Morgendämmerung

Wäre es heute nur wenige Grad kälter würde es sicher schneien. Aber noch ist es herbstlich, ziemlich trüb und regnerisch. Dabei war mein erster Blick aus dem Fenster am Morgen ganz vielversprechend. Die Wolkendecke war knapp über dem Horizont aufgerissen und ließ die ersten farbenspendenden Sonnenstrahlen hindurch. Ein breiter Streifen gleißendes Licht brach über den Bäumen hervor und tauchte die reglose Szenerie eines guten Morgens in einen warmen Ton. Still standen die Windkrafträder da und bestaunten den Sonnenaufgang und nicht einmal von der Bundesstraße war ein Laut zu hören.

Ansonsten ist so richtig viel Spannendes nicht passiert heute. An Dienstagen ist auf der Arbeit nicht viel los und bis auf einen erfrischenden Besuch meiner Schwester am Abend gibt es heute nichts zu erzählen.

In diesem Sinne Euch allen einen gemütlichen Herbstabend!

Morgendämmerung

 

Erste Hilfe

So manch ein Montag hat es echt in sich. Dieser heutige zählt auf jeden Fall dazu. Und das, obwohl ich von einer lieben SMS ganz früh am Morgen geweckt wurde.

Gleich danach ging das Chaos aber auch schon los. Ich bin morgens so ein Trödler, der erst nicht aus dem warmen Bett kommt und sich dann auch noch ganz viel Zeit lässt. Als mein Wecker den zweiten Versuch startete, mich aus den Federn zu schubsen, war es immer noch dunkel. Die Heizung links neben mir tat aber bereits ihr Bestes um es mir so angenehm wie möglich zu machen, sobald ich unter meiner Bettdecke hervorgekrochen käme. Natürlich konnte ich nicht aufstehen, ohne meine Lieblings-Kanzler-Comedy im Radio gehört zu haben.

Wie jeden Montag musste ich dann auch heute erst einmal meine Arbeitsklamotten zusammensuchen. Wo hab ich die Hose diesmal wieder hingehängt? Welches Hemd ziehe ich an? Und welche Krawatte dazu? Wo ist die Krawattenklammer? Na ihr kennt das ja…

Weil ich schon wieder so spät dran war und die Frau im Radio meinte, es wäre nicht so kalt, dass man Eis kratzen müsste, beschloss ich den Wagen zu nehmen. Ich ließ also Mütze und Schal und Handschuhe weg und stieg mit Sack und Pack in den Aufzug, drückte auf (E)rdgeschoss und ratterte hinunter in den Tag. Als ich die Tür nach draußen aufstieß, kam es mir dann doch verdächtig kalt vor. Dann suchte ich den Eiskratzer. Nachdem ich vergeblich versuchte, die hartnäckige Eisschicht von meiner Windschutzscheibe zu kratzen, ließ ich es bleiben und ging zu Fuß. So weit ist es ja nicht. Ziemlich durchgefroren kam ich in der Firma an. Auf meinem Stuhl saß Jürgen, unser Kassierer und starrte mich an. Und dann starrte ich auf seine eingegipste rechte Hand und dachte: ‚Oh nein, auch das noch!’

Fünf Minuten später übernahm ich den gesamten Kassenbestand und ließ mir einen Crash-Kurs geben. So eine gebrochene Hand wird meinen Kassierer wohl für ein paar Wochen außer Gefecht setzen. Ich habe ja grundsätzlich kein Problem damit, Geld ein- und auszuzahlen, aber als Kassierer hat man ja noch weit mehr als nur das zu tun. Am meisten Bauchschmerzen machten mir die Geldautomaten. Sicher, ich hatte schon ein paar Mal zugesehen, aber jedes Mal war ich froh, dass das nicht meine Aufgabe ist, denn so einfach die Dinger auch von vorn zu bedienen sind, auf der anderen Seite ist das furchtbar kompliziert. Und ausgerechnet heute Mittag musste einer neu befüllt und abgestimmt werden. Etwas nervös hab ich mich dann daran getraut und es hat zum Glück alles geklappt. Ich war ganz schön erleichtert, als die Zahlen im Kassenbuch auch noch aufgingen. Der Vormittag war grässlich stressig. Der Nachmittag hingegen war ein Klacks, denn da waren’s tatsächlich nur noch Ein- und Auszahlungen – bis mir ein Kunde mitteilte, dass ein Geldautomat keine Fünfer hergibt. Natürlich war es das Gerät, das ich zuvor neu bestückt hatte. Also ließ ich die Kombination neu einstellen, sorgte dafür, dass das Gerät gesperrt wurde und konnte nach einiger Zeit nachsehen, wo es denn hakt. Leider waren all meine Optionen erschöpft, bevor ich eine Lösung fand und nach Rücksprache mit meiner EDV-Abteilung kommt morgen ein Techniker und sieht sich das an. Super Lacarian, Du hast es kaputt gemacht!

Anton (im Hintergrund: Pünktchen)

Zu Hause hab ich mir erst mal ein Glas Wein gegönnt und die Füße hochgelegt. Gestern hab ich ein leckeres Ragout gekocht und nachdem die Reste verputzt waren, machte ich mich an den Abwasch. Er war gerade erledigt, als mich ein Hilferuf von meiner Schwester erreichte, die ein paar Straßen weiter wohnt. Eine ihrer Katzen hat sich die Pfoten verletzt. Ich eilte also mit Verbandmaterial zu ihr und gemeinsam versuchten wir, den verängstigten schwarzen Kater zu verarzten. Das war gar nicht leicht und wir brauchten zwei schwierige Versuche. Es war ein ziemlich anstrengendes Unterfangen und letztlich wollte das Tier keine verbundenen Pfoten haben, so dass wir aufgeben mussten. Jetzt haben wir es in einen Käfig gesetzt und morgen früh bringt meine Schwester den Kater zum Tierarzt.

So eine Aufregung heute!

 

Glück

Manchmal wünschte ich, ich könnte die Zeit eine Weile anhalten. Warum muss die Zeit auch immer so dahinrasen, wenn ich mit ihm zusammen bin? Schon sitze ich wieder hier und warte auf das nächste Wochenende. Es wird wirklich Zeit für den Umzug, damit ich auch die Wochentage wieder genießen kann. So sehr ich es genieße, wenn er bei mir ist, so glücklich ich dann auch bin, so schwer fällt es mir, an sechs von sieben Wochentagen allein zu sein. So viele Dinge, die man gemeinsam unternehmen könnte, passen einfach nicht in einen knappen gemeinsamen Tag pro Woche. Film- und Kinoabende, Freunde, Weihnachtsmärkte, Familie, Sightseeing, Ausstellungen, Shoppen, Eislaufen und viel mehr.

Aber ich will mich nicht beklagen. Ich bin froh, meinen Engel zu haben und die Zeit mit ihm ist jedes Mal wunderschön. Es gab wieder einige Momente zwischen gestern und heute, an denen ich einfach durch und durch glücklich war. Die Momente voll Geborgenheit und Glück sind für mich enorm kostbar. Sie werden für mich nie selbstverständlich oder gewöhnlich werden sondern immer etwas ganz besonders Wertvolles bleiben.

Jede Zeit ist umso kürzer, je glücklicher man ist.

Gestern hat mein Engel mich direkt von der Akademie abgeholt. Wie schön es war, ihn nach zwei Wochen wiederzusehen! Gemeinsam haben wir eine Freundin besucht, die quasi um die Ecke wohnt. MK hat ein hübsches Zimmer in einer 2er-WG. Wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag zu dritt bei American Cookies, Multivitaminsaft und verschiedensten Gesprächsthemen. Kalt war es, als Gerd und ich später bei IKEA zum Essen (!) einkehrten. Zuerst ein Rundgang durch die Möbelausstellung. Überall konnte man große Plüschfrösche kaufen und alles war schon extrem weihnachtlich geschmückt – sogar das IKEA-Restaurant! Mit unseren Leckereien setzten wir uns direkt neben einen der Weihnachtsbäume und ließen es uns schmecken.

Danach ging’s über die dunklen Landstraßen zu mir nach Hause, wo wir es uns auf meiner blauen Couch zu einer DVD so richtig gemütlich machten.

Jetzt ziehen hier ein paar graue Wolken auf und vertreiben den Sonnenschein, sicher werden sie gleich zu regnen beginnen. Ein paar Kohlmeisen machen es sich in meinen Balkonpflanzen gemütlich und ein Marienkäfer, der sich schon seit einiger Zeit bei mir aufhält, erforscht meine Zimmerbegrünung…

 

Befund

So, die lästigen Kabel sind wieder Geschichte und dieser dämliche Gurt, an dem das EKG-Gerät befestigt war, auch. Ich glaube heute war es das erste Mal, dass ich morgens wach wurde und dachte: hoffentlich springt mein Wecker bald an! Um sechs Uhr sollte der mich wecken, weil ich dann die Messpunkte, die an meiner Haut klebten, abreißen durfte. Um vier Uhr wurde ich wach, das weiß ich, weil die Kirchturmuhr, die nicht weit weg ist, zwei mal vier Schläge abgab. Einerseits froh über die Gnadenfrist bis zum Tagesanbruch wünschte ich mir gleichzeitig das Ende der Nacht herbei. Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaute war es zehn nach vier und ich fragte mich, wieso die Zeit sonst nicht so langsam vergeht. Jede Wette, dass die Minuten schon morgen früh um die gleiche Zeit um ein Vielfaches schneller verrieseln.

So what, ich hab die Dinger von meinem Oberkörper gerissen und das Gerät abgeschaltet. Unter der Dusche fühlte ich mich, als würde ich die Kabel und Saugnäpfe wegspülen. Ich war verärgert, denn endlich hab ich das EKG gemacht, doch seit einigen Tagen zeigt mein Herz nicht die Spur eines Problems. So auch in den Stunden, in denen ich mit diesem kleinen Gerät verkabelt war. Nichts. Der Arzt meinte, der Befund ginge dann nächste Woche an meinen Hausarzt – es sei denn natürlich, man würde etwas Schwerwiegendes finden, dann bekomme ich – hab ich das nicht gestern schon geschrieben…?!

Nach meinem langen Arbeitstag hab ich meine kleine Schwester besucht, sie hat mich auf eine Tiefkühlpizza eingeladen, das war wirklich verdammt anständig von ihr. Danach sind wir eine Runde spazieren gegangen. Es war natürlich schon längst dunkel und in den beleuchteten Geschäften in der Stadt wirbelten Reinigungskräfte mit Wischmops um den feuchten Schmutz des Tages zu beseitigen. Bitterkalt war es und ich war froh, dass ich eine dicke Winterjacke hatte.

Zu Hause hab ich mich gleich in superbequeme Klamotten geschmissen und hab mir „Garden State“ angeschaut. Zuerst war ich schwer zu begeistern angesichts der doch recht obskuren Handlung. Aber ich dachte an Branley und wollte ihn daher auch zuende gucken. Spätestens ab dem dritten Viertel fand ich den Film dann total super, die Handlung schien mit dem Hauptdarsteller aufzublühen und es machte richtig Spaß. Viele schlaue Sachen kommen darin vor, die Bilder sind wunderschön photographiert und die Geschichte entwickelt sich kontinuierlich. Allerdings müsste ich ihn wohl noch ein zweites Mal ansehen um alles aufzunehmen.

Gerade hatte ich noch ein tolles Telefonat mit Gerd, so dass ich gleich diesen Tag abschließen und ins Bett steigen kann. Ich fühl mich gut.

„Wenn Du nicht über Dich selbst lachen kannst,
kommt Dir das Leben viel länger vor, als Dir lieb ist!“
– Garden State

 

Aufzeichnungen

Ich hatte einen ziemlich geschäftigen Tag heute, wobei jede Aktion meist nicht länger als zwei Stunden andauerte….

:: Unternehmensziele

Nach anderthalb Stunden Arbeit hat der Chef heute Morgen eine kleine Versammlung einberufen und uns die neuesten Zahlen vorgelegt. Wenngleich wir immer noch ziemlich weit hinten liegen, haben wir neuesten Aufzeichnungen zu Folge unsere Zahlen im letzten Quartal deutlich verbessern können.

:: Besuch beim Kardiologen

Heute ist es endlich soweit. Die Symptome meiner mysteriösen Herzrhythmusstörung sind in den vergangenen zwei Wochen mittlerweile abgeflaut. Am Vormittag schnappte ich mir meinen neongelben Stadtflitzer und düste bei Regenwetter zum Kardiologen in der Stadt mit den Hochhäusern. Ich stellte den Wagen in der Tiefgarage ab und lief die zwei Etagen zur Praxis nach oben. Die Dame am Empfang war sehr freundlich und im Wartezimmer saß nur ein älterer Herr, der aber erst nach mir drankam.

Die Damen in der Praxis waren alle extrem freundlich, aber nicht aufgesetzt oder so. Da fühlte ich mich echt wohl. Ich wurde in ein kleines helles Behandlungszimmer gesetzt. Die Schwester erklärte mir, dass der Arzt gleich käme, damit ich ihm noch mal alles erläutern kann. War dann auch so, ich erzählte alles und er notierte es sich. Daraufhin erklärte er mir, dass die Schwester das EKG-Gerät anbauen würde und ich könne mich schon mal obenrum frei machen. Gesagt getan, schon saß ich nur noch in Jeans auf der Liege als die nette Schwester von vorhin genauso strahlend hereinkam wie zuvor. Detailliert erklärte sie mir, was sie gleich machen würde und wie das alles funktioniert. Dann suchte sie die besten Punkte für die Aufzeichnungen und malte mir mit einem Kugelschreiber Xe auf die Haut, mit denen sie die fünf Messpunkte markierte.

angenippelt

Dann legte sie neue Akkus in das Aufzeichnungsgerät und legte mir einen Gürtel an. Morgen früh um acht Uhr soll ich das alles wieder abgeben und der Befund wird direkt an meinen Hausarzt geschickt – es sei denn, es wird etwas Schwerwiegendes festgestellt, dann bekomme ich direkt Nachricht bis zum Wochenende.

Jetzt laufe ich schon den ganzen Tag damit rum. Die Messpunkte spüre ich kaum, aber das Gerät am Gürtel und diese Kabel nerven. Aber was soll’s, ist ja nur bis morgen früh.

:: Bewerbung

Heute habe ich Bewerbungsphotos machen lassen. Wenn ich schon in der Stadt unterwegs war, konnte ich das gleich mit erledigen. Gleich nach dem Besuch beim Kardiologen fuhr ich also zum Photographen. Dummerweise war gerade an diesem Morgen das Gerät defekt und das benötigte Ersatzteil wurde erst für den Nachmittag erwartet. Weil ich nachmittags sowieso noch mal in der Nähe sein würde, konnte ich erst zwei andere Termine wahrnehmen.

Das Bewerbungsphoto war nachmittags innerhalb weniger Minuten erledigt. Der Photograph ist klasse! Am Abend hab ich mir dann einen Drucker von der Firma geliehen und die Bewerbung damit ausgedruckt. Damit sich das Ausleihen auch für die Firma lohnt, hab ich einen Werbeauftritt entworfen und fertiggestellt. Morgen kann die Bewerbung dann in die Post und dann brauch ich wirklich jeden gedrückten Daumen, den ich kriegen kann!

:: *tempus fugit*

Außerdem habe ich mein Tagebuch heute mal auf Papier gebracht. Hätte nicht gedacht, dass da so viele Seiten rauskommen… Nicht mehr lang, dann hab ich nen fetten Leitz-Ordner mit meinen Aufzeichnungen gefüllt.

Ich leg mich jetzt auf mein Bett, das inzwischen mit sonnengelber Bettwäsche bezogen ist und dem grauen kalten Herbstwetter trotzt.

 

Entspannung

Mit müden und ganz kleinen Augen begann der heutige Sonntag. Ich war spät ins Bett gegangen, denn nach zwei Tassen Kaffee anlässlich lieben Besuches gestern Abend konnte ich nicht schlafen. MK hat mir zwei DVDs mitgebracht: „Batman Begins“ und „Garden State“. Neugierig war ich ja schon, wollte den Flattermann schon im Kino sehen. Gegen ein Uhr fuhr MK wieder nach Hause und ich legte den Film ein. Düster zeigt die Geschichte die Anfänge um die berühmte Fledermaus, mitgerissen und gefesselt selbst zu später Nacht blieb ich also lange wach.

Derweil verbrachte mein Schatz seine letzte Nacht in Frankreich. Erleichterung schon als ich gegen drei Uhr ins Bett krabbelte und ein gutes Gefühl, als ich morgens meine Augen aufschlug. Gemütlich war’s, allein die Vorstellung, dass er bei mir wäre. Lächelnd drehte ich mich noch einmal in meine Bettdecke ein und entschlummerte ein weiteres Mal.

Angenehm warm war es in meinem Schlafzimmer. Während die graue Luft vor meinem Fenster grau, trüb und zweifellos ungemütlich kalt war, konnte ich nahezu unbekleidet und völlig entspannt meine Bettdecke von mir strampeln und gähnend zum Fenster tapsen. Wie es sich für einen Sonntag gehört war es draußen still und ruhig, fast regungslos. Es schien, als wäre die ganze Stadt noch nicht aufgestanden.

Ich stellte eine Tasse Kakao in die Mikrowelle, schubste zwei Scheiben Brot in den Toaster und schaltete das Radio ein. Dido war anscheinend schon wach und bedankte sich für den schönsten Tag ihres Lebens.

Mein kurzer Vormittag plätscherte so ganz in Ruhe vor sich hin. Irgendwann stieg ich unter die Dusche und ließ heißes Wasser auf mich herunterregnen. Meine Bartstoppeln ließ ich ausnahmsweise mal da, wo sie waren – immerhin sieht mich heute sowieso niemand.

Auch der Nachmittag gab nicht viel her. Ich lümmelte mich auf mein blaues Sofa und sah mir einen Film aus meiner DVD-Sammlung an. ’A cause d’un garçon’ ist der Titel einer Coming-Out-Geschichte. Etwas anstrengend anzusehen, weil mein Französisch nicht so gut ist, dass ich auf die deutschen Untertitel verzichten könnte.

Am Abend klingelte dann mein Telefon. Gerd war wieder zu Hause und es tat irre gut, nach einer Woche seine Stimme zu hören. Wir erzählten einander, was unsere Woche so hergegeben hat und schon jetzt ist seine nächste Zeit für die Woche und möglicherweise für das kommende Wochenende ziemlich ausgebucht… Ich hoffe wir bekommen dennoch Gelegenheit, einander bald zu sehen.

 

Distanzen

Heute sieht es so richtig herbstlich aus da draußen. Dicke graue Wolken haben den blauen Himmel vom Vormittag verhängt und die Bäume haben sich nun endgültig in den langen Winterschlaf zurückgezogen. Was vom Laub übrig ist, liegt auf dem nassen, kalten Boden.

Dennoch kommt bei mir keine düstere Stimmung auf. Hier in meiner Bude ist es kuschlig warm, aus meiner Stereoanlage klingt die Stimme von James Blunt und morgen endlich kehrt mein Engel aus Paris zurück. Die Woche erschien mir endlos lang und lächerlich kurz dagegen erscheint mir nun die Distanz von 100 km zwischen uns im Vergleich zu Paris.

Nach dem Wunsch meiner Firma, mich zu behalten, habe ich gestern Abend die erste Bewerbung verfasst. Mit ihr will ich versuchen direkt bei meinem Wunschunternehmen zu landen. Allzu optimistisch bin ich nicht, denn ich weiß, dass dort in Kürze eine Fusion ansteht und dementsprechend sicher zunächst Personal zu viel beschäftigt ist. Aber es ist ja nur meine erste Wahl und ich wäre dumm, es nicht zu versuchen. Im Lauf der kommenden Woche werde ich sie auf den Weg schicken. Zunächst steht natürlich noch ein Besuch beim Photographen an.

 

Erfolg

Gestern Abend bekam ich noch eine SMS aus Paris. Bei meinem Engel ist alles in Ordnung und ich werde langsam ruhiger, auch wenn er heute noch nichts von sich hat hören lassen. Laut den Nachrichten gab es aber gestern Nacht keine Ausschreitungen im Pariser Zentrum.

Mein Urlaub ist vorbei und heute Morgen ging die Arbeit wieder los. Etwas widerwillig verließ ich das kuschlige Bett, es war noch dunkel. Der Fußboden wird wieder kälter und gähnend schlurfte ich rüber ins Bad. Das Licht tat meinen Augen weh, aber die heftigen Kreuzschmerzen von gestern sind zum Glück verschwunden. Nach einer kurzen Dusche und dem Kampf mit den Bartstoppeln machte ich mir ein knappes Frühstück. Eigentlich hatte ich vor, in Zukunft morgens früher aufzustehen und in Ruhe zu frühstücken, hat natürlich nicht geklappt und so fand das Toast seinen Weg in meinen Magen wieder einmal zwischen Tür und Angel.

Die Arbeit zeigt sich heute ziemlich entspannt und ich bin tatsächlich etwas erholt. Höhepunkt des Vormittages war dann ein Gespräch mit dem Chef. Er fragte mich, ob ich kurz Zeit für ihn hätte und ich folgte in das einzige geschlossene Büro am Ende der Filiale… Er schloss die Tür hinter mir und zog sich seinen Notizblock heran.

Zuerst sprach er mich auf mein Herzproblemchen an und fragte, ob er mich überfordern würde und ob er etwas tun könnte, um mich zu entlasten! Da ich aber noch nicht genau weiß, woher das kommt sagte ich ihm, ich würde mich melden, wenn es zuviel wäre.

Dann sprach er die kurzfristig für Mittwoch vom Gesamtvorstand einberufene Personalversammlung zum Thema Personalabbau an und ich dachte: ‚Was kommt jetzt?!’ Er schien meine Gedanken zu lesen und setzte gleich nach, dass ich mir keine Sorgen zu machen bräuchte. Ich hatte ihm ja vor einiger Zeit mal gesteckt, dass ich in absehbarer Zeit von hier weggehen und mir in dem Rahmen einen neuen Arbeitgeber würde suchen wollen. Das hatte ich auch der Personalabteilung mitgeteilt. Und dann kam der Kracher: Meine Firma lässt nun über meinen Chef anfragen, was sie mir bieten muss, damit ich bleibe! HALLO!! Wie geil ist das denn bitte?! Ich soll mir das in Ruhe überlegen und die Personalabteilung wird diesbezüglich in den nächsten Wochen auf mich zukommen. Was sagt man dazu? Jetzt muss ich abwägen, aber ich denke nicht, dass ich jeden Tag insgesamt 200 km fahren werde. Mal sehen. Ich bin natürlich total von den Socken.

So, jetzt wo ich das schon mal losgeworden bin kann die Arbeit gleich weitergehen. Leider macht mein Herz nach wie vor unschöne Dinge und jedes Ziehen oder Stechen, sei es in der Herzgegend oder im linken Arm, macht mir Angst. Es tut nicht richtig weh und vermutlich ist das nicht anders als immer, aber ich bin extrem sensibilisiert auf alles, was da so vor sich geht.

Jetzt warte ich auf eine Nachricht von Gerd, darauf ihn bald wiederzusehen und auf den 16. November, wenn ich endlich dieses EKG machen kann.

 

Unruhe

Ein betrübtes Gesicht sitzt heute vor meinem Rechner. Der Tag ist noch jung, aber mein Treffen mit Gerd ist schon wieder vorbei. Kurz war es, sehr kurz. Schon jetzt verblasst der Stempel auf meiner linken Hand, der meine Eintrittskarte für die Party gestern Abend war. Es war schon halb acht abends, als ich bei meinem Schatz ankam. Den ganzen Samstag war er unterwegs gewesen und als es draußen dunkel war wie mitten in der Nacht, fuhr ich endlich die 110 km zu ihm.

Nur einen Tag zuvor erfuhren wir beide, dass er ab heute Vormittag für sieben Tage auf Geschäftsreise nach Paris muss. Ab heute Vormittag heißt, dass wir gerade noch zusammen frühstücken konnten und dann war’s schon wieder vorbei. Sieben Tage heißt, dass wir uns am nächsten Wochenende wohl nicht sehen werden. Und Paris – und das ist das Schlimmste daran – ist grad nicht der Ort, an dem ich meinen Schatz mit ruhigem Gewissen sehen möchte. Der Gedanke daran ließ mich schon von Freitag auf Samstag nicht einschlafen und macht mich ziemlich nervös.

Am liebsten würde ich genau jetzt alles in Gang bringen, was meinen Umzug in seine Nähe erfordert. Bewerbungen schreiben, Vorstellungsrunden beginnen, Wohnung suchen und alles, was damit zusammen hängt. Aber das alles erscheint mir so viel und so gravierend. Ich werde erst einmal abwarten, was diese Herzgeschichte ergibt. Wenn sich herausstellt, dass alles in Ordnung ist, dann kann ich loslegen.

Jetzt hoffe ich nur, dass mein Engel heil in Paris landet und die sieben Tage angesichts der Unruhen, die inzwischen auch das Zentrum der französischen Hauptstadt ergriffen haben, unbeschadet übersteht.

Ich bin nervös.

:: 14:44 Uhr
Gut gelandet ist er jetzt schon mal!

:: 18:55 Uhr
Im Hotel ist er auch gut angekommen. Sieht alles ganz friedlich aus, schreibt er.

Ich bin trotzdem total beunruhigt.

 

Sparflammen

Heute ist ein ruhiger und gemütlicher Tag – mein letzter Urlaubstag in diesem Jahr. Ich nutze die Entspannung dieser Woche um meine Behausung herbstfest zu machen. Ich habe meine Fensterbänke mit neuem Grün aus dem Baumarkt bestückt und auch mein Halloween-Kürbis muss ja noch nicht wieder im Schrank verschwinden. In ihm leuchtet nun die kleine Flamme eines Teelichts, während es draußen schon langsam wieder dunkler wird. So richtig hell ist es nicht geworden an diesem Freitag, der blaue Herbsthimmel wird von mehreren Wolkenschichten verdeckt, die in vielen verschiedenen hellen und dunklen Grautönen daherwehen. Hier und dort sieht man, wie der Wind lustig-zottelige Figuren aus ihnen bläst. Ganz allmählich verschwindet auch die intensive Farbe der Bäume und meist steht schon jetzt nicht mehr als ein blattloses Gerüst herum und wartet darauf, dass es kalt wird.

Halloween

Kalt wird es hier drinnen heute nicht. Die Heizung sorgt für eine angenehme Wärme, und weil ich mal wieder Putztag habe, wird mir auch so ganz schnell warm.

Ach ja, ich hab doch gestern bei der Kardiologie angerufen um mir einen Termin geben zu lassen. Ich erklärte der netten Sprechstundenhilfe am Telefon, dass ich eine Überweisung von meinem Hausarzt hätte. Fröhlich, wie sie war, bot sie mir dann auch schnellstmöglich einen Termin für den 19. Januar 2006 an…

Ich erklärte ihr dann, dass ich eigentlich nur ein Langzeit-EKG erhalten soll. „Aaachsooo, na das geht auch schon früher!“ Na also. Jetzt darf ich mir am 16. November 2005 das Gerät anbauen lassen und muss es dann am nächsten Tag wieder zurückgeben. Da bin ich ja mal gespannt. Bis dahin werde ich weiter auf Sparflamme fahren, sicher ist sicher.