Sturz der Titanen

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Ken Follett
  • Land: England
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Seiten: 1.024
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2010
  • ISBN: 9783838702025
  • gelesen: 2011 (06.04. – 17.06.)
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 4 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • Gesamtwertung: 4,6 von 5

Sturz der Titanen ist der erste Band einer geplanten Trilogie über Politik und Gesellschaft des 20. Jahrhunderts. Den Umfang von immerhin 1.024 Seiten sind wir von Follett durch die Bestseller Die Säulen der Erde und Die Tore der Welt schon gewöhnt. In dem vorliegenden ersten Band der „Jahrhundert-Saga“ widmen wir uns ganz dem ersten Weltkrieg und seinen Begleitumständen. Aus der Sicht ausgewählter Protagonisten verschiedener Nationen und Gesellschaftsschichten webt Follett ein nachvollziehbares Dokument über die Ereignisse, die zum ersten Weltkrieg führten, über die Manipulation des gemeinen Volkes und dessen Einfluss auf die herrschenden Schichten.

Nichtsdestotrotz bleibt Sturz der Titanen ein Roman, in dem Follett Historisches mit Fiktion verbindet. Reale Personen interagieren mit Romanfiguren, wobei Follett nach eigener Aussage stets darauf geachtet hat, dass die Dialoge der echten Personen entweder tatsächlich stattgefunden haben oder zumindest möglich gewesen wären.

Besonders viel Gewicht legt der Autor dabei auf die Engstirnigkeit der herrschenden Klasse – insbesondere der Männer und allen voran der Briten und Franzosen. Natürlich bekommen auch die Deutschen ihr Fett weg, werden in diesem Roman jedoch letztlich eher als Opfer nationalistischer Militärs, eines debilen Kaisers und einer ungünstigen geographischen Lage inmitten nicht minder aggressiver Staaten dargestellt. In der Ausgangssituation schildert Follett eindringlich, dass Deutschland als Verbündeter Österreichs keine Wahl bleibt, in dessen Krieg gegen Serbien einzutreten. Die übrigen europäischen Mächte sehen ihre Interessen (also das Machtverhältnis in Europa) gefährdet und stellen sich auf die Seite der schwächeren Nation und damit gegen Deutschland (und Österreich, das nach Entfachen des Krieges jedoch keine wirkliche Rolle mehr in diesem Roman spielt). Auch der russische Zar entsendet eine Armee, um Serbien gegen Deutschland zu verteidigen.

Die persönlichen Schicksale der Protagonisten, die wir vor dem Krieg kennen lernen, begleiten uns während des Krieges und darüber hinaus. Follett beschreibt eindrücklich, wie Freunde gezwungen werden, gegeneinander zu kämpfen. Besonders lebhaft ist mir eine Szene auf dem Schlachtfeld in Erinnerung geblieben, wo sich Soldaten gegnerischer Armeen begegnen und sich Fragen, was genau eigentlich der Grund ist, weshalb sie sich bekriegen. Sie feiern sogar das Weihnachtsfest miteinander, nur um sich tags darauf wieder mit Granaten gegenseitig in Stücke zu reißen, weil ihre Offiziere es ihnen befehlen. Die Offiziere kommen bei Follett ganz schlecht weg. Die meisten von ihnen sind Adlige, die allein aufgrund ihrer gesellschaftlichen Herkunft das Sagen haben, tatsächlich aber hauptsächlich persönliche Ziele verfolgen und die Soldaten (hauptsächlich Unter- und Mittelschicht) durch ihre Unfähigkeit zu Millionen in den Tod schicken.

Die Schauplätze sind mannigfaltig in diesem Roman. Wir bewegen uns auf dem größten Teil des europäischen Festlandes und natürlich in Großbritannien, aber auch in weiten Teilen Russlands und der Vereinigten Staaten. Von überall her bindet Follett Protagonisten ein und schafft es auf diese Weise, viele verschiedene Sichtweisen und Interessen offen zu legen. Konservative, Reaktionäre, Nationalisten und Idealisten kommen zu Wort, Bergarbeiter, Kaufleute, die High Society und das Militär, Männer und erstmals auch Frauen. Sie alle bilden ein derart komplexes Gewebe aus Interessen, Intrigen und Idealen, dass es letztlich fast schwer fällt, Gut und Böse auseinander zu halten. Am Ende von Sturz der Titanen steht kein Stein mehr auf dem anderen. Doch die nächsten Titanen stehen schon bereit. Allen voran im demoralisierten und von den Siegermächten völlig destabilisierten Deutschland brodelt bereits die nächste Revolution, die scheinbar niemand kommen sieht…

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