Jahresrückblick in 1.000 Worten

:: Musik
Greenday – boulevard of broken dreams
Nada Surf – blonde on blonde
Greenday – Wake me up, when september ends

:: Tausend Worte

Inmitten tausender Menschen, dicht an dicht und so nah bei mir, wie ich es nie zuvor erlebt hatte, zählte ich rückwärts, und mit jeder Zahl, die ich im Jahr 2004 zurückließ, schien es mir besser zu gehen…
Mitternacht am Brandenburger Tor! Die Stunde Null im neuen Jahr! Tränen standen mir in den Augen, als das Jahr 2004 endlich überstanden war!

Von dem Tag an dauerte es nur noch anderthalb Monate, bis der Schmerz verbluteter Liebe im feinen Sand verstrichener Zeit versickert war.

Mitten in meinem Geburtsmonat Februar schaffte ich mit scheinbar letzter Kraft den Wandel und rückte den Fokus wieder in Richtung Zukunft, eine neue Zeit begann. Tempus fugit!

Der Februar 2005 war kalt und extrem winterlich. Schnee lag im Land zwischen den Meeren und anderswo, als ich meinen achtundzwanzigsten Geburtstag im Kreise lieber Freunde feierte. Und auch der März bot bestes Wetter für lauschige Indoor-Aktivitäten. Fernsehen, Kino, neue Musik entdecken, Wellness, Bücher lesen und viel nachdenken. In dieser Zeit gelang es mir nach vier Jahren meine Coming-out-Erlebnisse niederzuschreiben. Ich entdeckte den fabelhaften Gesang von Josh Groban und begann mich für Fotographie zu interessieren. Ich legte mir meine Digitalkamera zu und bin seither kaum zu bremsen. Was nicht bei drei aus dem Weg ist, wird von mir für die Ewigkeit konserviert. Mein diary nutze ich seither auch als Galerie. Das bekam vor allem der April zu spüren. Als der Winter endlich dahinschmolz und die Farben so kräftig wie lange nicht mehr leuchteten durchstreifte ich die Welt so oft ich konnte auf der Suche nach Motiven. Am häufigsten zog es mich nach Hamburg, denn die Stadt bot mir die mehr als willkommene Abwechslung zum tristen Einerlei meines Provinznestes. Zum ersten Mal überhaupt entdeckte ich die Metropole auf eigene Faust und zum ersten Mal stellte ich die Verknüpfung zwischen bekannten und unbekannten Stadtteilen her.

Ganz neue Erfahrungen machte ich auch bei meinem ersten Besuch eines Konzertes gemeinsam mit einer lieben Freundin. So in Hochform lernte ich bald Alexander aus der benachbarten Stadt mit den Hochhäusern kennen. Ich hielt ihn für einen geeigneten Kandidaten, mein Wegbegleiter für die Zukunft zu werden. Aber zu mehr als einem Date kam es nicht. Er ließ die Angelegenheit auf ungeschickte Weise einschlafen. Im Mai stand eines der Highlights dieses Jahres an: Die „federation-convention“ in Bonn. Wie schon im vergangenen Jahr fuhr ich mit zwei Freunden hin, diesmal jedoch mussten wir im Regenmonat Mai die „Freuden“ des Zeltens über uns ergehen lassen.

Wenige Tage später brach dann jedoch der Sommer aus und mit verschiedenen Festivitätentanzte ich ausgelassen durch den Mai. Der Juni begann mit vielen bunten Farben, bis der Sommer eine kleine Pause einlegte. Der Christopher-Street-Day in Hamburg war regnerisch kühl, aber zur Kieler Woche lief die Sonne dann wieder zur Hochform auf! Eine Hitzewelle hüllte das Land ein und Schwimmbäder wie Biergärten hatten Hochkonjunktur.

Dann kam der Anruf mit der Nachricht vom Tode meines Vaters, den ich seit 20 Jahren nicht gesehen hatte und bald darauf sorgte die Trauerfeier für einen ungewollten Trip ganz tief in meine eigene Vergangenheit.
Eine Internet-Liebelei bescherte mir den ersten Faker (bzw. die erste Fakerin). Zum Glück kam ich gut damit zurecht, wenngleich ich stinkwütend darüber war, wie jemand so hinterhältig mit den Gefühlen eines Menschen spielen kann. Der Juli holte aus dem Sommer alles raus, was möglich war und wieder war ich viel unterwegs, wieder in Hamburg. Ich besah mir mehr als einmal die Wasserlichtkonzerte, schaute mir „Meeresfrüchte“ in einem kleinen Hamburger Kino an und genoss die Freiheiten des Lebens. Der August konnte nicht mehr ganz mithalten und so hatte ich denn genügend Zeit, wenigstens kurz dem Jahrestag des Alleinseins zu gedenken.

Und dann kam der September! Der September veränderte mein Leben in ähnlich brachialer Weise wie zuvor der Februar, denn ich lernte den Mann kennen, den ich seither meinen Freund nennen kann. Mein Leben erhielt zum zweiten Mal in diesem Jahr eine neue Richtung. Prioritäten verschoben sich von einem Tag auf den anderen und trotz aller Vorsicht und trotz der Angst vor einer neuen Bindung, die ich wegen der schmerzhaften Erfahrungen nach dem Ende meiner letzten Beziehung mit mir herumtrug, war ich bereit mein Herz für einen neuen Versuch zu öffnen. Der Sommer ging allmählich vorüber, doch der Frühling hatte gerade erst begonnen! In September und Oktober genoss ich das Gefühl, verliebt zu sein, in vollen Zügen. Die Wochenenden wurden das Zentrum meines Lebens und in aller Eile versuchte ich, den Alltag dazwischen hinter mich zu bringen. Vielleicht habe ich mein Herz in diesem Jahr etwas zu sehr angestrengt, denn noch im selben Monat beschloss es, nicht mehr mitzuspielen. Plötzlich auftretende Rhythmusstörungen zwangen mich, kleinere Schritte zu tun und ich begab mich in fachkundig-ärztliche Obhut. Heute geht es mir zum Glück schon wieder besser, ohne einen greifbaren Grund für die Symptome und dementsprechend auch ohne eine Medikation vom Doc erhalten zu haben.

Dass mein Engel im November auf Geschäftsreise nach Paris musste, war sicher keine Erholung für mich. Denn im November stand Frankreich förmlich in Flammen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in dem Land der Unmut desintegrierter Randgruppen und über Wochen wurden tausende von Fahrzeugen in Brand gesteckt. Die Krawalle von Frankreichin und um Paris sowie diverser gallischer Großstädte beunruhigten mich sehr.

Mein Wunsch, mein Leben an die Ostküste Schleswig-Holsteins zu verlagern, wuchs im November so stark an, dass ich begann mich dort regional bei Firmen zu bewerben. Leider verliefen die ersten Anfragen wenig erfolgreich, was sich auch Anfang Dezember nicht änderte. Während ein Erfolgserlebnis nach dem anderen bei meinem derzeitigen Arbeitgeber meinen Enthusiasmus für einen Wechsel plötzlich bremsten, erhielt ich von der übersichtlichen Anzahl in Frage kommender Unternehmen meine Bewerbungsunterlagen mit besten Wünsche für mein weiteres Leben zurück.

Im Lauf des ablaufenden Jahres haben mich enorm viele Dinge beschäftigt. Ich begann mit dem Schreiben dieses diarys um meine Gedanken zu sortieren und aus schwierigen Situationen zu lernen, wenn sich der Nebel mieser Tage gelegt hat. Im Lauf der Zeit habe ich unter anderem im diary viele Menschen kennen gelernt, einige Favoriten sind mir wieder entschwunden, andere sind mir seit der ersten Stunde treu geblieben und einige liebe Leser sind neu hinzugekommen. All meinen sichtbaren und unsichtbaren Favoriten (und natürlich auch allen anderen Lesern) wünsche ich eine besinnliche Weihnachtszeit und ein erfolgreiches und eloquentes neues Jahr.

 

Eine Schneeflocke

Aus schweren grauen Wolken fallen Millionen feiner Schneeflocken zur Erde. Eine jede ohne bestimmte Richtung, sich wiegend im kalten Nordwind. Niemand weiß, wo sie landen werden oder was aus ihnen wird. In wildem Gestöber fliegen sie durcheinander und spielen ein Verwirrspiel aus Ordnung und Chaos. Jede einzelne Flocke, jeder wunderschöne Eiskristall verliert sich im Getummel eines Wintertanzes – bis er zu Boden fällt und nichts von seiner klaren Schönheit übrig bleibt. Millionen von wunderschönen Schneeflocken rieseln aus den Wolken, aber immer ist eine von ihnen die schönste. Bei noch so vielen Eiskristallen können wir doch nur einer einzigen zur Zeit wirklich unsere volle Aufmerksamkeit schenken.

 

Vor drei Monaten

:: an einem Samstag

Mit meiner linken Hand schiebe ich die Zweige beiseite, die mir im Weg hängen. Ich klettere durch das Dickicht, rechts von mir der Wald mit Bäumen, dicht an dicht und undurchdringlich, links von mir die Klippen, die mit jedem meiner Schritte dem Himmel näher zu kommen scheinen. Der Boden ist weich und nur dumpf hallen meine hastigen Schritte von ihm wider. Gerade klettere ich über einen umgestürzten Baum als ich einen Moment innehalte um einen schnellen Blick nach vorn zu werfen. Da geht er voran und mein Herz macht einen großen Schritt, so groß, dass meine Lippen ein Lächeln formen.

Vor gerade mal 30 Minuten war ich aus meinem neongelben Kleinwagen gestiegen, zitternd aber nicht frierend, taumelnd aber nicht schwindlig, zögernd aber nicht ängstlich. Da standen wir und grinsten uns an.

Ich kann die Sonne nicht sehen, die irgendwo hinter dem dichten Wald am Himmel steht und funkelnde Diamanten auf der Wasseroberfläche verteilt. Ich sitze am Rand der Klippen und lasse meine Füße herunterbaumeln. Den Anblick dieser Bucht an diesem Spätsommertag werde ich immer in Erinnerung behalten. Fast habe ich das Gefühl, die ganze Welt würde sich um den kleinen Flecken Erde drehen, auf dem wir hier sitzen. Ich bin glücklich.

Diamanten funkeln auch am schwarzen Nachthimmel, der die weiße Gischt des aufgewühlten Meeres verdunkelt. Gegen den Wind stapfen wir durch den weichen Sand in der klaren Nacht und nur wenig später sitzen wir hinter unserer eigenen Burg, die das Meer und den Wind und die Dunkelheit fernhält. Über mir sehe ich Milliarden Sterne, vor mir sehe ich den Leuchtturm, der sein Licht Nacht für Nacht in die Dunkelheit schickt, um mich herum spüre ich Wärme und Geborgenheit und in meinem Herzen spüre ich das Glück der ganzen Welt.

An einem Samstag vor drei Monaten.

 

Morgendämmerung

Wäre es heute nur wenige Grad kälter würde es sicher schneien. Aber noch ist es herbstlich, ziemlich trüb und regnerisch. Dabei war mein erster Blick aus dem Fenster am Morgen ganz vielversprechend. Die Wolkendecke war knapp über dem Horizont aufgerissen und ließ die ersten farbenspendenden Sonnenstrahlen hindurch. Ein breiter Streifen gleißendes Licht brach über den Bäumen hervor und tauchte die reglose Szenerie eines guten Morgens in einen warmen Ton. Still standen die Windkrafträder da und bestaunten den Sonnenaufgang und nicht einmal von der Bundesstraße war ein Laut zu hören.

Ansonsten ist so richtig viel Spannendes nicht passiert heute. An Dienstagen ist auf der Arbeit nicht viel los und bis auf einen erfrischenden Besuch meiner Schwester am Abend gibt es heute nichts zu erzählen.

In diesem Sinne Euch allen einen gemütlichen Herbstabend!

Morgendämmerung

 

Erste Hilfe

So manch ein Montag hat es echt in sich. Dieser heutige zählt auf jeden Fall dazu. Und das, obwohl ich von einer lieben SMS ganz früh am Morgen geweckt wurde.

Gleich danach ging das Chaos aber auch schon los. Ich bin morgens so ein Trödler, der erst nicht aus dem warmen Bett kommt und sich dann auch noch ganz viel Zeit lässt. Als mein Wecker den zweiten Versuch startete, mich aus den Federn zu schubsen, war es immer noch dunkel. Die Heizung links neben mir tat aber bereits ihr Bestes um es mir so angenehm wie möglich zu machen, sobald ich unter meiner Bettdecke hervorgekrochen käme. Natürlich konnte ich nicht aufstehen, ohne meine Lieblings-Kanzler-Comedy im Radio gehört zu haben.

Wie jeden Montag musste ich dann auch heute erst einmal meine Arbeitsklamotten zusammensuchen. Wo hab ich die Hose diesmal wieder hingehängt? Welches Hemd ziehe ich an? Und welche Krawatte dazu? Wo ist die Krawattenklammer? Na ihr kennt das ja…

Weil ich schon wieder so spät dran war und die Frau im Radio meinte, es wäre nicht so kalt, dass man Eis kratzen müsste, beschloss ich den Wagen zu nehmen. Ich ließ also Mütze und Schal und Handschuhe weg und stieg mit Sack und Pack in den Aufzug, drückte auf (E)rdgeschoss und ratterte hinunter in den Tag. Als ich die Tür nach draußen aufstieß, kam es mir dann doch verdächtig kalt vor. Dann suchte ich den Eiskratzer. Nachdem ich vergeblich versuchte, die hartnäckige Eisschicht von meiner Windschutzscheibe zu kratzen, ließ ich es bleiben und ging zu Fuß. So weit ist es ja nicht. Ziemlich durchgefroren kam ich in der Firma an. Auf meinem Stuhl saß Jürgen, unser Kassierer und starrte mich an. Und dann starrte ich auf seine eingegipste rechte Hand und dachte: ‚Oh nein, auch das noch!’

Fünf Minuten später übernahm ich den gesamten Kassenbestand und ließ mir einen Crash-Kurs geben. So eine gebrochene Hand wird meinen Kassierer wohl für ein paar Wochen außer Gefecht setzen. Ich habe ja grundsätzlich kein Problem damit, Geld ein- und auszuzahlen, aber als Kassierer hat man ja noch weit mehr als nur das zu tun. Am meisten Bauchschmerzen machten mir die Geldautomaten. Sicher, ich hatte schon ein paar Mal zugesehen, aber jedes Mal war ich froh, dass das nicht meine Aufgabe ist, denn so einfach die Dinger auch von vorn zu bedienen sind, auf der anderen Seite ist das furchtbar kompliziert. Und ausgerechnet heute Mittag musste einer neu befüllt und abgestimmt werden. Etwas nervös hab ich mich dann daran getraut und es hat zum Glück alles geklappt. Ich war ganz schön erleichtert, als die Zahlen im Kassenbuch auch noch aufgingen. Der Vormittag war grässlich stressig. Der Nachmittag hingegen war ein Klacks, denn da waren’s tatsächlich nur noch Ein- und Auszahlungen – bis mir ein Kunde mitteilte, dass ein Geldautomat keine Fünfer hergibt. Natürlich war es das Gerät, das ich zuvor neu bestückt hatte. Also ließ ich die Kombination neu einstellen, sorgte dafür, dass das Gerät gesperrt wurde und konnte nach einiger Zeit nachsehen, wo es denn hakt. Leider waren all meine Optionen erschöpft, bevor ich eine Lösung fand und nach Rücksprache mit meiner EDV-Abteilung kommt morgen ein Techniker und sieht sich das an. Super Lacarian, Du hast es kaputt gemacht!

Anton (im Hintergrund: Pünktchen)

Zu Hause hab ich mir erst mal ein Glas Wein gegönnt und die Füße hochgelegt. Gestern hab ich ein leckeres Ragout gekocht und nachdem die Reste verputzt waren, machte ich mich an den Abwasch. Er war gerade erledigt, als mich ein Hilferuf von meiner Schwester erreichte, die ein paar Straßen weiter wohnt. Eine ihrer Katzen hat sich die Pfoten verletzt. Ich eilte also mit Verbandmaterial zu ihr und gemeinsam versuchten wir, den verängstigten schwarzen Kater zu verarzten. Das war gar nicht leicht und wir brauchten zwei schwierige Versuche. Es war ein ziemlich anstrengendes Unterfangen und letztlich wollte das Tier keine verbundenen Pfoten haben, so dass wir aufgeben mussten. Jetzt haben wir es in einen Käfig gesetzt und morgen früh bringt meine Schwester den Kater zum Tierarzt.

So eine Aufregung heute!

 

Glück

Manchmal wünschte ich, ich könnte die Zeit eine Weile anhalten. Warum muss die Zeit auch immer so dahinrasen, wenn ich mit ihm zusammen bin? Schon sitze ich wieder hier und warte auf das nächste Wochenende. Es wird wirklich Zeit für den Umzug, damit ich auch die Wochentage wieder genießen kann. So sehr ich es genieße, wenn er bei mir ist, so glücklich ich dann auch bin, so schwer fällt es mir, an sechs von sieben Wochentagen allein zu sein. So viele Dinge, die man gemeinsam unternehmen könnte, passen einfach nicht in einen knappen gemeinsamen Tag pro Woche. Film- und Kinoabende, Freunde, Weihnachtsmärkte, Familie, Sightseeing, Ausstellungen, Shoppen, Eislaufen und viel mehr.

Aber ich will mich nicht beklagen. Ich bin froh, meinen Engel zu haben und die Zeit mit ihm ist jedes Mal wunderschön. Es gab wieder einige Momente zwischen gestern und heute, an denen ich einfach durch und durch glücklich war. Die Momente voll Geborgenheit und Glück sind für mich enorm kostbar. Sie werden für mich nie selbstverständlich oder gewöhnlich werden sondern immer etwas ganz besonders Wertvolles bleiben.

Jede Zeit ist umso kürzer, je glücklicher man ist.

Gestern hat mein Engel mich direkt von der Akademie abgeholt. Wie schön es war, ihn nach zwei Wochen wiederzusehen! Gemeinsam haben wir eine Freundin besucht, die quasi um die Ecke wohnt. MK hat ein hübsches Zimmer in einer 2er-WG. Wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag zu dritt bei American Cookies, Multivitaminsaft und verschiedensten Gesprächsthemen. Kalt war es, als Gerd und ich später bei IKEA zum Essen (!) einkehrten. Zuerst ein Rundgang durch die Möbelausstellung. Überall konnte man große Plüschfrösche kaufen und alles war schon extrem weihnachtlich geschmückt – sogar das IKEA-Restaurant! Mit unseren Leckereien setzten wir uns direkt neben einen der Weihnachtsbäume und ließen es uns schmecken.

Danach ging’s über die dunklen Landstraßen zu mir nach Hause, wo wir es uns auf meiner blauen Couch zu einer DVD so richtig gemütlich machten.

Jetzt ziehen hier ein paar graue Wolken auf und vertreiben den Sonnenschein, sicher werden sie gleich zu regnen beginnen. Ein paar Kohlmeisen machen es sich in meinen Balkonpflanzen gemütlich und ein Marienkäfer, der sich schon seit einiger Zeit bei mir aufhält, erforscht meine Zimmerbegrünung…

 

Befund

So, die lästigen Kabel sind wieder Geschichte und dieser dämliche Gurt, an dem das EKG-Gerät befestigt war, auch. Ich glaube heute war es das erste Mal, dass ich morgens wach wurde und dachte: hoffentlich springt mein Wecker bald an! Um sechs Uhr sollte der mich wecken, weil ich dann die Messpunkte, die an meiner Haut klebten, abreißen durfte. Um vier Uhr wurde ich wach, das weiß ich, weil die Kirchturmuhr, die nicht weit weg ist, zwei mal vier Schläge abgab. Einerseits froh über die Gnadenfrist bis zum Tagesanbruch wünschte ich mir gleichzeitig das Ende der Nacht herbei. Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaute war es zehn nach vier und ich fragte mich, wieso die Zeit sonst nicht so langsam vergeht. Jede Wette, dass die Minuten schon morgen früh um die gleiche Zeit um ein Vielfaches schneller verrieseln.

So what, ich hab die Dinger von meinem Oberkörper gerissen und das Gerät abgeschaltet. Unter der Dusche fühlte ich mich, als würde ich die Kabel und Saugnäpfe wegspülen. Ich war verärgert, denn endlich hab ich das EKG gemacht, doch seit einigen Tagen zeigt mein Herz nicht die Spur eines Problems. So auch in den Stunden, in denen ich mit diesem kleinen Gerät verkabelt war. Nichts. Der Arzt meinte, der Befund ginge dann nächste Woche an meinen Hausarzt – es sei denn natürlich, man würde etwas Schwerwiegendes finden, dann bekomme ich – hab ich das nicht gestern schon geschrieben…?!

Nach meinem langen Arbeitstag hab ich meine kleine Schwester besucht, sie hat mich auf eine Tiefkühlpizza eingeladen, das war wirklich verdammt anständig von ihr. Danach sind wir eine Runde spazieren gegangen. Es war natürlich schon längst dunkel und in den beleuchteten Geschäften in der Stadt wirbelten Reinigungskräfte mit Wischmops um den feuchten Schmutz des Tages zu beseitigen. Bitterkalt war es und ich war froh, dass ich eine dicke Winterjacke hatte.

Zu Hause hab ich mich gleich in superbequeme Klamotten geschmissen und hab mir „Garden State“ angeschaut. Zuerst war ich schwer zu begeistern angesichts der doch recht obskuren Handlung. Aber ich dachte an Branley und wollte ihn daher auch zuende gucken. Spätestens ab dem dritten Viertel fand ich den Film dann total super, die Handlung schien mit dem Hauptdarsteller aufzublühen und es machte richtig Spaß. Viele schlaue Sachen kommen darin vor, die Bilder sind wunderschön photographiert und die Geschichte entwickelt sich kontinuierlich. Allerdings müsste ich ihn wohl noch ein zweites Mal ansehen um alles aufzunehmen.

Gerade hatte ich noch ein tolles Telefonat mit Gerd, so dass ich gleich diesen Tag abschließen und ins Bett steigen kann. Ich fühl mich gut.

„Wenn Du nicht über Dich selbst lachen kannst,
kommt Dir das Leben viel länger vor, als Dir lieb ist!“
– Garden State

 

Aufzeichnungen

Ich hatte einen ziemlich geschäftigen Tag heute, wobei jede Aktion meist nicht länger als zwei Stunden andauerte….

:: Unternehmensziele

Nach anderthalb Stunden Arbeit hat der Chef heute Morgen eine kleine Versammlung einberufen und uns die neuesten Zahlen vorgelegt. Wenngleich wir immer noch ziemlich weit hinten liegen, haben wir neuesten Aufzeichnungen zu Folge unsere Zahlen im letzten Quartal deutlich verbessern können.

:: Besuch beim Kardiologen

Heute ist es endlich soweit. Die Symptome meiner mysteriösen Herzrhythmusstörung sind in den vergangenen zwei Wochen mittlerweile abgeflaut. Am Vormittag schnappte ich mir meinen neongelben Stadtflitzer und düste bei Regenwetter zum Kardiologen in der Stadt mit den Hochhäusern. Ich stellte den Wagen in der Tiefgarage ab und lief die zwei Etagen zur Praxis nach oben. Die Dame am Empfang war sehr freundlich und im Wartezimmer saß nur ein älterer Herr, der aber erst nach mir drankam.

Die Damen in der Praxis waren alle extrem freundlich, aber nicht aufgesetzt oder so. Da fühlte ich mich echt wohl. Ich wurde in ein kleines helles Behandlungszimmer gesetzt. Die Schwester erklärte mir, dass der Arzt gleich käme, damit ich ihm noch mal alles erläutern kann. War dann auch so, ich erzählte alles und er notierte es sich. Daraufhin erklärte er mir, dass die Schwester das EKG-Gerät anbauen würde und ich könne mich schon mal obenrum frei machen. Gesagt getan, schon saß ich nur noch in Jeans auf der Liege als die nette Schwester von vorhin genauso strahlend hereinkam wie zuvor. Detailliert erklärte sie mir, was sie gleich machen würde und wie das alles funktioniert. Dann suchte sie die besten Punkte für die Aufzeichnungen und malte mir mit einem Kugelschreiber Xe auf die Haut, mit denen sie die fünf Messpunkte markierte.

angenippelt

Dann legte sie neue Akkus in das Aufzeichnungsgerät und legte mir einen Gürtel an. Morgen früh um acht Uhr soll ich das alles wieder abgeben und der Befund wird direkt an meinen Hausarzt geschickt – es sei denn, es wird etwas Schwerwiegendes festgestellt, dann bekomme ich direkt Nachricht bis zum Wochenende.

Jetzt laufe ich schon den ganzen Tag damit rum. Die Messpunkte spüre ich kaum, aber das Gerät am Gürtel und diese Kabel nerven. Aber was soll’s, ist ja nur bis morgen früh.

:: Bewerbung

Heute habe ich Bewerbungsphotos machen lassen. Wenn ich schon in der Stadt unterwegs war, konnte ich das gleich mit erledigen. Gleich nach dem Besuch beim Kardiologen fuhr ich also zum Photographen. Dummerweise war gerade an diesem Morgen das Gerät defekt und das benötigte Ersatzteil wurde erst für den Nachmittag erwartet. Weil ich nachmittags sowieso noch mal in der Nähe sein würde, konnte ich erst zwei andere Termine wahrnehmen.

Das Bewerbungsphoto war nachmittags innerhalb weniger Minuten erledigt. Der Photograph ist klasse! Am Abend hab ich mir dann einen Drucker von der Firma geliehen und die Bewerbung damit ausgedruckt. Damit sich das Ausleihen auch für die Firma lohnt, hab ich einen Werbeauftritt entworfen und fertiggestellt. Morgen kann die Bewerbung dann in die Post und dann brauch ich wirklich jeden gedrückten Daumen, den ich kriegen kann!

:: *tempus fugit*

Außerdem habe ich mein Tagebuch heute mal auf Papier gebracht. Hätte nicht gedacht, dass da so viele Seiten rauskommen… Nicht mehr lang, dann hab ich nen fetten Leitz-Ordner mit meinen Aufzeichnungen gefüllt.

Ich leg mich jetzt auf mein Bett, das inzwischen mit sonnengelber Bettwäsche bezogen ist und dem grauen kalten Herbstwetter trotzt.

 

Entspannung

Mit müden und ganz kleinen Augen begann der heutige Sonntag. Ich war spät ins Bett gegangen, denn nach zwei Tassen Kaffee anlässlich lieben Besuches gestern Abend konnte ich nicht schlafen. MK hat mir zwei DVDs mitgebracht: „Batman Begins“ und „Garden State“. Neugierig war ich ja schon, wollte den Flattermann schon im Kino sehen. Gegen ein Uhr fuhr MK wieder nach Hause und ich legte den Film ein. Düster zeigt die Geschichte die Anfänge um die berühmte Fledermaus, mitgerissen und gefesselt selbst zu später Nacht blieb ich also lange wach.

Derweil verbrachte mein Schatz seine letzte Nacht in Frankreich. Erleichterung schon als ich gegen drei Uhr ins Bett krabbelte und ein gutes Gefühl, als ich morgens meine Augen aufschlug. Gemütlich war’s, allein die Vorstellung, dass er bei mir wäre. Lächelnd drehte ich mich noch einmal in meine Bettdecke ein und entschlummerte ein weiteres Mal.

Angenehm warm war es in meinem Schlafzimmer. Während die graue Luft vor meinem Fenster grau, trüb und zweifellos ungemütlich kalt war, konnte ich nahezu unbekleidet und völlig entspannt meine Bettdecke von mir strampeln und gähnend zum Fenster tapsen. Wie es sich für einen Sonntag gehört war es draußen still und ruhig, fast regungslos. Es schien, als wäre die ganze Stadt noch nicht aufgestanden.

Ich stellte eine Tasse Kakao in die Mikrowelle, schubste zwei Scheiben Brot in den Toaster und schaltete das Radio ein. Dido war anscheinend schon wach und bedankte sich für den schönsten Tag ihres Lebens.

Mein kurzer Vormittag plätscherte so ganz in Ruhe vor sich hin. Irgendwann stieg ich unter die Dusche und ließ heißes Wasser auf mich herunterregnen. Meine Bartstoppeln ließ ich ausnahmsweise mal da, wo sie waren – immerhin sieht mich heute sowieso niemand.

Auch der Nachmittag gab nicht viel her. Ich lümmelte mich auf mein blaues Sofa und sah mir einen Film aus meiner DVD-Sammlung an. ’A cause d’un garçon’ ist der Titel einer Coming-Out-Geschichte. Etwas anstrengend anzusehen, weil mein Französisch nicht so gut ist, dass ich auf die deutschen Untertitel verzichten könnte.

Am Abend klingelte dann mein Telefon. Gerd war wieder zu Hause und es tat irre gut, nach einer Woche seine Stimme zu hören. Wir erzählten einander, was unsere Woche so hergegeben hat und schon jetzt ist seine nächste Zeit für die Woche und möglicherweise für das kommende Wochenende ziemlich ausgebucht… Ich hoffe wir bekommen dennoch Gelegenheit, einander bald zu sehen.

 

Distanzen

Heute sieht es so richtig herbstlich aus da draußen. Dicke graue Wolken haben den blauen Himmel vom Vormittag verhängt und die Bäume haben sich nun endgültig in den langen Winterschlaf zurückgezogen. Was vom Laub übrig ist, liegt auf dem nassen, kalten Boden.

Dennoch kommt bei mir keine düstere Stimmung auf. Hier in meiner Bude ist es kuschlig warm, aus meiner Stereoanlage klingt die Stimme von James Blunt und morgen endlich kehrt mein Engel aus Paris zurück. Die Woche erschien mir endlos lang und lächerlich kurz dagegen erscheint mir nun die Distanz von 100 km zwischen uns im Vergleich zu Paris.

Nach dem Wunsch meiner Firma, mich zu behalten, habe ich gestern Abend die erste Bewerbung verfasst. Mit ihr will ich versuchen direkt bei meinem Wunschunternehmen zu landen. Allzu optimistisch bin ich nicht, denn ich weiß, dass dort in Kürze eine Fusion ansteht und dementsprechend sicher zunächst Personal zu viel beschäftigt ist. Aber es ist ja nur meine erste Wahl und ich wäre dumm, es nicht zu versuchen. Im Lauf der kommenden Woche werde ich sie auf den Weg schicken. Zunächst steht natürlich noch ein Besuch beim Photographen an.