Wintermond

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: M(arisa) Hart
  • Land: Deutschland
  • Verlag: Himmelstürmer
  • Seiten: 549
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2011
  • ISBN: 9783863610005
  • gelesen: 2011 (14.06. – 17.06.)
  • Einbandgestaltung: 4 von 5
  • Orthographie: 1 von 5
  • Ausdruck: 3 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 4,1 von 5

Band 1: Wintermond
Band 2: Sommermond

 

Ben Richter ist Student der Architektur. Er beginnt ein Praktikum bei dem bekannten Architekten Johannes Tannenberger in Hamburg. Für die Dauer des Praktikums wohnt er in dessen Villa. Tannenberger hat einen Sohn, Alex, der in Bens Alter ist. Die beiden haben einen glücklosen Start, weil Alex den Neuankömmling anfangs für jemand anderen hält. Mit dem Architekten kommt der Student hingegen bestens klar, was sein Verhältnis zu Alex nur umso stärker belastet, denn die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Jo und Alex ist miserabel. Alex hat hohe Spielschulden, als sich sein Vater unerwartet weigert, weiter für den kostspieligen Lebensstil seines nichtsnutzigen Sohnes aufzukommen. Stattdessen ist Jo von Bens Ehrgeiz begeistert und scheint in ihm einen Ersatzsohn gefunden zu haben. Alex, der seine Spielschulden nicht begleichen kann, gerät extrem unter Druck und lässt seinen Frust bei jeder Gelegenheit an Ben aus. Als er erfährt, dass der Praktikant schwul ist, nährt das seine Abneigung gegen den neuen Liebling seines Vaters. Ben hingegen versucht, zu ergründen, warum Alex ihn so extrem feindselig behandelt.

Alex unbezahlte Spielschulden werden dringlicher. Er wird von seinen dubiosen Gläubigern bedroht und gerät aus Verzweiflung tiefer und tiefer in eine ausweglose Situation. Es gelingt Ben, in kurzen Momenten zu ihm durchzudringen und bekommt Bruchstücke von dessen Situation mit. Gleichzeitig fühlt er sich von Alex angezogen, trotz und auch wegen dessen Schikanen, die Ben bald als Maske enttarnt. Alex fühlt sich in Bens Gegenwart unwohl, genießt es aber auch, ihn zu trietzen und eine gewisse Macht über den Studenten auszuüben. Als seine Gläubiger ihm das Wichtigste in seinem Leben nehmen, ist Alex verzweifelt. Ben ist für ihn da und zum ersten Mal nähern sich die beiden Männer einander an. Alex Verwirrung und sein Hass auf den schwulen Ben werden dadurch noch größer. Letztlich erkennt Alex jedoch, dass Ben sein einziger Halt ist. Zögerlich bemerkt er, wie sich sein Leben auf den Kopf stellt und er sich in den Studenten verliebt. Dabei bürdet er sich eine enorme Verantwortung auf, die er angesichts seiner erdrückenden Probleme nicht zu schultern weiß…

549 Seiten sind ein ungewöhnlich umfangreiches Ausmaß für einen Himmelstürmer- Roman. Wie üblich bin ich mit gemischten Erwartungen an das Buch herangegangen. Ich lese die Bücher dieses Verlages besonders gern, weil ich die schwulen Liebesgeschichten so mag, das herrliche Kribbeln im Bauch, wenn sich die Figuren einander annähern und sich verlieben, außerdem die prickelnde Erotik, die sich vollkommen unverblümt entfalten darf. Auf der anderen Seite stehen regelmäßig der seichte Stil, die vielen Schreibfehler und Unmengen an Klischees. Die Schreibfehler gibt auch dieses vorliegende Buch in großer Zahl her, ebenso den seichten Stil. Klischees gibt es auch, allerdings kaum aus der schwulen Schublade, sondern eher aus diversen Kriminal- oder Mafia-Romanen.Nachdem ich den Stil nach ungefähr fünfzig Seiten angenommen hatte, konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Tatsächlich musste ich unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht. Die Autorin versteht es, der Handlung das richtige Tempo zu verleihen und die richtigen Kicks an der richtigen Stelle zu setzen. So nimmt die Story nach und nach soviel Fahrt auf, dass ich streckenweise mitgefiebert und regelrecht gezittert habe. Dabei sind auch noch so unglaublich viele Emotionen im Spiel, dass man kaum weiß, wie einem geschieht. Lediglich der Anfang und das Ende sind überhaupt nicht gelungen. Am Anfang ergeht sich die Geschichte in langweiligen Details, die nicht so recht von der Stelle kommen, am Ende hingegen hört die Geschichte auf und lässt den Leser, der bis dahin in jeden Gedanken der handelnden Personen eingeweiht worden war, plötzlich mit vielen Fragen direkt im Showdown unbefriedigt zurück. „Fortsetzung folgt…“ steht unter dem letzten Satz. So ein Blödsinn! Ich wüsste doch so gern, wie die Geschichte ausgeht. Gibt es tatsächlich eine Fortsetzung? Und wenn ja, wie lange muss ich auf die Auflösung warten? Das nervt ziemlich und kostet das Buch damit einen Extra-Punkt.

Ansonsten ist die Punkteverteilung recht einfach. Das Buch hat mich sehr stark berührt, damit hätte es die volle Punktzahl verdient. Die Struktur ist fast zu gut, der Leser geht auf keinen Fall unterwegs verloren, weil die wichtigsten Stationen (für meinen Geschmack schon zu) oft wiederholt werden. Die Autorin ergeht sich zuweilen zu sehr in Details, die wohl mehr Atmosphäre schaffen sollen, viele Sätze dadurch aber unheimlich in die Länge ziehen. Manche Recherche-Ergebnisse hätten zudem etwas besser verpackt werden können, um sie weniger offensichtlich als solche niederzuschreiben. Abzüge gibt es für die vielen Schreibfehler, den seichten Stil und für die unfertige Geschichte. Einen persönlichen Bonuspunkt gibt es hingegen für die Art, wie mich die Geschichte berührt und unterhalten hat. Das Buch kommt somit auf vier von fünf möglichen Punkten.

Die Fortsetzung erscheint laut Verlag unter dem Titel „Sommermond“ im Juli 2011, und ich freue mich schon darauf.

24. Juli 2011: Vor drei Tagen sollte „Sommermond“ erscheinen. Aber es noch tut sich nichts…

24. August 2011: Ich habe das Buch jetzt direkt beim Verlag bestellt, dort ist es vor einigen Tagen endlich erschienen. Morgen soll es in meinem Briefkasten sein, ich bin schon gespannt…

Oh nein, jetzt ist auch meine Vorbestellung bei Amazon bearbeitet worden. Dann habe ich morgen zwei davon… *lol* Erst kommt keins und jetzt…

 

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