Zimmer mit Aussicht

Es duftet herrlich, wenn man die Fenster weit öffnet und den nahen Frühling zu sich herein lässt! Vorfreude schon, als die hellen Sonnenstrahlen durch die Jalousien in unser Schlafzimmer fielen und unter der Nase kitzelten. Das Licht hatte sich seinen Weg hindurch gesucht und spielte so munter mit dem jungen Morgen, dass ich nicht einmal meine Augen öffnen musste um den Frühling zu spüren. Ein zufriedenes Lächeln breitete sich von einem Ohr zum anderen aus und ich schob mich behutsam unter der Bettdecke hervor. Auf Zehenspitzen schlich ich an meinem Engel vorbei, der noch friedlich schlief. Nebenan schob ich den Riegel beiseite, der mich noch von der hellen Frühlingsluft trennte und sog den Morgen in mich auf.

Auf der anderen Seite des Hauses gab sich die Sonne am hellblauen Himmel größte Mühe die frisch heimgekehrten Zugvögel bei ihrer Konzertprobe zu unterstützen. Immer wieder wechselten die kleinen Tierchen die Plätze, schwangen sich von Baum zu Baum und manch einer flog ganz woanders hin, dort, zwei Straßen weiter, wo Engel und ich uns gestern Abend dem Traum nach einer neuen Wohnung hingaben.

Moltkestraße

Die Altbauten, direkt an einem der beiden Flussläufe dieser Stadt, lassen schon von außen erkennen, wie prächtig es sein muss, dort zu wohnen. Kunstvolle Eingangstüren, große Fenster und große Balkone, dazu großzügige Räume – das lädt zum Träumen und Verweilen ein. Leider war nichts frei und das einzig freie Gebäude sah äußerlich ganz schön aus, doch wenn man hinter die frische Farbe auf der Außenwand blickt wird der Grund erkennbar, aus dem das gesamte Gebäude leersteht… Wir bogen in eine kleine Seitenstraße und entdeckten eine der wohl spießigsten Wohngegenden, die diese Stadt zu bieten haben muss. Gehegte und gepflegte Vorgärten, geschmückt mit frischen Blumen, in Teddybärenform geschnittenen Buchsbäumen, schicken Autos und Architektenhäusern, jedes Grundstück und jedes Haus so prachtvoll beleuchtet, dass man daran ablesen konnte, wie unwichtig Strompreise in dieser Straße sind. Auf einem der Grundstücke war sogar der Rasen frisch gemäht.

Nachdem wir uns über jedes einzelne Haus ausgelassen hatten machten wir kehrt und liefen träumend noch einmal die Straße entlang, die auch aus „Sex and the city“ stammen könnte…

Gerade heute haben wir einen interessanten Artikel im Netz gelesen, nachdem eine siebte Staffel der Erfolgsserie im Gespräch sein solle. Man hätte den vier Hauptdarstellerinnern bereits hohe Summen geboten, wenn sie sich für eine weitere Staffel noch einmal vereinen. Ich war ganz aufgeregt, als ich das las. Bis ich zum Ende des Artikels kam und feststellte, dass er schon vor zwei Jahren geschrieben worden war…

Jetzt ist der Sonntag bereits in den frühen Nachmittag fortgeschritten und in wenigen Minuten werde ich meinen Engel zur Arbeit fahren. Damit ist das Wochenende dann auch so gut wie vorbei.

Sei’s drum, wir freuen uns schon auf unseren Urlaub übernächste Woche. Wie schon im Dezember geht es mit der Bahn in die dänische Hauptstadt. Das Hotel ist gebucht, der Zug reserviert – nur noch die Woche überstehen und Koffer packen.

*freu*

 

Bauchgefühl

Wenn die Geburtstagsparty des Ex-Freundes Deines Freundes ansteht, so kann das durchaus zu Kopfschmerzen führen…

Als ich gestern am frühen Abend auf dem Bett lag, um ein kleinwenig vorzuschlafen – man bedenke, ich habe die Zwanziger vor vier Wochen verlassen! – pochte ein hämmernder Schmerz hinter der rechten Schläfe und nach einem ewigen Hin und Her verkündete ich zerknirscht und mit schlechtem Gewissen, dass ich wohl besser zu Hause bleiben sollte. Das gefiel meinem Hasen überhaupt nicht und fast wortlos warf er mir den Fehdehandschuh vor die Füße, den ich verärgert aufhob! Ich schob die Kopfschmerzen beiseite und kurz darauf traten wir in die Kälte der klaren Nacht. Die Windschutzscheiben der parkenden Autos waren beschlagen und würden sicher noch gefrieren.

Es war nicht weit, Mz wohnt mit seinem Freund nur einige Häuser entfernt. Wortlos liefen wir die stumpfe, knarzende Holztreppe die zwei Stockwerke durch das gelbe Treppenhaus hinauf. An der Wohnungstür begrüßte uns zuerst der Golden Retriever. Ein goldiges Kerlchen! Die Party war schon in vollem Gange, wir waren etwas spät dran. Weil ich mich über meinen Hasen geärgert hatte und mit Kopfschmerzen auf die Party gegangen war nahm ich mir vor, mich heute so richtig zu betrinken. Da kommt das Kind im Manne wieder durch… Das Buffet war zum Glück noch sehr reichhaltig. Wir labten uns an Kasseler, Hackbällchen und Salaten und legten damit eine ordentliche Grundlage. Vom Essen besänftigt war ich schon sehr bald überhaupt nicht mehr sauer und hielt in der Rechten meines Liebsten Hand und in der Linken das erste Bier.

Ich trinke fast nie, und wenn, dann nur wenige Dinge, weil ich das meiste nicht mag (was aus mehreren frühen Erfahrungen mit dem einen oder anderen Getränk hervorgeht). Im Gepäck hatte ich eine Flasche Sambuca, nichts geht über Sambuca! Nach dem Bier und ein paar Sauren hielt ich den Sambuca dann auch für kalt genug und teilte mit Söhnke. Herrlich! Das geht runter wie nichts! Nach ein paar davon und ein wenig mehr Sauren ging es mir ziemlich gut. Kopfschmerzen? Vielleicht morgen früh… Zwischendurch gab es dann noch ein paar Brotstücke, sicher ist sicher. Auch mein Hase war schon ziemlich doon.

So gut gelaunt verflog die Zeit bis ich plötzlich sehr müde wurde. Ich hatte meinen Engel auf dem Schoß und merkte deutlich, dass ich nichts mehr trinken durfte. Kurz darauf verabschiedete ich mich und wankte zufrieden nach Hause. Die Kälte konnte mir nichts mehr anhaben und ein Glück für mich, dass an der Auffahrt zu unserem Heim die Hausnummer vorn an der Straße steht…

Als mein Schatz viel viel später zu mir unter die Bettdecke krabbelte erinnerte ich mich nur daran, dass ich vorhin ins Bett geplumpst war. Augenblicklich waren wir lallend in ein munteres Gespräch vertieft, an dessen Inhalt ich mich längst nicht mehr erinnern kann. Dann schliefen wir aneinandergekuschelt ein.

Die Kopfschmerzen blieben heute aus – jedenfalls bei mir. Meinem Hasen ging es gar nicht gut. Und dass er nachmittags arbeiten musste machte es nicht wirklich besser. Zum Glück gelang es ihm, seinen Dienstbeginn etwas nach hinten zu verschieben. Jetzt sitze ich im Schein meiner alten Schreibtischlampe bei einer heißen Pizza und warte auf seinen Feierabend. Noch eine Stunde. Und morgen beginnt meine neue Arbeitswoche.