Weinfest

:: schwarzfahrer

gestern fand das alljährliche weinfest in der stadt mit den hochhäusern statt. ich bin zu fuß zu meinen beiden freunden hier im ort und dann liefen wir zum bahnhof. für unser kleines städtchen war dort ungeheuer viel los. die schlange am ticketautomaten war so lang, dass wir bis zum eintreffen des kurzzuges nicht mehr drankamen. leicht nervös stiegen wir also ticketlos ein und setzten uns auf eine der längsbänke an den fenstern. zum glück kam kein kontrolleur und wir stiegen unbehelligt mit einem netten gruß vom lokführer für ein „schönes fest“ am zielort eine station später wieder aus. wir liefen die straße hinunter bis ins zentrum und steuerten die erste ansammlung auf dem „berliner platz“ an. der sänger der band, die dort auftrat, kam uns irgendwie bekannt vor, und bei genauem hinsehen erkannten meine freunde den nachbarsjungen aus ihrer siedlung. der kann singen und nett anzuschauen ist der auch noch.

:: rosé, silvaner, riesling, müller-thurgau & co.
dann gab’s den ersten wein. wir starteten mit einem rosé und begannen unsere große runde. vorbei an diversen wein-, wurst- und crêpes-ständen. anfangs zählte ich noch die bekannten gesichter, die mir auf dem weg ein „hallo“ zuwarfen. so traf ich einige arbeitskollegen, flüchtige bekannte und sogar meinen pensionierten personalchef, der mich sogar gleich erkannt hat – trotz cordhut. als die bekannten gesichter dann rudelweise auftraten hörte ich mit dem zählen auf – nach ein paar gläsern wein war das eh nicht mehr so zuverlässig. auf dem wochenmarktplatz spielte eine der örtlichen bands. naja „bands“ ist irgendwie nicht der passende ausdruck. sie nennen sich „börney und die tri tops“ ja. genau. und so war auch die musik. das beste auf dem wochenmarktplatz war der keeper eines cocktailstandes. weil wir gerade einen wein mit uns herumtrugen und wir den platz dann auch nicht länger als nötig belagern wollten, beschlossen wir, uns später einen cocktail zu holen. wir zogen also weiter und als die erste runde komplett war setzten wir uns am „berliner platz“ auf die steinstufen zu vielen anderen leuten und gönnten unseren füßen eine pause.

:: freunde

bei unserer zweiten rundtour trafen wir noch einige freunde mehr, blieben also mal hier und mal dort stehen um in wilden umarmungen übereinander herzufallen. einige habe ich schon eine ganze weile nicht mehr gesehen und so freuten wir uns besonders über die begegnung. diese ganze truppe, von denen ich gleich ein paar neue leute kennen lernte, trafen wir noch öfter an dem abend. peter heißt einer von denen, die ich vorher noch nicht kannte. er war wirklich sehr nett und hatte eine so… gewinnende art. er bestand darauf, dass wir mit ins alte lichtschauspielhaus zur after-show-party kämen. wir sagten natürlich sofort „ja“, aber da gab’s ein kleines problem: die eine hälfte unserer inzwischen ziemlich umfangreichen truppe wollte zum zeltfest, die andere hälfte ins „licht“. es gab ein ewiges hin und her.
unser letzter zug nach hause war inzwischen vor einer halben stunde abgefahren, als wir beim alten kino ankamen. wir löhnten jeder drei euro und suchten uns die besten plätze, orientierten uns kurz, checkten die leute ab und holten uns dann erst mal was zu trinken. die musik, die dort gespielt wurde, war etwas… gwöhnungsbedürftig. meine freundin u. und ich wollten so gern tanzen, aber aus den lautsprechern drang doch sehr alternativer stoff. dennoch, irgendwann beschlossen wir, die beiden mädels auf der tanzfläche zu unterstützen und machten mit. etwas zögerlich kam dann irgendwann noch der eine oder andere hinzu und nach einer anlaufzeit war bald kein platz mehr auf der tanzfläche.

:: heimweg

um kurz nach drei liefen wir drei zurück zum bahnhof und hatten glück, gerade kam ein taxi, das uns dann nach hause brachte. mit der bahn hätten wir grad mal ein fünftel davon bezahlt, aber die nächste bahn sollte erst gegen fünf uhr fahren. um halb vier stand ich dann zu hause unter der dusche. die luft im alten kino war wirklich irgendwann schon eklig. rauch, schnaps und schweiß sind eine unschöne mischung, die auf solchen partys aber wohl unvermeidlich ist.
mein auto hat heute ebenfalls seinen weg zurück nach hause gefunden. nachdem ich den wagen vor ein paar wochen meinen eltern geliehen habe, bekam ich es heute zurück – um 11 uhr morgens. das telefon bimmelte und erstaunlich fit sprang ich aus dem bett, wetzte über den flur ins arbeitszimmer und rief mit heiserer stimme meinen namen ins telefon. eine knappe stunde später stand mein kleiner gelber wagen wieder auf meinem parkplatz.
wenn ich also schon mal wach war, konnte ich es auch gleich bleiben. wäre schade gewesen um den schönen tag. als ich meinen standard-chatroom betrat wurde ich mit einem netten gruß empfangen: „na, wieder nüchtern?“ es war dennis aus der stadt mit den hochhäusern. er ist ein netter gesprächspartner, echt knuffig… und wir haben uns offenbar auf dem weinfest getroffen… als er mir half, meine erinnerungen aufzufrischen fiel es mir dann auch ganz langsam wieder ein.

es war ein wirklich schöner abend mit wirklich vielen freunden und wirklich viel wein. gut, dass ich meine grenzen kenne, denn ich erfreue mich heute bester verfassung – was dennis nicht von sich behaupten kann.

 

Sonne, Frösche, x-men

:: sonnenuntergang

in den fenstern eines hochhauses, fast 20 km von hier entfernt, spiegelt sich das licht der untergehenden sonne und blendet mich. wenn sich die sonne auf dieses niveau herablässt ist das ein erstes anzeichen dafür, dass der tag langsam zuende geht. und das ist ok so, denn je schneller der montag vorbei ist, desto schneller kommt das nächste wochenende. wenn es mindestens so gut wird wie das jüngst vergangene, dann ist alles in ordnung. ich hatte eine menge spaß und eine menge erholung, wenn es insgesamt auch nichts weltbewegendes war, genau so muss ein wochenende sein. nach dem kirschblütenfest am freitag nutzte ich den samstag zur entspannung. eigentlich hätte ich noch viel zu tun gehabt, aber ich hab alles stehen und liegen gelassen. nur einen einkauf habe ich vormittags erledigt. zwar regnete es draußen wie aus einer gießkanne, aber das scherte mich nicht. ich griff meinen regenschirm, meine tasche und meinen cordhut und machte mich auf den weg. draußen war es angenehm warm, kein wind wehte, nur der frühlingsregen fiel senkrecht vom himmel. ich konnte gerade noch an mir halten um auf dem weg unter den mächtigen kastanienbäumen zum supermarkt nicht „singing in the rain“ zu trällern. als ich meine einkäufe erledigt hatte und den markt wieder verließ, strahlte die sonne von einem blankgeputzten blauen morgenhimmel. vögel zwitscherten und die nasse straße dampfte, während autos hin und wieder krachend und spritzend die wasserpfützen auseinanderstießen.

:: easy easy

weil der samstag so entspannend war erwachte ich am frühen sonntagmorgen zum ersten mal gegen fünf uhr. die sonne war bereits aufgegangen und schickte ein paar strahlen durch mein schlafzimmerfenster, um mich unter der nase zu kitzeln. ich blinzelte mit einem auge und lächelte breit, als ich durch das bambusrollo den blauen himmel erkannte. wer jetzt glaubt, dass ich um fünf uhr aufgestanden bin, nur wegen ein bisschen blauen himmel, der kennt mich schlecht. natürlich schlief ich grinsend und alle viere von mir gestreckt wieder ein, voll bewusst, dass es heute keinen weckruf geben würde. wie das in solchen situationen immer so ist, gerieten die träume ziemlich durcheinander und vier stündchen später erwachte ich aus einem. das grinsen war zwar aus meinem gesicht verschwunden, aber die sonne schien immer noch. ich stieg aus meinem bett, öffnete das fenster und ließ die erstaunlich warme sonntagmorgenfrühlingsluft herein. wundervoll! ein kleines frühstück, eine dusche und dann packte ich eine getränkeflasche und meine derzeitige lektüre in meine tasche, schnappte mir meinen cordhut und verließ das haus. fröhlich lief ich gegen halb zehn die straße hinunter, bog noch vor dem supermarkt links ab und betrat den kiesweg, der an den schrebergärten entlang der kleinen au vorbeiführt. auf dem hausboot sah ich zum ersten mal die bewohner, die irgendwelche taue neu befestigten und das deck schrubbten. radfahrer fuhren mit einem morgendlichen „moin!“ an mir vorbei und das anwesen auf der anderen uferseite lockte ein paar enten an. die luft war angenehm frisch und gleichzeitig warm. ich suchte nach einer passenden uferstelle, an der ich mich niederlassen und in meinem buch lesen konnte. ich bog um eine ecke und entdeckte eine grob aus einem baumstamm geschlagene bank. als ich mich ihr näherte, hörte ich lautes gequake aus dem seerosentümpel, der direkt dahinter lag. als ich die bank erreichte, verstummten die vielen frösche darin und schienen zu warten, bis ich wieder von dannen zog – aber mir gefiel’s hier und ich ließ mich nieder. ich zog die jeansjacke wieder aus, nahm den hut und die tasche ab und packte mein buch aus, eine sehr einfache und unterhaltsame liebesgeschichte, die mich durchaus fesseln und begeistern konnte – teilweise etwas zu sehr, denn mal saß ich laut lachend da und mal verbrauchte ich eine halbe packung tempos… ich achtete natürlich sorgsam darauf, dass in solch überströmenden momenten niemand des weges kam – wär ja peinlich gewesen, zumal ich in diesem ort arbeite! die frösche ließen sich durch mich längst nicht mehr stören und setzten ihr frühlingskonzert eifrig fort, während ich neben ihnen auf der bank saß. hin und wieder kamen leute vorbei – meist rentner, gaben irgend einen kommentar bezüglich der tierischen sangeskünste ab und stellten sich dann an den rand des tümpels. ziemlich alle waren beleidigt, dass das konzert augenblicklich unterbrochen wurde, und zwar so lange, bis sie sich wieder trollten. und ich fühlte mich dabei von den neugierigen rentnern auch noch mehr gestört als von den fröschen…
gegen mittag hatte ich das buch fast durchgelesen, aber den letzten rest wollte ich mir noch aufsparen, also packte ich meine sieben sachen und ließ die frösche allein bei was auch immer sie dort taten.

:: konzertnachwirkungen?

den nachmittag verbrachte ich mit kopfschmerzen im schlummerzustand auf meiner blauen couch im wohnzimmer. abends war ich mit zwei freunden zum grillen verabredet und schluckte deshalb gegen meine gewohnheiten eine aspirin. zum essen waren die schmerzen dann auch passé und es wurde ein gemütlicher abend, den wir mit einem einfachen film (x-men 2) beschlossen. gegen mitternacht wurde ich dann im angesicht des drohenden montages auch müde und meine freunde begleiteten mich nach hause. echt mal schön, so ein ruhiges wochenende.

 

Gastfreundschaft

:: japanisches kirschblütenfest

jedes jahr veranstaltet die japanische gemeinde in hamburg das kirschblütenfest für die stadt. damit bedankt sie sich für die hamburger gastfreundschaft. das ist eine nette geste, finde ich und wollte mir das spektakel in diesem jahr nicht entgehen lassen.

Kirschblüte

um kurz nach 20 uhr holte mich freundin u. zu hause ab. gemeinsam machten wir uns auf den weg zum tierpark nach hamburg, wo wir den wagen fachgerecht abstellten. von der fülle an parkplätzen war ich regelrecht erschlagen, wir hatten völlig freie auswahl. mit der u-bahn fuhren wir zum jungfernstieg, der nach wie vor eine baustelle ist. in gesellschaft hunderter besucher spazierten wir am alsterufer entlang. wir wussten gar nicht so genau, wo an der alster das kirschblütenfest stattfand, also liefen wir der menge hinterher. an der binnenalster vorbei, rechts von uns die wunderschönen angeleuchteten gebäude, in der mitte der binnenalster die große wasserfontäne und im hintergrund der fernsehturm und das radisson-hotel. es war noch immer bewölkt, aber es war trocken. die menschen säumten das ufer, auf dem wasser schipperten kleine boote und mehrere schiffchen der wasserschutzpolizei. als wir das ufer der außenalster erreichten wurde die menge der leute noch größer und an den ufern des gewässers war bereits reichlich betrieb. wir liefen noch ein ganzes stück weiter, bis zum beginn des großen feuerwerkes hatten wir noch eine halbe stunde zeit und wir suchten nach guten plätzen, von denen wir aus ungehindert über die alster blicken konnten. ein gutes stück weiter fanden wir ihn. es waren natürlich schon viele leute hier. eine runde steintreppe führte von der belebten straße ans ufer und wir setzten uns dazu. von hier aus hatten wir einen sehr guten blick und warteten. die lufttemperatur lag bei angenehmen 20 grad und hinter den wolken konnten wir den immer noch hellen abendhimmel durchscheinen sehen, der sich aber von minute zu minuten weiter verdunkelte. pünktlich um 22:30 uhr begann das feuerwerk und genau zu diesem zeitpunkt verschwanden plötzlich die wolken. es war herrlich. die leute rings um uns herum standen von ihren plätzen auf und riefen die obligatorischen „aaaahs“ und „ooooohs“ in den abendhimmel, wo rote, grüne, blaue, weiße und goldene lichter sprühten, funkelten und bizarre formen in den dunklen himmel malten. es knallte und donnerte von der alster aus wie mitten in einem seegefecht. es war fesselnd und faszinierend und am ende standen tausende von menschen rund um das große gewässer und applaudierten. tolle stimmung.

das eigentliche kirschblütenfest haben wir gar nicht gesehen, das begann aber auch schon um 17 uhr im alsterpark. das feuerwerk war großartig und das wetter war absolut auf unserer seite. nach dem spektakel führte ich ulli in die lange reihe und in mein lieblingscafé, das „gnosa“. das vorwiegend schwule publikum war für sie eine neue erfahrung, aber sie fand’s toll und freute sich, dass ich sie dorthin mitgenommen hatte. gegen 0:40 uhr sollte unsere letzte u-bahn zurück zum tierpark fahren, also trollten wir uns nach einem cappucino an dem wunderschönen abend die straße entlang, wo noch viele menschen in den straßencafés saßen. vom hauptbahnhof aus ging es dann mit der u2 zurück zum auto und dann über die autobahn zurück nach hause.

 

real worlds

:: träume

gestern habe ich meine absicht, diese gegend zu verlassen, auf einen offiziellen sockel gestellt, den jeder sehen kann. gestern habe ich meine personalabteilung über meine pläne informiert, meinen wohnsitz und meinen job innerhalb der nächsten 24 monate nach hamburg zu verlegen. ich hatte gar keine wahl, denn meine ausbildungsleiterin wollte mich zu einem neuen „accessment center“ schicken, sie meinte, das würde sich bei bewerbungen auf höhere plätze im hause deutlich besser machen. ich hasse diese acs, denn sie sind nur dazu da, um uns arme schweine den ganzen tag unter psychischen stress zu setzen und dabei von fünf bis sechs leuten beobachtet zu werden, die sich hin und wieder notizen zu unserem verhalten machen. ich finde so etwas widerlich und entwürdigend. mein letztes ac habe ich vor zwei jahren gemacht und nun sollte ich erneut ran. no, ma’am! wenn ich mich von hier wegbewerbe, macht dieses ac keinen sinn, und bei meiner derzeitigen firma werde ich mich hoffentlich auf keine andere stelle mehr bewerben (müssen). weil dies die einzig sinnvolle begründung für die ablehnung des acs ist, habe ich meine ausbildungsleiterin also eingeweiht und sie stimmte mir zu, dass das ac damit für mich wenig sinn macht.
jetzt ist es also offiziell. aus dem imaginären förderprogramm meiner firma bin ich damit raus und mein wechsel nach hamburg erhält damit etwas reales und dringliches. irgendwie gut, und irgendwie… belastend.

:: philadelphia

ich bin beileibe kein fan von big brother, ich habe bisher eine ganze staffel gesehen, aber das ist auch schon eine ganze weile her. stattdessen reizt mich ein ähnliches konzept, das auf mtv zu sehen ist: the real world. es geht um eine gruppe von sieben jungen leuten, die in einem haus in einer großen amerikanischen stadt eine ganze zeit zusammenleben müssen. die show dauert mehrere monate, so dass sich die leute irgendwann so verhalten, wie sie im realen leben wirklich sind. es gibt mal zank und streit, diskussionen, liebe und abenteuer, sie müssen einem job nachgehen, meist als gruppe. sie sind nicht eingesperrt in ihren stets wahnsinns-wg-appartements, sondern können kommen und gehen wie sie lustig sind. es geht ums zusammenleben und um die gruppe. im grunde nimmt der zuschauer also am wg-alltag teil. dass die kandidaten dabei verdammt gut aussehen ist sicher ein bestandteil des erfolges der shows.
die aktuelle staffel spielt in philadelphia und ich habe jeden tag viel spaß dabei. es spielen zwei schwule junx mit. da haben wir willie, den gutaussehenden szene-schwulen, weltoffen, realist und philantrop. außerdem ist da karamo, der mit seiner homosexualität nicht so ganz umgehen kann. er fürchtet sich vor dem coming out bei seiner familie und hat daher angst, bindungen einzugehen. seine mitbewohner unterstützen ihn und freuen sich mit ihm, wenn er ein date hat.
landon und mj sind die beiden machos der show. landon ist ein ziemlich unsteter typ, gutaussehend aber nicht konfliktfähig. was er verbockt fängt mj auf. mj ist cool, er denkt über dinge nach, tut sie dann und analysiert sie. bewundernswert dabei ist, dass er dabei zu logischen und rationalen schlussfolgerungen gelangt und das eine oder andere beim nächsten mal gezielt anders macht. er hat einen guten blick für das wesentliche und ist oft der vermittler bei streitigkeiten.
ich mag die show, denn mir sind die leute sympathisch, das appartement ist absolut geil, die aufnahmen sind schön photographiert und die „storys“ sind nah an der realität – wenn auch nicht an meiner. es gibt immer jemanden, mit dem man sich identifizieren kann oder mit dem man überhaupt nicht kann, und das muss innerhalb der staffel nicht immer die selbe person sein.

 

Augenblicke

:: the day after

die aufregung des gestrigen abends ließ mich zunächst nicht einschlafen, aber dann entschlummerte ich sanft ins traumland – und es waren viele intensive träume, schöne und weniger schöne. heute morgen ist mein linkes auge ziemlich empfindlich und die salbe, die ich stündlich auftrage, trübt meine sicht. aber es schmerzt nicht mehr so – und das ist schonmal viel wert.

tja, felix, ich wusste, dass ich nicht reiben darf, aber wie das nunmal so ist versuche ich das dann doch selbst zu beheben, denn was ärzte angeht bin ich ein echter angsthase, und wenn die mir an empfindliche stellen wie das auge wollen, dann versuche ich alles, um das zu vermeiden. schön blöd, ich weiß. die quittung habe ich jetzt.

um dem ganzen aber etwas gutes abzugewinnen habe ich einen kompetenten augenarzt gefunden, den ich wohl unter vertrag nehmen werde. 🙂

:: the end?

heute ist es soweit. nachdem in den usa freitagnacht die letzten beiden episoden von „star trek enterprise“ ausgestrahlt wurden hoffe ich auf die fertigstellung des downloads bis zum heutigen abend. mk und ich werden uns das ende einer guten serie und das vorläufige ende von star trek nach 39 jahren ansehen. *schniiiief* wir blicken zurück auf unzählige schöne augenblicke und warten darauf, dass fähigere leute das zepter in die hand nehmen und dem kult neues leben einhauchen – ok, jetzt wird’s theatralisch

ich wünsche allen ein doch noch sonniges pfingstfest!

 

Augenwischerei

von wegen freitag der 13… samstag der 14. scheint mein pechtag zu sein! eigentlich war heute grillen mit zwei freunden angesagt, aber daraus wurde aus zweierlei gründen rein gar nichts. erstens spielt uns das wetter einen streich, denn das angekündigt sonnige wochenende kommt mit regen und wind trübsinnig grau daher.

und zweitens brauchte ich meine beiden freunde, um zu einem arzt zu kommen, denn am späten nachmittag bekam ich plötzlich irgendetwas ins linke auge. ich war gerade im supermarkt, als mich das grässlich schleifende gefühl eines fremdkörpers hinter dem linken augenlid außer gefecht setzte. ich stand wohl eine halbe ewigkeit am kühlregal und versuchte, was auch immer im auge loszuwerden. so etwas kann einen wahnsinnig machen. es half alles nichts. ich packte meine einkäufe, zahlte und lief zurück nach hause. ich hielt mein auge unter fließendes wasser, tauchte meinen kopf darunter, doch auch eine stunde später konnte ich die ursache für den inzwischen kaum mehr erträglichen schmerz nicht beseitigen. ich rief meine freunde an und kurz darauf waren wir auf dem weg ins krankenhaus. unterwegs kam uns ein rettungswagen mit blaulicht entgegengeeilt – natürlich nicht für mich.
die dame bei der notfallambulanz meinte, wir müssten sehr viel wartezeit mitbringen, was sich zum glück als trugschluss herausstellte, denn schon fünf minuten später wurde ich aufgerufen und kam in ein behandlungszimmer, wo eine frau doktor sowieso zur assistentin meinte, sie hätte nicht viel zeit, weil sie wegen eines verkehrsunfalls im op gebraucht würde. ich sollte mich dennoch hinlegen. sie zog sich handschuhe an und kam mit einer pinzette und einem tuch – es war wirklich unangenehm. in der eile konnte sie nichts entdecken und verwies mich an den diensthabenden augenarzt ein paar orte weiter. wir machten uns also auf den weg dorthin.

war leicht zu finden und der doc war sehr freundlich. er untersuchte mein auge sehr vorsichtig und professionell mittels einer apparatur. unerwarteterweise war hier von unannehmlichkeiten keine spur, nicht einmal, als er mein augenlid hochklappte um das gewebe darunter zu untersuchen. dann träufelte er mir eine flüssigkeit aufs auge, das die reflexe hemmen und die empfindlichkeit betäuben sollte. es wirkte nach wenigen sekunden und nun konnte er tun was er wollte, es störte mein auge nicht. unter ein paar „mhmms“ und „jaaas“ reinigte er das auge. er bedauerte, dass er keinen richtigen fremdkörper finden konnte, vermutlich sei der bereits weg. dass einer da gewesen sein muss erkannte er an der beschaffenheit meiner hornhaut… er verglich sie mit einer schlittschuhbahn, weil sie ganz fürchterlich zerkratzt ist.

es war ein tolles gefühl, denn ich spürte keinen schmerz mehr – leider lag das nur an der betäubung, die nach worten des docs in etwa einer halben stunde vorbei wäre.

inzwischen bin ich um 20 euro ärmer und die betäubung ist vorbei. ich spüre zwar, dass der fremdkörper wohl fort ist, aber der schaden auf der hornhaut schmerzt. ich bin zu hause, habe den restlichen abend abgesagt und werde mich jetzt schlafen legen – nachdem ich mein auge mit einer salbe behandelt habe. na denn: gute nacht.

 

FedCon XIV

puh. wieder zu hause. es ist schon montag und – gott sei dank – habe ich noch diesen einen tag frei, ehe die arbeit wieder losgeht! auf die vergangenen paar tage habe ich ein komplettes jahr gewartet und schwwwwwwwupps! sind sie schon wieder um.

die „federation convention“ ist ein jährlich wiederkehrendes begegnungs-ereignis, bei dem sich fans und stars des science-fiction- und inzwischen auch fantasy-genres treffen. wie bereits ein jahr zuvor zog es uns ins 500 km entfernte bonn, wo wir stars wie leonard nimoy, brent spiner, jolene blalock und kevin sorbo erwarteten.

:: hausaufgaben

am donnerstagmorgen verstaute ich hektisch die letzten dinge in meinem reisekoffer, in meiner tasche, in meiner transportbox und was weiß ich wo sonst noch – das gepäck sah nach drei-wochen-urlaub aus! pünktlich um 10 uhr fährt meine freundin „mk“ auf dem parkplatz vor unserem haus vor, die arme voller gepäck. bevor es losgeht sehen wir uns die aktuellste episode unserer lieblings-sci-fi-serie an, damit wir auf der „con“ unbedingt auf dem laufenden sind. nach dem mittagsessen kommt auch Nate dazu. sein gepäck lässt er gleich im wagen, denn damit geht es gleich los – vorausgesetzt, die ladekapazität reicht aus…!

:: himmelfahrt

mit vereinten kräften verstauen wir all das viele gepäck und uns selbst im roten peugeot 206 und sind kurz darauf auf dem weg. über hamburg, bremen, dortmund und köln lassen wir bei freier fahrt kilometer für kilometer hinter uns und fahren fünf stunden später in bonn ein, auf der suche nach dem campingplatz „genienaue“. durch einen straßentunnel in der innenstadt – blitz! das rote licht tauchte für den bruchteil einer sekunde wie aus dem nichts in der dunkelheit des tunnels auf und schrie mir ins gesicht: „50!!!“ so sagt bonn also „willkommen fremder“, na danke schön! zum glück bin ich nicht mal 60 gefahren.
den campingplatz haben wir dann relativ schnell gefunden – leider am arsch der stadt. der nächste bus erfordert einen ziemlichen fußmarsch, von der bahn mal gar nicht gesprochen. ursprünglich wollten wir den wagen beim zelt stehen lassen und die öffentlichen verkehrsmittel nutzen, weil es mit parkplätzen rund um das maritim hotel, wo die fedcon ausgetragen wird, zu solchen massenveranstaltungen immer schlecht steht, aber daraus wurde nichts, zumal es nach regen aussah. zunächst starteten wir eine kleine wanderung durch die gegend. wir hatten viel zeit, denn die veranstaltung begann ja erst am nächsten tag. die gegend ist nicht wirklich schön anzusehen. nichts, wofür es sich auch nur ansatzweise gelohnt hätte, die kamera zu zücken. irgendwann knurrte uns der magen – wir liefen gerade durch eine triste wohngegend und suchten nach einer möglichkeit, wieder in zivilisiertere gefilde vorzustoßen. letztlich landeten wir in einem kleinen chinesischen restaurant, ehe wir den rückweg zum zeltplatz antraten. zwei jungs, die neben uns ihr zelt aufgeschlagen hatten, waren nach bonn gekommen, um sich „rhein in flammen“ anzusehen, ein spektakel, das unter anderem ein bombastisches feuerwerk zu bieten hatte. nach dem, was ich bei enni gelesen habe, habe ich wirklich etwas verpasst, denn wir waren nicht dabei. vielleicht sollte ich im nächsten jahr nach bonn fahren, um mir das anzusehen.

:: freitag – tag 1

die nacht war alles andere als erholsam. nach dem schlafengehen erst bemerkten wir, dass der zeltplatz ein verkehrsknotenpunkt war. direkt unter einer einflugschneise ist der fluglärm bis in die späten stunden etwas hinderlich, nicht weniger als der lärm vorbeiziehender schiffe neben uns auf dem rhein und nicht weniger als die vorbeirasenden züge, deren lärm durch die stille der nacht noch von der anderen uferseite zu uns herüberdrang. wenn man gerade ein auge zugetan hatte, prasselte geduldiger regen auf das zeltdach und der wind rüttelte die blütenstände des kastanienbaumes, unter dessen schutz wir unser zelt aufgeschlagen hatten, auf das zeltdach. die temperatur fiel auf magere 7 grad und mit dem ersten tageslicht erwachten schlagartig und unüberhörbar alle vögel der umgebung.
etwas zerknittert begann also der erste morgen, bevor wir den verregneten zeltplatz hinter uns ließen und zum veranstaltungsort fuhren. etwas glück war schon dabei, als wir naiverweise auf den parkplatz vor dem hotel zusteuerten, in der hoffnung, vielleicht doch noch einen freien platz zu finden. was soll ich sagen, es fuhr gerade jemand weg und wir konnten den wagen knapp 100 meter vom eingang abstellen.

der erste star-auftritt, der uns interessierte, war gary graham um 14 uhr. uns blieb noch zeit und so fuhren wir mit der stadtbahn in die city, um uns ein wenig umzusehen und letzte besorgungen zu machen. nahe des hauptbahnhofes, mitten in einer einkaufsmeile, lieferten sich einige jungs ein beachvolleyball-match. überhaupt waren viele menschen unterwegs, nutzten sicher den brückentag für einen entspannten bummel.

:: gary graham alias ambassador soval in star trek – enterprise

endlich war es soweit. zurück in der hotellobby reihten wir uns ein, um unsere tickets abzuholen. um uns herum hatten sich fans wieder außerordentlich in zeug gelegt – im wahrsten sinne des wortes. maskierungen von der „einfachen“ starfleet-uniform bis hin zu ausgefeilten masken verschiedenster extraterrestrischer wesen aus unterschiedlichen sci-fi-universen gaben sich ein stelldichein. einige erkannten wir vom letzten jahr wieder.
gary graham spielte unter anderem in der fünften „star trek“-serie enterprise die wiederkehrende figur des vulkanischen botschafters soval, der die anstrengungen der menschen bei den ersten schritten in die tiefen des weltalls begleitet. für den 1960 geborenen graham war dies der erste auftritt auf einer fedcon und wie alle stars, die zum ersten mal dabei sind, war er überwältigt von der resonanz und von der wirkung, die diese einzigartige begegnung mit fans auslöst.

der nächste programmpunkt, der uns interessierte, war die opening ceremony am abend. während leonard nimoy und jolene blalock am nachmittag ihre autogramme vergaben, sahen wir uns gemütlich überall um und stöberten durch die merchandise-hallen.

:: eröffnung

pünktlich um 19 uhr begann die offizielle eröffnung der fedcon XIV. zum zehnten mal konnte die fedcon marc b. lee als zeremonienmeister gewinnen. der charismatische mann hat die veranstaltung hervorragend im griff, weiß mit fans und stars gleichermaßen umzugehen und bildet den dreh- und angelpunkt für die gesamten drei tage.

Der Zeremonienmeister: Marc B. Lee

:: jolene blalock alias subcommander t’pol in star trek – enterprise

nach der showreichen eröffnung hatte die hübsche jolene blalock ihren auftritt. sie ist zwei jahre älter als ich und besucht in diesem jahr ihre erste fedcon. dass es sie überwindung gekostet hat, sich ins fandom zu begeben, „verdankt“ sie einem irren stalker, der sie im letzten jahr verfolgte, ehe er verhaftet wurde. anders als die figur, die sie verkörpert, ist jolene eine zarte und schüchterne person und ihre nervosität war deutlich zu spüren. das machte sie sehr menschlich und brachte sie den fans noch näher. anders als ihr serien-konterfei ist sie ein sehr emotionaler mensch, und angesprochen auf die absetzung der serie enterprise kam sie auf die letzte episode und den abschied von ihren serien-kollegen zu sprechen. solche abschiede nach mehrjähriger zusammenarbeit sind stets sehr bewegend – für die fans und auch für die darsteller. jolene wurde von ihren gefühlen überwältigt und konnte auf der bühne ihre tränen nicht mehr verbergen, als sie erzählte, wie scott bakula (capt. j. archer) nach dem dreh der letzten episode ein letztes mal auf sie zukam um sich von ihr zu verabschieden.

:: brent spiner alias data in star trek – the next generation

mit brent spiner begann der auftritt der megastars der fedcon 2005! er besuchte die fedcon bereits das dritte mal und selten bekommt man einen so charismatischen menschen auf der bühne zu sehen. von nervosität keine spur, ein sympathisches ego, so groß wie der ganze saal maritim und ein packender auftritt. spiner hatte sein publikum von der ersten bis zur letzten minute auf seiner seite, trotz oder gerade weil er nie mit dem strom schwimmt und alles und jeden in frage zu stellen scheint. er weiß, wer er ist und was er kann. manch einer mag ihn für arrogant halten, ich halte ihn für einen grundehrlichen menschen, der sich vom showbiz nicht korrumpieren lässt und der seine richtung selbst bestimmt. diese eigenschaften und sein humor – mal simpel und glasklar und mal schwarz wie die nacht – machten ihn für jedermann zugänglich. auf die frage eines fans, wer innerhalb von „star trek“ sein lieblingsschauspieler sei, fing das publikum herzlich zu lachen und zu applaudieren an, denn wirklich jeder wusste, was seine antwort sein würde. es war wirklich ergreifend, wie sehr sich jeder im saal nach so kurzer zeit mit seiner art identifizieren konnte. spiner lächelte und meinte, dass wohl jeder hier gerade den selben gedanken gehabt hatte, woraufhin die frage um ein „mit ausnahme von ihnen selbst“ ergänzt wurde. spiners antwort war diplomatisch.

Brent Spiner

brent spiner war für mich der herausragendste stargast der fedcon, seine show war überwältigend und ich habe selten so durchgehend gelacht. man muss es wirklich erlebt haben!

um viertel nach zehn endete spiners auftritt und damit der erste veranstaltungstag und die nächste kalte nacht im zelt stand bevor. brrrrrrrrrrr.

:: samstag – tag 2

der nächste tag begann verteufelt früh. gegen acht uhr verließen wir unsere schlafplätze und parkten unseren wagen in hotelnähe. bereits um 10 uhr begann die erste vorstellung.

:: rick searfoss, spaceshuttle-pilot der nasa

ich bin froh, dass uns mk zu diesem auftritt überredet hat, denn einen echten spaceshuttle-piloten zu treffen ist ein ergreifenderes ereignis, als man sich zunächst vorstellt. seine berichte über seine missionen, die erfahrungen im all und ganz besonders seine eindrücke von unserem heimatplaneten von so weit oben waren sehr farbig und lebendig geschildert. die erlebten sonnenauf- und untergänge „hinter“ der erde müssen der wahnsinn sein, und bei einem gesamtaufenthalt von 939 stunden im weltall waren das sicher eine menge.

:: jolene blalock und dominic keating

beim ersten doppel-panel gaben sich zwei „enterprise“-stars die ehre. jolene blalock durften wir schon gestern erleben, heute trat sie gemeinsam mit dominic keating auf, der lieutenant malcolm reed auf der enterprise mimte. keating ist ganz anders als jolene blalock, er ist offensiv, lebhaft und liebt das rampenlicht und die show. jolene schien neben ihm zeitweise etwas unterzugehen. dominic besticht durch seinen britischen humor, der bekanntlich auch mal rabenschwarz sein darf und sparte nicht mit der einen oder anderen spitze gegen seine team-kollegen. für den abgewandelten titelsong seiner serie brauchte manch einer – insbesondere jolene – eine extra-portion humor, weil der text zuweilen ziemlich unter die gürtellinie ging.

Dominic Keating | Jolene Blalock

:: andrew j. robinson alias garak in star trek – deep space nine

spitzen ganz anderer art verteilte der darsteller des beliebten cardassianischen spions garak. seine fans mussten lange darauf warten, das gesicht hinter maske zu sehen zu bekommen, denn auch für andy robinson war dies die erste fedcon. robinson bestach weniger durch seinen humor als vielmehr durch seine offene und ehrliche art – und dadurch, „seinen mund nicht halten zu können“, was seine politischen ansichten betrifft. so lief das gespräch schnell auf die us-regierung und die auswirkungen auf die ganze welt hinaus, eine diskussion, die von vielen fans aufgegriffen wurde. seine offene art und sein mitgefühl für die nationen, auf deren boden die vereinigten staaten ihre kriege führten, machten ihn zu einem herausragenden element der veranstaltung. sein konzept passte in das gesamtkonzept von star trek, das sich schon immer mit der jeweils aktuellen weltsituation auseinandergesetzt und sie in vor uns liegenden jahrhunderten verarbeitet hat.

:: autogramme

für diese fedcon hatten wir uns bereits kurz nach der letzten veranstaltung im mai 2004 angemeldet und mussten feststellen, dass 927 personen dies bereits vor uns getan hatten. mit unseren teilnehmernummern 928 bis 930 kamen wir dennoch in der ersten autogrammsession an die reihe. unsere auswahl war leider sehr begrenzt, denn nur zwei der stars, die uns interessierten, vergaben die autogramme kostenlos. weil die tickets für fedcon und das drumherum jedoch nicht gerade wenig geld verschlingen, zahlten wir weder 50 euro für ein leonard-nimoy-autogramm und auch keine 40 euro für jolene blalock. der grund für diese preise war jedoch weniger die habgier der darsteller sondern vielmehr die extrem hohe nachfrage. allein die schlange für spock-darsteller nimoy schien endlos zu sein! wäre sein autogramm kostenlos oder auch nur halb so teuer gewesen, hätte sich wohl jeder der anwesenden eines geholt, denn mr. spock ist die star-trek-legende schlechthin.
so aber kamen wir schnell durch, ließen uns ein bild von andy robinson und eines von dominic keating signieren.

der nächste auftritt, den wir um keinen preis verpassen wollten, war ebendieser von leonard nimoy. bis dahin hatten wir noch eine menge zeit.

:: leonard nimoy alias mr. spock in star trek

rechtzeitig vor 20:15 uhr sicherten wir uns unsere plätze im saal maritim. um halb sieben sahen wir uns dort den alljährlichen costume contest an. die meisten der darbietungen waren gut gelungen. nach einer action-einlage eines stunt-teams ging es auch endlich los. der „grandfather of trek“ betrat die bühne unter standing ovations. leonard nimoy steht nicht unbedingt auf großen fan-rummel, das ist kein geheimnis. dennoch war der auftritt des 74-jährigen entspannt und von zahlreichen anekdoten geschmückt. geduldig stellte er sich den fragen der fans. 1966 verkörperte nimoy zum ersten mal den vulkanier spock. die rolle machte ihn weltberühmt. aber auch seine photographien sorgten für ruhm und bekanntheit. nimoy erzählte von einem spaziergang mit tom hanks, bei dem ein fan unbedingt mit hanks photographiert werden wollte. er drückte leonard nimoy die kamera in die hand und meinte: „mr. nimoy, sie sind doch photograph, würden sie das photo schießen…?“

ein superstar wie leonard nimoy wartet natürlich nicht darauf, dass ihm eine rauchwolke das ende seines panels verkündet. als er erschöpft war, verabschiedete er sich zunächst von den fans und beendete seinen auftritt, lockte damit marc b. lee auf die bühne, der durch das plötzliche ende so überrascht war, dass er ohne sein jacket erschien.

:: konzert james horan

ursprünglich gemeldet war james darren, der den holographischen 20er-jahre-entertainer vic fontaine in der „star trek“-serie deep space nine spielte. leider sagte er kurz vor der convention ab. ein konzert gab es dennoch, und zwar von james horan, der in mehreren „star trek“-serien auftrat. mir persönlich hat das konzert nicht sehr gefallen, weil mir james horan unsympathisch ist. er wirkt bemitleidenswert und einsam, wie jemand, der um ein wenig aufmerksamkeit kämpft. für mich wirkte er auf der fedcon verloren. wir hörten uns sein konzert dennoch bis zum ende an und ein paar songs gefielen mir doch.

James Horan

:: party-time

nach dem konzert stand in der hotelbar die party des wochenendes an. trotz des anstrengenden tages wurde dies von vielen con-besuchern angenommen und die tanzfläche erschien größtenteils zu klein. die stimmung war ausgesprochen gut, die musik lud zum tanzen und mitsingen ein, spätestens beim titelsong zu „enterprise“ stimmten alle mit ein. um mitternacht gab es von der menge ein geburtstagständchen für stephen furst, darsteller des vir cotto aus der serie „babylon 5“, der auf der fedcon seinen 50. geburtstag inmitten von fans beging.
die party ging total ab. zusammen mit anderen rockten wir auf der bühne song für song für song.
ganz in der nähe zu uns dreien fiel mir ein typ ins auge. er trug ein hellblaues hemd und sah irgendwie… süß aus. es gelang mir, für einen moment seinen blick zu halten und weil ich so guter stimmung war machte es regelrecht spaß, mit blicken zu flirten. dummerweise rutschte er bald darauf näher zu dem typen, der sich als sein freund entpuppte. wie ärgerlich für mich. man konnte fast neidisch werden, wenn man die beiden zusammen sah. aber schön fand ich’s, wie ungezwungen sie sich verhielten, so normal als wären wir auf einer schwulen party. es lebe die „star trek“-fangemeinde!
meinen zweiten „angriff“ startete ich auf der tanzfläche. der mann, der meine aufmerksamkeit erregte, trug ein kariertes hemd und war sehr attraktiv. ich signalisierte ihm subtil mein interesse und schon tanzten wir zusammen. zwei freunde, mit denen er dort war, nahmen ihn dann mit an die bar, um etwas zu trinken. ich behielt ihn im auge und etwas später wiederholten wir das ganze. es machte wirklich spaß und ich sah meine treffsicherheit bestätigt, was das erkennen von schwulen in einer menschenmenge betrifft. wiederum dummerweise erhielt ich dann von dem einen seiner begleiter die rote karte, als er sich als sein freund herausstellte. warum in aller welt tauchen die schwulen hier ausschließlich paarweise auf?!? aber egal, letztlich ging es ausschließlich um’s flirten, und das war doch durchaus erfolgreich.

:: sonntag – tag 3

der letzte tag begann für uns mit dem abbauen des zeltes. wegen des anhaltend schlechten wetters der letzten tage und nächte beschlossen wir, den trockenen moment nach dem aufstehen zu nutzen, um unsere sachen zu packen. es war ein ziemliches gematsche auf dem durchgeweichten rasenplatz und nachdem wir den zeltinhalt mehr schlecht als recht im wagen verstaut hatten fing es natürlich erneut zu regnen an. es gab jedoch schon kein zurück mehr und so entankerten wir das zelt so schnell es ging, verstauten die schlafkabinen und die aussenhülle und sammelten die vielen schmutzigen zeltheringe ein. gegen Mittag verließen wir den zeltplatz endgültig und fuhren zum maritim hotel, wo wir ein letztes mal diejenigen convention-besucher beneideten, die sich eines der zimmer für weit über hundert euro pro nacht leisten konnten. wir verbrachten den ganzen Nachmittag im saal maritim, denn unsere lieblingsstars gaben sich noch einmal die klinke in die hand. corin nemec, dominic keating mit gary grayham, andy robinson, brent spiner und leonard nimoy traten nacheinander bis zur closing ceremony auf.

zu diesem zeitpunkt musste ich mit dem photographieren schon sparsam sein, denn zum zweiten mal erreichte meine 128MB-memory-card ihr limit und auch der batteriestand wurde jetzt kritisch. letztlich hat beides gerade noch so durchgehalten, wobei ich von dem resultat meiner photos doch sehr enttäuscht bin. platz 929 bedeutete, dass wir einen rang recht weit hinten hatten und ich den vollen zoom nutzen musste, um die aufnahmen zu bekommen, die ich haben wollte. als ich den digitalzoom dazuschaltete – leichtsinnig wie ich bin – ging das natürlich vollends auf die qualität. schade.

closing-ceremony

die closing ceremony war wie schon im letzten jahr sehr bewegend und erweckte bei mir ein gefühl von traurigkeit, weil ich im nächsten jahr nicht dabei sein werde. wir hatten enorm viel spaß, haben viel gesehen, viel geld ausgegeben und freuen uns schon auf die dvd zur fedcon XIV, die im oktober erscheint. noch mal zelten werde ich aber wohl nicht, solange es sich vermeiden lässt. ich liebe die natur, aber nachts habe ich doch gern ein festes dach über dem kopf.

die rückfahrt nach der veranstaltung gestaltete sich weniger einfach als die anreise, denn wir steckten in mehreren staus fest und brauchten letztlich eine ganze stunde länger für die fahrt. als ich mitten in der nacht zu hause ankam und mein gepäck aus dem wagen lud goss es in strömen – wie sollte es auch anders sein.

dennoch, die schönen erinnerungen kann der regen nicht fortspülen und ich freue mich auf eine weitere fedcon – irgendwann, irgendwo.

respekt für diejenigen von euch, die bis hierher durchgehalten haben!

Ansichten

:: revolution

wie jedes jahr am 01. mai fanden auch in diesem jahr wieder die allseits beachteten maikundgebungen statt – unter anderem in hamburg. trotz regelmäßig zu befürchtender krawalle wagte ich mich mit zwei freunden nach dem mittagessen in die hansestadt. wir flogen mit meinem kleinwagen über die autobahn – natürlich bis zum tierpark. mit ein klein wenig geduld ergatterte ich sogar einen parkplatz. 24 grad im schatten ermunterten uns, die jacken einfach im wagen zu lassen und so wenig ballast wie möglich mit uns herum zu schleppen.

erstes ziel mit der u-bahn waren die deichtorhallen, in denen das haus der photographie untergebracht ist. dort wird derzeit ein portfolio von martin munkacsi ausgestellt. wir erkundigten uns, wie lange die ausstellung an diesem sonntag geöffnet wäre und beschlossen, am besten sofort hineinzugehen.

Hamburg | Deichtorhallen

martin munkacsi, der von 1896 bis 1963 lebte, revolutionierte die photographie. seine berühmten sportaufnahmen zeigen ganz besonders, was er anders als photographen vor ihm machte: er zeigte bewegliche und bewegende szenen. die motive zeigen keine stilleben sondern situationen aus dem alltäglichen leben ohne kunstvolle posen. hunderte von photographien, dokumente diverser historischer abschnitte, akte, humorvolles, licht und schatten aus ungarn, aus berlin, new york, rio und hollywood ausgestellt unter idealen bedingungen im haus der photographie in hamburg. anderthalb stunden brauchten wir für alle exponate und waren am ende ziemlich – am ende. dummerweise durfte man drinnen nicht selbst photographieren, zu gern hätte ich eine szene aufgegriffen, denn die vielen verwinkelten und nüchternen wände in grau-tönen boten einen wirklich schönen rahmen für die ausstellung.

:: touristik

mit der bahn fuhren wir nach der ausstellung ein wenig durch die gegend, stiegen bei den landungsbrücken aus und stürzten uns in den trubel. tausende hatten sich vorgenommen, das wetter im freien zu genießen und so war die promenade ziemlich ausgelastet. zum musical-zelt „könig der löwen“ setzten im minuten-takt die shuttle-schiffe ihre besucher über, zeitgleich erreichten die gäste der vielen hafenrundfahrten und –flüge das ufer und verließen die schiffe und flugzeuge um platz für die nächsten passagiere zu machen. es herrschte ein ständiges kommen und gehen fröhlicher menschen, die sich ihre stimmung auch von den aufziehenden wolken nicht vermiesen ließen.

Wasserflugzeug

der weg zurück durch die vielen menschen führte uns vorbei an einer jungen frau, die in ihrem gestreiften pulli einfach so dastand, ihre tasche zu füßen einsam ein lied sang. wartete sie darauf, entdeckt zu werden? probte sie einfach ihren gesang vor fremden menschen? wir wissen es nicht. auf jeden fall hatte sie eine schöne stimme, die noch zu uns herüberwehte, als wir längst auf der anderen straßenseite cappucino, latte oder pils genossen.

Musical

schon bald zog es uns weiter durch den untergrund mit ziel an der alster. acht stationen ließen wir hinter uns, ehe wir am „jungfernstieg“ wieder ausstiegen. die station gefällt mir von allen am besten, weil sie schönes blaues licht enthält. von hier aus stiegen wir die stufen zurück ans tageslicht, überquerten die große baustelle, aus der der neue jungfernstieg hervorsteigen wird. vorbei am alsterpavillon bis hinunter zum wasser. auch hier waren wir bei weitem nicht allein. viele menschen ließen den maifeiertag gemütlich am wasser ausklingen.

Hamburg | Jungfernstieg | U-Bahn
Hamburg | Jungfernstieg | Alsterpavillon

gegen halb neun kehrten wir mit müden füßen der schönen stadt den rücken und fuhren zurück nach hause. kurz vor dem ziel gabelten wir noch ne currywurst mit pommes auf und verbrachten in meinem trauten heim noch ein paar gesellig-gesprächig-feucht-fröhliche stunden bis um zwei uhr nachts, als wir wegen des bevorstehenden arbeitstages beschlossen, es gut sein zu lassen.

während ich mir sicher war, wegen der vielen eindrücke des tages kein auge zutun zu können, zog ich die bettdecke gerade bis zu den ohren, als es plötzlich losging: es blitzte, prasselte und donnerte aus allen rohren. im zwei-sekunden-takt zuckten wütende blitze aus dem schwarzen nachthimmel, es war kaum möglich, das donnergrollen einzelnen lichtblitzen zuzuordnen, weil alles durcheinander geriet. kurzentschlossen schob ich meine bettdecke wieder beiseite und schnappte mir meine kamera, die über den tag verteilt schon über 50 photos geschossen hatte. ich positionierte sie auf dem stativ vor mein schlafzimmerfenster und ließ sie einfach fünf minuten lang laufen. das kam dabei heraus:

Gewitter
Gewitter
Gewitter

der wein tat dann jedoch schnell seine wirkung und ließ mich völlig unbemerkt und ungestört in den schlaf hinabgleiten, bis um halb sieben heute früh, als mich der wecker aus den federn scheuchte. als ich das haus verließ lief ich durch warme morgenluft, die von frühlingsdüften derart erfüllt war, als würde jedes einzelne kraftgrüne blatt und jede einzelnde blüte einen wahnsinnsduft versprühen. ich atmete die schwere luft tief ein und genoss den frühling auf dem weg zur arbeit.