Buch: Nur eine Frage der Liebe

Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Autorin
Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Jana Walther (web)
  • Land: Deutschland
  • Seiten: 232
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2014
  • ISBN: 9781500503154
  • gelesen: 09.08.2014 – 17.08.2014
  • Einbandgestaltung: 3 von 5
  • Orthographie: –
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • Gesamturteil: 4,3 von 5

Auch empfehlenswert:
Benjamins Gärten
Phillips Bilder

Worum gehts?
Erinnert Ihr Euch noch an Phillip, der in Benjamins Garten eine Auszeit genommen, über sein Leben nachgedacht und sich in den geheimnisvollen Seth verknallt hatte? Das ist jetzt zwei Jahre her. Phillip wohnt inzwischen in einer kleinen Studentenbude in Berlin und wie nicht anders zu erwarten war, studiert er Fotografie. Als er nach Möglichkeiten für eine Ausstellung sucht, trifft er den Galeristen Christoph. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch, mehr noch, sie fühlen sich zueinander hingezogen. Dass Christoph 26 Jahre älter ist als Phillip, ist allerdings ein Problem. Bei aller wachsenden Offenheit für Homosexualität ist die gesellschaftliche Konvention hinsichtlich des Altersunterschiedes von Paaren noch ungebrochen. Das bekommen die beiden Männer zu spüren, von Freunden, von Ex-Freunden, von der Familie und von völlig Fremden. Aber auch sie selbst sind davor nicht gefeit. Der gesellschaftliche Druck ist groß und die Frage, ob ihre Liebesbeziehung gut und richtig für sie beide ist, nagt an ihnen.

Und wie wars?
Mit “Nur eine Frage der Liebe” schreibt Jana Walther bereits die zweite Fortsetzung zu ihrem empfehlenswerten Debütroman “Benjamins Gärten”. Im zweiten Band mit dem Titel “Phillips Bilder” lernten wir Phillip und seine Leidenschaft für die Fotografie kennen. Daran knüpft die Autorin nun an und entwickelt die Figur weiter.

Dass die meisten handelnden Personen schwul oder lesbisch sind, ist gar kein großes Thema mehr. Die Probleme, die diese Lebensart mit sich bringt, füllen ganze Regalwände voller Bücher. Jana Walther schreibt darüber hinaus. In diesem Buch thematisiert sie Transgender und die Beziehung eines jungen zu einem deutlich älteren Mann. Während Christoph die Verliebtheit zu genießen versucht und gleichzeitig stets ihren Verlust befürchtet, ist Phillip die Beziehung oftmals peinlich. Sein neuerliches Coming-Out verlangt ihm viel ab. Dabei ist er nicht minder verliebt als sein gut aussehender, intelligenter, wohlhabender aber eben älterer Freund. Er stolpert von einem Outing ins nächste, Schritt für Schritt erklärt er sich seinen Freunden, seinem Ex-Freund und immer wieder auch sich selbst. Auch am Ende, als das ungleiche Paar eine der schwierigsten Hürden genommen hat, ist für mich als Leser noch längst nicht alles durchgestanden, die Beziehung der beiden Männer noch nicht stabil und nach wie vor bedroht. Das macht deutlich, wie besonders schwierig sie ist. Dabei sollte doch eigentlich alles – das ist sicher die wichtigste Botschaft dieser Geschichte – nur eine Frage der Liebe sein, welcher Art auch immer.

Phillip und Christoph lieben sich, ebenso wie die lesbische Anna und die Transfrau Eva. Die Beziehung dieser beiden wird übrigens durch das ganze Buch hindurch immer wieder thematisiert, sie entwickelt sich zaghaft. Sie ist sogar noch viel ungewöhnlicher als die von Phillip und Christoph – ich meine, eine Frau, die auf Frauen steht, geht eine Liebesbeziehung mit einem Mann ein, der auf Männer steht und zur Frau wurde? Genial, auch wenn mir da ein bisschen schwindelig wird.

Dass wir in diesem Buch die Gärten, Hängematten und alten Fabrikgebäude auf dem Land hinter uns lassen, um nach Berlin zu gehen, funktioniert erstaunlicherweise bestens. An den Vorgängern gefiel mir die Unbeschwertheit, die Ruhe und die Naturverbundenheit. In schöner Kulisse durften sich die Figuren und ihre Geschichten entfalten, ohne von außen gestört zu werden. Wer hätte gedacht, dass das fast genauso auch in einer Metropole wie Berlin funktioniert? Die Autorin beschränkt die Geschichte auf einen relativ eingegrenzten Raum. Auch der Personenkreis, mit dem wir es zu tun bekommen, ist nicht viel größer als im letzten Band. Und trotzdem wirkt die Geschichte gleich urbaner, man fühlt sich nicht mehr ganz so unbehelligt und – unglaublich – längst nicht so anonym wie zuvor. Das ist doch gegen jedes Klischee.

Was mich an der Geschichte stört, ist – wer hätte das gedacht – der Sex. Ich mag es ja, wenn ein bisschen Würze ins Spiel gebracht wird, es darf auch gern kribbeln und so. Aber hier fand ich die Sexszenen an manchen Stellen unangenehm und ich hätte mir einen sparsameren Einsatz gewünscht. Die expliziten Beschreibungen, die ich in manchen Büchern durchaus zu schätzen weiß, hätte ich hier keinesfalls vermisst. Die Geschichte trägt sich auch ohne sie und wird nicht langweilig.

Das Layout des Buches – und ich beschränke mich da zunächst auf das eBook – ist unauffällig und stört nicht beim Lesen. Die Coverabbildung steht in direktem Bezug zur Geschichte, wir erkennen Phillip und Christoph auf einem abstrakten Hintergrund, der an ein Ölgemälde erinnert. Hier hätte es mutiger sein dürfen. Die beiden Hauptfiguren sind völlig unabhängig voneinander, aber nicht miteinander abgebildet. Die besondere Beziehung, das Schöne an ihrer Liebe, ja gar die Liebe als solche, wird auf dem Aushängeschild des Buches nicht transportiert.

“Nur eine Frage der Liebe” ist ein empfehlenswerter Roman mit einer anständigen Länge, einem roten Faden und viel Gefühl. Er lenkt den Blick des Lesers mal in eine etwas ungewohnte Richtung. Das Erzähltempo ist sehr angenehm, die Geschichte kommt gut voran und lässt den Figuren trotzdem Raum zur Entwicklung.

Als begeisterter Leser der beiden Vorgänger war dieses Buch für mich ein Muss, und auch jedem anderen kann ich die Geschichte durchaus ans Herz legen.

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