Flensburg

:: Urlaub

Endlich ein paar Tage frei! Ich bin immer noch bei meinem Schatz, als ich morgens aufwache. Es ist Montag und er schläft friedlich neben mir. Sein Kopf liegt auf meinem Arm und neben mir in der Küche höre ich Geräusche. Aber es ist noch dunkel draußen und in der Küche werkelt nur der erste, der aus diesem Haus heute zur Arbeit muss. Ich kuschle mich wieder an meinen Schatz und schlafe wieder ein. Als ich das nächste Mal aufwache ist es hell.

Ich stehe als erstes auf, springe unter die Dusche und will meinen Schatz dann aus dem Bett kitzeln, aber als ich zurückkomme, ist das Bett bereits gemacht und Gerd ist schon auf. Dann gibt es erst mal Frühstück, zusammen mit seiner Schwester, denn alle anderen sind bereits ausgeflogen.

:: Gartenarbeit

Um halb zehn sollte draußen auf dem Grundstück eine große frisch gepflanzte Hecke gewässert werden. Dazu war einer der umliegenden Landwirte mit einem Tank voller Wasser bestellt worden. Vorweg hatten wir drei die Aufgabe, einen Wall aus Erde aufzuschaufeln, damit das Wasser auch in die richtigen Bahnen floss. Also schnappte sich jeder eine Schaufel und dann ging es frisch ans Werk. Und wieder und wieder und wieder machte mein Herz diese rätselhaften Sprünge… In diesem Moment beschloss ich, bei meinem Arzttermin am Mittwoch ein Belastungs-EKG zu machen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Das Wetter war wieder traumhaft und für Ende Oktober viel zu warm. Mit T-Shirts bekleidet schaufelten wir die Erde auf, gerade rechtzeitig, bevor das Wasser kam. Der Damm hielt. Anschließend machten Gerd und ich uns wieder daran, Kühe von der Pferdeweide zu scheuchen und die Zäune zu flicken.

:: Reitunterricht

Reitunterricht

Um elf Uhr gab Gerd Reitunterricht. Dazu fuhren wir ein paar Orte weiter und wurden von seiner Reitschülerin erwartet, die noch die beiden Island-Pferde putzte. Ich setzt mich an den Reitplatz und schaute den beiden interessiert zu, schoss in aller Ruhe ein paar Photos und knuddelte das Pferd, das bei mir geblieben war. Island-Pferde haben vergleichsweise langes Haar.

Islandpony

Nachdem auch der Unterricht erledigt war, sprang mein Schatz unter die Dusche, machte sich fertig und dann fuhren wir nach Flensburg. Ich hielt unterwegs zum Tanken und dann ging es schnurstracks Richtung Norden. Als wir nach einer Weile in Flensburg ankamen ging die Parkplatzsuche los. Das war nicht einfach und wir brauchten den einen oder anderen Versuch, bis wir mein kleines Auto sicher und sogar ziemlich zentral abgestellt hatten. Gerd besorgte einen Parkschein und dann machten wir uns auf den Weg in die Fußgängerzone. Wir liefen durch die schöne „Holm-Passage“, besahen uns eine Vielzahl von Geschäften und bummelten ganz gemütlich durch die Stadt. Abends wollten wir spanisch essen gehen und so machten wir uns bei Tageslicht auf die Suche nach dem Restaurant, von dem uns seine Schwester schon erzählt hatte. Es war nicht schwer zu finden, Gerd hatte eine Wegbeschreibung im Gedächtnis.

Nachdem der Laden also gefunden war ging das Bummeln weiter. Ich kaufte mir ein neues Paar Schuhe und am Ende hatten wir einige Kilometer zurückgelegt. Die Einkaufsstraße ist sehr schön in Flensburg und die verwinkelten Gassen einen Besuch wert.

Irgendwann wurde es dunkel in der Stadt nahe der Grenze zu Dänemark und die meisten Geschäfte schlossen gegen sechs oder halb sieben ihre Pforten. Es wurde still um uns und kühl. Da wir unsere Füße schon deutlich spüren konnten machten wir uns schlussendlich auf den Weg zum Essen.
Wir erreichten das spanische Restaurant und belohnten uns für den schönen Tag mit einem kühlen Alsterwasser. Das tat gut! Das Essen danach bestand aus einem leckeren Vorspeisenteller mit allerlei Köstlichkeiten. Das allein war schon so reichhaltig, dass das Hauptgericht gar nicht mehr nötig gewesen wäre. Aber auch das schaffte ich, wenn auch nicht vollständig.

Nach dem Essen rückte der Abschied näher, leider, denn noch für diesen Montagabend stand meine Heimreise auf dem Plan. Etwas schwermütig (könnte aber auch am Essen gelegen haben) fuhren wir von Flensburg zurück in Gerds Wohnort. Ganz gemütlich ging es über die ruhigen dunklen Straßen und ich hielt irgendwann vor seinem Haus an und wir verabschiedeten uns

Ich hab das Wochenende sehr, sehr genossen, und auch wenn ich meinen Engel schon jetzt wieder vermisse freue ich mich schon auf das nächste Wochenende. Dann steht eine weitere Party an, und diesmal weiß ich sogar vorher davon!

 

Zeitumstellung

Am Sonntag schlugen Gerd und ich fast zeitgleich die Augen auf. Es war schon helllichter Tag, kein Wunder, der Wecker zeigte eine ziemlich fortgeschrittene Uhrzeit an. Wir standen auf, genossen eine heiße Dusche, machten uns fertig und fuhren dann in meinem Wagen zu ihm nach Hause. Die Fahrt war angenehm, das Wetter traumhaft und mein Traummann an meiner Seite. Ich fühlte mich einfach glücklich!

Bei ihm zu Hause wurde es nicht langweilig. Im Gegenteil, es gab viel zu tun. Zuerst entsorgten wir die Einzelteile eines zerlegten Apfelbaumes. Es tat gut, mal wieder so richtig anpacken zu können. Wir stapelten die Baumteile in einem Schuppen zum Trocknen, bevor sie irgendwann kamingerecht zersägt werden sollen. Holzpfähle lagen auf einem zum Verkauf abgetrennten Grundstück herum und mussten ebenfalls trocken gelagert werden. Wir stapelten sie beim Pferdestall. Bei der Gelegenheit lernte ich Gerd’s Schwester und ihren Freund kennen. Die beiden sind mindestens so nett wie Gerd selbst und wir verstehen uns sehr gut. Ich hoffe, das bleibt auch so, wenn sie irgendwann erfahren, dass Gerd und ich ein Paar sind… Aber ich bin da ganz zuversichtlich. Wir halfen dabei, die neue Tür zum Pferdestall zu befestigen, und während ich mit einem Vorschlaghammer einen Pfahl in den Boden trieb, spürte ich erneut mein stolperndes Herz… Wie war das mit dem sinkenden Adrenalinspiegel…?

Die Arbeiten danach waren nicht so anstrengend, Gerd und ich inspizierten die Zäune der umliegenden Pferdekoppel. Die benachbarten Kühe haben die dumme Angewohnheit, die Zäune niederzutrampeln und sich bei den Pferden häuslich niederzulassen. Die beiden Pferde hingegen sind dann auf der Kuhweide zu finden. Also fingen wir die Pferde wieder ein und reparierten die Zäune notdürftig, wobei wir uns fragten, wie lange das wohl diesmal halten würde…

Es wurde schon bald dunkel, als wir uns auf den Weg zu dem Gestüt im Nachbarort machten, wo Gerd sich um sein Pflegepferd kümmerte. Heute ging es in die Reithalle, wo der Hengst sein Laufpensum absolvierte. Ich saß auf der Brüstung und sah den beiden zu wie sie eine Runde nach der anderen drehten, mal schnell, mal langsam, mal kreisförmig und mal über Kreuz.

Durch die Zeitumstellung von Samstag auf Sonntag wird es abends jetzt eine ganze Stunde früher dunkel als sonst. Und während sich kluge Köpfe immer noch über Sinn und Unsinn dieser Einrichtung streiten machten Gerd und ich es uns auf seiner Couch bei leckerer Pizza gemütlich und schauten uns „Pastewka in Russland“ auf DVD an, ehe wir dann… schlafen gingen.

 

Schwindelerregend

Als mein Wecker mir den Samstagmorgen ankündigte war es noch stockfinster draußen. Ich schlug die Augen auf und fühlte mich merkwürdig. Mein Herz machte keine komischen Sachen an diesem Morgen, doch als ich mich aufrichtete, um ins Bad zu gehen, drehte sich alles um mich herum. Mir war nur noch schwindlig und ich kippte gleich wieder rückwärts ins Bett. Wieder ein großer Schreck, was ist nur los mit mir?? Ich wankte in die Küche, trank einen Schluck kaltes Wasser und legte mich schnell noch mal ins Bett. Ich hatte noch ein wenig Zeit, bis ich aufstehen musste. Doch auch eine Viertelstunde später ging es mir nicht besser, der Kreislauf war irgendwo bei Null. In diesem Moment kam eine SMS von Mella. Sie wollte wissen, ob ich heute bei der Fahrgemeinschaft mitfahren würde. Ich entschied nach kurzem hin und her, dass ich heute nicht nach Kiel in die Akademie fahre. Stattdessen legte ich mich ins Bett, zog die Bettdecke über die Ohren und fiel in einen unruhigen Schlaf, der auch erst am Mittag wieder endete. Draußen war es hell und besorgt fragte ich mich, ob ich es riskieren soll aufzustehen. Ich tat es und erstaunlicherweise war das Schwindelgefühl fast verschwunden. Ich lief um das dunkelblau bezogene Bett herum zum Fenster. Die Sonne schien draußen, war aber schon um die Hausecke verschwunden.

Baltic Horse Show

Ich habe den Nachmittag damit zugebracht, mich auszuruhen und einfach mal einen Tag lang nichts zu tun. Erst abends wollte ich mein Programm wieder aufnehmen, und so setzte ich mich um 18 Uhr in meinen neongelben Kleinwagen und machte mich auf den Weg nach Neumünster. Hier fand abends eine Auswahl von Trakehner-Hengsten statt, die sich mein Engel gern ansehen wollte, also fuhr ich auch dorthin. Es herrschte reger Verkehr auf den Straßen, so dass ich nicht wie geplant etwas früher dort ankam, sondern auf die Minute pünktlich um 19 Uhr. Ich stand am Haupteingang zu den „Holstenhallen“ und rief Gerd wie besprochen an. Wenige Minuten später kam er mit seiner Arbeitskollegin auf mich zu. Wir verbrachten einen interessanten Abend, mussten jedoch mehrere Stunden stehen, weil die Karten für die Sitzplätze ziemlich teuer waren.

Baltic Horse Show

Nach der Auswahl mit Vorführungen, Darbietungen und Kür war die Show zuende und wir machten uns auf den Weg durch die Menge, als Gerd uns fragte, ob wir Jacke und Tasche an der Garderobe abgeben wollen. Ich verstand nicht ganz und verneinte. Und dann fand ich mich auf einer After-Show-Party wieder. Da saß ich nun am Rande der Tanzfläche mit Gerd und Claudia, eingepackt in meine Winterjacke und meine Tasche zu Füßen. Diese plötzliche Party hatte mich ziemlich überrascht, denn mein Schatz hat doch irgendwie vergessen zu erwähnen, dass der Abend nach der Show noch längst nicht vorbei ist. Es dauerte eine Weile, bis ich nach wilden Samba-Tänzen von wilden Samba-Damen auf Party-Laune umschalten konnte, aber mein Engel kümmerte sich rührend um mich und dann gab’s kein Halten mehr. Es wurde eine ziemlich durchtanzte Party und ich hatte jede Menge Spaß!

Glücklich und ziemlich verschwitzt fuhren Gerd und ich dann einige Zeit später zu mir nach Hause.

 

Herzensangelegenheiten

Es begann gestern Abend. Der Donnerstag war anstrengend gewesen, ein Termin jagte den nächsten. Erschöpft fiel ich irgendwann in mein Bett. Draußen war es bereits dunkel und nur die Lichter der Straßenbeleuchtung schienen noch durch mein Schlafzimmerfenster. Ich lag da und lauschte meinem Herzschlag. Es war ganz still und ich hörte dem regelmäßigen Klopfen zu. Regelmäßig? Da war nix regelmäßig… Zuerst ein Schlag, dann noch einer, dann keiner und dann zwei auf einmal… dann wieder ein paar und dann wieder Pause und dann wieder zwei auf einmal. Das ging vier oder fünf mal so, als ich mich erschreckt aufsetzte, durchatmete und das Licht anknipste. Dass mein Herz stolperte war mir nicht neu, das kam gelegentlich mal vor, aber noch nie war das so oft hintereinander passiert. Es ging noch eine Weile so weiter und das beunruhigte mich. Irgendwann legte ich mich dennoch wieder hin und schlief ein.

Am Freitagmorgen stand ich ganz normal auf, hatte den Rhythmus des vergangenen Tages längst vergessen und ging zur Arbeit. Doch nach einer halben Stunde etwa tat mein Herz einen weiteren Sprung und dann noch einen und noch einen und noch einen… Ich versuchte ruhig zu bleiben und zu überlegen, was ich tun soll. In der Firma war viel zu tun und mein erster Gedanke war: ich kann die Kollegen heute nicht allein lassen… Dann entschied ich jedoch zum Arzt zu gehen, sprach mit dem Chef und rief den Doc an. Ich erklärte der Sprechstundenhilfe mein Anliegen und sie meinte: „Oh heute ist das Wartezimmer sehr voll, hat das vielleicht bis Montag Zeit?“ Oh aber sicher, wenn das Wartezimmer doch voll ist, was machen da schon plötzlich auftretende Herzrhythmus-Störungen?! „Nein, es hat NICHT Zeit bis Montag!“

Um halb zehn war ich dann beim Doc – das heißt, im Wartezimmer – und kam um halb zwölf dann auch schon dran. Ich schilderte ihm mein Problem und er wies eine der Lernschwestern an, mir Blut abzunehmen *graus* und dann ein EKG zu machen. Ich durfte mich schon mal frei machen und dann zapfte sie mir fleißig Blut aus dem rechten Arm. Wie viel das war, kann ich nicht sagen, ich schaue bei so was immer weit weg…

Dann stöpselte sie mir lauter kalte Saugnäpfe an den nackten Oberkörper und schloss irgendwelche Kabel an, die sie für meinen Geschmack etwas zu ratlos auseinander tüdelte… Der Arzt rief ihr dann zu: „Lass Lacarian mal ne Weile liegen und dann starten wir die Messung!“ Neben mir ratterte inzwischen das Aufzeichnungsgerät und die Schwester meinte mal „Hmm…“ und mal „Hm.“. Dann war sie fertig, zuppelte den Papierstreifen aus dem Drucker und lief damit zum Doc. Sollte ich nicht noch ne Weile liegen bleiben bevor wir anfangen??

Als sie wiederkam murmelte sie irgendwas von Störung und nahm mir die ganze Kabelage wieder ab, zog mir die Saugnäpfe vom Körper – jetzt hab ich da lauter „Knutschflecke“ – und dann durfte ich mich wieder anziehen. Der Doc meinte dann, das sei alles ganz unbedenklich, ich wäre ja jung und schlank und ich solle mir keine Sorgen machen. Seine Erklärung war, dass diese Rhythmusstörungen nicht vom Herzmuskel selbst, sondern vom Nervenzentrum ausgelöst werden und daher nicht die Gefahr von Kammerflimmern bestünde. Diese Extra-Systolen (so nannte er das glaub ich) würden ihm zufolge ausgelöst, wenn mein Adrenalinspiegel sinkt, also zum Beispiel dann, wenn ich mich schlafen lege.

Na gut, der Doc ist der Doc und ich muss ihm wohl glauben, obwohl er nicht auf die Frage eingegangen war, wieso das nun so gehäuft auftritt. Am kommenden Mittwoch erwartet er das Ergebnis der Blutuntersuchung, da soll ich dann wiederkommen…

 

Wellness

Schon wieder vorbei ist die schöne Zeit an diesem Wochenende. Es war schon zwanzig vor sieben gestern Abend, als mein Schatz zu mir kam. Den Tag hatte ich bis dahin mit Unterricht begonnen und den Nachmittag dann genutzt, um in meiner Bude klar Schiff zu machen. Gerd empfing mich gleich auf dem Parkplatz, denn wir wollten gleich weiter. Gemeinsam fuhren wir nach Kaltenkirchen in die „Holstentherme“.

Das Wellness-Erlebnisbad war schon während der letzten kalten Jahreszeit jeden Monat einmal mein Ziel, und doch hatte ich Schwierigkeiten, das Bad im Dunkeln zu finden, so dass ich einmal irgendwo zwischen hier und dort nach dem Weg fragen musste. Eine Tankstelle war weit und breit nicht zu sehen, und so fragte ich den Wirt eines verlassenen Gasthauses. Um mir nicht anmerken zu lassen, dass ich eigentlich aus dieser Gegend komme (wie peinlich!) schob ich einfach einen kleinen Dialekt ein. Man muss sich ja nicht die totale Blöße geben! So verkehrt waren wir dann aber auch nicht und nach ein paar Kilometern hatten wir das große Thermalbad gefunden. Wir verbrachten einen spaßigen Abend im Wasser bei tropischen Temperaturen, nutzten die Gelegenheit nach draußen zu schwimmen, wo das warme Wasser in der kalten Abendluft dampfte und heizten uns im Whirlpool so richtig auf. Trocknen konnten wir uns auf den Sonnenliegen, wobei die „Sonne“ aus diversen Speziallampen bestand. Schön war’s allemal.

Weil baden bekanntlich hungrig macht kehrten wir bei einem kleinen Restaurant ein und genossen ein gemütlich-rustikales Abendessen. Als wir bei mir zu Hause ankamen, war es schon ziemlich spät.

Nach dem ausgiebigen Frühstück heute morgen unternahmen wir einen Waldspaziergang. Still war es dort bis auf die Regentropfen, die auf das Blätterdach über uns fielen. Danach hieß es leider schon wieder Abschied nehmen nach 18 rasend schnell vergangenen Stunden. Bis zum nächsten Wochenende.

 

Abendgedanken

Ich blicke hinaus in die Dunkelheit und sehe mein Spiegelbild in der Fensterscheibe. In der Ferne funkeln kleine Scheinwerfer von Autos, die stumm auf der Bundesstraße durch die Nacht fahren. Nicht weit von hier, hinter den großen Bäumen, die bei Tag rote und gelbe Blätter tragen, leuchtet ein Fußballfeld im diesigen Schein der Flutlichter und von Zeit zu Zeit weht ein Johlen der Spieler herüber. Mit gerade mal halb neun ist der Abend noch jung, dennoch ist es dunkel hinter den meisten Fenstern der umliegenden Häuser, deren Bewohner jetzt bei einer Tasse Tee auf dem Sofa ein gutes Buch lesen und sich dabei in eine flauschige Wolldecke hüllen oder die zusammen mit der ganzen Familie vor dem Fernseher sitzen. Sterne sind heute nicht zu sehen und auch der Halbmond verbirgt sich hinter der Wolkendecke. Wie wohl die Wolken bei nächtlichem Mondschein von oben aussehen?

Viel Verkehr, schreibt mein Schatz, gibt es auf der Strecke von der Messe nach Hause. Spät soll es werden, nach Mitternacht und dann nur noch ins Bett. Etwas Schlaf nachholen könnte sicher nicht schaden nach so anstrengenden Messetagen. Lauferei, auf den Beinen von morgens bis abends, Lärm und immer hübsch lächeln, das schlaucht. Doch morgen hat das Warten wieder mal ein Ende. Nach meinem Unterricht und seinem Vormittagsprogramm haben wir uns wieder. Ich freue mich schon darauf, kann seine Umarmung schon fast spüren. Freitagabend und er ist zum Greifen nah! Mit dem restlichen Schwung unserer letzten Begegnung hinein ins neue Wochenende!

 

Ausgeflogen

Meine Gedanken kreisen heute um so viele Dinge, da tut es gut, einfach das Licht auszuschalten und in der Dunkelheit eine Kerze anzuzünden. In ihrem Licht fällt es mir leichter meine Gedanken zu fokussieren.

Während mein Tag eigentlich ganz unspektakulär verlaufen ist, hatte der Abend noch eine nette Überraschung parat…

Mein Arbeitstag endete heute bereits mittags, und weil Mittwoch ist rief ich einen guten Freund an, mit dem ich für gewöhnlich joggen gehe. Dummerweise hat er sich eine Erkältung eingefangen (kein Wunder bei den Temperaturen), so dass ich allein laufen musste. Normalerweise packt mich dann mein innerer Schweinehund und zwingt mich, das Joggen einmal Joggen sein zu lassen und mich auf die faule Haut zu legen, aber heute war ich stärker! Ich zog mich um, Jogginghose, zwei Shorts und meine Laufjacke und auf ging’s. Mit meinem neongelben Auto fuhr ich in den nächsten Ort, denn dort gibt es diesen hübschen kleinen Wald, der ideal zum Laufen ist. Ein paar Dehnübungen vorweg gegen böse Überraschungen, langsam anlaufen und das Tempo steigern. Herrliche Luft, so klar und frisch!

Auf dem sandigen Boden, der hier und dort von groben Baumwurzeln gekreuzt wurde, lag eine dicke Schicht getrockneten Laubes, das die vielen Bäume inzwischen von sich geworfen hatten. Jeder meiner Schritte raschelte dumpf durch die bunten Blätter, während mein Atem schneller wurde und mein Puls sich beschleunigte.

Die heiße Dusche zu Hause tat einfach nur gut! In der Waschmaschine drehte sich bereits das verschwitzte Zeug und ich genoss das heiße Wasser, das mir über die Haut rann. So entspannt suchte ich mir bequeme Kleidung aus den Schubladen meiner hölzernen Kommode im Schlafzimmer, während ich immer noch mein Haar trocken rubbelte und zum Klang der Stereoanlage sang.

Den Rest des Nachmittages vertrödelte ich mit Kleinkram, nichts wirklich wichtiges bis auf einen Einkauf. Nach dem Abendessen mit meiner Schwester machte ich mich auf meinem Sofa lang, schaltete den Fernseher ein und genoss eine meiner Lieblingsserien. Mittendrin klingelte dann das Telefon – das konnte nur einer sein: mein Engel, der grad auf Geschäftsreise ist, rief mir ein fröhliches „Hallo!“ durch den Hörer! Es war laut um ihn herum und ich konnte hören, wie er lächelte. Er stand in einer Hotel-Telefonzelle und wollte einfach mal anrufen. Es wäre dort alles ganz nobel, das Buffet reichhaltig und der Nachtisch so unwiderstehlich, dass er sich daran gleich noch mal bedienen musste!

Er sagte, er hätte mir Photos per MMS in mein eMail-Postfach geschickt, und tatsächlich konnte ich sehen, wie er in Schlips und Kragen in einem wirklich noblen Hotel stand. Jetzt ist er grad im Casino und versucht bestimmt, Millionär zu werden.

Gestern Abend gab es hier eine Party nach der Arbeit. Thies hatte alle zu sich nach Hause eingeladen zu seiner jährlichen Zwiebelkuchenparty! Es war ein lustiges Treffen in seinem wirklich schönen Haus! Kollegen und Ehemalige legten Schlips und Kragen ab und genossen nette Gesellschaft bei frisch gebackenem Zwiebelkuchen und frischer Federweißer floss in Strömen.

Jetzt ist auch der Mittwoch vorbei. Ich mach es mir gleich bequem, angesichts der Kälte vor meinem Schlafzimmerfenster habe ich die Heizung angemacht und den Raum wohltemperiert. So kann ich gleich ganz entspannt ein gutes Buch nehmen und den Tag ausklingen lassen, während ich mich fortwährend auf das Wochenende freue.

 

Mondsucht

Der Vollmond steht bereits hell am schwarzen Abendhimmel, so hell, dass er mich fast zu blenden scheint und scharfe Schatten durch die knorrigen Äste der wuchtigen Kastanienbäume wirft, unter denen ich Minuten zuvor noch entlanggelaufen bin. Die kalte, stille Herbstluft lässt meinen Atem wie weißen Rauch aus einem Schornstein aufsteigen und meine Hände suchen wärmenden Schutz in meinen Hosentaschen.

Während der Mond immer höher steigt und das Sonnenlicht in die ansonsten so dunkle Nacht reflektiert, steige ich in den Aufzug, der mich geräuschvoll in den sechsten Stock trägt. Es war ein guter Tag, das wusste schon mein Frühstückshoroskop. Die Arbeit machte Spaß, meine Laune war sonnig, und voller Energie schien ich all jenes aufarbeiten zu wollen, was in der letzten Woche unter müden Anstrengungen liegen geblieben war. Selbst lästige Arbeiten gingen mir ohne Schwierigkeiten von der Hand und mit den Gedanken noch bei meinem Engel schaffte ich es mit scheinbarer Leichtigkeit das Pensum der ganzen letzten Woche aufzuholen. Ein Montag der besonderen Art.

Nun geht er langsam zuende, und während ein lieber Mensch an der anderen Küste darauf wartet, Ruhe zum Telefonieren zu finden rücke ich die letzten Lettern zurecht und wünsche allseits…

…gute Nacht!

 

Sternstunden

Die Sonne scheint bereits in mein Schlafzimmer. Nicht einmal das Bambusrollo kann sie aufhalten, denn ich hatte es in der Dunkelheit der vergangenen Nacht gar nicht heruntergelassen. Ich spüre die angenehme Wärme auf meinem Oberkörper, als ich meine Augen öffne. Aber es ist nicht die Sonne, die mich wärmt, sondern der leicht verstrubbelte Kopf meines Freundes, der auf mir ruht, ein Ohr an meinem Herzen und die Gedanken weit, weit entfernt. Glücklich schließe ich meine Augen wieder und genieße die unglaubliche Stille, in der ich nichts weiter höre als sein beruhigendes Ein- und Ausatmen.

Gestern Abend war die lange Woche endlich vorbei. Sechs lange Tage waren vergangen, seit wir uns zuletzt gesehen hatten. Die Woche, so chaotisch sie war, wollte einfach nicht zuende gehen, und das Wissen, dass mein Engel diesmal nur für ein paar Stunden bleiben würde, machte das Warten nicht leichter. Ich stand am Fenster meines Wohnzimmers im sechsten Stock und sah hinunter auf die Bäume, die in bunten Herbstfarben die Welt in diesen Tagen ein ganzes Stück farbenprächtiger machen und der blasse Mond am Horizont über der Stadt mit den weißen Hochhäusern kündigte eine kalte Nacht an.

Herbst

Endlich erhielt ich gestern seine SMS, als er sich auf den Weg zu mir machte und zwei Stunden später konnte ich ihn endlich wieder in die Arme schließen. So umschlungen und mit pochenden Herzen standen wir einfach nur da. Ach, würde er doch nie wieder fortgehen…

Später am Abend packten wir uns in dicke Jacken, draußen war es unter dem sternenklaren Himmel und dem hellen Vollmond bitterkalt geworden. Zu Fuß machten wir uns auf den Weg zu einem schönen Restaurant hier in der Nähe. Bei hausgebackenem Brot, Antipasti für Zwei und leckeren Pastagerichten fühlte ich mich nur noch wohl.

Jetzt ist schon Sonntag, und seit anderthalb Stunden ist mein Engel schon wieder fort. Für eine Woche. Ich habe ein gutes Gefühl und werde versuchen, mich davon so weit wie möglich durch die Woche tragen zu lassen.

Ich hoffe, auch Ihr habt ein schönes Wochenende!

Euer
Lacarian!