Buch: Will & Will

Coverabbildung
Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: John Green / David Levithan
  • Land: USA
  • Verlag: cbt
  • Seiten: 384
  • Erzählform: Ich-Form
  • erschienen: 2012
  • gelesen: 05.10.2014 – 29.10.2014
  • ISBN: 9783570161036
  • Gestaltung: 2 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 3 von 5
  • Persönlicher Faktor: +1
  • Gesamturteil: 4,9 von 5

Originaltitel: Will Grayson, Will Grayson
Originalverlag: Dutton Books, New York
Aus dem Amerikanischen von Bernadette Ott

Auch empfehlenswert: Noahs Kuss und plötzlich ist alles anders (David Levithan)

Worum gehts?

Will Grayson ist Schüler an einer typischen amerikanischen Highschool. Er hält sich grundsätzlich lieber am Rand auf, als sich mitten ins Getümmel zu stürzen und wenn er nicht auffällt, ist ihm das gerade recht. Wills bester Freund heißt Tiny. „Tiny“ ist das englische Wort für winzig, was deshalb erwähnenswert ist, weil Tiny der größte Mensch ist, den Will kennt. Diese Riesenhaftigkeit bringt es mit sich, dass Tiny es gar nicht vermeiden kann, immer und überall von jedem gesehen zu werden. Das macht aber auch nichts, denn Tiny steht unheimlich gern im Mittelpunkt. Scheinbar ist er so selbstverliebt, dass er an der Schule ein eigenes Musical herausbringen will, dass sich um seine Person dreht.

Dann gibt es da noch einen anderen Will Grayson. Er ist ebenfalls Schüler an einer (anderen) typischen amerikanischen Highschool. Seine Familienverhältnisse sind einigermaßen ungeordnet und Will hängt am liebsten seinen düsteren Gedanken nach. Nur dann nicht, wenn er mit Isaac chattet. Will ist über beide Ohren in den Jungen verknallt, den er im Übrigen noch nie gesehen hat. Niemand weiß von Isaac, weil niemand weiß, dass Will schwul ist. Eines Tages verabreden sich die beiden Jungs das erste Mal. Will erfindet eine Ausrede, um Isaac in Chicago zu treffen. Dort angekommen erlebt er jedoch eine böse Überraschung…

Und wie war’s?

Ich gebe zu: Für dieses Buch habe ich zwei Anläufe gebraucht. Gekauft hatte ich es nach der Lektüre von „Noahs Kuss“ und hatte – weil der Autor auch an Will & Will mitgeschrieben hat – einen ähnlichen feelgood-Roman erwartet. Weit gefehlt, dachte ich, als ich mich durch die ersten fünfzig Seiten gequält hatte. Düsterer amerikanischer Kleinstadtalltag, überforderte Jugendliche und eine riesengroße Dramaqueen – das war überhaupt nicht, was ich erwartet hatte. Also verschwand das Buch Monate lang in meiner Nachttischschublade. Erst ein Film, den ich neulich gesehen habe, brachte mich überraschend wieder zu Will & Will zurück: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ wurde von John Green geschrieben und der Film hat mich regelrecht umgehauen. Wenn also zwei begnadete Autoren an einem gemeinsamen Buch schreiben, muss dabei entweder eine Vollkatastrophe oder ein Meisterstück herauskommen.

Was ich anfänglich für einen Reinfall hielt, stellte sich am Ende als eine der besten Geschichten heraus, die ich je gelesen habe. Als Will Grayson nach Chicago fährt, um zum ersten mal seine große Internet-Liebe Isaac zu treffen, geht die eigentliche Geschichte erst los. Bis dahin muss man als Leser hundert Seiten „überstehen“, auf denen wir in die Psyche der beiden Wills eingeführt werden. Aber dann kommt schon der erste große Knall: Isaac gibt es nämlich gar nicht! Er war nichts weiter eine ausdauernde Erfindung von Maura, Wills Gothic-„Freundin“. Für Will bricht eine komplette Welt in sich zusammen. Trauer, Verzweiflung und unbändige Wut brechen in seinen ohnehin schon nicht besonders fröhlichen Gemütszustand.

Gleichzeitig begegnet er Will Grayson – dem anderen. Diese schicksalhafte Begegnung ist Wills Rettungsanker und der Wendepunkt der Geschichte. Hier beginnen die bis dahin unabhängigen Leben von Will und Will zusammenzuwachsen. Ausgerechnet Tiny ist daran nicht ganz unschuldig, denn er verliebt sich in den Will mit der ständig dunklen Wolke über dem Kopf. Und Will, der gerade seine große Liebe Isaac verloren hat, verliebt sich stattdessen in den riesigen Tiny. Hier nimmt die Geschichte richtig an Fahrt auf, die Ereignisse überschlagen sich. Das müssen auch die Figuren feststellen, denn sie kommen selbst nicht mehr mit und verlieren sich beinahe unterwegs.

Tiny bringt übrigens sein Musical tatsächlich noch auf die Schulbühne und bildet damit einen ergreifenden Showdown der Geschichte.

Zur Bewertung: Die Gestaltung hat von mir Abzüge erhalten. Das Buchcover ist nicht unbedingt ansprechend. Wenn man will, kann man in die Abbildung etwas hineininterpretieren, aber mir hat sie nicht gefallen. Einen weiteren Abzug habe ich angewandt, weil die Kapitel eines der beiden Wills stets in Kleinbuchstaben geschrieben sind. Das soll natürlich dazu dienen, sie zu unterscheiden. Mich hat das aber eher gestört und von einem Tag auf den anderen wusste ich auch schon nicht mehr, welcher von den beiden jetzt normal und welcher in Kleinbuchstaben schreibt – vor allem, als sich die beiden Leben später vermischen. Dummerweise hat das gleich einen Parallelabzug für die Struktur eingebracht. Am Ende blieben nur 3,9 Punkte übrig. Das ist zwar durchaus ordentlich, drückt aber nicht aus, dass mir die Geschichte letztlich besonders gut gefallen hat. Also musste ich meinen berüchtigten Zusatzpunkt vergeben und das Buch damit einen Level hochschummeln.

Will & Will ist ein komplexes Coming-of-age-Diorama, dessen ganze Bandbreite sich dem Leser tatsächlich erst am Ende erschließt. Ich kann trotz anfänglicher Vorbehalte die Geschichte jedem empfehlen und rate dazu, sich von der langen Charaktereinführung nicht abschrecken zu lassen.

 

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