Sommermond

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: M(arisa) Hart
  • Land: Deutschland
  • Verlag: Himmelstürmer
  • Seiten: 567
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2011
  • ISBN: 9783863610579
  • gelesen: 2011 (28.08. – 08.10.)
  • Einbandgestaltung: 3 von 5
  • Orthographie: 1 von 5
  • Ausdruck: 3 von 5
  • Unterhaltung: 2 von 5
  • Struktur: 2 von 5
  • Persönlicher Faktor: +1
  • Gesamtwertung: 3,2 von 5

Band 1: Wintermond
Band 2: Sommermond

 

:: Vorgeschichte ::

Im ersten Band erfuhren wir, dass Alex, der viel Geld beim Pokern verloren hat, in ernsthaften Schwierigkeiten steckte. Während er verzweifelt versuchte, eine Menge Geld aufzutreiben um seine Schulden zu begleichen, verliebte er sich überraschend in den Praktikanten Ben, der von den Erfahrungen von Alex‘ Vaters, dem Stararchitekten Johannes Tannenberger, profitieren sollte. Bei der geplanten Geldübergabe kam es zu einer handfesten Auseinandersetzung mit Diego, der Alex in die ganze Sache hineingezogen hatte. Dabei wurde Ben, der Alex zu Hilfe eilen wollte, von einem Schuss in die Brust niedergestreckt.

:: Inhalt ::

Band 2 knüpft nahtlos an die zurückliegenden Ereignisse an. Ben liegt nach einer Not-Operation bewusstlos im Krankenhaus, während Alex unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft sitzt. Bens Eltern und sein Ex-Freund Nick sind aus Flensburg nach Hamburg angereist. Sobald Ben zu Bewusstsein kommt, wird er von der Polizei vernommen. Dank seiner Aussage kommt Alex vorerst wieder frei, während Ben aufgrund seiner schweren Schussverletzung weiter in der Klinik bleiben muss. Bens Familie macht Alex verantwortlich für den Vorfall. Johannes hat seine Vaterrolle nie besonders leidenschaftlich ausgeübt und ist seinem Sohn keine große Hilfe. Schließlich erfährt Alex, dass Diego mit seinem Geld untergetaucht ist. Der Pokerclan verlangt also noch immer die gesamte Summe von Alex, der das Geld aber nicht ein zweites Mal auftreiben kann.

Er wird entführt, in einen Keller gesperrt, über mehrere Tage gefoltert und gezwungen, seinem Freund unter einem Vorwand den Laufpass zu geben. Sie drohen ihm, Ben zu töten, falls Alex sich weigert. Er erfährt, dass er es mit der spanischen Mafia zu tun hat und fügt sich verzweifelt in sein Schicksal.

Ben ist am Boden zerstört und fährt nach seinem Klinikaufenthalt mit seiner Familie zurück nach Flensburg, wo es ihm nur schwer gelingt, sich Alex aus dem Kopf zu schlagen. Alex wird derweil gezwungen, die russische Mafia zu unterwandern, um deren Oberhaupt dem Spanier auszuliefern. Um das Vertrauen der Russen zu gewinnen, muss Alex mit Kokain dealen, scheinbar sehr erfolgreich, damit die Russen auf ihn aufmerksam werden. Bald trifft er mit dem Anführer der Russenmafia zusammen, der ihn beauftragt, mehr Kokain zu beschaffen und es für ihn zu verkaufen. Der Plan des Spaniers geht auf.

Derweil lernt Ben in Flensburg den attraktiven Peer kennen, kann sich ihm aufgrund seiner starken Gefühle für Alex aber nicht hingeben. Alex hingegen vögelt sich mit seiner frisch entdeckten Leidenschaft für Männer quer durch Hamburg, um den Verlust seines Freundes und seine ausweglose Situation zu verdrängen. Als Ben ein Stipendium für ein Auslandsjahr in den USA erhält, fährt er nach Hamburg, um sich von Alex zu verabschieden und zu klären, wie die beiden zueinander stehen. Dabei erkennt er seinen Freund nicht wieder. Er steht unter Drogen, beschimpft Ben, tatsächlich ist er entsetzt über Bens Erscheinen, denn er tut alles für die Mafia, um seinen Freund zu beschützen. Erst am folgenden Tag öffnet er sich dem Flensburger und erzählt ihm alles. Ben muss ihm versprechen, nicht die Polizei einzuschalten, denn die Spanier haben gedroht, Ben dann umzubringen.

Doch tags darauf schaltet Ben eigenmächtig und heimlich die Polizei ein, weil er befürchtet, dass sein Freund als Spion der einen gegen eine andere Mafia kaum überleben wird. Alex ist derweil hin und her gerissen zwischen dem Drang, Ben nahe zu sein und ihn wegzuschicken. Er ist erschüttert, als er von Bens Stipendium erfährt. Nachdem Alex seit Monaten für das Leben seines Freundes kämpft, beabsichtigt dieser, sich für ein Jahr aus dem Staub zu machen. Im Streit beenden die beiden ihre Beziehung.

Am nächsten Tag soll der Plan des Spaniers, das russische Mafia-Oberhaupt umzubringen, mit Alex‘ Hilfe ausgeführt werden. Bei der inszenierten Übergabe einer großen Menge Rauschgift an den Russen taucht wie geplant der Spanier auf, um seinen Rivalen zu erschießen. Doch die Polizei hat das Gelände umstellt und schafft es, Alex zu retten und die Mafiabosse festzunehmen.

In Flensburg gibt der niedergeschlagene Ben eine Abschiedsparty für seine Freunde. Er hofft, dass Alex aus Hamburg kommt, um sich von ihm zu verabschieden. Er betrinkt sich, und inmitten eines emotionalen Moments steht Alex plötzlich in der Tür…

:: Bewertung ::

Es ist auffällig, dass ich Band 1 in drei Tagen gelesen hatte und für Band 2 sechs Wochen benötigt habe. Rein sprachlich unterscheiden sich die beiden Bücher natürlich nicht, Stimmung, Gefühl und Erzähltempo jedoch sind vollkommen anders. In Band 1 verlieben sich Ben und Alex, die Geschichte hat sehr viel Emotion und Sex und ein angenehmes Erzähltempo. In Band zwei sucht man das auf den ersten drei-vierhundert Seiten vergeblich. Die dominante Emotion ist Verzweiflung und die Geschichte kommt nicht voran, weil sich die Gedanken der handelnden Figuren andauernd wiederholen. Immer wieder lese ich, dass Alex Ben vermisst und andersrum, dass Alex sein Leben aufgibt, um Ben zu retten, dass Alex verzweifelt ist und keinen Ausweg sieht, dass sein Vater kein Interesse an ihm hat, dass Ben ihn nicht versteht und so weiter. Während der ersten hundert Seiten und noch darüber hinaus bleibt Ben im Krankenhaus.

Dabei lebt die Geschichte eigentlich von dem unkonventionellen Umgang der beiden Männer miteinander. Wenn sie zusammen sind, knistert es, und das überträgt sich auf den Leser. Ihre Nähe ist kribbelnd und aufregend, leidenschaftlich und spannend. Während des Lesens von Sommermond begegnen sich die beiden jedoch immer nur mal kurz, ehe sie einander wieder verlieren. Sie streiten sich bei nahezu jeder dieser Begegnungen, Intimität gibt es so gut wie gar nicht. So in die Länge gezogen und ohne die erhofften Emotionen machte das Lesen über lange Strecken keinen Spaß und mangels Fortschritten blieb auch die Spannung zum Teil auf der Strecke.

Die enorm konstruierte Geschichte von zwei Mafia-Clans in Hamburg und Alex‘ Auftrag, die eine zu unterwandern, damit der Spanier den Russen erschießen kann ist zum Teil so absurd, dass selbst die Autorin ihre eigenen Figuren denken lässt, sie seien in einem schlechten Film.

Das Ende reißt das Ruder für mich dann noch einmal herum und bugsiert Sommermond damit in ein poröses Mittelfeld. Da erst erhält die Geschichte eine angemessene Geschwindigkeit, tonnenweise Emotion und das Happy End, das mir persönlich ganz wichtig war. Davor vertrödelt die Autorin unheimlich viele Seiten mit Nichts, die sie besser hätte füllen können, zum Beispiel mit Bens Freunden oder mehr Tiefe für Rabenvater Johannes oder Ex-Freund Nick.

Die vielen Schreibfehler, die schon im ersten Band auffällig waren, finden sich auch in Band zwei in zu großer Zahl, was ich jedoch weniger der Autorin als vielmehr den Lektoren des Verlages zur Last lege, die entweder zu wenig Kompetenz oder zu wenig Anstrengung in die Korrektur eines Buches investieren, für das der Leser rund 20 Euro zahlt – Softcover, wohlgemerkt.

Schade, nach dem fulminanten Auftakt mit Wintermond hatte ich von Sommermond mehr erwartet.

 

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