Jahrestag

Heute ist es genau ein Jahr her. Vor einem Jahr hat mein Freund unsere dreieinhalbjährige Beziehung beendet. Seit dem ist viel passiert. Während ich anfangs vier Monate lang glaubte, nie mehr so glücklich werden zu können bin ich mittlerweile wieder ein glücklicher Mensch, der mit beiden Beinen (mal mehr und mal weniger) fest auf dem Boden steht. Im Dezember habe ich meine neue Wohnung bezogen und wurde im Januar durch zunehmend bewusste Einsamkeit noch depressiver als zuvor. Erst im Februar habe ich mir einen Tritt in den Hintern verpasst, mich aufgerappelt und mein Gefühlsleben in die Hand genommen. Ich habe meinem Leben eine neue Richtung gegeben und mein Glück binnen weniger Wochen wiedergefunden. Neue Ziele haben mir geholfen wieder nach vorn zu blicken und nicht mehr dem nachzutrauern, was endgültig vorbei war. Zu meinem Ex-Freund habe ich nach wie vor eine gute Freundschaft und darüber bin ich wirklich sehr froh.

Auch wenn ich gelernt habe, mein Leben wieder allein zu meistern geht mir inzwischen das Single-Dasein längst wieder auf den Sack! Ich merke wie die Tage schon wieder kürzer und die Nächte länger werden. Und da fehlt doch schon jemand zum Kuscheln und Anlehnen. Die Versuche mal was Neues anzufangen sind ja leider bisher im Sande verlaufen.

Aber wie heißt es so schön? Niemals aufgeben! Niemals kapitulieren!

 

Nebelschwaden

Statt wie gewohnt um 5:59 Uhr schlug ich meine Augen heute Morgen erst um 09:00 Uhr auf. Ist ja Samstag und mein Wecker hat nichts zu melden. Noch etwas benebelt rolle ich meine hellblaue Bettdecke beiseite und drehe mich verspannt zum Fenster. Durch mein Bambusrollo fällt graues Morgenlicht herein. Dabei war es bis gestern noch so schön sonnig bei blauem Himmel und auf der Arbeit so warm…

Noch etwas zerknirscht schiebe ich meinen Hintern aus dem Bett und wanke ans Fenster. Ich ziehe das Rollo auf und blicke hinunter auf die Stadt. Viel ist nicht zu sehen. Kaum Verkehr, nahezu Stille. Nur den Wind hört man in den Blättern der vielen Kastanienbäume. Der Himmel ist so grau, dass ich scheinbar nur die Hand auszustrecken brauche, um die dicke fette Wolkendecke zu berühren, die schwer über meinem Kopf zu hängen scheint. Der Blick geradeaus gibt auch nicht viel mehr her, denn Nebelschwaden hängen auf den freien Feldern rund um die Stadt. Irgendwie… bedrückend. Ich wanke barfuss über den Flur in die Küche. Die kleinen schwarz-weißen Fliesen auf dem Fußboden fühlen sich kalt an. Mein Magen knurrt und ich muss eingestehen, dass ich ihn letzthin ziemlich stiefmütterlich behandelt habe. Dummerweise gibt weder mein Küchen- noch mein Kühlschrank irgendwas her, mit dem ich das wieder gutmachen könnte… Meine Füße patschen über den hellen Laminatboden im Flur und die kleinen Fliesen im Bad sind auch nicht wärmer als in der Küche. Was macht man dagegen? Richtig: heiß duschen. Immer höher stelle ich die Temperatur, als ich unter dem wohligen Wasserstrahl stehe und schon bald hab ich meinen ganz eigenen Nebel in meinem Bad. Als ich nach einer halben Ewigkeit tropfend aus der Dusche steige ist der Spiegel so beschlagen, dass mir mein Anblick an diesem Morgen erspart bleibt. Ich greife mein knallgelbes Handtuch vom Stapel und rubbel meine Haare trocken und versuche meinem erneuerten Iro-Haarschnitt mit Haarspray und StylingWax irgendeine Richtung zu geben. Heute jedoch bleibt es bei dem Versuch.

Mit immer noch knurrendem Magen lege ich eine CD ein und pack mich zurück auf mein Bett. Kissen drunter und einfach noch bissl bei Musik relaxen. Ich überlege, was ich mit diesem Samstag anstellen könnte. Da hätten wir den dringenden Einkauf, den Riesenberg Wäsche, zum Glück keinen Abwasch und sonst jede Menge Zeit. Während dieser entspannten Gedanken gleite ich langsam wieder zurück ins Traumland, von wo ich gerade erst hergekommen war…

Ein Geräusch weckt mich um 11:40 Uhr. Mist! Ich hab den schönen Vormittag verpennt. Nicht viel wacher als zuvor verlasse ich nun endgültig mein Bett und mein Haar hat wieder jegliche gewollte Richtung eingebüßt. Das Geräusch kam aus dem Wohnzimmer, von meinem PC und dort von dem Chatprogramm, das nicht selten rund um die Uhr läuft. Jemand hat mich angechattet und dieser jemand ist Ced. Ich freue mich ihn zu sehen, auch wenn er kaum mehr Zeit als für ein „Hallo“ hat. Mein Wohnzimmer sieht ziemlich chaotisch aus. Meinen Schreibtischstuhl hab ich vor wenigen Tagen in einem Anflug unbändiger Wut zerlegt und nun steht mein großer blauer Sessel vor meinem Schreibtisch und versucht, den Stuhl zu ersetzen. Wenn ich von dem Stuhl schon Rückenschmerzen bekommen hatte, so ist mein weicher Sessel ganz sicher keine Erholung. Wenigstens treibt mich das bald wieder hoch und mit einer ziemlich umfangreichen Einkaufsliste mache ich mich daran, meine Vorräte für die kommende Woche anzulegen.

Mehr als das und den halben Wäschestapel hab ich heute nicht wirklich zu Stande gebracht. Die graue Wolkendecke über meinem Kopf hielt sich hartnäckig und ließ hier keinen Sonnenstrahl durch. Das drückt auf’s Gemüt und so hatte ich keine Lust zu gar nichts. Ced ist heute kaum online, Icebear ist in Spanien, Mischa im Trainingslager und Enni mal wieder auf und davon. Wenigstens Cläre hat uns heute endlich wieder die Ehre gegeben. Willkommen zurück!

Mein diary hingegen feiert heute wohl noch seinen zweitausendsten View. Wer wohl der Geburtstagsgast ist?

 

Lacarians Zoo

Zunächst einmal danke für die vielen Zusprüche nach meinem letzten Eintrag. Mal gibt es Tage, da ist die Situation für mich glasklar und dann gibt es wieder Momente, in denen ich schwanke. Hier und dort ernte ich neue Zusprüche oder das Gegenteil, an anderer Stelle kommt berechtigte Kritik an meinem Verhalten. Danke dafür. Über alles habe ich viel nachgedacht und tue das nach wie vor. Ich versuche an dem Verhalten zu arbeiten, aber weil das alles Gefühlsdinge sind, ist das nicht einfach. Aber ich werde auch damit umgehen und daraus lernen.

Während ich sonst bei meinen Besuchen in der schönsten Stadt der Welt regelmäßig beim Zoo parke, scheinen sich die Tiere nun bei mir einzufinden. Zwar hatte ich bislang weder Besuch von Giraffen, noch von Löwen oder Schlangen, vor wenigen Tagen jedoch hat sich ein junger Wanderfalke auf meinen Balkon verirrt und klopfte mit dem rechten Flügel gegen die Glastür. Als ich nachsah, woher das Klopfen kam, entdeckte ich den braunen Vogel am Boden. Er schien entkräftet und nach kurzem Zögern öffnete ich vorsichtig die Tür. Er flog nicht weg. Ich überlegte kurz, was ich nun mit ihm anstellen sollte, holte alsdann einen Schuhkarton, schnitt ein paar Löcher hinein und nahm den Vogel behutsam mit einem weichen Handtuch hoch. Er wehrte sich nicht dagegen, wenngleich er zweifellos sehr ängstlich gewesen sein muss. Vorsichtig setzte ich ihn in den präparierten Karton, doch ehe ich den Deckel draufsetzen konnte, machte er sich davon, flog ungestüm durch die Tür auf den Balkon und geradewegs gegen die hintere Wand. Mit einem Platsch landete er in der Regenwasserpfütze. Bestürzt sah ich nach, ob noch alles dran wäre und nahm ihn dann erneut hoch, diesmal nicht ganz ohne Widerstand. Es gelang mir, das Tier in den Schuhkarton zu setzen und den Deckel draufzutun. Da stand ich nun, leicht bekleidet, weil’s erst kurz nach dem Aufstehen war, vor meinen nackten Füßen dieser durchlöcherte Schuhkarton und darin ein junger Wanderfalke, der vermutlich seine Flugkünste etwas überschätzt hatte. Nach einem Anruf beim örtlichen Tierarzt gab ich den Vogel in dessen fachkundige Hände.

Gestern nun überraschte mich ein anderes Tier, das mir von meiner Gardinenstange beim Kochen zusah: eine ziemlich große Heuschrecke. Zunächst erschrak ich angesichts eines so großen Insektes in meiner Küche, und während das Eierwasser zu sprudeln begann überlegte ich angestrengt, wie ich den Hüpfer wohl am besten zum Auszug bewegen könnte. Ich griff also nach der nächstgelegenen Plastikschüssel und fing das Tier darin ein. Deckel drauf und raus damit auf den Balkon. Ich stellte den Behälter in den Blumenkasten, öffnete ihn mit weit von mir gestreckten Armen und zog mich zurück. In der Küche übergab ich zwei Hühnereier dem immer noch kochenden Wasser, als mich eine große Heuschrecke von der Wand neben mir anstarrte. Mein erster Gedanke: Ich habe eine Heuschreckenplage in meiner Küche!! Mein zweiter Gedanke: ich hab sie gar nicht erwischt und offensichtlich einen leeren Behälter in den Blumenkasten gestellt. Ich lief also schnurstracks zurück auf den Balkon, sammelte die Schüssel wieder ein und startete einen zweiten Versuch, das Tier einzufangen. Diesmal gelang es und ich wiederholte die Prozedur mit den ausgestreckten Armen. Zunächst beobachtete ich, wie die Heuschrecke auf der Balkonbrüstung hin und herkrabbelte und sich fragte, ob sie einen Sprung aus dem sechsten Stock schaffen könnte. Sie schien sich für „ja“ entschieden zu haben.

Ach du Schreck!

Welches Tier mich wohl als nächstes besuchen kommt?

 

Gefühls-Chaos

Wer in den letzten Tagen *tempus fugit* aufgeschlagen hat, hat auf den Seiten nichts neueres entdecken können als einen Kaffeefleck hier und etwas angetrocknetes Kerzenwachs dort. Gibt es von meinem Leben nichts mehr zu erzählen?

Doch, das gibt es. Aber ich habe selbst noch Schwierigkeiten das alles zu bewerten und weiß daher nicht so recht, wie ich das aufschreiben soll und welchen Ton das alles bekommen soll. Wer nun das Gefühl hat, ich würde wirres Zeug reden, der hat das ziemlich schnell durchblickt.

Um der wenigen Zeit, die ich heute nur habe, gerecht zu werden schreibe ich mal die Kurzfassung nieder. Einen lieben Freund aus meinem hochfrequentierten Chatroom habe ich im Juli zum ersten Mal treffen können. Wir haben einen wundervollen Tag miteinander verbracht, der die Prädikate „aufregend“, „kuschelig“, „spontan“ und „überraschend prickelnd“ verdient. Ein perfekter Tag, der mein Herz auf Höhe von Wolke sechseinhalb trieb. Ich hatte mich verliebt. Darauffolgende Chats nutzte ich, um herauszufinden wie Jörg das sah. Während er sich zunächst natürlich nicht festnageln ließ, wurden die Flirts intensiver und ich geriet schon ins Wanken, ob ich immer noch nach Hamburg ziehen will… Vor anderthalb Wochen nun hatte ich das Gefühl, dass Jörgs Aufmerksamkeit fast unmerklich von mir abgeschweift war und nun jemand anderen fokussierte. Da man aus Fehlern lernen soll sprach ich ihn darauf an, und siehe da: derjenige, der ihn besonders interessierte, trug nicht meinen Namen. Warum muss man sich seine Körbe neuerdings eigentlich ständig selbst abholen?? Nun ja, alles halb so wild, mein Herz hatte Wolke sieben ja noch nicht erreicht und mit der „Niederlage“ kam ich gut zurecht, auch wenn sich Herz und Kopf bei Jörg ausnahmsweise mal völlig einig waren.

Überhaupt nicht einig sind sich die beiden bei einer anderen Geschichte, die mir weit mehr Kopfzerbrechen bereitet. Mein Herz hat bei einem anderen Mann Wolke sieben längst erreicht, mein Kopf jedoch versucht es mit aller Macht wieder herunterzuziehen. In einem anderen Chat verbringe ich mit diesem Mann jede freie Minute, ich vermisse ihn, wenn er nicht da ist und ich bin überglücklich, wenn wir (wenn auch bisher nur virtuell) zusammen sind. Und ihm geht es genau so. Perfekt, oder? Dummerweise ist er gar nicht der Mann, den ich für eine stabile und sichere Zukunft brauche. Das zu erklären fällt mir schwer, ich weiß es einfach. Eigentlich sollten wir wohl aufhören ständig zu chatten und etwas auf Distanz gehen, aber irgendwie geht das nicht. Was zwischen uns ist, liegt bereits weit jenseits einer einfachen Freundschaft, aber ich versuche krampfhaft, uns nicht als Liebespaar zu bezeichnen. Rede ich mir das nur ein? Mein größtes Problem mit dieser Geschichte ist, dass ich ihm dabei sehr weh tue. Zwar habe ich die Grenze bereits sehr früh festgezurrt, aber fair erscheint es mir nicht, denn unser Umgang erweckt durchaus den Eindruck, dass da viel mehr draus wird. Er liebt mich, ich liebe ihn, und dennoch soll nicht das daraus werden, was es schon fast geworden ist.

Das ist alles sehr verwirrend und ich weiß nicht so recht damit umzugehen.