Himmel & Hölle

:: international

heute war ein tag der besonders anstrengenden art. das fing schon mit dem aufstehen an. nachdem ich mit einer freundin bis ein uhr nachts in interessante gespräche verwickelt war habe ich meinen wecker heute früh ohne schlechtes gewissen um eine volle stunde vertröstet und kam folglich auch erst um acht uhr in der firma an. trotz des donnerstagstypisch schönen wetters lief zunächst nicht viel und meine konzentration fing sogar noch später zu arbeiten an als ich.

um neun uhr in der frühe hat meinereiner noch den ganzen langen arbeitstag vor sich, doch genau zu der zeit wurde es nötig, meinen verstand schnell auf hochtouren zu bringen, um ein internationales problem zu lösen!

um neun uhr kam ein mann zu mir, der mir in englischer sprache eindringlich schilderte, dass er dringend geld aus seiner heimatstadt florenz in italien benötigte. er sei vor knapp drei wochen bei einem der italienischen restaurants in unserer stadt angeheuert und nun ohne bezahlung vor die tür gesetzt worden. dummerweise hatte dieser mann nicht das nötige kleingeld, um sich das rückflugticket zu kaufen. was tun?

in absprache mit der auslandsabteilung unserer bank einigten wir uns darauf, dass seine eltern ihm aus italien per express-zahlung die benötigte summe über unsere korrespondenzbank transferieren. so etwas dauert im besten fall wenige stunden, schlimmstenfalls einen tag. der gute mann verabschiedete sich also vorerst bis zum späten nachmittag.

während des tagesverlaufs und nach ein paar weiteren nicht alltäglichen problemchen telefonierte ich erneut mit unserer auslandsabteilung um zu erfahren, ob die zahlungsbestätigung der italienischen bank bereits vorläge. leider fehlanzeige. gegen 17 uhr kam der mann dann wieder, doch auch diese nachfrage bei diversen stellen ergab keine bessere antwort. weil ich so schnell aber nicht aufgebe, rief ich direkt bei unserer korrespondenzbank in hamburg an, doch obwohl die dame dort am anderen ende der leitung wirklich sehr bemüht war, war weder ein zahlungseingang noch eine bestätigung aus italien eingegangen. als letzten strohhalm bat ich sie, die korrespondenzen zu nutzen, um direkt mit der italienischen bank zu telefonieren, was sie alsdann versuchte – leider war dort aber niemand mehr. das problem blieb also für heute ein problem und ich konnte dem mann an diesem tag keine lösung anbieten. zum glück wusste er es zu schätzen, dass ich himmel und hölle in bewegung gesetzt hatte. nun kommt er morgen früh wieder, in der hoffnung, dass das geld eingegangen ist. einen notfallplan haben wir auch noch, wenn’s hart auf hart kommt, schickt seine bank in florenz mir persönlich ein telefax mit der zahlungsbestätigung.

das problematische an der ganzen sache ist, dass ich den mann nicht kenne. wäre er ein kunde unserer bank würde ich ihm das benötigte geld im gegenseitigen vertrauen einfach im voraus auszahlen, aber bei fremden personen geht das natürlich nicht und sein wort reicht da nicht aus.

bleibt also nur daumendrücken für morgen früh.
nach einer kurzen unterbrechung ist es nun bereits 22 uhr und morgen nach feierabend steht eine große jubiläumsparty an, die sicher bis weit in den samstagmorgen andauern wird. ich werde berichten. am samstag geht’s nach hamburg, wo ich nen freund aus der wehrdienstzeit treffe und am sonntag wird gewokt, bissel billard, bissel tanzen – kurz, das wochenende wird nicht langweilig. ob ich da zum diary komme, bezweifle ich, aber wozu hat man die woche 🙂

nach diesem eher untypischen eintrag wünsche ich allseits guts nächtle.

 

:: nachtrag

freitag, 01. april 2005 12:56 uhr
stimmt, das problem mit dem italiener hat sich gelöst, das geld war heute früh um halb acht bereit. da fing der tag gut an und ging auch noch gut weiter, bisher.

 

Papierkrone

:: papierkrone von sophie vom hofe

 

am nimmertag, zur nullten stund,
war jenes sein erloschen.
es blieb, was auch schon vorher da,
es bleibt das ewig schöne.
ein schönes ewig, das nur kurz
entstellt und röchelnd siechte,
doch jeder schnupfen geht vorbei,
und dann ist er ein einerlei…

vorbei ist auch meine schnupfenzeit, durchatmen heißt die devise – kunststück, bei dem kalten nordwind, der mir hier ums rote näschen weht! immerhin ist das drückend graue wolkenmeer abgezogen, das einer genesung regelmäßig von keinem großen nutzen ist. heute endlich erstrahlt der frühe himmel und enthüllt, was über die feiertage im verborgenen blieb. pralle knospen prangen an den spitzen der äste umstehender kastanien, birken und buchen und verwandeln ganz zaghaft das graubraun des winters in saftiges grün.

endlich durchatmen!

dank meiner freien nase zeigt der duft frisch gebackener muffins wirkung. schokolade und kokos, verpackt in einem kleinen, luftig-lockeren kuchen. nichts für die bikini-figur, aber für einen fernsehabend in netter gesellschaft ideal.

na denn: fröhliches frühlingserwachen!

Mmmmmmuffins

 

Tagesanbruch

als ich heute früh verschlafen zuerst das linke und dann das rechte auge öffnete, war es bereits taghell in meinem schlafzimmer. verkniffen versuchte ich, die digitale uhrzeit auf dem display meiner stereo-anlage zu lesen. erst, als ich halb aus dem bett hing, erkannte ich die 07:55. ich ließ mich wieder zurück in die kissen fallen, bedeckte meine müden augen mit der rechten hand und versuchte, die ersten klaren gedanken zu fassen. wann war ich überhaupt schlafen gegangen? keine ahnung. was ist heute doch gleich für ein tag? montag, richtig, auch wenn er sich wie ein sonntag anfühlt, weil der osterhase immer noch die liegengebliebenen schokoeier einsammelt, um sie für’s nächste jahr zu konservieren.

ziemlich verspannt rolle ich die bettdecke aus dem weg, setze mich auf und schaue aus dem fenster in den hellen morgenhimmel. es ist immer noch diesig, genau wie die tage zuvor. nur die wolkenschicht scheint etwas an substanz verloren zu haben, denn hier und dort mogelt sich ein sonnenstrahl hindurch.
ich schwinge meinen hintern aus den federn und patsche über den glatten boden, strubbel durch mein verschlafenes haar und ärgere mich, dass ich nach dem kochen gestern abend die küche nicht aufgeräumt habe. ist es nicht erstaunlich, dass man sogar mit einem spaghetti-fertiggericht ziemlichen dreck machen kann?! na jedenfalls schalte ich nach einigen wochen der abstinenz mal wieder meine kaffeemaschine ein. dauert nicht lang, dann höre ich das wasser sprudeln, lege einen runden kaffeepad in die düse und beobachte interessiert, wie das dunkle getränk frisch gebrüht in meine kaffeetasse läuft. hmmmm, den duft hab ich am meisten vermisst.

Kaffeeromantik

das weißbrot, das ich am donnerstag beim bäcker gekauft hatte, ist irgendwie nicht mehr taufrisch. komisch. aber egal, ist ja eh nur die grundlage für die großzügige nutella-schicht, die oben drauf kommt… da gehen sie hin, die vorsätze der gesunden ernährung. sollte ich ein schlechtes gewissen haben? ach was. es ist doch ostern und alle welt isst haufenweise schokoeier. gesund ernähren können wir uns ja ab morgen wieder.

nach so einem feelgood-frühstück kann man dann den tag auch getrost beginnen, am besten, indem man die küche wieder herrichtet. im grunde geht das ja meist ganz schnell, so wahnsinnig groß ist sie ja nicht. na also, jetzt blitzt und blinkt sie wieder. jetzt noch schnell in die dusche hüpfen und dann einen herrlichen ostermontagmorgenspaziergang in die stadt machen. ich genieße den tag, denn schon morgen geht die nächste vier-tage-woche wieder los.

 

Motive

:: motivsuche

flach ist die umgebung, in der ich wohne. so flach, dass man fast meint, die erdkrümmung sehen zu können. einer meiner freunde wohnt in baden-württemberg, und weil ich selbst schon dort war, weiß ich, dort ist es alles andere als flach. diesem freund versprach ich im vergangen jahr ein wenig schafwolle. jetzt ist osterlämmerzeit und ich habe mich in mein neongelbes auto gesetzt um dorthin zu fahren, wo schafe ihren natürlichen lebensraum haben: dem deich. schon auf dem weg dorthin konnte ich dieses motiv einfangen:

Osterlamm

der deich selbst hingegen schien wie ausgestorben. kein lamm, kein schaf weit und breit. ich lief den deich entlang, über die deichkrone, aber von den weißen zottelviechern keine spur. zum glück entdeckte ich an einem der vielen groben zaunpfähle einen rest schafwolle. ich packte ihn in meine jackentasche und ging auf motivjagt. weil der deich so leer war, war nicht so viel herauszuholen. auf der elbe, jenem fluss, dem wir den deich verdanken, schippert gegen das sonnenlicht grad ein großer pott vor sich hin, der meiner linse nicht so schnell entkommen kann. das schiff kommt just aus hamburg und hat nur noch wenige kilometer – sorry – seemeilen vor sich und dem offenen meer, denn nur ein stückchen weiter mündet die elbe in die nordsee.

Elbschifffahrt

:: motivation

mein ostersamstag plätschert ansonsten ruhig dahin. nach dem aufstehen heute vormittag habe ich meine sieben sachen gepackt und bin zum schwimmen gefahren. im gegensatz zu gestern hatte die halle zum glück geöffnet. den vergleich mit der holstentherme kann unser städtisches hallenbad natürlich nicht halten. die schmucklose einrichtung mit dem sport- und dem kinderbecken ist rein pragmatisch, ohne schnörkel, ohne pflanzen – ohne atmosphäre. aber für ein wenig kraftanstrengung reicht es und auf der einzigen sonnenbank kann sich meinereiner die erste grundbräune für den anstehenden sommer holen.

wie auch der rest der circa 5.000 einwohner meiner stadt bin ich gleich nach dem schwimmen dann zum einkaufen gefahren. ich brauchte gar nicht viel, etwas milch, etwas karottensaft, bisschen knabberkram. hinzu kam dann noch ein kasten pils, falls über die eiertage besuch ins haus steht. auf dem großen parkplatz war kaum eine abstellmöglichkeit für mein doch ziemlich kleines auto zu finden und im geschäft selbst musste ich sämtliche schleichwege nutzen, um möglichst schnell wieder rauszukommen.

der aktivitäten hatte ich dann wohl heute genug, werde jetzt noch einen brief schreiben und schauen, was der ansonsten irgendwie langweilige tag noch so bringt.

 

Rhythmus

:: rhythmus der; -, …men (regelmäßige wiederkehr; geregelter wechsel)

jenes wiederkehrende phänomen ist bei mir dieser tage ziemlich aus dem takt gekommen. meine letzte tagebuchaufzeichnung liegt bereits fast zwei sehr geschäftige wochen zurück.

in der vorvergangenen woche hatte ich beruflich ziemlich viel um die ohren und verbrachte ebendort abendfüllende stunden in kreativer wie ausgelassener stimmung.
gegen ende der woche war ich mit meiner nachbarin essen. das exklusive restaurant ganz in der nähe hatte ich noch nie gesehen, obwohl ich sehr gern essen gehe. schon von aussen war das anwesen prächtig anzuschauen, direkt an dem kleinen fluss gelegen, der sich hier durch die landschaft schlängelt. durch ein tor betraten wir den steinernen weg, der uns zum hauptgebäude brachte. der rhythmus der musik, die auch draussen gespielt wird, klang vertraut und ähnlich wohlklingend wie ‚josh groban’. als wir durch die türe traten blieben wir beinahe ehrfurchtsvoll im eingang stehen und warteten, bis jemand kam um uns dort abzuholen. fast erwarteten wir, dass der hausherr in der gästeliste unsere namen suchte. stattdessen nahm uns der kernig-fröhliche mittfünfziger mantel und jacke ab und ermunterte uns stolz, ein wenig umherzugehen und uns sein restaurant genauer anzusehen.
die großzügigen räumlichkeiten boten ausreichend platz für mehrere gruppenräume, jeder von ihnen individuell eingerichtet und dekoriert mit ländlichen accessoirs. der hauptraum, der auch auf dem ersten bild zu sehen ist, beinhaltet einen offenen kamin, eine lederne sitzgruppe, in welcher vor dem essen ein aperitif genossen werden kann, unzählige details und am ende eine große tiffanytür. links davon kann der gast einen blick in das weinlager werfen, rechts liegen die hauptspeiseplätze. alles ist liebevoll eingerichtet und die musik bildet einen passenden rahmen. wir hatten einen sehr prächtigen abend, den man leider nicht allzu oft wiederholen kann…

in dieser laufenden woche kam mein rhytmus dann aber erst so richtig ins trudeln. sonntag hatte ich lieben besuch. wir verbrachten einen schönen abend bei selbstgemachter pizza und einem spielfilm bis nach mitternacht. montagmorgens um sechs ging dann der wecker und nach der arbeit bekam ich erneut gäste, wiederum bis nach mitternacht. dienstagabend fiel ich dann um 21 uhr in mein blaubezogenes bett und erwachte pünktlich um sechs uhr des nächsten tages. der mittwoch fordert von mir regelmäßig nur einen halben arbeitstag und so nutzte ich den nachmittag für einen besuch bei meiner familie, ehe ich abends wieder besuch von meiner lieben freundin erhielt. nach mitternacht war schon fast standard. der lange donnerstag ging dann gestern auch irgendwie zuende. um halb sieben war ich zu hause und plumpste nach ein paar hantelübungen um 19 uhr ins bett. als ich gegen mitternacht aufwachte, blieb ich gleich liegen und schlief bis heute früh um acht.

:: zeitumstellung

wenn mein rhytmus also schon jetzt durcheinander ist, wie soll das erst werden, wenn von samstag auf sonntag die uhren umgestellt werden? a propos, wie war das gleich? vor? zurück? früher hell und später dunkel oder andersrum? jedes jahr dasselbe, keiner weiß nichts genaues und am ende haben es doch wieder alle richtig gemacht. funkuhren sei dank!
also noch mal für alle, auf das wir’s in einer woche eh wieder vergessen haben: die uhren werden eine stunde vorgestellt. das bewirkt, dass es morgens uhrzeitlich später hell wird und dafür abends das licht erst eine stunde später eingeschaltet werden muss.

:: zeitlos schön

während ich in meinem letzten eintrag noch den rechtzeitigen frühlingsanfang in frage stellte, wurde ich wie viele andere auch eines schöneren belehrt: nach dem frühlingsanfang hätte man in diesem jahr seinen kalender stellen können! in diesem diary habe ich zum frühling bereits so viele worte gemacht, dass ich heute einfach ein paar bilder sprechen lasse, die ich gestern geschossen habe:

 

Jahreszeiten

:: frühling

es ist höchste eisenbahn für die schönste jahreszeit. zu lange schon lässt uns der frühling warten, auf das schönste grün, das bäume und sträucher zu bieten haben, auf das brummen von rasenmähern und den duft von frisch geschnittenem rasen. nachbarn, die mit harke und schaufel im garten hocken, um die frühlingsblumen von unkraut zu befreien und die roten zipfelmützchen der gartenzwerge vom winterschmutz zu reinigen. zu weit weg ist schon die erinnerung an die blühend-duftende krokuswiese im stadtpark, das knirschende geräusch von fahrrädern, die ebendort über die sandwege fahren und einander ein fröhliches ‚hallo’ zurufen. ich freue mich sogar auf regen, der nicht von eisigem wind begleitet wird und der vom frischen grün der wuchtigen kastanienbäume heruntertröpfelt, unter deren schützendes blätterdach man sich stellen kann, bevor sich die regenwolken wieder auflösen und den blick auf den blanken blauen himmel freigeben, von wo aus die sonne alles wieder trocknet.

:: sommer

‚so schmeckt der sommer’ – erinnert sich jemand an diesen langnese-song? ist schon eine weile her, länger sogar, als der letzte sommer daselbst. er erinnert mich an sonnenschein von morgens bis abends, an temperaturen, bei denen man alles an klamotten weglässt, was nicht unbedingt sein muss. und an eis natürlich. köstliches vanille-eis mit erdbeersauce, mmmmmmhh. sommer erinnert mich ausserdem an duftende pinienwälder und vor allem an ganz viel farbe. wenn erst die graue wolkenschicht zwischen uns und dem licht fort ist, dann macht auch das photografieren wieder mehr spass. sonnencreme und strohhüte fallen mir ein, blumenbeete, die mit dem gartenschlauch gewässert werden, hier und dort (vermutlich eher hier als dort) fahren landwirte mit riesigen maschinen die ernte ein.sommer erinnert mich an ferienlager und sommercamps, bei denen sich wildfremde menschen mit bestimmten gemeinsamkeiten treffen, um eine erinnernswerte zeit in der natur zu verbringen. lagerfeuer, gitarrenklänge, lange spaziergänge…

:: herbst

der kann mir erstmal gestohlen bleiben, auch wenn er zweifelsohne seine reize hat, wie zum beispiel farbenpracht in rot und gelb, wolken in zahlreichen violett-tönen und kraftvolle stürme, die die aufgestaute sommerhitze in den exodus befördern. außerdem ist es die zeit für pärchen, denn wenn es draussen langsam wieder kalt und ungemütlich wird, gibt es nichts besseres als einen lieben menschen, der einen wärmt.

:: winter

tja, der ist allgegenwärtig. als ich nach dem aufstehen heute früh aus dem schlafzimmerfenster blickte, war ich froh, dass die schneeberge der letzten wochen so gut wie weggeschmolzen sind. wenn ich jetzt aus meinem wohnzimmerfenster schaue, frage ich mich, wie lange der schnee, der gerade wieder in massen aus den grauen wolken fällt, diesmal bleiben wird. es wird kaum lange dauern – vielleicht eine halbe stunde, bis das gras wieder in eine weiße decke eingepackt sein wird und die streufahrzeuge mit ihren gelben blinklichtern ihr winterdepot verlassen müssen. dabei habe ich schon längst genug von der kalten jahreszeit. noch sieben tage bis zum frühlingsanfang… ob das klappt? vielleicht, wenn wir alle ganz fest dran glauben…!

 

runde Sachen

:: silbermond

mit meinen inzwischen 28 jahren werde ich im april das erste konzert meines lebens besuchen. gestern hat eine freundin die karten im reisebüro besorgt. ich bin schon sehr gespannt, wie das wohl wird.

:: update; konzertbericht am 16.04.2005

:: das wunder von struxdorf

in der gestrigen ausgabe unserer tageszeitung fand sich ein artikel, der zu herzen geht. nach 37 jahren ist ein ehering zu seinem besitzer zurückgekehrt. das gute stück war einst beim handballspielen verloren gegangen und wurde jetzt von einem jungen fussballspieler wiedergefunden – in einem maulwurfshaufen.heinrich i. clausen ist inzwischen 66 jahre alt und erinnert sich noch gut an das handballtraining von 1968. er habe damals sofort bemerkt, dass ihm der ring vom finger gerutscht war, 21 mann hätten nach dem ring gesucht, ihn aber im gras nicht gefunden. mit seiner frau luise war er gerade vier jahre verheiratet, und über das verschwinden des ringes, der ihren geburtsnamen und das datum der verlobung trug, war sie nicht sehr erbaut. das ehepaar gab die hoffnung nie auf, dass der ring eines tages wieder auftauchen würde und schaffte keinen ersatz an.enrico ist 15 jahre alt, wohnt im struxdorfer kinderheim und ist leidenschaftlicher fussballer. weil ihm ein maulwurfshügel auf dem sportplatz im weg war, wollte er ihn wegkicken, als er etwas metallisch glänzendes darauf liegen sah. er las die inschrift und das datum und entschied sich, das schmuckstück beim örtlichen treffpunkt abzugeben: der kleinen dorfbäckerei. dort erfuhr der nachbar der clausens von der entdeckung. da er die geschichte von damals kannte, informierte er das ehepaar sofort. heinrich clausen und seine frau luise sind sich glücklich um den hals gefallen, als sie die nachricht erhielten und holten am nächsten morgen den ring beim bäcker ab. der ring selbst hat die zeit unter der erde gut überstanden und sieht fast wie neu aus. direkt vom bäcker aus fuhr heinrich clausen zum kinderheim, um sich bei enrico zu bedanken. dann liess er den ring enger machen, damit er ihm nie wieder vom finger fallen könnte.:: photosweniger rund finde ich die entwicklung digitaler bilder. bisher habe ich die photoentwicklung bei ‚karstadt’ und bei ‚schlecker’ ausprobiert, doch auch wenn auf dem monitor alles astrein aussieht, sind nach der entwicklung kleine digitale reste nicht zu übersehen. hinzu kommt, dass der sieben pixel breite weisse rand bei beiden photolaboren schlecht wegkommen ist. mal fehlt der linke rand, mal sind sie verschieden gross geschnitten – so kann isch net abbeidde!!

 

Kunst

:: musik

in einem brief, den ich vor ein paar wochen erhielt, erwähnte ein freund den namen des sängers ‚josh groban’. ich hatte den namen bis dahin noch nie gehört. wenige tage später las ich den brief erneut und blieb an dem absatz über groban hängen. mit schönen worten beschrieb mein freund die art und die wirkung der musik, und ich wurde neugierig. im internet fand ich einiges und lud mir ein paar seiner stücke herunter. noch am selben abend hörte ich diverse songs fünf stunden lang (über meine kopfhörer, um die nachbarn nicht am schlafen zu hindern).
als ich die musik zum ersten mal hörte, hatte ich ein gefühl von freiheit, von weite und geschwindigkeit, ich dachte an kälte, die mir nichts anhaben kann, an sturm, der gegen die kraft seiner stimme nicht ankommt, ich bekam Gänsehaut und fühlte mich vom klang seiner musik erfüllt, song für song für song.
der mann ist erst mitte 20 und hat eine unglaublich kraftvolle und ausdrucksstarke baritonstimme. er sang songs für die filme ‚troja’ und ‚polar express’, milliarden menschen hörten ihm während der closing ceremony der olympischen spiele 2002 in salt lake city zu, konzerte mit meister-komponist john williams, auftritte am broadway sowie zahlreiche gastrollen, wie zum beispiel bei ally mcbeal, gehören zu seinem repertoire. anfang des jahres sang er bei einem benefizkonzert zugunsten der tsunami-opfer und im dezember habe ich ein konzert in hamburg versäumt. auch eine fesselnde konzertaufzeichnung habe ich mir daher heruntergeladen. seine musik hat mich so sehr beeindruckt, dass ich vergangene woche die erste cd seit jahren gekauft habe.

:: photografie

regelmäßige gäste in meinem tagebuch werden schon bemerkt haben, dass ich seit kurzem ein faible für die photoarbeiten des künstlers ‚pat lee’ entwickelt habe. seine bilder stellt der 1980 geborene thailänder seit sommer 2002 auf der website ’axiusphotography.com’ aus. mit 18 jahren wanderte er in die usa aus und siedelte sich in florida an. dort arbeitete lee in einem unternehmen für bodybuilding- und fitnessvideos und entwickelte seine leidenschaft für die photografie. bei der masse seiner arbeiten muss man schon ein wenig sortieren, weil sehr viele bilder wahre muskelberge darstellen. hierin findet sich seine arbeit an den genannten videos wieder. auch wenn sie zweifellos sehr gut gemacht sind, bin ich nicht unbedingt fan von muskelbildern und zum glück bietet pat lee auch andere, ‚gut gebaute’ bilder. printmedien sind hier anscheinend noch nicht erhältlich. über den online-photoservice habe ich eine auswahl zur entwicklung gegeben und freue mich darauf, sie morgen abholen zu können.

 

dreieinhalb

:: dreieinhalb wochen

so lang ist es her, dass ich meine familie gesehen habe. heute bin ich für einen sonntag extra früh aufgestanden, um mutti & co. zu besuchen. nach einem leckeren frühstück und einer belebenden morgendusche hatte ich noch ein wenig zeit, denn ich war erst um zehn uhr verabredet. also genoss ich den herrlichen sonnenschein auf meinem bett, griff mein buch und las ein paar seiten. ich hatte zwar über einen längeren zeitraum (von ebenfalls dreieinhalb wochen…) nicht mehr darin gelesen, aber ich war schnell wieder im thema. rechtzeitig machte ich mich auf den weg. die straßen waren nur noch wenig vereist, dafür waren alle mit einer weißen salzschicht überzogen. während der fahrt fiel mir ein, dass ich heute den neuen freund meiner jüngeren schwester kennenlernen sollte.
nach zwanzig minuten kam ich beim haus meiner eltern an. leider war mein dad unterwegs. ich war noch gar nicht ganz aus dem auto, da kam mir die ganze rasselbande schon entgegengestürmt. ein schöner herzlicher empfang nach dreieinhalb wochen. aus dem zimmer meiner schwester lugte ein junger typ neugierig heraus, nur mit shirt & short bekleidet. er wirkte auf den ersten blick sehr nett, lächelte, gab mir höflich die hand und stellte sich vor. nico heißt er und ich lernte ihn als sehr aufgeweckten und fröhlichen menschen kennen und er hat mich auf 23 geschätzt! ich mag ihn. ich freue mich sehr für meine schwester.
der älteste meiner beiden jüngeren brüder wird in wenigen tagen 20. im april wird er zur armee gehen und dort für acht jahre bleiben. das gefällt mir weniger, denn ich mache mir natürlich sorgen um ihn. ich war zwar auch dort, aber vor acht jahren war die welt noch ein stück weit friedlicher als heute… er ist jedoch kaum zu bremsen.
es war sehr schön bei wieder bei meiner familie zu sein und ich ging nach dreieinhalb stunden und tausend umarmungen mit einem guten gefühl.

:: sommersturm

tobi fährt mit seinem sportverein in ein sommer-trainings-camp. mit von der partie ist auch sein bester freund achim, in den tobi heimlich verknallt ist. achim jedoch liebt sandra. im sommercamp treffen tobi, achim & co. auf eine schwule sportgruppe. neben reibungspunkten, kennenlernen und verstehen erkennt tobi, wohin er eigentlich gehört. in all dem durcheinander und dem sturm an gefühlen gesteht er sich und den anderen endlich seine homosexualität ein.
seit drei tagen ist der film ‚sommersturm’ auf dvd erhältlich. ich habe den kinofilm im vergangenen jahr mit freunden gesehen. ich bin nicht unbedingt großer fan deutscher produktionen, weil die meisten deutschen filme grottenschlecht sind. ‚sommersturm’ jedoch brilliert mit einer wunderschönen geschichte, bei der man lachen und weinen kann, bei der man sich in die figuren hineinversetzen und an sein eigenes leben denken kann. dazu kommen meisterhaft photografierte aufnahmen von mensch und landschaft und exzellente musik. ich gebe zu, wäre der protagonist nicht schwul, hätte ich den film im kino sicher gar nicht erst gesehen. so aber bin ich froh darüber und weil ich jeden film kaufe, der mir im kino gefallen hat, konnte ich meine dvd-sammlung wieder um ein exemplar erweitern.

 

Reflektionen

:: winterfreuden

der märz ist angebrochen und nach wie vor hat uns väterchen frost fest im griff. dennoch muss man unsere norddeutschen temperaturen um minus dreizehn grad schon fast als mild bezeichnen angesichts von nahezu minus vierzig grad in süddeutschland. dieser winter hat es in sich und anscheinend gefällt es ihm hier. die kälte beißt in der nase, wenn ich morgens zur arbeit gehe und abends wieder zurück kehre, und meine heizung fleht schon um urlaub! schön, dass es dieser tage wenigstens sonnig ist und das sonnenlicht von den unzähligen schnee- und eiskristallen reflektiert wird.
noch angenehmer ist bei dem wetter ein erholsamer nachmittag im thermalbad… tropische temperaturen zu lande, zu wasser und in der luft, wohl temperierte whirlpools und für den totalen entspannungskick: sonnenliegen, sauna und dampfbad. das war genau, was ich am bitterkalten mittwochnachmittag am dringendsten brauchte.

:: lebensabschnittsbewältigung

wenn ich in diesen tagen zeit für ganz eigene gedanken habe, dann kreisen diese wie ein schlingernder hubschrauber über meiner zukunft. ich denke nach über den verlauf dieses jahres, über die angestrebte fortbildung und über das, was danach kommt.
werde ich in der großen stadt einen job bekommen? werde ich eine wohnung finden, in der ich mich wohlfühle? werde ich freunde finden? werde ich den einen freund finden? wie lange werde ich heimweh haben nach der gegend, die ich seit nunmehr 28 jahren mein zuhause nenne? werde ich meinen dad in der großen stadt finden?
ich weiß, dass ich hier raus muss, um mich weiterzuentwickeln und meinem leben neue würze und neue perspektiven zu geben, und je mehr ich darüber nachdenke und plus und minus gegeneinander abwäge, desto mehr denke ich, dass ich eben nicht darüber nachdenken und stattdessen den dingen freien lauf lassen sollte. alles entwickelt und verändert sich so schnell und manchmal habe ich das gefühl, nicht wirklich die zeit zu haben, die ganzen fürs und widers ausreichend zu durchleuchten. am meisten angst macht mir die vorstellung, dass es mit fortschreitendem alter schwieriger sein wird, einen partner kennenzulernen, an den man sich lehnen kann, wenn es draußen stürmt und friert. der einen mit seinen armen festhält und liebevoll an sich drückt…
auch wenn ich weiß, dass das unsinn ist, bin ich noch so sehr auf das ‚twen-dasein’ fixiert, dass es mich eines tages wie ein blitz aus heiterem himmel treffen könnte, wenn ich eines morgens aufwache und feststelle, dass ich dreißig bin. in der heutigen zeit haben manche männer ihre erste midlife-crisis eben schon mit ende zwanzig.

:: erleuchtung

mein weg zum buddhismus ist zurzeit ähnlich schlingernd wie mein zukunftshubschrauber und ganz langsam scheinen sich alte strukturen wieder einzuschleichen, die ich so entschlossen aus meinem leben auszuräumen versuche. es ist schwierig, vor allem die fleischlose ernährung klappt bei mir noch nicht so ganz. aber ganz egal ob meine bisherigen wege geradlinig waren oder nicht, in den meisten fällen bin ich doch an meine ziele gekommen und das schaffe ich weiterhin – so oder so.