Gnadenlos

Kälte umhüllt mich und graue Dunkelheit. Die ohrenbetäubende Stille verursacht pochende Schmerzen irgendwo in meinem Kopf. Es hat tatsächlich ein wenig geschneit heute, aber inzwischen blendet mich die nächtliche Schwärze so sehr, dass ich das wenige an Weiß, was da ist, durch meine Fensterscheibe im sechsten Stock nicht mehr sehen kann.

Der Tag begann ziemlich müde, hab mich nur widerwillig aus dem Bett geschält, wollt mir nen Kaffee aufbrühen und musste feststellen, dass nur noch genug für eine Tasse da ist. Ich brauch morgen Kaffee zum Frühstück, sonst überleb ich den Arbeitstag nicht. Wenn ein Tag ohne Kaffee beginnt, kann man eigentlich auch getrost wieder ins Bett gehen…

Hab ich nicht gemacht und mir stattdessen heiße Schokolade in der Mikrowelle zubereitet, mich mit zwei Scheiben Toast an den Rechner gesetzt und durch ein paar Tagebücher geblättert. Weit bin ich nicht gekommen, da klingelt das dunkelblaue Telefon, das vor mir steht. Mein Dad ist dran und meint, ich müsse sofort losfahren, weil er meinem kleinen Bruder nen PC auf dem Flohmarkt kaufen will…

Ich könnt mich ohrfeigen, dass ich mal gesagt habe, die sollen mich anrufen, wenn die einen PC kaufen wollen, weil die so was von keine Ahnung von Technik haben.

Das passt mir jetzt so gar nicht in den Kram, weil ich den Sonntag eigentlich in Ruhe mit gar nichts verbringen wollte, aber na schön! Ich schlürfe den Rest Kakao aus meinem Becher, schleppe mich ins Bad und mache mich fertig, tausche den Schlafanzug gegen meine Alltagsklamotten und fahre wie in Trance mit dem Aufzug nach unten. Super, Eis kratzen darf ich auch noch. Ich hole den Kratzer aus der Fahrertür und beseitige die Eisschicht auf der Frontscheibe. Als ich den Wagen anlasse stelle ich fest, dass auch noch der Tank nahezu leer ist. Wollte eigentlich in diesem Monat nicht mehr zur Tanke fahren…

Nachdem auch das erledigt ist, fahre ich über die eisglatten Straßen, vorbei an den weißen Hochhäusern bis zur Stadt, in der meine Familie wohnt. An der Tür werde ich gleich abgefangen und schon sitze mit meinem Dad in seinem schwarzen Jeep, der auch lange keinen Staubsauger gesehen hat. Ich hasse Raucherautos!

Es beginnt zu regnen und ich hege die Hoffnung, dass der Flohmarkt, zu dem wir unterwegs sind, schon abgebaut wird. Ist’n ziemlich großer Flohmarkt – nicht nur draußen, sondern auch indoor. Es herrscht ein Wahnsinnsgedränge. Ich hasse Leute, die in einem Gedränge mit leeren Kinderwagen rumschieben!

Mein Dad eilt durch die Reihen, links und rechts von uns sitzen mürrische Leute, die versuchen, ihren Krempel vom Dachboden irgendwie loszuwerden. Da stehen abgewetzte Kitschromane in einem durchhängenden Pappkarton, der früher Bananen beherbergte, auf der anderen Seite ausgedientes Porzellan oder eine angelaufene Messinggießkanne neben Großmutters alter Kaffeemaschine. Weiter vorn stehen die obligatorischen Körbchen mit Batterien und Armbanduhren sowie diverses Kinderspielzeug, das seine besten Tage längst hinter sich hat. Hunderte Menschen, kleine, große, dicke, dünne, alle schleichen sie hektisch herum um irgendwo irgendwas zu finden, was man irgendwie doch nicht braucht. Ich hasse Flohmärkte!

Nach einer Weile hat mein Dad den Mann mit den PCs wiedergefunden, das Objekt, das vorhin sein Interesse geweckt hatte, ging soeben an den Mann mit Hut. Ich werfe einen schnellen Blick auf die restlichen Geräte, mein Dad schaut mich prüfend an, aber ich schüttle entschlossen den Kopf. So ist mein Dad, will für einen Computer nicht mehr als 50 Euro ausgeben. Wenn man das ganze Geld für die Schrottdinger, die er schon auf Flohmärkten erstanden hat, zusammenzählt, dann hätte er sich längst was Vernünftiges kaufen können. Aber auf mich hört ja keiner.

Ich bleibe noch über Mittag bei meiner Familie, sattle aber dann die Hühner und fahre wieder nach Hause. Mein Kopf schmerzt etwas und da ist der Stress, der bei meiner Familie auf der Tagesordnung steht, genau das Falsche.

Der Rest des Sonntages ist nicht weiter der Rede wert, das beste des Nachmittags hab ich doch nur wieder hier in der Tagebuch-Gemeinschaft erlebt (danke Daniel, danke Micha). Nu isser fast rum, der Tag, ich werd‘ gleich die Heizung aufdrehen, damit ich nicht mehr friere und ein schwarzes Hemd bügeln, das ich morgen zur Arbeit anziehen will und mich schon mal seelisch auf die Arbeitswoche einstellen…

 

AAARRRGGGHHH

(ODER: Wie verarscht man seine Kunden?!)

Ich glaube ich habe schonmal von meiner freenet-Erfahrung berichtet. Also Ende September bestellt, Zugangsdaten erhalten, Hardware nie bekommen und nie mehr was gehört. Jetzt habe ich Ende Januar eine Rechnung über 56 Euro bekommen und sofort ne böse eMail an die geschickt, dass ich der Belastung widerspreche (hab ja immerhin keine Leistung erhalten). Gesagt getan, da kommt ne Mahnung ins Haus, neuer Betrag: 66 Euro. Gestern Abend ne ganz böse eMail an die Mahnabteilung geschickt, automatische Antwort sinngemäß: Schauen Sie nochmal genau nach, bevor Sie sich beschweren. Wenn Sie sich dann immer noch beschweren wollen, schicken Sie uns eine eMail!

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRGGGHHH!

Heute in der Mittagspause bei der Mahnabteilung angerufen, den Sachverhalt geschildert. Das ist ein Problem des Kundendienstes, rufen Sie dort an. *gggrrrrr* Kundendienst angerufen: Rufen Sie beim Rechnungsdienst an. NEEEEEEEEEEIIIIIIN! – von dort komm ich grad! – Oh, na dann warten Sie bitte, ich verbinde – acht Minuten Warteschleife (zu 12 Cent pro Minute), krieg ich den technischen Kundendienst ran. Problem geschildert – bitte warten Sie, ich informiere mich – zehn Warteschleifenminuten später sagt mir der Mann, die Hardware sei tatsächlich nicht geliefert worden, aber der Tarif stand bereit, so dass ich ihn hätte nutzen können, wenn ich Geräte von woanders besorgt hätte. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARRRRRRGHHHHH. Ich bin mit einer Rechnung von 56 Euro für die blosse Übersendung von Zugangsdaten nicht einverstanden. Ja, also dann schreiben Sie doch ein Einschreiben an blablabla……

HASTE TÖNE?!?!?! Nach einer halben Stunde (zu 12 Cent pro Minute) sagt man mir: Schicken Sie ein
Einschreiben!

Servicewüste ist gar kein Ausdruck! Und meine Mittagspause ist jetzt auch vorbei.

 

Es schneit einfach nicht

Ich blicke hinaus in die Dunkelheit der anbrechenden Nacht. Warme Heizungsluft steigt auf und wärmt mich, während es draußen sicher kalt ist. Ich erwarte den angekündigten Schnee. Aber es tut sich nichts. Kein Wind, kein Regen, kein Hagel… einfach nur kalte, dunkle Nacht im Land zwischen den Meeren.

Kalt war es heute früh auch schon. Nach dem Grippeanfall von gestern Abend erwachte ich heute gegen neun Uhr morgens. Ich schlug die Augen auf und stellte fest, dass ich beim Schlafengehen vergessen habe, das Bambusrollo herunterzulassen…

Von meinem Bett aus werfe ich bewegungslos einen Blick hinaus aus dem Fenster. Wunderschöner blauer Himmel empfängt mich – und Sonnenschein. Zögerlich bewege ich zunächst meinen Kopf hin und her… tut nicht weh. Ich hebe erst einen, dann den anderen Arm an… tut auch nicht weh. Ich schlucke – und als auch das keinen Schmerz auslöst, werde ich mutiger, schlage die Bettdecke beiseite und schwinge mich aus dem Bett. ‚Patsch’, meine Füße landen auf dem Boden. Ich stehe auf und gehe ein paar Schritte… allem Anschein nach geht es mir wieder gut. Beschwingt laufe ich zum Fenster und blicke lächelnd nach draußen. Es sieht kalt aus.

Meine müden Geister erwecke ich alsdann unter der Dusche. Ich mag eine ausgiebige Dusche am Morgen, die sämtliche Reste des Schlafes in den Ausguss spült und nichts als taufrischen Elan übrig lässt. Gerade, als ich mich abtrockne, fällt mir ein, dass ich wieder mal keine Butter im Haus habe, und auch das Brot wird nach dem Samstagsfrühstück weggefuttert sein. Ich ziehe mich also an, schlüpfe in meine Schuhe, meine Cardigan und meine Fellkragenjacke und setze meine weiße Mütze auf, krame ein wenig Kleingeld zusammen und fahre kurz darauf mit dem Aufzug ins Erdgeschoss. Ich werde von einem Nachbarn begrüßt und gehe zu Fuß zum nahegelegenen Penny-Markt. Die Wege sind noch vereist und glatt, dennoch herrscht bereits reger Verkehr zu dieser Zeit. Fünf Minuten später betrete ich den Laden, gehe vorbei am Orangensaft und den Konserven und halte kurz bei dem PC-Angebot an… Der soll 700 Euro kosten, aber ich hab grad nur 2 Euro dabei, gehe deshalb weiter und kaufe brav Brot und Butter. Flugs bin ich auch schon wieder draußen und gehe die vereisten Wege zurück nach Hause, steige in den Aufzug und fahre zu meinem Frühstück in den sechsten Stock.

Ich bin einigen Leuten noch eine eMail schuldig und setze mich an den PC. Drei eMails, drei mal zehn Minuten. Beim Blick auf meine Aquarien fasse ich mir ein Herz, stehe vom PC wieder auf und hole das Reinigungsmaterial… man kann in das kleine Becken kaum noch hineinsehen! Ich entferne alles, was da so drin rumliegt, also große Steine, Deko und die Pflanzen und Geräte. Ich befreie die Scheiben von dem grünen Algenbelag, tausche ein Drittel des Wassers und dekoriere dann neu. Wie immer beobachten meine Fische neugierig, was meine große Hand in ihrer kleinen Welt so alles anstellt und sind beleidigt, dass sie kein Futter dabei hat.

Für den Nachmittag hat sich meine Familie angekündigt. Ich vertreibe mir die Zeit bis dahin am PC und bemerke eine ganz liebe Postnachricht **freu**. Ich betrete das erste Mal den diary-Chat und treffe gleich nette Leute. Irgendwann rufe ich dann bei meinen Eltern an, denn sie sind längst überfällig. Ich hab meinen Dad am anderen Ende dran, und ohne dass ich viel sagen muss meint er: „Ach ja, also, wir kommen heute doch nicht…“ Macht ja nix, ich hab ja gern gewartet…

Ganz bewusst ignoriere ich die heutige Trauerfeier des Herrn Moshammer. Der ganze Rummel um seinen Tod geht mir reichlich auf den Keks. Ich mag es nicht, wenn prominentes Privatleben so wahnsinnig breitgetreten wird, und was hier gemacht wird, finde zum Teil schon abartig. Als ginge es die Öffentlichkeit etwas an, wie der Mann sein Sexleben gestaltet hat. Als läge es im öffentlichen Interesse, wie und wo er sich seine Partner ausgesucht hat. Wieso wird so etwas einfach veröffentlicht, wieso ist die ganze Mordermittlung so indiskret mit dem Leben des Mannes umgegangen?

Ich hab mir die Trauerfeier nicht angesehen. Ich kannte Herrn Moshammer zuwenig, um ihn zu mögen oder nicht zu mögen, und nur des Medienrummels wegen hat sich das nicht geändert!

Den heutigen Abend habe ich in lieber Gesellschaft ganz gemütlich mit Essen und Fernsehen verbracht. Nun ist auch dieser schon vorbei und um einen eigentlich nicht sonderlich aufregenden Tag habe ich doch wieder so viele Worte gemacht…

Und es schneit immer noch nicht. Was bleibt ist die Dunkelheit und die Frage, wieso ich nicht müde bin………..

 

Krawumm!

Es sind doch immer die angenehmen Träume, aus denen man wie vom Blitz getroffen hochschreckt! Bei mir jedenfalls war es heute so! Während ich friedlich und nichtsahnend mitten im Geschehen eines… ähm „sehr angenehmen“ Traumes steckte, gab es einen lauten Knall, der mich veranlasste mich ruckartig kerzengerade aufzusetzen. Ich musste nicht lange überlegen, was den lauten Bumms verursacht hatte, denn es grollte immer noch bedrohlich. Vor meinem Schlafzimmerfenster (und vor allen anderen Schlafzimmerfenstern in der näheren Umgebung) tobte ein wirklich heftiges Unwetter! Als der Donnerschlag verklungen war und mich zwei grelle Blitze zuende geblendet hatten, legte ich mich wieder hin, zog die kuschelige Bettdecke bis an die Nasenspitze und schloss die Augen. Ich stellte mir vor, dass der lautstark peitschende Sturm und das Prasseln der dicken Hagelkörner, die gegen meine Fensterscheibe geschossen wurden, gar nicht da wären. Leider konnte mein Bambusrollo gegen die Macht der noch folgenden Lichtblitze rein gar nichts ausrichten, da half es auch nicht, dass ich die Augen fest geschlossen hatte. Spätestens beim nächsten Donnerschlag wagte ich dann den Blick zur Uhr: 04:30. Großartig! Alles was ich tun konnte, war warten. Warten auf das Ende eines Unwetters. Ungünstigerweise hatte eben jenes anscheinend gerade erst so richtig losgelegt, erhöhte noch sein Temperament und blies und blitzte und krachte, was das Zeug hielt.

Zum Schlafen kam ich also leider nicht mehr gäääähn – aber was soll’s, ist ja nur Donnerstag, und wenn ich heute Abend um halb sieben von der Arbeit wieder zu Hause bin, ist das Unwetter bestimmt vorbei.

Denkste!

18 Uhr und der Feierabend wird mit einem kraftvollen Blitz eingeläutet, der einen dumpfen Donner hinterher zieht! Das Zischen danach verursacht der kräftige Hagelschauer, der auf das Glasdach prasselt, und die Schar Menschen, die zum Toreschluss noch in die Geschäftsräume stürmt, ist gerade noch den plötzlichen Orkanböen entkommen, die jetzt mit Gewalt durch die Straßen fegen.

Dies ist bereits unser drittes kräftiges Wintergewitter in diesem Jahr, und der Wetterbericht zeigt für morgen noch mal genau das Gleiche an. Geil.

OK, soweit so gut. Ich sehe gerade, dass auch andere von Euch Wetter, Wetter, Wetter genießen durften (Enni zum Beispiel hat das äußerst anschaulich formuliert!).

DAS KREISWEHRERSATZAMT, das früher in der Stadt mit den weißen Hochhäusern residierte, ist seit meinem letzten Kontakt mit der Bundeswehr an Schleswig-Holsteins Ostküste, präziser formuliert in unsere Landeshauptstadt Kiel umgezogen. Dort, wo früher mein „KWEA“ war, ist heute nur noch die Standortverwaltung („StOV“). Und genau dort musste ich hin, um meinen prall gefüllten Seesack abzugeben. Morgens früh um kurz nach acht fuhr ich mit meinem – inzwischen wieder neongelben – Auto auf den StOV-Parkplatz. Den schweren Seesack hievte ich von meinem Beifahrersitz, schulterte ihn und schritt schnurstracks auf das nächstgelegene Gebäude zu. Es brannte Licht, die Türen ließen sich gewaltlos öffnen – aber drinnen herrschte gewaltige Leere. Ich durchlief den verlassenen Korridor, lugte in mehrere absolut leere Büros und kam bald zu dem scharfsinnigen Schluss, dass ich im falschen Gebäude war. Draußen kam mir dann so’n Typ entgegen, der fragte mich, ob er mir helfen könne.

Kurz darauf kam ich beim nächsten Gebäude an, entdeckte ein großes Schild auf dem „EINKLEIDUNG“ stand und ging durch die grüngelbe Flügeltür. Der breite nackte Korridor machte eine Biegung nach rechts und dort stieß ich mit meinem fetten Seesack fast eine Handvoll Handwerker von ihren Leitern. Durch die Junx hindurch, den Treppenaufgang hinauf, wieder nach links und schon war ich genau da angekommen, wo ich vor neun Jahren jene Kleidungsstücke erhalten hatte, die ich jetzt zurück geben sollte.

Eine nette Dame fragte nach meinem Namen, fischte meine Karteikarte heraus und wies mich an, den Seesack auf dem Tresen gegenüber zu leeren. Ich kramte also wieder alles heraus. Sie warf die Sachen, die sie von ihrer Liste strich, in einen großen Metall-Behälter und schrieb ein „F“ für jedes fehlende Teil auf. So vermissten wir gemeinsam den zweiten Stiefelbeutel, eine Feldhose (hab’s doch gewusst!) und den, die oder das Koppel (steckt wohl noch in der vermissten Feldhose…). Die nette Dame erklärte mir alsdann den Weg zu Frau Wüstenberg, die die Schadensregulierung vornehmen sollte. Ganz einfach: rechts durch die Glastür, dem langen Gang folgend bis zur nächsten Glastür, dann die Treppen rauf und durch die Glastür wieder in einen langen Korridor, bis zum Ende und dann – Überraschung! – durch die Glastür, rechts abbiegen und dann die dritte Tür links. Oder so.

Es dauerte ein wenig, bis ich Frau Wüstenberg – ihres Zeichens Regierungsoberinspektorin – gefunden hatte. Die trotz ihres Titels freundlich dreinblickende Frau wies mir einen Stuhl zu und erwähnte, dass sie dies zum ersten Mal machte. Sie fragte mich, ob ich denn wohl viele Gegenstände verloren hätte. Dies zu beurteilen überließ ich jedoch ihrem Sachverstand, woraufhin sie kritisch die Materialliste mit den drei „F“ begutachtete (wo sie die so schnell herhatte, weiß ich nicht). Wir gingen das Dokument gemeinsam durch: da wäre also eine Feldhose (sie schlug im Preisverzeichnis nach). „War das eine olivfarbene?“ – „Ja.“ Sie schrieb eine „50 %“ auf ihren Zettel und notierte den Preis daneben. Der, die oder das Koppel stand als nächstes auf der Liste, auch hier schrieb sie eine 50 % auf und daneben einen Preis. Ich fühlte mich wie im Winterschlussverkauf. „Was ist denn ein „Stiefelbeutel“?“ fragte sie mich. „Also, das ist so ein Beutel, in den man Stiefel packen kann“ antwortete ich. Das fand sie einleuchtend und suchte den Preis. Neben die 50 % notierte sie einen Cent-Betrag, rechnete alle drei Beträge zusammen und kritzelte 8,37 Euro unter den Strich. Weil ich kein Bargeld mit mir führte, schrieb sie mir eine Rechnung, für deren Bezahlung ich exakt vier Wochen Zeit hätte. Als sie mir das genaue Ablaufdatum der Vierwochenfrist raussuchen wollte, versicherte ich ihr, das Geld noch heute anzuweisen. Wie auf Stichwort kam der Rechnungsführer in ihr Büro, freute sich über den ersten Kunden und meinte, ich könnte ihm gleich folgen, um meine Fahrkostenerstattung entgegenzunehmen. Ich dankte der Frau Regierungsoberinspektorin und folgte dem Rechnungsführer durch diverse Glastüren und Korridore bis in sein Büro, an dessen Tür ein handgemaltes Schild mit der Aufschrift „bin nicht anwesend“ hing. Er nahm es ab, legte mir ein simples Formular vor und meinte, er würde mir beim Ausfüllen helfen. Dass ich meinen Namen in das Feld „Name“ und meine Adresse in das Feld „Anschrift“ schon allein schreiben konnte, schien ihn zu beeindrucken. Er schlug in einer Liste nach und zahlte mir 4,60 Euro aus, woraufhin ich entlassen war und den Rückmarsch aus dem Gebäude zurück zu meinem Auto antrat.

Das war also das Ende meiner Bundeswehrzeit. Wieder einmal.

 

Danke.

Bevor ich beginne meine heutigen Gedanken auf den Schirm zu bringen, möchte ich mich bei Euch bedanken, dass Ihr mir gestern (und heute morgen) so liebe Kommentare hinterlassen habt! Als ich vor gut einer Woche hier anfing zu schreiben hatte ich ja keine Ahnung, was da auf mich zukommt! Mitreißende Geschichten, Schicksale, die zu Tränen rühren, haarsträubende aber auch wunderschöne Erzählungen direkt aus dem Leben, von überall her! Die Menschen, denen ich hier begegne sind von solcher Offenheit, Warmherzigkeit und Freundlichkeit, dass ich manchmal einfach dasitze und herzlich lache. Ich habe hier gefunden, wonach ich nicht mal gesucht habe und was ich wirklich nicht erwartet habe…

Im sanften Licht meiner Schreibtischlampe, zu den rockigen Klängen von Brian McFadden, warf ich gestern Abend noch einen letzten Blick in die Tagebücher. Ich las Schockierendes und Bewegendes, ließ hier und dort einen Kommentar, wenn ich glaubte, zu dem Thema etwas sagen zu können und schlug dann meinen eigenen Eintrag noch einmal auf. Die aufmunternden Worte, ob kurz oder ausführlich, haben mich dann doch noch mit einem Lächeln schlafen gehen lassen.

Ich griff nach meinem Buch, las noch mal über den letzten bekannten Satz vom Vorabend und legte es wieder weg… die Szene war grad so schön gewesen, dass ich befürchtete, im nächsten Satz könnte alles wieder zunichte gemacht werden.

Die Nacht über habe ich gut geschlafen, wachte nur einmal auf, um auf meinen Radiowecker zu blicken (ich kann’s nicht lassen) und freute mich über weitere vier Stunden Schlaf, die vor mir lagen.

Der gemeine Morgenmuffel wacht dann natürlich trotzdem mit ganz kleinen Augen auf, und weil die sich doch grad so schön an die Dunkelheit gewöhnt haben, würde ich das Licht dann am liebsten aus lassen. Mein linkes Knie ist von der Idee nicht begeistert – kein Wunder, es ist ja kein Vergnügen aus dem weichen Bett entstiegen nach wenigen Schritten gegen den Stahlhelm zu krachen, der in meinem Seesack auf dem Flur liegt. Als ich das Licht mürrisch einschalte werden meine Augen noch kleiner und der allmontägliche Wahnsinn beginnt.

Mein Tag war ansonsten recht ereignislos, das Wetter wieder trübe grau und meine Küche sieht aus wie Sau. Immer noch. Aber es gibt wichtigeres! Zum Beispiel meine Lieblingsserien ansehen, die ich gestern aufgenommen habe. Die eine hat nur noch eine Folge bis zum Ende, die andere läuft noch ne Weile. Schöööön anderthalb Stunden einfach mal nur berieseln lassen.

Alles in allem also ein ganz normaler Tag, und von depri keine Spur.

 

Reise in meine Vergangenheit

Heute früh bin ich gegen 8:47 Uhr aufgewacht. Die Sonne scheint durch mein Bambusrollo und ich erkenne blanken blauen Himmel. Ich fühle mich wach und fit, strecke mich zu meiner ganzen Größe und springe mit einem zufriedenen Lächeln aus dem Bett. Woran liegt das? An dem kurzweiligen gestrigen Abend? An dem lichtdurchfluteten Morgen? An der glücklichen Wendung der Geschichte des Buches, das ich vor dem Schlafengehen noch gelesen habe?

Leicht und beschwingt federe ich über den glatten Fußboden, öffne die knarrende Tür zum Flur, wuschele mir kindisch durchs Haar und fühle mich einfach… entspannt und ausgeruht. Ein herrliches Gefühl! Auch mein Wohnzimmer ist eingetaucht in das gleißende Licht der aufgehenden Sonne. So frisch und unverbraucht. Die Dächer der vielen Häuser sind noch mit Reif bedeckt, hier und dort werden Rollos hochgezogen, vereinzelt steuern Radfahrer auf die Stadtmitte zu, um in einer unserer Bäckereien frisch duftende Brötchen zu kaufen. Ein einziges Flugzeug hinterlässt einen leisen Dunststreifen am blauen Morgenhimmel, scheinbar gefolgt von ein paar Vögeln. Die perfekte Idylle eines Sonntagmorgens…

Auf dem Flur steht neben der Kommode mein alter Seesack. Im Dezember erhielt ich einen Schrieb vom Kreiswehrersatzamt, in dem mir aufgetragen wurde, meine zur Aufbewahrung überlassenen Kleidungs- und Ausrüstungsgegenstände am 19. Januar abzugeben – das ist kommenden Mittwoch. Dann endet altersbedingt mein Reservistenstatus. Ich hieve den schweren olivgrünen Sack auf meinen blauen Sessel im Wohnzimmer und öffne ihn. Obenauf liegen meine dunkelblauen Laufschuhe, die durch die jahrelange Aufbewahrung etwas an Form eingebüßt haben. Ich halte sie in der Hand und denke daran, wie viele Kilometer diese Schuhe schon zurückgelegt haben.

Das nächste, was ich aus dem Sack ziehe, ist mein blaues Barett. Ich freue mich, es zu sehen und komme nicht umhin, es einfach mal aufzusetzen. Als ich mich im Spiegel betrachte stelle ich fest, dass es farblich nicht zu meinem Schlafanzug passt und nehme es wieder ab.

Oh und die Feldjacke! Sie hätte ein Bügeleisen nötig weil sie so furchtbar zerknautscht ist. Mein Name prangt noch über der Brusttasche.

Ich lege sie beiseite und ziehe ein Schiffchen aus dem Sack. Ich frage mich, zu welchem Anlass ich diese Kopfbedeckung getragen hatte, als mir auffällt, dass es nicht zur Bundeswehr gehört, sondern aus meiner Zeit bei der Jugendfeuerwehr stammt. Lachend werfe ich es auf einen anderen Stapel. Das nächste Schiffchen ist olivgrün und lässt keinen Zweifel, dass es zur Bundeswehr gehört. Ich trug es während der Grundausbildung. Mann waren wir froh, als wir endlich das schicke blaue Barett erhielten und das kleidlose Schiffchen tief in die hinterste Spindecke abschieben konnten!

Ich nehme ein Paar Lederhandschuhe aus dem Stahlhelm, der als nächstes den Seesack verlässt. Schwer ist er und auch ihn setze ich gleich auf. Ist mein Kopf dicker geworden?? Nein, eigentlich ist der Helm genauso unbequem wie früher. Ich erinnere mich, wie wir im Gelände zur Tarnung jede Menge Grünzeug daran befestigen mussten. Erinnerte eher an Blumenbinden.

Wieder muss ich lachen, denn diese komischen Hosenträger habe ich niemals getragen. Meine Hosen hielten auch so. A propos, müssten hier nicht ein paar Feldhosen drin sein?? Ich wühle durch die Reste, kann aber keine der olivgrünen Hosen finden. Ich bin aber sicher, dass da welche hätten drin sein müssen denn ich habe doch… ich gehe an meinen Kleiderschrank und ziehe einen Bügel hervor, auf dem der dicke BW-Pulli hängt und finde tatsächlich eine ganze Feldhose darunter. Ich trug sie vor ein paar Jahren, als für Dreharbeiten unser Filmteam eine gigantische Konstruktion für Scheinwerfer anfertigte. Für diese Bauarbeiten waren die Hosen ideal und auch die Kampfstiefel gaben mir sicheren Tritt. Diese ziehe ich als nächstes hervor und frage mich, wie alt der Schmutz in den Profilrillen der Sohle wohl sein mag… Dabei fällt mir ein, dass ich ein dickes Paar Bundeswehr-Socken noch in meiner Kommode im Schlafzimmer habe. Ich hole sie und werfe sie zu den anderen.

Jetzt ist der Seesack leer. In sich zusammengesunken liegt er auf dem Sessel und all sein Inhalt liegt rund herum. Obwohl ich den Kram fast neun Jahre nur von Dachboden zu Dachboden geschleppt habe macht sich ein schwermütiges Gefühl breit. Es war eine schöne Zeit gewesen, die Truppe war in Ordnung und in den Klamotten habe ich einiges erlebt. Da muss ich grad daran denken, was unser Zugführer in der Grundausbildung damals zu uns sagte: „Die Bundeswehr ist kein Abenteuerurlaub!“ Vielleicht kann ich das nach neun Jahren nicht mehr beurteilen, aber rückblickend finde ich schon, dass es eine Art Abenteuerurlaub gewesen ist…

Ich packe den ganzen Kram, an dem so viele Erinnerungen haften, wieder in den Seesack, den ich verschnüre und zurück in den Flur stelle und mache mir ein anständiges Frühstück. Die Sonnenstrahlen wärmen meinen Oberkörper, während ich am Küchentisch sitze, das Buch von gestern Abend weiterlese und urgemütlich in diesen leicht nostalgischen Tag starte.

 

Allein

Sollte man’s glauben – nach dem sonnigen Start heute Morgen ist es nun schon wieder dunkel. Ich hab meine Familie besucht. Einfach nur ein Besuch.

Dummerweise bin ich immer deprimiert, wenn ich wieder nach Hause fahre. Nicht etwa wegen meiner Familie, sondern weil ich weiß, dass ich zu Hause wieder allein sein werde. Im Radio spielen sie Julis „geile Zeit“ und ich fahre vorbei an der Stadt mit den weißen Hochhäusern und den vielen Lichtern, die dunkle Straße entlang bis zu mir nach Hause. Kalt ist es heute, und sternenklar. Am Himmel steht der Mond. Zunehmend. Und ein Verkehrsflugzeug dreht eine Warteschleife vor Hamburg. Es ist ruhig draußen. Hinter den vielen Fenstern brennt Licht. Ich betrete unseren Aufzug, drücke die „6“ und die Türen schließen sich geräuschvoll. In meiner Wohnung ist es still und dunkel. Ich knipse das Licht im Flur an, schließe die Wohnungstür und drehe den Schlüssel im Schloss. Meine Fellkragenjacke hänge ich in die Garderobe und die Ausgehschuhe tausche ich gegen die bequemeren Hausschuhe.

Da stehe ich nun inmitten der vielen Stille, wo eigentlich jemand hätte sein müssen.

All die Gefühle und die ganze Leere steigen wieder in mir auf. Es nervt, dass mich der Gedanke daran immer wieder so runterzieht. Ich schaue traurig aus dem Fenster, rüber zu der anderen Stadt, aber niemand schaut zurück. Draußen ist nur Dunkelheit.

Als ich meinen Rechner anschalte und das Tagebuch aufschlage, sehe ich, dass jemand was nettes geschrieben hat. Danke fussel, das heitert mich zumindest ein bisschen auf!

Und was tue ich? Schaue deprimiert drein und versinke in Selbstmitleid. Welch krönender Abschluss für dieses Wochenende!

Aber morgen geht die Sonne zum Glück wieder auf, und dann ist die beschissene Depristimmung vorerst wieder vergessen. Versprochen.

 

Wer sind wir?

Seit zwei Tagen verbringe ich jede freie Minute in diesen verflixten Tagebüchern. Ich sehe nach, ob jemand einen Kommentar zu meinen Einträgen dagelassen hat, freue mich, wenn die Zahl meiner Favoriten steigt und blättere durch dieses und jenes fremde Tagebuch. An dem einen oder anderen bleibe ich hängen, um es intensiver zu lesen, ja ich gebe zu, eines hat mich sogar ganz besonders gefesselt.

Ich lasse zu, dass mich diese Tagebücher so vereinnahmen, dass ich alles um mich herum zu vergessen scheine.

Hin und wieder hinterlasse ich selbst einen Kommentar zu fremden Einträgen, ich maße mir sogar manchmal an, Ratschläge zu erteilen. Wer bin ich, dass ich dieses Recht habe? Ich kenne doch niemanden hier, geschweige denn, dass ich weiß, welchen Einfluss mein Ratschlag auf diese Person haben wird…

Durch das viele Lesen habe ich schnell festgestellt, dass hier die innersten Gedanken und Gefühle niedergeschrieben werden. Intime Dinge, bei denen diese Gemeinschaft dabei helfen soll, sie zu verstehen und zu verarbeiten. Wenn ich mit etwas nicht umgehen kann, dann schreibe ich es auf und sehe, wie andere damit umgehen. In der Auflistung aktueller Texte lese ich gerade Headlines wie „Fehler“, „Schön sein“, „Gefühle“ oder „Große Angst“. Es ist wie eine große Gesprächsrunde, an der jeder teilnehmen und seinen Senf dazugeben kann. Das ist doch nicht schlecht oder? Manche zahlen viel Geld für ihren Frisör.

Ich werde auch weiterhin hier meine Gefühle, Ängste, glückliche und unglücke Erlebnisse aufschreiben. Und wenn ich’s recht betrachte, habe ich es grad schon wieder getan – so wie alle anderen. Willkommen in der Gemeinschaft.

 

Lacarian auf Shoppingtour

Vor einer Woche noch auf die lange Bank geschoben habe ich heute meinen Geiz in die nächstgelegene Mülltonne geworfen, mein Sparkonto geplündert *je ne regrette rien!* und bin schnurstracks nach Hamburg in die City gefahren. Hab meinen Kleinwagen (immer noch grau) beim Tierpark abgestellt, ein Tagesticket gelöst und mich in die U-Bahn gefläzt. Erstes Ziel: Hauptbahnhof. Will ich doch die Mönckebergstraße unsicher machen!

Raus aus der U-Bahn, mit der Rolltreppe zurück ans Tageslicht und bloß nicht anmerken lassen, dass es hier für mich Landei viel zu viele Ausgänge gibt. Da es eh niemand nachprüfen kann behaupte ich einfach, ich hätte den Ausgang zur Mö auf Anhieb gefunden.

Als erstes machte ich mich auf die Suche nach einem Frisör. Die Zottel auf meinem Haupt waren doch schon wieder anderthalb Monate alt. Bald fand ich einen Salon in irgendner Einkaufspassage. War so gut versteckt, dass ich gleich drankam. Sehr nett übrigens: Kaffee inklusive. Nachdem das erledigt ist (bei Männern geht das ja in der Regel schnell) kann’s losgehen. Ich suche einen ansprechenden Laden, in dem ich meine Garderobe aufpeppen kann. Was für ein Glück, auf der Mö gibt es ja so einiges an Auswahl. Die grobe Richtung hatte ich zum Jahreswechsel bereits in unserer Hauptstadt auf’m Ku’Damm abgecheckt, wusste also in etwa, wonach ich eigentlich suchte. H&M, anson, Esprit, Kenvelo, Karstadt, New Yorker – die Auswahl war so ergiebig wie die Preise.

Als Appetitanreger nutzte ich anson. Coole Klamotten, aber gesalzene Preise. Nichts für mein Budget also. Esprit hatte nicht das Passende anzubieten und bei H&M suchte ich zunächst vergeblich nach meinem Geschmack. Bei Kenvelo finde ich grundsätzlich immer irgendwas, leider halten die Sachen nie lange. New Yorker trifft meinen Geschmack überhaupt nicht und Karstadt wähle ich immer als letzte Alternative, weiß auch nicht recht wieso. Ist schon nicht leicht mit mir – zum Glück war ich allein unterwegs, das kann man ja keinem antun!

Einmal um den Block und ich stoße auf H&M – war ich da nicht grad schon? Ne, war’n anderer. Also hinein, ich geb ja so schnell nicht auf. Mit der Rolltreppe ins Untergeschoss, und da gibt’s schon gleich viel zu sehen. Und die Klamotten sehen auch ansprechender aus *fg*. Einmal zwecks Überblick durch die Gänge, mal hier anfassen, dort drücken – perfekt, hat fast alles, wonach ich suche. Da mich mein Rucksack tierisch nervt gehe ich zur Kasse und frage die nette Dame, ob man seine Tasche hier irgendwo lassen kann. Als Antwort kriege ich ein nüchternes „Nein.“ … Klasse, ich mag klare Verhältnisse. Etwas perplex angesichts des ergiebigen Gesprächs ziehe ich brav mit meinem Rucksack von dannen, um nach und nach meine Beute einzusammeln. Da wäre als erstes eine Strickjacke (gibt es eigentlich ein modernes Wort dafür?? Irgendwas, das cooler klingt als „Strickjacke“??). Jedenfalls ist sie dunkelblau, hat zwei Zipper (*g*) und weiße Streifen, die hoch zur Schulter führen. Gefällt mir.

Nicht weit davon entfernt sehe ich ein paar Shirts. Ich möchte ein hellblaues zur Jacke. Nehm ich nun das mit weißer Schrift (irgendwas mit „bay…“ – nicht „…watch“) oder lieber das mit „Lapland“? Hab mich für Letzteres entschieden, finde, es passt gut zur Strickjacke.

OK, was haben wir noch? Ich will unbedingt eine neue Jacke haben, eine mit so Futter am Kragen. Da hätten wir die Cord-Jacke, die mir bis in die Kniekehlen hängt…. ne. Oder die Flauschjacke mit der Pelzkapuze… ähh, nö. Gewonnen hat eine dunkelblaue Jacke mit Futterkragen. Sehr warm und – sollte man’s glauben -sie passt zur Strickjacke und zum Shirt.

Mit Strickjacke, Shirt, Fellkragen und Rucksack tapere ich zur Anprobe. Hui, warm hier. Jacke aus, Pulli aus, Shirt aus – schon besser. Neues Shirt an, neue Strickjacke an, Fellkragen drüber – HALLO! Kann ich’s gleich anbehalten?!

OK, der Anfang wär‘ gemacht. Alles wieder aus- und angezogen und mit Sack und Pack an die Kasse. Wie schön, meine nette Gesprächspartnerin von vorhin. Sie scannt die Ware ein – 79 Euro – und ich zahle mit meinem guten Namen. Sie wünscht mir einen schönen Tag und ich fahre die Rolltreppe wieder nach oben.

Ich hab noch keine Hose bekommen, außerdem brauch ich noch ne Tasche und ein bissel Kleinkram. Ein paar Minuten später stehe ich im Eingang von Karstadt und studiere den Wegweiser, der mich dann ins 5. Obergeschoss führt. Fünf Rolltreppen später suche ich die unzähligen Regale nach einer Cord-Hose mit Schlag ab. „Kann ich Ihnen helfen“ zirpt ein Stimmchen hinter mir. „Schülerpraktikant“ steht auf dem Schild an der Brust des blonden Knaben, der mich höflich anlächelt. Weil ich gerade erst angekommen bin, lehne ich dankend ab und erforsche weiter auf eigene Faust das Überangebot an Hosen. Meinen Schülerpraktikanten habe ich damit dazu verdammt, weiter Kartons auszupacken. Sorry Kleiner!

Zur Strafe dauert es eine halbe Ewigkeit, bis ich eine Hose gefunden habe, die meinen Vorstellungen entspricht. Glück muss man haben, sie ist um 50 % reduziert. Weil das mit den Größen nie so ganz hinhaut und weil ich mir in Bezug auf die Farbe nicht so sicher war, nehme ich drei Hosen mit in die Anprobe. Eine dunkelblaue und zwei braune. Die Dunkelblaue passt schonmal gar nicht. Weder in der Größe noch in der Farbe. Eine der beiden braunen Hosen passt dafür perfekt. Aber passt das Braun zu meiner neuen Strickjacke? Fragen wir den Experten. Der nächstbeste Verkäufer, der kein Schülerschild auf der Brust hat, bekräftigt meinen Entschluss, die braune statt der blauen Hose zu nehmen. Im Vorbeigehen greife ich noch eine weiße Mütze ab und schlendere zur Kasse. 30 Euro, diesmal bar.

Ich verlasse Karstadt mit meinem Rucksack, einer H&M- und einer Karstadt-Tüte. Fehlt noch die Tasche. Ich besuche wieder etliche Läden, gehe dreimal an so’nem Typen vorbei, der ein großes Holzkreuz trägt und lautstark das Ende der Welt ankündigt. Schlussendlich lande ich wieder bei H&M im Untergeschoss und finde plötzlich auch den Rest meiner imaginären Einkaufsliste: eine Umhängetasche, einen Gürtel, einen Cord-Hut (stand ursprünglich nicht auf der Liste…) und als Accessoir ein Kettchen. Die 33 Euro zahle ich wieder mit meinem guten Namen – die nette Verkäuferin von vorhin hat wohl schon Feierabend.

Voll bepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen, eile ich geradewegs zur U-Bahnstation „Hauptbahnhof“, wandle durch die „Wandelhalle“ und komme auf der anderen Seite wieder heraus.

Nächstes Ziel: Das Café Gnosa in der Langen Reihe. Das bei Schwulen sehr beliebte gemütliche Café liegt ziemlich am Ende der Straße und meine Füße sind schon arg gebeutelt, als ich mich an dem einzigen freien Tisch endlich niederlasse. Der nette Italiener fragt nach meinem Wunsch und ich bestelle einen Salat und einen Cappuccino. Damit läute ich dann auch das Ende meines Aufenthalts in Hamburg ein.

Nach der relaxten Stärkung breche ich bald auf und fahre mit der U-Bahn zurück zum Tierpark, wo mein Auto brav auf mich wartet. Zu Hause angekommen muss ich natürlich all meine Schätze nochmal anprobieren und feststellen, dass es sich gelohnt hat. Wenn ich die Ausgaben dagegenhalte, bin ich zwar unter meinem Höchstmaß geblieben, aber der nächste Shopping-Schock muss wohl erstmal wieder ne Weile warten…

 

Was kann aus einem Montag werden?

… der sechs Minuten vor dem Wecker beginnt?

Kennt Ihr das? Ich liege im Bett, völlig entspannt, die Decke auf halber Höhe irgendwo zwischen Bauchnabel und Herzgegend. Es ist stockfinster und wenn ich die Augen öffne wird es auch nicht besser. Ein verrückter Traum liegt hinter mir, und während ich noch versuche mich an die Details zu erinnern verschwindet jede winzig kleine Erinnerung daran. Ich spüre meine eigene Körperwärme, als ich meinen Kopf langsam nach rechts drehe, um einen hoffnungsvollen Blick auf die vier feuerroten Zahlen meines Radioweckers zu werfen. Während der langen Zeit, bis meine Augen ihr Ziel erreicht haben, frage ich mich, wie spät es wohl sein mag, wie oft ich mich noch umdrehen und wie lange ich wohl noch schlafen darf, ehe mein Lieblingssender, den ich sowieso nicht sauber reinkriege, mich daran erinnert, dass Montagmorgen ist. Mein Blick ruht nun auf dem Licht der Flammen, das sich seinen Weg über die Netzhaut bahnt, die Nerven entlang kriecht, scheinbar quer durch meinen Kopf mit einem Umweg über die Fußspitzen und schließlich da ankommt, wo es den Reflex auslöst, die Augen entsetzt wieder zu schließen. Warum hab ich Idiot nur hingesehen?!! Als hätte ich eine Chance gehe ich in Gedanken meine Optionen durch. a) ich könnte so tun, als wär ich gar nicht aufgewacht und einfach wieder einschlafen; b) ich könnte mich in die Senkrechte begeben, die Decke mürrisch von mir stoßen und meine nackten Füße auf den kalten Laminatboden setzen; oder c) ich bleibe liegen und warte in vollem Bewußtsein auf den Anschiss meines Weckers, der mir sagt, dass ich genauso gut einfach vor sechs Minuten hätte aufstehen können. Ich steh total drauf, wenn der Tag mit schwierigen Entscheidungen beginnt!

Auf dem Weg zur Dusche begrüße ich maulig meinen zotteligen Mitbewohner im Spiegel, drehe das Wasser auf und frage mich, was ich wohl am gescheihtesten mit den gewonnenen sechs Minuten anfange. Als das lauwarme Nass meine Haut herunterrinnt schließe ich die Augen, freue mich diebisch auf die erste Tasse frisch gebrühten Kaffee des Tages, knusprigen Toast und einen kräftigen Klecks Marmelade.

Als ich die Augen wieder öffne, stelle ich fest, dass man unter der Dusche problemlos sechs Minuten mit dem Gedanken an Frühstück verbringen kann.

Was dann folgt ist die Rasur – alle Tage wieder. Ich liebe das penetrante Brummen meines Braun Syncro. Die Versuche, mein Haar zu bändigen und zu stylen lassen vermuten, dass ich meine Zeit eher als Zauberlehrling denn als Banker verbringe, aber dem ist nicht so.

Noch eine Station, bevor das Frühstück beginnen kann. Ich schlüpfe in meinen Anzug *schlüpfe – kleiner Scherz!*, öffne das Fenster, lasse die Rolloschnur achtlos zu Boden fallen, klemme ein Buch in den Fensterrahmen, das ich sowieso nicht mehr lesen werde und dann, dann betrete ich die Küche. Ich knipse das Licht der Dunstabzugshaube an, drücke den Knopf meiner Kaffeemaschine und werfe zwei Scheiben Toast in meinen Toaster. Messer, Brettchen, Butter, Marmelade und Milch auf den Tisch, noch zehn Minuten Zeit. Die Maschine gurgelt voller Vorfreude den Kaffee in meine durchsichtige Tasse und sofort duftet es in der ganzen Küche. Gibt es was schöneres? PLOPP macht der Toaster, ich hole die Kaffeetasse dazu und schütte Milch hinein. PLOPP sagt auch die klumpige Milch und ich habe nur noch fünf Minuten.

Draußen sind es 13 Grad. Das ist zwar selten um diese Jahreszeit, aber nicht bedenklich hat mir die Frau aus dem Radio gesagt. Weil es nämlich so furchtbar gestürmt hat in den letzten Tagen, hatte die Luft keine Zeit sich abzukühlen, ehe sie hier ankam. Das ist so als würde ich mir eine neue Tasse Kaffee aufbrühen und sie auf dem Weg zur Arbeit trinken. Wenn ich ganz schnell laufe, ist der Kaffee noch warm, wenn ich ankomme.

Ich habe morgens keine Lust schnell zu laufen und habe deshalb keinen Kaffee mehr gemacht. Als ich auf der Arbeit durch die Tür komme und acht Leute sehe, wo auch vier gereicht hätten, überlege ich einfach wieder zu gehen, ehe wir uns heute gegenseitig auf die Füße treten. Beim Gedanken an mein Überstundenkonto, das verdammte Ähnlichkeit mit meinem Kontoauszug zum Monatsende hat, beschließe ich jedoch zu bleiben.

Mir ist, als hätt ich mich grad noch über das sonnige Wetter geärgert, dass uns den Montag versauen will, während es das ganze Wochenende […] geregnet hat. Doch schon sind neun Stunden verflogen und ich werde endlich mein kleines graues Auto in die Waschstraße fahren, damit es wieder neongelb wird wie früher. Als ich mich ans Lenkrad setze bin ich versucht hineinzubeißen. Auf der Windschutzscheibe zeichnen sich kleine runde Wassertropfen ab, die sich schnell vermehren, und ehe ich den Motor anlasse prasselt ein schöner, warmer Landregen auf mich nieder.

Ich drehe den Zündschlüssel, lasse die Waschstraße ungenutzt hinter mir und fahre nach Hause.

Was kann aus einem Montag werden, der sechs Minuten vor dem Wecker beginnt!