Alles hat ein Ende

Wow, die Woche hatte es wirklich in sich! So viele Kundengespräche hatte ich noch nie und so viele Produktverkäufe auch nicht. Es hat tierisch Spaß gemacht! Und jetzt bin ich so K.O., dass ich froh bin, morgen nicht zur Akademie zu müssen!!

Pünktlich um zehn nach sechs heute früh sprang meine Stereoanlage im Schlafzimmer an. In dem Moment war ich zu allem bereit! – nur nicht zum Aufstehen… Ich vergrub mich unter dem Kopfkissen, da war es warm und dunkel und leise. Dann, kurz bevor mir der Sauerstoff ausging, fiel mir ein, dass ich die Tresorschlüssel hatte und willigte letztlich ein mich aus dem Bett zu rollen. Träge und mit kleinen Schlitzaugen schlurfte ich rüber ins Bad, stieß mir den kleinen Zeh an der Waschmaschine und erinnerte mich gerade noch rechtzeitig, dass man sich vor dem Duschen auch ausziehen sollte…

Der Kaffee danach war meine Rettung! Frisch und duftend aus meiner Senseo, dazu frisches Weißbrot vom Bäcker und dick Marmelade drauf, aus der Stereoanlage lief inzwischen irgendwas von James Blunt, draußen bog sich die Birke vor dem Haus im starken Wind und Regentropfen fielen massenweise aus den grauen Sturmwolken. Es sah so richtig ungemütlich aus draußen.

Der Arbeitstag verging geschäftig und ziemlich schnell. Für abends hab ich mich mit den Kolleginnen verabredet, denn unsere kleine Filiale ein paar Dörfer weiter wird geschlossen und der Kollege, der nach vielen, vielen Jahren dort heute seinen letzten Arbeitstag in seiner Filiale verbrachte, verstärkt ab nächster Woche unser Team. Gemeinsam fuhren wir zu ihm und „feierten“ das Ende seiner Filiale. Viele Kunden waren gekommen, um ihn in ihrem Dorf zu verabschieden. Traurig schön.

So. Und was ist jetzt?

WOCHENENDEEEEEEEE!!!

 

Erleuchtungen

Es ist reichlich spät geworden und ich bin ein wenig müde – ich hoffe man kann meine Schrift noch entziffern! Na so schlimm wird’s wohl nicht werden.

Ich hatte einen wirklich schönen Abend! Nach einem geschäftigen Vormittag und einem eher faulen Nachmittag habe ich meine Freundin U. um halb acht zu Hause abgeholt. Um acht Uhr sollte ja der Vortrag beginnen, von dem ich Dienstag geschrieben habe. Auf dem Weg in den „Kulturhof“ einigten wir uns darauf, möglichst ohne Erwartungen in die Veranstaltung zu gehen. Thema war „Buddhismus im Westen“ und natürlich hatte ich dennoch gewisse Vorstellungen, was ich dort erwarte.

Als wir den hübschen Veranstaltungsraum betraten standen da sechs kleine schwarze runde Tische mit jeweils drei Stühlen drumrum und kleinen Getränkefläschchen drauf. Alles war auffällig übersichtlich und familiär. Wir suchten uns einen Tisch aus und setzten uns zu einer Frau, die einen aufgeklärten und sympathischen Eindruck machte. Wir kamen auch gleich ins Gespräch über verschiedene Dinge bis der Vortrag begann.

Rednerin war eine Österreicherin mittleren Alters, die inzwischen in Kiel lebt. Sie war sehr fröhlich und wirkte entspannt, trug eine Art (künstlichen) Pelz auf den Schultern und spielte dauernd mit ihrem fülligen und langen Haar. Interessiert lauschte ich dem, was sie uns zu erzählen hatte, aber nach einer Weile hatte ich wirklich Schwierigkeiten ihr zu folgen… Ich begriff zwar, dass sie den Buddhismus verstanden und verinnerlicht hat, aber ihr Vortrag enthielt eine Menge Ausflüge in ihre ganz persönlichen Interpretationen und in Gleichnisse, die sich mir nicht so schnell erschlossen, wie sie es wohl hätten tun sollen. Zwischendurch erwähnte sie, dass wir im Anschluss an den Vortrag gemeinsam meditieren würden. Zunächst sträubte ich mich innerlich dagegen, hier mit fremden Leuten zu meditieren, aber dann sagte ich mir, dass ich hergekommen bin um meinen Horizont zu erweitern und entschied, vielleicht doch mitzumachen.

Die meisten der Zuhörer gehörten dem städtischen buddhistischen Zentrum an. Das hat mich eigentlich schon länger interessiert und ich hatte mit dem Gedanken gespielt, mich so etwas mal anzuschließen. Allerdings kann ich mit dem Buddhismus auf meine eigene Art und Weise am besten umgehen und möchte dafür nicht einer Gruppe beitreten, und der heutige Abend hat mich darin bestätigt. Der Vortrag enthielt nicht die Art von Information, die ich erhofft hatte. Er war vielmehr Werbung für den Buddhismus an sich und insbesondere für eine bestimmte Interpretation buddhistischer Lehren. Die Schwerpunkte deckten sich kaum mit meinen eigenen, mir wichtigen Schwerpunkten und wirklich neues habe ich heute nicht erfahren.

Eine Erfahrung der besonderen Art war dann die Meditation. Sie las langsam aus einem Buch vor, das Anweisungen enthielt, die nur schwer umzusetzen waren. Uns wurde diktiert, was wir uns vorstellen sollen und welche Wirkung das auf uns haben sollte. Mir fiel leider sowohl die Vorstellung schwer als auch die Wirkung, die logischerweise bei mir nicht eintrat. Als dann die Mitglieder des buddhistischen Zentrums (also die meisten der Anwesenden) auf einmal ein langgezogenes „oommmmmmmm“ und andere Laute von sich gaben war mir spätestens klar, dass ich nach der Meditation verschwinden würde.

Wenn auch von diesen Leuten der Buddhismus ganz anders gelebt wird als von mir und wenn der Abend bis dahin auch ganz anders verlaufen war, als ich es gedacht hatte, so hatte ich dennoch meinen Horizont etwas erweitern können. Ich habe mal etwas ganz anderes und durchaus außergewöhnliches gemacht. Und bei aller Offenheit für neue Dinge möchte ich einem buddhistischen Zentrum jetzt erstmal nicht beitreten. Ehrlich gesagt kam mir das ganze eher wie eine Selbsthilfegruppe vor. Weil der Buddhismus eine von mir gelebte Lebenseinstellung ist, wäre mir eine „Moderation“ meines Lebens – und ich habe das Gefühl, dass es das wäre – in so einer Gruppe unangenehm.

Nachdem U. und ich die Veranstaltung nach der Meditation (bei der ich mich nicht im Geringsten entspannen konnte) verlassen hatten, gingen wir ein wenig spazieren und tauschten uns aus. Sie hatte es ganz genauso erlebt wie ich und wir stimmten zu hundert Prozent überein. Aber die Erfahrung war es auf jeden Fall wert und wir belohnten uns anschließend mit einem Cocktail in der Innenstadt. Jetzt bin ich grad wieder zu Hause und werde langsam mal in mein Bett verschwinden – ohne „oommmm“ und dergleichen, aber mit der Gewissheit, einen durchaus interessanten Abend verlebt zu haben.

 

Licht und Schatten

So strahlende Laune, wie ich sie noch gestern Abend hatte, hält in der Regel selten zwei aufeinanderfolgende Tage. Es ist wirklich nicht so, dass ich heute schlecht drauf wäre, aber ich bin irgendwie… schlecht drauf. Und gibt es einen Grund dafür?

Hätte ich geahnt, dass das Unwetter, das gestern noch so motiviert an meiner Wohnung im sechsten Stock vorbeigezogen ist, sich nur 60 Kilometer weiter südlich zu einem Tornado entwickelt und zwei Menschen das Leben kostet, hätte ich es nicht in so farbenfrohen Worten beschrieben.

Aber das ist es nicht.

Ich hatte heute wieder wahnsinnig viel Arbeit und einige erfolgreiche Kundengespräche. Abends war ich ziemlich erledigt, musste aber dringend so eine Art Frühjahrsputz in meiner Wohnung erledigen, weil es hier aussah wie nach einem…

Aber das ist es auch nicht…

Unser Filialleiter hat uns heute eröffnet, dass er sich woanders hin beworben und die Stelle bekommen hat. Er war nicht wirklich lange in unserer Filiale, etwas über ein Jahr. Er hat sich immer sehr unauffällig verhalten, was in mancher Hinsicht wirklich vorteilhaft ist. Es ist schade, dass er geht.

Aber… auch das ist es nicht. Was ist es dann?

Mein jüngster Bruder hat heute Geburtstag. Er ist heute 14 Jahre alt geworden und ich hätte es fast vergessen. Oh nein, keine Sorge, ich komme nicht wieder mit einer Midlife-Crisis, auch wenn ich im nächsten Jahr 30 werde. Kein Problem, alles ist gut.

Es ist düster draußen. Von rechts nähert sich ein Flugzeug, ich kann das Scheinwerferlicht sehen. Vermutlich muss es vor Hamburg noch eine Warteschleife drehen, die führt regelmäßig durch diese Gegend. Aus der anderen Richtung kommt helles Blinklicht. Ein Hubschrauber, das kann man deutlich hören. Auf der Bundesstraße zieht ein gelbblinkender Schwertransport eine Menge Autos hinter sich her, während vorweg ein Polizeiauto mit Blaulicht fährt. Ganz schön viel Verkehr für diese Uhrzeit und überall blinkt es weiß und gelb und blau…

Während ich diese Worte in mein Schreibprogramm tippe, versuche ich diary-z zu öffnen, aber es funktioniert nicht. Na ja… ganz langsam vielleicht. Der grüne Hintergrund ist schon zu sehen – es ist doch grün, oder? Heute lief die letzte Episode der „Gilmore Girls“ – die letzte der fünften Staffel. Ich Penner hab natürlich pünktlich wieder an irgendwas anderes gedacht und irgendwann beim Durchzappen bemerkt, dass die Folge schon fast zuende war. Aber halb so wild, ich hab mir die ganze Staffel schon runtergeladen. In Österreich lief die fünfte anscheinend früher als bei uns. Vielleicht bin ich deshalb gerade etwas down. Besonders fröhlich hat sie nicht geendet…

Morgen Abend werde ich mir einen Vortrag zum Thema „Buddhismus im Westen“ anhören. Ich muss nicht einmal weit fahren dafür, es findet in der Stadt mit den Hochhäusern statt. Na, habt Ihr Euch gemerkt, wie weit das von hier ist? Zwei Freunde kommen morgen mit. Mit den beiden werde ich morgen auch wieder meine Waldlauf-Saison starten. Der letzte Lauf war irgendwann im Spätsommer letztes Jahr und langsam wird es wieder Zeit. Das Wetter ist jedenfalls keine Ausrede mehr…

 

Sommerlaune

Es ist schon dunkel draußen – trotz Zeitumstellung! Mein Tag war irre anstrengend, ich hatte ein Kundengespräch nach dem anderen und wurde mal wieder so richtig gefordert! Aber das war so produktiv und hat so viel Spaß gemacht, dass ich heute irre gute Laune habe! Meine Freundin U. ist seit heute frisch gebackene Diplom-Ingenieurin, das haben wir grad mit nem Essen gefeiert und das Wetter war heute richtig schön kräftig! Wolken in allen möglichen kraftvollen Grautönen, ein warmer Frühlingswind, der Figuren draus gebaut hat und leiser Regen. Regen! Nicht Schnee und Eis und so, einfach ein lauer Frühlingsregen! Und danach ein goldener Himmel mit einem Riiiiiesenregenbogen, einmal komplett über die Stadt mit den Hochhäusern gespannt. Ganz schön schön! Und im Radio läuft grad Pohlmanns „Wenn jetzt Sommer wär“, das ist gerade sowas von genau das Richtige! Allen einen schönen Abend!!

 

Push!

Es ist Freitagabend. Es ist ungefähr 21 Uhr. Es ist… Partytime!

Wenn nicht… ja, wenn nicht morgen wieder die Arbeit auf mich warten würde. Heute und morgen findet in meiner Filiale ein so genanntes „Teamtraining“ statt. Die ganze Mannschaft muss in Gruppenaktivitäten die Stärken und Schwächen herausarbeiten und die Zusammenarbeit sowie die Arbeit am Kunden forcieren.

Zugegeben, der Coach ist gut, zitiert keine Lehrbücher und schafft eine plastische und angenehme Atmosphäre. Wir haben heute viel Motivation erhalten, und wenn das alles auch nicht wirklich neu war, so ist es nicht verkehrt, von Zeit zu Zeit mit der Nase drauf gestoßen zu werden. Aber anstrengend ist das, den ganzen Tag (bzw. heute Nachmittag) so gepusht zu werden, ganz ehrlich. Mir brummt der Schädel und wenn ich daran denke, dass ich bis morgen Abend wieder in der Firma sitzen muss… na ja, ich könnte mir ein schöneres Wochenende vorstellen. Ab nächster Woche hab ich die Wochenenden wieder frei, Ihr könnt mir glauben, dass ich mich darauf wirklich freue!

Am Sonntag bekomme ich Besuch aus Nordrhein-Westfalen. Ich freue mich immer, wenn die beiden zu mir kommen. Ich muss sie mal wieder besuchen, kenne ihre neue Wohnung noch nicht. Aber ich muss auch noch einen ganzen Stapel anderer Freunde besuchen, von meiner eigenen family ganz zu schweigen. Mein Ex-Freund Nate fährt gerade mit zweien seiner Freunde zu einem gemeinsamen Freund nach Berlin. Er hat mir am frühen Abend eine SMS geschickt, als ich noch auf der Arbeit war. Danach hatte ich keine Lust mehr und hab mich geärgert. Ich kann nicht einmal sagen, wieso. Vielleicht könnte ich das, aber ich will es nicht aufschreiben…

Ansonsten war heute (Vormittag) die Arbeit ziemlich durchwachsen. Ich hatte ein erfolgreiches Kundengespräch, ein erfolgloses Kundengespräch und einen Kunden, der wegen einer lächerlichen Lappalie (für die ich nicht mal was kann) jetzt sein Geld nimmt und die Bank wechselt. Jedenfalls hat er das gesagt. Danach war ich ziemlich mies drauf.

Mehr als Arbeit gab es heute nicht bei mir, daher auch keine News aus meinem Privatleben. Mein Schnupfen scheint fest bei mir eingezogen zu sein und mein Schädel brummt – ach das hatte ich schon. Danke für Eure Besserungswünsche, bin bald wieder fit, versprochen.

Ereignisse

Zur Zeit überschlagen sich die Ereignisse. Gestern hatte ich einen freien Nachmittag und habe meiner kleinen Schwester mein kleines Aquarium geschenkt. Musste es auf meinem Dachboden erst einmal freiräumen. Da lag so viel Unsinn, Pappkartons und Zeugs rum, dass ich kaum durchkam. Ich hab das Becken und den passenden Unterschrank zu ihr in die Stadt mit den Hochhäusern gefahren. Ich war noch nie in ihrer Wohnung, sie wohnt erst seit kurzem dort. Als ich ankam war ihre erste Frage: „Magst nen Cappuccino?“ und die zweite Frage „Hast Du am 23. Juni schon was vor?“. Natürlich habe ich am 23. Juni noch nichts vor, so weit voraus plane ich ja nicht. „Gut. Ich heirate am 23. Juni. Willst Du Zucker oder Süßstoff in den Cappuccino?“.

Meine Schwester ist 19 und mit ihrem Angebeteten schon ganze zwei Monate zusammen. Ich musste ziemlich schlucken. Aber die Kleine hatte schon immer ihren eigenen Kopf. Natürlich habe ich nicht unerwähnt gelassen, dass ich das reichlich überstürzt finde, auch wenn ihr Freund wirklich ein netter Kerl ist. Aber wenn sich meine Schwester etwas in den Kopf gesetzt hat, dann hat niemand eine Chance, ihr das auszureden. Also lasse ich sie tun, was sie für richtig hält. Und ich hasse Süßstoff im Cappuccino…

In meiner Filiale wird eine Mitarbeiterin gefeuert. Meine Firma baut in diesem Jahr über 60 Arbeitsplätze ab und meine Kollegin hat es getroffen. Gestern hat sie es erfahren, hat jetzt noch ein Jahr und dann muss sie gehen. Sie ist normalerweise immer gut drauf, lacht viel und verbreitet gute Laune. Heute jedoch war sie natürlich niedergeschlagen und frustriert und wir konnten sie kaum aufheitern. Sie ist 50 Jahre alt, das ist ein schwieriges Alter, was einen neuen Job betrifft. Für die Rente ist das viel zu jung, aber das Jobangebot für diese Altersklasse ist leider sehr übersichtlich. Traurige Geschichte.

Gestern Abend hatte ich Besuch von zwei Freunden. Wir haben Pizza gebacken und uns das Fußballspiel angesehen. Das hat Spaß gemacht. Nach dem langen Arbeitstag heute ist mit mir nicht mehr viel los und ich werde einfach ein bisschen abhängen. Eigentlich sollte ich noch ein paar Briefe oder Emails beantworten und den einen oder anderen Anruf tätigen. Aber ich bin nicht so recht in Stimmung heute. Macht nichts. Ich wünsch trotzdem allen einen schönen Abend und hoffe, den besagten Empfängern ausstehender Zuwendungen geht nicht die Geduld aus…

 

Medizin

:: Frühlingsanfang

Nachdem ich seit letztem Mittwoch ein paar freie Tage hatte bin ich heute das erste Mal wieder in die Innenstadt gelaufen. Mir fiel gleich auf, dass überall viel weniger Schnee lag und stattdessen von den schmutzig-weißen Haufen kleine Bächlein in die Gullis rannen. Als ich an der schmalen Hauptstraße durch die Stadt lief, kam es mir unglaublich warm vor. Wir hatten ungefähr vier oder fünf Grad, aber das war immerhin schon zehn Grad wärmer als in der letzten Woche. Wie auch „Rain“ treffend bemerkte, ließ sich am Nachmittag vielerorts die frische Frühlingssonne blicken und ich habe schon die ersten Blumen gesehen, wie sie ihre zartgrünen Köpfe aus der Erde reckten. Es ist längst Zeit für sie.

:: Emergency Room

Am Vormittag habe ich das wichtige Kundengespräch wahrgenommen. Mit der verschnupften Nase muss ich einen leicht französischen Dialekt gehabt haben, aber das ging schon. Ich fühlte mich zwar nicht blendend, aber es war OK. Das Gespräch war erfolgreich, für den Kunden und für mich.

Nach der Mittagspause versuchte ich Ordnung in das Chaos auf meinem Schreibtisch zu bringen. Meine Kollegin hatte nun ihrerseits ein Kundengespräch, und als sie anschließend mit dem älteren Herren durch den Flur kam, gab es dort ein unschönes Geräusch und gleich darauf ein schmerzerfülltes Zischen. Ich sah nach, was passiert war und da stand der Mann, stützte sich an der weißen Wand ab, hinter der der Kopierraum verborgen ist, und sah furchtbar schmerzverzerrt aus. Er zischte immer wieder Worte wie „Hüfte“ und „gebrochen“ und ich schob ihm schnell einen Stuhl zu, auf den er sich setzte. Er sah aus, als hätte er gerade unglaubliche Schmerzen. Er brauchte einen Moment um sich zu sammeln und mein Chef rief einen Krankenwagen. Der kommt allerdings aus der Stadt mit den Hochhäusern, das sind nach wie vor zehn Kilometer. Dem armen Mann stand kalter Schweiß auf der Stirn und er war weiß wie die Wand. Wir versorgten ihn mit frischem Wasser und ich hoffte, er würde nicht in einen gefährlichen Schockzustand fallen, denn mit der gebrochenen Hüfte hätten wir seine Beine kaum hochlegen können. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis der Krankenwagen eintraf. Die Rettungssanitäter sprachen kurz mit dem Mann und entschieden kurzerhand zusätzlich den Notarzt anzufordern. Bis zu dessen Eintreffen legten sie ihm eine Infusion und ich sollte die Flasche mit der Kochsalzlösung halten. Die Sanitäter erklärten dem Patienten, was sie mit ihm vorhätten, während der tapfere Mann, der offenbar ein künstliches Hüftgelenk besaß, das nun im Eimer ist, sich nur um seinen Hund sorgte, der noch in der Wohnung auf sein Herrchen wartete. Mein Chef fing mit zwei Kolleginnen inzwischen die Kunden im Vorraum zu unserer Bankfiliale ab und schloss den Vorhang, um den Helfern und dem Patienten die nötige Ruhe zu geben. Als der Notarzt mit seinem grellfarbenen Turbovolvo eintraf erhielt der Mann intravenös eine ansehnliche Portion Schmerzmittel. Nach einer ganzen Weile konnten sie ihn auf die Vakuummatratze verfrachten, ohne zu riskieren, dass er vor Schmerzen das Bewusstsein verlor. Mit der Vakuummatratze konnten sie den Mann so fixieren, dass er sich nicht mehr bewegen konnte, denn jede Bewegung rief starke Schmerzen hervor. Immer noch hielt ich die Infusionsflasche und hielt mich wacker, auch als sein Blut langsam zehn bis 15 Zentimeter den durchsichtigen Schlauch nach oben wanderte. Ich beobachtete die Helfer und bemerkte erleichtert, dass sie das mitbekamen. Da sie nichts dagegen unternahmen musste ich annehmen, dass das normal ist.

Nach rund einer Dreiviertelstunde war das Spektakel zuende. Der Mann wurde auf der Trage nach draußen in den Krankenwagen geschoben und die Kunden durften wieder in die Filiale kommen. Für seinen Hund war inzwischen ein Nachbar bestellt worden und so blieb uns nur, dem armen Mann alles Gute zu wünschen und unsere Arbeit fortzusetzen.

:: Apotheke

Lächerlich ist dagegen mein nerviger Schnupfen, für den ich kurz nach dem Zwischenfall in die nahegelegene Apotheke lief. Der kleine Spaziergang tat gut und die Luft war wirklich angenehm. Jetzt habe ich also ein Mittelchen, dass meine Nasenschleimhäute entlasten soll, während der Schnupfen andauert. Die Apothekerin meinte, ich könne davon unter Umständen etwas müde werden – und sie hat recht. Nicht zuletzt aus diesem Grund habe ich jetzt genug geschrieben…

Ist es nicht Ironie, dass dies mein Eintrag Nummer 112 ist…?

 

Saturday-Night-Fever

Gestern hab ich sie endlich hinter mich gebracht: die verflixten sechs Prüfungen! Ich musste schon um fünf Uhr aufstehen, es war noch finster draußen. Kopfschmerzen begrüßten mich als erstes und eine verschnupfte Nase. Ich sah ziemlich zerwuschelt und ganz schön müde aus, als ich im grellbeleuchteten Bad in den Spiegel blickte. Ein Schauder lief mir über die Haut als die ersten Wasserstrahlen geräuschvoll aus dem Duschkopf schossen. Ich stieg in die Dusche und hätte ohne Weiteres wieder einpennen können. Ich seifte mich wie in Trance vollständig ein und spülte den Schaum dann wieder weg.

Das Frühstück fiel eher klein aus. Heißer Kaffee zum Wachwerden, Nutellabrot und meine Lernunterlagen. Ich blätterte durch „Investmentgeschäft“, „Zahlungsverkehrssysteme“ und „Steuerrecht“, um die letzten Lücken mit Material zu stopfen. Schon klingelte mein Handy. Das war das Zeichen, dass meine Fahrgemeinschaft in ca. fünf Minuten bei mir eintrudelt. Also machte ich mich fertig, packte meinen Kram zusammen und stieg in den Aufzug. Draußen war es eklig kalt, aber der Wagen war schon gut geheizt. In der Stadt mit den Hochhäusern, zehn Kilometer von hier, stiegen wir auf den PS-starken Golf um, den ich schon in einem meiner früheren Einträge vor einem halben Jahr beschrieben habe. Zu dumm, dass die hellen Ledersitze wieder eiskalt waren. Dann preschten wir ungestüm über die Landstraßen und kamen eine Stunde später in Kiel an. Sieben Uhr. Die Prüfungen sollten um acht Uhr beginnen. Eine Stunde Zeit, sich verrückt machen zu lassen.

Um acht Uhr waren alle da. Mir wurde bewusst, dass ich viele der Kursteilnehmer wohl kaum wiedersehen würde, wenn der Tag vorbei wäre. Wir haben ein halbes Jahr zusammen verbracht. Es wurde fünf nach acht, zehn nach acht und es wurde viertel nach acht. Wir dachten „na toll, das sieht nach Steuerrecht aus!“, weil die Steuerdozentin zu ihrer ersten Unterrichtsstunde zu spät gekommen war. Ich muss dazu sagen, dass wir noch keinen Schimmer hatten, in welchen Fächern wir geprüft werden sollten.
Um halb neun kam dann die Aufsicht für die ersten beiden Prüfungen. Sie entschuldigte sich, aber man hätte ihr gesagt, es gehe um halb neun erst los…

Ich hab an dieser Stelle einmal von dem Fahrer unseres Gefährts erzählt… er ist einfach nur heiß! Gestern hat er sich auf seinem Stuhl gereckt, als wollte er irgendwas von der Decke fischen. Dabei rutschte ihm sein Pulli und sein Shirt sooo hoch, dass ich seinen ganzen Bauch sehen konnte! Und seinen Bauchnabel! Mit die erotischste Stelle am Körper eines Mannes, ehrlich! Es war wirklich fies von ihm, mich so abzulenken!

Ich will jetzt nicht auf die Details der Prüfungen eingehen, jedenfalls standen wir um viertel vor drei auf dem Parkplatz, einige schrien sich die Erleichterung heraus und dann gab es Sekt für alle! Wie auch immer die Prüfungen ausfallen, wir haben es erst einmal hinter uns! Endlich nicht mehr büffeln, nicht mehr samstags nach Kiel fahren! Die Fahrt nach Hause war irre entspannt und fröhlich, und das lag sicher nicht an dem Schluck Sekt.

Für abends hatte ich mir Freunde eingeladen. Ich wollte feiern! Hab ich dann auch, aber richtig gut ging es mir nicht, mein Kopf schien auf die Größe eine Kürbis anzuschwellen (fühlte sich jedenfalls so an) und meine Nase hatte ich inzwischen weggeputzt. Als ich gegen halb zwei schlafen ging, fühlte ich mich fiebrig und ziemlich erschöpft. Beim Wachwerden heute Mittag hatte ich fast keine Stimme und richtig gut geht es mir immer noch nicht. Natürlich hat heute keine Apotheke in der Nähe auf, wo ich Erkältungsmedizin kaufen könnte.

Morgen möchte ich unbedingt arbeiten. Ich habe ein Kundengespräch, auf das ich mich schon seit anderthalb Wochen freue. Vielleicht schaffe ich es ja, bis morgen gesund zu werden…

 

Entscheidung am Morgen

So schnell hab ich keine Antwort erwartet. 17 Stunden ist das Gespräch her und gerade kam der Anruf.

Die nette Dame meinte, ihr hätte das Gespräch viel Spaß gemacht und ich hätte einen wirklich super Eindruck gemacht *freu* – aber… ein Bewerber vor mir kann bereits zum 01. April anfangen (statt wie ich zum 01. Juli).

Verdammt.

Sie erwartet ganz fest, dass in Kürze eine weitere Stelle ausgeschrieben wird. Aus diesem Grund behält sie meine Unterlagen da und würde dann als erstes auf mich zukommen. Das ist auch in Ordnung für mich, obwohl mich eine Zusage natürlich richtig gefreut hätte.

 

Erledigt

Ich bin grad wieder zu Hause und habe einen großen Teller Spaghetti verdrückt. Die Strecke von mir bis Lübeck ist wirklich mehr als bescheiden. Es sind nur knapp 100 km, aber man braucht zwei Stunden!! Echt ätzend zu fahren.

Ich bin heute morgen gegen sechs Uhr wach geworden. Mein Hals tat mir weh, aber sonst ging’s eigentlich. Der Gedanke, dass ich am Samstag um diese Uhrzeit schon von meiner Fahrgemeinschaft nach Kiel abgeholt werde, ließ mich schaudern! Dann drehte ich mich wieder um, mummelte mich in meine Bettdecke und schlief noch zwei Stunden. Ich hatte ja den ganzen Tag Zeit. Mein Vorstellungsgespräch war für 17 Uhr terminiert. Ich fuhr um halb zwei hier los. Scheibenwasser nachgefüllt, vollgetankt und ab die Post! Alles in allem ist die Strecke nicht schwierig, nur ätzend kurvige Landstraße. Kaum Chancen, die vielen LKW zu überholen. Aber ich bin angekommen und sogar im Lübecker Stadtverkehr hab ich mich zurechtgefunden. Ich stellte meinen Kleinwagen in einem Parkhaus ab und stiefelte erst einmal drauf los. Ich hatte noch Zeit, es war gerade kurz nach halb vier. Als erstes lief ich einmal um den Block auf der Suche nach der Firma. Dummerweise habe ich eine ganze Weile nach Straßennamen suchen müssen und bin etwas planlos durch die Fußgängerzone geirrt. Aber dann hab ich’s doch gefunden. Inzwischen wünschte ich mir, ich hätte mich wärmer angezogen, es war lausig kalt! Ich vertrieb mir die Zeit damit, mich etwas umzusehen, aber bei dem nassfrostigen Wetter ist Lübeck auch nicht unbedingt hübsch. Um mich aufzuwärmen durchstöberte ich Karstadt und bald schon war die Zeit um. Ich verließ den Laden, um pünktlich zum Gespräch zu kommen. Ich erschrak ganz fürchterlich, als die Kirchturmuhr in der Nähe zwei Minuten vor fünf anzeigte! Mein Handy hatte doch zwanzig vor fünf gesagt… Ich suchte nach einer anderen öffentlichen Uhr, konnte aber keine finden und so gelangte ich schnellen Schrittes in die Firma um die Ecke. Ich betrat die große moderne Kundenhalle und schaute mich um, konnte aber auch hier keine Uhr finden. Irgendwann ging ich auf einen Mitarbeiter zu und sagte, ich hätte einen Termin in der Personalabteilung mit Frau sowieso. Er bat mich Platz zu nehmen, man würde mich dann gleich abholen. Und endlich fand ich die Uhrzeit! Viertel vor fünf! Puh!

Frau dingsbums holte mich kurz darauf ab. Sie strahlte mich förmlich an, ist ungefähr in meinem Alter und machte einen sehr netten und ungezwungenen Eindruck. Das war schon mal gut. Sie nahm mich mit durch ein Labyrinth aus Türen und Räumen und irgendwann kamen wir in ihrem Büro an, in dem Herr bumsdings schon auf uns wartete. Die beiden (beide sind nur drei Jahre älter als ich) führten das Gespräch, stellten viele Fragen, die ich geduldig beantwortete und ich denke, es ist ganz gut gelaufen. Sie haben das Gehalt konkretisiert, gefragt, wann ich würde anfangen können und möchten nun noch mein Abschlusszeugnis haben. Dann würde sich alles schnell entscheiden, weil ich der letzte Bewerber war.

Tja. Nun heißt es warten und hoffen. Dummerweise bin ich heute nicht ganz fit, nach dem Gespräch, das eine Dreiviertelstunde gedauert hat, bemerkte ich Kopf- und Halsschmerzen und ich war plötzlich müde und schlapp. Während ich ursprünglich in Lübeck etwas hatte essen wollen, machte ich mich auf den langen Heimweg. Wieder zwei Stunden Autofahrt und es wurde schon dunkel. Jetzt werde ich gleich ins Bett fallen, bin ziemlich K.O.

Morgen muss ich dann die letzten Reste für die Prüfungen in mein Kurzzeitgedächtnis prügeln und Samstag geht’s dann los. Ich mag nicht mehr.

Danke für’s Daumendrücken und einen schönen Abend wünscht ein erschöpfter Lacarian.