Buch: Two Boys Kissing

 

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Einbandgestaltung: 4 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • Lesevergnügen: 4 von 5
  • Gesamtwertung: 4,1 von 5

Aus dem Amerikanischen von Martina Tichy

Harry und Craig sind schon längst kein Paar mehr, als sie beschließen, den Weltrekord im Dauerküssen zu übertreffen.

Neil und Peter sind ein Paar. Dass sie sich lieben, ist nicht neu, und so müssen ihre Küsse eigentlich nichts mehr beweisen.

Cooper ist ein ungeküsster Teenager, dessen sexuelle Erfahrung er aus heimlichen Schmuddelchats im Internet speist – bis er eines Tages den einen Fehler begeht, darüber einzuschlafen.

Ryan und Avery sind zwei Jungs, die sich am offensichtlichsten durch ihre Haarfarben von anderen abgrenzen, der eine pink, der andere blau. Ihre Farbenpracht ist es, die sie zueinander führt und ohne die sie sich sonst womöglich nie aufgefallen wären. Ihr erster Kuss entwickelt sich langsam und mit viel romantischer Vorbereitung.

Die Geschichte um zwei sich küssende Jungs ist inspiriert von zwei amerikanischen Highschool-Schülern, die einen Guiness-Weltrekord im Dauerküssen aufstellten. David Levithan stellt diesen Kuss, der so plakativ und scheinbar unbedeutend ist, in den Mittelpunkt dieses Buches. Rundherum versammelt er Küsse, die ganz eigene Bedeutungen für ihre Verursacher haben. Für die einen ist es der ausdrückliche Beweis für Zuneigung und vielleicht Liebe. Für die anderen eine gewohnte Geste mit kaum mehr Bedeutung als ein lieb gemeinter Händedruck. Manche fürchten sich vor dem Kuss, andere fiebern ihm entgegen, hoffen, den Moment nicht zu verpassen.

Für ein ungewohntes, anfangs sehr irritierendes Lesegefühl sorgt David Levithan, indem er dieses Buch aus der Sicht tausender Männer schreibt, die während der ersten großen Welle an AIDS gestorben sind und deren flüchtige Geister mit einer Mischung aus Neid und Stolz auf die Jungs der neuen Generation blicken. Sie sind stolz auf die Grundsteine, die sie noch zu Lebzeiten für die Rechte Homosexueller gelegt haben, für all die Küsse, die es heute ohne sie nicht geben würde.

Dabei bleibt er Autor realistisch. Die schwule Welt besteht nicht nur aus bunten Farben, das wird auch in diesem Buch deutlich. Da gibt es die, die einfach den Kopf schütteln. Da gibt es die, die im Schutz der Massen Parolen brüllen. Da sind die, die im Rudel auf Schwächere losgehen, um sie ein bisschen zu mobben. Und dann sind da solche, die – auch im Rudel – über das Mobben weit, weit hinausgehen. Manche von uns zerbrechen daran. Andere werden wachsamer, aber stärker und setzen Himmel und Hölle in Bewegung, um den einen zur Schau gestellten Kuss zweier Jungs zu ermöglichen, zu beschützen und in die Welt zu tragen, damit die richtigen Leute Anteil an ihm nehmen können.

Auffällig ist, dass es keine Kapitel gibt. Zwar sind einzelne Abschnitte durch deutliche Absätze kenntlich gemacht. Im Grunde aber liest man das Buch in einem Stück. Das ist nur gerecht. Schließlich dürfen auch Craig und Harry ihren Kuss nicht für eine Sekunde unterbrechen.

„Two boys kissing“ ist ein weiterer, sehr empfehlenswerter Roman von David Levithan, der zum Nachdenken und Schwärmen einlädt.

Unsere Küsse waren erderschütternd. Wenn die Falschen es sahen, konnten sie uns vernichten. Wenn die Richtigen daran Anteil nahmen, hatten sie die Macht der Bekräftigung, die Stärke der Bestimmung.

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