Königlicher Urlaub

06:08 Uhr: Aufstehen.
06:15 Uhr: Taxi zu 07:05 Uhr bestellen.
07:00 Uhr: Mit dem Taxi zum Bahnhof. Es schneit.
07:15 Uhr: Wir sind fast eine Stunde zu früh am Bahnhof, also Frühstück im Bistro.
08:01 Uhr: Warten am Bahnsteig auf den Eurocity nach Kopenhagen.
08:07 Uhr: Pünktliche Abfahrt im dänischen Kurzzug. Wir teilen die Plätze mit einem Deutschen (vermutlich Lehrer) und einem Ausländer (vermutlich Franzose).
09:10 Uhr: Der Zug fährt auf die Ostseefähre in Puttgarden. Überfahrt nach Dänemark. Die Ostsee ist aufgewühlt, es regnet.

Wir begegnen dem Schwesterschiff.

09:55 Uhr: Ankunft in Rødby und Auftritt des Drogenspürhundes. Kurz darauf Passkontrolle im Zug durch die dänische Polizei. Wir sind unschuldig…
10:15 Uhr: Der Zug hält außerplanmäßig an einem kleinen dänischen Bahnhof. Wir drücken unsere Nasen an der Fensterscheibe platt und zwei Männer werden abgeführt. Der Hund schnüffelt weiter herum und die Polizei durchleuchtet den Zug. Sie scheinen etwas zu suchen…
10:25 Uhr: Die Reise geht weiter.
11:59 Uhr: Copenhagen Central Station. Wo geht’s lang??

Wo geht’s lang?

Es ist eisig, dennoch regnet es anstatt zu schneien. Schatzi und ich haben beide keinen Plan, wo es langgeht, also gehen wir rechts von Bahnhof die Straße herunter. Als uns einfällt, dass auf der Reservierungsbestätigung die Adresse unseres Hotels steht machen wir kehrt und laufen mit Sack und Pack am Bahnhof vorbei in die entgegengesetzte Richtung. Viele Hotels lassen wir links und rechts liegen, warten brav an einer roten Ampel und erreichen dann den Durchgang zu einer kleinen Tür, die wohl den Eingang darstellt. Weil sich die Tür nicht öffnen lässt warten wir bis jemand kommt. Kurz darauf erscheint eine kleine Reisegruppe. Eine in schwarz gekleidete Dame läutet. Wir ergreifen die Chance und schlüpfen mit hinein. Im ersten Stock finden wir die… Rezeption. Schatzis Kommentar: stylisch. Der kleine Raum beherbert zur Zeit vier Angestellte, die mit Laptops an kleinen runden Tischchen sitzen und lächeln. Eine blonde junge Frau lädt uns zu Ihrem Platz ein. Da ihre Deutschkenntnisse nur rudimentär sind, checken wir englisch ein.

Unser Zimmer Nummer 214 befindet sich in der zweiten Etage des Nachbargebäudes. Wir begutachten unser Domizil hingebungsvoll. Das Himmelbett ist sehr gemütlich. Uns plagt der leere Magen und so ziehen wir los, um ein Stück Kuchen und eine heiße Schokolade zu genießen – wobei „genießen“ hier nicht ganz passt, ich glaube, die Milch ist schlecht… Nach dem Verzehr der Kuchen (der wiederum sehr lecker ist) suchen wir das Weite und überlassen die heißen Schokoladen der netten blonden Serviererin.

Es regnet immer noch, als wir ein paar Blocks weiter die Touristeninformation aufsuchen. Den Stadtplan erhalten wir gratis und noch dazu eine Menge Info-Krams.
Auf der anderen Straßenseite liegt das weihnachtlich erleuchtete „Tivoli“, der Freizeitpark inmitten der Hauptstadt. Zum Verweilen jedoch ist die Luft heute zu kalt und zu nass. Der Wetterbericht für morgen verspricht immerhin besseres Wetter, und so beschließen wir, schnell dorthin zu gehen, wo wir uns von unserem letzten Besuch schon bestens auskennen. Europas längste Fußgängerzone lädt zum Bummeln und Shoppen ein, wobei nach den obligatorischen Postkarten ein paar Handschuhe hermüssen. Wir laufen in leichtem Regen bei starkem Wind bis zum Binnenhafen „Nyhavn“ – der Weihnachtsmarkt ist an diesem regnerischen Montagnachmittag jedoch verwaist. Wir queren den Hafen über eine Brücke und laufen zurück. Etwas zu Essen muss her, es muss schnell gehen und einfach (zu bestellen) sein…

Das Café Norden – Glück, wenn man einen Platz bekommt…
… und die Köstlichkeiten genießen kann.

Vor „Burger King“ liegt der „Radhuspladsen“ mit einem riesigen Weihnachtsbaum. Im Hintergrund leuchtet wiederum das „Tivoli“ in weihnachtlichem Lichterzauber. Froh über die Sitzmöglichkeit halten wir uns im Trockenen eine Weile auf. Um 18 Uhr gehen in den umliegenden Geschäften die Lichter aus. Es ist natürlich noch zu früh, um ins Hotel zurückzugehen. Also laufen wir die Fußgängerzone noch einmal zur Hälfte hinauf und setzen uns in die gemütlich-urbane Atmosphäre des „Café Norden“, jenen Lokals, das wir schon vor drei Monaten von außen bewundert hatten.

Das Hardrock-Café in Kopenhagen liegt direkt am „Tivoli“. Die Musik ist angenehm laut und an der Bar warten zwei freie Stühle auf unsere durchgefrorenen Hintern. Carlsberg ist die Hausmarke und so bestelle ich ein Bier. Schatzi ist etwas experimentierfreudiger und ordert die Weihnachtsausgabe. Der flippige Afro-Amerikaner zapft mit gekonnten Handgriffen mein Pils, doch bei Schatzis Weihnachtsbier gurgelt die Zapfanlage und spuckt nicht mehr als ein wenig Schaum in das große Glas. Zehn Minuten später ist das Fass gewechselt und das Glas füllt sich endlich mit dem dunklen sprudelnden Bier. Es ist sehr lustig mit meinem Engel an der Bar und noch viel lustiger nach dem zweiten Glas. Zufrieden wanken wir spät zurück ins Hotel und fallen erschöpft in einen tiefen Schlaf.

 

Vierzehn

Vierzehnuhrachtundvierzig, nur noch wenige Augenblicke bis wir im Reisezentrum der Bahn unseren Zug nach Kopenhagen reservieren werden! Ich find‘ das irgendwie aufregend!

Vierzehnuhrfünfzig. Morgen ist der erste Dezember. Der siebte Monat beginnt und mein Schatz und ich wohnen offiziell zusammen. Sehr geil!

Vierzehnuhrdreiundfünfzig. Soeben steigt Engelchen in die Dusche. Wieso ich Zeit habe ihm dabei zuzusehen? Ganz einfach: Wir haben heute einen freien Tag! Für mich ist es einfach der Ausgleich für einen geopferten Samstag vor zwei oder drei Wochen. Für uns ist es ein Vorgeschmack auf den Urlaub! Morgen gehen wir beide nochmal arbeiten und dann bleibt der Wecker für zwei volle Wochen stumm! Jippieh!!!

Vierzehnuhrsiebenundfünfzig. Das Frühstück und so liegt hinter uns, drei oder vier Folgen „Sex and the city“ und gerade jetzt höre ich im Radio den ersten Christmas Song 2006.

Vierzehnuhrachtundfünzig. Ich tanze zu meinem Weihnachtsengel unter die Dusche…

 

Piano forte

Obwohl wir erst gegen vier Uhr in der Frühe von der Party zurück waren, wurde ich fast mit Sonnenaufgang putzmunter. Wir hatten viel Spaß und ich entschied ziemlich bald, dass wir den Wagen stehen lassen – das geschah so in etwa zu dem Zeitpunkt als das Wort „singstar“ fiel, also nach einer Viertelstunde etwa. M. hatte am Mittwoch Geburtstag, und als sie die Tür öffnete, erinnerte ich mich, dass ich sie auf der Abschiedsparty der WG kennen gelernt hatte. Anders als auf der WG-Party waren gestern nur neun Leute anwesend, mit der Runde kam ich dann auch viel besser zurecht. Es gab zunächst nach dem allgemeinen Beschnuppern ein paar Partyspielchen. Ich hasse sowas – aber gestern fand ich es einfach genial! Es war sehr gemütlich, das Essen (Chili, Hackbällchen, Gemüse zum Dippen, etc.) war genau richtig und drei Sambuca und ein Becks Gold später trällerten wir gemeinsam ins Mikrofon, was soll’s, sind ja nicht meine Nachbarn…

Mt fuhr uns zum Glück nach Hause. Als wir heute Nachmittag den Wagen abholten, bemerkten wir erst, wie lang der Weg zu Fuß ist… Aber es war ein so schöner Nachmittag, an dem man sich mal ganz in Ruhe ohne stressigen Straßenverkehr die vielen unterschiedlichen Häuser ansehen konnte. Da sind welche dabei, die fast in sich zusammenfallen, dann stehen da Klötze, bei denen wir uns fragten, wie man da wohnen kann. Aber auch sehr schöne Häuser begegneten uns. Fachwerk, Villen und schöne Gärten, große und kleine Häuser mit alten Bäumen und birnenförmigen Erkerdächern. Doch als wir uns der Position meine neongelben Kleinwagens näherten fühlten wir uns plötzlich sehr unwohl. Was gestern noch im Schleier der Nacht verborgen lag, schrie uns jetzt in seiner ganzen Hässlichkeit an! Wohnblocks, zehn-, elf- oder noch mehrstöckig in heruntergekommenstem Zustand, Straßen, aus denen sich selbst Bushaltestellen und ganze Ampelanlagen unlängst verabschiedet hatten. Kurz bezweifelten wir, in der selben Gegend wie gestern Abend zu sein, doch als wir eine Straße weiter abbogen sahen wir mein Auto leuchten. Es stand förmlich in einer Oase, die Häuser waren relativ neu und sehr gepflegt, kaum zu glauben, wie es rundherum aussieht…. Krass!

Auf den Schreck suchten wir wieder motorisiert das Weite und beschlossen, in der Innenstadt ins Kaffeehaus einzukehren. Wir parkten am Fuße der Domkirche und liefen durch die Innenstadt, wo wir uns zum ersten Mal bewusst die meist sehr schönen Gebäude über den Läden ansahen. Als wir kurz darauf die gläsernen Flügeltüren ins Coffilio aufstießen, drang uns der volle Klang eines sehr belebten Kaffeehauses entgegen. Die meisten der runden dunklen Holztische waren belegt, die Angestellten hatten alle Hände voll zu tun. Auch mussten sie sich bemühen, stimmlich gegen den eifrigen Pianisten anzukommen, der den ganzen Raum mit Klang erfüllte. Es war irre gemütlich, drinnen so belebt mit leckerem Cappuccino und meinem Engel auf unserem Lieblingsfensterplatz, während es draußen bereits dunkel war. Die ersten Weihnachtsbeleuchtungen zaubern ein winterliches Ambiente in die Geschäftsstraßen der Innenstadt.

Das ist ein Sonntag nach meinem Geschmack. Da kann die Arbeitswoche ruhig kommen (aber auch nur, weil’s die letzte vor unserem Urlaub ist! Gleich buchen wir ein Hotelzimmer in Kopenhagen *freu*)

 

Eierschale

Eier. Toast. Nutella. Und viel Cappuccino. So lasse ich mir ein Frühstück gefallen. Nur der Engel dazu fehlt heute. Ich habe ziemlich gut geschlafen, und als ich meine Augen öffnete, hatte er auch schon seinen Arm um mich geschlungen. Perfekt, wenn nicht sein Wecker schon gedrängelt hätte. So blieb nicht viel Zeit ehe wir aus den Federn geradewegs in die Dusche sprangen und dann gleich zu seiner Arbeit. Ich hatte es gut, konnte gleich wieder nach Hause. Engelchen hingegen muss bis nachmittags arbeiten – und dabei hatte er soooooo keine Lust! Auf dem Weg zurück ließ ich die Radmuttern meiner Winterreifen nachziehen, damit mich nicht eines dunklen und kalten Tages ein Hinterrad überholt.

Nachdem ich gestern Abend meinen Engel von der Arbeit abgeholt hatte, kehrten wir in meinem Lieblingskaffeehaus ein. Marzipancappuccino und einen Brownie mit doppelt Schokolade! Draußen war es schon dunkel geworden, und vor dem großen Fenster, an dem wir saßen, rollten die Scheinwerfer vorbeifahrender Autos entang. Auf der anderen Straßenseite gibt es ein Meeresfrüchte-Restaurant, das aber nicht sehr einladend aussieht – mal davon abgesehen, dass ich keine Meeresfrüchte mag. Meine Gedanken glitten ein wenig ab und ich stellte mir vor, wie ich so ein Restaurant aufziehen würde. Ich würde das Design grundlegend ändern, schon von außen sieht es wie eine dreckige Kaschemme aus. Auch drinnen scheint nicht viel Esprit zu stecken, was man so von der anderen Straßenseite hinter der Glasscheibe im Kaffeehaus bei Cappuccino und Kuchen sehen kann, wirkt langweilig…

Irgendwann hatten wir zuende genossen und machten uns auf den Weg nach Hause. Der klappernde Briefkasten gab wieder mal nicht mehr her als Werbung und klamme Zeitung, aber immerhin auch keine Rechnungen. Den Rest des Abends verbrachten wir ganz in Ruhe mit dem Einkleben unserer Urlaubsfotos von vor einigen Wochen in ein großes Album.

Jetzt ist mein Frühstück gegessen und der Rest des Tages kann kommen. Heute sind wir zu zwei Geburtstagen eingeladen. Gestern hatte eine liebe Freundin aus der Heimat Geburtstag. Ich Schussel hab natürlich die Karte einen Tag zu spät abgeschickt, aber ganz gegen meine Gewohnheiten hab ich mal nach dem Telefonhörer gegriffen – und sie prompt beim Familienkaffee gestört… *seufz* Ich hasse Telefonieren. Leider hat sie erst Anfang dieser Woche eine Einladung verschickt und Engelchen und ich hatten schon einer seiner Freundinnen zugesagt, die heute Abend hier in der Stadt Geburtstag feiert.

Ich hoffe ich sehe meine Freunde bald mal wieder. Ich vermisse sie alle sehr.

 

filmreif

Loggerheads, Happyfeet, James Bond – der Herbst hat begonnen und mit ihm die Kinosaison! Ich werd mir also bald meinen Engel schnappen und mit ihm einen Filmabend in einem städtischen Kino verbringen. Ganz klassisch mit Popcorn und nem Riesenbecher Cola. Loggerheads werd ich wohl allein gucken müssen, Engelchen mag keine „Schwulenfilme“. *hmpf!* Dafür liebt er Pinguine und „Happy Feet“ ist der ultimative Winter-Pinguin-Film! Seht Euch mal die Trailer an!! Über James Bond muss ich nichts sagen, jeder kennt ihn, die eine Hälfte hasst ihn, die andere liebt ihn. Ich gestehe, für mich war James Bond immer Pierce Brosnan, aber ich bin gespannt auf den Streifen! Die Erwartungen werden ja irre hoch gezerrt – ich lass mich überraschen.

Erst das Vergnügen, dann die Arbeit. Im Moment läuft es ganz rund. Liegt es daran, dass ich bald Urlaub habe? Ich schaffe meine tägliche Arbeit gut weg und bin guter Dinge, dass das auch eine Weile so bleibt. Gestern konnte ich zum Glück wieder ein paar erfolgreiche Verkaufsgespräche führen, das sorgt dann für den Spaßfaktor, besonders, wenn nette Kunden dabei sind. Morgen und nächste Woche noch, und dann bleibt der Wecker für zwei volle Wochen stumm! Kopenhagen, wir kommen!!

 

zielführend

Chaotisch. Aber erfolgreich. So kann man den Arbeitstag beschreiben. So richtig aus dem Bett gekommen sind wir heute früh wieder nicht, mein Hase und ich. Mit vor Schlaf zugekniffenen Augen wankten wir ins Bad, und als wir wieder herauskamen, mussten wir auch schon los. Die morgendliche Zweisamkeit ist jeden Tag schrecklich kurz…

In der Firma wieder einmal minimal besetzt stürtze ich mich in das Gewühl aus Arbeit, die ich gestern Abend unangetastet in den Schrank zurückgelegt hatte. Tagsüber schien sich der Wust nicht wirklich zu verringern, erst am späten Nachmittag hatte ich das Gefühl, dass ich endlich endlich endlich etwas Licht hereinbekäme. So kann ich dann morgen sicher damit beginnen, die Arbeit meiner erkrankten Kollegin anzupacken. Endlich komme ich meinem organisatorischen Ziel etwas näher!

Näher am Ziel bin ich auch nach einem erfolgreichen Kundengespräch. Ich habe kürzlich an einem Seminar zum Altersvorsorgeberater teilgenommen. Ich muss mich jetzt ein halbes Jahr lang profilieren und eine bestimmte Abschlusssumme erreichen. Heute konnte ich mit einem Abschluss ein Drittel meines Solls erfüllen und ich hab für den Rest immer noch fünf Monate Zeit! Sehr geil!

Nun reicht’s aber auch für heute *gääähn*. Ich lege gleich die Füße hoch und mach heut nix mehr!

Nix!

 

Buntes

Feierabend. Den Stress des Tages abschütteln und einfach die Füße baumeln lassen. Das tut gut. Der Tag hatte es in sich…

Mein Wecker hatte gerade den zweiten Versuch unternommen, mich aus dem Bett zu schubsen. Noch einmal umdrehen, die Arme um meinen Engel legen und fünfzehn Minuten Nähe genießen. In solchen Momenten vergehen fünfzehn Minuten wie fünfzehn Sekunden. Nach dem dritten Anlauf gab ich nach und schwang mich müde aus dem Bett. Es sieht chaotisch aus im Schlafzimmer… Hunderttausend Klamotten liegen verstreut herum – im Wäschekorb, auf dem Bügelbrett, auf und unter dem Wäscheständer. Die meisten davon warten darauf, in den Schrank gelegt zu werden…

Müde schleppte ich mich ins Bad und kniff die Augen zusammen, als ich das Licht einschaltete. Natürlich waren wir wieder spät dran, so wie jeden Morgen. Ein Hemd musste noch fix gebügelt, frische Socken aus dem Klamottenstapel gefischt und eine passende und am besten schon gebundene Krawatte musste gefunden werden. Nebenher schnell zwei Toasts in den Toaster und einen Eiskaffee schlürfen. Zähne putzen, Gel ins Haar, Tasche und Engel schnappen und auf geht’s in den Stadtverkehr. Kurz darauf vom Engel verabschieden und weiter zu meiner Arbeit.

Betty ist krank. Ihr wird ein Weisheitszahn herausoperiert und das legt sie für die ganze Woche lahm. Danach folgt eine Woche Urlaub. Für Lacarian bedeutet das: Zu meinem Riesenstapel Arbeit kommt nun noch Bettys Riesenstapel Arbeit… Nach zwei Kundengesprächen habe ich mich heute zurückgezogen, Stapel gesichtet und begonnen sie abzutragen. Am Abend war zwar kaum eine Veränderung zu erkennen, aber ich habe doch einiges geschafft. Morgen geht’s weiter – wenn nichts dazwischen kommt…

Mein Engel ist heute irgendwie abwesend, obwohl er direkt neben mir sitzt. Werd ihn gleich mal knuddeln, damit er mal lächelt. Ansonsten ist der Tag auch schon ziemlich gelaufen. Der Wocheneinkauf ist erledigt, zum Kochen bin wiederum ich zu erledigt. Das war der Tag heute. Zum Glück gibt es morgen einen neuen…

 

Herning – Hort der Jugend?

Am Mittag des letzten vollständigen Tages machten wir uns auf nach Herning. Die Stadt liegt einigermaßen zentral und ist dabei in wesentlich kürzerer Zeit zu erreichen als Skagen. In nur einer knappen Stunde waren wir da, und dass es tatsächlich eine richtige Stadt mit richtigen Hochhäusern war, überraschte uns fast. Nachdem wir eine Weile durch die Straßen gekurvt sind, entdeckten wir einen Parkplatz. Das Schild, das dort stand, konnten wir nicht lesen. Was soll’s?! Die Fußgängerzone lag nur zwei Straßen weiter und hier war es richtig belebt. Während wir uns die Tage zuvor gefragt hatten, wo sich wohl die Jugendlichen in Dänemark rumtreiben, erhielten wir heute die Antwort: in Herning! Wohl 75% der Leute, denen wir begegneten, waren junge Leute. Viele im Soft-Punk-Look, natürlich viele Blonde und wirklich wenige Senioren. Einem Studenten (jedenfalls vermute ich, dass er Student ist) musste ich erklären, dass ich für eine Umfrage gerade nicht zur Verfügung stehe. Mit „ich spreche kein dänisch“ habe ich das geschickt gelöst. Er zeigte sich ein wenig traurig (Torge meint sogar, er wäre am Boden zerstört gewesen) und meinte dann „have a nice day“. Für mich klang das englisch, was mich etwas aus dem Konzept brachte…

Nun ist es auch schon soweit… die Koffer und Taschen sind wieder gepackt und die Abreise steht bevor. Der Whirlpool ist geheizt für ein letztes Bad und morgen bis 10 Uhr müssen wir das Ferienhaus für die nächsten Gäste geräumt haben. Zum Glück ist damit der Urlaub nicht zuende. Auf dem Weg nach Hause machen wir einen Abstecher in die Hauptstadt Kopenhagen. Wenn wir dafür auch einen beträchtlichen Umweg in Kauf nehmen müssen, so ist uns der Besuch doch wichtig – und er schmälert ein wenig den Trennungsschmerz.

So, und jetzt ab in den Pool!

 

Das Leuchtturmprojekt

Auf unserer letzten Tour nach Hvide Sande hatten wir einfach vergessen, den Leuchtturm zu besichtigen. So schrecklich weit weg ist der Ort ja nicht (im Vergleich zu Skagen…), also wagten wir einen zweiten Versuch. Wir fuhren wieder vorbei an den inzwischen bestens bekannten Antik-Läden und den zahlreichen Mais- und Getreidefeldern, an den Nadelwäldchen und durch diverse Kreisverkehre.

Nymindegab. Malerisch – und militärisch.

Auf dem Weg nach Hvide Sande entdeckten wir einen Strandaufgang in den Dünen und einen Parkplatz direkt davor. Kurzentschlossen stellten wir das Fahrzeug ab. Aber noch bevor wir die Dünen erreichten, stießen wir auf ein Schild, dass uns den Zutritt verwehrte. Militärübungen gibt es offenbar auch in diesem Land. Und tatsächlich erspähten wir ein paar hundert Meter weiter eine Truppe dänischer Soldaten in den Dünen. Da wir unser Leben nicht einer königlichen Militärübung opfern wollten, trollten wir uns und erreichten bald darauf den Leuchtturm, von dem mir Freunde schon erzählt hatten. Der weiße Turm vor dem blauen Himmel mitten in den Dünen sieht sehr malerisch aus und war uns gleich ein paar mehr Photos wert. Blöd nur, dass direkt daneben ein großer Kran stand – und blöd, dass aufgrund der Kranarbeiten der Zutritt zum Turm verwehrt wurde!

Etwas geknickt beschlossen wir, zum Strand zu gehen und durchstreiften die Trampelwege durch die Dünen. Am Strand war kaum etwas los. Also wagte ich es, mich meiner Kleider zu entledigen und kurz in die Fluten zu hüpfen… Kalt-kalt-kalt!!! Am Strand wärmte ich mich wieder auf und ließ mich von der Sonne trocknen, ehe wir bekleidet den Rückweg antraten. Wir bemerkten, dass inzwischen der Kran verschwunden war und starteten einen neuen Versuch, den Turm zu erklimmen. Glück gehabt, wir konnten passieren. Wir stiegen die Holzstufen zum Turm hinauf – und stellten dann enttäuscht fest, dass die Besuchzeit gerade beendet war. Der Leuchtturmwärter verschloss die Tür vor unseren Augen. Mist!

Der Leuchtturm von Hvide Sande.

Etwas gefrustet angesichts des sich wiederholenden Misserfolges kehrten wir zum Ferienhaus zurück. Die „Siedler von Catan“ beschäftigten uns dann ersatzweise bis zum Schlafengehen.

 

Wo Nord- und Ostsee aufeinanderprallen…

… da liegt Skagen. Auf der groben Karte des Landes hatten wir uns die kleine Strecke ausgeguckt. Anscheinend gar nicht so weit, machten wir uns auf den Weg. Erster Stopp war 16 Kilometer weiter an einer Tankstelle: Wir kauften eine dänische Straßenkarte und verwirrten die Kassiererin mit versehentlichem Wechsel zwischen dänischen Bruchstücken und deutscher Sprache… Dann ging’s los. Wir ließen die Sonne hinter uns und fuhren immer gen Norden. Immer weiter. Und weiter. Und weiter… Auf der niedlichen Karte sah die Strecke ganz überschaubar aus und nach nur vier Stunden Autofahrt waren wir dann auch schon da… Gerädert von den Strapazen der Reise fielen wir aus dem Wagen in die Fußgängerzone.

Skagen – der Ort

Eine Postkarte musste her, so weit im Norden war ich wohl noch nie zuvor. Im Ort selbst gab es gar nicht so schrecklich viel zu sehen. Bald darauf schwangen wir uns also wieder in den gelben, mit toten Insekten übersäten Wagen und suchten den Nordstrand. Nahezu instinktiv fanden wir ihn, stellten das Auto ab und liefen bis ans Ende der Welt… oder ans Ende des Festlandes…

Skagen – das nördlichste Ende Europas

Hier oben treffen gerade jetzt in diesem Moment die Ostsee und die Nordsee aufeinander. Sie scheinen sich gut zu vertragen, jedenfalls sah alles ganz ruhig aus. Wir liefen am Wasser entlang, hinter uns die untergehende Sonne und vor uns Milliarden von kleinen geschliffenen Steinen. Wir sammelten ein paar ein und genossen die Atmosphäre so hoch im Norden. Wir genossen noch eine Weile, ehe wir uns wieder auf den Weg zurück machten.

Frederikshavn – schöne Stadt, aber die Luft…

Einen Zwischenstopp legten wir in Frederikshavn ein. Es roch extrem nach Dieselabgasen, denn von hier aus pendeln die StenaLine-Fähren zwischen Dänemark und Schweden. Und die Schiffe pusten eine Menge Dreck in die Luft. Trotzdem war die Stadt so schön, dass wir uns hier ausnahmsweise nicht mit der Fußgängerzone behelfen mussten.

Es war bereits lange Zeit dunkel, als wir das Ferienhaus erreichten und einfach nur ins Bett fielen. Die Tour war wesentlich anstrengender als wir gedacht hatten und wir waren heilfroh, als wir im kusch’ligen Bett lagen, alle Viere von uns gestreckt und sofort einschliefen.