Sonntäglich grüßt die Langeweile

Ich stehe neben meinem Futonbett mit dem dunkelblauen Laken und blicke hinaus über die Dächer meiner Stadt. Das Band meines Bambusrollos hängt richtungslos herunter auf die Fensterbank. Man sollte meinen, vom sechsten Stock aus eine Menge sehen zu können. Tatsächlich jedoch sehe ich nichts. Nichts bis auf die Häuser, die eigentlich immer dort stehen. Farblos. Leblos. Wie der Himmel. Nach dem Sturm, der nun zwei volle Tage über mich hinweggeprescht ist, sind all die dicken grauen Wolken weggeblasen. Der Himmel dahinter wäre sicherlich blau, wenn die Sonne nicht schon in Richtung Montag verschwunden wäre. So bleibt nichts weiter zurück als blankgeputztes Nichts. Kaum einer wagt sich am Sonntagnachmittag vom Kaffetisch hinaus ins Freie,nur hie und dort führt ein Hund seinen Besitzer eilig gassi. Die Fenster der vielen Häuser um mich herum scheinen wie schlafend, kein Licht, keine Energie stört die Langeweile. In der Ferne, immer geradeaus, sehe ich die nächste Stadt. Ihre weißen Hochhäuser bilden die einzige Silhouette gegen das Graubraun der unwinterlichen Gegend. Der Blick dorthin erinnert mich an das, was ich vor weniger als einem halben Jahr verloren habe…

Eigentlich wollte ich nachmittags meine Eltern besuchen, ihnen ein frohes neues Jahr wünschen – doch mein Schlüssel steckt noch immer unberührt in meinem Türschloss. Ich habe ein Bad genommen und meinen Bart abrasiert. Meine Brille geputzt und eine Kleinigkeit gegessen… Aber nun sitze ich doch wieder hier. Warum eigentlich muss ICH ständig zu meinen Eltern fahren? Sie wissen doch auch, wo ich wohne. Vielleicht ist das einfach so mit Eltern, wer weiß das schon?!

 

Hätte ich doch nicht weitergelesen!

Ich erinnere mich, wie ich in einem meiner Einträge das Buch erwähnte, das ich dieser Tage lese. Es ist die Geschichte eines schwulen Läufers, der sich gemeinsam mit seinem Partner auf dem Weg zu den olympischen Spielen in Montreal gegen einen Spießrutenlauf der konservativen Welt in den 70er Jahren behaupten muss. Das Buch ist fantastisch geschrieben, in jede der einzelnen Figuren kann sich der Leser hineinversetzen und die Entwicklung der Hauptfigur, der Beginn einer schwierigen Liebe und ihr wundervoller Verlauf ließen mich Abend für Abend mit einem zufriedenen Lächeln einschlafen.

In dem besagten Eintrag erwähnte ich, dass ich an einem Abend nicht weiterlesen wollte, weil das vorige Kapitel so schön ausgegangen war, dass ich befürchtete, im darauffolgenden könnte etwas ganz Schlimmes passieren. Es ging noch viele Kapitel gut, es wurde sogar immer besser – bis gerade eben…

Ich habe das Buch nun fast durchgelesen und es kam, was kommen musste: eine Tragödie, so brutal und niederschmetternd, dass ich mir wünsche, ich hätte die Story nie gelesen! Schluchzend und tränenüberströmt habe ich das Buch beiseite gelegt und mich gefragt, ob das wirklich nötig war.
Die Autorin brillierte mit einer pausenlos packenden und mitreißenden Story! Sie war spannungsgeladen, romantisch, authentisch und einfach wunderschön. Der Leser muss den Protagonisten einfach lieben. Mehr hätte die Story nicht gebraucht. Warum muss sie diese Geschichte dennoch so tragisch enden lassen?!

Ich weiß, es ist nur ein Buch. Aber es hat mich ganz schön mitgenommen. Es hat sich über dreihundert Seiten lang kontinuierlich gesteigert, und jetzt, auf der Zielgeraden, wird der Leser in einen Abgrund gestürzt.

Hätte ich doch nicht weitergelesen!

1974 – Patricia Nell Warren – Der Langstreckenläufer

winterwonderland

Manchmal erwacht man am Sonntagmorgen, öffnet verschlafen erst ein Auge, dann das andere und stellt fest, dass man so k.o. ist, als hätte man sich die ganze Nacht im Bett gewälzt. Diesen Eindruck erweckt auch meine Bettdecke mit den orange-gelben Quadraten, die jetzt irgendwo auf halb acht liegt. Gestern Abend war es so kuschelig warm, dass ich nur die Hälfte meiner Schlafbekleidung angezogen habe und obwohl ich dementsprechend vom Nabel aufwärts unbedeckt daliege, ist mir nicht kalt. Ein Blick auf die Uhr meines Radioweckers zeigt mir, dass es kurz nach neun ist. Draußen ertönen die wohlklingenden Glocken unserer Kirche, der erste sonntägliche Gottesdienst wird eingeläutet.

Der Vormittag ist die schönste Zeit des Tages, deshalb setze ich mich auf und reibe mir müde die Augen. Ich muss noch sehr verschlafen sein, denn ein erster entfernter Blick durch die Zwischenräume meines Bambusrollos erweckt den Eindruck, als liege auf den Dächern der umliegenden Häuser kein Schnee mehr. Das ist natürlich absurd, immerhin hat es gestern Abend noch geschneit. Ich steige aus meinem Bett, meine nackten Füße patschen über den glatten Laminatboden um das Bett herum zum Fenster. Ich greife die Rolloschnur, die mal wieder kreuz und quer über den Boden hängt und lasse etwas mehr Licht herein.

Es wäre wohl sehr viel mehr Licht gewesen, wenn da draußen noch Schnee läge. Aber was ich sehe ist wintergrüner Rasen, der nur hier und da noch mit ein paar weißen Flecken beschmutzt ist sowie graubraune Baumgerippe, die sich obskur in den blassgrauen Morgenhimmel strecken. Plötzlich sieht alles nicht mehr so aufgeräumt aus. Das strahlende winterwonderland ist dem faden Sonntagsgrau gewichen.

Von dem nahegelegenen Gewässer, das nun sicher nicht mehr befroren ist, steuert ein Stockentenpaar hektisch auf mein Fenster zu, dreht rechtzeitig nach links ab und verschwindet hinter dem Gebäude in nördlicher Richtung. Ein Blick auf mein Thermometer vor dem Fenster, es zeigt sieben Grad. Ist das der Frühling? Wahrscheinlich nicht. Ich brühe mir zwei Tassen Kaffee auf, röste die letzten Scheiben Weißbrot im Toaster und sorge mit Jazzmusik für einen adäquaten Rahmen für mein Sonntagsfrühstück.

Guten Morgen.

 

Faxen dicke!

Ist es nicht erstaunlich, wie schnell manchmal die Zeit verfliegt? In diesen Tagen ist nichts wirklich Spannendes passiert. Der Blick in die Tagebücher ist ein fester Bestandteil meines Tagesablaufes geworden, jeden Abend sitze ich auf meinem blau-schwarz-gestreiften Schreibtischstuhl vor meinem Monitor, rechts daneben surrt der PC und eine Menge Papierkram vor mir bildet die bizarre Dekoration meines Schreibtisches.

Wenn nicht wie gestern Abend eine dicke Wolkendecke den Himmel draußen verhängt, scheint der Vollmond durch die Fensterscheibe direkt auf meine Finger, die entweder die Maus umklammern oder tausende Male auf die Tastatur drücken.

Draußen ist es sehr kalt geworden und eine kräftiger werdende Schneedecke liegt über meiner Stadt. Von hier oben habe ich einen ziemlich guten Überblick.

Am Mittwochnachmittag habe ich meine Kamera in meine Tasche gepackt, mich warm angezogen und bin raus ins Freie, um vielleicht ein paar interessante Motive zu finden. Schon die ersten Schritte in die Kälte ließen mich spüren, dass lange Unterwäsche nicht verkehrt gewesen wäre. Dennoch lief ich frohen Mutes drauf los. Meine Umhängetasche baumelte links an mir und ich steuerte auf das Au-Ufer zu, das nur wenige hundert Meter von meinem Zuhause entfernt liegt. Ich betrat den Sandweg, durchschritt die quietschende Eisenpforte und ging ein Stück am Ufer entlang. Links von mir lagen die kleinen und wirklich sehr verschiedenen Schrebergärten, rechts von mir lag das städtische Hausboot regungslos im kalten Wasser. Auf den leicht befrorenen Abschnitten des Gewässers tummelten sich ein paar Enten und schienen nur darauf zu warten, dass die neugierige Katze am Ufer einen Fuß auf die scheinbar tragende Fläche setzt.

Die Sonne war bereits dem Untergang nahe, aber ein Motiv wollte sich nicht so recht finden lassen. Vor mir der sandige Weg, auf dem das bisschen Schnee, das bis zum Nachmittag gefallen war, bereits von Fußgängern und Radfahrern gezeichnet war. Neben mir das Wasser, das durch die unregelmäßig am Ufer wachsenden Sträucher und Gräser zu erkennen war. Nichts, was wirklich meine Aufmerksamkeit erregte. Aber weil ich mir die Kälte nun schon angetan hatte, wäre es für meine persönliche Motivation fatal gewesen, mit leeren Händen heimzukehren. Also schoss ich ein paar Bilder.

Nur ein Baum im Winter.
Nur Rohre im Winter.

Als ich abends wie gewohnt durch ein paar Diaries blätterte, fing mein PC ganz angestrengt zu arbeiten an. Es dauerte eine ganze Weile, dann hatte er ein umfangreiches Update heruntergeladen, dass nun installiert werden wollte. Es hat ein paar Stunden in Anspruch genommen, bis das Update so weit erledigt war. Ungünstigerweise war danach nichts mehr wie es war. Mein Virenscanner musste neu installiert werden und die Firewall kommt seither gar nicht mehr zur Ruhe. Mein PC wirkt angespannt und gestresst, zuweilen müde und schlapp und hat irgendwie enorm an Leistungsfähigkeit eingebüßt – nicht erst seit dem Update.

Nun ist er inzwischen nicht mehr der jüngste seiner Gattung und ein Schrittmacher in Form zusätzlichen Arbeitsspeichers hatte vor wenigen Wochen nur für vorübergehende Linderung gesorgt. Für dieses Jahr stand eine Neuanschaffung auf dem Plan und wie immer, wenn ich gerade wieder mit diesem Gedanken spiele, habe ich einen verlockenden Werbeprospekt einer großen Computerfirma im Briefkasten. Angesichts der Umstände, die mein lieber alter PC mir jüngst wieder bereitet, habe ich diesmal nicht gezögert, ein für mich passendes Modell aus dem Prospekt ausgewählt und kurzerhand über das Internet bestellt. Wobei das jetzt so einfach klingt… der Bestellvorgang musste noch einmal wiederholt werden, weil mein Rechner mittendrin beleidigt abstürzte, als könne er damit meine Entscheidung, ihn zu ersetzen, beeinflussen…

Liefertermin ist der 04. Februar.

Das Abrufen der Bestellbestätigung per eMail nahm dann noch mal etwas Zeit in Anspruch und alle Zweifel, ob die Entscheidung, in ein neues Gerät zu investieren richtig war, sind verflogen!

* * *

Und – schwupps – ist Freitag… Ich wollte diesen Eintrag schon gestern veröffentlichen, aber dann habe ich eine lange eMail von einem lieben Menschen bekommen, und manchmal muss man einfach Prioritäten setzen. Heute schneit es noch viel mehr und es ist so hell draußen, dass es mich blendet. Aber ich find’s total schön. Alles wirkt so friedlich und aufgeräumt….

Noch drei Stunden arbeiten, und dann ist schon wieder Wochenende. Wahnsinn!!!

Gnadenlos

Kälte umhüllt mich und graue Dunkelheit. Die ohrenbetäubende Stille verursacht pochende Schmerzen irgendwo in meinem Kopf. Es hat tatsächlich ein wenig geschneit heute, aber inzwischen blendet mich die nächtliche Schwärze so sehr, dass ich das wenige an Weiß, was da ist, durch meine Fensterscheibe im sechsten Stock nicht mehr sehen kann.

Der Tag begann ziemlich müde, hab mich nur widerwillig aus dem Bett geschält, wollt mir nen Kaffee aufbrühen und musste feststellen, dass nur noch genug für eine Tasse da ist. Ich brauch morgen Kaffee zum Frühstück, sonst überleb ich den Arbeitstag nicht. Wenn ein Tag ohne Kaffee beginnt, kann man eigentlich auch getrost wieder ins Bett gehen…

Hab ich nicht gemacht und mir stattdessen heiße Schokolade in der Mikrowelle zubereitet, mich mit zwei Scheiben Toast an den Rechner gesetzt und durch ein paar Tagebücher geblättert. Weit bin ich nicht gekommen, da klingelt das dunkelblaue Telefon, das vor mir steht. Mein Dad ist dran und meint, ich müsse sofort losfahren, weil er meinem kleinen Bruder nen PC auf dem Flohmarkt kaufen will…

Ich könnt mich ohrfeigen, dass ich mal gesagt habe, die sollen mich anrufen, wenn die einen PC kaufen wollen, weil die so was von keine Ahnung von Technik haben.

Das passt mir jetzt so gar nicht in den Kram, weil ich den Sonntag eigentlich in Ruhe mit gar nichts verbringen wollte, aber na schön! Ich schlürfe den Rest Kakao aus meinem Becher, schleppe mich ins Bad und mache mich fertig, tausche den Schlafanzug gegen meine Alltagsklamotten und fahre wie in Trance mit dem Aufzug nach unten. Super, Eis kratzen darf ich auch noch. Ich hole den Kratzer aus der Fahrertür und beseitige die Eisschicht auf der Frontscheibe. Als ich den Wagen anlasse stelle ich fest, dass auch noch der Tank nahezu leer ist. Wollte eigentlich in diesem Monat nicht mehr zur Tanke fahren…

Nachdem auch das erledigt ist, fahre ich über die eisglatten Straßen, vorbei an den weißen Hochhäusern bis zur Stadt, in der meine Familie wohnt. An der Tür werde ich gleich abgefangen und schon sitze mit meinem Dad in seinem schwarzen Jeep, der auch lange keinen Staubsauger gesehen hat. Ich hasse Raucherautos!

Es beginnt zu regnen und ich hege die Hoffnung, dass der Flohmarkt, zu dem wir unterwegs sind, schon abgebaut wird. Ist’n ziemlich großer Flohmarkt – nicht nur draußen, sondern auch indoor. Es herrscht ein Wahnsinnsgedränge. Ich hasse Leute, die in einem Gedränge mit leeren Kinderwagen rumschieben!

Mein Dad eilt durch die Reihen, links und rechts von uns sitzen mürrische Leute, die versuchen, ihren Krempel vom Dachboden irgendwie loszuwerden. Da stehen abgewetzte Kitschromane in einem durchhängenden Pappkarton, der früher Bananen beherbergte, auf der anderen Seite ausgedientes Porzellan oder eine angelaufene Messinggießkanne neben Großmutters alter Kaffeemaschine. Weiter vorn stehen die obligatorischen Körbchen mit Batterien und Armbanduhren sowie diverses Kinderspielzeug, das seine besten Tage längst hinter sich hat. Hunderte Menschen, kleine, große, dicke, dünne, alle schleichen sie hektisch herum um irgendwo irgendwas zu finden, was man irgendwie doch nicht braucht. Ich hasse Flohmärkte!

Nach einer Weile hat mein Dad den Mann mit den PCs wiedergefunden, das Objekt, das vorhin sein Interesse geweckt hatte, ging soeben an den Mann mit Hut. Ich werfe einen schnellen Blick auf die restlichen Geräte, mein Dad schaut mich prüfend an, aber ich schüttle entschlossen den Kopf. So ist mein Dad, will für einen Computer nicht mehr als 50 Euro ausgeben. Wenn man das ganze Geld für die Schrottdinger, die er schon auf Flohmärkten erstanden hat, zusammenzählt, dann hätte er sich längst was Vernünftiges kaufen können. Aber auf mich hört ja keiner.

Ich bleibe noch über Mittag bei meiner Familie, sattle aber dann die Hühner und fahre wieder nach Hause. Mein Kopf schmerzt etwas und da ist der Stress, der bei meiner Familie auf der Tagesordnung steht, genau das Falsche.

Der Rest des Sonntages ist nicht weiter der Rede wert, das beste des Nachmittags hab ich doch nur wieder hier in der Tagebuch-Gemeinschaft erlebt (danke Daniel, danke Micha). Nu isser fast rum, der Tag, ich werd‘ gleich die Heizung aufdrehen, damit ich nicht mehr friere und ein schwarzes Hemd bügeln, das ich morgen zur Arbeit anziehen will und mich schon mal seelisch auf die Arbeitswoche einstellen…

 

AAARRRGGGHHH

(ODER: Wie verarscht man seine Kunden?!)

Ich glaube ich habe schonmal von meiner freenet-Erfahrung berichtet. Also Ende September bestellt, Zugangsdaten erhalten, Hardware nie bekommen und nie mehr was gehört. Jetzt habe ich Ende Januar eine Rechnung über 56 Euro bekommen und sofort ne böse eMail an die geschickt, dass ich der Belastung widerspreche (hab ja immerhin keine Leistung erhalten). Gesagt getan, da kommt ne Mahnung ins Haus, neuer Betrag: 66 Euro. Gestern Abend ne ganz böse eMail an die Mahnabteilung geschickt, automatische Antwort sinngemäß: Schauen Sie nochmal genau nach, bevor Sie sich beschweren. Wenn Sie sich dann immer noch beschweren wollen, schicken Sie uns eine eMail!

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRGGGHHH!

Heute in der Mittagspause bei der Mahnabteilung angerufen, den Sachverhalt geschildert. Das ist ein Problem des Kundendienstes, rufen Sie dort an. *gggrrrrr* Kundendienst angerufen: Rufen Sie beim Rechnungsdienst an. NEEEEEEEEEEIIIIIIN! – von dort komm ich grad! – Oh, na dann warten Sie bitte, ich verbinde – acht Minuten Warteschleife (zu 12 Cent pro Minute), krieg ich den technischen Kundendienst ran. Problem geschildert – bitte warten Sie, ich informiere mich – zehn Warteschleifenminuten später sagt mir der Mann, die Hardware sei tatsächlich nicht geliefert worden, aber der Tarif stand bereit, so dass ich ihn hätte nutzen können, wenn ich Geräte von woanders besorgt hätte. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARRRRRRGHHHHH. Ich bin mit einer Rechnung von 56 Euro für die blosse Übersendung von Zugangsdaten nicht einverstanden. Ja, also dann schreiben Sie doch ein Einschreiben an blablabla……

HASTE TÖNE?!?!?! Nach einer halben Stunde (zu 12 Cent pro Minute) sagt man mir: Schicken Sie ein
Einschreiben!

Servicewüste ist gar kein Ausdruck! Und meine Mittagspause ist jetzt auch vorbei.

 

Es schneit einfach nicht

Ich blicke hinaus in die Dunkelheit der anbrechenden Nacht. Warme Heizungsluft steigt auf und wärmt mich, während es draußen sicher kalt ist. Ich erwarte den angekündigten Schnee. Aber es tut sich nichts. Kein Wind, kein Regen, kein Hagel… einfach nur kalte, dunkle Nacht im Land zwischen den Meeren.

Kalt war es heute früh auch schon. Nach dem Grippeanfall von gestern Abend erwachte ich heute gegen neun Uhr morgens. Ich schlug die Augen auf und stellte fest, dass ich beim Schlafengehen vergessen habe, das Bambusrollo herunterzulassen…

Von meinem Bett aus werfe ich bewegungslos einen Blick hinaus aus dem Fenster. Wunderschöner blauer Himmel empfängt mich – und Sonnenschein. Zögerlich bewege ich zunächst meinen Kopf hin und her… tut nicht weh. Ich hebe erst einen, dann den anderen Arm an… tut auch nicht weh. Ich schlucke – und als auch das keinen Schmerz auslöst, werde ich mutiger, schlage die Bettdecke beiseite und schwinge mich aus dem Bett. ‚Patsch’, meine Füße landen auf dem Boden. Ich stehe auf und gehe ein paar Schritte… allem Anschein nach geht es mir wieder gut. Beschwingt laufe ich zum Fenster und blicke lächelnd nach draußen. Es sieht kalt aus.

Meine müden Geister erwecke ich alsdann unter der Dusche. Ich mag eine ausgiebige Dusche am Morgen, die sämtliche Reste des Schlafes in den Ausguss spült und nichts als taufrischen Elan übrig lässt. Gerade, als ich mich abtrockne, fällt mir ein, dass ich wieder mal keine Butter im Haus habe, und auch das Brot wird nach dem Samstagsfrühstück weggefuttert sein. Ich ziehe mich also an, schlüpfe in meine Schuhe, meine Cardigan und meine Fellkragenjacke und setze meine weiße Mütze auf, krame ein wenig Kleingeld zusammen und fahre kurz darauf mit dem Aufzug ins Erdgeschoss. Ich werde von einem Nachbarn begrüßt und gehe zu Fuß zum nahegelegenen Penny-Markt. Die Wege sind noch vereist und glatt, dennoch herrscht bereits reger Verkehr zu dieser Zeit. Fünf Minuten später betrete ich den Laden, gehe vorbei am Orangensaft und den Konserven und halte kurz bei dem PC-Angebot an… Der soll 700 Euro kosten, aber ich hab grad nur 2 Euro dabei, gehe deshalb weiter und kaufe brav Brot und Butter. Flugs bin ich auch schon wieder draußen und gehe die vereisten Wege zurück nach Hause, steige in den Aufzug und fahre zu meinem Frühstück in den sechsten Stock.

Ich bin einigen Leuten noch eine eMail schuldig und setze mich an den PC. Drei eMails, drei mal zehn Minuten. Beim Blick auf meine Aquarien fasse ich mir ein Herz, stehe vom PC wieder auf und hole das Reinigungsmaterial… man kann in das kleine Becken kaum noch hineinsehen! Ich entferne alles, was da so drin rumliegt, also große Steine, Deko und die Pflanzen und Geräte. Ich befreie die Scheiben von dem grünen Algenbelag, tausche ein Drittel des Wassers und dekoriere dann neu. Wie immer beobachten meine Fische neugierig, was meine große Hand in ihrer kleinen Welt so alles anstellt und sind beleidigt, dass sie kein Futter dabei hat.

Für den Nachmittag hat sich meine Familie angekündigt. Ich vertreibe mir die Zeit bis dahin am PC und bemerke eine ganz liebe Postnachricht **freu**. Ich betrete das erste Mal den diary-Chat und treffe gleich nette Leute. Irgendwann rufe ich dann bei meinen Eltern an, denn sie sind längst überfällig. Ich hab meinen Dad am anderen Ende dran, und ohne dass ich viel sagen muss meint er: „Ach ja, also, wir kommen heute doch nicht…“ Macht ja nix, ich hab ja gern gewartet…

Ganz bewusst ignoriere ich die heutige Trauerfeier des Herrn Moshammer. Der ganze Rummel um seinen Tod geht mir reichlich auf den Keks. Ich mag es nicht, wenn prominentes Privatleben so wahnsinnig breitgetreten wird, und was hier gemacht wird, finde zum Teil schon abartig. Als ginge es die Öffentlichkeit etwas an, wie der Mann sein Sexleben gestaltet hat. Als läge es im öffentlichen Interesse, wie und wo er sich seine Partner ausgesucht hat. Wieso wird so etwas einfach veröffentlicht, wieso ist die ganze Mordermittlung so indiskret mit dem Leben des Mannes umgegangen?

Ich hab mir die Trauerfeier nicht angesehen. Ich kannte Herrn Moshammer zuwenig, um ihn zu mögen oder nicht zu mögen, und nur des Medienrummels wegen hat sich das nicht geändert!

Den heutigen Abend habe ich in lieber Gesellschaft ganz gemütlich mit Essen und Fernsehen verbracht. Nun ist auch dieser schon vorbei und um einen eigentlich nicht sonderlich aufregenden Tag habe ich doch wieder so viele Worte gemacht…

Und es schneit immer noch nicht. Was bleibt ist die Dunkelheit und die Frage, wieso ich nicht müde bin………..

 

Krawumm!

Es sind doch immer die angenehmen Träume, aus denen man wie vom Blitz getroffen hochschreckt! Bei mir jedenfalls war es heute so! Während ich friedlich und nichtsahnend mitten im Geschehen eines… ähm „sehr angenehmen“ Traumes steckte, gab es einen lauten Knall, der mich veranlasste mich ruckartig kerzengerade aufzusetzen. Ich musste nicht lange überlegen, was den lauten Bumms verursacht hatte, denn es grollte immer noch bedrohlich. Vor meinem Schlafzimmerfenster (und vor allen anderen Schlafzimmerfenstern in der näheren Umgebung) tobte ein wirklich heftiges Unwetter! Als der Donnerschlag verklungen war und mich zwei grelle Blitze zuende geblendet hatten, legte ich mich wieder hin, zog die kuschelige Bettdecke bis an die Nasenspitze und schloss die Augen. Ich stellte mir vor, dass der lautstark peitschende Sturm und das Prasseln der dicken Hagelkörner, die gegen meine Fensterscheibe geschossen wurden, gar nicht da wären. Leider konnte mein Bambusrollo gegen die Macht der noch folgenden Lichtblitze rein gar nichts ausrichten, da half es auch nicht, dass ich die Augen fest geschlossen hatte. Spätestens beim nächsten Donnerschlag wagte ich dann den Blick zur Uhr: 04:30. Großartig! Alles was ich tun konnte, war warten. Warten auf das Ende eines Unwetters. Ungünstigerweise hatte eben jenes anscheinend gerade erst so richtig losgelegt, erhöhte noch sein Temperament und blies und blitzte und krachte, was das Zeug hielt.

Zum Schlafen kam ich also leider nicht mehr gäääähn – aber was soll’s, ist ja nur Donnerstag, und wenn ich heute Abend um halb sieben von der Arbeit wieder zu Hause bin, ist das Unwetter bestimmt vorbei.

Denkste!

18 Uhr und der Feierabend wird mit einem kraftvollen Blitz eingeläutet, der einen dumpfen Donner hinterher zieht! Das Zischen danach verursacht der kräftige Hagelschauer, der auf das Glasdach prasselt, und die Schar Menschen, die zum Toreschluss noch in die Geschäftsräume stürmt, ist gerade noch den plötzlichen Orkanböen entkommen, die jetzt mit Gewalt durch die Straßen fegen.

Dies ist bereits unser drittes kräftiges Wintergewitter in diesem Jahr, und der Wetterbericht zeigt für morgen noch mal genau das Gleiche an. Geil.

OK, soweit so gut. Ich sehe gerade, dass auch andere von Euch Wetter, Wetter, Wetter genießen durften (Enni zum Beispiel hat das äußerst anschaulich formuliert!).

DAS KREISWEHRERSATZAMT, das früher in der Stadt mit den weißen Hochhäusern residierte, ist seit meinem letzten Kontakt mit der Bundeswehr an Schleswig-Holsteins Ostküste, präziser formuliert in unsere Landeshauptstadt Kiel umgezogen. Dort, wo früher mein „KWEA“ war, ist heute nur noch die Standortverwaltung („StOV“). Und genau dort musste ich hin, um meinen prall gefüllten Seesack abzugeben. Morgens früh um kurz nach acht fuhr ich mit meinem – inzwischen wieder neongelben – Auto auf den StOV-Parkplatz. Den schweren Seesack hievte ich von meinem Beifahrersitz, schulterte ihn und schritt schnurstracks auf das nächstgelegene Gebäude zu. Es brannte Licht, die Türen ließen sich gewaltlos öffnen – aber drinnen herrschte gewaltige Leere. Ich durchlief den verlassenen Korridor, lugte in mehrere absolut leere Büros und kam bald zu dem scharfsinnigen Schluss, dass ich im falschen Gebäude war. Draußen kam mir dann so’n Typ entgegen, der fragte mich, ob er mir helfen könne.

Kurz darauf kam ich beim nächsten Gebäude an, entdeckte ein großes Schild auf dem „EINKLEIDUNG“ stand und ging durch die grüngelbe Flügeltür. Der breite nackte Korridor machte eine Biegung nach rechts und dort stieß ich mit meinem fetten Seesack fast eine Handvoll Handwerker von ihren Leitern. Durch die Junx hindurch, den Treppenaufgang hinauf, wieder nach links und schon war ich genau da angekommen, wo ich vor neun Jahren jene Kleidungsstücke erhalten hatte, die ich jetzt zurück geben sollte.

Eine nette Dame fragte nach meinem Namen, fischte meine Karteikarte heraus und wies mich an, den Seesack auf dem Tresen gegenüber zu leeren. Ich kramte also wieder alles heraus. Sie warf die Sachen, die sie von ihrer Liste strich, in einen großen Metall-Behälter und schrieb ein „F“ für jedes fehlende Teil auf. So vermissten wir gemeinsam den zweiten Stiefelbeutel, eine Feldhose (hab’s doch gewusst!) und den, die oder das Koppel (steckt wohl noch in der vermissten Feldhose…). Die nette Dame erklärte mir alsdann den Weg zu Frau Wüstenberg, die die Schadensregulierung vornehmen sollte. Ganz einfach: rechts durch die Glastür, dem langen Gang folgend bis zur nächsten Glastür, dann die Treppen rauf und durch die Glastür wieder in einen langen Korridor, bis zum Ende und dann – Überraschung! – durch die Glastür, rechts abbiegen und dann die dritte Tür links. Oder so.

Es dauerte ein wenig, bis ich Frau Wüstenberg – ihres Zeichens Regierungsoberinspektorin – gefunden hatte. Die trotz ihres Titels freundlich dreinblickende Frau wies mir einen Stuhl zu und erwähnte, dass sie dies zum ersten Mal machte. Sie fragte mich, ob ich denn wohl viele Gegenstände verloren hätte. Dies zu beurteilen überließ ich jedoch ihrem Sachverstand, woraufhin sie kritisch die Materialliste mit den drei „F“ begutachtete (wo sie die so schnell herhatte, weiß ich nicht). Wir gingen das Dokument gemeinsam durch: da wäre also eine Feldhose (sie schlug im Preisverzeichnis nach). „War das eine olivfarbene?“ – „Ja.“ Sie schrieb eine „50 %“ auf ihren Zettel und notierte den Preis daneben. Der, die oder das Koppel stand als nächstes auf der Liste, auch hier schrieb sie eine 50 % auf und daneben einen Preis. Ich fühlte mich wie im Winterschlussverkauf. „Was ist denn ein „Stiefelbeutel“?“ fragte sie mich. „Also, das ist so ein Beutel, in den man Stiefel packen kann“ antwortete ich. Das fand sie einleuchtend und suchte den Preis. Neben die 50 % notierte sie einen Cent-Betrag, rechnete alle drei Beträge zusammen und kritzelte 8,37 Euro unter den Strich. Weil ich kein Bargeld mit mir führte, schrieb sie mir eine Rechnung, für deren Bezahlung ich exakt vier Wochen Zeit hätte. Als sie mir das genaue Ablaufdatum der Vierwochenfrist raussuchen wollte, versicherte ich ihr, das Geld noch heute anzuweisen. Wie auf Stichwort kam der Rechnungsführer in ihr Büro, freute sich über den ersten Kunden und meinte, ich könnte ihm gleich folgen, um meine Fahrkostenerstattung entgegenzunehmen. Ich dankte der Frau Regierungsoberinspektorin und folgte dem Rechnungsführer durch diverse Glastüren und Korridore bis in sein Büro, an dessen Tür ein handgemaltes Schild mit der Aufschrift „bin nicht anwesend“ hing. Er nahm es ab, legte mir ein simples Formular vor und meinte, er würde mir beim Ausfüllen helfen. Dass ich meinen Namen in das Feld „Name“ und meine Adresse in das Feld „Anschrift“ schon allein schreiben konnte, schien ihn zu beeindrucken. Er schlug in einer Liste nach und zahlte mir 4,60 Euro aus, woraufhin ich entlassen war und den Rückmarsch aus dem Gebäude zurück zu meinem Auto antrat.

Das war also das Ende meiner Bundeswehrzeit. Wieder einmal.

 

Danke.

Bevor ich beginne meine heutigen Gedanken auf den Schirm zu bringen, möchte ich mich bei Euch bedanken, dass Ihr mir gestern (und heute morgen) so liebe Kommentare hinterlassen habt! Als ich vor gut einer Woche hier anfing zu schreiben hatte ich ja keine Ahnung, was da auf mich zukommt! Mitreißende Geschichten, Schicksale, die zu Tränen rühren, haarsträubende aber auch wunderschöne Erzählungen direkt aus dem Leben, von überall her! Die Menschen, denen ich hier begegne sind von solcher Offenheit, Warmherzigkeit und Freundlichkeit, dass ich manchmal einfach dasitze und herzlich lache. Ich habe hier gefunden, wonach ich nicht mal gesucht habe und was ich wirklich nicht erwartet habe…

Im sanften Licht meiner Schreibtischlampe, zu den rockigen Klängen von Brian McFadden, warf ich gestern Abend noch einen letzten Blick in die Tagebücher. Ich las Schockierendes und Bewegendes, ließ hier und dort einen Kommentar, wenn ich glaubte, zu dem Thema etwas sagen zu können und schlug dann meinen eigenen Eintrag noch einmal auf. Die aufmunternden Worte, ob kurz oder ausführlich, haben mich dann doch noch mit einem Lächeln schlafen gehen lassen.

Ich griff nach meinem Buch, las noch mal über den letzten bekannten Satz vom Vorabend und legte es wieder weg… die Szene war grad so schön gewesen, dass ich befürchtete, im nächsten Satz könnte alles wieder zunichte gemacht werden.

Die Nacht über habe ich gut geschlafen, wachte nur einmal auf, um auf meinen Radiowecker zu blicken (ich kann’s nicht lassen) und freute mich über weitere vier Stunden Schlaf, die vor mir lagen.

Der gemeine Morgenmuffel wacht dann natürlich trotzdem mit ganz kleinen Augen auf, und weil die sich doch grad so schön an die Dunkelheit gewöhnt haben, würde ich das Licht dann am liebsten aus lassen. Mein linkes Knie ist von der Idee nicht begeistert – kein Wunder, es ist ja kein Vergnügen aus dem weichen Bett entstiegen nach wenigen Schritten gegen den Stahlhelm zu krachen, der in meinem Seesack auf dem Flur liegt. Als ich das Licht mürrisch einschalte werden meine Augen noch kleiner und der allmontägliche Wahnsinn beginnt.

Mein Tag war ansonsten recht ereignislos, das Wetter wieder trübe grau und meine Küche sieht aus wie Sau. Immer noch. Aber es gibt wichtigeres! Zum Beispiel meine Lieblingsserien ansehen, die ich gestern aufgenommen habe. Die eine hat nur noch eine Folge bis zum Ende, die andere läuft noch ne Weile. Schöööön anderthalb Stunden einfach mal nur berieseln lassen.

Alles in allem also ein ganz normaler Tag, und von depri keine Spur.

 

Reise in meine Vergangenheit

Heute früh bin ich gegen 8:47 Uhr aufgewacht. Die Sonne scheint durch mein Bambusrollo und ich erkenne blanken blauen Himmel. Ich fühle mich wach und fit, strecke mich zu meiner ganzen Größe und springe mit einem zufriedenen Lächeln aus dem Bett. Woran liegt das? An dem kurzweiligen gestrigen Abend? An dem lichtdurchfluteten Morgen? An der glücklichen Wendung der Geschichte des Buches, das ich vor dem Schlafengehen noch gelesen habe?

Leicht und beschwingt federe ich über den glatten Fußboden, öffne die knarrende Tür zum Flur, wuschele mir kindisch durchs Haar und fühle mich einfach… entspannt und ausgeruht. Ein herrliches Gefühl! Auch mein Wohnzimmer ist eingetaucht in das gleißende Licht der aufgehenden Sonne. So frisch und unverbraucht. Die Dächer der vielen Häuser sind noch mit Reif bedeckt, hier und dort werden Rollos hochgezogen, vereinzelt steuern Radfahrer auf die Stadtmitte zu, um in einer unserer Bäckereien frisch duftende Brötchen zu kaufen. Ein einziges Flugzeug hinterlässt einen leisen Dunststreifen am blauen Morgenhimmel, scheinbar gefolgt von ein paar Vögeln. Die perfekte Idylle eines Sonntagmorgens…

Auf dem Flur steht neben der Kommode mein alter Seesack. Im Dezember erhielt ich einen Schrieb vom Kreiswehrersatzamt, in dem mir aufgetragen wurde, meine zur Aufbewahrung überlassenen Kleidungs- und Ausrüstungsgegenstände am 19. Januar abzugeben – das ist kommenden Mittwoch. Dann endet altersbedingt mein Reservistenstatus. Ich hieve den schweren olivgrünen Sack auf meinen blauen Sessel im Wohnzimmer und öffne ihn. Obenauf liegen meine dunkelblauen Laufschuhe, die durch die jahrelange Aufbewahrung etwas an Form eingebüßt haben. Ich halte sie in der Hand und denke daran, wie viele Kilometer diese Schuhe schon zurückgelegt haben.

Das nächste, was ich aus dem Sack ziehe, ist mein blaues Barett. Ich freue mich, es zu sehen und komme nicht umhin, es einfach mal aufzusetzen. Als ich mich im Spiegel betrachte stelle ich fest, dass es farblich nicht zu meinem Schlafanzug passt und nehme es wieder ab.

Oh und die Feldjacke! Sie hätte ein Bügeleisen nötig weil sie so furchtbar zerknautscht ist. Mein Name prangt noch über der Brusttasche.

Ich lege sie beiseite und ziehe ein Schiffchen aus dem Sack. Ich frage mich, zu welchem Anlass ich diese Kopfbedeckung getragen hatte, als mir auffällt, dass es nicht zur Bundeswehr gehört, sondern aus meiner Zeit bei der Jugendfeuerwehr stammt. Lachend werfe ich es auf einen anderen Stapel. Das nächste Schiffchen ist olivgrün und lässt keinen Zweifel, dass es zur Bundeswehr gehört. Ich trug es während der Grundausbildung. Mann waren wir froh, als wir endlich das schicke blaue Barett erhielten und das kleidlose Schiffchen tief in die hinterste Spindecke abschieben konnten!

Ich nehme ein Paar Lederhandschuhe aus dem Stahlhelm, der als nächstes den Seesack verlässt. Schwer ist er und auch ihn setze ich gleich auf. Ist mein Kopf dicker geworden?? Nein, eigentlich ist der Helm genauso unbequem wie früher. Ich erinnere mich, wie wir im Gelände zur Tarnung jede Menge Grünzeug daran befestigen mussten. Erinnerte eher an Blumenbinden.

Wieder muss ich lachen, denn diese komischen Hosenträger habe ich niemals getragen. Meine Hosen hielten auch so. A propos, müssten hier nicht ein paar Feldhosen drin sein?? Ich wühle durch die Reste, kann aber keine der olivgrünen Hosen finden. Ich bin aber sicher, dass da welche hätten drin sein müssen denn ich habe doch… ich gehe an meinen Kleiderschrank und ziehe einen Bügel hervor, auf dem der dicke BW-Pulli hängt und finde tatsächlich eine ganze Feldhose darunter. Ich trug sie vor ein paar Jahren, als für Dreharbeiten unser Filmteam eine gigantische Konstruktion für Scheinwerfer anfertigte. Für diese Bauarbeiten waren die Hosen ideal und auch die Kampfstiefel gaben mir sicheren Tritt. Diese ziehe ich als nächstes hervor und frage mich, wie alt der Schmutz in den Profilrillen der Sohle wohl sein mag… Dabei fällt mir ein, dass ich ein dickes Paar Bundeswehr-Socken noch in meiner Kommode im Schlafzimmer habe. Ich hole sie und werfe sie zu den anderen.

Jetzt ist der Seesack leer. In sich zusammengesunken liegt er auf dem Sessel und all sein Inhalt liegt rund herum. Obwohl ich den Kram fast neun Jahre nur von Dachboden zu Dachboden geschleppt habe macht sich ein schwermütiges Gefühl breit. Es war eine schöne Zeit gewesen, die Truppe war in Ordnung und in den Klamotten habe ich einiges erlebt. Da muss ich grad daran denken, was unser Zugführer in der Grundausbildung damals zu uns sagte: „Die Bundeswehr ist kein Abenteuerurlaub!“ Vielleicht kann ich das nach neun Jahren nicht mehr beurteilen, aber rückblickend finde ich schon, dass es eine Art Abenteuerurlaub gewesen ist…

Ich packe den ganzen Kram, an dem so viele Erinnerungen haften, wieder in den Seesack, den ich verschnüre und zurück in den Flur stelle und mache mir ein anständiges Frühstück. Die Sonnenstrahlen wärmen meinen Oberkörper, während ich am Küchentisch sitze, das Buch von gestern Abend weiterlese und urgemütlich in diesen leicht nostalgischen Tag starte.