Herausforderung

Neelix und Cricket wachsen stündlich, fast kann man ihnen dabei zusehen. Und je größer sie körperlich werden, desto größer wird auch ihre Persönlichkeit und ihr Drang, sich zu beweisen. Immerhin sind sie jetzt so gut wie stubenrein. Heute habe ich ihnen Halsbänder gekauft – aber sie sind noch zu klein und schlüpfen einfach wieder hinaus. Dafür lieben sie aber die neue weiche Fellbürste über alles. Es fällt schwer, scharfe Photos von den beiden zu machen, weil sie einfach nie stillhalten.

Heute habe ich meinen freien Nachmittag. Die Arbeit geht mir momentan jeden Tag auf den Sack und ich werde mich wohl bald nach einer Alternative umsehen. Der Chef macht einen irren Stress, weil unsere Ergebnisse so schlecht aussehen. Je schlechter die Ergebnisse, desto mehr Panik hat er um seinen Stuhl und desto mehr Druck macht er. Je mehr Druck wir bekommen, desto schlechter arbeiten wir, weil alle Motivation inzwischen flöten gegangen ist. Wir würden so gern einfach mal wieder in Ruhe unsere Arbeit machen, aber das ist nicht mehr möglich. Er hängt uns nahezu jeden Tag damit in den Ohren, wie schlecht wir sind und dass er das vor seinem Vorgesetzten ausbaden muss.

Ganz ehrlich, das mache ich nicht lange mit. Ich hab noch fast 40 Jahre bis zu meiner Rente, und ich würde die gern einigermaßen fit erleben…

 

Tierischer Nachwuchs

Heute Mittag starten wir einen Besuch bei Schatzis Familie. Durch unseren Umzug sind wir lange beschäftigt gewesen und haben sie daher schon ein paar Wochen nicht mehr gesehen. Der heutige Besuch jedoch dient einem ganz bestimmten Zweck: Wir bekommen Nachwuchs! Na ja, nicht in herkömmlichem Sinne natürlich. Wir bekommen zwei kleine weiße Baby-Kätzchen. Sie sind erst vier oder fünf Wochen alt, aber weil es auf dem Hof so viele Katzen gibt, kümmert sich die Mutter nicht mehr richtig um die Kleinen. Heute schauen wir sie uns an und dann nehmen wir das Geschwisterpaar mit nach Hause. Das wird aufregend. Die sind noch sooo klein! Mein Aquarium habe ich ja meinem Bruder und seiner Frau geschenkt, das wäre für den Altbau-Fußboden sicher zu schwer gewesen. Aber so kleine Fellkugeln…

Wir haben gestern schon einen Start-Einkauf in der Zoohandlung getätigt. Welches Futter, welcher Schlafplatz, welches Streu und so weiter. Nur auf Namen konnten wir uns noch nicht einigen… Hat jemand ’ne Idee?

Und hier sind die zwei:

Willkommen zu Hause.

 

Anfang und Ende

Ein Müllwagen schickt von der Straße laute Geräusche reinigender Betriebsamkeit herauf. Es ist Mittag, die Mai-Sonne steht im Zenit und lässt die Vögel verstummen. Wenn ich an eines der hohen Fenster trete wünschte ich, der Garten, der zu unserer neuen gemeinsamen Wohnung gehört, wäre schon ansatzweise fertig. Aber noch liegt dort unten eine tote Baustelle und wartet auf fleißige Hände. An der Hauswand lehnt eine große Zimmerpflanze, die erst zurechtgestutzt werden muss, ehe sie Zutritt in unsere Gemächer erhält. Um sie herum wächst Unkraut, ein Sandhaufen und ein abbruchreifer Unterstand mit Asbestdach. Ein tiefes Loch verletzt den leblosen Boden. Große, schwere Betonringe sind dort eingelassen, wo später das Regenwasser ablaufen soll.

Tapetenwechsel

Die ersten beiden Wochen dieses Monats haben wir noch in der alten Wohnung verbracht, die es in einem ganzen Jahr nicht geschafft hat, sich wie ein richtiges Zuhause anzufühlen. Das, was sie nicht fertig brachte, gelang der neuen Wohnung binnen weniger Tage. Es sind Restarbeiten, die wir in der ehemaligen Behausung im Keller eines Mehrfamilienhauses zu erledigen haben, bevor wir sie endgültig los sind. Aber nichts zieht mich wirklich dorthin. Kleinkrempel, Regale und allerhand Zeugs, das irgendwie für eine wohnliche Atmosphäre sorgen sollte, sind im neuen Heim überflüssig. Wir haben hier schon alles, was wir brauchen. Fast alles.

In dieser Woche habe ich vom Tod des Claudius erfahren. Auch, wenn ich seine Texte nicht aufmerksam verfolgt habe, macht es mich traurig zu wissen, dass er nicht mehr weiterschreiben kann. Keine Photos mehr, keine Aquarelle, keine Weisheiten, keine Lebensfreude. Bleibt die Gewissheit, dass er so viele Menschen berührt hat. Er hat sie inspiriert, getröstet und aufgebaut.