Buch: Wolkengaukler

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Anett Leunig
  • Land: Deutschland
  • Verlag: dead soft
  • Seiten: 284 (Print-Ausgabe)
  • Erzählform: Ich-Form
  • erschienen: 2009 / 2012
  • ISBN: 9783934442443
  • gelesen: 19.01.2014 – 21.01.2014
  • Gestaltung: 4 von 5
  • Orthographie: 4 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 4,6 von 5

Worum geht’s?

Der siebzehnjährige Jann aus Braunschweig verbringt die Sommerferien bei seinem Cousin Christoph und dessen Mutter Melanie in München. Die beiden haben sich seit Janns und Christophs Kindheit nicht gesehen. Zu hause hat Jann gerade ein paar Schwierigkeiten: Seine Schulnoten sind tief in den Keller gerutscht und zu allem Überfluss besteht sein Vater darauf, dass Jann später in sein Geschäft einsteigt – eine Apotheke.

Jann wird von seinen Verwandten in München herzlich aufgenommen und besonders Christoph übt eine merkwürdige Anziehungskraft auf ihn aus. Die jungen Männer verlieben sich ziemlich schnell ineinander, was ein neues Problem für Jann aufwirft: Christoph wird bald für ein halbes Jahr ein Auslandssemester antreten – in Kanada! Dass er außerdem entdeckt hat, dass er schwul und ausgerechnet mit seinem eigenen Cousin zusammen ist, beschwört ein Drama mit seiner Familie herauf, da ist er sich sicher. Doch die Beziehung mit Christoph gibt ihm Vertrauen und Sicherheit, ein starkes Fundament für seine Zukunft. Es gelingt ihm, zu entdecken, was er selbst von seinem Leben erwartet und nimmt es selbst in die Hand. Er beginnt, Pläne zu schmieden und legt sich mächtig ins Zeug, um sie zu erreichen. Die nächsten Monate sind für ihn unheimlich anstrengend, aber auch genau so produktiv. Es scheint, als öffnete er erst jetzt, siebzehn Jahre nach seiner Geburt, wirklich seine Augen.

Und wie war’s?

Auf der Suche nach einer neuen schwulen Liebesgeschichte bin ich auf „Wolkengaukler“ gestoßen. In diesem Beitrag ist ein anderes Cover abgebildet als das, welches das E-Book ziert. Die Gestaltungspunkte hat das Buch aufgrund des hier gezeigten Covers erhalten. Das andere hat mich zwar zum Kauf animiert, meine Erwartungen an die Geschichte aber wirklich sehr flach gehalten. Weil der Preis für das Buch sehr niedrig war, bin ich das Risiko glücklicherweise eingegangen.

Ich kann kaum glauben, dass die Print-Ausgabe „nur“ knapp 300 Seiten stark sein soll. Ich habe das E-Book gelesen und dafür einen halben Sonntag und zwei Abende benötigt. Das spricht sehr für die Erzähldichte und besonders für die Lesbarkeit des Buches. Anett Leunig gebraucht einfache Sätze für ihre Geschichte, sie verschachtelt nicht, die schnörkelt nicht, der Ausdruck ist klar und präzise. Sie versucht nicht, aus dem Buch unbedingt ein Kunstwerk zu machen. Das machte es mir sehr leicht, die Geschichte in einem Echt-Zeit-Tempo zu lesen, die Figuren in meinem Kopf spielen, gestikulieren, innehalten, auf Nuancen achten zu lassen. Die heraufbeschworenen Bilder wurden dadurch beinahe real.

Erotik kommt in „Wolkengaukler“ keinesfalls zu kurz! Ausgeprägt, intensiv, magisch schillernd und ein bisschen verrucht ist sie meistens allgegenwärtig und unverblümt. Nur einmal hatte ich das Gefühl, dass sie fehl am Platze wäre (im Getreidefeld).

Was die Bewertung betrifft, so wollte ich meinen persönlichen Bonus anwenden, um zu kennzeichnen, dass dieses Buch (wenn es denn physisch vorhanden wäre) einen Platz in meinem Lieblingsregal erhalten würde. Aber den Bonus hat das Buch nicht nötig, denn es hat auch so fast die Höchstnote erhalten.

Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Ich bewerte die Orthographie eines Buches in der Regel nur dann, wenn ich glaube, dass ein professionelles Lektorat die Schreibfehler beseitigt hat. Hier mache ich eine Ausnahme, denn Anett Leunig und ihre vier in der Danksagung genannten Freunde haben sprachlich gute Arbeit geleistet und die Wertung muss sich wirklich nicht verstecken.

Die Geschichte hat mich von Anfang an bis zum Ende durchgehend gefesselt. Sie machte mich neugierig, gespannt, sie berührte mich zutiefst und unterhielt mich so gut, dass ich in den letzten zwei Tagen förmlich nach Gelegenheiten suchte, in diesem Buch zu lesen. Auch strukturell kann ich nicht meckern. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, in denen sich die Autorin (immer aus Sicht des Ich-Erählers Jann) bestimmten Personen widmet, ohne dabei den Erzählfluss oder gar den Anschluss zu verlieren. Erinnerungspunkte sammeln den Leser mit fortschreitender Geschichte wieder ein, damit er nicht verloren geht.

Was das Erscheinen der Figur Céline betrifft, so darf man sich trefflich darüber streiten, ob das nicht ein bisschen Zufall zuviel gewesen ist. So what, mir hat es gefallen! Die Geschichte wurde dadurch nicht gestört (man bedenke: eine schwule Liebesgeschichte, die von einem Mädchen nicht gestört wird!). 😉

Wer nicht gerade Voltaire, Irving oder Shakespeare erwartet und Schmetterlinge im Bauch nicht scheut, dem darf ich dieses Buch ans Herz legen.

 

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