Happy End

Cameron Diaz, Jude Law, Kate Winslet und Jack Black bilden die Hauptbesetzung für einen der lustigsten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Engelchen und ich saßen gestern Abend auf unserer roten Couch und haben Tränen gelacht! „Liebe braucht keine Ferien“ ist eine einfache, romantisch-schnulzige Geschichte mit hervorragender (und absichtlich leicht dominierender) Musik von Hans Zimmer.

Als uns spätabends einfiel, dass ja in der Nacht die Uhren zurückgestellt werden und Schatzi deshalb erst eine Stunde später zur Arbeit muss, hätten wir ihn fast gleich nochmal angesehen. Wir sind dann aber doch lieber schlafen gegangen.

Der Wecker schubste meinen Engel heute früh um sechs Uhr aus den Federn und ich beschloss, bis zu seiner Rückkehr sein Bett warm zu halten. Blöd, wenn man morgens nach dem Aufwachen wieder einschläft, ich träume dann immer einen ziemlichen Mist zusammen, zum Beispiel dass wir mitten in dunkelblauer Nacht bei kaltgrauem Nebel den Eingang zu IKEA nicht finden können und durch die Gegend irren…

Nachdem ich um 11 Uhr (also eigentlich um 12 Uhr) unter der Bettdecke hervorkroch, die weißen Rollos öffnete und im Schlafanzug durch die Wohnung patschte machte ich mir ein ausnahmsweise gesundes Frühstück: frisches Vollkornbrot mit Frischkäse und Kiwi. Das war sogar sehr lecker. Als ich mir zum Mittag einen Gemüse-Smoothie aus Gurke, Melone und frischem Joghurt mixte, war dann auch schon wieder Schluss mit gesunder Ernährung! Das Zeug war so widerlich wie es grün war. Bäh!

So viel mehr gibt es auch nicht zu erzählen heute. Das Wochenende ist einigermaßen ereignislos, was angesichts der verplanten kommenden Wochenenden auch nicht weiter tragisch ist.

 

Einklang

Es dämmerte bereits durch die weißen Stoffrollos vor den beiden Fenstern, als ich verpennt ein Auge öffnete und hoffte, dass wirklich Samstag ist. Nach einem Blick auf den Wecker neben meinem Bett schlüpfte ich zu meinem schlafenden Engel unter die warme Decke und kuschelte mich an ihn. Nur das leise Atmen war zu hören und ruhig hob und senkte sich sein Brustkorb. Ich betrachtete die Bilder an den Wänden, lauschte dem Samstagmorgen-Verkehr auf der Straße und genoss die Ruhe.

Wirklich blöd, dass kurz darauf der Wecker klingelte, der meinen Engel zur Arbeit schickte.
Als er in den neongelben Kleinwagen unter den großen Bäumen stieg und davonfuhr stand ich am Fenster und sog die Farben des Herbstmorgens auf. Die gelben Blätter winkten mir von den fast nackten Ästen zu und das herabgefallene Laub, das ich gestern zusammengefegt hatte, lag schon wieder verteilt auf dem Gehweg. Von den vielen Bäumen, die an der Straße stehen, schwebten nach und nach mehr und mehr herbstfarbene Blätter auf die Erde, die die Kronen seit dem Frühjahr bekleidet hatten.

Nach einer heißen Dusche und einem kleinen Frühstück sitze ich jetzt mit dem Notebook auf dem Bett und höre schon wieder ein Klavierstück. Einer der Bäume steht vor dem Fenster im zweiten Stock, und durch die sonnengelben Blätter an den dunkelbraunen Ästen leuchtet der blaue Himmel. Aus dem Schornstein des gegenüberliegenden Hauses schwebt heller Rauch in die kalte Luft des Samstagmorgens. Es ist ein wirklich gemütlich-entspannter Tag.

Ich werde mich jetzt mit einem Buch zu den beiden Katerchen ins Wohnzimmer legen und dabei eine heiße Schokolade trinken.

 

Säcke

Inzwischen ist auch die zweite Woche in meiner neuen Abteilung schon fast um. Es ist eine anstrengende Arbeit, bei der ich ziemlich viel vor dem Rechner sitze. Abends, wenn ich nach Hause gehe, bin ich ziemlich erledigt. Aber es ist eine angenehme Anstrengung. Ich muss mich nicht mehr dauernd vor Kunden rechtfertigen. Keine Preise mehr verteidigen, keine Kredite ablehnen und minütlich von einem ins andere Thema stürzen. Die Arbeit, die ich jetzt mache, ist komplett anders. Weil ich mich in dem neuen Gebiet noch gar nicht auskenne, bin ich zurzeit noch damit beschäftigt, mir alles anzulesen und mein frisches Wissen in Projektarbeiten anzuwenden. Und das alles hat mit ziemlich großen Zahlen zu tun, mit EU-Richtlinien und –Verordnungen. Das ist sogar wirklich so trocken, wie es sich anhört, aber ich fühle mich damit viel wohler als mit meiner alten Aufgabe.

Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen, kann entscheiden, wann ich welches Projekt bearbeite und wann ich Feierabend mache. Die Unabhängigkeit von Öffnungszeiten und Kundenterminen macht vieles leichter. Ich kann getrost sagen, dass beruflich erstmal wieder alles im Sack ist.

Billard mit Freunden

Damit wir nicht jeden Abend wie zwei Kartoffelsäcke vor dem Rechner oder dem Fernseher sitzen haben wir uns am letzten Wochenende aufgerafft und sind mit unseren besten Freunden in Hamburg unterwegs gewesen. Das „Gilde-Bowling“ am Wandsburger Markt ist recht groß, auch wenn es von innen dringend eine Kur nötig hat! Wir ignorierten die bekritzelten Wände, schnappten uns jeder ein Queue und versenkten zwei Stündchen lang die bunten Bälle in den Säcken eines Billardtisches. Schatzi und ich haben nicht mehr Billard (Billard!!) gespielt, seit unserem ersten Date… Und das lag ja immerhin schon fast 540 Tage zurück. Beim nächsten Mal wollen wir dort auch mal bowlen (hab ich noch nie gemacht) und indoor-minigolfen.

Vor fast zwei Wochen habe ich meinen inneren Telefon-Schweinehund in einen Sack gesteckt und verschnürt, damit ich meine Freundin Viola anrufen konnte. Sie hat sich wirklich gefreut (und war ziemlich überrascht). Wir haben eine halbe Stunde telefoniert. Sie war zum Glück noch sherrylos nüchtern, da kann man sich dann gut mit ihr unterhalten. Vorgestern habe ich dann meinen Ex-Freund Nate angerufen – auch er war überrascht. Ich telefoniere eben ungern. Dummerweise war er grad auf dem Weg ins Kino, so dass es ein kurzer Plausch wurde, den wir dann gestern Abend fortgeführt haben.

Jetzt sitz ich hier so rum, höre Klaviermusik von George Skaroulis und entspanne einfach, bis mein Engel von der Arbeit heim kommt.

Euch allen einen relaxten Abend (Zweien von Euch ganz besonders!).

Sherry Lady

Eine alte Freundin aus meinen Tagen nahe der Stadt mit den Hochhäusern heißt Viola. Viola ist eine ältere Dame mit einer bewegten Geschichte voller persönlicher Schicksale, unzähliger Erinnerungen und Erfahrungen. Erfahrungen, die sie nur zu gern mit anderen teilt, Erinnerungen, die sie mit Worten schmückt, um sie in den Köpfen ihrer Zuhörer zu konservieren.

Vor ein paar Jahren jedoch wurde sie bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt und die Zahl ihrer über die Republik verteilten Zuhörer sank einerseits aus Gründen eingeschränkter Mobilität, andererseits durch zunehmende, wenn auch in gewisser Weise liebenswürdige Schrulligkeit.

Ihre liebsten Freunde versammelt sie wenn möglich auf ihrer roten Couch in ihrem cremefarbenen Wohnzimmer im siebten Stock eines Hochhauses zweifelhafter Nachbarschaft. Auch mein Liebster und ich wurden von ihr auf diese Weise konserviert und gerade heute Abend rief sie an, um uns den versprochenen Versand des Ergebnisses anzukündigen. Wie so oft seit ihrer zunehmenden Einsamkeit wehte eine Sherryfahne durch den Draht. Sicher war dies der Grund, weshalb ich sie wohlweißlich mit dem Anrufbeantworter sprechen ließ, anstatt selbst das Publikum eines anstrengenden Monologes mit vom Alkohol geschnürter Zunge zu werden.

Das klingt sicher nicht gerade wie Worte tiefer Freundschaft. Tatsächlich ist Viola eine der liebenswertesten älteren Damen, die ich kenne. Seit jedoch der Alkohol zu einem häufigen Begleiter wurde, der die zunehmende Einsamkeit sicher ein wenig betäubt, sind die Telefongespräche zu fortgeschrittener Stunde nur mäßig erbaulich. Meine Schwierigkeit an ihrer Art Monolog ist, dass ich selten mehr zu dem Gespräch beisteuern kann als ein gelegentliches „Ah“ und „Oh“ oder ein „Tatsächlich?“, nur um zu zeigen, dass ich noch anwesend bin.

Morgen Abend werde ich sie anrufen, um ihr von meinem ersten Tag in der neuen Abteilung mit der noch immer unbekannten neuen Aufgabe zu erzählen. Von den neuen Arbeitszeiten, den neuen Kollegen und davon, wie es ist, mit dem Bus durch die Marzipanstadt zu fahren.

Erst am heutigen Nachmittag habe ich mir den Fahrplan an der nahegelegenen Haltestelle näher angesehen und herausgefunden, dass mich mein Bus morgen früh für einen Euro fünfzig um sieben Uhr siebenunddreißig in die Innenstadt bringen wird.

Der Abschied von den bisherigen Kollegen fiel auf einen Freitag überraschender Betriebsamkeit, aus meinen beiden letzten Kundenterminen wurden plötzlich vier und so blieb kaum mehr Zeit für rührende Abschiedsszenen – und ich bin nicht traurig drum, denn Gefühlsduseleien im Job liegen mir nicht. Und doch ist es ein leicht beklemmendes Gefühl zu wissen, dass am morgigen Montag die Kollegen dort weitermachen, wo ich nach zehn Jahren alles hingeworfen habe.

Morgen fange ich neu an.