Straßenseite zu benutzen, weil hier gleich ein Konvoi abfahren soll. Hui wie aufregend! Staatsbesuch? Die Kanzlerin per se? Wir gruppieren uns artig in die Traube von Menschen, die sich bereits am Fuße des Reichstags eingefunden hat und nun Wind und Wetter trotzt, um einen Blick zu erhaschen. Wir sind vermutlich zu ungeduldig und haben nicht lange mitgewartet. Wir ließen die vielen überaus wichtig aussehenden schwarzen Fahrzeuge links liegen und machten uns weiter auf den eigentlichen Weg zu unserem Hotel in der Anhalterstraße. Wiederum an der Spree entlang erreichen wir bald den Potsdamer Platz. Eindrucksvoll erhebt sich der Bahn-Tower in den wolkigen Himmel, als wir den Platz überqueren.

 

:: Suite

Zu Schatzis Geburtstag habe ich uns eine Suite gebucht. Eine Nacht musste reichen, länger ist so ein Wochenende ja nicht. Nach der Anmeldung fahren wir mit dem Aufzug in den vierten Stock und laden erst einmal unser Gepäck im Zimmer ab. Ganz schön groß, wenn auch ein wenig zu bunt mit dem gelben Sofa vor dem roten Tisch auf dem blauen Teppich… Auf dem breiten Bett erholen wir uns von den Strapäzchen der Reise, bevor wir aufbrechen, um eine Speicherkarte für meine Kamera zu kaufen.
Unsere Beine führen uns zunächst zum nahegelegenen Potsdamer Platz und dort ins Sony-Center. Ich finde, „Sony-Center“ klingt, als bekäme man dort Dinge wie Speicherkarten… Denkste. Man schickt uns kurzerhand in die Shopping-Mall auf der anderen Seite, die wir dann auch bald gefunden haben… Es dauert dann noch mal eine Weile, ehe wir neben Bekleidungs- und Verpflegungsgeschäften ganz am Ende einen Multimediamarkt gefunden haben…
Der Kaffee im Starbucks nur ca. 15 Minuten später ist eine Wohltat! Sitzen, Speicherkarte auspacken und das erste Photo knipsen! Motiv: Schatzi in Starbucks. Sweet!

 

:: Berlin Alexanderplatz

Erstaunlich, wie die Zeit verrinnt, wenn man sich in einer Shopping-Oase aufhält… Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, denn für den Abend haben wir noch etwas Besonderes vor. Wir setzen uns also kurzerhand in die U-Bahn und steigen erst am Alexanderplatz wieder aus – und kurz danach auch schon wieder ein. Der Alexanderplatz ist… groß. Und… es gibt dort viel Platz. Es fährt eine Straßenbahn drüber und an der einen Seite steht eine große Uhr. Der Rest ist eigentlich nur Baustelle, ein Bauchladen mit Bratwurstverkäufer und Tauben. Nicht so richtig spannend, und so ziehen wir wieder ab.

Zurück im Hotel machen wir uns zunächst ein wenig frisch und schmeißen uns dann in so etwas wie Abendgarderobe. Ein Blick auf die Uhr, Tickets am Mann und los geht’s. Wieder in die U-Bahn, diesmal bis zum Bahnhof Zoo. Unser Ziel ist die Kantstraße, denn dort steht das „Theater des Westens“. Auf wehenden Flaggen vor dem Gebäude ist ein Gebiss abgebildet, darüber steht in blutigen Lettern „Tanz der Vampire“. Für mich soll es eine Premiere werden, während Schatzi sein Lieblings-Musical schon dreimal genossen hat. Ein wenig Zeit ist noch, etwas über eine Stunde bis zum Beginn, und unsere Mägen hängen uns in den Kniekehlen, denn die Bratwurst am Alexanderplatz konnte uns nicht wirklich begeistern. Also laufen wir die Straße hinunter auf der Suche nach etwas Essbaren. Nach einer Weile begegnet uns ein China-Restaurant, aber bis wir die Karte studiert, bestellt und bekommen, dann gegessen und gezahlt haben wäre das Musical sicher ohne uns angefangen, und einen Werbeblock vor der Vorstellung gibt es wohl nicht. Also weiter. Vielleicht einen Burger oder eine kleine Pizza oder so was? Fehlanzeige. Wir geben die Hoffnung schon fast auf, als wir den Savigny-Platz erreichen. Ein Italiener. Wir studieren die Speisenkarte am Weg, als ein aufgeregter Italiener uns das Tagesgericht empfiehlt. Als ich ihm sage, dass wir in Eile sind und daher nicht ganz so pompös speisen können, flitzt er los, um dem Küchenchef zu sagen, dass wir nur wenig Zeit haben… Kurz darauf sitzen wir an einem Tisch unter der Markise und studieren, was die Speisekarte denn Schnelles hergibt. Ich entscheide mich klassisch für einen Gyrosteller und Schatzi für feurige Röhrennudeln. Es dauert ungelogen keine sechs Minuten, da steht das Essen auf dem Tisch! Und es ist phantastisch!

 

:: Phantastisch!

Wir schaffen es rechtzeitig zum Einlass. Die Garderobe können wir gegen eine kleine Gebühr abgeben und finden unsere reservierten Sitze. Das Theater ist gut besucht – klar, als ich vor einer Woche gebucht habe, waren nur noch vier Plätze frei! Ich bin schon ganz aufgeregt und Schatzi schwärmt in einer Tour.
Ich erzähle natürlich nichts über die Handlung. Wir haben Glück, der Graf wird heute von dem guten Schauspieler gespielt. Eine Stimme wie ein fein gestimmtes Instrument, melodisch, deutlich, kraftvoll und gänsehauterregend! Die Darsteller allesamt brillant, die Songs meisterhaft und mit Ohrwurm-Garantie, das Bühnenbild einfallsreich und das Publikum wohl geübt. Es müssen ganze Fanclubs anwesend sein, gesungen wird hier nicht nur auf der Bühne!

Beifallsstürme und stehende Ovationen – wenn auch keine Zugabe – am Ende der Vorstellung, rund drei Stunden später. Schatzi selig, Lacarian überwältigt, stehen wir unter dunklem Nachthimmel vor dem Theater. Die Lieder leise vor uns hinsummend machen wir uns auf den Weg. Wir sind nicht müde, eher aufgekratzt und fröhlich suchen wir das Berliner Pendant zum Kopenhagener Hard-Rock-Café, um aus unserem einen Shirt eine Sammlung von Zweien zu machen. Wir irren im wahrsten Sinne des Wortes planlos über den Ku’Damm, bestaunen im Vorbeigehen den „Hohlen Zahn“ und fragen schließlich eine Passantin nach dem Hard-Rock-Café. Leider kann (oder will) sie uns nicht helfen. Ein paar Straßen weiter steht ein Polizist. Ich frage ihn kurzerhand nach dem Weg und der nette Mann weiß bescheid. Kurz darauf haben wir einen Krug Bier vor uns und ein neues Shirt als Andenken in der Papiertüte, als es auf Mitternacht zugeht…

 

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