Berlin, Berlin – Teil 2

Wir haben das Hotel in der Nacht unbeschadet erreicht. Nachdem jeder von uns den Humpen geleert hatte wankten wir zufrieden zur U-Bahn und fuhren zum Anhalter-Bahnhof zurück, der nahe beim Hotel liegt.

Das Frühstück am heutigen Morgen in der Lobby ist sehr ausgewogen. Auf gesunde Ernährung legt man hier großen Wert, wenngleich manche der auf Proteine und Eiweiß ausgelegten Nahrungsmittel doch eher gewöhnungsbedürftig sind. Aber es gibt auch normale Brötchen (oder heißt es hier Semmeln?) und Müsli und Saft und Kaffee und…

Weil wir uns ja von der Stadt an sich nicht viel verprochen hatten, wird unser Zug schon heute Nachmittag um viertel nach drei wieder zurück nach Hause fahren. Bedauernswert, denn wie wir ja gestern feststellten, gibt es hier einiges zu sehen! Wir checken daher kurz nach dem Frühstück aus, schnappen uns unser handliches Gepäck und machen uns auf die Socken. Sonne lacht uns von blauem Himmel entgegen, als wir das Hotel verlassen. Nur eine Querstraße weiter weist ein Schild zum „Checkpoint Charly“. Neugierig, wie wir sind, beschließen wir, uns das mal anzusehen. Wir kommen allerdings nicht bis dorthin, denn Schatzi bleibt an einer Ausstellung hängen, die uns in den ehemaligen Keller des Gestapo-Hauptgebäudes führt. Das Gebäude ist längst weg, aber die Überreste des noch teilweise gekachelten Kellers sind noch da. Sie dienen als Ausstellung über den Terror der Nazi-Zeit. Es dauert etwa eine Stunde, bis ich Schatzi überzeugen kann, dass dieses – wenn auch nicht unwichtige – Thema gerade nicht zu unserem Amüsierwochenende passt…

Wir passieren die Wilhemstraße, das Finanzministerium und das Bundesratsgebäude und gehen geradewegs auf den Potsdamer Platz zu, auf dem sich der Bahntower heute von seiner glänzendsten Seite zeigt.

Nach einem erneuten krafttankenden Aufenthalt bei Starbucks und zahlreichen Photos später setzen wir unseren Weg fort. Wir wollen uns das Regierungsviertel noch einmal bei Sonnenschein ansehen. Unterwegs treffen auf das Mahnmal, das an die ermordeten Juden unter Hitler erinnern soll, ehe wir das Brandenburger Tor und den Reichstag erreichen.

Vorbei am gläsernen Grundgesetz an der Spree direkt beim Reichstag stehen heute keine wichtig-schwarzen Autos im Regierungsviertel herum. Kein Polizeiaufgebot, keine Menschentrauben, nur eine Warteschlange auf dem Weg zur Glaskuppel auf dem Reichstagsgebäude. Die Gegend wirkt heute bei Sonnenlicht und blauem Himmel malerisch. Es ist Sonntag, und bis auf die Touristen ist hier alles ruhig. Auf der Wiese vor dem Reichstag liegen Menschen in der Sonne, als sich Schatzi vor eine der großen Säulen des Gebäudes setzt, um sich auszuruhen. Ich muss enorm weit zurückgehen, um das ganze Gebäude mit der Kamera einfangen zu können. Wer genau hinsieht, kann Schatzi an einer der Säulen sitzen sehen…

Vorbei am Kanzlerinnenamt machen wir uns langsam wieder auf den Weg zum Hauptbahnhof, der an diesem Sonntagnachmittag gläsern in der Landschaft liegt und seine Fahrgäste nach Hause bringt…

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Berlin, Berlin – Teil 1

Der Taxifahrer fuhr wie bestellt morgens um viertel nach sieben vor. Es schellt an der Wohungstür, als wir gerade bequeme Schuhe anziehen und etwas angespannt einen letzten Blick auf unser Gepäck und die Reisedokumente werfen. Katerchen verabschieden, Tür abschließen und drei Treppen nach unten laufen. Das Minicar steht auf der anderen Straßenseite – Bahnhofsrichtung. Wir werfen unser handliches Gepäck und ein unerwidertes „Guten Morgen“ ins Fahrzeug und brausen davon. Mit 80 km/h durch die am Samstagmorgen unbelebten Marzipanstraßen ohne einen noch so geringen Wortwechsel mit dem Fahrer.
Die Bahnhofshalle ist endlich wieder eröffnet und die ewige Baustelle damit fast beendet. Mitten in der Halle prangt in riesigen Lettern Werbung für Marzipan. Nach einem kurzen Frühstück beim Bäcker gehen wir zu unserem Bahnsteig hinunter und reisen im RegionalExpress nach Hamburg.

 

:: Die Bahn kommt…

… auch heute zu spät. In Hamburg angekommen haben wir einen eigentlich kurzen Aufenthalt, ehe unser ICE nach Berlin eintrudeln soll. Doch kurz nach unserem Eintreffen ertönt die Durchsage: „Wegen eines Maschinenschadens am Triebfahrzeug verspätet sich der ICE sowieso um etwa 20 Minuten“.
Schatzi nutzt die Wartezeit für eine Zigarettenpause und sucht die Raucherzone am Ende des Bahnsteigs. Als er sich brav in die neongelbe Markierung stellt und ich zu diesem Anlass feixend die Kamera auspacke trifft mich fast der Schlag: ich hab die Speicherkarte zu Hause im Rechner stecken lassen! Katastrophe!
Schatzi raucht unbehelligt und feixend weiter, während ich – blass wie eine Wand – danebenstehe und mich immer wieder frage, wie das hatte passieren können! Ich muss mir wohl oder übel in Berlin eine neue Karte kaufen…

 

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:: Berlin-Hauptbahnhof

Nach einer entspannten und schnellen Fahrt im ICE kommen wir scheinbar kurz darauf in Berlin an. Der Zug fährt in den modernen Hauptbahnhof ein und drei oder vier Stockwerke höher erreichen wir die Erdoberfläche. Die Orientierung ist gar nicht so einfach, denn der Bahnhof ist einfach nur riesig.
Anders als wir es von unseren Kopenhagen-Aufenthalten gewohnt sind, bekommen wir hier keine kleinen kostenlosen Stadtpläne und müssen uns daher mit einem Kartenausschnitt begnügen, der zumindest die Gegend zeigt, die an diesem Wochenende für uns maßgeblich ist. Es ist grau-trüb, als wir den Glasbahnhof verlassen, anscheinend hat es vor unserer Ankunft geregnet. Wir loten die ungefähre grobe Richtung aus und stiefeln drauflos. Sofort fallen uns die schicken Ampelmännchen auf und etwas weiter vorn erkennen wir das Kanzleramt. Als ich am zweiten Ampelmännchen nicht weiterweiß beschließen wir, einfach durch das Regierungsviertel zu laufen. Inzwischen nieselt es etwas. Wir laufen an der Spree entlang, auf der spärlich besuchte Touristen-Boote schippern. Wir sind überrascht, wie schön es hier ist. Meine letzten Erinnerungen an die Hauptstadt waren eher schmutzig und hässlich, aber hier – na klar im Touristenzentrum – ist alles sauber und aufgeräumt und die Anlagen sind schön hergerichtet. Wir laufen am Kanzleramt vorbei und steuern den Reichstag an, als ein netter Schupo uns auffordert, die andere Straßenseite zu benutzen, weil hier gleich ein Konvoi abfahren soll. Hui wie aufregend! Staatsbesuch? Die Kanzlerin per se? Wir gruppieren uns artig in die Traube von Menschen, die sich bereits am Fuße des Reichstags eingefunden hat und nun Wind und Wetter trotzt, um einen Blick zu erhaschen. Wir sind vermutlich zu ungeduldig und haben nicht lange mitgewartet. Wir ließen die vielen überaus wichtig aussehenden schwarzen Fahrzeuge links liegen und machten uns weiter auf den eigentlichen Weg zu unserem Hotel in der Anhalterstraße. Wiederum an der Spree entlang erreichen wir bald den Potsdamer Platz. Eindrucksvoll erhebt sich der Bahn-Tower in den wolkigen Himmel, als wir den Platz überqueren.

 

:: Suite

Zu Schatzis Geburtstag habe ich uns eine Suite gebucht. Eine Nacht musste reichen, länger ist so ein Wochenende ja nicht. Nach der Anmeldung fahren wir mit dem Aufzug in den vierten Stock und laden erst einmal unser Gepäck im Zimmer ab. Ganz schön groß, wenn auch ein wenig zu bunt mit dem gelben Sofa vor dem roten Tisch auf dem blauen Teppich… Auf dem breiten Bett erholen wir uns von den Strapäzchen der Reise, bevor wir aufbrechen, um eine Speicherkarte für meine Kamera zu kaufen.
Unsere Beine führen uns zunächst zum nahegelegenen Potsdamer Platz und dort ins Sony-Center. Ich finde, „Sony-Center“ klingt, als bekäme man dort Dinge wie Speicherkarten… Denkste. Man schickt uns kurzerhand in die Shopping-Mall auf der anderen Seite, die wir dann auch bald gefunden haben… Es dauert dann noch mal eine Weile, ehe wir neben Bekleidungs- und Verpflegungsgeschäften ganz am Ende einen Multimediamarkt gefunden haben…
Der Kaffee im Starbucks nur ca. 15 Minuten später ist eine Wohltat! Sitzen, Speicherkarte auspacken und das erste Photo knipsen! Motiv: Schatzi in Starbucks. Sweet!

 

:: Berlin Alexanderplatz

Erstaunlich, wie die Zeit verrinnt, wenn man sich in einer Shopping-Oase aufhält… Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, denn für den Abend haben wir noch etwas Besonderes vor. Wir setzen uns also kurzerhand in die U-Bahn und steigen erst am Alexanderplatz wieder aus – und kurz danach auch schon wieder ein. Der Alexanderplatz ist… groß. Und… es gibt dort viel Platz. Es fährt eine Straßenbahn drüber und an der einen Seite steht eine große Uhr. Der Rest ist eigentlich nur Baustelle, ein Bauchladen mit Bratwurstverkäufer und Tauben. Nicht so richtig spannend, und so ziehen wir wieder ab.

Zurück im Hotel machen wir uns zunächst ein wenig frisch und schmeißen uns dann in so etwas wie Abendgarderobe. Ein Blick auf die Uhr, Tickets am Mann und los geht’s. Wieder in die U-Bahn, diesmal bis zum Bahnhof Zoo. Unser Ziel ist die Kantstraße, denn dort steht das „Theater des Westens“. Auf wehenden Flaggen vor dem Gebäude ist ein Gebiss abgebildet, darüber steht in blutigen Lettern „Tanz der Vampire“. Für mich soll es eine Premiere werden, während Schatzi sein Lieblings-Musical schon dreimal genossen hat. Ein wenig Zeit ist noch, etwas über eine Stunde bis zum Beginn, und unsere Mägen hängen uns in den Kniekehlen, denn die Bratwurst am Alexanderplatz konnte uns nicht wirklich begeistern. Also laufen wir die Straße hinunter auf der Suche nach etwas Essbaren. Nach einer Weile begegnet uns ein China-Restaurant, aber bis wir die Karte studiert, bestellt und bekommen, dann gegessen und gezahlt haben wäre das Musical sicher ohne uns angefangen, und einen Werbeblock vor der Vorstellung gibt es wohl nicht. Also weiter. Vielleicht einen Burger oder eine kleine Pizza oder so was? Fehlanzeige. Wir geben die Hoffnung schon fast auf, als wir den Savigny-Platz erreichen. Ein Italiener. Wir studieren die Speisenkarte am Weg, als ein aufgeregter Italiener uns das Tagesgericht empfiehlt. Als ich ihm sage, dass wir in Eile sind und daher nicht ganz so pompös speisen können, flitzt er los, um dem Küchenchef zu sagen, dass wir nur wenig Zeit haben… Kurz darauf sitzen wir an einem Tisch unter der Markise und studieren, was die Speisekarte denn Schnelles hergibt. Ich entscheide mich klassisch für einen Gyrosteller und Schatzi für feurige Röhrennudeln. Es dauert ungelogen keine sechs Minuten, da steht das Essen auf dem Tisch! Und es ist phantastisch!

 

:: Phantastisch!

Wir schaffen es rechtzeitig zum Einlass. Die Garderobe können wir gegen eine kleine Gebühr abgeben und finden unsere reservierten Sitze. Das Theater ist gut besucht – klar, als ich vor einer Woche gebucht habe, waren nur noch vier Plätze frei! Ich bin schon ganz aufgeregt und Schatzi schwärmt in einer Tour.
Ich erzähle natürlich nichts über die Handlung. Wir haben Glück, der Graf wird heute von dem guten Schauspieler gespielt. Eine Stimme wie ein fein gestimmtes Instrument, melodisch, deutlich, kraftvoll und gänsehauterregend! Die Darsteller allesamt brillant, die Songs meisterhaft und mit Ohrwurm-Garantie, das Bühnenbild einfallsreich und das Publikum wohl geübt. Es müssen ganze Fanclubs anwesend sein, gesungen wird hier nicht nur auf der Bühne!

Beifallsstürme und stehende Ovationen – wenn auch keine Zugabe – am Ende der Vorstellung, rund drei Stunden später. Schatzi selig, Lacarian überwältigt, stehen wir unter dunklem Nachthimmel vor dem Theater. Die Lieder leise vor uns hinsummend machen wir uns auf den Weg. Wir sind nicht müde, eher aufgekratzt und fröhlich suchen wir das Berliner Pendant zum Kopenhagener Hard-Rock-Café, um aus unserem einen Shirt eine Sammlung von Zweien zu machen. Wir irren im wahrsten Sinne des Wortes planlos über den Ku’Damm, bestaunen im Vorbeigehen den „Hohlen Zahn“ und fragen schließlich eine Passantin nach dem Hard-Rock-Café. Leider kann (oder will) sie uns nicht helfen. Ein paar Straßen weiter steht ein Polizist. Ich frage ihn kurzerhand nach dem Weg und der nette Mann weiß bescheid. Kurz darauf haben wir einen Krug Bier vor uns und ein neues Shirt als Andenken in der Papiertüte, als es auf Mitternacht zugeht…

 

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Neue Wege

:: Licht. Bis zum Ende der Sackgasse

Ich hab’s überstanden. Der Wecker piepste gegen sieben Uhr heute früh. Eine unruhige Nacht war vergangen, in der ich mich immer wieder entspannen musste. Ich wusste nicht so genau, wie ich das Gespräch mit dem Personalchef beginnen sollte. In meiner Phantasie spielten sich viele Szenarien ab, ein Ergebnis jedoch konnte ich mir nicht so recht ausmalen.

Um kurz nach acht fuhr ich Engelchen zur Arbeit. Trotz all meiner Ermahnung, mich zu entspannen, wurde ich nervöser, je näher der Termin rückte. Es war neun Uhr, als ich mich zu einem Frühstück in die Stadtbäckerei setzte. Viel Betrieb war hier noch nicht. Auf der Raucherseite des Cafés hörte ich die rauhe Stimme einer älteren Frau, die mit ihren Freundinnen schnatterte und ihren Mann zum Teufel jagte, der sie durch die große Fensterscheibe beobachtete. Fortan war sie nur noch damit beschäftigt, ihren Freundinnen laut krächzend zu berichten, wie nervig es ist, dass er ihr ständig hinterherspioniert, mit wem sie spricht, wen sie anruft. Er solle sich um seinen eigenen Kram kümmern, sie könne ja wohl machen, was sie will. Die arme Frau, ich glaube, das war ihr Tageshighlight…

Nach zwei Brötchen, die ich mit Mühe und Not herunterbekam, und einem Kaffee hatte ich noch 20 Minuten Zeit. Die Firma lag auf der anderen Straßenseite. Ich zog meine aktuelle Lektüre aus meiner Umhängetasche und begann zu lesen. Das war immerhin eine kleine Ablenkung und die Krähe aus der Raucherecke war bald vergessen. Alle paar Augenblicke lugte ich auf die Zeitanzeige meines Handys und ging schließlich zehn Minuten vor dem Termin über die Straße. Da ich seit meiner Einstellung vor über einem Jahr nicht mehr in der Personalabteilung gewesen war, musste ich mit den Weg dorthin erklären lassen. War aber dann ganz einfach.

Oben angekommen unterhielt ich mich wartend mit einer Sachbearbeiterin der Perso. Das war ein nettes Gespräch zum Auflockern. Mit zwei Minuten Verspätung kam dann der Personalchef aus seinem Büro, begrüßte mich freundlich und bat mich hinein. „Lacarian, was haben Sie nur mit mir vor?!“ sagte er seufzend, während er sich mir gegenübersetzte und mich ansah. Vor ihm lag meine Personalakte. Ich erklärte ihm, welcher Art meine Schwierigkeiten seien, dass ich mir die Anforderungen bei meinem Antritt vor etwas über einem Jahr ganz anders vorgestellt hatte und dass ich meinen eigenen, hohen Ansprüchen an gute Arbeit nicht mehr gerecht werde, ohne mich weiter gesundheitlich zu gefährden. Ich erzählte ihm, was ich mir vorstelle und drückte gleichzeitig meine Hoffnung aus, meinen Dienst weiterhin in der Firma tun zu dürfen.

Er erklärte mir daraufhin, wie schwierig es zur Zeit sei, meinen Vorstellungen einer Sachbearbeiter-Stelle gerecht zu werden, da sich der Bedarf der Firma gerade entgegengesetzt entwickelt. Natürlich wusste ich das schon. Umso erstaunter war ich, als er mir eine – wie er sagte – anspruchsvolle, jedoch noch nicht ins Detail feststehende Herausforderung in einem befristeten Projektteam anbot. Und zwar ab Anfang Oktober. Befristet jedoch bis zum Auslaufen meines Arbeitsvertrages Ende Mai 2008.

Da diese Option eine Chance für mich ist, früher als erhofft dem Verkauf zu entfliehen und ich gleichzeitig weiß, dass ich bis Ende Mai 2008 Zeit habe, mir etwas neues zu suchen, bin ich von dieser Möglichkeit mehr als angetan. Es wird viel Arbeit auf mich zukommen. Aber das macht nichts, denn ich arbeite gern – nur nicht mehr als Verkäufer, denn letzthin ähnelt dieser Job doch eher dem eines Vertreters, und das bin einfach nicht ich.

Das Beste daran ist: mein Gehalt wird sich durch die neue Aufgabe nicht verändern. Ich hatte fest damit gerechnet, dass ich auf mindestens 400 Euro würde verzichten müssen, aber weil meine neue Aufgabe nach Worten des Personalchefs so „anspruchsvoll“ ist, wird er die Bezahlung nicht verändern.

So gesehen ist es der Anfang vom Ende. Oder zumindest etwas Licht auf einem Weg, der nun höchstwahrscheinlich eine berufliche Sackgasse sein wird. Aber lieber eine Sackgasse mit Licht als ein Abgrund im Dunkeln. Ich werde die verbleibende Zeit nun nutzen, mich nach einem neuen Weg umzusehen.

 

Endlich

In diesen Tagen gibt es wieder so viel zu erzählen, und doch weiß ich nicht genau, wo ich eigentlich anfangen soll. Ich hab grad im diary einer lieben Freundin geblättert und mich daran erinnert, wie wichtig es ist, die Dinge in einem positiven Kontext zu betrachten.

 

:: Magisches Ende

Ich knüpfe für den Anfang mal an meinem letzten Eintrag an. Harry Potter. Wen es nicht interessiert, der hüpft am besten gleich einen Absatz weiter. Und keine Sorge, hier wird nichts verraten.
Ich habe den letzten Band natürlich längst durchgelesen. Das ging auch gar nicht anders, denn es wurde spannender von Seite zu Seite. Und wenn ich mich auch respektvoll nie an die vorherigen Bände englischer Ausgaben herangetraut habe, war ich überrascht, wie leicht mir das Lesen nach zweidrei Kapiteln fiel. Ich dachte anfangs, wenn ich nicht alles verstehe, lese ich ja noch die deutsche Ausgabe Ende Oktober. Aber ich habe die Geschichte tatsächlich von Anfang bis Ende verstanden. *stolz auf mich bin*

Die Autorin brilliert mit zahlreichen Erzählsträngen, die sie aus den früheren Bänden wieder aufgreift und hier zu einem schönen Ende führt. Viele bekannte Dinge tauchen wieder auf und es bleiben am Ende fast keine Fragen mehr offen. Trotzdem schade, dass es nun vorbei ist. Oder doch nicht? Man munkelt ja, sie schreibe schon wieder. Vielleicht ein Sequel (schreibt man das so??), das 20 Jahre später spielt oder so.

 

:: Karriereende?

Morgen ist es soweit.
Seit sieben Wochen trabe ich montagmorgens pünktlich um acht Uhr in der Marzipaninnenstadt zu Frau Dr. Sowieso, ihres Zeichens Psychotherapeutin. Nachdem mich meine gutbezahlte Tätigkeit niedergeschmettert hat und das liebe Herz in meiner Brust für nächtliche Panikanfälle sorgte lief ich zum Arzt. Mein Hausarzt ist nicht einmal ein richtiger Doktor, aber nett. Er stellte mir eine Menge Fragen und diagnostizierte bei mir eine Depression mit sporadisch auftretenden, stressbedingten Panikattacken. Für dieses Gebiet nicht ausgebildet gibt er mir eine Liste mit 68 Namen von Psychotherapeuten in der Stadt und so kam es zu den montäglichen Sitzungen. Ich muss dazu sagen, dass ich leider nicht an die klassische Psychotherapie glaube. Ich kenne viele „Psychotricks“, und daher wirken sie bei mir nicht so besonders gut.

Zum Glück kennt sie sich im Buddhismus gut aus, und so konnte ich mich darauf einlassen. Bei der „Therapie“ handelt es sich eigentlich mehr um eine Aufnahme. Sie stellt also haufenweise Fragen zu Vergangenheit, Beziehung, Arbeit und Umfeld. Mehr als Tipps und Anregungen kann sie jedoch auch nicht geben. Nichts von dem, was sie mir sagt, ist wirklich neu für mich, aber es ist gut, dass man nochmal daran erinnert wird.

Ich habe in den letzten Wochen für mich eines festgelegt: Verkäufer will ich nicht mehr sein! Ich mache diesen Job seit über zehn Jahren. Das letzte Jahr davon war grauenhaft. Und die Entwicklung sieht so aus, dass es schlimmer wird. Mehr Aktivität wird gefordert, Kunden anquatschen wann immer einer hereinkommt – und wenn keiner hereinkommt: rausgehen und anquatschen. Dabei verkaufen, verkaufen und noch mehr verkaufen. Jede Woche wird die eigene Filiale mit allen anderen Filialen meiner Bank verglichen, jede Woche wieder schwarz auf weiß, wie viel man noch aufholen muss. Der Personalwechsel aufgrund von Personalverschleiß ist bei uns extrem hoch. In Kürze wird das gesamte Team zum dritten mal in diesem Jahr ziemlich komplett ausgetauscht. Einer nach dem anderen wirft das Handtuch, drei sind in ärztlicher Behandlung.

Morgen ist es soweit: Ich habe einen Termin mit dem Personalchef. Dabei werde ich darum bitten, mir einen Job als Sachbearbeiter zu geben. Das wird schwierig, denn aufgrund der starken Ausrichtung auf den Verkauf werden die Sachbearbeiterstellen abgebaut und die Verkäuferstellen ausgeschrieben.

Ich hoffe sehr, dass es trotzdem eine Möglichkeit für mich gibt, in der Firma bleiben zu können. Falls nicht, so muss ich die Zeit bis zum Auslaufen meines Jahresvertrages nutzen, mir woanders eine Stelle zu suchen. So oder so: meine Karriere als Verkäufer ist zuende. Und schon allein das ist – wenn auch finanziell beunruhigend – ein gutes Gefühl. Gesundheitlich.

 

:: Christopher-Street-Day

Auch in diesem Jahr fanden wieder zahlreiche CSDs statt. Aber wie schon im letzten Jahr habe ich an keinem teilgenommen. Ich konnte mich nicht aufraffen, nicht zuletzt, weil Schatzi arbeiten musste und ich dann allein hätte fahren müssen. Dabei macht es mir immer so viel Spaß, in der bunten Parade mitzulaufen und Präsenz zu demonstrieren. Photos zu schießen und einfach zu genießen, inmitten Gleichgesinnter (blöder Begriff…) durch die Straßen zu laufen. Dazu laute Musik und alle Farben des Regenbogens. Vielleicht schaffen ich es nächstes Jahr.

 

:: Freunde?

Im Moment gehen mir meine Freunde alle verloren. Nicht zuletzt wegen der beruflichen Schwierigkeiten und der anscheinend daraus resultierenden Depressionen fehlt mir die Kraft, Kontakte zu pflegen. Meine „alten“ Freunde aus der Heimat habe ich schon ewig nicht mehr gesehen, gehört oder etwas von ihnen gelesen (und andersherum auch nicht…). Aber dieser Tage – ja sogar schon Wochen – entziehen sich mir anscheinend auch meine langjährigsten Freunde, und das macht mir Angst. Ich hoffe sehr, dass es mir demnächst gelingen wird, wieder neuen Auftrieb zu schöpfen. Dann will ich versuchen, einiges zu retten, was früher mal da gewesen ist.

 

Verstecke

:: Sehr übersichtlich

Gestern Abend gab es ein gemeinsames Essen mit allen Kollegen und den letzten Ehemaligen meiner Filiale. Eine Geldprämie aus dem Vorjahr lockte uns in ein nobles Restaurant beim Wahrzeichen meiner Stadt.

Während Tomate-Mozzarella als Vorspeise ganz nach meinem Geschmack war, konnte ich den toten Garnelen der Hauptspeise nicht viel abgewinnen. Und auch die Panacotta zum Nachtisch konnte nicht begeistern. Kein perfektes Dinner also, und noch dazu ein Abschiedsessen der Kollegen, die unser Team in diesen Tagen verlassen.

Ab Montag werde auch ich wieder arbeiten. Ich kann mich ja nicht ewig verstecken.

 

:: Soll das alles sein?

Die Sonne hingegen glaubt, sich ewig verstecken zu können. Eingepackt in einen Pulli und mit kalten Händen sitze ich am Rechner, während draußen bei Temperaturen knapp über zehn Grad schwere Wolken kalte Tropfen fallen lassen und der Sommersonne ein sicheres Versteck bieten.

 

:: Die unschuldigen Kater

Cricket und Neelix – unsere beiden Katerchen – toben für ihr Leben gern in der Wohnung herum. Sie springen, rennen, rutschen und jagen einander. Heute Morgen kamen die beiden wieder aus dem Wohnzimmer gestürmt. Der Graue voran und der Weiße hinterher, was die Tatzen hergaben! Dann machte es laut KLIRR und PLATSCH und schon ergoss sich der Inhalt ihres Trinknapfes über den Dielenfußboden im Flur. Cricket war entsetzt und schaute mich mit seinem leichten Silberblick gänzlich unschuldig an und begann, dass Wasser schnell vom Boden aufzulecken, während sich Neelix in sicherer Entfernung zum Malheur neben der Kommode versteckte und verstohlen um die Ecke linste. Als ich dann mit einem Tuch den Boden trockenwischte, sprang Cricket auf, um mir zu helfen und wollte gar nicht mehr aufhören, selbst, als das ganze Wasser längst aufgewischt war… Er ist wirklich sehr gewissenhaft!

 

Kapitel

Heute war es mein Engel, der die Nestwärme unseres großen Metallbettes als erstes verließ. Unfähig, mehr als ein Auge gleichzeitig zu öffnen legte ich mir sein zurückgelassenes Kissen über die Ohren und wühlte mich von der Bettdecke frei. Nur in Shorts gekleidet schlummerte ich wieder ein, während draußen die Sonne schon hoch am Himmel stand und vor der Schlafzimmertür die beiden Kater einen Freudentanz aufführten, als sie Engelchen erblickten. Die beiden haben bis spät in die Nacht wild getobt, weil auch wir zwei noch recht lange wach waren. Umso länger konnten sie am Morgen schlafen. Sicher hat auch der Besuch beim Tierarzt am gestrigen Tag dazu beigetragen. Ihr Lieblingsdoktor ist grad im Urlaub, und stattdessen mussten sie die neugierigen Finger einer Ärztin erdulden, die beharrlich untersuchte, ob die zwei auch vollwertige Jungen sind. Sie musste bei dem einen zwar etwas länger drücken und fühlen, aber letztlich gab sie zu, dass alles vorhanden ist. Na dann.

Wenig später vernahm ich Topfgeklapper in der Küche. Das klang verdächtig nach Frühstück. Und tatsächlich erschien ein Engel wenig später am Bett und begrüßte mich seeehr herzlich.

Noch während des Frühstücks kam piepsend eine SMS und nahezu zeitgleich eine eMail herein. Wir wussten beide, was das bedeutet: Harry Potter hat unsere Packstation erreicht! Als das Frühstück beendet hatten, trödelten wir scheinbar absichtlich herum, um die Vorfreude auf den siebten Band noch so lange wir möglich auszukosten. Ich rasierte mir die Zwei-Tage-Bartstoppeln aus dem Gesicht, entledigte mich der Shorts und ließ mich in der Dusche genussvoll beregnen. Erst nachdem ich wieder vollständig angezogen war, machten wir uns auf den Weg durch den sehr sonnigen Spät-Vormittag zu unserer Packstation.

Jetzt lesen wir abwechselnd Kapitel für Kapitel. Natürlich habe ich die deutsche Ausgabe schon vorbestellt, aber ich kann unmöglich bis Ende Oktober warten. So begann Schatzi mit Kapitel eins, und als er fertig war, las ich es. Das gleiche taten wir mit dem zweiten Kapitel. Während er sich gerade durch das dritte schlägt, habe ich ein wenig Zeit für diese Zeilen.

Das ist ein entspannter Samstag. Zumindest so lange, bis wir aufräumen und putzen müssen, denn morgen mittag kommt meine Family zu Besuch, um sich unsere neue Wohnung anzusehen.

Allen Lesern ein schönes Wochenende!

 

Differenzen

Etwas gerädert von gerade mal zwei Gläsern Weißwein öffnen sich meine müden Augen und richten sich auf die Schäfchenwolken, die draußen vor dem Fenster vorbeifliegen. Der Himmel, der sie trägt, ist hellblau und es scheint ein weiterer sehr warmer Tag zu werden. Auf meiner anderen Seite liegt Engelchen und atmet schlafend gleichmäßig ein und aus. Nachdem wir gestern aus heiterem Himmel nach einer klitzekleinen Meinungsverschiedenheit auf Abstand zueinander gegangen waren, kuschelte ich mich beim Aufwachen an ihn. Aber er war so spät ins Bett gekommen, dass er noch nicht aufwachen will.

Also schwinge ich meinen Hintern aus dem Bett, strecke mich zum Himmel und steige dann in die Morgendusche. Kaltes Wasser rinnt an mir herunter, das tut gut. Kurz darauf fühle ich mich schon viel besser und kann die beiden Katerchen in die Arme schließen. Inzwischen ist sich mein Engel des verwaisten Bettes und der fortgeschrittenen Tageszeit bewusst geworden und hat mich mit einem Guten-Morgen-Schmatzer begrüßt.

Der Tag beginnt.

 

Nach der Dusche…

… ist vor der Dusche. Das geht, weil heute mein erster Urlaubstag ist! Wie es sich für einen ersten Urlaubstag so gehört, habe ich bisher noch nichts getan, außer mittags bei Sonnenschein zu frühstücken und mich dann mit einem Buch in die Sonne zu legen. Abgesehen davon ist es sowieso für fast jede Art der Bewegung zu heiß.

Weil mein Engel auch grad Urlaub hat, scheucht er „Paper Mario“ durch irgendwelche Dungeons in der wii, und die Katerchen haben ja sowieso jeden Tag Urlaub und haben sich heute ob der Temperaturen einfach platt auf den Boden gelegt, während ein großer Ventilator die Raumluft verwirbelt.

Gestern Abend, als es nicht mehr ganz so heiß war, haben wir uns den neuen Potter-Film angesehen. Bis zur Pause war ich mäßig mitgerissen, aber danach ging es mächtig zur Sache. Wir schauen ihn uns sicher noch einmal an.

Am Wochenende feierte meine Mum ihren 50. Geburtstag und wir waren natürlich eingeladen. Sie hatte all ihre Lieblingsnachbarinnen und Lieblingsnachbarn eingeladen, allesamt komische Leute (aber ich muss sie ja nicht mögen). Es war eine laute und feucht-fröhliche Party – nicht unbedingt nach meinem Geschmack, aber was soll’s, meine Mum hat sich gefreut. Wir blieben über Nacht und schliefen in dem ehemaligen Zimmer meines jüngsten Bruders, der inzwischen in die nächstgrößere Räumlichkeit nebenan gesiedelt ist, nachdem mein zweiter Bruder letztes Jahr ausgezogen war. Meine Schwester war auch da. Ihrer kleinen Tochter geht es grad nicht so gut, sie ist erkältet und bekommt auch noch die ersten Zähne. Daher sah auch meine Schwester etwas matt aus.

Dieser Tage werden wir (hoffentlich) endlich den Keller der alten Wohnung räumen und dann endlich die alte Wohnung abgeben. Mich nervt es total an, dass ich die immer noch habe!

Gestern rief ich meine beste Freundin an. Sie fuhr grad mit ihrem Schatz in der Hamburger S-Bahn an die Elbe und die Kommunikation verlief entsprechend kompliziert. Es geht beiden grad nicht so gut (wenn ich es richtig verstanden habe) und es wird Zeit, dass wir uns bald wieder treffen. Am kommenden Wochenende vielleicht, das wäre schön. Es gibt immer so viel zu erzählen.

So, jetzt geh ich zurück in den Raum mit dem Ventilator, denn viel mehr kann ich schon nicht ausziehen. *Luft zufächel*

 

Berufserfahrungen

Ich erinnere mich noch genau, wie ich vor gut einem Jahr meinen Wohnort und meinen Arbeitgeber gewechselt habe. Alles ging unglaublich schnell. Meine alte Firma bot mir einen höheren Posten an (über die vermeintlichen Beweggründe schweige ich mal). Da mein Entschluss, den Landkreis zu verlassen, jedoch feststand, musste ich Hals über Kopf an der Ostküste eine neue Arbeit suchen. Ich bewarb mich also bei einer anderen Variante der selben Firma – und wurde eingestellt. Holterdipolta folgte dann auch eine neue Wohnung, damit ich nicht pendeln muss und alsbald der Abschied von meinen liebgewonnenen Kollegen.

Seither bin ich hier. Seither versuche ich, mit der neuen Firma klarzukommen und zu erfüllen, was von mir erwartet wird. Als Perfektionist versuche ich stets, hundert Prozent zu geben. Wie ich jetzt feststelle, reichen diese hundert Prozent nicht. Ich komme nicht vorwärts, schiebe Tag für Tag einen Berg Arbeit vor mir her, der Tag für Tag größer wird. Dieser Berg kostet Kraft und Nerven, die ich für die geforderte Aktivität als Verkäufer brauche. Schlussendlich leidet mein Verkauf darunter.

 

:: Mensch sein, gegen jeden Trend.

Ich war noch nie gern unter Menschen, mit Menschen habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Für den Job als Verkäufer brauche ich Kraft, um diesen Umstand jeden Tag zu bekämpfen. Schließlich hat man als Verkäufer am ehesten mit Menschen zu tun. Dieser Kompromiss ist mir zehn Jahre lang reibungslos gelungen. Mein Job machte mir Spaß und ich konnte sogar soweit gehen zu sagen: Ich arbeite gern mit Menschen.

Ich bin jetzt gut ein Jahr in der neuen Firma. Und ich will nicht mehr verkaufen. Ich will keine Kunden mehr. Ich wache nachts auf, mein Herz rast und die Gedanken kreisen wie wild um meine Arbeit. Kunde, Zahlen, die ständige Kontrolle (was bei uns „Coaching“ genannt wird), neue, schnellere und aggressivere Verkaufsmethoden. Damit komme ich nicht mehr zurecht. Es ist soweit, dass ich nun in ärztlicher Behandlung bin. Das Problem dabei ist: Ich glaube nicht, dass man mir ärztlich helfen kann.

 

:: Ein neuer Job muss her

Aus diesem Grunde will ich versuchen, eine andere Arbeit zu bekommen. Aber das ist nicht so einfach wie mit dem Job vor einem Jahr. Mit meiner kaufmännischen Ausbildung gibt es viele Jobangebote – aber alle haben mit Kunden und Verkaufen zu tun – komisch. Ich hätte Lust, noch mal etwas ganz anderes zu lernen. Tischler, Mechatroniker oder so. Aber das geht nicht mehr. Ich käme zwar auch mit einem Viertel weniger Gehalt aus, aber mit einer Ausbildungsvergütung komme ich nicht mehr weit. Zumal wir gerade in die neue Wohnung gezogen sind.

 

:: Wieso hab ich das nicht früher gemerkt?

Bis vor dreieinhalb Wochen hatte ich in unserer Filiale eine junge Kollegin, die den gleichen Job gemacht hat wie ich. Wir kämpften uns durch die gleichen Probleme und hielten uns gegenseitig aufrecht. Vor dreieinhalb Wochen brach sie unter der Last zusammen und ist seitdem in ärztlicher Behandlung. Kurz darauf ging es auch bei mir los. Herzrasen, Angstzustände, Zweifel. Mein Chef schickte mich unversehens zum Arzt. Ich war zunächst entschieden dagegen, denn wenn mich der Arzt aus dem Verkehr zieht, so wie die Kollegin, dann wird die Personalabteilung Wind davon bekommen, und mit meinem befristeten Vertrag sehe ich mich dann alsbald auf der Straße.

Ich stecke in einem Dilemma. Ich kann meinen Job weitermachen, bis meine schlechten Ergebnisse aus oben genannten Gründen dafür sorgen, dass ich vor die Tür gesetzt werde oder irgendwann mein Herz nicht mehr mitmacht. Davon abgesehen, dass berufliche Probleme sich irgendwann auf das Privatleben auswirken. Ich kann mich stattdessen in langfristige ärztliche Obhut begeben und bin dann voraussichtlich auch den Job los. Arbeitslosigkeit kann ich mir nicht leisten (will ich auch gar nicht), aber einen neuen Job zu finden, ist bekanntermaßen auch nicht einfach.

Im Grunde scheint das ganz einfach zu sein. Ich mache meinen Job weiter und bemühe mich parallel um eine neue Anstellung. Ich habe noch ein Jahr Zeit, denn solange läuft mein Arbeitsvertrag.

 

:: Alles oder nichts?

Mein Plan von vor einem Jahr ist – ausschließlich in beruflicher Hinsicht – nicht aufgegangen. Ich habe alles riskiert und leider auf das falsche Pferd gesetzt. Es fällt mir schwer, schon wieder bei Null anzufangen. Ich bin langsam in einem Alter, in dem man den Berufsanfang hinter sich lässt und Karriere macht oder sich zumindest etabliert und ein Stück Sicherheit bekommt. Ich kann nicht für die Zukunft meiner kleinen Familie planen, weil im Moment die Grundlage fehlt.

Genug gejammert für heute. Ist eh alles durcheinander. Danke für’s Lesen.

Weg vom Beruf, hinein ins Privatleben. Hier ist alles in bester Ordnung. Die beiden Katerchen wachsen zusehends. Es ist wirklich spannend zusehen, wie sie sich jeden Tag verändern. Immer neugierig, mal wild, mal schläfrig, mal kuschlig und mal kratzig – gerade jetzt spielt Neelix mit meinen Schnürsenkeln während Cricket ihm dabei zusieht, mit einem Blick, der sagt: „Darf man das? Darf man das??“ Die Zwei sind echte Goldstücke.

Bromance

Mein großes Goldstück ist grad auf der Arbeit. Noch eine Stunde, dann kommt er nach Haus. Heute fahren wir in die Heimat zu meiner Familie. Wir haben sie länger nicht gesehen. Wir bringen Grillfleisch mit und dann gibt es ein gemütliches Beisammensein. Meine Eltern wissen noch nichts von den Problemchen, die mir im Job grad entgegenschlagen.

Dass ich meinen Engel habe, ist für mich eine große Erleichterung. Er fängt mich auf und hält mich fest. Schön, dass es ihn gibt!

Niedlich gucken können sie…
… und verstecken klappt auch schon ganz gut…

 

Herausforderung

Neelix und Cricket wachsen stündlich, fast kann man ihnen dabei zusehen. Und je größer sie körperlich werden, desto größer wird auch ihre Persönlichkeit und ihr Drang, sich zu beweisen. Immerhin sind sie jetzt so gut wie stubenrein. Heute habe ich ihnen Halsbänder gekauft – aber sie sind noch zu klein und schlüpfen einfach wieder hinaus. Dafür lieben sie aber die neue weiche Fellbürste über alles. Es fällt schwer, scharfe Photos von den beiden zu machen, weil sie einfach nie stillhalten.

Heute habe ich meinen freien Nachmittag. Die Arbeit geht mir momentan jeden Tag auf den Sack und ich werde mich wohl bald nach einer Alternative umsehen. Der Chef macht einen irren Stress, weil unsere Ergebnisse so schlecht aussehen. Je schlechter die Ergebnisse, desto mehr Panik hat er um seinen Stuhl und desto mehr Druck macht er. Je mehr Druck wir bekommen, desto schlechter arbeiten wir, weil alle Motivation inzwischen flöten gegangen ist. Wir würden so gern einfach mal wieder in Ruhe unsere Arbeit machen, aber das ist nicht mehr möglich. Er hängt uns nahezu jeden Tag damit in den Ohren, wie schlecht wir sind und dass er das vor seinem Vorgesetzten ausbaden muss.

Ganz ehrlich, das mache ich nicht lange mit. Ich hab noch fast 40 Jahre bis zu meiner Rente, und ich würde die gern einigermaßen fit erleben…