Erfolg

Gestern Abend bekam ich noch eine SMS aus Paris. Bei meinem Engel ist alles in Ordnung und ich werde langsam ruhiger, auch wenn er heute noch nichts von sich hat hören lassen. Laut den Nachrichten gab es aber gestern Nacht keine Ausschreitungen im Pariser Zentrum.

Mein Urlaub ist vorbei und heute Morgen ging die Arbeit wieder los. Etwas widerwillig verließ ich das kuschlige Bett, es war noch dunkel. Der Fußboden wird wieder kälter und gähnend schlurfte ich rüber ins Bad. Das Licht tat meinen Augen weh, aber die heftigen Kreuzschmerzen von gestern sind zum Glück verschwunden. Nach einer kurzen Dusche und dem Kampf mit den Bartstoppeln machte ich mir ein knappes Frühstück. Eigentlich hatte ich vor, in Zukunft morgens früher aufzustehen und in Ruhe zu frühstücken, hat natürlich nicht geklappt und so fand das Toast seinen Weg in meinen Magen wieder einmal zwischen Tür und Angel.

Die Arbeit zeigt sich heute ziemlich entspannt und ich bin tatsächlich etwas erholt. Höhepunkt des Vormittages war dann ein Gespräch mit dem Chef. Er fragte mich, ob ich kurz Zeit für ihn hätte und ich folgte in das einzige geschlossene Büro am Ende der Filiale… Er schloss die Tür hinter mir und zog sich seinen Notizblock heran.

Zuerst sprach er mich auf mein Herzproblemchen an und fragte, ob er mich überfordern würde und ob er etwas tun könnte, um mich zu entlasten! Da ich aber noch nicht genau weiß, woher das kommt sagte ich ihm, ich würde mich melden, wenn es zuviel wäre.

Dann sprach er die kurzfristig für Mittwoch vom Gesamtvorstand einberufene Personalversammlung zum Thema Personalabbau an und ich dachte: ‚Was kommt jetzt?!’ Er schien meine Gedanken zu lesen und setzte gleich nach, dass ich mir keine Sorgen zu machen bräuchte. Ich hatte ihm ja vor einiger Zeit mal gesteckt, dass ich in absehbarer Zeit von hier weggehen und mir in dem Rahmen einen neuen Arbeitgeber würde suchen wollen. Das hatte ich auch der Personalabteilung mitgeteilt. Und dann kam der Kracher: Meine Firma lässt nun über meinen Chef anfragen, was sie mir bieten muss, damit ich bleibe! HALLO!! Wie geil ist das denn bitte?! Ich soll mir das in Ruhe überlegen und die Personalabteilung wird diesbezüglich in den nächsten Wochen auf mich zukommen. Was sagt man dazu? Jetzt muss ich abwägen, aber ich denke nicht, dass ich jeden Tag insgesamt 200 km fahren werde. Mal sehen. Ich bin natürlich total von den Socken.

So, jetzt wo ich das schon mal losgeworden bin kann die Arbeit gleich weitergehen. Leider macht mein Herz nach wie vor unschöne Dinge und jedes Ziehen oder Stechen, sei es in der Herzgegend oder im linken Arm, macht mir Angst. Es tut nicht richtig weh und vermutlich ist das nicht anders als immer, aber ich bin extrem sensibilisiert auf alles, was da so vor sich geht.

Jetzt warte ich auf eine Nachricht von Gerd, darauf ihn bald wiederzusehen und auf den 16. November, wenn ich endlich dieses EKG machen kann.

 

Unruhe

Ein betrübtes Gesicht sitzt heute vor meinem Rechner. Der Tag ist noch jung, aber mein Treffen mit Gerd ist schon wieder vorbei. Kurz war es, sehr kurz. Schon jetzt verblasst der Stempel auf meiner linken Hand, der meine Eintrittskarte für die Party gestern Abend war. Es war schon halb acht abends, als ich bei meinem Schatz ankam. Den ganzen Samstag war er unterwegs gewesen und als es draußen dunkel war wie mitten in der Nacht, fuhr ich endlich die 110 km zu ihm.

Nur einen Tag zuvor erfuhren wir beide, dass er ab heute Vormittag für sieben Tage auf Geschäftsreise nach Paris muss. Ab heute Vormittag heißt, dass wir gerade noch zusammen frühstücken konnten und dann war’s schon wieder vorbei. Sieben Tage heißt, dass wir uns am nächsten Wochenende wohl nicht sehen werden. Und Paris – und das ist das Schlimmste daran – ist grad nicht der Ort, an dem ich meinen Schatz mit ruhigem Gewissen sehen möchte. Der Gedanke daran ließ mich schon von Freitag auf Samstag nicht einschlafen und macht mich ziemlich nervös.

Am liebsten würde ich genau jetzt alles in Gang bringen, was meinen Umzug in seine Nähe erfordert. Bewerbungen schreiben, Vorstellungsrunden beginnen, Wohnung suchen und alles, was damit zusammen hängt. Aber das alles erscheint mir so viel und so gravierend. Ich werde erst einmal abwarten, was diese Herzgeschichte ergibt. Wenn sich herausstellt, dass alles in Ordnung ist, dann kann ich loslegen.

Jetzt hoffe ich nur, dass mein Engel heil in Paris landet und die sieben Tage angesichts der Unruhen, die inzwischen auch das Zentrum der französischen Hauptstadt ergriffen haben, unbeschadet übersteht.

Ich bin nervös.

:: 14:44 Uhr
Gut gelandet ist er jetzt schon mal!

:: 18:55 Uhr
Im Hotel ist er auch gut angekommen. Sieht alles ganz friedlich aus, schreibt er.

Ich bin trotzdem total beunruhigt.

 

Sparflammen

Heute ist ein ruhiger und gemütlicher Tag – mein letzter Urlaubstag in diesem Jahr. Ich nutze die Entspannung dieser Woche um meine Behausung herbstfest zu machen. Ich habe meine Fensterbänke mit neuem Grün aus dem Baumarkt bestückt und auch mein Halloween-Kürbis muss ja noch nicht wieder im Schrank verschwinden. In ihm leuchtet nun die kleine Flamme eines Teelichts, während es draußen schon langsam wieder dunkler wird. So richtig hell ist es nicht geworden an diesem Freitag, der blaue Herbsthimmel wird von mehreren Wolkenschichten verdeckt, die in vielen verschiedenen hellen und dunklen Grautönen daherwehen. Hier und dort sieht man, wie der Wind lustig-zottelige Figuren aus ihnen bläst. Ganz allmählich verschwindet auch die intensive Farbe der Bäume und meist steht schon jetzt nicht mehr als ein blattloses Gerüst herum und wartet darauf, dass es kalt wird.

Halloween

Kalt wird es hier drinnen heute nicht. Die Heizung sorgt für eine angenehme Wärme, und weil ich mal wieder Putztag habe, wird mir auch so ganz schnell warm.

Ach ja, ich hab doch gestern bei der Kardiologie angerufen um mir einen Termin geben zu lassen. Ich erklärte der netten Sprechstundenhilfe am Telefon, dass ich eine Überweisung von meinem Hausarzt hätte. Fröhlich, wie sie war, bot sie mir dann auch schnellstmöglich einen Termin für den 19. Januar 2006 an…

Ich erklärte ihr dann, dass ich eigentlich nur ein Langzeit-EKG erhalten soll. „Aaachsooo, na das geht auch schon früher!“ Na also. Jetzt darf ich mir am 16. November 2005 das Gerät anbauen lassen und muss es dann am nächsten Tag wieder zurückgeben. Da bin ich ja mal gespannt. Bis dahin werde ich weiter auf Sparflamme fahren, sicher ist sicher.

 

Ergebnisse

Heute war ich wie verabredet bei meinem Hausarzt, um mir das Ergebnis der Blutuntersuchung anzusehen. Im Wartezimmer traf ich meine Schwester, die grad mit einer Erkältung zu kämpfen hat. Es dauerte eine Stunde bis ich drankam, aber immerhin sind die Blutwerte in Ordnung. Ich erzählte dem Doc von den Symptomen bei Belastung und endlich wurde er etwas hellhöriger und meinte, das sollte man dann doch noch mal eingehender untersuchen lassen. Na also. Jetzt habe ich eine Überweisung zum Kardiologen bekommen, da werde ich mich gleich morgen früh melden. Der soll dann ein Langzeit-EKG machen um mehr festzustellen.

Heute Abend erhielt ich Besuch von meinem ehemaligen italienischen Nachbarn. Vor ein paar Wochen half ich ihm über die Ausländerbehörde eine Freundin aus Moldawien einzuladen. Sie ist nun angekommen und so haben mich die beiden heute besucht. Es war schon eine merkwürdige Gesprächsrunde… Antonio spricht nur deutsch und italienisch, Cristina spricht nur italienisch und englisch und ich spreche englisch und deutsch. Also hat sich jeder einzeln mit jedem unterhalten. Und ich brauche wohl bald ein neues Weinregal, hab doch jetzt einen neuen aus Moldawien dabei.

 

Flensburg

:: Urlaub

Endlich ein paar Tage frei! Ich bin immer noch bei meinem Schatz, als ich morgens aufwache. Es ist Montag und er schläft friedlich neben mir. Sein Kopf liegt auf meinem Arm und neben mir in der Küche höre ich Geräusche. Aber es ist noch dunkel draußen und in der Küche werkelt nur der erste, der aus diesem Haus heute zur Arbeit muss. Ich kuschle mich wieder an meinen Schatz und schlafe wieder ein. Als ich das nächste Mal aufwache ist es hell.

Ich stehe als erstes auf, springe unter die Dusche und will meinen Schatz dann aus dem Bett kitzeln, aber als ich zurückkomme, ist das Bett bereits gemacht und Gerd ist schon auf. Dann gibt es erst mal Frühstück, zusammen mit seiner Schwester, denn alle anderen sind bereits ausgeflogen.

:: Gartenarbeit

Um halb zehn sollte draußen auf dem Grundstück eine große frisch gepflanzte Hecke gewässert werden. Dazu war einer der umliegenden Landwirte mit einem Tank voller Wasser bestellt worden. Vorweg hatten wir drei die Aufgabe, einen Wall aus Erde aufzuschaufeln, damit das Wasser auch in die richtigen Bahnen floss. Also schnappte sich jeder eine Schaufel und dann ging es frisch ans Werk. Und wieder und wieder und wieder machte mein Herz diese rätselhaften Sprünge… In diesem Moment beschloss ich, bei meinem Arzttermin am Mittwoch ein Belastungs-EKG zu machen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Das Wetter war wieder traumhaft und für Ende Oktober viel zu warm. Mit T-Shirts bekleidet schaufelten wir die Erde auf, gerade rechtzeitig, bevor das Wasser kam. Der Damm hielt. Anschließend machten Gerd und ich uns wieder daran, Kühe von der Pferdeweide zu scheuchen und die Zäune zu flicken.

:: Reitunterricht

Reitunterricht

Um elf Uhr gab Gerd Reitunterricht. Dazu fuhren wir ein paar Orte weiter und wurden von seiner Reitschülerin erwartet, die noch die beiden Island-Pferde putzte. Ich setzt mich an den Reitplatz und schaute den beiden interessiert zu, schoss in aller Ruhe ein paar Photos und knuddelte das Pferd, das bei mir geblieben war. Island-Pferde haben vergleichsweise langes Haar.

Islandpony

Nachdem auch der Unterricht erledigt war, sprang mein Schatz unter die Dusche, machte sich fertig und dann fuhren wir nach Flensburg. Ich hielt unterwegs zum Tanken und dann ging es schnurstracks Richtung Norden. Als wir nach einer Weile in Flensburg ankamen ging die Parkplatzsuche los. Das war nicht einfach und wir brauchten den einen oder anderen Versuch, bis wir mein kleines Auto sicher und sogar ziemlich zentral abgestellt hatten. Gerd besorgte einen Parkschein und dann machten wir uns auf den Weg in die Fußgängerzone. Wir liefen durch die schöne „Holm-Passage“, besahen uns eine Vielzahl von Geschäften und bummelten ganz gemütlich durch die Stadt. Abends wollten wir spanisch essen gehen und so machten wir uns bei Tageslicht auf die Suche nach dem Restaurant, von dem uns seine Schwester schon erzählt hatte. Es war nicht schwer zu finden, Gerd hatte eine Wegbeschreibung im Gedächtnis.

Nachdem der Laden also gefunden war ging das Bummeln weiter. Ich kaufte mir ein neues Paar Schuhe und am Ende hatten wir einige Kilometer zurückgelegt. Die Einkaufsstraße ist sehr schön in Flensburg und die verwinkelten Gassen einen Besuch wert.

Irgendwann wurde es dunkel in der Stadt nahe der Grenze zu Dänemark und die meisten Geschäfte schlossen gegen sechs oder halb sieben ihre Pforten. Es wurde still um uns und kühl. Da wir unsere Füße schon deutlich spüren konnten machten wir uns schlussendlich auf den Weg zum Essen.
Wir erreichten das spanische Restaurant und belohnten uns für den schönen Tag mit einem kühlen Alsterwasser. Das tat gut! Das Essen danach bestand aus einem leckeren Vorspeisenteller mit allerlei Köstlichkeiten. Das allein war schon so reichhaltig, dass das Hauptgericht gar nicht mehr nötig gewesen wäre. Aber auch das schaffte ich, wenn auch nicht vollständig.

Nach dem Essen rückte der Abschied näher, leider, denn noch für diesen Montagabend stand meine Heimreise auf dem Plan. Etwas schwermütig (könnte aber auch am Essen gelegen haben) fuhren wir von Flensburg zurück in Gerds Wohnort. Ganz gemütlich ging es über die ruhigen dunklen Straßen und ich hielt irgendwann vor seinem Haus an und wir verabschiedeten uns

Ich hab das Wochenende sehr, sehr genossen, und auch wenn ich meinen Engel schon jetzt wieder vermisse freue ich mich schon auf das nächste Wochenende. Dann steht eine weitere Party an, und diesmal weiß ich sogar vorher davon!

 

Zeitumstellung

Am Sonntag schlugen Gerd und ich fast zeitgleich die Augen auf. Es war schon helllichter Tag, kein Wunder, der Wecker zeigte eine ziemlich fortgeschrittene Uhrzeit an. Wir standen auf, genossen eine heiße Dusche, machten uns fertig und fuhren dann in meinem Wagen zu ihm nach Hause. Die Fahrt war angenehm, das Wetter traumhaft und mein Traummann an meiner Seite. Ich fühlte mich einfach glücklich!

Bei ihm zu Hause wurde es nicht langweilig. Im Gegenteil, es gab viel zu tun. Zuerst entsorgten wir die Einzelteile eines zerlegten Apfelbaumes. Es tat gut, mal wieder so richtig anpacken zu können. Wir stapelten die Baumteile in einem Schuppen zum Trocknen, bevor sie irgendwann kamingerecht zersägt werden sollen. Holzpfähle lagen auf einem zum Verkauf abgetrennten Grundstück herum und mussten ebenfalls trocken gelagert werden. Wir stapelten sie beim Pferdestall. Bei der Gelegenheit lernte ich Gerd’s Schwester und ihren Freund kennen. Die beiden sind mindestens so nett wie Gerd selbst und wir verstehen uns sehr gut. Ich hoffe, das bleibt auch so, wenn sie irgendwann erfahren, dass Gerd und ich ein Paar sind… Aber ich bin da ganz zuversichtlich. Wir halfen dabei, die neue Tür zum Pferdestall zu befestigen, und während ich mit einem Vorschlaghammer einen Pfahl in den Boden trieb, spürte ich erneut mein stolperndes Herz… Wie war das mit dem sinkenden Adrenalinspiegel…?

Die Arbeiten danach waren nicht so anstrengend, Gerd und ich inspizierten die Zäune der umliegenden Pferdekoppel. Die benachbarten Kühe haben die dumme Angewohnheit, die Zäune niederzutrampeln und sich bei den Pferden häuslich niederzulassen. Die beiden Pferde hingegen sind dann auf der Kuhweide zu finden. Also fingen wir die Pferde wieder ein und reparierten die Zäune notdürftig, wobei wir uns fragten, wie lange das wohl diesmal halten würde…

Es wurde schon bald dunkel, als wir uns auf den Weg zu dem Gestüt im Nachbarort machten, wo Gerd sich um sein Pflegepferd kümmerte. Heute ging es in die Reithalle, wo der Hengst sein Laufpensum absolvierte. Ich saß auf der Brüstung und sah den beiden zu wie sie eine Runde nach der anderen drehten, mal schnell, mal langsam, mal kreisförmig und mal über Kreuz.

Durch die Zeitumstellung von Samstag auf Sonntag wird es abends jetzt eine ganze Stunde früher dunkel als sonst. Und während sich kluge Köpfe immer noch über Sinn und Unsinn dieser Einrichtung streiten machten Gerd und ich es uns auf seiner Couch bei leckerer Pizza gemütlich und schauten uns „Pastewka in Russland“ auf DVD an, ehe wir dann… schlafen gingen.

 

Schwindelerregend

Als mein Wecker mir den Samstagmorgen ankündigte war es noch stockfinster draußen. Ich schlug die Augen auf und fühlte mich merkwürdig. Mein Herz machte keine komischen Sachen an diesem Morgen, doch als ich mich aufrichtete, um ins Bad zu gehen, drehte sich alles um mich herum. Mir war nur noch schwindlig und ich kippte gleich wieder rückwärts ins Bett. Wieder ein großer Schreck, was ist nur los mit mir?? Ich wankte in die Küche, trank einen Schluck kaltes Wasser und legte mich schnell noch mal ins Bett. Ich hatte noch ein wenig Zeit, bis ich aufstehen musste. Doch auch eine Viertelstunde später ging es mir nicht besser, der Kreislauf war irgendwo bei Null. In diesem Moment kam eine SMS von Mella. Sie wollte wissen, ob ich heute bei der Fahrgemeinschaft mitfahren würde. Ich entschied nach kurzem hin und her, dass ich heute nicht nach Kiel in die Akademie fahre. Stattdessen legte ich mich ins Bett, zog die Bettdecke über die Ohren und fiel in einen unruhigen Schlaf, der auch erst am Mittag wieder endete. Draußen war es hell und besorgt fragte ich mich, ob ich es riskieren soll aufzustehen. Ich tat es und erstaunlicherweise war das Schwindelgefühl fast verschwunden. Ich lief um das dunkelblau bezogene Bett herum zum Fenster. Die Sonne schien draußen, war aber schon um die Hausecke verschwunden.

Baltic Horse Show

Ich habe den Nachmittag damit zugebracht, mich auszuruhen und einfach mal einen Tag lang nichts zu tun. Erst abends wollte ich mein Programm wieder aufnehmen, und so setzte ich mich um 18 Uhr in meinen neongelben Kleinwagen und machte mich auf den Weg nach Neumünster. Hier fand abends eine Auswahl von Trakehner-Hengsten statt, die sich mein Engel gern ansehen wollte, also fuhr ich auch dorthin. Es herrschte reger Verkehr auf den Straßen, so dass ich nicht wie geplant etwas früher dort ankam, sondern auf die Minute pünktlich um 19 Uhr. Ich stand am Haupteingang zu den „Holstenhallen“ und rief Gerd wie besprochen an. Wenige Minuten später kam er mit seiner Arbeitskollegin auf mich zu. Wir verbrachten einen interessanten Abend, mussten jedoch mehrere Stunden stehen, weil die Karten für die Sitzplätze ziemlich teuer waren.

Baltic Horse Show

Nach der Auswahl mit Vorführungen, Darbietungen und Kür war die Show zuende und wir machten uns auf den Weg durch die Menge, als Gerd uns fragte, ob wir Jacke und Tasche an der Garderobe abgeben wollen. Ich verstand nicht ganz und verneinte. Und dann fand ich mich auf einer After-Show-Party wieder. Da saß ich nun am Rande der Tanzfläche mit Gerd und Claudia, eingepackt in meine Winterjacke und meine Tasche zu Füßen. Diese plötzliche Party hatte mich ziemlich überrascht, denn mein Schatz hat doch irgendwie vergessen zu erwähnen, dass der Abend nach der Show noch längst nicht vorbei ist. Es dauerte eine Weile, bis ich nach wilden Samba-Tänzen von wilden Samba-Damen auf Party-Laune umschalten konnte, aber mein Engel kümmerte sich rührend um mich und dann gab’s kein Halten mehr. Es wurde eine ziemlich durchtanzte Party und ich hatte jede Menge Spaß!

Glücklich und ziemlich verschwitzt fuhren Gerd und ich dann einige Zeit später zu mir nach Hause.

 

Herzensangelegenheiten

Es begann gestern Abend. Der Donnerstag war anstrengend gewesen, ein Termin jagte den nächsten. Erschöpft fiel ich irgendwann in mein Bett. Draußen war es bereits dunkel und nur die Lichter der Straßenbeleuchtung schienen noch durch mein Schlafzimmerfenster. Ich lag da und lauschte meinem Herzschlag. Es war ganz still und ich hörte dem regelmäßigen Klopfen zu. Regelmäßig? Da war nix regelmäßig… Zuerst ein Schlag, dann noch einer, dann keiner und dann zwei auf einmal… dann wieder ein paar und dann wieder Pause und dann wieder zwei auf einmal. Das ging vier oder fünf mal so, als ich mich erschreckt aufsetzte, durchatmete und das Licht anknipste. Dass mein Herz stolperte war mir nicht neu, das kam gelegentlich mal vor, aber noch nie war das so oft hintereinander passiert. Es ging noch eine Weile so weiter und das beunruhigte mich. Irgendwann legte ich mich dennoch wieder hin und schlief ein.

Am Freitagmorgen stand ich ganz normal auf, hatte den Rhythmus des vergangenen Tages längst vergessen und ging zur Arbeit. Doch nach einer halben Stunde etwa tat mein Herz einen weiteren Sprung und dann noch einen und noch einen und noch einen… Ich versuchte ruhig zu bleiben und zu überlegen, was ich tun soll. In der Firma war viel zu tun und mein erster Gedanke war: ich kann die Kollegen heute nicht allein lassen… Dann entschied ich jedoch zum Arzt zu gehen, sprach mit dem Chef und rief den Doc an. Ich erklärte der Sprechstundenhilfe mein Anliegen und sie meinte: „Oh heute ist das Wartezimmer sehr voll, hat das vielleicht bis Montag Zeit?“ Oh aber sicher, wenn das Wartezimmer doch voll ist, was machen da schon plötzlich auftretende Herzrhythmus-Störungen?! „Nein, es hat NICHT Zeit bis Montag!“

Um halb zehn war ich dann beim Doc – das heißt, im Wartezimmer – und kam um halb zwölf dann auch schon dran. Ich schilderte ihm mein Problem und er wies eine der Lernschwestern an, mir Blut abzunehmen *graus* und dann ein EKG zu machen. Ich durfte mich schon mal frei machen und dann zapfte sie mir fleißig Blut aus dem rechten Arm. Wie viel das war, kann ich nicht sagen, ich schaue bei so was immer weit weg…

Dann stöpselte sie mir lauter kalte Saugnäpfe an den nackten Oberkörper und schloss irgendwelche Kabel an, die sie für meinen Geschmack etwas zu ratlos auseinander tüdelte… Der Arzt rief ihr dann zu: „Lass Lacarian mal ne Weile liegen und dann starten wir die Messung!“ Neben mir ratterte inzwischen das Aufzeichnungsgerät und die Schwester meinte mal „Hmm…“ und mal „Hm.“. Dann war sie fertig, zuppelte den Papierstreifen aus dem Drucker und lief damit zum Doc. Sollte ich nicht noch ne Weile liegen bleiben bevor wir anfangen??

Als sie wiederkam murmelte sie irgendwas von Störung und nahm mir die ganze Kabelage wieder ab, zog mir die Saugnäpfe vom Körper – jetzt hab ich da lauter „Knutschflecke“ – und dann durfte ich mich wieder anziehen. Der Doc meinte dann, das sei alles ganz unbedenklich, ich wäre ja jung und schlank und ich solle mir keine Sorgen machen. Seine Erklärung war, dass diese Rhythmusstörungen nicht vom Herzmuskel selbst, sondern vom Nervenzentrum ausgelöst werden und daher nicht die Gefahr von Kammerflimmern bestünde. Diese Extra-Systolen (so nannte er das glaub ich) würden ihm zufolge ausgelöst, wenn mein Adrenalinspiegel sinkt, also zum Beispiel dann, wenn ich mich schlafen lege.

Na gut, der Doc ist der Doc und ich muss ihm wohl glauben, obwohl er nicht auf die Frage eingegangen war, wieso das nun so gehäuft auftritt. Am kommenden Mittwoch erwartet er das Ergebnis der Blutuntersuchung, da soll ich dann wiederkommen…

 

Wellness

Schon wieder vorbei ist die schöne Zeit an diesem Wochenende. Es war schon zwanzig vor sieben gestern Abend, als mein Schatz zu mir kam. Den Tag hatte ich bis dahin mit Unterricht begonnen und den Nachmittag dann genutzt, um in meiner Bude klar Schiff zu machen. Gerd empfing mich gleich auf dem Parkplatz, denn wir wollten gleich weiter. Gemeinsam fuhren wir nach Kaltenkirchen in die „Holstentherme“.

Das Wellness-Erlebnisbad war schon während der letzten kalten Jahreszeit jeden Monat einmal mein Ziel, und doch hatte ich Schwierigkeiten, das Bad im Dunkeln zu finden, so dass ich einmal irgendwo zwischen hier und dort nach dem Weg fragen musste. Eine Tankstelle war weit und breit nicht zu sehen, und so fragte ich den Wirt eines verlassenen Gasthauses. Um mir nicht anmerken zu lassen, dass ich eigentlich aus dieser Gegend komme (wie peinlich!) schob ich einfach einen kleinen Dialekt ein. Man muss sich ja nicht die totale Blöße geben! So verkehrt waren wir dann aber auch nicht und nach ein paar Kilometern hatten wir das große Thermalbad gefunden. Wir verbrachten einen spaßigen Abend im Wasser bei tropischen Temperaturen, nutzten die Gelegenheit nach draußen zu schwimmen, wo das warme Wasser in der kalten Abendluft dampfte und heizten uns im Whirlpool so richtig auf. Trocknen konnten wir uns auf den Sonnenliegen, wobei die „Sonne“ aus diversen Speziallampen bestand. Schön war’s allemal.

Weil baden bekanntlich hungrig macht kehrten wir bei einem kleinen Restaurant ein und genossen ein gemütlich-rustikales Abendessen. Als wir bei mir zu Hause ankamen, war es schon ziemlich spät.

Nach dem ausgiebigen Frühstück heute morgen unternahmen wir einen Waldspaziergang. Still war es dort bis auf die Regentropfen, die auf das Blätterdach über uns fielen. Danach hieß es leider schon wieder Abschied nehmen nach 18 rasend schnell vergangenen Stunden. Bis zum nächsten Wochenende.

 

Abendgedanken

Ich blicke hinaus in die Dunkelheit und sehe mein Spiegelbild in der Fensterscheibe. In der Ferne funkeln kleine Scheinwerfer von Autos, die stumm auf der Bundesstraße durch die Nacht fahren. Nicht weit von hier, hinter den großen Bäumen, die bei Tag rote und gelbe Blätter tragen, leuchtet ein Fußballfeld im diesigen Schein der Flutlichter und von Zeit zu Zeit weht ein Johlen der Spieler herüber. Mit gerade mal halb neun ist der Abend noch jung, dennoch ist es dunkel hinter den meisten Fenstern der umliegenden Häuser, deren Bewohner jetzt bei einer Tasse Tee auf dem Sofa ein gutes Buch lesen und sich dabei in eine flauschige Wolldecke hüllen oder die zusammen mit der ganzen Familie vor dem Fernseher sitzen. Sterne sind heute nicht zu sehen und auch der Halbmond verbirgt sich hinter der Wolkendecke. Wie wohl die Wolken bei nächtlichem Mondschein von oben aussehen?

Viel Verkehr, schreibt mein Schatz, gibt es auf der Strecke von der Messe nach Hause. Spät soll es werden, nach Mitternacht und dann nur noch ins Bett. Etwas Schlaf nachholen könnte sicher nicht schaden nach so anstrengenden Messetagen. Lauferei, auf den Beinen von morgens bis abends, Lärm und immer hübsch lächeln, das schlaucht. Doch morgen hat das Warten wieder mal ein Ende. Nach meinem Unterricht und seinem Vormittagsprogramm haben wir uns wieder. Ich freue mich schon darauf, kann seine Umarmung schon fast spüren. Freitagabend und er ist zum Greifen nah! Mit dem restlichen Schwung unserer letzten Begegnung hinein ins neue Wochenende!